Begegnungen - Beobachtungen (immer noch Samstag)
Begegnungen - Beobachtungen (immer noch Samstag)
Crowley stand am Fenster und versuchte zu erkennen, was vor der Buchhandlung los war, ohne von draußen gesehen zu werden. Zwei Streifenwagen standen mit noch immer blinkenden Lichtern an der Straße. Eins fast vor der Buchhandlung, ein weiteres auf der anderen Straßenseite. Die Fahrzeuge schienen leer zu sein. Unter der Markise schräg gegenüber, unter der vor einer gefühlten Ewigkeit Nina und Maggie Schutz vor einem plötzlichen Wolkenbruch gesucht hatten, während er darauf hoffte, dass sie sich näherkamen – er erinnerte sich ungern daran, wie naiv seine Vorstellung von menschlichen Gefühlen damals noch war – unter dieser Markise drängten sich nun mehrere Personen. Crowley zählte mindestens drei Polizisten neben Nina, und sie schienen um etwas oder jemanden herumzustehen. Außerhalb seines Gesichtsfelds musste mindestens eine weitere Person sich aufhalten. Etwas bewegte sich dort, es hätte eine Hand sein können, die irgendwohin zeigte.
Er spürte eine Berührung an seinem Bein und schaute hinunter. Dort stand Robin, der ihn zaghaft angestupst hatte und nun aus großen, unglücklichen Augen zu ihm aufsah. „Crowley? Ich habe Angst!“ Ohne nachzudenken, ging der Dämon in die Hocke und nahm den Jungen in den Arm. „Das ist ok, Robin. Aber wir passen auf euch auf, versprochen.“ Er strich ihm übers Haar, dann hielt er den Kleinen ein Stück von sich weg und fragte: „Soll ich dich zu deinem Vater bringen?“ Er wollte sich gerade aufrichten, da stutzte er und hielt mitten in der Bewegung inne. „Nein, der muss sich um Justin kümmern. Mein Bruder hat noch viel mehr Angst. Papa hat mich zu dir geschickt.“ Crowley schluckte. In Robins Augen sah er so viel Vertrauen, dass sein Herz schneller schlug. „Aber hier am Fenster ist es zu gefährlich für dich.“ Crowley schaute sich hilfesuchend in der Buchhandlung um. „Hättest du bei Hexe weniger Angst?“ Robin nickte zaghaft. „Ich glaube schon.“ „Dann komm, ich bringe dich zu ihr.“ Crowley streckte ihm eine Hand entgegen und spürte wieder sein Herz, als der Junge vertrauensvoll seine kleine Hand hineinlegte. Er führte ihn zu Hexes Korb und wies sie an, gut auf ihren Freund aufzupassen. Gehorsam leckte die Hündin die Kinderhände und ließ zu, dass der Junge sich neben sie setzte. Crowley sah zu, wie Robin einen Arm über Hexes Rücken legte und sich an sie schmiegte. Der Junge lächelte. Beruhigt wandte Crowley sich um und bezog wieder seinen Beobachtungsposten.
In die Szene draußen war mittlerweile Bewegung gekommen: Eine Uniformierte hatte sich ein Stück von der Gruppe entfernt und sprach in ein Funkgerät. Er sah Nina, die ihre Hände in die Seiten gestützt hatte und unablässig auf ihren Fußspitzen wippte. Sogar aus dieser Entfernung konnte Crowley erkennen, dass es in ihr brodelte. Crowley kannte ihr Temperament und musste trotz der Situation lächeln. Sicher hatte Nina sich schon mindestens eine polizeiliche Rüge eingefangen.
Einer der Polizisten stand gebückt in ihrer Nähe und hantierte auf halber Höhe herum. Es war für Crowley nicht zu erkennen, was er da tat, aber er sah mehrmals etwas metallisch in der Sonne aufblitzen. „Eine Waffe?“ Die Sorgenfalten auf seiner Stirn vertieften sich. Dann sah er, dass der Beamte jemanden vom Boden hochzog, eine bullige Gestalt in einer Motorrad-Jacke. Der Mann hielt die Arme irgendwie unnatürlich vor seinem Körper. Als er erneut Metall aufblitzen sah, kombinierte Crowley: „Handschellen!“ Zwei weitere Personen wurden hochgezogen. Sie kamen ihm entfernt bekannt vor, aber er sah nur ihre Rücken.
Dann teilte sich die Gruppe. Die Polizistin, offensichtlich die Einsatzleiterin, sprach mit ihren Kollegen. Daraufhin setzte sich einer von ihnen in Bewegung. Seine Vorgesetzte trat zu Nina, sagte etwas und Nina folgte daraufhin dem Mann, beeilte sich sogar, um zu ihm aufzuschließen. Die Polizistin winkte als Nächstes jemandem in dem Bereich, den Crowley von seinem Beobachtungsposten aus nicht überblicken konnte. Daraufhin kamen zwei weitere Personen ins Bild und Crowley hielt die Luft an. Das waren eindeutig Bee und Gabriel! Was war da bloß los? Und was hatten die Freunde damit zu tun? Er drehte sich ratlos um und suchte Erziraphael im Publikum. Nachdem sich ihre Augen gefunden hatten, zuckte der Dämon leicht mit den Schultern. Er formte mit den Lippen: „Kei-ne Ah- nung.“ Erziraphael würde es verstehen.
Er schaute zurück nach draußen. Dort hatte Nina sich an den Kopf der kleinen Gruppe gesetzt und führte sie… offenbar in ihr Café. Bee, Gabriel und der Polizist folgten ihr. Crowley folgte ihnen mit den Augen. Er konnte sich keinen Reim auf das Geschehen machen! Er ließ den Blick zurück unter die Markise wandern.
Dort standen nun noch die drei Männer, die zuvor auf dem Boden gesessen haben mussten, und ebenso viele Polizisten. Die Frau schien weitere Befehle zu geben. Schließlich bedeutete sie dem Motorrad-Typen, der Gruppe Richtung Café zu folgen. Sie bildete seine Nachhut. Die verbleibenden beiden Polizisten griffen jeweils einen der beiden anderen Männer am Oberarm und wiesen mit der freien Hand zur anderen Straßenseite hinüber. Gehorsam gingen sie los und ließen sich von den Polizisten über die Straße führen. Als sie näher kamen, keuchte Crowley leise auf. Das waren der alte Hank und… David! David, der Azubi, den Alec entlassen hatte! Was zum … ?! Zu spät realisierte er, dass die Männer mit den Polizisten fast direkt auf ihn zukamen. Eilig trat er einen Schritt zur Seite und drückte sich so flach wie möglich an die Wand. Seine Gedanken rasten, aber er konnte sich einfach keinen Reim auf das machen, was er gerade beobachtet hatte. Er spürte Erziraphaels besorgten Blick auf sich und sah auf. „Po-li-zei kommt her“, ließ er seine Lippen formen. Der Engel nickte. Er sah genauso ratlos aus, wie er selbst vermutlich auch. Crowley wartete. Gerade fragte er sich, ob er es wagen konnte, nochmal einen Blick zu riskieren, da erloschen die blauen Blinklichter und Motoren wurden angelassen. Vorsichtig schob Crowley sich zurück zum Fenster. Es war niemand mehr zu sehen. Er konnte gerade noch beobachten, wie die Streifenwagen wendeten und langsam davon rollten. Direkt vor dem Café blieben sie jedoch schon wieder stehen. Danach gab es für Crowley nichts mehr zu sehen.
Er wandte sich nach einer Weile vom Fenster ab und schaute sich im Raum um. Die Erwachsenen sahen besorgt aus. „Verständlich“, dachte Crowley. Die meisten beschäftigten sich mit ihren Kindern, redeten beruhigend auf sie ein oder lenkten sie irgendwie ab. Niemand schien Lust auf Cookies und Limonade zu haben, jedenfalls standen die Leckereien unbeachtet auf dem Tresen. Mit einem lauten Räuspern machte er auf sich aufmerksam. Sofort waren alle Augen auf ihn gerichtet. „Die Polizei hat alle Beteiligten weggebracht“, berichtete er. „Die Streifenwagen stehen jetzt ein Stück weiter weg. Es scheint keine Gefahr für uns zu bestehen.“ Er sah und hörte, wie die Erleichterung sich im Raum ausbreitete: Atem durfte entweichen, Seufzer hörbar werden und Schultern sich lockern. Stühle wurden verrückt, Gliedmaßen gestreckt und ein Lächeln kehrte in die ersten Gesichter zurück. Auch Crowley atmete tief durch und versuchte dabei, seine Muskeln zu entspannen. Zwei Väter waren bei seinen Worten aufgesprungen. Sie nahmen ihre Kinder an die Hand und eilten zum Ausgang. Er sah ihnen verwundert nach.
Sein Blick traf den von Robins Vater und er lächelte ihm zu, aber der erwiderte das Lächeln nicht. Er zeigte mit dem Kinn auf das Kind in seinem Arm, das er fest an sich gedrückt hielt. Crowley schaute genauer hin und seine Erleichterung war wie weggeflogen. Justin war jetzt noch deutlich blasser als vorhin, seine Haut wirkte im Licht der Lampe fast grau. Während er sich zu Beginn noch interessiert umgeschaut hatte, lehnte sein Kopf nun an der Brust seines Vaters, er schien ihn kaum aus eigener Kraft aufrecht halten zu können. Das war nicht gut! Er durchquerte eilig den Raum. „Was ist los?“, fragte er leise Mister Cooper. Der schüttelte traurig den Kopf. „Er hat sich aufgeregt und jetzt ist er erschöpft. Er müsste dringend ins Bett.“ Er wirkte hilflos. „Soll ich Ihnen ein Taxi rufen?“, bot Crowley an. Er bekam keine Antwort. Er folgte dem Blick des Vaters, der Robin beobachtete, der scheinbar versuchte, Hexe am Bauch zu kitzeln. Sie hatte sich gutmütig auf den Rücken gedreht und ließ ihn gewähren. „Er hatte sich so hierauf gefreut“, hörte er den Vater leise sagen. Crowley schaute ihn an und die Trauer im Blick des Mannes traf ihn wie ein Schlag. „Wie ich es auch anstelle, einer von den beiden kommt immer zu kurz“, fuhr der andere fort. „Meistens ist es Robin, weil er so viel stärker zu sein scheint. Und dann habe ich ihm auch noch verboten, zum Vorlesen zu Ihnen und Hexe zu kommen…“ Seine Stimme brach und der Dämon griff hilflos nach seinem Arm. „Es war doch sicher aus Sorge. Ein Vater darf sich um seine Kinder sorgen“, gab er zu bedenken. Aber Mister Cooper schüttelte überraschend heftig den Kopf. „Es war Misstrauen“, widersprach er. „Vorurteile vielleicht.“ Er sah Crowley offen an. „Ich hätte mir doch wenigstens erst ein eigenes Bild machen müssen.“ Crowley fühlte mit dem offenkundig völlig überforderten Mann, etwas in seiner Brust zog sich zusammen. Er wollte etwas Tröstendes sagen, aber ihm fiel einfach nichts ein.
„Das haben Sie ja nun nachgeholt, wenn ich mich nicht täusche“, sagte jemand neben ihm. Erziraphael stand dort und nickte dem Vater zu. Crowley spürte die Hand des Engels in seinem Rücken und lehnte sich vorsichtig dagegen. Dankbar überließ er ihm das Sprechen. „Ich glaube, ich weiß, zu welchem Schluss Sie gekommen sind“, fuhr der Engel lächelnd fort. Überrascht schaute der Mann zu ihm auf, aber schließlich nickte er. „Ja.“ Er stand auf und schien nicht zu wissen, wohin mit dem Kind auf seinem Arm. Erziraphael kam ihm zur Hilfe. „Darf ich ihn kurz nehmen?“ Der Vater drückte ihm Justin in den Arm, fast ohne hinzusehen. Dann streckte er Crowley seine Hand entgegen. „Matthew Cooper. Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Anthony. Bitte nennen Sie mich Matt.“ Der Dämon zögerte nur Sekunden, dann ergriff er die Hand, schüttelte sie und grinste. „Crowley für meine Freunde.“ Die beiden Männer sahen sich über ihre Hände hinweg an und nickten sich zu. Dann ließen sie los. Matt wandte sich zu Erziraphael um und wollte ihm Justin wieder abnehmen, aber er stoppte mitten in der Bewegung. Vom Arm des Buchhändlers lächelte sein Jüngster ihn an, die Wangen fast schon rosig, die Augen klar, die Finger in den beigefarbenen Ärmel versenkt. „Darf ich helfen, Kekse verteilen?“, fragte er. Er klang noch immer müde, aber er schien fröhlich zu sein. Matt konnte nur stumm nicken. Verdutzt sah er den beiden nach. Crowley legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Erziraphael passt gut auf ihn auf“, versicherte er. „Sie…“, begann Matt zögernd. „Sie sind also wirklich…?
Crowley grinste jetzt übers ganze Gesicht. „Jepp, sind wir… Wirklich.“
In diesem Moment öffnete sich die Tür der Buchhandlung erneut. Beim Klang der Ladenglocke wurden die beiden Väter mit ihren Kindern zurück in die Buchhandlung komplimentiert, die sie gerade erst so eilig verlassen hatten. Ihnen folgte ein junger Polizist. Er sah sich im Raum um. „Ich muss Sie alle bitten, hier zu bleiben. Es ist möglich, dass diese Buchhandlung Ziel eines Anschlags werden sollte.“ Erregtes Murmeln erhob sich und einzelne Rufe wurden laut. Der Polizist hob die Stimme. „Es besteht im Augenblick keinerlei Gefahr, aber wir müssen Sie alle als Zeugen befragen. Es ist Ihnen deshalb bis auf Weiteres untersagt, miteinander zu sprechen. Bleiben Sie auf Ihren Plätzen, bis meine Kollegen Sie zur Vernehmung abholen.“ Sein Blick sprang unruhig von einer Person zur nächsten. Als einer der Väter, die er mit zurückgebracht hatte, aufsprang und auf ihn zukam, irrte seine Rechte zu seiner Hüfte, wo eine Schusswaffe steckte. Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißperlen.
Crowley überlegte keinen Augenblick: Er schob sich entschlossen zwischen den Polizisten und den Vater. „Schon gut, Officer!“, sagte er beschwörend und fasste den Vater fest am Oberarm. „Wir verhalten uns alle ruhig. Kein Grund zur Aufregung!“ Er schloss seinen Griff gerade so viel fester um den Arm, dass der Vater sich von ihm widerspruchslos zu seinem Platz zurückführen ließ, wo er sofort seine Tochter auf den Schoß nahm. Sie weinte leise vor sich hin und er strich ihr sanft übers Haar. Crowley nickte ihm noch einmal mahnend zu, dann setzte auch er sich auf den nächstbesten Stuhl und wartete.
***
Maggie saß hinter der Kasse und wrang ihre Hände. Vor wenigen Minuten war Nina zurückgekommen, begleitet von Bee und Gabriel und einem Polizisten. Maggie war auf die Freundin zugestürzt und hatte atemlos gefragt: „Was ist los, Nina? Ist bei der Lesung was passiert?“ Nina hatte stumm den Kopf geschüttelt und Maggies Herz schlug noch schneller. Wenn es Nina die Sprache verschlagen hatte, dann musste es ernst sein! Sie hatte sich stattdessen an die beiden anderen gewendet. „Bee, Gabriel, was ist denn geschehen? Warum seid ihr nicht drüben bei der Lesung? Was macht die Polizei hier?“ Die kleine Dämonin strich ihr beruhigend über den Arm. Aber auch sie schwieg. Die Gäste reckten die Hälse. „Officer, worum geht es?“, fragte sie flehend. „Was werfen Sie meinen Freunden vor?“ Der Polizist schüttelte unwirsch den Kopf. „Gar nichts, bisher. Wir werden Sie als Zeugen vernehmen.“ Bevor Maggie eine weitere Frage stellen konnte, sagte er brüsk: „Keine weiteren Unterhaltungen jetzt!“ Von einem der Tische rief jemand: „Maggie, zahlen bitte!“ Der Officer fuhr herum und schnauzte: „Ruhe, hab ich gesagt! Niemand verlässt das Café, bevor wir Sie befragt haben.“ Das darauf folgende empörte Getuschel erstarb, als er warnend in die Runde blickte. Er nickte zufrieden, dann bezog er Stellung an der Tür des Cafés und ließ die Gäste nicht aus den Augen.
Sie warteten schweigend, bis die Tür sich wieder öffnete. Beim Anblick des Mannes, der in Handschellen hereingeführt wurde, entfuhr Maggie ein „Also doch!“ Sie schlug sich die Hand vor den Mund, bevor jemand sie aufforderte zu schweigen. Die Polizistin, die dem Mann in der Rocker-Kluft folgte, sah Maggie unter einer hochgezogenen Augenbraue aufmerksam an. Dann wandte sie sich zu ihrem Gefangenen um und zeigte stumm auf einen der unbesetzten Stühle. „Sie rühren sich nicht von der Stelle!“ Er setzte sich hin und nickte stumm.
„Haben Sie die Personalien der Anwesenden aufgenommen?“, fragte die Beamtin den jungen Constable. Der schüttelte den Kopf. Seine Wangen färbten sich leuchtendrot. „Nein, Ma’am. Nein, weil… Sie hatten doch… Ich dachte..“ Seine Vorgesetzte fiel ihm ungeduldig ins Wort. „Meyers, Sie stammeln! Dann fangen Sie jetzt gefälligst damit an!“ Sie rollte mit den Augen, hatte sich aber sofort wieder im Griff. Nina hatte sie beobachtet und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Plötzlich war ihr die Frau deutlich sympathischer. Jetzt wandte sie sich ihr zu. „Sie sagten, es gibt einen Raum, in dem ich die Befragungen ungestört durchführen kann?“ Nina nickte. „Ich zeige es Ihnen, Inspector.“ Sie ging voraus und führte die Beamtin zu dem kleinen Pausenraum im privaten Teil des Cafés. „Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen? Tee, Kaffee, etwas Kaltes?“ Zuerst glaubte sie, die Polizistin würde ablehnen. Diese machte eine abwehrende Geste, während sie sich auf einen der Stühle sinken ließ. Sie wirkte plötzlich sehr müde – und viel jünger. Sie seufzte. Schließlich hob sie den Kopf. „Eine Tasse Earl Grey wäre wunderbar“, räumte sie ein. „Und ein Glas Wasser bitte, wenn es keine Umstände macht.“ Nina lächelte ihr zu und nickte knapp.
Kurz darauf kehrte sie mit den Getränken zurück und wurde dafür mit einem dankbaren Lächeln bedacht. Auf dem Tisch lagen nun ein Notizblock, ein Kugelschreiber und ein Aufnahmegerät. „Könnten Sie Meyers… - dem Constable bitte sagen, dass er mir den ersten Zeugen bringen soll?“ Sie zögerte, bevor sie fortfuhr: „Und bringen Sie bitte auch dem Gefangenen ein Glas Wasser. Und den Zeugen.“ Nina brummte als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Zurück im Gastraum richtete sie dem Constable aus: „Sie sollen den ersten Zeugen bringen.“ Sobald er mit einem der Gäste hinter der Theke verschwunden war, flüsterte sie Maggie zu: „Ein versuchter Anschlag, aber es ist niemandem etwas passiert.“ Sie schaute über ihre Schulter, der junge Polizist war noch nicht zurück. „Wenn ich den Jungspund gleich ablenke, texte Crowley. Sie sollen Ben kommen lassen… oder Kenneth.“ Maggie nickte, aber die Falten auf ihrer Stirn glätteten sich nicht. Sie ließ Nina nicht aus den Augen, während diese zuerst den Freunden etwas zu trinken brachte und dann dem Gefangenen eine Flasche Wasser auf den Tisch knallte. Sie machte auf dem Absatz kehrt, wurde aber von seiner Stimme zurückgehalten: „Ma’am, bitte!“ Als sie sich umdrehte, hielt er ihr mit schief gelegtem Kopf die gefesselten Hände entgegen. Er nickte zu der Flasche hin und Nina verstand. Widerstrebend schraubte sie den Flaschenverschluss ab und stellte die Flasche so wieder ab, dass er besser herankam. Sein leises „Danke“ quittierte sie mit einem unwilligen Kopfschütteln.