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Menschen, Engel und Dämonen - Teil 1 (immer noch Freitag)

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Menschen, Engel und Dämonen - Teil 1 (immer noch Freitag)

Diese Woche kommt das Update ausnahmsweise schon am Donnerstag, weil ich am Wochenende nicht dazu kommen werde. Ab nächste Woche geht es wieder im normalen Rhythmus weiter.

***

„Kenneth, du kommst genau recht“, begrüßte ihn Muriel, noch bevor er sich gesetzt hatte. „Bitte sag Anna, dass ihre Stimme ganz normal klingt.“ „Und dass sie gut aussieht, am besten auch gleich“, ergänzte Arwen. Der Journalist sah fragend in die Runde. „Sie haben das Video für Barry gedreht“, erklärte Crowley. Und wieder fügte Arwen etwas hinzu: „Zum fünften und letzten Mal!“ Sie deutete ein Augenrollen an. Die Unsterblichen schwiegen, aber Kenneth kannte zumindest Crowley und die Buchhändler inzwischen gut genug, um zu erkennen, dass alle drei sich mühsam das Lachen verkniffen. „Dann lasst es mich doch mal sehen!“ Er rückte näher heran und nickte Arwen zu.

Das Video war nur etwa zwei Minuten lang. Kenneth blieb danach bewegungslos sitzen und versuchte, die Tränen wegzublinzeln. Beim Kommen war er noch auf der Suche nach einer Story. Jetzt erschienen ihm Nachrichtenwert und seine üblichen Kriterien plötzlich bedeutungslos. Er fühlte sich längst nicht mehr als Beobachter. Er war mittendrin im Leben dieser Familie, sah ihre Hoffnungen und ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit. Erst jetzt merkte er, dass ihn die beiden Frauen ansahen, spürte ihre Anspannung. Er räusperte sich, fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar. Kenneth lächelte ihnen zu. „Es ist perfekt“, sagte er heiser. „Das seid ihr…, einfach ihr…“ Er war Journalist, Sprache war sein Werkzeug, das er meisterhaft beherrschte, aber hier schien sie sich ihm zu entziehen. Schließlich streckte er seine Hände über den Tisch, ergriff je eine Hand von Arwen und Anna und sagte leise: „Bitte lasst es genau so.“

Er sah von Barrys Frau und Tochter zu den Engeln und Dämonen, zu Maggie und Nina. Er hatte ihre Anwesenheit beinahe vergessen. Umso genauer beobachtete er nun ihre Reaktionen. Maggie hatte Tränen in den Augen und drückte eine Hand an ihr Herz. Bei ihrer Partnerin musste er genauer hinschauen, aber ihre fest um Maggies geschlossenen Hände verrieten Kenneth, dass auch Nina bewegt war. Muriel machte einen fast verzückten Eindruck, was er ihrem Faible für große romantische Geschichten zuschrieb. Als sein Blick zu Crowley und Erziraphael weiterwanderte, musste er schlucken. Sie hatten über ihren ineinander verschränkten Händen die Stirnen aneinander gelehnt. Ihre Augen waren geschlossen und zusammen mit dem Wenigen, was Kenneth von Ben über die beiden erfahren hatte, erinnerte ihn dieses Bild daran, dass auch diese beiden Männer durch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte verbunden waren. Kenneth musste sich zwingen, sie nicht anzustarren. Nur die kleine Dämonin und der ehemalige Erzengel verrieten so gut wie keine Emotion. Aber Kenneth war lange genug im Geschäft, um daraus keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Arwen brach das Schweigen als Erste: „Danke“, sagte sie, drückte noch einmal seine Hand, dann griff sie nach der Kanne und goss ihrer Mutter und sich selbst Tee ein. Sie streichelte Annas Oberarm. „Ok?“, fragte sie, und ihre Mutter nickte. Kenneth atmete auf. Hörte er da Erziraphael seufzen? Der leise Schluchzer kam wahrscheinlich von Maggie oder Muriel. Anna zeichnete abwesend mit der rechten Hand Kreise auf die Tischplatte. Dann kam die Hand zur Ruhe und sie straffte den Rücken. Ihr Blick suchte den des Journalisten. „Sie wollten uns noch Fragen stellen? Sicher auch Fotos machen?“ Kenneth hatte an seine Bitte um ein Interview gar nicht mehr gedacht. Obwohl Anna es von sich aus ansprach, fühlte es sich für ihn in diesem Moment falsch an. Er sah sich nach den Freunden um, konnte an ihren Mienen aber keine einheitliche Einschätzung ablesen.

Zögernd sagte er: „Sie müssen das nicht tun. Sie kennen die aktuelle Lage…“ Anna wirkte auf ihn nun vollkommen gefasst. „Ja, die kenne ich. Stellen Sie mir Ihre Fragen trotzdem“, sagte sie. „Erzählen Sie den Menschen unsere Geschichte. Erzählen Sie, wer wir sind.“ Arwen war näher an ihre Mutter herangerückt. Auch sie nickte Kenneth jetzt zu. Er konnte kein Anzeichen für Zweifel oder Unbehagen entdecken.

„Also gut“, dachte er, er war schließlich immer noch Journalist. Flüchtig dachte er an den Chef vom Dienst. Der würde dieses Interview sicher nicht ablehnen. „In Ordnung“, willigte er ein. „Ich stelle Ihnen gerne meine Fragen.“ Unbehaglich zog er die Schultern hoch. „Aber wir müssen wirklich nicht Ihre Identität enthüllen“, versuchte er es erneut. „Ich kann Sie einfach als ‚Barrys Frau Anna‘ zitieren.“ Hilfesuchend sah er sich zu den Freunden um. „Arwen“, sagte er zuletzt und gab seiner Stimme möglichst großen Nachdruck. „Fändest du das nicht auch die bessere Lösung? Bisher weiß doch niemand, dass ihr Verbindungen zu Unsterblichen habt.“ „Es wäre sicherer!“, stimmte Bee ihm zu und auch die anderen nickten.

Ihre Mutter ließ Arwen nicht die Zeit für eine Antwort. Sie saß kerzengerade auf ihrem Stuhl. Nichts erinnerte Kenneth noch an ihre Unsicherheit beim Anschauen des Videos. Anna sah nicht nur ihn an, sondern alle, die um den Tisch saßen, einen nach dem anderen. Als sie zu sprechen begann, klang es so selbstbewusst und flüssig, dass Kenneth kurz das Gefühl hatte, einer lange vorbereiteten Ansprache zu lauschen. Anna schaute zu ihrer Tochter, strich ihr mit einer liebevollen Geste durchs Gesicht und nickte Muriel mit einem warmen Lächeln zu. „Ihr zwei, ein Engel und eine Halbdämonin, habt euch angefreundet“, sagte sie. Ihre Augen wanderten zu den beiden unsterblichen Paaren und sie schüttelte ganz leicht den Kopf. „Als könnte sie nicht glauben, was sie sieht“, dachte Kenneth. „Ihr seid Engel und Dämonen. Trotzdem liebt ihr euch und teilt euer Leben.“ Er beobachtete, wie ein Lächeln begann, sich auf Annas Gesicht auszubreiten. „Ihr seid mit Menschen befreundet, die euer wahres Wesen kennen.“ Maggie und Nina sahen sich bei diesen Worten an, dann nickten sie lächelnd den Unsterblichen zu. Dabei durchzuckte Kenneth die Erinnerung, wie sehr er selbst sich gesträubt hatte, ihnen zu glauben. Annas Lächeln war nun strahlend. „Crowley und Gabriel, ihr seid aus freien Stücken in die Hölle hinabgestiegen, um unsere Familie wieder zu vereinen, obwohl euch fast nichts mit uns verbindet.“ Crowley rutschte auf seinem Stuhl nach vorne, blieb aber stumm, als Anna ihn ansah und wieder ein Kopfschütteln andeutete. Kenneth lächelte darüber, wie leicht der Dämon sich umstimmen ließ. „Fast nichts“, bekräftigte Anna. Sie war noch immer nicht am Ende. „Ein anderer Dämon verliebt sich in eine Menschenfrau, schenkt ihr eine Tochter und muss deshalb zwei Jahrzehnte leiden.“ Hier versagte ihr kurz die Stimme und sie schluckte mehrmals. Dann griff sie nach Arwens Hand und hielt sie während der nächsten Sätze fest. „Trotzdem hat er wieder Hoffnung geschöpft und will zu uns zurückkehren.“ Sie lächelte versonnen und Kenneth fragte sich plötzlich, ob er Notizen hätte machen müssen. Aber Anna sprach schon weiter und ließ ihren Blick über die fünf Unsterblichen wandern. „Ihr gebt euch nicht nur als Engel und Dämonen zu erkennen, sondern auch als ehemals Verantwortliche.“ Kenneth bemerkte, dass Nina Maggie anstieß, als Anna hinzufügte: „ich finde das ziemlich mutig – in der aktuellen Situation.“ Kenneth sah, wie Muriel besorgt zwischen den anderen Unsterblichen hin und hersah, und er fühlte mit ihr.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass Anna nicht mehr sprach. Er sah auf, direkt in ihre Augen und sie fügte hinzu: „Und du warst in der Hölle, um für die Menschen ein objektives Bild der Dämonen und ihrer Welt zeichnen zu können.“ Kenneth verstand nicht sofort, dass sie mit ihm sprach. „Du hast sie als Persönlichkeiten gezeigt. Jeder Text verriet dein Mitgefühl.“ Es fühlte sich an, als wären alle Augen auf Anna und ihn gerichtet. Sie nickte, eine Geste, die nur ihr selbst galt. „Keiner von euch hat getan, was sicherer war“, sagte sie schließlich mit fester Stimme, und Kenneth wusste: Das war seine Antwort. Er merkte, dass er die Luft angehalten hatte und atmete bewusst tief durch. Anna sah sich noch einmal um, schenkte jedem am Tisch ein warmes Lächeln. Kenneth folgte ihrem Blick und sah in den Gesichtern, wie stark das Gehörte sie bewegte. Er war dabei keine Ausnahme. Er schrak auf, als Anna fragte: „Warum sollte ich es dann tun?“

***

Kenneth hatte nicht gleich aufgegeben, hatte Anna vor dem gewarnt, womit sie seiner Erfahrung nach zu rechnen haben würden: „Stellt euch auf böse Kommentare ein“, hatte er gesagt. Die Sorgenfalten auf seiner Stirn verliehen den Worten Nachdruck. „Ihr müsst euch auf offene Anfeindungen vorbereiten, selbst von Leuten, denen ihr das nicht zutrauen würdet.“ Er wusste, dass das oft das Schmerzlichste war: Wenn vermeintliche Freunde sich abwandten. Widerstrebend hatte er noch hinzugefügt: „Macht euch auf’s Schlimmste gefasst.“ Die Klatschpresse hatte er erwähnt und diese Neugierigen, die oft hartnäckiger waren als professionelle Paparazzi. Aber Anna hatte nur gelächelt und entgegnet: „Ich weiß.“ Sie hatte selbst Fragen beantwortet, die er gar nicht gestellt hatte, hatte beispielsweise eingeflochten: „Ich habe keinen Moment Angst vor Barrys Rückkehr. Die Gefangenschaft mag ihn verändert haben, aber sie hat keinen anderen Mann aus ihm gemacht.“ Am Ende des Gesprächs hatte Kenneth gesagt: „Ich bewundere Ihre Beharrlichkeit und Ihren Mut.“ Dann hatte er sehr ernst hinzugefügt: „Passen Sie bitte trotzdem auf sich auf!“ Aber sie hatte nur gelacht. „Was ist mutig daran, dass ich meinen Mann zurückhaben möchte?“, hatte sie gefragt. „Dass ich ihm zeigen will, wie ähnlich ihm unsere Tochter ist?“ Sie hatte Arwen an sich gezogen und ihr ins Ohr gesagt: „Er wird so stolz auf dich sein, Füchschen.“

Als die beiden die Buchhandlung verließen, waren sie sichtbar erschöpft, und Crowley bot an, sie nach Hause zu fahren. Sie hatten abgelehnt und verabschiedeten sich dann von jedem einzeln. Sie bedankten sich ein weiteres Mal, für die Gastfreundschaft, die Hilfe mit dem Video, bei Kenneth für seine Arbeit. Bei Crowley beugte sich Arwen tief hinunter und umarmte ihn lange. Sie hätte ihm gerne gesagt, dass sie ein Leben lang in seiner Schuld stehen würde und er alles von ihr verlangen könne, weil es genau das war, was sie empfand. Aber sie ahnte, welche Reaktion sie damit provozieren würde. Deshalb sagte sie beim Aufrichten stattdessen betont sachlich: „Hast‘ was gut bei mir“, und verbarg ihr Lächeln, als er selbst darauf mit einem unentwirrbaren Konsonantenhaufen und einer brüsken Handbewegung reagierte. Anna beschränkte sich daraufhin auf ein „Danke“, was der Dämon mit einem „Gerne!“, honorierte.

Die Zurückbleibenden sahen ihnen nach, wie sie mit müden Schritten, aber ohne jedes Zögern um die Ecke bogen. Gabriel beugte sich zu Bee hinunter und fragte leise: „Sind sie nicht doch allzu naiv, für das, was auf sie zu kommt?“ Aber die Dämonin schüttelte den Kopf. „Nur völlig mit sich im Reinen“, antwortete sie. Sie zögerte, bevor sie noch „Beneidenswert!“ hinzufügte. Muriel gestattete sich einen dramatischen Seufzer. „Oh, ich wünsche ihnen so sehr ein Happy End!“, sagte sie. Ihre Tränen wischte sie verschämt weg. Erziraphael tätschelte ihren Rücken, bis sie ihn anlächelte. „Sie hätten es verdient“, stimmte er zu.

Während Maggie noch in ganz ähnlichen Gedanken verhaftet war, drängte es Nina, nun endlich auf den Hauptgrund ihres Besuchs zu sprechen zu kommen. „Weil wir schon von ‚mutig‘ gesprochen haben“, begann sie. „War es klug, dass ihr eure Rolle in Himmel und Hölle öffentlich gemacht habt?“ Sie biss sich auf die Lippen, weil sie an Maggies Reaktion sah, wie heftig sie gewesen war. Schon fügte die Freundin hinzu: „Wir machen uns Sorgen!“, und Nina drückte ihr verstohlen die Hand. „Das habe ich mich auch gefragt“, fiel Muriel ein. „Vor allem, weil ihr eben noch Anna daran hindern wolltet, an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Sie verstummte.

Bevor die Stille sich unangenehm anfühlen konnte, räusperte sich Erziraphael. „Das ist etwas Anderes, Liebes“, sagte er sanft. Vorsichtig griff er nach ihrem Arm und sie ließ es zu seiner Erleichterung geschehen. „Anna war immer eine Privatperson“, erklärte er. „Niemanden geht es etwas an, wen sie liebt.“ Erziraphael sah Muriel fast widerwillig nicken. „Sie weiß es längst“, dachte er. Dennoch sprach er weiter: „Bei Bee, Gabriel und mir ist das anders.“ Er sah Satans ehemalige Stellvertreterin und seinen Amtsvorgänger an und sie nickten bestätigend. Sie ließen ihm Zeit.

„Wir waren Teil des Systems“, sagte Erziraphael schließlich. „Wir mögen nicht mit allem einverstanden gewesen sein“, wieder eine nachdenkliche Pause, „oder wir sind es heute nicht mehr“ – hier brummte Gabriel unbehaglich – „aber wir können doch nicht so tun, als hätten wir mit der Vergangenheit nichts mehr zu schaffen.“ Der Engel fühlte Crowleys Hand in seinem Rücken und lehnte sich dankbar in die sanfte Berührung. Gabriel trommelte mit den Fingern einen unregelmäßigen Rhythmus auf der Tischplatte. „Er hat Recht“, sagte er. Bee legte ihre Hand über seine und brachte seine Finger zur Ruhe. „Ich habe viele Entscheidungen getroffen, auf die ich nicht stolz bin“, erklärte er, den Blick auf die beiden Hände vor ihm auf der Tischplatte gerichtet. „Das macht die Entscheidung aber nicht ungeschehen und mich nicht unschuldig“, schloss er nüchtern. Er suchte Bees Blick und sie lächelte ihm zu. „Das gilt wohl für uns alle“, warf Crowley ein. Erziraphael fühlte, wie die Finger des Dämons sich in seinem Rücken zusammenkrallten. „Aber musstet ihr deswegen gleich…?“ Bee ließ Nina nicht ausreden. „Mussten wir!“ Ihre Stimme war fest, sie ließ keinen Raum für Zweifel. „Wie soll irgendjemand uns vertrauen, wenn wir unseren Teil der Verantwortung verschweigen?“, fragte sie. „Oder gar vertuschen?“

Niemand antwortete. Sie horchten auf die Geräusche der Buchhandlung und den Atem der anderen, auf die Schritte der Passanten draußen auf dem Bürgersteig. Die Zeiger der großen Standuhr wanderten weiter. Sie waren das lauteste Geräusch im Raum, bis Nina ihren Stuhl ein Stück zurückschob und leise sagte: „Verstanden!“

Bee ging zu Nina und blieb bei ihr stehen. „Bitte entschuldige, wenn ich zu barsch war“, sagte sie. Nina schaute auf und lächelte. „Barsch ist wohl eher meine Spezialität.“ Die Dämonin sah die Schatten unter ihren Augen. Nina sah müde aus. „Ihr habt sicher recht, so weit habe ich nicht gedacht. Ich vergesse manchmal, wer ihr wart.“ Sie sagte es, ohne Bee anzusehen, fast wie zu sich selbst.  Bee ging neben ihrem Stuhl in die Hocke. Sie musste jetzt zu Nina aufsehen. „Das ist völlig ok“, sagte sie. „Ich genieße es, für euch einfach nur Bee zu sein. Aber im Spiegel sehe ich immer noch Lord Beelzebub. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, wer wir wa.., wer wir sind.“ Nina hatte sie aufmerksam beobachtet, während sie sprach. Sie spürte die Trauer hinter Bees Worten und suchte nach einer angemessenen Antwort. Weil diese ausblieb, nahm sie die Dämonin in den Arm. Sie fühlte sich viel zarter an, als sie aussah. Nina spürte einen Kloß im Hals. Als Bee sich von ihr löste, hielt sie sie am Handgelenk fest. „Wer auch immer ihr sonst noch seid“, sagte Nina, „ihr seid jetzt unsere Freunde. Vergesst auch das bitte nicht.“

Sie nickte Maggie zu, die sie nicht aus den Augen gelassen hatte, und zusammen standen sie auf. „Eine von uns kommt morgen früh zur moralischen Unterstützung“, versicherte Nina Muriel. „Aber jetzt muss ich ins Bett.“

Die Zurückgebliebenen schwiegen, bis die Tür hinter den Frauen ins Schloss fiel. Erziraphael sah sich um und entschied, dass sie alle eine Pause brauchten. „Ich weiß, wir haben noch ein schwieriges Thema vor uns“, sagte er. „Aber wollen wir dabei nicht etwas essen und trinken?“ Er wartete die Antwort nicht ab, sondern stand auf und steuerte die Küche an. Die anderen folgten. Kurz darauf saßen sie mit ein paar Snacks und etwas Rotwein wieder um den Tisch und Kenneth legte einen dicken Stapel Papier zwischen die Teller und die Gläser. „Rund achthundert Anrufe, weit über vierhundert davon möglicherweise ernst zu nehmen. Wo um alles in der Welt sollen wir anfangen?“