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Unerwünschte Nähe

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Unerwünschte Nähe

Elyra war müde.

Nicht diese angenehme Art von Müdigkeit, bei der der Körper immer schwerer wurde und man sich nur noch nach einem Bett sehnte.

Es war die andere.

Die, bei der die Gedanken irgendwann so laut wurden, dass selbst Erschöpfung nicht mehr ausreichte, um sie zum Schweigen zu bringen.

Langsam war sie davon überzeugt, dass Elyndra persönlich etwas gegen sie hatte.

"Auch voll." Dean ließ verzweifelt sein Handy sinken, während seine braunhaarige Freundin mitten auf dem Gehweg stehen blieb und ihn ungläubig ansah.

"Das ist schon das sechste."

"Du meinst das siebte."

"Das macht es jetzt nicht besser Dean." Die Straßen um sie herum waren noch immer belebt.

Aus den Bars drang Musik, Autos zogen über den nassen Asphalt und Gruppen von Nachtschwärmern liefen an ihnen vorbei.

Elyra sehnte sich in der Zwischenzeit nichts mehr, als eine schöne warme Dusche und ein kuschliges Bett.

Der blonde starrte erneut auf sein Handy und dann, ganz plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Nur ein wenig, doch Elyra kannte ihn gut genug um zu wissen, das jetzt nichts vernünftiges aus seinem Mund kommen würde.

"Nein." Etwas überrascht sah ihr Weggefährte auf.

"Ich habe doch noch gar nichts gesagt."

"Der Ausdruck deiner Visage reicht." Augen rollend hielt er seiner Freundin das Handy vor die Nase.

Baker Grand Hotel. Elyra starrte für ein paar Sekunden auf den Namen.

Natürlich. Ausgerechnet eines seiner Hotels musste noch zwei freie Zimmer haben.

Jonah Baker.

Sie kannte diesen Mann gerade einmal ein paar Stunden und denn noch hatte er es irgendwie geschafft, sich hartnäckig in ihre Gedanken festzusetzen.

Noch immer erinnerte sie sich viel zu deutlich an den Moment vor dem Pub, als sie mit ihm zusammengestoßen war.

Diese eine Berührung.

Dieses vollkommen absurde Gefühl, als hätte ihr Körper ihn erkannt, obwohl sie ihm noch nie zuvor begegnet war. Elyra schob diesen Gedanken widerwillig beiseite.

"Wir nehmen es." Dean sah überrascht auf.

"Einfach so?"

"Bevor ich auf einer Parkbank schlafe? Ja." Jonah besaß zwei Hotels.

"Wie wahrscheinlich ist es schon, das er sich mitten in der Nacht ausgerechnet in genau diesem aufhält?" Grinsend steckte Dean sein Handy in die rechte Hosentasche.

"Bei unserem Glück?" Die braunhaarige warf ihrem Freund einen finsteren Blick zu.

"Sag es nicht."

Etwa zwanzig Minuten später stand sie mit ihrem Begleiter vor dem Baker Grand Hotel und überlegte ernsthaft, ob die Parkbank vielleicht nicht doch die bessere Entscheidung gewesen wäre.

Das Gebäude war beeindruckend.

Dunkler Stein, hohe Fenster und warmes Licht verliehen ihm etwas elegantes, ohne übertrieben luxuriös zu wirken. Über dem Eingang prangte der Name in dezenten, goldenen Buchstaben.

Irgendwie passte das Hotel zu seinem Besitzer.

Ertappt von sich selbst, schüttelte Elyra den Gedanken sofort wieder beiseite.

Sie brauchte dringend Schlaf.

In der Lobby war es überraschend ruhig. Nur wenige Gäste saßen noch an der kleinen Bar, während an der Rezeption eine junge Frau freundlich lächelte.

Der Check-In verlief ohne Probleme. Zwei Zimmer im achten Stock, direkt nebeneinander.

Und vor allem. Keine Spur von Jonah Baker.

Elyra nahm ihre Zimmerkarte entgegen und ging anschließend mit Dean in die Richtung des Fahrstuhls.

Als sich dessen Türen öffneten, blieb die braunhaarige abrupt stehen, sowie der Fahrgast, der gerade aus dem Fahrstuhl laufen wollte. Sein Blick fiel erst auf Dean, dann auf Elyra und schließlich auf die Zimmerkarten in ihren Händen.

Ein viel zu amüsiertes Grinsen erschien auf dem Gesicht von Jace Harris.

"Das ist jetzt nicht euer Ernst?" Dean lachte leise, während Elyra für einen kurzen Moment ihre Augen schloss. Natürlich.

"Sag jetzt bitte nichts." Der Mützenträger hob unschuldig die Hände.

"Hatte ich nicht vor. Ihr wohnt jetzt hier?" Der Gedanke allein schien ihn nur noch mehr zu amüsieren.

"Nur diese eine Nacht." Elyra ging an ihm vorbei und betrat den Fahrstuhl. Dean folgte ihr.

Kurz bevor sich die Türen schlossen, hörte sie noch ein letztes mal Jace seine Stimme.

"Jonah wird sich freuen." Elyra drückte mehrfach den Knopf für den achten Stock und sah Dean, der bereits am grinsen war, warnend an.

"Kein Wort."

Jonah freute sich nicht. Zumindest behauptete er das.

"Sie sind hier?" Jace ließ sich auf eines der Sofas fallen. Der schwarzhaarige stand am Fenster seines Lofts mit einem Glas Whiskey in der einen Hand und einer Zigarette in der anderen. Nach dem Abend im Pub hatte er eigentlich ruhe gewollt. Stattdessen hatte ihn ein Problem mit einer Buchung noch einmal in genau dieses Hotel geführt.

"Beide." Bestätigte Jace kurz. Jonah nahm einen Schluck seines goldenen Getränks.

"Und?"

"Nichts." Der jüngere zuckte kurz beiläufig mit den Schultern.

"Warum erzählst du es mir dann?" Jace betrachtete seinen Freund einige Sekunden.

"Weil die Frau, die du seit Stunden auffällig nicht erwähnst, jetzt ein paar Stockwerke unter uns schläft." Jonah drehte langsam den Kopf.

"Ich erwähne viele Menschen nicht."

"Bei den meisten starrst du danach aber auch nicht zehn Minuten schweigend aus dem Fenster." Jonah schwieg, während Jace immer mehr grinste.

"Interessant."

"Verschwinde." Der Chaot stand vom Sofa auf, blieb an der Tür jedoch noch einmal stehen.

"Sie wusste übrigens vorher, dass das dein Hotel ist." Genervt rollte Jonah mit den Augen.

"Das weiß ich, es ist ja schließlich offensichtlich."

"Und sie ist trotzdem gekommen." Bevor der schwarzhaarige antworten konnte, war Jace verschwunden. Die Tür fiel mit einem leisen knacken ins Schloss. Jonah sah auf sein Glas.

Elyra war eine Fremde. Eine ziemlich respektlose Fremde, die offensichtlich keinerlei Probleme damit hatte, ihm Kontra zu geben. Mehr nicht.

Zumindest sollte sie nicht mehr sein. Und denn noch beschäftigte ihn die Tatsache, das sie hier war, mehr, als sie sollte. Er leerte seinen Whiskey in einem Zug. Er brauchte dringend frische Luft, denn schlafen würde er jetzt keinesfalls können.

Elyra ebenfalls nicht. Fast eine Stunde lag sie bereits im Bett und starrte an die Decke.

Das Zimmer war ruhig, schon beinahe zu ruhig. Vermutlich schlief Dean nebenan bereits, was sie auch gerne getan hätte. Doch sobald Elyra ihre Augen schloss, kehrten die Gedanken zurück.

Veyrath, ihre Eltern, die letzten Wochen, ihr Vater und irgendwann, vollkommen ungebeten, Jonah.

Elyra öffnete genervt die Augen.

"Ernsthaft?" Sie setzte sich auf. Vielleicht brauchte sie einfach nur frische Luft. Oder Alkohol und dazu eine Zigarette. Vermutlich brauchte sie alles gleichzeitig.

Sie zog sich ihre Jacke über und verließ das Zimmer. Im Fahrstuhl entdeckte sie einen Knopf mit der Aufschrift Dachterrasse. Das war eindeutig besser als nur an die Decke zu starren oder draußen auf der Straße zu stehen.

Als sich die Fahrstuhltüren wieder öffneten, schlug ihr die kühle Nachtluft entgegen. Von hier oben wirkte selbst Elyndra ruhig. Die Lichter der Stadt erstreckten sich weit unter ihr.

Die braunhaarige ging zur Brüstung und ließ den Blick schweifen. Für ein paar Sekunden gelang es ihr tatsächlich, an nichts zu denken.

"Die Terrasse ist geschlossen." Leicht zuckte Elyra zusammen, bevor sie sich umdrehte. Natürlich.

Jonah saß einige Meter entfernt in einem breiten Sessel, halb verborgen in der Dunkelheit. Er trug ein abgetragenes, dunkles Shirt und dazu die passende Jogginghose. Zwischen seinen Fingern glomm eine Zigarette und auf dem Tisch vor ihm stand ein Glas mit Whiskey darin.

Elyra schloss erneut für einen kurzen Moment ihre Augen.

"Du verfolgst mich." Eine Augenbraue bei dem dunkelhaarigen hob sich etwas skeptisch.

"In meinem eigenen Hotel?"

"Unnötige Details." Sie hätte gehen können, wahrscheinlich wäre es sogar vernünftig gewesen, einfach die bessere Entscheidung. Doch stattdessen wandte sie sich wieder der Stadt zu.

Jonah sagte nichts, es überraschte sie beinahe mehr, als ein irgendein unnötiger Kommentar.

Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen. Kein unangenehmes. Eher eines, bei dem keiner das Gefühl hatte, es füllen zu müssen.

Irgendwann erhob sich Jonah und trat ebenfalls zur Brüstung. Dabei war er darauf bedacht, nicht zu nah bei ihr zu stehen.

"Kannst du nicht schlafen?" Elyra sah ihn von der Seite an.

"Kannst du es?" Ein leises Lachen entwich ihm.

Zum ersten Mal wirkte er anders als im Pub. Entspannter. Weniger wie der Mann, der einen Raum betrat und automatisch die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog.

Einfach nur Jonah und merkwürdigerweise machte ihn genau das interessanter.

"Wie gefällt dir Elyndra bisher?" Die frage stellte er ganz beiläufig.

"Ich bin noch nicht lange genug hier, um das zu beurteilen."

"Das weiß ich." Natürlich wusste er das. Sie hatten bereits darüber gesprochen.

Jonah nahm einen Zug von seiner Zigarette.

"Ich meinte eher, ob du bleiben willst." Die Frage überraschte sie. Elyra stützte ihre Unterarme auf der Brüstung ab.

"Vielleicht."

"Klingt sehr überzeugt."

"Dean und ich wollten einfach irgendwohin." Jonah reagierte nicht sofort. Sie bemerkte ihren Fehler erst, als er sie ansah.

Nicht nach Elyndra. Einfach irgendwohin.

"Also war diese Stadt nie das eigentliche Ziel?" Elyra spannte sich leicht an.

"Muss es denn immer ein Ziel geben?"

"Nein." Jonah's Blick wanderte über die Stadt.

"Aber meistens einen Grund." Sie schwieg, denn wie sie feststellen musste, war er verdammt aufmerksam. Das hatte sie bereits im Pub bemerkt. Hinter den lockeren Bemerkungen und diesem selbstsicheren Auftreten steckte jemand, der seine Umgebung sehr genau beobachtete.

"Wovor lauft ihr weg?" Elyra sah ihn an.

"Wer sagt, dass wir weglaufen?"

"Niemand." Er nahm einen weiteren Zug seiner Zigarette.

"Du." Für einen Augenblick ärgerte sie sich über sich selbst. Sie durfte nicht vergessen, das sie Jonah kaum kannte. Nur weil sich seine Nähe auf eine vollkommen unerklärliche Weise vertraut anfühlte, bedeutete das nicht, das sie ihm vertrauen konnte.

"Vielleicht wollen wir einfach nur neu anfangen." Jonah nickte langsam, er drängte nicht weiter und genau das veranlasste Elyra dazu, ihn genauer anzusehen.

"Das klang eben ziemlich persönlich." Jetzt war es an ihm sie anzusehen.

"Was?"

"Das Menschen einen Grund brauchen, um irgendwo neu anzufangen." Seine Miene blieb ausdruckslos, Elyra erkannte die Antwort denn noch. Da war etwas.

"Also", begann sie. "Wovor bist du weggelaufen?" Ein Mundwinkel seinerseits hob sich leicht.

"Wer sagt, das ich weggelaufen bin?" Dieses Mal musste Elyra lächeln.

"Du." Für einen Moment sahen sie sich einfach nur an.

Da war es wieder. Diese unerklärliche Vertrautheit. Nicht so heftig wie bei ihrer ersten Berührung. Ruhiger. Fast so, als wäre Schweigen zwischen ihnen etwas vollkommen normales. Dabei kannten sie sich kaum.

Jonah war der erste, der seinen Blick abwendete.

"Whiskey?" Elyra sah zu seinem Glas.

"Versucht du gerade mich abzufüllen?"

"Nach allem, was ich bisher von dir gesehen habe, bezweifel ich, das irgendjemand dich zu irgendwas zwingen könnte."

"Gute Antwort." Jonah nahm ein zweites Glas vom Tisch und schenkte ihr etwas ein.

Als Elyra danach griff, berührten sich ihre Finger. Das Kribbeln kam sofort. Heftig. Augenblicklich zog sie ihre Hand zurück, was Jonah ihr gleich tat.

Das Glas rutschte ihr dabei beinahe aus der Hand. Beim Auffangen strich ihr Zeigefinger über eine kleine, abgesplitterte Stelle am Rand.

"Scheiße." Ein dünner Schnitt erschien auf ihrer Haut, kaum der Rede wert. Doch auch Jonah zuckte zusammen. Seine Hand fuhr zu seinem eigenen Finger.

Elyra erstarrte. Sie sah auf ihre Hand und dann auf seine. Jonah bemerkte ihren Blick und nahm die Hand sofort wieder runter. Zu spät.

"Was war das?"

"Was?"

"Das gerade?"

"Gar nichts." Die Antwort von ihm kam zu schnell. Die braunhaarige trat einen halben Schritt näher.

"Jonah." Sein Blick fiel auf den kleinen Bluttropfen auf ihrem Finger.

Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er den Schnitt gespürt. Nicht gesehen, gespürt.

Ein scharfes Brennen an genau der selben Stelle. Sein Wolf war in dem selben Augenblick unruhig geworden. Jonah verstand nicht, was da passierte und er hasste Dinge, die er nicht verstand.

"Du hast das gespürt." Es war eher eine Feststellung von Elyra. Er sah sie an.

"Was soll ich gespürt haben?"

"Den Schnitt." Stille. Jonah zwang sich zu einem schwachen lächeln.

"Vielleicht solltest du wirklich schlafen." Elyra verengte die Augen.

"Ich habe mir das doch nicht eingebildet."

"Das habe ich nicht gesagt."

"Du bist unglaublich nervig."

"Das wurde mir allerdings schon öfter gesagt." Schweigend stellte sie das Glas zurück auf den Tisch. Vielleicht war sie tatsächlich übermüdet, denn noch wusste sie, was sie gesehen hatte. Und Jonah wusste es ebenfalls.

"Gute Nacht Baker." Sie ging ein paar Schritte auf den Fahrstuhl zu.

"Elyra." Sie blieb stehen und drehte sich noch einmal um. Jonah sah sie an, als wolle er noch irgendetwas sagen. Doch dann schüttelte er kaum merklich den Kopf.

"Nichts." Elyra betrachtete ihn einen kurzen Moment.

"Du bist echt komisch." Dann verschwand sie.

Jonah blieb allein zurück. Langsam sah er erneut auf seine Hand. Sein Finger war vollkommen unverletzt, denn noch konnte er das brennen noch immer spüren.

Er kannte Magie. Er kannte Flüche, Bindungen und Dinge, die ein normaler Mensch vermutlich für Märchen gehalten hätte. Aber das hier?

Dafür hatte er keine Erklärung. Und etwas tief in ihm sagte ihm, das Elyra ebenso wenig verstand, was zwischen ihnen geschah.

Am nächsten Morgen war Elyra davon überzeugt, das Kaffee zu den wenigen Dingen gehörte, die diesen Tag noch retten konnten.

Sie saß Dean gegenüber in dem Restaurant des Hotels und hielt ihre Tasse mit beiden Händen fest. Dean sah im Gegensatz zu ihr erschreckend ausgeschlafen aus.

"Du siehst beschissen aus." Elyra hob kurz ihren Blick.

"Danke."

"Schlecht geschlafen?" Gähnend schüttelte sie den Kopf.

"Kaum." Sie verschwieg ihm die Nacht auf der Dachterrasse. Nicht bewusst. Zumindest redete sie sich das ein.

Dean wollte gerade etwas sagen, als sein Blick über die Schulter seiner besten Freundin wanderte. Sein Gesicht verriet alles, was die braunhaarige zum seufzen brachte.

"Nein."

"Ich habe nichts gesagt."

"Musst du auch nicht."

"Guten Morgen." Jace. Elyra drehte sich um. Jace und Jonah standen nicht weit von ihr entfernt, Jonah's Blick auf ihren.

Für einen kurzen Moment war die vergangene Nacht wieder da.

Das Glas, der Schnitt und seine Reaktion.

Auch in seinem Gesicht veränderte sich etwas, nur kurz. Dann war es wieder verschwunden.

Ein paar Sekunden später saßen sie zu viert am selben Tisch. Elyra wusste nicht einmal genau, wie es dazu gekommen war.

Dean und Jace verstanden sich erschreckend gut. Nach kurzer Zeit diskutierten sie bereits über den vergangenen Abend, während Elyra zunehmend den Eindruck bekam, das die beiden unter anderen Umständen vermutlich beste Freunde geworden wären.

Jonah saß ihr gegenüber und beteiligte sich kaum. Gelegentlich trafen sich ihre Blicke. Keiner erwähnte die Dachterrasse. Sie war sich nicht sicher, ob sie erleichtert oder doch enttäuscht sein sollte. Sie wollte gerade nach ihrer Kaffeetasse greifen, als sie ihr Bein ein Stück bewegte. Unter dem Tisch stieß sie somit versehentlich gegen Jonah's.

Wärme durchflutete ihren Körper. Nicht nur an der Stelle der Berührung, sondern überall. Ruckartig zog sie ihr Bein zurück.

Auch Jonah saß plötzlich wie erstarrt da. Für einen kurzen Moment war sein Blick vollkommen ungeschützt.

Verwirrung, das selbe Gefühl wie bei ihr.

Dean verstummte, während Jace von Jonah zu Elyra sah. Die braunhaarige griff erneut zu ihrem Kaffee.

"Was?"

"Nichts." Dean zuckte kurz mit den Schultern. Jace grinste einfach nur.

"Absolut nichts." Jonah warf seinem Freund einen warnenden Blick zu. Jace nahm demonstrativ einen Schluck von seinem fast kalten Kaffee.

Elyra sah in ihre leere Tasse. Sie musste hier raus. Dringend. Je länger sie in Jonah's Nähe war, desto merkwürdiger wurde alles.

Etwa eine Stunde später standen Elyra und Dean mit ihren Sachen in der Lobby.

Das Baker Grand Hotel war nur eine Notlösung gewesen. Heute wollten sie nach einer Unterkunft suchen, in der sie länger bleiben konnten, ohne ein Vermögen zu bezahlen.

Elyra wollte gerade durch die Eingangstür gehen, als sie unwillkürlich zurück blickte.

Jonah stand mit Jace an der Rezeption. Als hätte er ihren Blick gespürt, hob er den Kopf. Ihre Augen trafen sich quer durch die Lobby. So schnell es nur ging, sah Elyra wieder weg.

Was zu Teufel stimmte nicht mit ihr? Sie kannte ihn nicht einmal einen Tag.

Dean hielt ihr die Tür auf.

"Kommst du?"

"Ja." Gemeinsam gingen sie hinaus.

Jonah beobachtete wie Elyra verschwand.

"Du weißt schon, das Starren irgendwann unheimlich wird?" Jace legte sein typisches grinsen auf.

"Jace."

"Schon gut." Jonah wollte sich wieder der Rezeptionistin zuwenden, doch dann sah er zwei Männer.

Sie standen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Unauffällig genug, dass ein sich Mensch vermutlich nichts dabei gedacht hätte.

Jonah schon.

Einer lehnte an einer Hauswand, während der andere scheinbar auf sein Handy sah. Doch seine Aufmerksamkeit galt nicht dem Display. Sie beobachteten Dean.

Jonah's Gesicht wurde ernst. Einen der beiden kannte er. Nicht persönlich, doch er wusste, was er war. Ein Lykari. Und er wusste, zu welchen Kreisen er gehörte.

Jace bemerkte die Veränderung in Jonah's Haltung.

"Was ist?" Jonah antwortet nicht.

Dean und Elyra gingen Richtung Stadt. Die beiden Männer warteten. Erst als zwischen ihnen genügend Abstand lag, setzten sie sich ebenfalls in Bewegung, in die selbe Richtung.

Jace's Grinsen verschwand.

"Scheiße." Jonah beobachtete die Männer. Etwas daran gefiel ihm überhaupt nicht.

Dass Dean ein Jäger war, war kein Geheimnis mehr. Der betrunkene Idiot aus dem Pub hatte offenbar schneller geredet, als Jonah erwartet hatte.

Das allein erklärte jedoch nicht, warum jemand Dean beobachten ließ. Noch weniger gefiel ihm, das Elyra direkt neben ihm lief.

Sein Wolf wurde unruhig. Jonah presste den Kiefer zusammen.

Diese Reaktion ergab keinen Sinn. Elyra konnte auf sich selbst aufpassen. Und selbst wenn nicht, es war nicht sein Problem. Sie war nicht sein Rudel, nicht seine Familie und schon gar nicht seine Verantwortung. Und trotzdem widersprach jeder Instinkt in ihm diesem Gedanken.

Jace sah ihn an.

"Soll ich ihnen folgen?" Jonah schwieg noch einen Moment, ehe er sich zu seinem Beta wandte.

"Finde heraus, wer sie geschickt hat." Jace nickte und ging. Jonah blieb zurück.

Durch die Glasfront konnte er Elyra schon längst nicht mehr sehen, denn noch blickte er noch einige Sekunden in die Richtung, in der sie verschwunden war.

Seit er ihr begegnet war, geschahen Dinge, die er sich nicht erklären konnte.

Ihre Berührungen. Der Schnitt. Die Reaktion seines Wolfes und dieses vollkommen irrationales Bedürfnis zu wissen, wo sie war und ob sie sicher war.

Er kannte sie nicht. Er wusste nicht, woher sie wirklich kam. Nicht, warum sie mit Dean nach Elyndra gekommen war und erst recht wusste er nicht, was sie vor ihm verschwieg.

Jonah wusste nur eines.

Elyra Conway war dabei zu einem Problem zu werden.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit war er sich nicht sicher, ob er dieses Problem überhaupt los werden wollte.