LNCrawler

Teil 8

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Teil 8

Es wird immer spannender...

Severus Snape brachte die beiden Jungen mitten in der Nacht auf verschlungenen Pfaden höchstpersönlich zu ihren Gemeinschaftsräumen. Bevor er Harry zum Gryffindor-Turm und Draco in die Slytherin-Kerker entließ, schärfte er ihnen mit eindringlicher Stimme ein, sich am nächsten Tag absolut bedeckt zu halten, um unter keinen Umständen Dumbledores Aufmerksamkeit zu erregen. Für den Nachmittag befreite er sie vorsorglich vom Unterricht, damit sie Schlaf nachholen konnten.

Lucius Malfoy nutzte dieselbe Stunde, um das Schloss fluchtartig durch den Geheimgang zu verlassen. Seine Priorität stand fest: Er musste noch in dieser Nacht im Zaubereiministerium nach geheimen Dokumenten und Spuren suchen, um Dumbledores teuflischen Plan eines fingierten Gefangenentransports für Harry im Keim zu ersticken.

Ein neuer Wind im Unterricht

Am nächsten Morgen hatte sich die hysterische Aufregung im Schloss glücklicherweise wieder etwas gelegt. Die Schüler gewöhnten sich rasch an die veränderte Situation, und der stotternde Professor Quirrell schien ehrlich gesagt niemandem wirklich zu fehlen.

Die große Überraschung des Tages war jedoch der Unterricht: Severus Snape übernahm vorübergehend den Unterricht für Verteidigung gegen die dunklen Künste – ein Posten, nach dem er sich schon seit Jahren sehnte. Und er machte seine Sache phänomenal gut.

Harry und Draco, die trotz des Schlafmangels aufmerksam in den Bänken saßen, hatten seit langem wieder richtig Spaß im Unterricht. Snape verzichtete auf langweiliges Vorlesen aus Lehrbüchern. Stattdessen lehrte er die Klasse praxisnah, Flüche blitzschnell zu parieren, mächtige Schilde aufzubauen und dunkle Magie effektiv zu blocken. Er gab ihnen zudem ein intensives Briefing in der Fluchfarbenlehre, damit sie schon am Leuchten eines herannahenden Zaubers erkennen konnten, ob es sich um einen Entwaffnungs-, Schock- oder einen gefährlichen Schadensfluch handelte. Harry und Draco saugten das Wissen förmlich auf – wohl wissend, wie bitter nötig sie diese Verteidigung bald brauchten.

Das große Rätselraten

Erst am späten Nachmittag, als die beiden Jungen sich in einer leeren Nische trafen, um die Vorkommnisse zu besprechen, kam der Schock.

„Potter, wo ist die Karte?“, fragte Draco plötzlich und blickte sich suchend um. „Wir müssen nach den Ratten sehen.“

Harry fasste sich an die Taschen seines Umhangs. Er wühlte in seiner Schultasche. Nichts. Blankes Entsetzen spiegelte sich in seinen Augen. „Ich… ich habe sie nicht, Malfoy. Sie ist weg.“

Die Jungen gerieten in helle Panik. Sie konnten sich beim besten Willen nicht erklären, wo das magische Pergament abgeblieben war. Hatten sie sie im Korridor verloren? Hatte Dumbledore sie ihnen unbemerkt aus den Taschen gezaubert? Dass sie das mächtige Werkzeug in der Nacht einfach achtlos auf dem Boden in der Ecke von Snapes Wohnzimmer hatten liegen lassen, war ihnen in der Hitze des Gefechts vollkommen entfallen.

Das Rätselraten zog sich hin, bis das Mittagessen am darauffolgenden Tag in der Großen Halle anstand.

Harry saß grübelnd bei den Gryffindors, Draco starrte am Slytherin-Tisch auf seinen Teller. Plötzlich teilte sich die Menge der Schüler. Severus Snape schritt mit wehendem, schwarzem Umhang durch die Halle. Er steuerte erst den Slytherin-Tisch an, beugte sich kurz zu Draco hinab und sprach mit gewohnt eisiger, unmissverständlicher Stimme. Danach drehte er sich um, marschierte geradewegs zum Tisch der Gryffindors und fixierte Harry mit einem Blick, der keine Widerrede duldete.

„Potter. Malfoy“, raunte er jeweils einzeln, sodass es die umstehenden Schüler hören konnten. „Sie beide haben sich heute Abend nach dem Essen ohne Umschweife zum Nachsitzen in meinem Büro einzufinden. Pünktlich.“

Als Snape sich umdrehte und die Halle verließ, spürte Harry, wie ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief. Hatte Snape die Karte gefunden? Oder war das Bündnis aufgeflogen?

Kaum hatten Harry und Draco am Abend das Büro des Zaubertrankmeisters betreten, knallte Severus Snape das vergilbte Pergament mit einem heftigen, lautstarken Schlag mitten auf seinen Schreibtisch. Seine Augen blitzten gefährlich, und er bedachte die beiden Jungen mit einem Blick voller Zorn.

„Sind Sie eigentlich vollkommen von Sinnen?!“, herrschte Snape sie an und schimpfte sie fürchterlich aus. Seine Stimme bebte vor unterdrückter Wut, während er vor allem Harry fixierte. „Ein unschätzbares, hochgradig gefährliches magisches Artefakt einfach achtlos auf dem Boden meiner Wohnung liegenzulassen! Sie sind von einer Unvorsichtigkeit, Potter, die mich fassungslos macht! Wenn Dumbledore dieses Pergament vor mir in die Finger bekommen hätte, wären wir alle jetzt bereits auf dem Weg nach Askaban!“

Erschrocken wich Harry einen Schritt zurück. Er wollte gerade hastig die Hand ausstrecken, um die Karte des Rumtreibers wieder an sich zu nehmen, doch Snape war schneller. Mit einer flinken, harten Bewegung riss er das Pergament vom Tisch und hielt die Karte triumphierend hinter seinem Rücken.

„Nein, Potter“, zischte Snape mit schneidender Schärfe. „Sie werden dieses Werkzeug erst dann wiederbekommen, wenn Sie mir bewiesen haben, dass Sie ein Mindestmaß an Selbsterhaltungstrieb und Vorsicht besitzen. Bis dahin bleibt sie unter meinem Verschluss.“

Was Severus den beiden Jungen in diesem Moment jedoch strikt verschwieg, war das brisante Wissen, das er kurz zuvor erlangt hatte: Snape hatte die Karte in seiner Wohnung bereits selbst heimlich benutzt. Er wusste nun ganz genau, wo sich die besagte Ratte befand. Zu seinem puren Entsetzen hatte das Pergament ihm offenbart, dass Peter Pettigrew die letzte Nacht in Ronald Weasleys Bett verbracht hatte. Mitten im Gryffindor-Turm. Ganz nah bei Harry. Viel zu nah, wie Snape grimmig fand. Noch hatte er allerdings keine Ahnung, wie er diese Kreatur unbemerkt und ohne Dumbledores Verdacht zu erregen inmitten des Schlafraums festsetzen sollte.

Während die drei in der angespannten Stille des Büros tiefer in die Besprechung einsteigen wollten, wie sie Dumbledores Schritte weiter überwachen könnten, geschah es.

Plötzlich fingen die Flammen im Kamin des Büros heftig an zu flackern, und ein magisches, grünes Leuchten schoss daraus hervor. Es war keine Flohnetzwerk-Reise, sondern eine dringende Sturmnachricht von Lucius Malfoy, die sich in Form von glühenden Rauchbuchstaben mitten im Raum manifestierte.

Lucius’ Stimme hallte gedämpft, aber voller akuter Panik aus der Magie: „Severus! Ein Treffen zu viert – sofort! Ich habe soeben im Ministerium eine brandgefährliche Akte sichergestellt. Dumbledores Plan läuft schneller an, als wir dachten. Wir haben keine Zeit zu verlieren!“

Die Rauchbuchstaben zerfielen zu Asche. Snape, Harry und Draco starrten auf den Kamin. Das ohnehin schon gefährliche Spiel war in diesem Moment noch einmal um ein Vielfaches heißer geworden.