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Offene Fragen (immer noch Montag)

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Offene Fragen (immer noch Montag)

Muriel hatte sich todmüde aus dem Bett gequält und war mit Hexe in die Schule aufgebrochen. Ihnen war erst mitten in der Nacht aufgefallen, welcher Wochentag war. Die Buchhändlerin hatte sich angeboten, die Termine zu übernehmen, solange Crowley nicht zurück war, und Erziraphael hatte sich nicht gesträubt. Die Kinder sollten nicht darunter leiden, dass Hexes Besitzer noch nicht nach Hause gekommen war. Crowley würde es richtig finden, diese Gewissheit beflügelte den Engel auf dem Weg zur Schule.

Die beiden anderen Unsterblichen in der Buchhandlung schliefen – erschöpft von der nächtlichen Marathonsitzung mit Kenneth – bis in den Vormittag hinein. Sie hatten sich gerade erst mit ihrem Frühstück vor dem Bildschirm versammelt, um die Berichterstattung aus dem Parlament zu verfolgen, als Ben an der Ladentür klopfte. Er nahm beide zur Begrüßung fest in den Arm und sah sie besorgt an: „Was habt ihr schon gesehen?“ Er atmete auf, als er zum Bildschirm blickte und dort ein Orchester erkannte. Dann versuchte er, ihnen möglichst schonend beizubringen, wohin dieser Tag zu steuern drohte.

Sie versuchten, sich für das Schlimmste zu wappnen, dann öffnete Bee den Livestream aus dem House of Commons. Schon die ersten Bilder machten deutlich, welche Bedeutung die Regierung dem Thema und den aktuellen Anfragen beimaß: Die Regierungsbank war gut besetzt. Der Engel erkannte auf den ersten Blick sowohl den Premierminister und seine Stellvertreterin als auch die Innenministerin, ihre Staatssekretärin, den Außenminister und hochrangige Vertreter weiterer Ministerien. „Oha!“, entfuhr es Ben, als die Kamera über die Plätze schwenkte, die üblicherweise für Gäste und Experten vorgesehen waren. Dort saßen die Leiter von MI5, MI6 und dem militärischen Nachrichtendienst. Auch die ehemalige Höllenfürstin war beeindruckt: „Sie müssen sich jedenfalls nicht vorwerfen lassen, die Situation nicht ernst zu nehmen“, murmelte sie. „Nach Deeskalation sieht das aber nicht gerade aus“, monierte Erziraphael stirnrunzelnd. Er schluckte. Dieses massive Aufgebot erinnerte ihn an die erste Krisensitzung in Downing Street 10, als er zum ersten Mal von Dämonen bei den Hells Angels und radikalen Engeln und der Gründung von nationalen „Winged Pride“-Chaptern gehört hatte.

Die Minister waren dabei, die ihr jeweiliges Ressort betreffenden Fragen zu beantworten. Sie taten dies ausnahmslos sachlich, kurz und konkret.

-     „Nein, der Regierung ist derzeit nicht bekannt, wie viele Unsterbliche sich im Vereinigten Königreich aufhalten. Die Erfassung des Merkmals „unsterblich“ ist bisher in amtlichen Verfahren noch nicht möglich. Wir befinden uns in einer Übergangsphase.

-     Der Überweltliche Vertrag legt fest, dass Menschen, Engel und Dämonen gleichberechtigt sind. Dementsprechend wird der Zuzug von Unsterblichen nach den gleichen Regeln kontrolliert wie die Einreise oder Zuwanderung anderer nicht-britischer Staatsbürger. Dies gilt ebenfalls für eine mögliche Begrenzung oder anderweitige Steuerung des Zuzugs.

-     Unsterbliche werden als solche auf die gleiche Weise erkennbar sein, wie britische Staatsangehörige oder sich im Königreich aufhaltende Ausländer, nämlich anhand ihrer Ausweispapiere. Die dafür notwendigen neuen Formulare und Identitätsdokumente befinden sich gerade in der Abstimmung.

„Hört, hört!“, rutschte es Bee an dieser Stelle heraus. „Von der höllischen Bürokratie direkt in die menschliche. Klingt nach ‚vom Regen in die Traufe‘!“ Mit gerunzelter Stirn hörte sie weiter zu.

-     Die bisherigen Ausführungen gelten in gleicher Weise auch für Fragen der Besteuerung, des Waffenbesitzes und alle weiteren Einzelbereiche.

-     Es ist bisher nicht beabsichtigt, eine getrennte Kriminalitätsstatistik zu erheben.

-     Es wäre Aufgabe der Gesetzgebenden Gewalt, den Einsatz von Wundern zu regulieren oder ihren Missbrauch mit Strafandrohungen zu belegen. Das fällt nicht in die Zuständigkeit der Regierung. Bis dahin ist es Sache der Gerichte, bestehende Regelungen auch auf neue Sachverhalte anzuwenden.

-     Die Regierung sieht keinen Anlass für eine Stellungnahme zur Arbeit der UN im Hinblick auf den Überweltlichen Vertrag. Die Vorbereitungen für eine Ratifizierung durch das Vereinte Königreich werden planmäßig fortgesetzt.

-     Konkrete Ermittlungen der Sicherheitsbehörden sowie geplante Maßnahmen sind aus gutem Grund in der Regel nicht-öffentlich.

-     Es liegen bisher keinerlei Erkenntnisse vor, die auf eine veränderte Gefährdungslage durch dämonische Mitglieder in kriminellen Rockergangs hindeuten.

-     Die Niederlassungsfreiheit für Angehörige aller drei Welten ist einer der Kernpunkte des Überweltlichen Vertrags und unterliegt nicht nationaler Gesetzgebung.

Für britische Verhältnisse verlief dieser Teil der Sitzung mehr als gesittet. Die Statements wurden durch die üblichen Zwischenrufe unterbrochen, es kam jedoch weder zu Beleidigungen noch zu Handgreiflichkeiten.

Die Freunde hatten die Antworten stumm und hochkonzentriert verfolgt. Jetzt ließ Erziraphael den angehaltenen Atem mit einem Seufzen entweichen und Bee begann, sich zu strecken, um ihre angespannten Muskeln zu lockern.

Ben sah die Freunde fragend an: „Was haltet ihr davon?“, fragte er. „Das klang alles sachlicher und gemäßigter, als ich befürchtet hatte.“ Er zog die Nase kraus und rieb sich die Schläfen.

„Ich weiß nicht so recht.“ Bee knetete ihre verspannten Nackenmuskeln und sah dabei unschlüssig zu Erziraphael. „Damit werden sich die Demonstranten vor der Tür nicht zufrieden geben. Was meinst du, Erzengel?“ Erziraphael wackelte nachdenklich mit dem Kopf. „Ich fürchte, die MPs vom rechten Rand auch nicht“, begann er, stockte jedoch, abgelenkt von den Fernsehbildern, die eine Antwort überflüssig machten: Sobald alle Regierungsmitglieder wieder auf der Regierungsbank Platz genommen hatten und der Speaker die Debatte eröffnete, brach im House of Commons ein Tumult los.

***

Milgreth saß im Wachraum und beobachtete die Monitore. Immer wieder suchte er dabei nach einem bestimmten Gesicht, dem eines rothaarigen Dämons mit Sommersprossen, der vor einer schweren Entscheidung stand.

Als dem Soldaten klargeworden war, dass Balgran für seine Entscheidung länger brauchen würde und sie noch dazu mit anderen Gefangenen zu diskutieren schien, hatte er seinen Hauptmann informiert. Sie konnten Gabriel und Crowley nicht mehr lange hier unten behalten – beide litten ohne jeden Zweifel bereits unter den Folgen ihres mehrtägigen Aufenthaltes. Er hatte gehört, wie Gabriel Crowley angeschrien hatte. Ein ehemaliger Erzengel würde seinem Ärger niemals so lautstark Luft machen, wenn er ganz Herr seiner selbst war. Und Crowley konnte man förmlich dabei zusehen, wie sein ohnehin brüchiges Selbstvertrauen sich auflöste und Hoffnungslosigkeit sich seiner bemächtigte. Sie mussten so schnell wie möglich zurück auf die Erde, wenn Schlimmeres vermieden werden sollte. Milgreth würde nicht nur seinem Hauptmann Rede und Antwort würde stehen müssen, falls Crowley oder Gabriel hier in seinem Zuständigkeitsbereich etwas zustoßen sollte, da war er sich sicher. Ohne jeden Zweifel würde Furfur selbst ihn in diesem Fall zur Rechenschaft ziehen. Und auch wenn der amtierende Höllenrat kein Freund willkürlicher Urteile und drastischer Strafen war, würde Milgreth nicht darauf wetten, dass er das lebend überstehen könnte.

Zu seinem eigenen Erstaunen waren es aber weder Gehorsam noch Furcht, die ihn so besorgt um das Wohlergehen der Parlamentäre machten. Er wusste nicht wieso, aber die so unterschiedlichen Männer und ihre Beziehung zueinander faszinierten ihn. Es kam ihm so vor, als könnte er von ihnen viel lernen. Und irgendwie mochte er die beiden, auch wenn das wahrscheinlich unprofessionell war. Jedenfalls war es ihm längst ein persönliches Anliegen, sie wohlbehalten wieder zurück in ihre Welt zu bringen. Und dann wollte er irgendwann verstehen, wie aus Todfeinden Freunde werden konnten.

Aber erst einmal musste ihr Aufenthalt im Fünften Kreis möglichst bald beendet werden. Er suchte auf den Monitoren wieder nach Balgran und sah ihn offensichtlich aufgewühlt mit großen Schritten über den Hof gehen. Dann stoppte er abrupt, kehrte um und ging die gleiche Strecke zurück. Das wiederholte sich noch viele Male und der Soldat sah, dass einige andere Inhaftierte am Ausgangspunkt seiner rastlosen Wanderung standen und ihn besorgt beobachteten. Milgreth erkannte unter den Wartenden auch den Sprecher der Gefangenen, Diplor, der am Wendepunkt mehrmals versuchte, den Rothaarigen anzusprechen, ihn aber nicht zum Stehenbleiben bewegen konnte. Stattdessen blieb er jetzt am entferntesten Punkt seiner Strecke abrupt stehen, ließ den Kopf hängen und barg sein Gesicht in seinen Händen.

Als er schließlich den Kopf wieder hob, straffte er seinen Körper, strich sich die Haare aus dem Gesicht und wandte sich um. Seine Bewegungen verrieten nichts mehr von der Unruhe, die ihn soeben noch über den Hof getrieben hatte. Er wirkte entschlossen und gelassen, als er zu seinen wartenden Mithäftlingen trat und Diplor seine Hände auf die Schultern legte. Er sprach nur wenige Worte. Der Blonde nickte und eilte zur Gegensprechanlage. Die anderen Männer und Frauen umarmten Balgran stumm, einer nach dem anderen, dann kehrten sie zu ihren eigenen Beschäftigungen zurück.

Obwohl Milgreth auf dem Monitor sehen konnte, wie Diplor den Knopf drückte, schrak er zusammen, als die Glocke direkt neben ihm läutete. Verdammt, warum stand er denn so unter Strom? Er versuchte, sich seine Anspannung nicht anmerken zu lassen, als er die Gegensprechanlage aktivierte: „Ja? Was gibt es?“ Die Stimme des Gefangenensprechers verriet keine Emotion. „Balgran hat seine Entscheidung getroffen“, teilte er mit. „Könnt ihr die Parlamentäre herbitten?“ „Ich schicke jemanden zu ihnen“, antwortete er. Dann beugte er sich erneut zum Mikrofon. „Ich habe den Kontaktraum geöffnet, ihr könnt dort warten“, ließ er Diplor wissen. Auf dem Monitor sah er, wie dieser Balgran herbeiwinkte und wie die beiden Männer sich langsam auf die Tür zu bewegten. Er beauftragte den zweiten Wachmann, Crowley und Gabriel aus ihrer Unterkunft zu holen. Währenddessen fragte Milgreth sich bang, was die nächsten Minuten bringen würden.

***

„Los, jetzt den Vorleser!“ Mit ihrem vor Aufregung trockenen Mund hatte Sammy Mühe, die Worte über die Lippen zu bringen. Aber Mary-Anne hätte dasselbe vorgeschlagen, deshalb verstand sie auch die vernuschelte Anweisung. Wieder hämmerte sie eilig den Prompt in die Tastatur und lehnte sich erwartungsvoll zurück.

„Ist das alles?“, fragte Sammy enttäuscht. Es waren nicht einmal zehn Bilder, die die KI ihnen zeigte. Das älteste stammte aus einer deutschen Quelle: ein gezeichnetes Phantombild aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, mit dem die Nazis nach einem britischen Agenten gefahndet hatten. Es mochte eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Lebensgefährten des Buchhändlers haben, aber hinter der dunklen Sonnenbrille konnte man es nicht wirklich beurteilen. Nicht einmal die Haarfarbe war im ergänzenden Text vermerkt.

Einige weitere Fotos waren offensichtlich in Promi-Bars oder Clubs aufgenommen worden und stammten aus den Siebziger Jahren. Immer sah man darauf einen rothaarigen Mann mit Sonnenbrille, mal in Gesellschaft von David Bowie, mal auf einer Tanzfläche mit Freddie Mercury, aber immer hatte er sein Gesicht abgewandt, zweimal streckte er seine Hand zur Kamera, offenbar im Bemühen, sein Gesicht zu verbergen. Die Wahrscheinlichkeiten für einen Treffer lagen in Prozentbereichen, die mehr nach wildem Raten als nach Evidenz klangen. „Wahrscheinlich von irgendwelchen Klatschreportern auf der Jagd nach den Promis geschossen“, mutmaßte Mary-Anne. Der Rothaarige ist wahrscheinlich nur Beifang – oder eine Affäre.“

Nur das letzte Foto verursachte bei den beiden Frauen kurz eine erhöhte Pulsfrequenz. Es zeigte einen rothaarigen, sehr schlanken, ganz in Schwarz gekleideten Mann mit Sonnenbrille, der ein Mädchen im Grundschulalter auf dem Arm hatte. Die Szene ähnelte verblüffend dem Foto, das Anthony Crowley bei der Lesung zeigte, auf der sie ihn zum ersten Mal gesehen hatten. Das Mädchen, das sie gerade auf dem Bildschirm sahen, war geringfügig jünger, hatte aber die gleiche Körperhaltung wie das aus der Bücherei und auch die Art, wie die beiden Männer das Kind auf ihrer Hüfte trugen und mit einer Hand stabilisierten, ähnelte sich sehr, aber es war wohl kaum derselbe Mann.

Sie zoomten in das Bild hinein, das aber umso unschärfer zu werden schien, je genauer sie es sich anschauen wollten. Wahrscheinlich war die Auflösung einfach nicht gut genug, daran musste es liegen. Im Rücken des Mannes war ein relativ großer Bereich geschwärzt, oder war es eine Spiegelung, ein Belichtungsfehler vielleicht? Der dunkle Fleck ließ es fast scheinen, als wüchsen dem Mann Flügel.

Mary-Anne schüttelte frustriert den Kopf. „Warum zeigst du uns das?“ Sie adressierte ihre Enttäuschung an die Bilderkennung, die verständlicherweise nicht antwortete. „Ja, die Szenen ähneln sich, aber wenn man genauer hinsieht, ist doch ganz klar, dass das verschiedene Menschen sind“, murrte sie weiter. Sie las die Bildunterschrift vor: „Eines der wenigen bekannt gewordenen Fotos von der Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht. Im Zentrum einer der Zeugen der Verteidigung während der Aussage Satans.“

Wütend klappte sie den Laptop zu. „Ganz so weit ist es mit der vermeintlichen Intelligenz dann wohl doch nicht her!“, schimpfte sie. „Und ausgerechnet bei dieser Aufnahme behauptet das Ding, sich zu 99 Prozent sicher zu sein. Das ist doch lachhaft!“ Sammy stimmte ihr zu. „Der Bildaufbau war halt sehr ähnlich. Und heißt es nicht immer, dass die KIs versuchen, auf jeden Fall eine Antwort zu geben, selbst wenn sie sie erfinden müssen?“ Ihre Freundin brummte etwas Unverständliches, dann räumte sie ein: „Ja, mag sein.“

Einige Minuten vergingen, in denen die Frauen schwiegen. Die Recherche fühlte sich an wie eine Sackgasse. „Schieb mir mal den Rechner rüber“, forderte Sammy sie unvermittelt auf. „Wir sind doch ursprünglich über diesen Journalisten auf diese Fährte geraten“, sagte sie und schwieg dann konzentriert, bis sie ihre Anfrage formuliert und abgeschickt hatte.

Diesmal dauerte es wieder etwas länger, bis die Künstliche Intelligenz zu den ersten Schlüssen gekommen war. Dann aber füllte sie den Bildschirm immer schneller mit Fotos von Ben: Sein Porträt, das stets mit seinen Leitartikeln und Kommentaren abgedruckt wurde, der Journalist bei Interviews, die er führte, und bei solchen, die er gab, bei einer Laudatio auf seinen Kollegen Kenneth bei der Verleihung eines Pressepreises, bei einer ähnlichen Gelegenheit, bei der er den Preis überreicht bekommen hatte. Zwischendurch immer wieder private Fotos von Urlauben, Zoo-Besuchen, Schifffahrten und einem Spaziergang mit Lamas. Offenbar hatte der Mann eine kleine Tochter, mit der er immer wieder abgebildet war.

„Moment mal!“ Mary-Anne schob sich neben Sammy und vergrößerte das zuletzt aufgetauchte Bild. Dann tippte sie eine weitere Anfrage ein. Unmittelbar darauf blinkte die Antwort der Maschinenintelligenz vor ihr auf: Zwei Fotos. Das eine zeigte Ben mit seiner Tochter auf dem Arm, das andere war das Foto von der Lesung – der Vorleser mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm. „Was zum…?“‚ stöhnte Sammy und sah sich die Bilder ein weiteres Mal genau an. „Das ist beide Male dasselbe Kind“, sagte sie selbstsicher.

Mary-Anne schob sie unsanft zur Seite. „Hey!“ Die Journalistin ließ sich nicht ablenken. Erneut gab sie einen Bildvergleich in Auftrag. Es waren nur zwei Fotos. Eins davon hatte Mary-Anne bei der ersten Lesung selbst gemacht. Es zeigte einige Veranstaltungsbesucher im Gespräch mit Sammy. Im Hintergrund erkannte man Ben Powers und den Partner des Buchhändlers, die über irgendetwas lachten. Das zweite war wieder das vom Jüngsten Gericht. Und wieder erkannten sie, welche der abgebildeten Personen die KI wohl für den Journalisten und welche für den Vorleser halten mochte, sahen aber selbst nur eine so entfernte Ähnlichkeit, dass sie von einem Fehler der App ausgegangen wären, wenn es nicht zweimal mit ein- und demselben Bild passiert wäre.

„Da ist doch was faul!“ Mary-Anne hatte wieder begonnen, nervös auf der Tischplatte zu trommeln. „Sind die Fotos vielleicht retuschiert?“, warf Sammy ein, aber die Fotografin schüttelte den Kopf. „Jedenfalls nicht mit einer gängigen Bildbearbeitungssoftware, das würde das Programm merken.“ Sie versuchten es noch mit einigen weiteren möglichen Erklärungen, aber keine davon hielt einer kritischen Prüfung stand. Schließlich klappte Mary-Anne abrupt ihren Laptop zu. „Korrigier mich, falls ich falsch liege“, sagte sie dabei. „Das einzige, was wir zuverlässig wissen, ist, dass unser Kollege Ben Powers offenbar den Partner des Buchhändlers kennt. Und dann war sehr wahrscheinlich er es, der seinen Kollegen Kenneth Foster auf diese Buchhandlung gebracht hat.“ Sie sah die Freundin nicken. „Was wir immer noch nicht wissen, ist, wer von ihnen den Kontakt zu Jesus hergestellt hat“, gab Sammy zurück. „Einer der Kollegen? Oder einer von den Buchhändlern?“ Die andere grinste. „Das soll uns doch am besten Kollege Powers erklären, wenn wir ihn zu fassen kriegen!“