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Zuhause! - Tag 25, Dienstag

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Zuhause! - Tag 25, Dienstag

Ich glaube, der/die eine oder andere wartet sehnsüchtig auf Crowleys Rückkehr - nicht nur Erziraphael. Und der gestrige Upload ist arg kurz ausgefallen... Deshalb gibt's heute einen Nachschlag. :-)

Dienstag

Gabriel hatte Bee eine Nachricht geschickt, sobald sie wieder auf dem Bahnsteig standen, auf dem ihre Reise begonnen hatte. „Sind in London, unterwegs zu euch.“ Das war die einzige Information, die er angesichts der aktuellen Lage dem Messenger-Dienst anvertrauen wollte, alles andere musste warten, bis sie wieder in der Buchhandlung waren. Außerdem wollte er sparsam mit dem Ladestand des Akkus umgehen, nur für alle Fälle. Er hatte sein Handy nur so lange an Codimors Powerbank aufladen können, wie Crowley und Balgran mit der Aufzeichnung beschäftigt gewesen waren. Und der Akku im Telefon des Dämons war leer gewesen, kaum dass er Arwens Vater die Aufnahme vorgespielt hatte.

Crowley war das egal, er hätte sowieso nicht gewusst, was er schreiben, noch viel weniger, was er am Telefon sagen sollte. Er wollte jetzt nur noch eins: seinen Engel sehen und sich von ihm im Arm halten lassen. Selbst im Fahrstuhl, der seine Passagiere weitgehend gegen die Qualen der Höllenkreise abschirmte, hatte er genau gespürt, als sie den Limbus erreichten.

Die Sehnsucht nach Erziraphael hatte ihn nie ganz verlassen, seit sie auf dem Weg nach unten den Ersten Höllenkreis passiert hatten. Auf dem Rückweg überfiel sie ihn hier erneut in so intensiven Wellen, dass er all seine Selbstbeherrschung aufbringen musste, um nicht in Tränen auszubrechen und sich wimmernd auf dem Boden der Aufzugkabine zusammenzurollen. Der Abschied von Milgreth hatte ihn kurz abgelenkt, aber jetzt, wo er neben Gabriel durch die Gänge der Londoner U-Bahn hastete, überdeckte die Sehnsucht erneut alles andere. Er wollte nachhause, zu Erziraphael! Das war der einzige klare Gedanke, den er von dem wirren Hintergrundrauschen in seinem Kopf unterscheiden konnte.

Bees Antwort war ebenso kurz gewesen wie Gabriels Nachricht: „Wir sind hier.“ Das musste doch heißen, dass auch der Engel dort war und auf ihn wartete, oder? Fieberhaft suchte er nach möglichen verborgenen Bedeutungen hinter den drei Worten. „Wir“ das konnten theoretisch auch nur Muriel und die Dämonin sein. Aber hätte sie es dann so geschrieben? Oder hatte sie angenommen, dass er Erziraphael direkt kontaktierte?

Crowleys Kopf fand keine Ruhe. Der Engel würde doch auf ihn warten, oder? Würde nicht ausgerechnet verreist sein, solange er in der Hölle war? Auf der anderen Seite: Sie waren lange unterwegs gewesen. Es war jetzt schon Dienstag! Dann war er fast sechs Tage von zuhause fort. So lange konnte selbst der gutwilligste Engel nicht nur in der Buchhandlung herumsitzen und warten, ob sie zufällig an diesem Tag zurückkommen würden.

„Crowley, Vorsicht!“, rief Gabriel und packte ihn grob am Arm. Der Dämon sah sich fragend zu ihm um. Sein nächster Schritt ging ins Leere, er zuckte erschrocken zusammen und realisierte, dass nur Gabriels beherztes Zugreifen und seine übermenschliche Kraft ihn davor bewahrt hatten, ins Gleisbett zu stürzen.

„Deinetwegen kriege ich noch einen Herzinfarkt!“, keuchte der Engel, mindestens ebenso erschrocken wie der Gerettete.

„Verdammt! Danke! Sorry!“ Der Dämon feuerte Ein-Wort-Sätze ab, ohne dazwischen Luft zu holen.  Gabriel zog ihn hinter eine beleuchtete Werbetafel, wo sie den eiligen Passanten nicht im Weg standen, und beobachtete besorgt, wie Crowley sich mit den Händen auf seinen Knien abstützte und nach Luft rang. Als das Adrenalin in seinem Blut langsam abebbte, richtete er sich auf und sagte: „Tut mir leid, Erzengel, ich war wohl auf Autopilot!“

Gabriel schüttelte den Kopf. „Deine Instinkte in allen Ehren, Crowley, aber ein Minimum an Aufmerksamkeit wäre hilfreich. Ich weiß, der Bentley kann auch überholen, wo objektiv kein Platz für ihn ist. Aber ohne Flügel kannst DU nur so lange rechts überholen, wie da noch Bahnsteig ist.“ Crowley nickte schuldbewusst.

„Was beschäftigt dich denn so, dass du nicht mehr darauf achtest, wo du hintrittst?“, fragte Gabriel ungewohnt fürsorglich.

„Ach, nichts Bestimmtes“, behauptete der Dämon, erkannte aber selbst, wie wenig überzeugend das klang.

Gabriel baute sich in bester Erzengel-Manier vor ihm auf, und Crowley machte sich auf eine ausgewachsene Gardinenpredigt gefasst. Aber der Engel sah ihm nur tief in die Augen und fasste dann nach seinen Händen. „Er wird auf jeden Fall dort sein“, sagte er mit großem Ernst. „Erziraphael wird mit Muriel und Bee in der Buchhandlung sein, wenn wir ankommen.“ Er versuchte einzuschätzen, ob er mit seiner Botschaft durchdrang. „Hörst du, Crowley?“, fragte er. „Ich bin sicher, er wartet genauso ungeduldig auf dich, wie du zu ihm kommen willst.“

Der ehemalige Erzengel ließ jetzt Crowleys Hände los und griff stattdessen nach seinen Schultern, versuchte, seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Beschwörend sagte er: „Aber wir haben es nicht heil und in einem Stück durch die halbe Hölle geschafft, damit du jetzt noch unter einer U-Bahn deinen Körper verlierst.“ Wieder wartete er kurz ab und prüfte die Wirkung seiner Worte. „Die allerletzte Etappe kriegen wir auch noch hin, ja?!“

Endlich nickte Crowley. „Tut mir leid“, murmelte er. „Hab‘ dich da unten `ne Menge Nerven gekostet, was?“ Er ließ den Kopf hängen.

„Nicht annähernd so viele, wie du mich gekostet hast, als wir noch auf verschiedenen Seiten standen.“ Erst jetzt ließ Gabriel seine Schultern los und tat, als wolle er ihm in die Seite boxen. „Bereit für die Zielgerade?“ Damit entlockte er dem Dämon tatsächlich ein halbes Lächeln.

Es war nun nicht mehr weit bis zum Ausgang aus der U-Bahn-Station und sie setzten ihren Weg zügig fort. Ohne darüber sprechen zu müssen, hatten sie sich für den Fußweg entschieden, auch wenn sie das mindestens doppelt so viel Zeit kosten würde. Aber beide zog es unwiderstehlich zurück an die Oberfläche, endlich wieder an die Luft! Selten hatten sie den vertrauten Londoner Smog so tief und dankbar in ihre Lungen gesogen. Der dunstige Nachthimmel über ihnen, an dem kaum ein Stern zu erahnen war, erschien ihnen als grenzenlose Weite, und den unwirtlichen herbstlichen Nieselregen begrüßten sie wie einen lange vermissten Freund.

Den restlichen Weg in die Buchhandlung legten sie weitgehend schweigend zurück, ohne auf Schwierigkeiten zu treffen. Crowley hatte mehrmals geglaubt, eine besondere Anspannung um sich herum zu spüren, hatte aber nichts gesagt, weil das Gefühl zu vage war, um es in Worte zu fassen. Er fühlte eine diffuse Sorge, latente Differenzen, eine Ahnung von Gefahr, aber nirgendwo verdichteten sich diese Schwingungen zu einer eindeutigen Emotion oder einem konkreten Ereignis. Dennoch blieb er auf der Hut, bis sie die Oxford Street erreichten.

Sie mussten an der Ampel warten, und Crowley versuchte von Weitem, die Front der Buchhandlung auszumachen. Im Lichtkegel einer Straßenlaterne glaubte er, Muriel auf dem Bürgersteig vor der Buchhandlung zu erkennen. Sobald sie auf der anderen Straßenseite angekommen waren, gab es keinen Zweifel mehr — in der Wickberstreet hatte ein großer pastellfarbener Flummi begonnen, wie wild auf- und abzuhüpfen. Muriel hatte beide Arme über den Kopf gehoben und winkte enthusiastisch. Die Männer beschleunigten ihre Schritte. Dann schoben sich zwei weitere Gestalten in den Lichtkegel, eine etwas größere fülligere in Beige, eine kleine drahtige in Schwarz.

Crowleys Schritte wurden immer länger, bis er schließlich zu laufen begann, und es war ihm völlig egal, wie undämonisch das war und wer ihn dabei vielleicht beobachtete. Erziraphael kam ihm ebenso eilig entgegen. Als der Dämon sich in seine weit ausgebreiteten Arme warf, wirbelte er den schlaksigen Rothaarigen um sich herum, bis er lachend und außer Atem zum Stehen kam. „Engel!“ Crowley verbarg seinen Kopf in Erziraphaels Halsbeuge und bemühte sich, seine Fassung zurückzugewinnen. Der Engel zog ihn noch fester in seine Arme und wiegte sich mit ihm behutsam vor und zurück, bis die schmalen Schultern aufgehört hatten zu zucken. Dann löste er sich vorsichtig von ihm, legte seine weichen, warmen Hände um das kantige Gesicht und sagte: „Crowley, endlich!“ Er küsste ihn zärtlich, strich ihm die roten Strähnen aus der Stirn und sah ihn aufmerksam an.

Im nächsten Moment entlud sich seine Erleichterung in einem Redeschwall: „Oh, Liebling, ich hatte solche Angst um dich! Geht es dir gut? War es sehr schwer?“ Ohne auch nur einmal Luft zu holen, fuhr er fort: „Lass dich anschauen. Du siehst furchtbar erschöpft aus! Hat man euch gut behandelt? Ich hatte ja keine Ahnung, wie lange ihr allein für den Hinweg brauchen würdet!“

Er zog den Dämon wieder in eine feste Umarmung und redete weiter, immer noch ohne Punkt und Komma: „Hexe hat tagelang getrauert. Hast du in der ganzen Zeit auch nur einmal irgendetwas gegessen? Oh, du musst mir alles haarklein erzählen! Ohne Bee und Muriel wäre ich bestimmt verrückt geworden.“ Dann fiel ihm wieder ein, was seine Sorge zuletzt auf die Spitze getrieben hatte, und er fragte eilig: „Habt ihr von den Unruhen etwas mitbekommen? Du bist doch nicht etwa verletzt? Oh Crowley, ich habe dich jede einzelne Minute vermisst. Endlich habe ich dich wieder!“

Die Worte schwappten über den Dämon hinweg, brandeten zurück, verschwammen zu einem Geräuschteppich, von dem er sich bereitwillig einhüllen ließ. Er musste die Worte nicht voneinander unterscheiden können, musste nichts verstehen und das Chaos in seinem Kopf nicht zu Wörtern formen. Er überließ sich der überschäumenden Wiedersehensfreude seines Engels, die jeden anderen wahrscheinlich halb in den Wahnsinn getrieben hätte. Crowley aber war selig.

Der ungebremste, aufgeregt-erleichterte Monolog, die hektischen Bewegungen, das unbewusste Herumzupfen an Fliege, Kragenecken und Uhrenkette, ebenso wie die unwahrscheinliche Kombination aus breitem Lächeln und tiefen Sorgenfalten auf der Stirn – all das war so sehr Erziraphael, dass Crowley sich in seinem Arm entspannte. Er war wieder zuhause!

Lächelnd hielt er den aufgeregten Engel an sich gepresst, die Nase in den blonden Locken versenkt, und atmete den vertrauten Geruch ein, während der konstante Nieselregen beide nach und nach durchweichte. Selten war Crowley etwas so egal gewesen. Er spürte nicht, wie Hemd und Hose an seiner Haut klebten, und es störte ihn nicht, dass sich ein kleines Rinnsal bildete und der Regen von seinem Kinn auf Erziraphaels Brust tropfte. Ein paar Atemzüge lang konzentrierte er sich ganz darauf, die verbleibende Anspannung mit der Atemluft entweichen zu lassen, dann unterbrach der Engel plötzlich seinen Redefluss.

Erziraphael schob ihn ein Stück von sich weg und musterte ihn forschend. „Du sagst ja gar nichts!“, stellte er fest und fragte im selben Atemzug: „Warum bist du denn so still?“ Sofort legte sich ein Schleier vor die blau-grauen Augen und die Pupillen wurden vor Sorge weit.

„Weil du ihm keine Chance lässt, Erzengel! Da war noch keine Lücke in deinem eloquenten Vortrag.“ Es war Bee, die Arm in Arm mit Gabriel näherkam, offenbar schon wieder in der Stimmung, ihn aufzuziehen.

Er wollte widersprechen, bremste sich aber gerade noch rechtzeitig. „Oh, äh, das kann sein“, stotterte er stattdessen. „Bitte entschuldige, Crowley, Darling.“ Er streckte die Hand aus und strich eine nasse rote Strähne sanft hinter sein Ohr zurück. „Ich bin so froh! So erleichtert! Es ist mit mir durchgegangen.“ Der Dämon sagte noch immer nichts, zu Erziraphaels unendlicher Erleichterung lächelte er ihn aber an. „Sollen wir erst mal hinein gehen?“, fragte der Buchhändler.

„Wir bitten darum!“ Das war Gabriels gut gelaunter Bass. Auch Crowley nickte, ließ sich bereitwillig an der Hand nehmen und in die Buchhandlung ziehen.

Er hatte noch immer kein Wort gesagt.

Noch in der Tür fiel Muriel ihm um den Hals. Sie legte ihm die Arme auf die Schultern und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf. „Gut, dass du wieder hier bist.“ Sie drückte ihm einen feuchten Schmatzer auf die Wange und biss sich auf die Unterlippe, um die Tränen der Erleichterung zurückzudrängen. Sie nahm ihre Zuflucht zu einer liebevoll-bissigen Bemerkung: „Länger hätte ich es mit diesem als Buchhändler verkleideten Nervenbündel auch nicht mehr ausgehalten.“

Lächelnd sah sie zwischen den beiden Männern hin und her, dann ließ sie ihren Blick zu Gabriel und Bee wandern, die immer noch ihre Arme umeinander gelegt hatten und in der Nähe der Garderobe das Parkett volltropften. Nur Crowley bemerkte die kleine Geste, mit der sie nun Hexe erlaubte, ihn zu begrüßen. Die Hündin war vor freudiger Aufregung kaum zu zügeln und Erziraphael sah sich gezwungen, einen Schritt von Crowleys Seite zu weichen, damit der Dämon sich zu Hexe hocken und ihre ausgelassene Begrüßung über sich ergehen lassen konnte.

Angesichts der allgemeinen Rührung blieb bei dieser Szene kein Auge trocken. „Ach, die zwei sind einfach ein so schönes Paar!“ Der Stoßseufzer war Muriel entwischt und wurde unmittelbar von einer Lachsalve der Freunde gefolgt. „Erziraphael, dir sind hoffentlich die Prioritäten deiner Mitarbeiterin aufgefallen?“, zog Bee ihn auf. Auch Gabriel nutzte dankbar die Steilvorlage für kleine Sticheleien, die es ihm leichter machten, seine eigene Rührung zu überwinden. Muriel ließ den Spott gelassen über sich ergehen und lachte einfach mit.

Es folgte der Satz, ohne den Freude und Erleichterung bei Muriel nicht zu haben waren: „Ihr müsst erstmal was essen. Ihr seht schon…“ Sie unterbrach sich und sah die zurückgekehrten Männer aufmerksam an, bevor sie fortfuhr. „Du siehst regelrecht abgemagert aus!“, sagte sie vorwurfsvoll zu Crowley.

Jetzt endlich fand auch der Dämon seine Sprache wieder. „Nicht vor dem Duschen!“, wehrte er ab. Es klang sehr bestimmt.  Gabriel nickte heftig: „Erst muss dieser Schwefelgeruch runter“, verkündete auch er.

Muriel lachte. „Ok, ok, ich gebe zu, diese Variante hat Vorteile“, stimmte sie gnädig zu. Aber natürlich brachte sie das nicht von ihrem Plan ab und sie fuhr fort: „Dann schlage ich vor, ihr beeilt euch mit dieser Dusche ein bisschen, damit ihr rechtzeitig bei Tisch seid.“ Abwartend sah sie Crowley an. „Auf was wartest du noch?“ Der Dämon grinste. „So schlimm, ja?“ „Ach, du!“, antwortete sie mit einem Schmollmund und schubste ihn liebevoll Richtung Wendeltreppe.

Statt sich sofort auf den Weg nach oben zu machen, suchte er Erziraphaels Blick. „Krieg ich erst noch eine Umarmung, Engel?“ Sein Partner öffnete statt einer Antwort weit seine Arme und Crowley schmiegte sich an seine Brust. Er hörte Erziraphaels vertrauten Herzschlag, konzentrierte sich auf die liebevollen Hände an seinem Körper, die rechte, die seine strähnigen Haare zerzauste, die linke, die um seine Taille lag, und seufzte erleichtert. Dann wanderten die Hände des Engels nacheinander an seine Wangen, umschlossen sein Gesicht und hielten es zärtlich an Ort und Stelle, während er ihn innig küsste. Es war eine so intime Geste, dass die anderen sich instinktiv abwandten und schon wieder mit Tränen der Rührung kämpften.

Erst als Erziraphael Crowley freigab und der Dämon Gabriel signalisierte, ihm zu folgen, sagte der: „Vielleicht sollte ich zuhause duschen. Ich brauche ja auch saubere Sachen, sonst steckt ihr mich womöglich wieder in eine karierte Decke.“ Erziraphael und Crowley grinsten. „Hauptsache, du machst nicht wieder splitterfasernackt einen Spaziergang durchs Viertel!“, zog ihn der Dämon auf, fügte aber gleich hinzu: „Komm mit, wir haben bestimmt noch was von Jim im Schrank.“

Erziraphael lachte über Muriels verständnisloses Gesicht. Bis ihre Partner sich frisch geduscht und in legerer Kleidung wieder zu ihnen an den Esstisch setzten, erzählten er und Bee Muriel davon, wie der ehemalige Erzengel sein Gedächtnis verloren und sich in der Buchhandlung versteckt hatte. „Himmel und Hölle waren hinter ihm her“, berichtete der blonde Engel mit großen Gesten und reichlich Dramatik, und fuhr fort: „Crowley und ich haben ihn mit unserem ersten gemeinsamen Wunder vor beiden versteckt.“ Er konnte nicht verbergen, dass er vor Stolz fast platzte.

„Genau“, ertönte eine Stimme von der Wendeltreppe. „Und das, was unsere beiden Helden als kleines, unauffälliges Wunder geplant hatten, ließ im Himmel alle Alarmsirenen schrillen. Sie haben nämlich den Lazari-Wert so hochschnellen lassen, als wäre es das Wunder eines besonders mächtigen Erzengels.“ Es war Gabriel, der diesen Teil zur Geschichte beitrug, während er vor Crowley die Treppe herunterkam.

Crowley lachte nicht mit und blieb auch die nächsten Minuten über auffallend in sich gekehrt. Erziraphael beobachtete ihn besorgt, während Muriel allen Essen und Wein aufnötigte. Bevor sie sich einen guten Appetit wünschten, hatte der Dämon offenbar einen Entschluss gefasst. „Gabriel“, sagte er mit belegter Stimme. „Ich habe dir nie erzählt, dass ich den Engel überreden wollte, dich wegzuschicken, damals. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir dir nicht geholfen.“ Er schwieg unbehaglich, dann ergänzte er: „Ich bin froh, dass Erziraphael sich durchgesetzt hat. Und ich bitte dich um Entschuldigung.“ Er musste sich überwinden, um Gabriels Blick nicht auszuweichen. Er fühlte die Blicke seiner Freunde auf sich ruhen.

„Du hattest allen Grund mich zu hassen“, sagte der Engel nüchtern und fügte hinzu: „Und trotzdem hast du dich von Erziraphael überzeugen lassen. Allein wäre er wohl kaum erfolgreich gewesen.“ Crowley nickte nachdenklich. „Mag sein.“ Nach einer letzten Pause sagte er leise: „Danke für alles seitdem. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde.“

***

Für alle, die sich die Rückkehr romantischer vorgestellt hatten, mit mehr Fluff und Gefühl: Das kommt noch, versprochen! Aber erst nächste Woche. ;-)