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(Immer noch) Tag 12, Mittwoch

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(Immer noch) Tag 12, Mittwoch

Im Laufe des Nachmittags war Muriel zweimal im Nebengebäude gewesen, um Alec und seiner Tochter Lizzie etwas zu trinken zu bringen. Natürlich auch deshalb, weil sie ihrer Neugier nachgab und sich vom Fortschritt der Arbeiten überzeugen wollte. Als Crowley wiederkam, hatte er sie in die Wohnung begleitet und sich erkundigt, ob er irgendetwas helfen könnte, aber Alec hatte das verneint. So hatte auch der Dämon sich zu den Engeln gesetzt und las am Computer aktuelle Rezensionen. Alle drei blickten gleichzeitig auf, als es an der Ladentür klopfte und eine kleine brünette Frau herein kam. Erziraphael war sofort aufgesprungen und ihr entgegen gegangen. „Sarah, sind Sie das wirklich? Wie schön, Sie einmal wiederzusehen! Wollen Sie Ihre Lieben abholen?“ Er wandte sich zu Crowley und Muriel um und stellte sie Alecs Frau vor. Sarah hatte ein offenes Lächeln und einen festen Händedruck und schien die perfekte Ergänzung zu dem sympathischen Schreiner zu sein. „Um ehrlich zu sein, nutze ich vor allem den guten Vorwand, endlich wieder einmal nach Ihnen zu sehen. Alec sagte, dass es Ihnen gut zu gehen scheint und ich wollte mich gern selbst davon überzeugen.“ Ihr Blick wanderte wohlwollend zwischen den drei Personen hin und her. Bei Crowley verweilte sie einen Augenblick länger, sah dann wieder zu dem Buchhändler und lächelte ihn beinahe mütterlich an. „Ich bin froh zu sehen, dass er ganz offensichtlich recht hatte.“ Sie nahm sowohl den angebotenen Sitzplatz als auch eine Tasse Tee an und als Alec und Lizzie eine halbe Stunde später in der Tür standen, um sich bis zum nächsten Tag zu verabschieden, waren sie längst so ins Gespräch vertieft, dass sie die Gibsons baten, doch zum Essen zu bleiben. Muriel zog Erziraphael mit sich in die Küche und wies Crowley an, den Tisch zu decken. Sarah nutzte die Gelegenheit, Crowley ein bisschen auszuhorchen, während sie die Teller und Bestecke verteilte, die er aus dem Schrank nahm. Kurz darauf saßen alle vor einer großzügigen Portion Pasta mit Salat und unterhielten sich so ungezwungen, als würden sie jeden Tag das Abendessen miteinander einnehmen. Sarah half beim Tischabdecken. Als sie in der Küche kurz allein waren, fragte Crowley leise: „Nun, Sarah, habe ich Ihren Test bestanden?“ Sie lächelte ertappt, sah ihm aber freimütig in die Augen. „So offensichtlich? Entschuldigen Sie bitte, Anthony. Aber ja, mit Bravour bestanden.“

Kurz darauf machten sich die Gibsons zum Aufbruch bereit. „Josie wird neidisch sein, dass sie nicht mit uns hier war. Ich warne Sie, sicher steht sie morgen irgendwann einfach im Laden.“ Erziraphael, der die Familie bis zur Tür begleitet hatte, wurde von Sarah zum Abschied umarmt. Dabei flüsterte sie ihm zu: „Halten Sie ihn fest, Erziraphael. Er scheint Ihnen gut zu tun!“

Beim Aufräumen erzählte Muriel Crowley von ihrer Idee, die Presse für den kommenden Samstag einzuladen, und auch er hatte nichts dagegen einzuwenden. „Ein bisschen Publicity freut sicher auch die Verlage“, bestärkte er sie. „Willst du schon ankündigen, welches Buch wir vorstellen? Dann entscheide ich das gleich morgen früh.“ Muriel strahlte. „Das wäre super. Es wäre schön, wenn du diesmal was Aktuelles nimmst, damit punkten wir bestimmt bei unserem Vertreter.“

Danach zog Muriel sich auf ihr Zimmer zurück und Crowley verließ das Haus für eine kurze Runde mit Hexe. Beim Wiederkommen steuerte er direkt das Sofa an und ließ sich wortlos neben Erziraphael fallen. Mit einem leisen Stöhnen bewegte er vorsichtig den rechten Fuß in alle Richtungen. Dann versuchte er ihn kreisen zu lassen, brach aber mitten in der Bewegung ab und zog eine Grimasse. „Hast du dich verletzt?“ Der Engel klang besorgt. „Bist du gestürzt?“ Crowley schüttelte den Kopf. „Umgeknickt. Hab‘ den Bordstein knapp verfehlt.“ Er bemühte sich um einen neutralen Tonfall, aber seine Mimik verriet, dass er Schmerzen hatte. „Zeig mal her!“ Erziraphael beugte sich vor und griff nach dem schmerzenden Fuß. Er zog ihn kurzerhand auf seinen Schoß, so dass der Dämon gezwungen war, sich zu ihm umzudrehen. Statt der Rückenlehne war hinter ihm jetzt nur noch die niedrige Armlehne des Sofas, auf die er widerstrebend seinen Kopf sinken ließ. „Lass!“, brummelte er. „Das geht schon wieder weg. Ignorier es einfach.“ Da hatte er die Rechnung jedoch ohne den Wirt, genauer gesagt: ohne den Engel gemacht. Unter Crowleys halbherzig gemurmelten Protest zog Erziraphael vorsichtig den Schuh vom Fuß, dessen Knöchel sich schon deutlich geschwollen anfühlte. Er legte seine Hand darauf, schloss die Augen und versuchte, seine heilenden Kräfte genau auf die schmerzende Stelle zu richten. Die positive Energie floss wie ein Strahl warmes Sonnenlicht in seine Hände, die er nun um den Knöchel schloss, … aber es gelang ihm nicht, sie in Crowleys Körper zu lenken. Er brach verwundert ab und wollte sich für einen zweiten Versuch gerade neu sammeln, als er Crowleys Hand auf seiner fühlte. „Lass gut sein, Engel“, sagte der Dämon. „Satan hat schon vor sehr langer Zeit dafür gesorgt, dass kein Engel mich heilen kann. „Dann bitte ich Bee, kurz vorbeizukommen“, schlug Erziraphael eifrig vor, aber Crowley schüttelte wieder den Kopf. „Keine Wunder, welcher Art auch immer, er ist da auf Nummer sicher gegangen.“ Der Engel sah ihn betroffen an. Hatte der Sadismus des Höllenfürsten denn wirklich keine Grenze gekannt? Aber der Wächter des Osttores von Eden, der leitende Erzengel a. D., der unersättliche Jäger und Sammler bibliophiler Schätze war kein Mann, der leicht aufgab. „Dann versuchen wir eben menschliche Medizin für einen menschlichen Körper“, sagte er bestimmt. Im nächsten Augenblick lächelte er schon wieder. „Ich glaube, ich weiß, was da hilft.“ Ohne weitere Erklärung stand er auf und ging zur Treppe. „Bleib da sitzen“, rief er über die Schulter zurück. „Ich hole nur schnell was.“ Als er gleich darauf die Treppe wieder herunterkam, hatte er ein Handtuch und eine grüne Tube in der Hand. Er ging zum Kühlschrank, aus dem er zielsicher etwas Blaues nahm, und kam zurück zum Sofa. Er legte alles auf seinem Sessel ab, den er näher heranzog, bevor er sich wieder zu Crowley setzte. Dann begann er, den Fuß vorsichtig zu bewegen und mit den Fingern zu ertasten, wo genau es weh tat. Der Dämon zischte unwillkürlich, als er das Fußgewölbe abtastete. Am äußeren Knöchel fanden die weichen Finger einen weiteren Punkt, der schon auf leichten Druck empfindlich reagierte. Erziraphael schob das Hosenbein etwas nach oben und griff nach dem Rand des schwarzen Strumpfes. „Was machst du da? Warte!“ Crowley zog das Bein an und versuchte, den Fuß außer Reichweite der fürsorglichen Hände zu bringen, aber das misslang. Sanft drückte der Engel den Fuß wieder auf seine Oberschenkel und begann, den Rand des Strumpfes hinunterzurollen. „Engel, ich will das nicht. Hör auf!“ Der Kopf mit den blonden Locken hob sich, ein verständnisloser Blick traf ihn. „Was willst du nicht? Tut es etwa so weh?“ Crowley biss sich auf die Lippen, antwortete aber nicht. Den gequälten Blick kannte Erziraphael vom Abend seiner Rückkehr auf die Erde und plötzlich glaubte er zu verstehen. „Ich soll deinen Fuß nicht sehen, ist es das?“ Sanft strich er über den Fußrücken und wartete auf eine Antwort, die nicht kam. „Bitte überleg es dir nochmal, Liebling. Ich möchte den Knöchel behandeln, die Schmerzen lindern. Wenn Wunder nicht helfen, geht das nur ohne Strumpf.“ Es war nur ein unartikuliertes Brummen, das aus Crowleys Mund kam. Die verstockte Miene ließ trotzdem keinen Zweifel daran, was es bedeutete. Der Engel sagte nichts weiter. Aber er ließ auch den Fuß nicht los. Unbeirrt streichelte er ihn, massierte ihn mit leichten und liebevollen Handgriffen und beobachtete aufmerksam, wie der Dämon sich entspannte. Dann massierte er die verspannte Wade, so gut das durch den Stoff der schwarzen Jeans möglich war, ließ seine Hand wieder an den Strumpfrand wandern, schob schließlich einen einzelnen Finger unter das elastische Bündchen und streichelte die darunterliegende Haut. „Bitte“, sagte er, „bitte lass mich helfen.“

„Tu, was du nicht lassen kannst.“ Die Antwort hatte lange auf sich warten lassen und klang keineswegs überzeugt, nur resigniert. Bevor er es sich anders überlegen konnte, rollte Erziraphael die Socke so weit herunter, dass der Knöchel und die Ferse des Dämons zum Vorschein kamen. Wie erwartet, war der Knöchel schon stark angeschwollen. Schlimmer war, dass er die gleichen Spuren von Fesselung und Misshandlung zeigte wie Crowleys Handgelenke und sein Bauch. Obwohl der Engel damit gerechnet hatte, fand er den Anblick schwer zu ertragen. Es schien offensichtlich, dass diese Verletzungen aus purem Sadismus zugefügt worden waren. Seine linke Hand lag locker um Crowleys Fuß, während die Finger seiner Rechten begannen, sanft an den Narben entlangzufahren. Der Dämon protestierte. Er zog die Beine an und versuchte, den Fuß unter Erziraphaels Oberschenkel zu verstecken. Der ließ sich aber nicht beirren. „Crowley, bitte!“ Er zog den Fuß wieder zu sich heran und fuhr fort, den Knöchel zu streicheln. Schließlich zog er den Strumpf ganz aus und legte ihn neben sich. Wieder wand sich Crowley voller Unbehagen, gab aber schließlich unter den zärtlichen Händen des Engels auf. Der reckte sich nach der Tube, die er auf den Sessel gelegt hatte und klappte den Verschluss auf. Er drückte etwas von dem Tubeninhalt in seine Hände und begann, ihn vorsichtig auf Crowleys Fuß zu verteilen. „Warum ist das so kalt?“ – „Kühlgel. Ätherische Öle. Und was gegen die Schmerzen. Ist es unangenehm?“  - „Nein… Im Gegenteil.“ Erziraphael begann, den Fuß vorsichtig mit dem kühlenden Gel zu massieren. Der Dämon biss sich auf die Zunge, um keine Schmerzenslaute von sich zu geben, aber er strengte sich vergeblich an. Der Engel spürte schon an minimalen Änderungen der Muskelspannung, wo seine Berührung schmerzhaft und wo angenehm war. Während er an den empfindlichen Stellen nur sanft die Creme einmassierte, griff er an den anderen fester zu, um die Muskeln zu lockern. An der Fußsohle fühlte er Verhärtungen und Verhornungen, für die er keine Erklärung hatte. Behutsam hob er den Fuß an, um darunter schauen zu können. Obwohl er die Narben gefühlt hatte, war er auf diesem Anblick nicht gefasst gewesen. Ungläubig sah er auf. „Brandeisen.“ Crowley sagte es so teilnahmslos, als habe das Wort nichts mit ihm zu tun. „Kleine Brandeisen. Sehr oft und dicht an dicht gesetzt. Man kann das Brandzeichen sogar noch lesen. Obwohl ich ziemlich viel versucht habe, um es loszuwerden.“ „SFdH?“, las Erziraphael vor. „Satan, Fürst der Hölle.“ Crowley hatte die Augen geschlossen. „So hat er sein Eigentum gekennzeichnet.“ Erziraphael war fassungslos. Und sprachlos, was wirklich selten vorkam. Er griff nach Crowleys Hand und drückte sie, eine zutiefst hilflose Geste. Als er sich halbwegs gefasst hatte, nahm er noch etwas von dem Gel und massierte es gründlich in die Fußsohle ein. Er drückte einen Kuss darauf und nahm das Handtuch und den anderen Gegenstand zur Hand, den er mitgebracht hatte. Der Dämon seufzte, als der Engel das blaue Kühlpack an seinen Knöchel presste und sorgfältig das Handtuch darum wickelte. Dann griff er nach dem anderen Fuß, zog auch den zweiten Schuh und die zweite Socke aus, ohne sich von Crowleys missbilligenden Brummtönen abhalten zu lassen und unterzog auch diesen Fuß einer gründlichen, aber rücksichtsvollen Behandlung. Er massierte ihn, bis es Crowley vorkam, als hätte jemand ihn ausgetauscht. Beide Füße fühlten sich geschmeidig an, fast schmerzfrei, jeder Muskel entspannt, als hätte er sich der unerbittlichen Fürsorge des Engels ergeben. Sie ruhten schwer und locker in Erziraphaels Schoß und am liebsten hätte der Dämon sie dort für immer liegen lassen.

Als sie später schlafen gingen, stieg Crowley die Treppe ohne Erziraphaels Hilfe hinauf, sich auf dem Geländer abstützend und den lädierten Fuß so wenig wie möglich belastend. Es waren vor allem anderen sein Stolz und sein Dickkopf, die ihn oben ankommen ließen, und als er sich erleichtert auf das Bett plumpsen ließ, akzeptierte er kommentarlos, dass der Engel ihm das Kissen zurechtschob, seinen Fuß mit einem frischen Kühlpack in eine Art Nest aus Handtüchern bettete, aus dem er nicht so leicht herausrutschen konnte, und die Decke über ihm ausbreitete. Wieder einmal ersetzten ein Fingerschnippen und ein Moment der Konzentration das Ausziehen von Hose und Hemd sowie das Anziehen des Pyjamas, so dass Erziraphael, als er neben ihn schlüpfte, nichts mehr zu tun blieb, als ihm einen Gute-Nacht-Kuss in den Nacken zu drücken. Sie löschten das Licht und warteten nebeneinander schweigend auf den Schlaf. Nach einer Weile gab Crowley sich einen Ruck. „Engel?“

– „Ja, Crowley?“

„Danke.“

Der Dämon tastete in seinem Rücken nach Erziraphaels Hand und zog ihn daran näher zu sich heran. Erst spürte er den weichen Körper des Engels an seinem Rücken, dann den Arm, der sich um seine Taille legte. Er seufzte wohlig. Im Einschlafen griff er nach der Hand auf seinem Bauch und hielt sie fest. „Ach, Engel…“, murmelte er, aber der wartete vergebens auf eine Fortsetzung. Stattdessen hörte er die gleichmäßigen Atemzüge des Dämons, denen sich sein eigener Atemrhythmus nach und nach anglich, bis auch er mit einem Lächeln auf den Lippen einschlief.