Teil 2
Teil 2
Die Dunkelheit der Schlosskorridore schien die beiden Jungen förmlich zu verschlucken, als sie im Laufschritt die Treppen hinabstiegen. Das dumpfe Echo ihrer Schritte war das einzige Geräusch, bis Harry Draco unsanft in eine Nische hinter einer Rüstung zog.
„Was soll das, Potter?“, zischte Draco, während er heftig nach Luft rang. „Wir müssen zu Hagrid! Wenn mein Vater—“
„Halt den Mund und hör mir zu, Malfoy!“, unterbrach ihn Harry mit gepresster Stimme. Er zog die Karte des Rumtreibers aus dem Umhang und entfaltete sie mit zitternden Fingern. „Es geht hier nicht mehr nur um Dumbledore oder deinen Vater. Es ist viel schlimmer. Auf der Karte… als wir im Raum standen…“ Harry schluckte trocken. „Da war noch ein Name bei Quirrell. Untrennbar mit ihm verbunden. Tom Riddle.“
Draco starrte ihn verständnislos an. „Wer zum Teufel soll Tom Riddle sein? Ein Geist?“
„Das ist der wahre Name von Du-weißt-schon-wem!“, flüsterte Harry, und das Entsetzen in seiner Stimme ließ Draco merklich erblassen. „Quirrell hat ihn nicht nur auf seiner Seite – er trägt ihn buchstäblich mit sich herum. Snape hat es verstanden. Deshalb hat er uns weggeschickt. Er versucht, Quirrell hinzuhalten, während wir Hilfe holen.“
Dracos Augen weiteten sich vor blankem Horror. Der Hochmut des Slytherins war in Sekundenbruchteilen verflogen. Noch bevor er antworten konnte, durchdrang ein markerschütterndes Heulen die Stille. Es kam nicht von draußen. Es kam aus dem Korridor direkt vor ihnen.
„Lauf!“, schrie Harry.
Sie stürmten aus der Nische, genau in dem Moment, als zwei riesige, zottige Gestalten am Ende des Ganges auftauchten. Die Werwölfe, die Quirrell ins Schloss geschleust hatte, hatten ihre Witterung aufgenommen. Ihre gelben Augen fixierten die Jungen, und mit fletschenden Zähnen nahmen sie die Verfolgung auf.
Harry und Draco rannten, wie sie noch nie in ihrem Leben gerannt waren. Die schweren Schritte der Bestien kamen unerbittlich näher. Vor ihnen kam die schwere Eichentür, die zum Innenhof und dem Weg hinab zu Hagrids Hütte führte. Harry warf sich mit vollem Körpergewicht gegen die Klinke, während Draco hastig seinen Zauberstab zog.
„Flipendo!“, schrie Draco verzweifelt nach hinten. Der Fluch traf den vorderen Werwolf an der Brust und ließ ihn taumeln, doch das zweite Tier sprang mit einem wütenden Brüllen nach vorn.
Eine riesige Klaue schnappte nach Draco, gerade als Harry die Tür aufstieß und Draco mit aller Kraft nach draußen in die kalte Nachtluft riss. Mit einem lauten Knall fiel die schwere Holztür ins Schloss. Die Krallen der Bestie kratzten vergeblich von innen gegen das Holz. Sie waren entkommen – haarscharf.
Die Jungen stolperten den schlammigen Hang hinab in Richtung des schwachen Lichts von Hagrids Hütte. Erst jetzt bemerkte Harry, dass Draco sich den linken Arm hielt und leise wimmerte.
„Malfoy? Alles okay?“, fragte Harry atemlos.
Draco nahm die Hand weg. Sein Ärmel war zerrissen, und auf seinem Unterarm zeichneten sich drei blutige Kratzspuren ab. Dracos Gesicht war aschfahl, seine Knie zitterten so stark, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Er starrte auf das Blut, und panischer Schrecken spiegelte sich in seinen Augen.
„Sie… sie haben mich erwischt, Potter“, flüsterte Draco, und seine Stimme überschlug sich vor Angst. „Ich bin infiziert. Ich werde einer von ihnen. Mein Leben ist vorbei… mein Vater wird mich verstoßen… Ich werde ein Monster!“ Er sank im nassen Gras auf die Knie, die Tränen liefen ihm über das Gesicht. Die Angst, selbst zu einem Werwolf zu werden, lähmte ihn vollkommen.
Harry stand keuchend neben ihm. Sie mussten die Nachricht zu Hagrid bringen, und Snape brauchte Lucius Malfoy – doch Draco drohte gerade, psychisch komplett zu zerbrechen.