Training
Training
Noahs Sicht
„Hey...d-das ist unfair...",jammerte ich und stützte mich keuchend auf meinen Knien ab.
Lloyd lachte und sah aus als hätte er höchstens einen Spaziergang gemacht.
Fuck...so unsportlich war ich doch eigentlich nicht! Meine Ausdauer war doch immer okay gewesen!
„Willst du lieber wieder bei Schach verlieren?"
Ich schnaubte und schnappte immer noch nach Luft. „V-verlieren? Du hattest nur Glück letztes Mal. In der Schule hab ich immer Kinder abgezogen..."
Lloyd trat langsam näher und musterte mich interessiert. „Du hast was?“
„Naja...",schnaufte ich,„Bei Schulevents hab ich Kinder solange manipuliert bis sie mit mir um Geld gespielt haben...u-und dann hatte ich danach Geld...“
Lloyd lachte. „Ernsthaft? Warum wundert mich das nicht?"
Ich stellte mich langsam wieder gerade hin, mein Körper hatte sich etwas beruhigt. „Wer weiß. Wahrscheinlich weil du selbst nicht besser warst."
Lloyd sah schüchtern weg und ich legte den Kopf schief. Oh... nicht die Reaktion die ich erwartet hatte...
„Alles okay?",fragte ich unsicher.
„I-ich war nicht groß in der Schule.", nuschelte er.
„Uhm...", ich musste aussehen wie ein riesiges Fragezeichen.
„Meine Mutter hat mich in ein Internat abgegeben, dort bin ich abgehauen und mit etwa 10 Jahren hat mein Onkel mich gefunden, aufgenommen und trainiert... Ich habe nur freiwillig Stoff nachgeholt zusammen mit den anderen die zwar nicht so viel wie ich, aber auch viel Schule verpasst haben..."
„I-ich...sorry das wusste ich nicht..."
„Ist okay.",meinte Lloyd und zwang sich zu einem Lächeln, auch wenn ich spürte das in ihm alles unruhig war. Immer noch ein gruseliger Effekt, den die Bindung brachte. Ich spürte alles, egal wie sehr er versuchte es zu verstecken.
Ich hielt mir die Stirn und schloss angestrengt die Augen.
„Ich weiß es klingt komisch aber... kannst du etwas... runterfahren? Bitte? Ich weiß ich hab dich unruhig gemacht, aber gerade bereitet mir das alles Kopfschmerzen..."
Lloyds Lächeln sackte kurz dann setzte er es wieder auf. „Du musst dich irren... i-ich bin ruhig."
Ich schnaubte spöttisch und sah angestrengt hoch. „Schätzchen du bist alles außer ruhig..."
Ich trat langsam näher und seufzte. „Die Bindung verrät mir wie unangenehm dir das ist, wie unsicher und zweifelnd dich das macht. Ich hör das kleinste Zittern in deiner Stimme und dein Lächeln? Das ist nicht dein echtes Lächeln. Lloyd dafür kenne ich dich....zu gut."
Hm. Stimmte das? Kannte ich ihn gut? Eigentlich kannte ich ihn nicht so lange, aber ich fühlte mich als würde ich ihn kennen oder zumindest schon viel kennengelernt haben. Und vielleicht sollte ich mich mehr auf mein Gefühl verlassen, als das was theoretisch gesehen "passend" seien müsste.
Lloyd seufzte leise auf und sein Blick glitt kurz unsicher zu mir. „Okay...", murmelte er kleinlaut.
„Jetzt hör auf ein schlechtes Gewissen zu haben! Du bist ein Vollidiot, aber ich renne trotzdem nicht weg."
Lloyd lachte leise und zog eine Augenbraue hoch. „Naja sooo weit kommst du ja auch nicht weg."
„Vor der Bindung hätte ich es gekonnt. Und hab ich's getan?"
„Vor dem Ritual. Die Bindung ist seit unserer Geburt."
Ich zögerte, dann nickte ich langsam. „Du hast Recht. Seit dem Ritual. Muss mich dran gewöhnen das ich angeblich schon immer an dich gebunden war...."
Lloyds lächelte unsicher, aber zufrieden. „Brauchst du noch eine Pause?"
Ich schüttelte den Kopf. Zum Glück ließ sein schlechtes Gewissen und damit auch meine Kopfschmerzen nach.
Lloyd lief langsam vor mich und ging in Kampfposition.
Ich zog einen tiefen Atemzug in meine Lunge, stellte mich ebenfalls in Kampfposition. Das was Lloyd mir gezeigt hatte.
Ich sprang vor und versuchte einen Schlag zu landen den er sofort abblockte. Heute hatten wir es bei Angriffen meinerseits und purer Verteidigung seinerseits belassen.
Ich grummelte enttäuscht und versuchte weiter ihn zu treffen, während er es für meinen Geschmack viel zu locker abblockte. Ughhh!
Ich täuschte an und während er meinen vorgetäuschten Schlag blocken wollte trat ich zu und brachte ihn aus dem Gleichgewicht.
„Gut.",meinte Lloyd und stellte sich währenddessen wieder gerader hin. „Du wirst besser."
„Wirklich?",fragte ich und versuchte nicht mal meine Begeisterung zu verstecken.
„Wirklich.",kam seine ruhige Antwort zurück und er lächelte mich sanft an.
Ich spüre wie ich nervös wurde, aber mein Lächeln verschwand nicht. „Guck nicht so."
„Dann hör auf dich so süß darüber zu freuen.", schmunzelte Lloyd.
„Ugh! Ich bin nicht süß!",knurrte ich empört auch wenn tief in mir etwas zu angetan von der Idee war. Es sollte mir nicht gefallen und er sollte nicht anfangen mir irgendwas zu bedeuten....oder seine dumme Meinung.
Mit einem Schlag ging ich wieder in den Angriff. Nach einer weiteren halben Stunde Training ging mein Atem wieder so schwer das Lloyd es mit einem Grinsen für fertig erklärte.
Ich zögerte, doch ich blieb unsicher bei ihm stehen. „Was machen wir jetzt?"
Lloyd runzelte überrascht die Stirn. „Du... willst noch was mit mir machen?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Wieso nicht?“
„Komm ja eh nicht weit weg.“,setzte ich noch schnell hinten dran damit er sich nicht zu viel darauf einbildete, aber es war zu spät denn durch die Bindung hatte er genau verstanden was ich gemeint hatte.
Lloyds Lächeln wurde so weich das es mir im Herz schon weh tat. Gott was ein Idiot.
Ich spürte tiefe, warme Zuneigung und stockte. Nope das kam nicht von mir das kam von....ihm? Das kam von ihm!
Lloyd errötete leicht und ging verlegen einen Schritt zurück. „I-ich...u-uhm...“
Ich fing an zu lachen. Kein auslachen. Einfach...das war so absurd! Der grüne Ninja empfand Zuneigung? Für mich? Was für ein Quatsch. Könnte eine dumme Komödie sein.
Lloyd zögerte und sah auf. „Du...lachst?"
Ich kicherte immer noch. „Ja? Du? Magst mich?"
Er hob unsicher eine Augenbraue. „U-uhm du bist freundlich... zumindest meistens.... und erwartest nicht wirklich was von mir... "
„Meistens?? Hallo! Ich bin immer freundlich! Und was soll ich schon von dir erwarten, Vollpfosten?"
Lloyd schmunzelte unsicher. „Das meine ich. Du... siehst nicht nur den Ninja und bist... keine Ahnung... begeistert oder aufdringlich oder...so ein übertriebener Fan...du beleidigst mich einfach und behandelst mich... normal. Das mag ich."
Ich stockte. Uhm...ach verdammt könnte er sich zusammen reißen und nicht ständig Sachen sagen die mich aus dem Konzept brachten?!
Ich suchte nach Worten doch schlussendlich winkte ich ab und murmelte:„Du bist halt ein Vollpfosten."
Wir beide sahen uns unsicher an, als wüssten wir beide nicht wirklich, wie man ein solches Gespräch weiter führen sollte.
Ich ging einen Schritt zurück und stolperte fast über die Couch. Ugh! Warum trainierten wir auch drinnen?
„I-ich geh duschen."
Und damit verschwand ich hastig im Badezimmer.
Lloyds Verwirrung, aber auch Erleichterung für die Beendung dieses Gesprächs, strömte sofort durch unsere Bindung und es kribbelte unangenehm oder vielleicht auch einfach zu angenehm in meinem Bauch. Was ein Vollidiot.
Meine Hände suchten Halt am Waschbecken und ich starrte in den Spiegel. Ich war doch nicht so. Ich vermeidete Nähe, Zuneigung und tiefere Beziehungen... wieso hatte ich bei ihm das Gefühl ich müsste das nicht mehr? Das ich meine Verteidigung, und wenn auch nur für einen Tag, fallen lassen könnte...
„Du bist so dumm Noah!",fauchte ich mich selbst leise an, starrte mein Spiegelbild an. „Das wird alles nicht gut enden...."
Ich überprüfte ob die Tür wirklich zu war und dann fing ich an mich auszuziehen und die Klamotten in den Wäschekorb zu werfen der im Bad stand.
Ich trat langsam in die Dusche und stellte das Wasser an. Wartete geduldig.... gelogen sehr ungeduldig bis das Wasser halbwegs Temperatur bekommen hatte, dann stellte ich mich drunter.
Als das warme Wasser an meinen Schultern entlang lief löste sich die Anspannung in mir etwas.
Vielleicht wäre das Ganze nicht so schlimm, vielleicht wäre es sogar Recht schön das jemand weiß wie es mir geht, aber....wie konnte ich mich darauf verlassen das Lloyd mich aus eigenen Gründen mochte und es nicht bloß von der Bindung kam? Das er das nicht alles nur tat weil die Bindung es verlangte...?
Es klopfte vorsichtig und ich spürte sofort Lloyds Präsenz. Stopp! War mir das vorher nicht aufgefallen? Wieso konnte ich spüren wo er war?? Toll. Konnte ich ihn wenigstens in unserem 23 Meter Radius wiederfinden...
„Ja?"
„Sorry ich will nicht stören, aber erstens lass bitte nass ich geh auch noch duschen, zweitens hast du dir Gedanken gemacht was wir essen?“
Ich stockte. „U-uhm nein? Keine Ahnung...was haben wir denn überhaupt als Auswahlmöglichkeit?"
„Wir...“
Er stoppte und ich spürte seine Anspannung. Oh man. Was ist denn jetzt los??
Lloyds Präsenz entfernte sich etwas und ich knurrte. Okay dann lass mich einfach stehen!
Ich wusch mir die Haare und als ich aus der Dusche trat hörte ich Lloyd wieder vor die Tür treten. „Tut mir leid ich hab nur gehört das wer reingekommen ist, Zen ist da."
Ich grummelte. Zen als Ausrede benutzen hm?
„Ich benutz ihn nicht als Ausrede!", grummelte Lloyd empört.
„Hör auf meine Gedanken zu lesen!“
„Dann denk einfach nicht so laut!"
„IGNORIER SIE DOCH EINFACH!"
Lloyd schnaubte spöttisch. „Ich lese gar nichts ich bekomme nur was rüber kommt. Halt deine Gedanken unter Kontrolle und dann reden wir weiter."
Damit trat er weg und ließ mich mit einer geballten Faust stehen. Vielleicht ganz gut das uns die Tür getrennt hatte...
----------------------------------------------------------------------------
Hii,
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen!
Liebe Grüße!
Wolf