LNCrawler

Fremde Freunde - Tag 27, Donnerstag

Next Omens Ii - Brave New World — www.fanfiktion.de · All chapters

Fremde Freunde - Tag 27, Donnerstag

Im Haus der Familie Gibson saßen Lizzie und Josie schon am Frühstückstisch, als ihr Vater hereinkam. Das war ungewöhnlich und er ahnte unmittelbar, was ihm blühte. „Morgen“, brummte er und griff nach der Kaffeekanne. Das Schweigen hing schwer und ungewohnt zwischen ihnen. Er hielt es nicht aus: „Ich weiß, ich weiß! Ich war ein Feigling. Ihr müsst gar nichts mehr sagen.“ Er goss sich einen Kaffee ein, blieb aber am Küchentresen stehen. Er hatte beide Hände fest um die Tasse gelegt, damit sie nicht zitterten.

Josie nickte ihrer Schwester zu. „Na, das ist wenigstens ein Anfang!“ Lizzie ergänzte: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“ Sie lächelten sich verschwörerisch zu. „Und was gedenkst du nach dieser monumentalen Erkenntnis zu tun?“, fragte die Ältere.

Alec kannte diesen Ausdruck. Es war das zufriedene Lächeln einer Katze, die weiß, dass ihre Beute nicht mehr entwischen kann. Er versuchte es dennoch: „Was soll ich schon tun? Ich hätte gestern absagen müssen. Hab‘ ich nicht, der Zug ist also abgefahren.“ Er hatte es energisch klingen lassen wollen, wie eine unumstößliche Entscheidung. Aber es hatte genauso kläglich geklungen, wie er aussah. Angesichts seiner hängenden Schultern und der Mutlosigkeit, die ihn einhüllte wie ein zu großer Mantel, hätten die Mädchen beinahe Mitleid mit ihm bekommen. Aber nur beinahe.

„Was soll das denn heißen? Du willst das doch wohl nicht einfach auf sich beruhen lassen?“ Ungläubig starrte Josie ihren Vater an. Ihre Schwester leistete Schützenhilfe: „Was wirst du denn sagen, warum du gestern nicht gekommen bist?“, fragte sie. „Du musst dich doch wenigstens entschuldigen, wenn du gleich hinfährst.“ Alec sah in vier vorwurfsvolle Augen. Er murmelte etwas. „Was?“ Es war zu leise gewesen, als dass eines der Mädchen es hätte verstehen können. „Ich fahre nicht hin“ wiederholte er.  Er hörte selbst, wie falsch das klang, sprach aber weiter: „Patrick bringt den Auftrag zu Ende.“ Er vermied ihren Blick und starrte auf eine Stelle am Küchentresen, wo ein Messer eine Kerbe zurückgelassen hatte. Das musste er bei Gelegenheit mal ausbessern.

„Wie – du fährst nicht hin?“ Josie war jetzt wirklich fassungslos. „Wie willst du das Verhältnis zu Mister Fell denn dann retten?“ Lizzie hatte es die Sprache verschlagen, sie schüttelte mechanisch den Kopf und betrachtete ihren Vater wie einen völlig Fremden. Ihre Schwester war nicht bereit aufzugeben. „Papa, was ist nur los mit dir? Ich erkenne dich überhaupt nicht wieder!“

„Da sind wir schon zwei!“, sagte Sarah beim Hereinkommen. „Oder besser drei, wenn ich Lizzies Gesicht sehe.“ Sie zuckte mit den Schultern: „Ich versuche schon seit dem Aufwachen, etwas aus ihm herauszubekommen, aber er schaltet auf stur. Er will nicht.“ Sie wirkte ratlos.

Alec stand noch immer am Küchentresen, dem wunderschönen Massivholz-Tresen, den er vor vielen Jahren für Sarah gebaut hatte. Damals wohnten sie noch nicht zusammen. Er lächelte bei der Erinnerung. Sarah, seine patente Sarah, hatte das Möbelstück in seiner Werkstatt bewundert und kurzerhand erklärt: „Dann solltest du möglichst schnell entscheiden, ob du vorhast, mir einen Antrag zu machen.“

Es traf ihn vollkommen unvorbereitet. Er hatte gehofft, dass das Geschenk seine Absichten genügend deutlich zum Ausdruck gebracht hatte – schreinerte man etwa einen Massivholz-Küchentresen für eine Frau, mit der man nicht sein Leben verbringen will? Aber sie hatte ihn nur erwartungsvoll angeschaut. Schließlich hatte sie sich erbarmt und erklärt: „Sieh mal, Schatz: Es wäre doch Blödsinn, das gute Stück jetzt erst mühsam in meine Wohnung zu schaffen und dort einzubauen, wenn wir vielleicht bald zusammenziehen. Die Mühe könnten wir uns doch sparen.“

Er hatte genickt, komplett überfordert. Als er sich endlich zu einer Antwort aufgerafft hatte, war es: „Dann lass ihn hier stehen!“ – Den Antrag hatte er wenige Wochen darauf nachgeholt und nun stand der Tresen schon seit über zwanzig Jahren in ihrem gemeinsamen Haus.

Flehentlich sah er zu seiner Frau, seiner Sarah. Sie musste doch wissen, wie schlecht er mit Worten war! Sie erkannte, dass er mit sich haderte. Und wie damals, wie schon so oft in ihrer Ehe, erbarmte sie sich. „Was genau ist es, dass dir so zu schaffen macht, Schatz?“ Sie griff versöhnlich nach seinem Arm und drückte ihn sanft. „Du hast doch nicht wirklich plötzlich Angst vor Mister Fell?“ Er schüttelte den Kopf. „Was ist es dann? Du bist doch auch nicht so verärgert, nur weil er es dir nicht persönlich erzählt hat?“ Wieder ein Kopfschütteln.

Die Mädchen hatten der Szene bis dahin stumm zugesehen. Jetzt fragte Josie: „Aber woran liegt es denn dann? Du warst doch noch nie zu stolz für eine Entschuldigung.“ Auch sie war jetzt mehr ratlos als wütend. Im Grunde wusste sie, dass ihr Vater viel zu gutmütig war, um nachtragend zu sein. Und ein Feigling war er doch auch nicht! Alec sah unglücklich in die erwartungsvollen, enttäuschten, fragenden Gesichter seiner drei Frauen. Wie sollte er es ihnen erklären, wenn er doch selbst nicht genau wusste, was es war? Er seufzte. Die Schultern sanken noch ein bisschen tiefer.

„Versteht ihr das nicht?“, fragte er, als er begriff, dass er diese Küche nicht verlassen würde, bevor seine Töchter eine Antwort hatten. „Er ist ein Engel. Ein echter Engel.“ Er schüttelte traurig seinen Kopf, suchte nach Worten. „Unsterblich. Überirdisch… Wie soll ich mit jemandem sprechen, der vielleicht so alt ist wie die Zeit?“ Er hatte seine Tasse abgestellt und wrang nun seine Finger, während er in seinem Herz herumstocherte. „Ich kann doch nicht einfach hingehen und mich benehmen wie mit einem normalen Kunden.“ Er sah seine Familie an, hilflos, ratlos.

Josie war aufgestanden und nahm ihren Vater in den Arm. „Ach, Papa!“, sagte sie aufmunternd. „Mach dir doch nicht so viele Gedanken! Du kennst ihn schon so lange, das findet sich schon.“ Aber Alec war nicht so leicht zu beruhigen. „Ein Engel, Josie! Ich weiß nicht mal, ob es da eine besondere Anrede gibt, so wie ‚Euer Ehren‘ oder ‚Eure Heiligkeit. Sie verkniff sich ein Lächeln. Aber ihrem Vater war es ernst.

„Für einen Unsterblichen können wir doch kaum mehr Bedeutung haben als eine Ameise. Wer weiß, wie viele Generationen von Menschen er schon gekannt hat?“ Die Worte begannen zu fließen und Sarah und die Mädchen hüteten sich, ihn zu unterbrechen. „Wir sind ihm nicht ebenbürtig, wir können uns doch nicht im Entferntesten vorstellen, wie er die Welt sieht. Was Zeit für ihn bedeutet. Ob er uns belächelt wie naive Kinder. Ob er uns überhaupt als Individuen wahrnimmt. Als vernunftbegabt…“ Er verstummte. Dankbar für die Nähe Sarahs und Josies, nahm er sie in die Arme. „Ich weiß nicht mehr, auf was wir uns verlassen können“, flüsterte er noch und starrte in seine Kaffeetasse.

„Mach mal ein bisschen Platz am Tisch“, bat Sarah ihre Tochter. „Und du setzt dich hin, Alec“, forderte sie. „Wenn ich gewusst hätte, dass du dich mit philosophischen, ja mit existentiellen Fragen herumquälst, hätten wir doch längst darüber reden können.“ Sie stellte die Thermoskanne auf den Tisch, schenkte ihm ein und setzte sich zu ihm. Sie griff nach seiner Hand. „Die einzigen, die uns diese Fragen beantworten können, sind Mister Fell und seine Freunde“, sagte sie ruhig. „Denkst du nicht, dass sie sich vielleicht vorstellen können, wie verwirrend und neu das alles für uns ist?“ Sie lächelte. „Sie leben unter Menschen. Du hast vierzig Jahre lang nicht daran gezweifelt, dass Mister Fell ein Mensch ist. Ein bisschen sonderlich vielleicht, aber doch zweifelsfrei ein Mann, ein Mensch. Er muss uns Menschen also doch ziemlich gut kennen, würde ich meinen.“

Alec hörte ihr aufmerksam zu. So war sie, seine Frau: Eine Pragmatikerin durch und durch. Er musste lächeln. Sein Fels in der Brandung. Nicht einmal durch Engel und Teufel aus der Ruhe zu bringen. „Aber“, dieser Gedanke hatte ihn zurückgeworfen und er sah erneut verunsichert aus. „Aber der Teufel!?“, stieß er leise hervor. „Kann das wirklich auch für den Teufel gelten? Ich meine… was, wenn wir uns irren?“ „Einen Teufel, Papa“, korrigierte Lizzie ihn geduldig und setzte nach: „Er lebt mit Mister Fell, Papa. Du hast die beiden doch zusammen gesehen!“ Sie knuffte ihren Vater liebevoll. „Kannst du wirklich glauben, dass Anthony das Böse in Person ist? Du hast mit ihm gemeinsam gearbeitet, Mensch!“ Sarah nickte zu allem, was sie sagte. „Hör auf deine klugen Töchter, Alec. Ich glaube, der gesunde Menschenverstand hilft uns sogar bei Himmel und Hölle weiter.“ Sie stieß ihn sanft an. „Hast du auch nur den geringsten Hinweis darauf, dass sie irgendeine böse Absicht haben könnten?“ Er schüttelte den Kopf. Sie bemühte sich um ein besonders aufmunterndes Lächeln. „Dann lass uns doch erstmal vom Besten ausgehen, oder?“ „Ich werd’s versuchen“, murmelte er. Die drei Frauen nickten sich gegenseitig zu.

Josie meldete sich zu Wort: „Ich hab‘ nachgedacht!“, kündigte sie schwerwiegend an. „Es geschehen noch Zeichen und Wunder“, sagte ihre Schwester. Josie ließ sich nicht beirren. „Du hast vorher gesagt, dass sie in einer ganz anderen Welt leben.“ Alec nickte. „Ja, und?“ Sie erklärte: „Ich glaube, das stimmt nicht. Wenn sie auf der Erde leben, kann das nicht so vollkommen anders sein. Sie sehen die Sonne und den Mond im selben Rhythmus auf- und untergehen wie wir. Sie erleben den Wechsel der Jahreszeiten und sie sehen Leben entstehen und vergehen wie wir.“ Ihre Familie hörte ihr fasziniert zu. „Vielleicht machte es dabei gar keinen so großen Unterschied, ob man eine Lebenserwartung von zehn oder hundert oder tausend Jahren hat. Und wer weiß? Vielleicht sind sie unsterblich nur nach unseren Maßstäben?“, gab sie zu bedenken. „Meint ihr nicht, aus Sicht einer Eintagsfliege oder eines Meerschweinchens ist schon eine Galapagos-Riesenschildkröte unsterblich? Oder erst ein Grönlandhai?“

„Schwesterherz, du beeindruckst mich!“, sagte Lizzie, als Josie schwieg. „Sehr schlaue Fragen. Aber ich muss jetzt leider los, ich schreibe in der ersten Stunde eine Arbeit.“ Sie sah ihre Mutter an: „Du gehst sicher heute in die Buchhandlung, oder?“ Ihre Mutter nickte. „Richte ihnen Grüße aus. Und sag Muriel bitte, ich komme nach der Schule vorbei.“ Sie küsste ihren Vater auf die Wange. „Fass dir ein Herz, Paps“, sagte sie. „Du würdest es dir nicht verzeihen.“ Die drei zurückgebliebenen Gibsons sahen sich an – etwas zuversichtlicher als zuvor. „Sie hat Recht, Schatz. Ich glaube, das weißt du.“ Sarah hatte seine Hand genommen und wartete geduldig, bis er ihr ins Gesicht sah. Alec seufzte. „Gut“, sagte er und ließ gleich noch einen doppelt so tiefen Seufzer folgen. „Ich fahre hin. Ich habe noch immer keine Ahnung, was ich sagen soll, aber ich fahre hin.“ „Versuch’s mit ‚Entschuldigung‘“, schlug Josie vor. „Ich fahre mit dir mit; bestimmt ist es so leichter. Die Englischlehrerin muss heute mal ohne mich auskommen.“ Ihr Vater hob den Kopf, um ihr zu widersprechen, ließ ihn aber unverrichteter Dinge wieder sinken. Dafür mahnte ihre Mutter: „Das bleibt aber eine Ausnahme!“ „Klar!“ Josie grinste. „Aber ich muss doch aufpassen, dass Paps das richtig macht.“ Als ihre Eltern stumm blieben, rieb sie sich unternehmungslustig die Hände und fragte: „Können wir dann jetzt endlich frühstücken?“

*

Auch in der Fahrerkabine des Transporters roch es nach Holz, Leim und Farbe. Das waren die Gerüche, mit denen Josie und Lizzie aufgewachsen waren. Das war für sie der Duft von Familie und Zuhause. Josie machte es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich. „Füße runter!“, brummte Alec, wie jedes Mal, wenn sie miteinander fuhren. Sie grinste und gehorchte. Die Statistiken über mehrfach gebrochene Beine selbst bei leichteren Auffahrunfällen kannte sie schließlich selbst. Es ging einzig und allein ums Prinzip. Ihre Teenagerehre. Auch Jugendliche hatten Standards.

Abgelenkt spielte sie mit ihren Haaren, wickelte immer wieder dieselbe Strähne um einen Finger und ließ sie sich wieder lösen. „Denkst du, sie wussten vorher von dem Bericht? Oder hat sie das kalt erwischt?“, fragte sie unvermittelt. Das hatte Alec sich auch gefragt. Und er hatte eine Vermutung. „Könnte sein, dass sie etwas gewusst haben“, mutmaßte er. Ihm war mitten in der Nacht eingefallen, wie sein letztes Zusammentreffen mit dem Buchhändler und Anthony geendet hatte. Der Blonde hatte ihm etwas erzählen wollen, aber sie waren von David unterbrochen worden. Er knirschte mit den Zähnen. Schon die Erwähnung des Namens ließ ihm den Kamm schwellen! Jetzt bereute er, dass er wegen diesem Widerling das Gespräch so überstürzt abgebrochen hatte.

„Warum denkst du das?“, erkundigte sich Josie. Herr je, warum war er nur mit so gewitzten Töchtern geschlagen? Vor keiner von beiden hatte er jemals irgendwelche Geheimnisse bewahren können. Schon als Vorschulkinder hatten sie genau gewusst, wie sie ihn um den Finger wickeln konnten.

„Sie wollten mir Dienstag irgendwas sagen, aber David ist reingeplatzt und ich bin dann gleich aufgebrochen… Is‘ nich‘ auszuschließen, dass es darum gehen sollte“, bekannte er, schwieg anschließend unbehaglich.

Josie dachte über diese Info nach. „Ich stelle mir das furchtbar vor“, sagte sie leise. „Wenn du dich schon so angestellt hast…“ Ein protestierendes Geräusch kam von der Fahrerseite. „Ich stelle mich nicht an“, widersprach Alec. „Ich war…“ – Ja, was war er gewesen? Erstaunt? Ohne jeden Zweifel. Verärgert? Nicht wirklich. Enttäuscht? Wahrscheinlich ein bisschen, auch wenn er nicht hätte sagen können, worüber genau. Verwirrt? Hilflos? Ungläubig? Dreimal ja! „Ich war … einfach überfordert“, antwortete er schließlich. Das umfasste den ganzen Rest.

„Ok, wenn also du schon überfordert warst“, Josie hatte ihren Gedankengang wieder aufgenommen und fuhr unbeirrt fort: „und dich deshalb so angestellt hast und ihnen ausgewichen bist…“ Sie machte eine dramatische Pause. Er hätte seinen Töchtern nicht erlauben sollen, in der Theater-AG und im Debattier-Club mitzumachen, dachte er nicht zum ersten Mal. Das verschaffte ihnen in solchen Gesprächen einen unlauteren Vorteil. Und mit jedem Jahr hatte er es schwerer, ihnen Paroli zu bieten. „Ich meine“, sagte Josie gerade: „wie müssen sich dann erst andere Leute benehmen, die sie weniger lange kennen und Mister Fell weniger zu verdanken haben?“ Dreimal ließ sie die Locke wieder von ihrem Finger rutschen, bevor sie weitersprach. „Du hast den ganzen Scheiß in den Kommentaren doch auch gelesen. Würdest du nach so etwas noch ohne Angst auf die Straße gehen? – Also: Ich sicher nicht.“ Der Schreiner nickte. So weit hatte er noch gar nicht gedacht. Josie hatte Recht: Die drei hatten gestern sicher einen furchtbaren Tag gehabt. Und es würde nicht der letzte gewesen sein. Das schlechte Gewissen überfiel ihn ganz genau in diesem Moment. Es kam so plötzlich und machte sich so breit, dass es ihm fast den Atem nahm. Und es kam mit der Erkenntnis, dass Mister Fell, dass dieser Engel seit Generationen in jeder Notsituation für seine Familie dagewesen war. Und jetzt, wo er zum ersten Mal gefordert gewesen wäre, sich ganz selbstverständlich auf die Seite des anderen zu stellen, sich für ihn einzusetzen, da hatte er … versagt. Gekniffen. Diese Einsicht setzte ihm zu. Das entsprach nicht dem Bild, das er von sich haben und dem er gerecht werden wollte!

„Sag mal“, fragte er, als ihm plötzlich etwas auffiel. „Wenn ihr euch doch so einig wart, dass ich völlig falsch liege, … warum wart ihr dann nicht schon gestern in der Buchhandlung? Ihr hättet unsere Familienehre gerettet.“ Sie kicherte. „Eine schöne Vorstellung!“ Dann aber fragte sie schlicht: „Sollten wir unserem Vater in den Rücken fallen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Du hast uns beigebracht, dass jeder eine zweite Chance verdient. Das gilt auch für dich.“ Dann drehte sie sich zu ihm um und setzte sehr sorgfältig ihr provokantestes Teenager-Lächeln auf. „Aber glaub mir, Paps. Wärst du heute nicht zur Vernunft gekommen, wären wir auch ohne dich gegangen.“ Sie wartete auf eine Reaktion, aber die blieb aus. Alec rollte nicht einmal demonstrativ mit den Augen.

Als er den Transporter kurz vor der Buchhaltung parkte und den Motor abgestellt hatte, griff er nach ihrem Arm. „Warte kurz, Liebling.“ Nervös leckte er sich über die Lippen, aber sein Mund war plötzlich ebenso trocken. „Ich sage das sicher nicht oft genug, aber … ich bin unfassbar stolz auf euch zwei. Ihr seid so erwachsen geworden. Und ihr seid …, ihr seid einfach wunderbare Menschen. Genau wie eure Mutter.“ Josie hatte ihm zuerst verwundert zugehört, sich dann aber auf ein breites Strahlen verlegt. „Schon ok, Paps. Du sagst es nicht, aber du lässt es uns trotzdem merken. Auf deine Art. Fast jeden Tag.“ Sie stupste ihn verschwörerisch an. „Du bist nämlich auch ganz ok. Und jetzt: Auf in die Höhle der überirdischen Löwen!“