LNCrawler

Teil 7

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Teil 7

Ob ich heute noch ein weiteres schaffe weiß ich nicht. Ich muss bald aus dem Haus

weiter gehts mit:

Harry kaute gerade auf einem saftigen Stück Pastete, als sein Blick immer wieder zu der Karte des Rumtreibers glitt, die flach ausgebreitet neben seinem Teller lag. Das Abendessen in Severus Snapes Wohnung war in vollem Gange, und Snape beobachtete die Jungen mit verschränkten Armen. Snape gefiel es innerlich, dass der sonst so dürre Potter endlich mal richtig zulangte – der Junge brauchte dringend etwas auf den Rippen, wenn er die kommenden Zeiten überstehen sollte.

Plötzlich flammten die Flammen im Kamin smaragdgrün auf. Mit einem leisen Zischen trat Lucius Malfoy elegant aus dem Flohnetzwerk direkt in das Wohnzimmer. Er klopfte sich ein paar imaginäre Rußpartikel vom Umhang und blickte auf den reich gedeckten Tisch. Da die Hauselfe mehr als genug für alle zubereitet hatte, setzte sich Lucius ohne langes Zögern dazu und goss sich ebenfalls ein Glas Wein ein, um mit ihnen zu essen.

Sofort vertieften sich die Erwachsenen in eine hitzige Diskussion über die neue Rollenverteilung. „Da ich als Spion aufgeflogen bin, musst du ab jetzt meine Aufgaben übernehmen, Lucius“, erklärte Snape mit ernster, gedämpfter Stimme. „Der Dunkle Lord weiß, dass ich gegen ihn stehe. Du bist der Einzige, der noch Zugang zu seinem inneren Kreis bekommen kann, während du gleichzeitig Fudge im Ministerium kontrollierst.“ Lucius nickte langsam. Sie begannen, einen präzisen Plan zu schmieden, wie Lucius seine Position als scheinbar loyaler Gefolgsmann Fudges nutzen konnte, um das Ministerium von innen heraus zu manipulieren und gleichzeitig Voldemorts Bewegungen zu überwachen.

Mitten in diesem strategischen Gespräch stockte Harry plötzlich der Atem. Er legte seine Gabel weg und beugte sich so tief über das Pergament, dass seine Nasenspitze fast die Tinte berührte.

„Professor, Mister Malfoy… Draco… seht euch das an“, flüsterte Harry mit brüchiger Stimme und unterbrach die Diskussion am Tisch augenblicklich.

Draco rückte sofort näher heran, und auch die beiden Männer hielten inne und fixierten die Karte. Im siebten Stock des Schlosses spielten sich unnatürliche Dinge ab. Ein kleiner Tintenpunkt mit dem Namen Albus Dumbledore bewegte sich in einem Korridor, der normalerweise völlig leer war. Doch das war nicht das Merkwürdige. Direkt vor Dumbledore tauchte auf der Karte plötzlich ein neuer, völlig unbekannter Raum auf, dessen Mauern sich wie von Zauberhand auf dem Pergament zeichneten. Die Tinte flackerte wild, als die Karte versuchte, die Magie dieses Ortes zu erfassen. Ein zweiter Punkt bewegte sich in diesem Raum – und der Name, der daneben stand, ließ Snapes Atem stocken.

Er beugte sich so tief über den Tisch, dass seine schwarzen Haare die Ränder des Pergaments streiften. Seine Augen weiteten sich zu Schlitzen, und ein hasserfülltes, ungläubiges Zischen entwich seinen Lippen.

Direkt neben dem Punkt von Albus Dumbledore, gefangen in den flackernden Umrissen eines Raumes, den die Karte kaum greifen konnte, stand in winzigen Lettern geschrieben: Sirius Black.

Harry starrte den Namen fassungslos an. Ein eisiger Kloß bildete sich in seinem Magen. Er kannte die Geschichten. Sirius Black – der Mann, der offiziell als der schlimmste Verräter seiner Eltern galt, der Mann, der Peter Pettigrew und zwölf unschuldige Muggel in die Luft gesprengt hatte. Black sollte eigentlich in der tiefsten Zelle von Askaban einsitzen, bewacht von Dementoren. Stattdessen war er hier. Mitten in Hogwarts. Und Albus Dumbledore stand direkt vor ihm.

„Das… das ist unmöglich“, flüsterte Harry, und all seine Hoffnung, dass sich Dumbledores seltsames Verhalten am Ende doch in Wohlgefallen auflösen würde, zerschlug sich in diesem Moment endgültig. Der Schulleiter war nicht nur ein passiver Beobachter. Er steckte mittendrin.

„Der Raum der Wünsche“, murmelte Snape mit einer Stimme, die so voller Abscheu war, dass Draco unwillkürlich zurückwich. „Deshalb flackert die Tinte. Die Karte der Rumtreiber kann die Magie dieses Raumes nicht vollständig erfassen, weil er sich den Bedürfnissen des Suchenden anpasst. Aber sie erfasst die Personen darin.“ Snape blickte zu Lucius, und in den Augen der beiden Männer spiegelte sich dasselbe Entsetzen. „Dumbledore versteckt den Mörder von Lily und James im Schloss. Direkt unter unseren Nasen.“

Lucius Malfoy ballte die Faust so fest um sein Weinglas, dass die Knöchel weiß hervortraten. „Diese Wendung durchkreuzt all unsere Pläne“, zischte er mit gefährlich leiser Stimme. „Wir dachten, wir müssten nur Voldemort und Fudges Inkompetenz im Auge behalten. Aber Dumbledore spielt sein ganz eigenes, düsteres Spiel. Wenn er Black kontrolliert oder mit ihm paktiert… was bezweckt er damit?“

Sie mussten sofort einen neuen Plan schmieden. Das Bündnis stand vor einer völlig veränderten Ausgangslage. Dumbledore war kein vertrauenswürdiger Beschützer mehr – er war eine unberechenbare Bedrohung, die einen der gefährlichsten Massenmörder der magischen Welt direkt in der Schule beherbergte.

Severus Snape trat an seinen privaten Vorratsschrank, betätigte einen versteckten Mechanismus an der Rückwand und zog ein winziges, kristallines Fläschchen heraus. Die darin enthaltene Flüssigkeit war so klar wie Wasser.

„Veritaserum“, zischte Snape mit einem bösartigen Aufblitzen in den Augen, während er das Fläschchen Lucius zeigte. „Aber nicht das Standard-Rezept. Eine eigene Modifikation. Dieses Serum ist so stark, dass selbst der Dunkle Lord mir damit seine eigene Großmutter verraten würde. Black wird singen wie ein unschuldiger Kanarienvogel.“

Der Plan der beiden Männer stand in wenigen Minuten fest: Sie würden Black unter einem Vorwand aus dem Raum der Wünsche locken, ihn mit vereinten Kräften überwältigen und in ein stillgelegtes, leerstehendes Klassenzimmer im selben Stockwerk bringen, um ihn dort ungestört zu verhören.

Streit im Wohnzimmer

Während Severus und Lucius sich mit gezogenen Zauberstäben auf den Weg machten, blieben Harry und Draco in Snapes Wohnung zurück. Die Karte des Rumtreibers lag flach auf dem Tisch, und die beiden Jungen starrten wie gebannt auf die winzigen Tintenpunkte, die sich langsam im siebten Stockwerk bewegten. Die Anspannung im Raum war mit Händen zu greifen.

„Wenn sie ihn erwischen…“, begann Harry leise, während seine Faust sich um die Tischkante ballte, „…hoffe ich, dass sie ihn nicht direkt umbringen. Er muss für das büßen, was er meinen Eltern angetan hat. Er gehört lebenslänglich nach Askaban.“

Draco schnaubte verächtlich. „Lebenslänglich? Bist du weich im Kopf, Potter? Er hat deine Eltern verraten und ein Dutzend Muggel gesprengt! Wenn mein Vater und Severus schlau sind, machen sie ihn direkt kalt und lassen die Leiche im Verbotenen Wald verschwinden. Ein Problem weniger.“

„Es geht um Gerechtigkeit, Malfoy, nicht um Mord!“, fuhr Harry ihn wütend an. Sie gerieten fast in einen heftigen Streit darüber, ob Black den Tod verdiente oder nicht, während sich auf der Karte die Punkte von Snape und Lucius unaufhaltsam dem Raum der Wünsche näherten.

Das Verhör im leeren Klassenzimmer

Der Zugriff verlief dank Lucius' Täuschungszaubern und Snapes Präzision absolut lautlos. Wenig später saß Sirius Black – ausgezehrt, dreckig und in zerschlissener Askaban-Kleidung – an einen schweren Holzstuhl in einem staubigen, verlassenen Klassenzimmer gefesselt. Snape drückte ihm rücksichtslos drei Tropfen des modifizierten Veritaserums zwischen die Lippen. Blacks Augen wurden augenblicklich glasig, sein Kopf sackte nach hinten.

„Warum bist du in Hogwarts, Black? Was plant Albus Dumbledore mit dir?“, forderte Snape mit schneidender Härte zu wissen.

Was Black nun mit monotoner, willenloser Stimme von sich gab, ließ selbst dem sonst so beherrschten Lucius Malfoy den Atem stocken. Dumbledores wahrer, grausamer Plan kam ans Licht.

Dumbledore hielt Black absichtlich im Schloss versteckt. Er wollte Black als Köder benutzen, um Harry in eine Falle im Ministerium zu locken. Dort sollte Harry unter fingierten Bedingungen von Minister Fudge verurteilt und nach Askaban geschickt werden. Doch auf dem Gefangenentransport dorthin sollten Voldemorts Todesser – instruiert durch Dumbledores geheime Fäden – Harry abfangen und ihn direkt zum Dunklen Lord bringen.

„Dumbledore will, dass der Dunkle Lord Harrys Blut benutzt, um wieder einen eigenen Körper zu bekommen“, lallte Black unter der Wirkung des Serums. „Sobald Voldemort wiedergeboren und mächtig ist, wird Dumbledore selbst auftauchen und ihn vernichten. Wenn er den Dunklen Lord eigenhändig tötet, wird Albus Dumbledore endgültig der unbestrittene, mächtigste Zauberer dieser Welt sein. Niemand wird ihm mehr widersprechen. Alle werden ihm gehorchen. Er wird ohne Umschweife zum Zaubereiminister und zum allerersten Präsidenten der gesamten Zaubererwelt ernannt werden…“

Lucius und Severus starrten sich fassungslos an. Das war kein Plan eines gütigen Schulleiters. Das war der absolut skrupellose, machthungrige Masterplan eines Mannes, der bereit war, das Leben von Harry Potter und die gesamte magische Welt zu opfern, um sich selbst als unfehlbaren Gottkönig auf den Thron zu setzen.

Snape und Lucius zogen sich für einen kurzen, intensiven Moment in den staubigen Schatten des Klassenzimmers zurück. „Wenn wir ihn hierlassen, findet Dumbledore ihn“, flüsterte Lucius grimmig. „Wir nehmen ihn mit. Sollte der Schulleiter sein Verschwinden aus dem Raum der Wünsche bemerken, wird er vermuten, dass Black sich eigenmächtig auf die Suche nach Potter gemacht hat oder irgendwo im Schloss herumstreunt.“ Snape nickte stumm. Mit einer harschen Bewegung levitierte er den gefesselten, willenlosen Massenmörder und brachte ihn durch die dämmrigen Gänge hinab in die Kerker.

Als die schwere Holztür zu Snapes Wohnung aufschwang, sprangen Harry und Draco entsetzt von ihren Sesseln auf. Sie erschraken zutiefst, als sie sahen, dass die beiden Männer den zerschlissenen, dreckigen Sirius Black im Schlepptau hatten und ihn in eine leere, fensterlose Vorratskammer direkt in Snapes privaten Räumen sperren wollten.

Das rücksichtslose Schleifen über die Steinfliesen schien Blacks Geist durch den Schmerz langsam aus der Veritaserum-Trance zu reißen. Seine glasigen Augen flackerten, fokussierten sich und blieben plötzlich an dem Jungen mit den strubbeligen Haaren und der Brille hängen.

„Harry!“, schrillte Blacks heisere, markerschütternde Stimme durch das Wohnzimmer. Er wand sich panisch in seinen Fesseln und streckte den Kopf verzweifelt in Harrys Richtung. „Harry, hör mir zu! Ich bin unschuldig! Ich bin dein Pate! Ich habe deine Eltern nicht verraten! Peter lebt… Peter Pettigrew lebt! Er versteckt sich… er hat sich all die Jahre versteckt, vermutlich in seiner Animagusform als Ratte! Du musst mir glauben!“

Harry prallte unwillkürlich einen Schritt zurück, sein Gesicht wurde aschfahl und er begann am ganzen Körper zu zittern. Panischer Schrecken und abgrundtiefer Hass flammten in ihm auf. Die Worte des Mannes trafen ihn wie Schläge. Wegen diesem Mann lag das Leben seiner Eltern in Trümmern. Wegen diesem Mann hatte er elf qualvolle Jahre bei den Dursleys in einem Schrank unter der Treppe verbringen und hungern müssen. Wie konnte dieses Monster es wagen, sich als sein Pate zu bezeichnen? Wie hatte er ihm, seinem eigenen fleischlichen Patenkind, so etwas Schreckliches antun können?

„Halt den Mund!“, schrie Harry mit tränenerstickter Stimme, während eine unbändige Wut in ihm hochkochte. „Ich hasse dich!“

Draco, der Harrys völligen emotionalen Zusammenbruch sah, zögerte keine Sekunde. Er trat an Harrys Seite, legte ihm fest den Arm um die Schulter, um ihn zu stützen, und warf Black einen vernichtenden, eiskalten Slytherin-Blick zu. „Hör auf zu lügen, du Abschaum“, zischte Draco, während er Harry instinktiv Trost und Halt gab.

Snape fackelte nicht lange. Mit einer schnellen, harten Bewegung seines Zauberstabs belegte er Black mit einem mächtigen Silencio-Fluch, der dem Mann mitten im Satz das Wort abschnitt. Lucius stieß den lautlos schreienden Gefangenen rücksichtslos in die dunkle Kammer, und Snape knallte die schwere, eisenbeschlagene Tür ins Schloss, bevor er sie mit einer Reihe komplexer Schutzzauber magisch versiegelte.

In Snapes Wohnzimmer herrschte wieder Stille – doch die Offenbarung über Dumbledore und Blacks irre Behauptung ließen die Luft im Raum förmlich brennen.

Severus Snape trat an den weinenden Jungen heran, seine Miene ungewohnt sanft, frei von der üblichen Härte. „Potter, hören Sie mir zu“, sagte Snape mit tiefer, ruhiger Stimme. „Das Veritaserum lügt nicht. Wenn Black sagt, er sei unschuldig, dann entspricht das seiner subjektiven Wahrheit. Und wenn er behauptet, Pettigrew lebe als Ratte, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr Vater damals vom falschen Freund verraten wurde.“

Harry vergrub das Gesicht in den Händen. Erneute Tränen schossen ihm in die Augen, heiß und bitter. Sein ganzer Körper bebte. So viele Menschen, denen er blind vertraut hatte – allen voran Albus Dumbledore –, hatten ihn belogen, hintergangen und als Schachfigur missbraucht. Und ausgerechnet hier, in den Kerkern, saß er nun mit den vermeintlichen Todessern Severus Snape und Lucius Malfoy, die in dieser Nacht ihr eigenes Leben riskierten, um ihn zu schützen. Harry hielt inne, blickte durch den Tränenschleier auf die drei Slytherins und traf eine endgültige Entscheidung: Er würde diesem Bündnis von ganzem Herzen vertrauen. Es gab keinen anderen Ausweg mehr.

Während die beiden Männer am Kamin die nächsten Schritte besprachen, um Dumbledores perfiden Plan zu vereiteln, wich Draco nicht von Harrys Seite. Der sonst so kühle Slytherin-Erbe setzte sich ganz nah neben Harry, strich ihm sanft über den Rücken und sprach mit leiser, ungewohnt beruhigender Stimme auf ihn ein. „Wir kriegen das hin, Potter. Du bist hier sicher. Mein Vater und Severus lassen nicht zu, dass dir etwas passiert. Niemand bringt dich nach Askaban.“

Snape und Lucius dachten unterdessen laut über Blacks Aussage nach. „Wenn Pettigrew ein unregistrierter Animagus ist…“, murmelte Lucius und strich nachdenklich über den silbernen Schlangenkopf seines Gehstocks, „…dann wäre eine Ratte die perfekte Tarnung, um unterzutauchen.“

Draco blickte vom Sofa auf. „Vater, Severus… was ist, wenn diese Ratte hier im Schloss ist?“, warf er ein. „Es gibt schließlich mindestens 25 Schüler in Hogwarts, die eine Ratte als Haustier mitgebracht haben. Vielleicht versteckt er sich direkt vor unseren Augen.“

Die Männer nickten finster und begannen zu überlegen, wie sie alle Haustiere des Schlosses systematisch überprüfen könnten, ohne Dumbledores Aufmerksamkeit zu erregen. Vor lauter Erschöpfung, Schock und der hitzigen Diskussion kam in diesem Moment keiner der vier auf die Idee, einfach auf der Karte des Rumtreibers nachzusehen. Das mächtige Pergament, das ihnen in Sekundenschnelle die Wahrheit über Peter Pettigrew hätte zeigen können, lag völlig unbeachtet und vergessen auf dem Boden in der hintersten Ecke von Snapes Wohnzimmer, während die Verschwörung im Schloss ihren Lauf nahm.