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Polizeiarbeit (immer noch Samstag)

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Polizeiarbeit (immer noch Samstag)

Ein Kind begann zu weinen. Die Mutter kramte hektisch in der Tasche, die neben ihrem Stuhl auf dem Boden stand. Der Polizist ließ sie dabei nicht aus den Augen. Als die Frau mit einem geseufzten „Da bist du ja!“ einen himmelblauen Stoffhund hervorholte, entspannten sich seine Schultern merklich. Sie drückte dem Kind das Spielzeug in die Arme und sofort hörte das Weinen auf. Erleichtert richtete sich die Frau auf – und sah direkt in die Augen des Polizisten.

Erziraphael beobachtete die Szene aus dem Augenwinkel. Er wollte den jungen Beamten nicht provozieren, indem er ihn anstarrte. Der Mann schwitzte und seine Hand zuckte viel zu häufig zu seinem Gürtel, an dem nicht nur ein Funkgerät, sondern auch ein Taser und eine Schusswaffe hingen. „Ja, Officer?“, fragte jetzt die Mutter, offenbar weil der Polizist immer noch sie und das Kind anstarrte. Der Mann schüttelte stumm den Kopf und wandte sich ab. Erziraphael atmete auf. In diesem Moment schrie ein Kleinkind los, das gerade eben noch in seinem Buggy geschlafen hatte.

Die Mutter des brüllenden Kindes beugte sich zu ihm hinunter, um es auf den Arm zu nehmen. „Moment!“ Der Polizist war neben sie getreten und hielt sie am Arm zurück. „Schön langsam und die Hände immer so, dass ich sie sehen kann.“ Die Frau starrte ihn mit großen Augen an und richtete sich wieder auf. Das Kind weinte lauter. „Und bringen Sie das Kind zum Schweigen!“ Er hatte es fast geschrien. Dabei war die Mutter zusammengezuckt, aber jetzt blaffte sie zurück: „Was glauben Sie wohl, was ich vorhatte, Officer? Sagen Sie uns gefälligst, was hier los ist, statt Kinder anzuschreien!“ Sie drehte ihm den Rücken zu, bückte sich und hob das Kind aus dem Wagen, das sich sofort beruhigte.

Erziraphael sah zu Crowley, weil er hoffte, dass ihm etwas einfiel, um die Situation zu entschärfen, aber der Dämon bemerkte es nicht. Sein Kopf war über sein Smartphone gebeugt und er schien die Ablenkung durch die weinenden Kinder zu nutzen, um etwas hineinzutippen. Vorsichtig zog auch der Engel sein Handy aus der Tasche, aber da war keine Nachricht. Er versuchte noch einmal, Blickkontakt herzustellen, nachdem Crowley sein Telefon wieder hatte verschwinden lassen, aber in diesem Moment öffnete sich die Tür und ein junges Paar kam hereinstolpert.

Genau genommen kam die Frau mit den langen dunklen Haaren und der altmodischen Brille mit großen runden Gläsern eher hereingewirbelt. Ihr langer Rock schien aus vielen Lagen zu bestehen und bauschte sich dramatisch um ihre Beine, als sie sich schwungvoll von links nach rechts und wieder zurück drehte. Sie kam dem Buchhändler vor wie eine Gestalt aus einem alten Märchen. Der junge Mann dagegen, der tatsächlich mehr hinter ihr her stolperte, sah absolut alltäglich aus, ganz und gar unauffällig – und auffällig verloren. Die Frau war kurz hinter der Tür stehen geblieben. „Entschuldigen Sie die Verspätung“, platzte sie heraus, „aber Newt hatte vergessen zu tanken, dann musste wir nochmal umkehren, weil wir die Adresse auf dem Küchentisch hatten liegen lassen, und dann fing zwei Kilometer von hier Dick Turpins Motor an zu kochen…“

Alle Anwesenden starrten sie mit offenem Mund an wie eine Erscheinung aus einem dieser „Dark Fantasy“-Filme, von denen Muriel ihm einmal erzählt hatte. Erziraphael aber kannte diese Frau. Sie hatte in einer dunklen Nacht auf dem Rücksitz des Bentleys hinter ihm gesessen – in der einzigen Nacht in neunzig Jahren, in der der Bentley einen Fahrradträger besessen hatte. Und sie und ihr Begleiter hatte mit ihnen auf dem Rollfeld der Tadfield Airbase gestanden an einem Tag, von dessen Bedeutung keiner der anderen Menschen in diesem Raum etwas ahnte. Sein Gedächtnis spulte diese Bilder ab, während sein Verstand versuchte, diese Szenen mit der Situation in der Buchhandlung in Verbindung zu bringen. Was machte Anathema hier? Was könnte sie von ihnen wollen? Er sah zu Crowley, aber der zuckte ebenfalls ratlos mit den Schultern. Gab es neue Prophezeiungen? Wusste die Nachfahrin von Agnes Nutter etwas, das Himmel und Hölle bisher verborgen geblieben war?

„Das ist hier doch die Lesung aus verbotenen Büchern, oder?“, fragte sie gerade in die Runde. Außer ihr hatte noch niemand ein Wort gesprochen. Erst jetzt schien Anathema den Polizisten zu entdecken, der auf sie zukam. „Setzen Sie sich hin und kein weiteres Wort!“, befahl er, und sie war so überrascht, dass sie sich wirklich auf einen der freien Stühle setzte und schwieg.

Der Officer sah sich im Raum um. Inzwischen zitterte seine rechte Hand und Erziraphael hielt sich bereit, einzuschreiten, falls es nötig werden sollte. Er hatte die Füße etwas näher zu sich herangezogen, eine Hand stützte sich auf den Oberschenkel – er hätte jederzeit aufspringen können. „Ich fordere Sie zum letzten Mal auf, zu schweigen und sich absolut ruhig zu verhalten, bis meine Kollegen eintreffen“, sagte er. Es hatte ein Befehl sein sollen, aber seine Stimme war unsicher und dünn. Er presste die Lippen aufeinander. „Ja, aber, was ist denn überhaupt…?“ Anathema hatte offenbar ihre Sprache wiedergefunden, aber ein fast verzweifeltes „Ruhe jetzt!“ ließ sie den Rest ihrer Frage verschlucken. Sie starrte den Officer herausfordernd an, ihre Augen groß und dunkel hinter den dicken Brillengläsern. Erziraphael hätte jetzt gerne ihre Fähigkeit gehabt, die Aura des Beamten zu lesen. Er biss sich auf die Unterlippe. Der Mann war überfordert. Die Situation konnte jeden Augenblick eskalieren.

Wieder weinte ein Kind. Es war eine von Rahuls Töchtern und er flüsterte beruhigend auf sie ein – vergeblich. Ihre Schwester stimmte ein, ein weiteres Kind, innerhalb kürzester Zeit war es ein Chor aus vielen Kinderstimmen, die in allen Tonlagen schrien. Erziraphael legte sich intuitiv die Hände über die Ohren. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Der Engel holte erschrocken Luft, als sich plötzlich jemand laut räusperte. Ein Kopf mit roten Locken wurde sichtbar, als Crowley sich betont langsam von seinem Stuhl erhob. Die offenen Hände hielt er in einer beschwichtigenden Geste gut sichtbar vor sich. „Officer? Auf ein Wort? Darf ich näherkommen?“ Er blieb an seinem Platz stehen und rührte sich nicht. „Ich möchte einen Vorschlag machen, um die Lage zu entspannen.“ Der junge Officer sah sich um, wich dann bis zur Ladentür zurück, um alles im Blick behalten zu können, und nickte Crowley kurz zu. Seine Hand lag gut sichtbar auf dem Taser.

Erziraphael beobachtete mit angehaltenem Atem, wie Crowley mit weiterhin erhobenen Händen zu dem Polizisten trat und leise mit ihm sprach. Mehrmals zeigte er auf die Zuhörenden, einmal zu ihm und zu Muriel und schließlich auf Hexe. Der Beamte folgte seinem Zeigefinger mit dem Blick und hörte still zu. Schließich nickte er, schob die Hand vom Taser zum Funkgerät und hob es an sein Ohr. Erziraphael verstand nicht alles, aber er nickte Crowley dankbar zu, als er die Worte „Zeugen“, „Kinder“ und „Verstärkung“ hörte. Hoffentlich würde man jemanden mit mehr Erfahrung schicken, bevor noch etwas passierte. Crowley kehrte auf seinen Platz zurück.

Die Tür ging erneut auf und eine Frau in Zivil kam herein. Sie verharrte kurz an der Tür und sah sich um. Statt sich aber wie von allen erwartet an den Polizisten zu wenden, stürzte sie zu einem der Stühle und rief: „Gott sei Dank! Ich bin fast gestorben vor Angst, als ich von dem Anschlag gehört habe. Warum gehst du denn bloß nicht dran?“ Sie umarmte den Mann und das Mädchen. Der Vater aber löste behutsam ihre Arme und klopfte auf den freien Platz neben sich. Den ausgestreckten Zeigefinger legte er an die Lippen. Sie wirkte irritiert, folgte dann seinem Blick zu dem nervös auf und ab gehenden Polizisten, nickte und ließ sich stumm auf den nächsten Stuhl gleiten. Der Mann ließ sich von ihr das Kind abnehmen und bewegte vorsichtig den Kopf, dehnte seine Schultern. Erziraphael sah sich zwischen den Menschen in der Buchhandlung um. Es war fast ein Wunder, dass sie alle noch so ruhig waren. Erst jetzt dachte er an Muriel und sah sich suchend nach ihr um. Sie hatte sich unauffällig an eine Wand zurückgezogen, die Augen geschlossen und wirkte sehr fokussiert. Ihre Rechte war leicht erhoben, die offene Handfläche zeigte von ihrem Körper weg und Erziraphael erkannte erst jetzt, dass ihre Lippen sich unmerklich, aber unablässig bewegten. Unwillkürlich lächelte er breit. Muriel war so viel pragmatischer als er. Statt sich in Sorgen hineinzusteigern, schritt Muriel zur Tat. Er nahm zwei tiefe Atemzüge, richtete den Oberkörper auf und ließ seine Augen zufallen. Dann konzentrierte er sich auf seine Hände, die er vom Tisch verdeckt inzwischen ebenfalls segnend erhoben hatte.

***

Die Polizistin sah ihrem jungen Kollegen nach, der gerade die Lebensgefährtin der Besitzerin aus dem Hinterzimmer hinausbegleitete. Sie hatte ihn angewiesen, die Beamten mit den beiden in Gewahrsam genommenen Männern aus den Streifenwagen zu holen. Jetzt, wo keine Unbeteiligten mehr im Gebäude waren, erschien ihr das die bessere Lösung. Meyers konnte wirklich nicht gleichzeitig die Zeuginnen und Zeugen zu ihr und wieder hinausbringen, die Personalien aufnehmen, Gespräche zwischen den noch nicht Befragten unterbinden und den seltsamen Hells Angel im Auge behalten. Er könnte es auch nicht, wenn er erfahrener und von ihr weniger eingeschüchtert wäre. Sie seufzte und stützte ihre Stirn auf die verschränkten Hände. Ausgerechnet heute musste so etwas passieren! Heute, wo die Hälfte der älteren Kollegen bei einer KI-Schulung war und die anderen zum Schutz eines brisanten Gefangenentransports, für eine Razzia und als Eskorte bei einem Staatsbesuch angefordert worden waren. Und nun saß sie hier mit dem Kindergarten des Reviers mit einem möglichen Brandanschlag und tappte noch völlig im Dunkeln. Aber sie hatte ganz bewusst erst die Gäste und das Personal des Cafés befragt, um nicht zu viele Menschen hier zurückhalten zu müssen.

Sie schaute auf ihre Notizen. Neben Namen stand da wenig, abgesehen davon, dass mehrere Gäste ausgesagt hatten, nicht nur die Besitzerin des Cafés, sondern auch die beiden Personen zu kennen, von denen sie alarmiert worden waren. „Be(e)? und Gabriel“ hatte sie sich notiert. Vermutlich Spitznamen, ähnlich wie „der alte Hank“, den ebenfalls einige Gäste und zuletzt Ms Baker, Maggie, übereinstimmend so genannt hatten. Auch seinen Familiennamen schien niemand zu kennen, obwohl alle sagten, er müsse in der Nähe wohnen. Sie rieb sich die Stirn und schloss die Augen. Einmal durchatmen, bevor Meyers ihr die nächste Zeugin brachte. „Entschuldigung?“ Die Besitzerin des Cafés stand in der Tür und wartete ihre Reaktion ab. Sie winkte sie wortlos herein. Als sie das Tablett sah, das vor ihr abgestellt wurde, schaute sie auf. Neben einer weiteren Tasse Earl Grey und einer Flasche Wasser befanden sich darauf auch ein üppig belegtes Sandwich, ein Blaubeer-Muffin und eine dicke Scheibe Bananenbrot. „Sie sind ein Engel, danke Nina.“ Zielstrebig griff sie nach dem Sandwich und biss herzhaft ab. Noch kauend bat sie: „Könnten Sie meinen…“, aber Nina unterbrach sie lächelnd. „Keine Sorge. Maggie versorgt gerade alle, die noch im Café sind.“ Sie zögerte kurz. „Inspector, Constable Meyers erwähnte, dass auch alle Personen in der Buchhandlung noch als Zeugen vernommen werden sollen.“ Die Polizistin nickte. „Ich schlage vor, dass wir auch für die Leute dort einen Imbiss fertigmachen. Die Kinder sind sicher inzwischen quengelig und die Eltern besorgt.“

Kinder? Eltern? Was meinte Nina? „Wie viele Personen sind denn in der Buchhandlung?“, fragte die Beamtin erstaunt. Warum hatte PC Turner das nicht gemeldet? Bei Ninas Antwort wurde ihr ganz anders. Hätte sie geahnt, dass sich dort so viele Menschen aufhielten, so viele Kinder vor allem, hätte sie doch nicht ausgerechnet das Küken im Team dorthin geschickt! Sie sprang auf und eilte in den Gastraum. „Meyers, Sie überlassen hier alles den Kollegen und unterstützen Turner drüben in der Buchhandlung. Dort halten sich über vierzig Personen auf, darunter viele Kinder!“ Ihre Wangen waren gerötet und auf ihrer Stirn hatten sich Schweißtropfen gebildet. Wie hatte sie nur so nachlässig sein können? Warum hatte Turner bloß keine Verstärkung angefordert? „Los, beeilen Sie sich! Und machen Sie Meldung, wie sich die Lage drüben darstellt.“

„Ma’am?!“ Ihr wurde bewusst, dass gerade ihr Name gefallen war, mehrmals sogar. Sie drehte sich zu dem Beamten um, der „den alten Hank“ in Gewahrsam genommen hatte. „Inspector Stewart, Ma’am, das wird nicht nötig sein. Turner hat per Funk Verstärkung angefordert und zwei Kolleginnen von den Berittenen waren in der Nähe. Sie sind jetzt drüben.“ Langsam sickerten die Worte in ihr Bewusstsein. Der Constable zeigte aus dem Fenster und sie sah hinaus. Bei dem Anblick, der sich ihr dort bot, atmete sie erleichtert auf: Zwei Pferde standen vor der Buchhandlung, die Officer waren abgestiegen und hielten sie am Zügel. In jedem Sattel saß ein Kind. Weitere Kinder tollten mit einem weißen Wolfshund herum, ein schlanker Mann mit auffallend roten Haaren schien darauf zu achten, dass es nicht zu wild zuging. In diesem Moment hob die Kollegin von der Reiterstaffel die Kinder vom Pferderücken und half den beiden nächsten hinauf. Sie seufzte. „Danke! Sehr gut. Meyers, dann helfen Sie Nina stattdessen, drüben einen Imbiss und Getränke zu verteilen, wenn alles fertig ist.“ Inspector Stewart dachte an das Bananenbrot im Hinterzimmer und fügte hinzu: „Schicken Sie mir in zehn Minuten den Mann, der uns angerufen hat. Diesen Gabriel. Und essen Sie selbst was.“ Sie drehte sich auf dem Absatz um und verschwand hinter dem Tresen.

***

Crowley blinzelte angestrengt gegen die Sonne, während er das Handy mal höher mal tiefer hielt und mehrmals den Auslöser drückte. Als er die Aufnahmen im Display kontrollierte, blieb sein Blick an einem Foto hängen, das ihn breit lächeln ließ: Matt hob mit ausgestreckten Armen Robin von einem der Polizeipferde und sie strahlten sich gegenseitig an. Der Gegenlichteffekt ließ es fast so aussehen, als käme das Licht aus ihrem Innern. Ein wunderschönes Andenken, dachte Crowley. Wahrscheinlich hatten die beiden wegen Justins Krankheit nicht viele solche Vater-Sohn-Momente. Er hob den Kopf und sah, dass Matt Robin nicht auf dem Boden abgesetzt hatte, sondern ihn immer noch auf dem Arm hielt. Robin redete lebhaft auf seinen Vater ein, der nickte und wieder sahen beide sich mit einem so strahlenden Lächeln an, dass sie zu leuchten schienen. Schnell machte Crowley noch ein paar Aufnahmen mehr. Warum fühlte er gerade jetzt einen Stich in der Brust? Er freute sich so für Robin, sagte er sich. Das musste es sein. Als er aufschaute, traf ihn Matts Blick. Der Vater nickte ihm zu und Crowley sah die Dankbarkeit darin. Er freute sich auch für Matt, wurde ihm klar.

Hexe stand neben ihm, der wedelnde Schwanz schlug rhythmisch gegen seine Wade und die Hündin sah erwartungsvoll zu ihm auf. Er vergewisserte sich, dass die Polizistinnen alle Kinder im Blick hatten, und schaute durch das Schaufenster. Er lächelte. Erziraphael hatte noch immer Justin auf dem Arm, Robins kleinen Bruder, und ging mit ihm durch die Stuhlreihen. Immer, wenn Muriel, die vor ihnen ging, jemandem ein Glas Limonade oder Wasser eingeschenkt hatte, hielt Justin der Person mit einer kleinen Gebäckzange einen Cookie hin. Wenn der Keks akzeptiert wurde, lächelte er glücklich. Der Kleine schien ganz in seinem Element.

Crowley konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Warum sollte er das auch wollen, dachte er trotzig. Er war niemandem Rechenschaft schuldig. Wenn er ein rührseliger Dämon war, war das allein seine Sache. Er schaute noch einmal hinein und sah genau in Erziraphaels Augen. Das Lächeln wurde noch breiter. Er war ein verdammter Glückspilz von einem Dämon!, sagte er sich und erlaubte es sich noch einen Moment, durch die Scheibe seinem Engel zuzulächeln, bis er sich wieder den Kindern zuwandte. Dabei bemerkte er Bewegung auf der anderen Straßenseite und hob den Kopf. Er erkannte Nina, die mit einem der Polizisten direkt auf ihn zukam. Würden sie jetzt endlich erfahren, was los war? Er sah, dass Nina ein Tablett und der Beamte eine schwere Kühlbox trug. Offenbar brachten sie Verpflegung. Gut, das würde die Moral heben. Auch wenn es wahrscheinlich bedeutete, dass sie noch länger warten mussten.

Nina lächelte ihm im Hineingehen zu. Ihr Begleiter hatte zunächst seine Kolleginnen begrüßt, nun wandte er sich Crowley zu. „Sind Sie der Besitzer dieser Buchhandlung?“, fragte er, nachdem er die Box abgestellt und sich selbst als Constable Meyers vorgestellt hatte. Crowley nannte seinen Namen und schüttelte den Kopf. „Den Eigentümer und die zweite Buchhändlerin finden Sie drin“, antwortete er. Durch die Scheibe schaute er den beiden nach, sah, wie sie Tablett und Kühlbox abstellten. Nina machte den Polizisten auf Erziraphael aufmerksam und schien die beiden einander vorzustellen. Dann winkte sie Muriel zu sich und die beiden begannen mit dem Verteilen der Snacks. Der Polizist dagegen blieb bei Erziraphael stehen und sprach mit ihm. Je länger der Engel zuhörte, umso tiefer wurden die Falten auf seiner Stirn. Er rieb sich die Nasenwurzel und kniff die Augen zusammen. Mehrmals schüttelte er den Kopf, schließlich zeigte er nach draußen. Jetzt erzählte er von den Schmierereien, vermutete Crowley. Und tatsächlich, der Polizist verabschiedete sich von Erziraphael und kam zu ihm nach draußen.