Teil 11
Teil 11
Severus Snape stieß die Tür zur Abstellkammer mit dem Fuß auf und rüttelte Sirius Black unsanft an der Schulter, um ihn aus einem tiefen, erschöpften Schlaf zu reißen. Black schreckte hoch. Ein seltener Ausdruck von nackter Angst trat in seine ausgezehrten Züge, als Snape ihn mit einer harten Handbewegung, gefesselt an den magischen Seilen, rücksichtslos aus der dunklen Kammer in das helle Wohnzimmer zerrte.
Lucius Malfoy stand bereits bereit. Mit eisernem Griff packte er Black, drückte ihn auf einen schweren Holzstuhl vor dem Kamin und belegte den Sitz mit einem mächtigen Haftzauber. Lucius sorgte dafür, dass Black nicht mehr aufstehen konnte – selbst, nachdem er die magischen Seile mit einem Schnippen verschwinden ließ.
Dann schob Lucius ihm den Teller mit dem warmen Abendessen hin, den Snape zuvor unter Stasis gehalten hatte. Black hatte seit seiner Gefangenschaft in den Kerkern nichts festes mehr zu essen bekommen; die Männer hatten ihm lediglich Wasser zugestanden. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, griff Black zu. Er schlang das Fleisch und die Kartoffeln so schnell in sich hinein, wie er nur konnte, bis der Teller vollkommen leergekratzt war.
Erst als Black keuchend die Gabel weglegte, trat Severus wieder an ihn heran. Die schwarze Klinge seines Zauberstabs drückte sich unbarmherzig direkt gegen Blacks Halsschlagader. „Mach nicht die kleinste falsche Bewegung, Black“, zischte Snape mit mörderischer Kälte. „Ich werde nicht eine Sekunde zögern, dich für immer unschädlich zu machen.“
Lucius löste den Haftzauber vom Stuhl. Gemeinsam dirigierten die beiden Männer den zitternden Gefangenen in Richtung von Snapes Büro. Kurz bevor sie die Schwelle erreichten, bewegte Snape kaum merklich die Finger: Mit einem stillen, stablosen Zauber löste er den Silencio-Fluch, der auf Blacks Stimmbändern gelegen hatte.
„Ihr beide bleibt exakt hinter uns“, wies Lucius Harry und Draco mit einem scharfen Seitenblick an. Die Jungen nickten stumm und folgten den Männern dicht auf den Fersen.
Sie stießen die Bürotür auf und führten Black in den Raum. Kaum hatte Sirius den Fuß über die Schwelle gesetzt, wurde er augenblicklich stocksteif. Seine Augen hefteten sich wie gebannt auf das gläserne Zutatenglas, das mitten auf dem Schreibtisch stand. Er hatte Krätze sofort erkannt. „Peter…“, krächzte Sirius mit rauer, ungläubiger Stimme.
Lucius Malfoy trat vor, hob seinen eleganten Gehstock und richtete die Spitze direkt auf das Glas. Er sprach den mächtigen Animagus-Verwandlungszauber.
Mit einem gellenden, scharfen Ton zersprang das Glas vor ihren Augen in tausend Splitter. Ein wilder, magischer Wirbelwind erfasste das schlafende Tier. Die kleinen Gliedmaßen streckten sich unnatürlich, die grauen Haare wichen faltiger Haut, und innerhalb von Sekunden formierte sich die untersetzte, zittrige Gestalt eines Mannes auf dem Boden. Peter Pettigrew war in seine menschliche Form zurückverwandelt.
Völlig erschrocken und panisch blinzelte Pettigrew in das Kerzenlicht des Büros. Als er die Gesichter von Snape, Lucius und vor allem die hasserfüllten Augen von Sirius Black und das blitzende Gesicht von Harry Potter erkannte, stieß er einen quiekenden Schrei aus. Wie ein gehetztes Tier ging er auf alle viere und versuchte verzweifelt, sich unter Snapes massivem Mahagonischreibtisch zu verstecken. Die Wahrheit lag nun greifbar und unbarmherzig vor ihnen auf dem Boden.
Lucius Malfoy machte keine Gefangenen. Mit einem verächtlichen Schnauben trat er vor, bückte sich und packte den laut quiekenden Peter Pettigrew brutal am Fuß, um ihn mit einem kräftigen Ruck unter dem Schreibtisch hervor mitten in die Raummitte zu zerren. Pettigrew zappelte und jaulte wie eine getretene Promenadenmischung.
Lucius’ Blick glitt über den Schreibtisch und blieb an dem kristallinen Fläschchen hängen. „Das modifizierte Veritaserum, Severus. Perfekt“, stellte Lucius mit eisiger Genugtuung fest. Er packte das Fläschchen und beschloss, Peter sofort einige Tropfen davon zu verabreichen. Der kleine, feige Mann wand und wehrte sich verzweifelt, kratzte und schlug um sich, doch Lucius war um ein vielfaches kräftiger. Mit einer unbarmherzigen Handbewegung drückte er Pettigrew das Kinn nach unten und zwang ihm die Tropfen direkt in den Mund.
Sirius Black stand währenddessen immer noch vollkommen stocksteif neben Severus Snape, direkt schützend vor den beiden Jungen. Seine Augen brannten von einem uralten, lodernden Hass.
Wenige Herzschläge später sahen sie alle, dass der Zaubertrank wirkte. Pettigrews zappeln hörte schlagartig auf. Seine Augen wurden glasig, der Mund klappte schlaff auf und er starrte teilnahmslos an die Decke. Severus trat einen Schritt vor und stellte mit schneidender Stimme die erste, alles entscheidende Frage: „Wer hat Lily und James Potter an den Dunklen Lord verraten, Pettigrew? Du oder Black?“
Peter gestand alles. Mit monotoner, willenloser Stimme erzählte er ganz genau und ohne Umschweife, wie er bereits vor Jahren von Voldemort rekrutiert worden war und die Potters monatelang ausspioniert hatte. Als Sirius ihn schließlich aus Sicherheitsgründen davon überzeugte, der neue Geheimniswahrer des Fidelius-Zaubers in Godric’s Hollow zu werden, sah Peter seine große Chance. Er lieferte die kleine Familie ohne zu zögern seinem Lord aus. Er schilderte, wie er danach seinen eigenen Tod inszeniert, die zwölf Muggel gesprengt und sich selbst den Finger abgeschnitten hatte, um die Schuld auf Sirius abzuwälzen. Er entlastete Black in absolut jeder Hinsicht.
Harry spürte, wie ihm bei diesem grausamen Geständnis der Boden unter den Füßen weg zur fallen drohte. Seine Beine zitterten so heftig, dass er sich mit beiden Händen an Severus Snapes kräftigen Rücken festhalten musste, um nicht einfach umzukippen. Draco hielt ihn zusätzlich am Arm.
Sirius Black war unschuldig. Unschuldig. Und er, Harry, hatte jetzt einen Paten. Einen echten Paten, der seine Eltern geliebt hatte. Bedeutete das etwa, dass er… dass er nie wieder zu den Dursleys zurückmusste? Harry wagte in all seinem Schmerz und seiner Erschöpfung gar nicht daran zu glauben, dass Sirius Black seiner Aufgabe als Pate vielleicht doch noch nachkommen könnte, wenn sie seine Unschuld erst vor der Welt bewiesen hatten.
Nachdem Peter alles gesagt hatte, was das Veritaserum aus ihm herausgepresst hatte, schien die Wirkung langsam nachzulassen. Wimmernd kroch er über die Steine, blickte zu Harry auf und flehte ihn mehrmals weinerlich um Gnade an, dass er ihn doch laufen lassen möge.
Sirius Black ignorierte das Gewimmer. Er atmete tief durch, hob langsam den Kopf und drehte ihn zu Severus, der ihn immer noch wachsam mit dem Zauberstab in Schach hielt. „Severus…“, fragte Sirius mit einer ganz plötzlichen, unheimlichen Gelassenheit. „Darf ich Peter verprügeln? Ich verspreche dir, ich werde ihm nicht zu sehr schaden. Gerade so viel, dass er morgen trotzdem noch aufrecht ins Ministerium gebracht werden kann.“
Severus Snape blickte von Black zu dem winselnden Verräter auf dem Boden. Er überlegte kurz, und ein düsteres, sadistisches Einverständnis spiegelte sich in seinen Augen wider. Er nickte langsam, senkte den Zauberstab und trat zwei Schritte zurück.
Dann ging Sirius auf seinen ehemaligen Jugendfreund los. Die angestaute Wut von zwölf Jahren unschuldiger Haft in Askaban entlud sich in diesem verlassenen Kerkerbüro mit voller Wucht, während Lucius Malfoy die Jungen sanft, aber bestimmt ein Stück weiter in den Hintergrund schob, um ihnen den Anblick zu ersparen.
Severus und Lucius sahen leicht amüsiert zu, wie Sirius Black wild auf den kleineren Mann einschlug. Es knackte hässlich, und es wirkte sogar so, als ob er Pettigrew dabei den rechten Arm brach. Black knurrte und tobte, wobei er sein gesamtes Repertoire an Schimpfworten aufzubrauchen schien, dass er in Askaban angesammelt hatte. Peter quiekte und wimmerte nur noch erbärmlich unter den Schlägen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ Sirius endlich von der Ratte ab. Die körperliche Anstrengung forderte ihren Tribut, und er brach entkräftet auf dem Boden zusammen. Schwer atmend blieb er liegen, drehte den Kopf zur Seite und sah zu Harry hoch, der mit großen Augen hinter Severus’ breitem Rücken hervorschaute.
„Harry…“, krächzte Sirius mit versagender, tränenüberströmter Stimme. „Es tut mir so leid… es tut mir so leid, dass ich es nicht verhindern konnte. Dass ich dir kein besserer Pate sein konnte. Bitte… gib mir eine Chance, wenn das hier vorbei ist.“
Harry konnte nicht antworten, der Kloß in seinem Hals war zu groß. Erstaunlicherweise trat Lucius Malfoy vor, half dem dreckigen, keuchenden Sirius auf und stützte ihn mit unerwartetem Respekt. Zu fünft kehrten sie schließlich in das warme Wohnzimmer zurück. Severus warf keinen Blick mehr zurück; er ließ Peter einfach auf den Fliesen liegen und versiegelte sein Büro erneut mit massiven Schutzzaubern. Heute Nacht würde die Ratte ihnen garantiert nicht mehr entkommen können.
Im Wohnzimmer angekommen, ließ sich Sirius erschöpft auf Snapes Sofa sinken und schaute Harry unverwandt an. Snape rief noch im Flur erneut nach seiner Hauselfe und bestellte fünf weitere Portionen des vorherigen reichhaltigen Essens samt Nachtisch. Er wies die Elfe ausdrücklich an, das Essen direkt auf dem Tisch erscheinen zu lassen und keinesfalls selbst ins Wohnzimmer zu kommen – Sirius Black musste schließlich um jeden Preis geheim gehalten werden.
Als sie sich setzten, hielt Harry es nicht mehr aus. Die emotionale Achterbahnfahrt hatte ihn völlig ausgelaugt. Er drückte sich wieder fest an Severus, und der Tränkemeister zögerte keine Sekunde: Severus legte einen Arm um den immer noch zitternden Jungen und beruhigte ihn leise flüsternd, während er ihm sanft über die Schulter strich.
Sirius riss fassungslos die Augen auf. War das wirklich wahr, was er da sah? Der hasserfüllte Snivellus, der Erzfeind seiner Schulzeit, hielt das Kind von James Potter wie seinen eigenen Sohn im Arm. Ein tiefes, überwältigendes Gefühl von Dankbarkeit machte sich in dem ehemaligen Häftling breit. Auch wenn Sirius bereits wusste, dass Severus im Schulalltag nicht besonders gut zu Harry war – was nach den Grausamkeiten, die die Rumtreiber Severus damals angetan hatten, kaum verwunderlich war –, so wusste er doch eine Sache ganz genau: Severus hatte immer auf Harry aufgepasst. Das hatte ihm Albus Dumbledore einst in einem Anflug von Überheblichkeit und Lächerlichkeit über seinen vermeintlich treuen Tränkemeister verraten.
Sirius wusste auch von der Prophezeiung und dass Severus sie damals zum Teil an den Dunklen Lord weitergegeben hatte. Doch er wusste eben auch, dass Snape zur Einsicht gekommen war und unter Lebensgefahr die Seiten gewechselt hatte, um Lilys Vermächtnis zu schützen.
Während das dampfende Essen auf dem Tisch materialisierte und sie schweigend zu essen begannen, übernahmen es Lucius und Draco, Black lückenlos über die dramatischen Ereignisse der letzten Tage aufzuklären. Sie erzählten ihm alles – von Dumbledores manipulativen Lügen über den nächtlichen Ausflug bis hin zu dem verhängnisvollen Vorfall mit den Werwölfen im Verbotenen Wald und Fudges neuem Haftbefehl.
Der Jugendfreund von Harrys Vater staunte nicht schlecht über die drei Slytherins. Bis vor wenigen Stunden war er felsenfest davon überzeugt gewesen, dass Lucius Malfoy und Severus Snape die engsten, unbarmherzigsten Anhänger des mordenden Psychopathen Voldemort seien. Selbst den jungen Draco hatte er insgeheim für einen perfiden Nachwuchs-Todesser gehalten. Jetzt aber, da er sah, wie diese Familie und Severus ihr eigenes Leben riskierten, um Harry vor Dumbledores Machtgier und dem Ministerium zu retten, war ihm klar: Er und die gesamte Zaubererschaft hatten sich monumental geirrt. Sie saßen alle im selben Boot, und die wahren Ungeheuer trugen diesmal keine Masken, sondern die strahlend hellen Roben des Schulleiters.
Als das üppige Mahl auf dem Tisch materialisierte, langten alle kräftig zu. Sogar Harry, dessen Magen sich vor kurzem noch umgedreht hatte, ließ sich von Severus überreden. Der Tränkemeister sprach mit einer unglaublich sanften, ruhigen Stimme auf ihn ein, bis der Junge schließlich nickte und noch einmal eine anständige Portion zu sich nahm.
Nach einer Weile, als der erste Hunger gestillt war, ergriff Lucius wieder das Wort. „Wir müssen Peter und Sirius noch vor dem Morgengrauen heimlich aus dem Schloss schaffen“, schlug er mit neu entflammter Entschlossenheit vor. „Das ist unsere beste Chance. Wenn wir sie jetzt wegbringen, können wir im Ministerium eine überraschende Gegenoffensive starten. Wir werden Fudge und Dumbledore eiskalt überrumpeln, noch bevor ihr vorgezogener Zugriff übermorgen überhaupt anlaufen kann.“
Der Plan stand fest, und die Vorbereitungen begannen sofort. Sirius wurde von Severus ins Badezimmer geschickt, um zu duschen und sich zu rasieren. Eine von Lucius' Hauselfen ploppte lautlos herein und brachte frische, elegante Kleidung, die eines Zauberers aus dem Hause Black würdig war.
Während das Wasser im Hintergrund rauschte, besprachen die verbliebenen Verbündeten die genaue Vorgehensweise. Sirius Black würde am nächsten Morgen hocherhobenen Hauptes und völlig frei neben Severus und Lucius ins Ministerium marschieren, während der bewusstlose Peter Pettigrew mit gebrochenem Arm und festen magischen Fesseln neben ihnen herschweben würde. Ein Bild, das Fudges Vertuschungsversuche augenblicklich zerschlagen musste.
Als Sirius schließlich frisch gewaschen, rasiert und in die sauberen Kleider gehüllt aus Snapes Badezimmer trat, bot sich ihm ein Bild des tiefen Friedens mitten im Chaos. Harry war längst erschöpft auf Severus' Schoß eingeschlafen. Der Junge atmete ruhig, das Gesicht frei von der panischen Angst der letzten Stunden. Völlig auf Lucius und die Strategie konzentriert, strich der Tränkemeister dem schlafenden Gryffindor fast schon mechanisch, aber unendlich behutsam über den wilden Haarschopf, den der Junge eindeutig von James geerbt hatte.
Sirius hielt an der Türschwelle inne. Gerne hätte er in diesem Moment mit seinem Patensohn gesprochen, ihn gedrückt und mit ihm eine gemeinsame Zukunft weit weg von den Dursleys geplant. Doch als er Harrys friedliches Gesicht sah, schluckte er die Sehnsucht hinunter. Jetzt war es erst einmal viel wichtiger, dass es dem Jungen gut ging und er sich ausruhte.
Harry und Draco würden in der sicheren, magisch verriegelten Wohnung von Severus warten, bis die beiden Männer und Sirius von ihrem riskanten Coup aus dem Ministerium zurückkehrten. Die Würfel waren gefallen, und die Dunkelheit vor dem Morgengrauen würde über das Schicksal von Hogwarts entscheiden.
Die Kälte des Flohnetzwerks wich dem gewaltigen, goldbesetzten Atrium des Zaubereiministeriums. Lucius Malfoy schritt voran, gefolgt von Severus Snape und einem rasierten, stolz aufgerichteten Sirius Black. Zwischen ihnen schwebte der magisch gefesselte, wimmernde Peter Pettigrew mit gebrochenem Arm.
Doch sie waren kaum ein paar Schritte auf dem dunklen Marmorboden vorangekommen, als das dumpfe Echo von Apparier Geräuschen die Luft zerriss. Binnen Sekunden wurden sie von mehr als 50 Auroren umzingelt, die mit gezogenen Zauberstäben und finsteren Mienen eine unüberwindbare Wand bildeten. Nach einem harschen, kurzen Wortwechsel, bei dem Lucius vergeblich seine Immunität und die Wichtigkeit ihrer Fracht betonte, wurden sie rücksichtslos entwaffnet und in einen mehrfach gesicherten Verhörraum in den tiefsten Ebenen des Ministeriums abgeführt.
Während die schweren Schutztüren hinter ihnen ins Schloss fielen, ging Severus ein einziger, beruhigender Gedanke durch den Kopf: Gott sei Dank sind die Jungen im Schloss geblieben. Sollte dieser riskante Coup im Ministerium schiefgehen, waren Harry und Draco fürs Erste sicher. Sie kannten die Geheimgänge, sie wussten, wie sie aus Hogwarts fliehen und nach Malfoy Manor gelangen konnten. Und die dortigen Hauselfen hatten den strikten Befehl, die Jungen mit ihrem Leben zu beschützen.
Die Stunden der Qual in den Kerkern
Meilenweit entfernt, in den unterirdischen Gemächern von Severus Snapes Wohnung, glich die Luft einer brennenden Zündschnur. Harry lief ununterbrochen, mit hektischen Schritten, unruhig im Wohnzimmer hin und her. Draco saß auf dem Sofa und war sichtlich genervt von dem ewigen Auf-und-ab-Gelaufe, doch tief im Inneren konnte er Harrys Panik nur zu gut verstehen. Er selbst rotierte vor Sorge um seinen Vater und seinen Patenonkel, presste die Lippen zusammen und starrte starr auf das knackende Kaminfeuer.
Die Stunden vergingen zäh wie Pech. Die treuen Malfoy-Elfen ploppten zwischendurch lautlos herein und versorgten die beiden Jungen mit den üppigen Mahlzeiten, die Severus vorsorglich bestellt hatte. Doch das Essen schmeckte nach Asche.
„Wenn ihnen da draußen etwas passiert, ist es ganz allein meine Schuld!“, rief Harry verzweifelt aus, hielt mitten im Schritt inne und raufte sich die Haare. Als die Zeiger der Standuhr sich dem späten Abend näherten und die Männer immer noch nicht zurück waren, drohte Harry psychisch komplett zu zerbrechen.
Dabei stand ihnen der schlimmste Schock des Tages noch in den Knochen: Gegen Mittag hatte es plötzlich heftig und fordernd gegen Severus' Wohnungstür geklopft.
„Severus! Öffnen Sie diese Tür! Ich verlange augenblicklich Einlass!“, hatte die vertraute, aber unheimlich scharfe Stimme von Albus Dumbledore durch das Holz gedröhnt.
Der Schulleiter hatte anscheinend bemerkt, dass Sirius Black aus dem Raum der Wünsche verschwunden war. Eine gefühlte Ewigkeit lang hatte Dumbledore draußen im Korridor gestanden und versucht, die Tür mit allen erdenklichen, mächtigen Gegenzaubern zu knacken. Das Holz hatte gefährlich geächzt, magische Funken waren unter der Türschwelle hindurchgezischt. Harry hatte sich vor lauter Todesangst ganz klein gemacht und hinter Severus' schwerem Ledersessel versteckt. Er wusste genau, dass dieser dünne Schutz nichts bringen würde, sollte Dumbledore die Barriere durchbrechen – aber dort, eingekuschelt in den vertrauten Geruch seines Lehrers, fühlte er sich ein ganz kleines bisschen besser.
Erst als Dumbledore unverrichteter Dinge wieder abgezogen war, konnten sie wieder atmen. Auch Draco fühlte sich furchtbar und hatte schreckliche Angst, wollte sich die Blöße vor dem Gryffindor aber um keinen Preis anmerken lassen. Er schluckte seine eigene Panik hinunter, trat an den Sessel heran und sah auf Harry hinab. „Hey, Potter… reiß dich zusammen“, sagte Draco mit brüchiger, aber bemüht fester Stimme. „Die Schutzzauber von Severus halten. Und mein Vater lässt sich nicht von ein paar Zaubereibeamten aufhalten. Komm da hinten raus, wir… wir schauen auf der Karte nach, wo der alte Bartvogel jetzt gerade herumschleicht.“ Er versuchte verzweifelt, Harry abzulenken, während draußen die Nacht hereinbrach und das Schweigen im Ministerium immer bedrohlicher wurde.