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(Immer noch) Tag 11, Dienstag - Wer will fleißige Handwerker sehen

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(Immer noch) Tag 11, Dienstag - Wer will fleißige Handwerker sehen

Mittags saßen sie im immer noch geschlossenen Café um eilig zusammengeschobene Tische herum und stärkten sich mit indischen Köstlichkeiten, die sie sich hatten liefern lassen. Sie konnten mit ihrem Arbeitspensum bisher wirklich zufrieden sein, das Muriel gerade für alle zusammenfasste: „Vickys alte Wohnung ist leer und alle Möbel und Kartons stehen in der neuen schon im jeweils richtigen Raum. Das Bett ist wieder aufgebaut. Müssen wir bei euch heute noch was machen?“ Sie sah Vicky und ihren Freund fragend an. Liam antwortete: „Wir können ins Bett, ins Bad und an die Kaffeemaschine. Um alles weitere können Vicky und ich uns ab morgen kümmern. Jetzt fassen wir erstmal bei euch weiter mit an.“ Die Buchhändlerin nickte zufrieden und zählte weiter auf: „Schritt 2: Auszug von Maggies Plattenladen. Der Laden ist schon leer bis auf ein bisschen Werkzeug und ein paar Kleinigkeiten. Die sammeln wir einfach in zwei Wäschewannen und dann schaffen wir den ganzen Kram in Ninas Keller. Richtig soweit?“ Sie sah sich um und alle nickten. Nein, nicht alle. Nina biss die Zähne zusammen und wirkte gestresst. „Es tut mir leid, ich habe es erst erkannt, als alles so dicht gepackt auf der Ladefläche stand. Aber all dieses Zeug, das passt niemals in meinen kleinen Keller. Keine Chance“, sagte sie entschieden. „Wir brauchen einen Plan B!“

Betreten sahen sich die Freunde an. Woher sollten sie so schnell eine Abstellmöglichkeit für so viele Kisten nehmen? Nur auf Erziraphaels Gesicht breitete sich plötzlich ein Lächeln aus: „Esst auf und lasst uns weitermachen. Wir bringen die Sachen einfach zu Vicky und Liam.“ Alle sahen ihn fragend an, Vicky wirkte irritiert. „So groß ist die Wohnung doch …“ Der Engel kam dem Ende ihres Satzes zuvor. „Natürlich nicht in eure Wohnung, Vicky. Aber das Erdgeschoss darunter steht doch völlig leer. Da stehen die Kisten niemandem im Weg, bis Maggie entscheidet, was sie damit machen will.“ Maggie sah ihn kopfschüttelnd an. „Nein Erziraphael, das kann ich nicht annehmen. So wirst du mich doch nie los!“ Er lächelte erst sie an, dann Crowley, der während der gesamten Mahlzeit noch kein Wort gesprochen hatte. „Vielleicht möchten wir genau das ja erreichen, liebe Maggie.“

***

Kurz nach der Mittagspause waren Bee und Gabriel vorbeigekommen, um mit Erziraphael und Crowley zu sprechen. Sie fanden sie schließlich im ersten Stock von Crowleys Haus und mussten über den Anblick lächeln, der sie dort erwartete. Im Bad saß Erziraphael und zog mit einer Engelsgeduld die Fugen der Wandfliesen mit Fugenweiß nach. Er arbeitete mit ruhiger Hand und war so in seine Arbeit vertieft, dass er nicht einmal aufsah, als das Paar durch die Tür schaute. „Hallo Bee, hallo Gabriel, ich wusste gar nicht, dass ihr auch zum Helfen kommt.“ Gabriel hatte bereits seine Jacke auf eine der Umzugskisten im Flur abgelegt und krempelte nun die Ärmel hoch. „Wir auch nicht, es hatte uns nämlich niemand davon erzählt.“ Er ging mit Bee weiter zur nächsten Türöffnung und versuchte, einen Überblick zu gewinnen. Es war offensichtlich, dass weder die beiden Männer noch einer der anderen eifrigen Heimwerker gerade jetzt die Ruhe für eine strategische Besprechung haben würden.  Maggie war in der Küche mit der gleichen Aufgabe beschäftigt wie Erziraphael im Bad. Muriel klebte in einem großen hellen Raum die Fußleisten und die Gardinenleisten ab und schien damit schon fast fertig zu sein. In einem etwas kleineren Raum auf der anderen Flurseite deckten Nina und Jesus gerade den Boden mit Folie und Matten ab, während Crowley mit einem Spachtel sorgfältig Bohrlöcher und kleine Schadstellen an der Wand ausbesserte. „Was können wir tun?“ Muriel hob den Kopf und zeigte auf die Deckenleuchte, die mitten im Raum auf dem Boden lag: „Kann einer von euch Strom?“

Zu ihrem Erstaunen nickte Gabriel. „Für eine Lampe reicht es. Das habe ich mir schon damals beim Herumreisen mal zeigen lassen. Wo finde ich Werkzeug?“ Muriels Kopf war schon wieder über ihre Arbeit gebeugt, als sie antwortete: „Werkzeugkasten im Flur.“

***

Als sie später im künftigen Wohnzimmer auf dem Boden im Kreis saßen, Tee tranken und versuchten, mit Schulterkreisen, Strecken und Räkeln ihre Muskeln über die ungewohnte Arbeit hinwegzutrösten, wirkten sie alle erschöpft, aber zufrieden. Lediglich Muriel schien noch immer vor Energie zu sprühen. „Was steht denn jetzt noch an?“, fragte Erziraphael, während er sich die weiße Fugen-Farbe von den Händen kratzte, die Wasser und Seife standgehalten hatte.

„Hier können wir nicht mehr viel machen, bevor die Fenster drin sind.“ Muriel sah sich um. „Es ist unglaublich, was wir schon alles geschafft haben.“ „Meine Mutter sagt immer: Viele Hände, schnelles Ende“, warf Vicky ein. Muriel lächelte. „Das gefällt mir. Nina fährt gleich noch mit mir in den Baumarkt, Wandfarbe holen. Ihr anderen habt euch euren Feierabend verdient, ihr wart fantastisch. Ich weiß gar nicht, wie ich das jemals wieder gut machen soll.“ Alle winkten ab, nur Nina hob vielsagend die Augenbrauen. „Keine Sorge, da lassen wir uns schon was einfallen.“ Liam bot an, mit zum Baumarkt zu kommen und beim Ein- und Ausladen der Einkäufe zu helfen, während Vicky in ihrer neuen Wohnung weitermachen würde. Maggie sah ihn dankbar an. „Das wäre super. Wenn ich nicht mitfahren muss, gehe ich jetzt noch ein letztes Mal durch den Laden. Ach, Bee, ich habe unten noch was für dich. Am besten nimmst du es gleich mit.“ Die Dämonin schaute auf. „Für mich? Was ist es?“ „Eine Überraschung.“ Sie lächelten sich an.

Erziraphael schaute zu Crowley: „Wir sollten dringend mit Hexe raus, oder?“ Der Dämon nickte. „Und danach brauche ich eine Dusche.“ Jesus räusperte sich. „Ich hatte gehofft, ich könnte noch etwas mit euch besprechen.“ „Wir auch.“ Bee und Gabriel waren aufgestanden. „Dann treffen wir uns doch einfach in einer guten Stunde bei uns“, schlug Erziraphael vor. Zu Jesus sagte er: „Wenn du nicht erst ins Hotel zurück willst, kannst du gerne gleich mit rüber kommen.“