LNCrawler

Teil 5

Promt- Roulette- Horror- Edition- Halloween — www.fanfiktion.de · All chapters

Teil 5

Diesmal musste ich einiges Nachbearbeiten, aber ich glaube es ist mir gelungen die Spannung wirklich hochzunehmen und einen guten Abfall dazu zu schreiben.

Weiter gehts:

Noch bevor der aufgewirbelte Steinstaub sich legen konnte, reagierten Severus Snape und der unsichtbare Lucius Malfoy blitzschnell. Ein synchroner, blendend roter Lichtblitz und ein mächtiger Schockzauber trafen den letzten Werwolf gleichzeitig mitten in der Brust. Das riesige Biest wurde von den Füßen gerissen, knallte hart gegen die Decke und blieb schließlich vollkommen reglos auf den kalten Steinfliesen liegen. Es war endgültig ausgeschaltet.

Hagrid, der sich der tödlichen Gefahr hinter seinem Rücken gar nicht vollends bewusst gewesen war, wirbelte herum. Als er die rauchenden Trümmer und den schimmernden Schutzschild der Jungen sah, traten ihm dicke Tränen in die Augen. „Ihr… ihr habt mir die Haut gerettet!“, schluchzte der Halbriefe überschwänglich vor Glück. Er stürzte vor und drückte Harry und Draco in eine so gigantische, knochenbrechende Umarmung, dass den beiden fast die Luft wegblieb. „Ich dachte, ich müsste euch beschützen, und dann das!“

„LASSEN SIE DIE JUNGEN SOFORT LOS, HAGRID!“, donnerte Snapes Stimme durch den Korridor.

Hagrid schreckte zurück und ließ die beiden unsanft auf den Boden ploppen. Snape wirbelte herum, sein schwarzer Umhang bauschte sich wie die Flügel einer riesigen Fledermaus auf. Seine Augen blitzten vor absolutem Zorn, als er vor Harry und Draco zum Stehen kam und sie fürchterlich ausschimpfte.

„Sind Sie denn völlig von Sinnen?!“, zischte Snape mit einer Lautstärke, die die Kerkerwände erzittern ließ. „Ein monumentales Maß an arroganter Ignoranz und purer Dummheit! Ich habe Ihnen einen unmissverständlichen Befehl erteilt! Sie sollten in Ihren Betten sein, stattdessen kriechen Sie mitten in einer lebensgefährlichen Krise durch die Gänge, um den Helden zu spielen! Ein Gryffindor-Idiotismus, Potter, den ich von Ihnen erwarte – aber von Ihnen, Malfoy, hätte ich ein Mindestmaß an Selbsterhaltungstrieb vorausgesetzt!“

Draco duckte sich tief weg, während Harry Snapes wütendem Blick trotzig standhielt. Doch bevor Snape weitertoben konnte, ertönte ein ekelerregendes, feuchtes Husten vom Boden.

Quirrell saß, stramm gefesselt von den magischen Seilen, auf den Steinen. Sein Kopf ruckte unnatürlich nach hinten, sodass die grauenhafte Fratze Voldemorts auf Harry hinabblicken konnte. Obwohl er völlig wehrlos am Boden saß, strömte eine eisige, mörderische Aura von ihm aus. „Harry Potter…“, zischte die schlangengleiche Stimme, und die roten Augen fixierten den Jungen mit purem Hass. „Du glaubst, du hättest heute gesiegt? Du bist nichts als eine Schachfigur. Genieße dein jämmerliches Leben, solange du noch kannst. Wenn ich mich erhebe, wird es keinen Ort auf dieser Erde geben, an dem du oder deine schlammblütigen Freunde vor mir sicher seid. Ich werde dich vernichten.“

Harry lief es eiskalt den Rücken hinunter, doch er wich keinen Zentimeter zurück.

Snape trat sofort entschlossen zwischen Harry und die Fratze, um den Blickkontakt zu unterbrechen, und versiegelte Quirrells Mund mit einem stummen Silencio.

Während dieses Chaos die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden forderte, nutzte Lucius Malfoy im Hintergrund die perfekte Ablenkung. Immer noch vollständig mit den Schatten verschmolzen, glitt er lautlos an der Gruppe vorbei. Er drückte sich an der steinernen Wand entlang, bog um die Ecke und steuerte direkt auf die verborgene Tür zu Severus Snapes privaten Gemächern zu. Mit einem leisen Klicken schlüpfte er hinein, schloss die Tür hinter sich und hob den Desillusionierungszauber auf. Lucius atmete tief durch, goss sich einen Becher von Snapes bestem Elfenwein ein und setzte sich in einen schweren Sesseln am erloschenen Kamin. Hier, in der absoluten Privatsphäre von Severus' Wohnung, war er sicher vor den Augen des Dunklen Lords – und hier würde er auf die Rückkehr seines Freundes warten, um die nächsten Schritte zu planen.

Snape wandte sich mit wehendem Umhang an den Wildhüter. „Hagrid, schaffen Sie diese Kreatur augenblicklich aus dem Schloss. Bringen Sie Quirrell ohne Umwege direkt ins Ministerium. Fudge muss mit eigenen Augen sehen, was hier herangezüchtet wurde!“

Hagrid nickte grimmig und packte den gefesselten Quirrell grob am Kragen. Doch in genau diesem Moment der Unachtsamkeit geschah das Unfassbare. Ein hasserfülltes, unmenschliches Brüllen riss Quirrells Körper empor. Die magischen Seile zischten und zerrissen unter einer plötzlichen Welle roter, roher Gewalt. Quirrells Augen waren völlig starr, ferngesteuert von der bösartigen Präsenz auf seinem Hinterkopf. Mit ausgestreckten, krallenartigen Fingern stürzte er sich direkt auf Harry.

„Potter, weichen Sie aus!“, schrie Snape und riss den Zauberstab hoch, doch es war zu spät.

Quirrells Hände schlossen sich um Harrys Hals. Doch im selben Sekundenbruchteil, in dem die Haut der beiden Jungen aufeinander brach, gellte ein markerschütternder Schrei durch die Kerker. Es war nicht Harry, der schrie. Quirrells Haut begann an den Berührungspunkten grau zu werden, Blasen zu werfen und rasant zu bröckeln. Mit einem entsetzlichen Keuchen zerfiel Quirrell bei Harrys bloßer Berührung zu feinstem, aschgrauem Staub. Seine Kleidung sackte leer in sich zusammen.

Aus dem aschfahlen Staubhaufen quoll augenblicklich eine geisterhafte, rauchige Gestalt hervor. Die Fratze Voldemorts formierte sich im wirbelnden Qualm, stieß einen schrillen, ohrenbetäubenden Kreischton aus, der die Trommelfelle der Anwesenden fast zerfetzen ließ, und schoss dann mit rasender Geschwindigkeit durch das Gemäuer der Kerkerdecke davon, wo sie sich vollständig auflöste.

Erschöpfte, fassungslose Stille legte sich über den Korridor.

„Er ist erledigt!“, keuchte Hagrid und wischte sich den Schweiß aus dem Bart. „Ihr habt ihn vernichtet, Harry! Er ist jetzt endlich tot!“

„Er ist nicht tot, Sie törichter Narr!“, entgegnete Snape mit einer Stimme, die vor Kälte und unterdrücktem Grauen bebte. Er starrte starr an die Decke, wo der Geist verschwunden war. „Das war kein lebendiger Mann mehr. Seine Seele ist entkommen. Voldemort ist auf der Flucht.“ Harry, der am Boden saß und sich den Hals hielt, nickte zitternd. Er hatte die nackte, unsterbliche Bösartigkeit in seinem Kopf gespürt. Sie wussten es besser als Hagrid: Der Dunkle Lord war immer noch da draußen.

Snape atmete tief durch, und als er den Blick wieder auf die beiden Jungen richtete, schien der Zorn in seinen Augen die verbliebene Luft im Raum einzufrieren. Er war so sauer wie noch nie zuvor in seinem gesamten Leben. Seine Tarnung als Spion war dahin, die Jungen hatten sich fast umbringen lassen, und Voldemort war entkommen.

„In meine Wohnung. Beide. Sofort!“, zischte Snape mit schneidender, absolut unbarmherziger Härte. Er deutete mit dem Zauberstab auf den dunklen Gang. „Hagrid und ich werden hierbleiben und diese hochgradig kompromittierenden Kampfspuren beseitigen. Ich erwarte, dass Sie sich in meinen Räumen keinen Millimeter rühren, bis ich nachkomme. Haben Sie mich verstanden?“

Draco nickte hastig, packte Harry am Arm und zog ihn eilig mit sich. Als Slytherin und Snapes Patenkind kannte Draco den Weg zu den privaten Gemächern des Zaubertrankmeisters genau. Er steuerte zielsicher auf eine scheinbar solide, feuchte Steinwand am Ende des Korridors zu, hinter der sich die verborgene Tür befand.

Während sie durch die dämmrigen Gänge hasteten, zog Harry mit zitternden Fingern die Karte des Rumtreibers aus dem Umhang. Er musste sichergehen, dass ihnen kein weiterer Werwolf auflauerte. Sein Blick überflog das Pergament – und blieb wie angewurzelt an Snapes Privaträumen hängen.

„Malfoy, warte…“, flüsterte Harry und hielt Draco fest.

„Was ist denn noch, Potter? Wir müssen da rein, bevor Snape uns eigenhändig häutet!“, drängte Draco nervös.

Harry deutete auf die Karte. Genau in dem geheimen Raum hinter der Wand, auf den sie gerade unweigerlich zusteuerten, flackerte ein einzelner, kleiner Punkt auf. Dort, wo eigentlich niemand sein durfte, stand in feinen Tintenbuchstaben geschrieben: Lucius Malfoy.

Lucius Malfoy deutete auf zwei freie Sessel vor dem Kamin. „Setzt euch“, sagte er mit leiser, aber bestimmter Stimme. „Ihr seht aus, als hättet ihr einen Kampf gegen eine Herde Zentauren hinter euch.“

Harry und Draco ließen sich erschöpft in die Polster sinken. Lucius ging im Raum auf und ab, während das Kaminfeuer Schatten an die Wände warf. „Es war mein Zauber, der die Ritterrüstungen im Korridor zum Leben erweckt hat“, erklärte Lucius und blickte die Jungen eindringlich an. „Ich durfte mich nicht zeigen. Der Dunkle Lord hat Spione auf meinem Anwesen und im Ministerium platziert. Hätte Quirrell mich dort erkannt, wäre mein Verrat aufgeflogen und meine Familie – du, Draco, und deine Mutter – in akuter Lebensgefahr. Die Rüstungen boten mir die perfekte Tarnung. Sie ließen es so aussehen, als würden die Schutzzauber von Hogwarts rebellieren.“

Mitten in seiner Ausführung schwang die schwere Holztür mit einem heftigen Knall auf. Severus Snape trat herein. Seine Augen blitzten immer noch vor Restzorn, doch die aggressive Haltung wich einer kalkulierten Ruhe, als er Lucius im Sessel sah.

„Ich wusste, dass du hier bist“, brummte Snape, während er sich den Staub von den Ärmeln klopfte. „Deshalb habe ich die Jungen auch in meine Wohnung geschickt und nicht in mein Büro. Die Wahrscheinlichkeit, dass Albus oder das Ministerium mein Büro filzen, ist nach diesem Desaster weitaus höher.“ Snape ließ sich auf einen freien Stuhl fallen und rieb sich die Schläfen. „Es ist vorbei, Lucius. Mein doppelter Boden ist eingestürzt.“

„Was meinst du damit, Severus?“, fragte Lucius alarmiert und stellte sein Weinglas ab. „Quirrell ist gefesselt. Hagrid bringt ihn ins Ministerium—“

„Quirrell ist tot“, unterbrach Harry leise.

Lucius wirbelte zu dem Gryffindor herum. Snape übernahm das Wort und schilderte mit Grabesstimme die Ereignisse: wie Quirrell sich befreit hatte, wie er bei Harrys bloßer Berührung zu Staub zerfallen war und wie die geisterhafte Gestalt schreiend durch die Decke entkam.

Lucius war sichtlich entsetzt. Die aristokratische Gelassenheit wich blasser Bestürzung. „Hagrid glaubt, der Dunkle Lord sei nun endlich tot“, fügte Draco hinzu, doch Lucius schüttelte heftig den Kopf.

„Hagrid ist ein Narr“, zischte Lucius mit bebender Stimme. „Der Dunkle Lord ist nicht tot. Er ist entkommen. Er hat überlebt, genau wie damals in Godric's Hollow. Und das Schlimmste ist: Er weiß jetzt, dass du ihn betrogen hast, Severus.“

Snape nickte grimmig. „Meine Rolle als Spion ist endgültig aufgeflogen.“ Er blickte in die Runde – auf seinen langjährigen Freund Lucius, auf sein Patenkind Draco und schließlich auf Harry Potter. „Wenn der Dunkle Lord zurückkehrt, wird sein erster Zorn uns alle treffen. Mich wegen meines Verrats. Dich, Lucius, weil du mich unterstützt hast. Draco, weil er dein Fleisch und Blut ist. Und Potter… nun, Potter steht ohnehin ganz oben auf seiner Liste.“

Eine schwere, bedeutungsvolle Stille legte sich über das Zimmer. Die Fronten hatten sich verschoben. Aus Feinden und Rivalen war durch die schiere Notwendigkeit des Überlebens eine Schicksalsgemeinschaft geworden.

Lucius trat in die Mitte des Raumes und hielt seine Hand ausgestreckt nach vorn. „Wir haben keine Wahl. Wir können uns weder auf das Ministerium noch blind auf Dumbledores Pläne verlassen. Wir schließen hier und jetzt ein Bündnis. Wir schützen uns gegenseitig. Severus, ich stelle dir Malfoy Manor und all meinen Einfluss zur Verfügung. Und wir werden ein Auge auf die Jungen haben.“

Snape erhob sich und legte seine Hand auf die von Lucius. Draco stand ebenfalls auf und platzierte seine Hand darauf. Schließlich sah Harry die drei an. Er zögerte keine Sekunde, trat vor und legte seine Hand auf die von Draco. In den Tiefen der Kerker von Hogwarts war ein geheimes Bündnis geschmiedet worden, von dem weder die helle noch die dunkle Seite der magischen Welt auch nur den geringsten Verdacht hatte.