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Teil 1

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Teil 1

Hexenpfad, Bodenknarren und Gänsehautfaktor

Kapitel 1

Die Dunkelheit hüllte den Verbotenen Wald in ein unheimliches Schweigen, als drei Gestalten tiefer zwischen die knorrigen Bäume traten. Eigentlich hätten sie im Bett liegen müssen, doch eine Strafarbeit der besonderen Art hatte sie hierhergeführt.

Harry Potter hielt seine Handlaterne hoch, während Draco Malfoy dicht hinter ihm ging und sichtlich bemüht war, seine Panik zu verbergen. Hinter ihnen schritt Severus Snape, dessen schwarzer Umhang im seichten Wind wie die Schwingen einer riesigen Fledermaus wirkte. Seine eisige Stimme durchschnitt die Stille.

„Wenn Sie beide Ihre unbedeutenden Streitigkeiten im Zaubertränke-Unterricht nicht zügeln können, müssen Sie eben die Konsequenzen tragen“, zischte Snape. „Wir folgen dem alten Hexenpfad. Und sie ernten so viel sie tragen können, von der fleischfressenden Mitternachtsblume. Es wird folglich absolute Aufmerksamkeit verlangt.“

Der Weg war schmal, überwuchert und von einer unnatürlichen Kälte erfüllt. Plötzlich stießen sie auf eine morsche, hölzerne Hängebrücke, die über eine tiefe Schlucht führte. Harry machte den ersten Schritt. Ein lautes, gequältes Bodenknarren echote durch die Finsternis. Draco zuckte heftig zusammen und packte Harry unwillkürlich am Umhang.

„Fass mich nicht an, Malfoy“, flüsterte Harry gestresst, obwohl ihm selbst das Herz bis zum Hals schlug.

In diesem Moment erlosch das Licht in Harrys Laterne. Aus den Tiefen der Schlucht drang ein hohles, vielstimmiges Flüstern nach oben. Es war ein markerschütterndes Geräusch mit absolutem Gänsehautfaktor, dass die Luft gefrieren ließ. Sogar Snape hielt mitten im Schritt inne und hob lauschend den Zauberstab, dessen Spitze in einem schwachen, bläulichen Licht erglühte.

„Zurück, Sie Narren“, befahl Snape mit schneidender Schärfe.

Doch es war zu spät. Der Hexenpfad schien lebendig zu werden, als Schatten aus dem Unterholz krochen.

Die Schatten begannen sich zu verformen, lösten sich von den Wurzeln der uralten Bäume und nahmen eine greifbare, bedrohliche Gestalt an. Harry starrte wie gebannt auf das Unterholz. Was dort hervorkroch, entzog sich jeglicher Beschreibung – es waren Nachtmahre, geschöpfte Wesen aus reiner Schwärze, die keine Augen besaßen, sondern nur klaffende, leere Gesichter, aus denen ein eisiger Nebel strömte. Ihre Gliedmaßen waren unnatürlich lang und endeten in messerscharfen Klauen, die über den gefrorenen Boden schabten.

Ein markerschütterndes Knacken ging durch das Holz, als das nächste hölzerne Bodenknarren die Brücke erbeben ließ. Eines der Schattenwesen schnellte vor und schnappte nach Dracos Knöchel.

„Lumos Maxima!“, schrie Draco Malfoy mit schriller Stimme. Ein greller Lichtblitz schoss aus seinem Zauberstab. Das Wesen stieß ein hasserfülltes Zischen aus und wich eine Haaresbreite zurück, doch das Licht schien die Kreaturen nur noch mehr zu erzürnen. Sie drängten nun von allen Seiten auf den schmalen Hexenpfad.

Die Angst in ihrem inneren erreichte seinen Höhepunkt, als die Kälte so intensiv wurde, dass Harrys Atem als dichter Dampf in der Luft stand. Seine Finger waren so taub, dass er seinen Zauberstab kaum noch halten konnte. Die Kreaturen ernährten sich von Angst, und Dracos nackte Panik wirkte auf sie wie ein Leuchtfeuer.

„Expecto Patronum!“, rief der bebrillte und dachte verzweifelt an die Wärme des Gryffindor-Gemeinschaftsraums, indem seine Freunde es sich sicherlich gemütlich gemacht hatten. Ein silberner Hirsch brach aus seiner Stabspitze hervor, warf die vordersten Schatten zurück und schenkte ihnen einen kurzen Moment zum Atmen. Doch der Nebel der Nachtmahre war so dicht, dass selbst der Hirsch zu flackern begann.

„Toren! Eure elementare Magie bewirkt hier gar nichts“, tönte die tiefe, kontrollierte Stimme von Severus Snape durch das Chaos.

Mit einer fließenden Bewegung trat Snape vor die beiden Jungen. Er schwang seinen Zauberstab in einem komplexen, fast lautlosen Bogen. Statt Licht oder Feuer brach eine Welle aus purem, pechschwarzem Gegenzauber aus seiner Hand – ein uralter, dunkler Spruch, der die Schattenwesen nicht vertrieb, sondern sie zwang, sich wieder mit der Dunkelheit des Waldes zu verbinden. Die Kreaturen wanden sich schmerzerfüllt und wurden buchstäblich in den Boden zurück gesaugt.

„Laufen. Jetzt“, zischte Snape, ohne sich umzusehen.

Harry und Draco warteten keine Sekunde länger. Sie rannten, so schnell ihre Beine sie trugen, den Hexenpfad hinauf, dicht gefolgt von dem wehenden Umhang ihres Lehrers, bis die sicheren Lichter von Hogwarts endlich am Horizont auftauchten.

Kaum hatten sie den dichten Nebel des Hexenpfades hinter sich gelassen und dachten, das Schlimmste überstanden zu haben, da schnitt ein langes, klagendes Heulen durch die Nacht. Es war so nah, dass der Boden unter ihren Füßen zu vibrieren schien.

Harry stoppte so abrupt, dass Draco fast in ihn hineingerannt wäre. Snapes Hand legte sich wie eine eiserne Klammer auf Harrys Schulter und drückte ihn ins seichte Gebüsch am Wegrand.

Aus dem dichten Unterholz des Verbotenen Waldes traten nacheinander vier riesige, zottelige Gestalten. Es waren keine gewöhnlichen Wölfe. Ihre unnatürlich breiten Schultern, die menschenähnlichen, hasserfüllten Augen und die geifernden Fänge ließen keinen Zweifel offen: Eine Gruppe Werwölfe hatte ihre Fährte aufgenommen. Das erneute Geräusch von knackenden Ästen unter ihren schweren Pfoten ließ ihre Angst ins Unermessliche steigen.

„Es ist kein Vollmond… wie ist das möglich?“, flüsterte Draco mit erstickter Stimme, während ihm der kalte Schweiß auf die Stirn trat.

„Ruhe, Malfoy!“, zischte Severus Snape. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Das sind keine Verwandelten. Das ist ein Rudel, das wild im Wald lebt – und sie wittern unsere Angst.“

Die Wölfe umkreisten die kleine Gruppe im Halbdunkel. Der größte von ihnen, ein pechschwarzes Biest mit einer tiefen Narbe über dem Auge, bleckte die Zähne und ging zum Sprung über.

„Incarcerous!“, rief Harry und feuerte dicke Seile auf das Alphatier, die es mitten im Flug zu Boden rissen. Doch die drei anderen Werwölfe ließen sich nicht aufhalten. Sie stießen ein synchrones, wütendes Knurren aus und gingen gleichzeitig zum Angriff über.

Der Tränkemeister fackelte nicht lange. Mit einer eleganten Drehung schnitt sein Zauberstab durch die Luft. „Sectumsempra!“, rief er mit schneidender Stimme. Unsichtbare Schwerter verletzten die beiden heranstürmenden Bestien, die jaulend im Unterholz verschwanden.

Der letzte verbliebene Werwolf nutzte die Ablenkung und stürzte sich direkt auf Draco. In reiner Todesangst hob Draco seinen Stab: „Flipendo!“ Der Fluch traf die Kreatur auf der Brust und schleuderte sie ein paar Meter zurück, doch sie rappelte sich sofort wieder auf, die gelben Augen starr auf Dracos Kehle gerichtet.

Bevor das Tier erneut ansetzen konnte, schoss ein silberner Lichtstrahl von Snape herbei und jagte dem Werwolf eine solche Wucht entgegen, dass dieser winselnd die Flucht ergriff.

Der Professor atmete schwer, sein Gesicht war bleicher als sonst. Er steckte seinen Zauberstab weg und blickte die beiden Gryffindor- und Slytherin-Schüler mit einem Blick an, der keinen Widerspruch duldete. „Wir bewegen uns jetzt ohne ein weiteres Wort und im Laufschritt zum Schloss. Bewegen Sie sich!“

Völlig außer Atem und mit brennenden Lungen stoben die drei durch das schwere Eichentor, das krachend hinter ihnen ins Schloss fiel. Sie hatten das sichere Fundament von Hogwarts erreicht. Harry stützte sich mit den Händen auf die Knie, während Draco zitternd an der kalten Steinwand hinabglitt. Das unheimliche rascheln des Waldes lag hinter ihnen, doch die Panik in ihrem inneren wich erst langsam der wohligen Wärme der Eingangshalle.