Teil 9
Teil 9
So spät noch einmal die Messlatte der Spannung etwas hochhalten. Ich glaube das hier wird viel Größer als Gedacht!
Es geht weiter mit:
Snape zögerte keine Sekunde. Er trat zum Kamin, griff nach dem Flohpulver und warf es in die Flammen, die sofort smaragdgrün emporschossen. Einer nach dem anderen stiegen sie hinein. Nach einem wirbelnden Moment voller Ruß und Hitze stolperten sie aus dem monumentalen Kamin im Salon von Malfoy Manor.
Harry klopfte sich den Staub vom Umhang und blickte sich mit offenen Augen um. Er war extrem erstaunt über die schiere Pracht des Anwesens und sah sich fasziniert um: die riesigen Kronleuchter, die dunklen Antiquitäten, die Ahnengalerie an den Wänden und der pure, aristokratische Luxus. Das hier war eine völlig andere Welt als die engen Kerker oder der Ligusterweg.
Lucius Malfoy war gerade erst durch eine Seitentür eingetreten. Er trug noch seinen schweren Ministeriumsumhang, sah erschöpft aus und wirkte zutiefst alarmiert. Bevor er jedoch das Wort ergreifen konnte, trat Snape mit großen Schritten auf ihn zu. Während die Jungen noch einen Moment verschnauften, nutzte Snape die Gelegenheit und klärte Lucius mit leiser, aber dringlicher Stimme über die Ratte auf.
Lucius’ Augen weiteten sich vor Überraschung, dann nickte er grimmig. Er bedeutete allen, sich an dem massiven Mahagonitisch niederzulassen.
Lucius legte die schwere, dunkelrote Mappe auf den Tisch, strich mit den Fingern über das goldene Ministeriumssiegel und sah die Runde mit ernster Miene an. „Ich habe diese brandheiße Akte direkt aus Fudges Büro geschmuggelt“, begann Lucius mit gedämpfter Stimme. „Sie lag in einer magisch versiegelten Schublade seines Schreibtischs. Für einen unerfahrenen Dieb wäre sie eine Todesfalle gewesen, aber mit ein paar gezielten Gegenzaubern konnte ich sie leicht und völlig lautlos öffnen.“
Er schlug das erste Pergament um, auf dem Harry sofort seinen eigenen Namen in fetten, schwarzen Buchstaben erkannte.
„Dumbledores Plan läuft bereits auf Hochtouren, und das Ministerium greift genau nach seinem Drehbuch an“, erklärte Lucius, während er auf eine Reihe von Dokumenten deutete. „In dieser Akte befindet sich ein bereits unterzeichneter, geheimer Haftbefehl gegen dich, Harry. Fudge plant, dich am Ende der nächsten Woche direkt aus Hogwarts abholen zu lassen.“
Harry spürte, wie ihm das Blut in den Adern fror. „Aber warum? Was habe ich getan?“
„Laut dieser Akte? Hochverrat und illegale Ausübung dunkler Magie“, zischte Lucius voller Verachtung für die Dämlichkeit des Ministers. „Dumbledore hat Fudge anonyme Berichte zugespielt. Darin steht, dass du, Harry, unter dem Einfluss eines dunklen Artefakts stehst. Sie behaupten, du hättest den Vorfall mit den Werwölfen und Quirrells Verschwinden selbst inszeniert, um Panik in der Zaubererwelt zu schüren und die Regierung zu stürzen. Fudge hat solche Angst vor einem Machtverlust, dass er jeden Funken Logik ausschaltet. Er hat die Sondersitzung des Zaubergamots bereits genehmigt.“
Snape beugte sich vor, seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Und was ist mit dem Transport, Lucius? Albus wird den Jungen niemals einfach so den Dementoren überlassen, ohne einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen.“
„Genau da liegt der teuflischste Teil“, erwiderte Lucius und tippte auf einen geschwärzten Absatz am Ende der Seite. „Dumbledore hat Fudge davon überzeugt, dass der Transport von Hogwarts zum Ministerium aufgrund der ‚akuten Gefahr‘ von einer ganz speziellen, externen Sicherheitsgruppe durchgeführt werden muss. Ich habe die Namen der Wachen überprüft, Severus. Es sind genau die Zauberer im Ministerium, die heimlich immer noch mit dem inneren Zirkel des Dunklen Lords sympathisieren.“
Lucius sah Harry direkt in die Augen. „Dumbledore liefert dich absichtlich aus, Harry. Die Kutsche wird das Ministerium nie erreichen. Auf halbem Weg werden diese Wachen dich fingiert entführen und direkt zu Voldemorts Geist bringen, damit er dein Blut für seine Wiedergeburt nutzen kann. Und Dumbledore steht bereits im Schatten bereit, um als der große Retter aufzutauchen, Voldemort zu vernichten und sich selbst zum Herrscher der magischen Welt krönen zu lassen.“
Draco starrte fassungslos auf die Dokumente, während Harry tief durchatmen musste. Das Netz zog sich unaufhaltsam zusammen. Sie hatten weniger als eine Woche Zeit, um diesen perfiden Masterplan zu sabotieren.
Die Zeiger der Standuhr im Salon von Malfoy Manor rückten unaufhörlich weiter, während die Diskussion am massiven Mahagonitisch immer düsterer wurde. Sie wägten jede Option ab, doch sie kamen zu keinem guten Ergebnis. Wenn sie Harry versteckten, würde Dumbledore sie als Entführer brandmarken. Wenn sie die Wachen angriffen, galten sie als Terroristen. Jedes Szenario endete in einer Sackgasse.
Plötzlich sprang Lucius Malfoy auf. Seine aristokratische Beherrschung war wie weggewischt. Lucius war wütend, und es brach mit voller Wucht aus ihm heraus.
„Das ist absolut inakzeptabel!“, donnerte er, während er im Raum auf und ab schritt und seinen Gehstock so heftig auf den Boden stieß, dass das Holz knackte. „Wir sitzen in der Falle! Dieser senile alte Narr manipuliert die gesamte Regierung, und wir sollen zusehen, wie er meinen Sohn und Harry, sowie das Vermächtnis meiner Familie vernichtet?! Wenn dieser Transport rollt, sind wir alle geliefert! Ich werde nicht zulassen, dass sie uns wie Schlachtvieh vorführen!“ Seine Stimme hallte von den hohen Wänden wider, und seine Augen blitzten vor purem, unkontrolliertem Zorn.
Severus Snape hob ruhig eine Hand und fing Lucius’ Blick ein. Severus versuchte ihn zu beruhigen, als er bemerkte, dass Lucius’ heftiger Ausbruch die beiden Jungen zutiefst verängstigte. Draco hatte sich unwillkürlich in seinem Sessel zusammengeduckt, und Harry starrte Lucius mit geweiteten Augen an.
„Lucius. Setz dich. Sofort“, sagte Snape mit einer tiefen, schneidend leisen Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Deine Hysterie hilft uns jetzt nicht weiter. Sieh dir die Jungen an.“
Lucius hielt mitten im Schritt inne. Er blickte zu Draco, atmete schwer durch und presste die Lippen zusammen. Er beruhigte sich aber nur sehr langsam, fuhr sich mit einer zitternden Hand durch das platinblonde Haar und ließ sich schließlich mit einem finsteren Murmeln wieder in seinen Sessel sinken.
Während dieser hitzigen Minuten saß Harry schweigend da. Ihm fiel immer mehr auf, dass die Malfoys hier Hand in Hand mit Snape um sein nacktes Überleben kämpften. Ein tiefes Gefühl der Orientierungslosigkeit überkam ihn. Er fragte sich im Stillen, wann es denn bitte schön so weit gekommen war. Dachte er doch noch bis vor wenigen Tagen, dass diese drei die gefährlichsten Todesser überhaupt seien – die treuesten Diener Voldemorts, die ihn beim ersten Anzeichen von Gefahr an ihren Meister ausliefern würden. Und jetzt? Jetzt war Lucius Malfoy den Tränen nahem Zorn nahe, weil er Harrys Leben bedroht sah. Die Welt stand Kopf.
Das psychologische Spiel im Ministerium
Am nächsten Morgen hatte das Bündnis noch immer keine perfekte Lösung gefunden, doch die Zeit drängte. Lucius Malfoy machte sich völlig übernächtigt und mit tiefen Schatten unter den Augen auf den Weg ins Ministerium. Er hatte keine Stunde geschlafen, doch sein Geist war scharf wie eine Klinge.
Er fing Cornelius Fudge direkt vor dessen Büro ab. Der Minister sah nicht besser aus; er klammerte sich nervös an seine Melone.
„Ah, Lucius!“, rief Fudge gestresst. „Haben Sie die Berichte gelesen? Dumbledore drängt auf den Zugriff! Nächste Woche!“
Lucius trat ganz nah an ihn heran und senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. Er begann, Fudges tiefste Paranoia und Angst meisterhaft so zu manipulieren, dass der Minister den Haftbefehl für Harry plötzlich selbst in Frage stellte.
„Cornelius… ich mache mir tiefste Sorgen“, raunte Lucius und legte Fudge väterlich eine Hand auf die Schulter. „Haben Sie einmal darüber nachgedacht, wer von dieser Verhaftung am meisten profitiert? Dumbledore drängt Sie dazu, den Jungen, der überlebt hat, ins Gefängnis zu stecken. Was glauben Sie, wie die Öffentlichkeit reagiert, wenn das Ministerium ein dreizehnjähriges Waisenkind abführt? Die Hexen und Zauberer werden revoltieren! Sie werden Sie hassen, Cornelius. Und wer wird als strahlender Retter dasitzen und Ihren Stuhl im Ministerium übernehmen, weil er angeblich ‚ordnungsgemäß ermittelt‘ hat? Albus Dumbledore.“
Fudge wurde augenblicklich aschfahl. Der Schweiß trat ihm auf die Stirn. „Sie… Sie meinen, Dumbledore stellt mir eine Falle? Er will meinen Posten?“
„Ich sage nur, dass ein Haftbefehl zu diesem Zeitpunkt Ihr politisches Todesurteil sein könnte“, flüsterte Lucius mit einem perfiden, besorgten Lächeln. Der Samen des Zweifels war gesät, und Fudges Angst richtete sich nun langsam gegen den Schulleiter selbst.
Mitten im brodelnden Zaubertrankunterricht nutzten Harry und Draco die Unruhe, um sich Ronald Weasley zu nähern. Während Severus Snape mit wehendem Umhang am anderen Ende des Raumes die Kessel der Slytherins inspizierte, beugte sich Harry über Rons Tisch.
„Sag mal, Ron“, flüsterte Harry beiläufig, während er ein paar getrocknete Skarabäen zerkleinerte. „Wo ist eigentlich Krätze tagsüber, wenn wir im Unterricht sind? Ich habe sie im Schlafsaal gar nicht gesehen.“
Ron zuckte mit den Achseln, ohne den Blick von seinem ungleichmäßig blubbernden Trank abzuwenden. „Keine Ahnung, Kumpel. Der schläft doch eh vierundzwanzig Stunden am Tag. Wahrscheinlich liegt er zusammengerollt in meiner Schultasche oder unter meinem Kissen.“ Er rührte weiter und fluchte leise, als sein Trank eine verdächtig violette Farbe annahm.
Da Ron ihnen keine genaue Antwort geben konnte, schlüpften Harry und Draco unter dem Vorwand, neue Zutaten holen zu müssen, kurz in den angrenzenden Vorratsraum. Hier, zwischen Gläsern voller Molchaugen und getrockneten Blutegeln, hielten sie eine schnelle Kriegsratssitzung ab.
„Wir müssen dafür sorgen, dass Weasley heute Abend nicht im Schlafsaal ist“, zischte Draco mit funkelnden Augen. „Wenn er nachsitzen muss, haben wir stundenlang Zeit, die Ratte im Gryffindor-Turm in aller Ruhe zu stellen.“
Harry nickte, doch eine Frage brannte ihm auf den Nägeln: „Schön und gut, Malfoy. Aber wie willst du bitteschön unbemerkt und unerkannt in den Gryffindor-Turm gelangen? Die Fette Dame lässt dich als Slytherin niemals rein.“
„Überlass das mir, Potter. Ich habe da so meine Mittel“, grinste Draco geheimnisvoll. „Erstmal kümmern wir uns um die Ablenkung.“
Ihr Sabotageplan funktionierte erschreckend perfekt. Zurück an den Tischen nutzte Draco eine Sekunde, in der Ron sich nach einer Waage umdrehte. Mit einer eleganten, kaum merklichen Handbewegung schnippte Draco ein hochentzündliches Stück getrockneten Florfliegenflügel direkt in Rons Kessel.
Mit einem lauten WUMMP explodierte Rons Zaubertrank. Eine dicke, klebrige Schlammwelle schoss empor, klatschte an die Decke und regnete in dicken Tropfen auf Ron und die umstehenden Tische herab.
Snape war in Sekundenbruchteilen zur Stelle, seine Augen blitzten vor mörderischem Zorn. „WEASLEY!“, donnerte seine Stimme durch den Kerker. „Ein monumentales Maß an Unfähigkeit! Das reicht für eine glattes T! Sie werden heute Abend um Punkt acht Uhr bei Argus Filch zum Nachsitzen erscheinen und die Pokalkammer schrubben – Und zwar ohne Magie!“
Ron sank mit hängenden Schultern auf seinem Stuhl zusammen, das Gesicht voller Ruß. Er tat Harry insgeheim schrecklich leid, da er wusste, dass Ron absolut unschuldig an dem Desaster war. Doch der Plan stand: Der Gryffindor-Schlafsaal würde am Abend leer sein.
Der Gefangene im Dunkeln
Während die Jungen ihren Plan in die Tat umsetzten, schwenkte die Szene tief hinein in das Innere von Snapes privaten Gemächern – zurück zu der fensterlosen, verriegelten Abstellkammer.
Dort saß Sirius Black immer noch stumm und fest an den Holzstuhl gefesselt im absolut finsteren Raum. Die Wirkung des Veritaserums war inzwischen vollständig verflogen, und sein Verstand arbeitete wieder mit rasender, verzweifelter Klarheit. Er wusste, dass er Harry die Wahrheit gesagt hatte. Er wusste, dass Pettigrew lebte. Aber niemand hörte ihn.
Der Silencio-Fluch, den Snape ihm auferlegt hatte, lastete wie ein tonnenschweres Gewicht auf seinen Stimmbändern. Sirius sperrte den Mund auf, seine Halsmuskeln spannten sich an, er versuchte aus Leibeskräften zu schreien, zu rufen, Harrys Namen zu formen – doch kein einziges Geräusch verließ seine Lippen.
Verzweifelt versuchte er, sich mit dem schweren Stuhl zu bewegen. Er warf sein Körpergewicht nach links, dann nach rechts. Mit einem dumpfen, schabenden Geräusch rutschten die Stuhlbeine ein paar Zentimeter über den harten Steinboden. Er atmete schwer, Schweißperlen mischten sich mit dem Dreck auf seiner Stirn. Er musste sich bemerkbar machen. Wenn Snape oder die Jungen zurückkehrten, musste er sie irgendwie dazu bringen, den Zauber aufzuheben, bevor Dumbledore bemerkte, dass sein Spielball aus dem Raum der Wünsche verschwunden war. Mit letzter Kraft warf er sich erneut gegen die Fesseln, während draußen im Schloss die Uhr unbarmherzig weitertickte.