Eine Nachtigall und ein Koffer aus Stroh
Eine Nachtigall und ein Koffer aus Stroh
Weiter geht es.
Sorry wegen der Unterbrechung letzte Woche aber bei mir ist beruflich im Moment viel in der Schwebe. Nerven liegen blank aber es geht weiter.
Viel Spaß!
Es war als ob ein Ballon geplatzt wäre. Eine gewaltige Anspannung schien von allen Anwesenden abzufallen.
Alex und Kara umarmten sich in der Reihe vor Danny und dem Rest der Gruppe und die Eltern der Schwestern taten es den Mädchen am Konferenztisch gleich.
Taro reichte dem Ehepaar Danvers die Hand und gratulierte den Beiden während die Richter ihr Urteil schriftlich fixierten.
Inzwischen hatten Alex und Kara sich wieder voneinander gelöst und wandten sich in ihrer Freude nun der oberen Sitzreihe zu und Danny hatte das Gefühl, dass seine Cousinen gerne zwei zusätzliche Paare Arme gehabt hätten um jeden zu drücken der ihnen geholfen hatte.
Besonders die Jugendlichen mussten an sich halten um ihrer Freude nicht einfach freien Lauf zu lassen.
Danny hatte fast das Gefühl zu platzen aber dies war immer noch ein Gerichtssaal.
Die Umarmung in die Alex ihn aber gerade zog genoss er in vollen Zügen.
Als seine Cousine ihn wieder frei gab und Rose die Arme um den Hals warf blickte Danny zur gegenüberliegenden Seite des Konferenztisches zu seinem Großvater.
Mit kalter Wut auf dem Gesicht starrte Jeremy Crowfield zu ihnen herüber.
„Das ist einfach nur ein Skandal!“ stieß er schließlich hervor. „Niemand hat in der heutigen Welt mehr Sinn für Tradition! Meine Kinder sind einfach nur eine Enttäuschung.“
„Genau wie du als Großvater!“ platzte es aus Danny heraus. „Du bist weder als Vater noch als Großvater das goldene vom Schnatz.
Die Worte von Jeremy Crowfield hatten der gelösten Stimmung die sich ausgebreitet hatte einen gehörigen Dämpfer verpasst und Danny wollte das nicht auf sich sitzen lassen.
Jeremy Crowfields Kopf fuhr herum und bitterböse starrte er Danny an.
„Halt dich da raus du.....“
„Nein!“ unterbrach Danny ruhig. „Werde ich nicht.“
Einen Augenblick starrten der ältere Zauberer und Danny sich an, dann stieß Jeremy Crowfield ein kurzes spöttisches Lachen aus.
„Du bist wirklich der Sohn deines Vaters Junge.“ meinte er. „Letztlich ist das hier deine Schuld! Sicher, du hast durch deinen Vormund gehandelt aber letztlich geht das auf dich zurück!“
„Stimmt.“ meinte Danny trocken.
„Selbst aus dem Grab heraus macht mir dein Vater nur Ärger.“ knurrte Jeremy Crowfield. „Mit ihm hat es angefangen! Diese völlige Respektlosigkeit. Will war die Keimzelle! Jetzt wird eine der ältesten Zaubererfamilien Amerikas aussterben wegen......“
„Dir!“ unterbrach Danny.
„Mein Vater war nicht die.....wie hast du das genannt....Keimzelle.“ fuhr er fort. „Diese Keimzelle siehst du jedes mal wenn du in den Spiegel kuckst. Du hast doch deine Kinder von dir weg getrieben. In Merlins Namen bei mir stellen sich sämtliche Nackenhaare auf wenn ich an das denke was ich allein in diesem Prozess über deine Erziehungsmethoden erfahren habe! Ist es da ein Wunder, dass inzwischen alle deine Kinder und Enkelkinder mindestens einen Kontinent Abstand zu dir wollen?“
„Ich habe versucht meinen Kindern beizubringen was es bedeutet ein Crowfield zu sein!“ hielt Dannys Großvater dagegen. „Ich habe versucht ihnen Respekt vor den Traditionen beizubringen die in den Regeln der Gesellschaft festgeschrieben sind!“
„Und was nützen dir deine Regeln zum „Schutz der Familie“ jetzt wo dir die Familie ausgegangen ist?“ fragte Danny ruhig.
Das saß!
Jeremy Crowfield verstummte und sein Blick wanderte zwischen seinen Kindern hin und her.
Weder Tobias noch Eliza machten den Eindruck als ob sie irgendein Interesse an einer Versöhnung mit ihrem Vater hätten.
Tobias Crowfields Worte bestätigten dies:
„Ich kann dir versichern Vater....“ er legte den Arm um seine Frau Stefanie. „...Meine Prioritäten für die Zukunft sind ganz klar definiert.“
„Ein Kontinent Abstand von dir.“ sagte Eliza. „Das klingt richtig.“
Sie blickte zu ihrem Vater auf und zum ersten Mal hatte Danny das Gefühl, dass es ihr nicht schwer fiel dem Blick des alten Mannes stand zu halten. Irgendetwas hatte sich in seiner Tante verändert.
War es weil sie hier und heute gewonnen hatten? War Jeremy Crowfield in der Vorstellung seiner Tochter so übermächtig geworden, dass sie es überhaupt nicht für möglich gehalten hatte, in ihrer tiefsten Seele, dass man gegen ihn gewinnen konnte?
Falls dem so war, dann war dieses Weltbild nun in sich zusammen gebrochen!
Mit bemerkenswert ruhiger Stimme sagte sie:
„Ich werde nie wieder zulassen, dass du irgendeine Machtposition meiner Familie gegenüber einnimmst und rechne nicht mit uns zu Weihnachten. Nicht in diesem Jahr.....nie wieder!“
„Ich zweifle auch stark, das wir für das jährliche Familientreffen zur Verfügung stehen werden Vater.“ fügte Tobias hinzu.
Während sein Onkel und seine Tante sprachen behielt Danny Jeremy Crowfield im Auge.
Es war bemerkenswert. Die Aura von Macht die ihn umgeben hatte war praktisch völlig zusammengebrochen. Dort, an diesem Konferenztisch, saß nur noch ein wütender alter Mann der nun ganz alleine war.
In Dannys Gehirn machte es „klick“. Er erinnerte sich an eine alte Geschichte die er in seiner Zeit vor Hogwarts mal gehört hatte.
„Diese Treffen dürften wohl von jetzt an eine ziemlich einsame Angelegenheit werden.“ bewertete Danny. „Das kommt davon wenn man die falschen Prioritäten setzt! Jemand hätte dir als Kind mal die Geschichte vom Kaiser und der Nachtigall erzählen sollen.“
„Und was soll das bitte bedeuten?“ meinte Jeremy Crowfield herablassend.
„Du kennst sie nicht?“ fragte Danny. „Das ist schade. Es ist ein altes chinesisches Volksmärchen. Eines Tages ging der Kaiser von China durch den Wald und er hörte das wunderschöne Lied eines Vogels. Er folgte dem Lied und entdeckte eine Nachtigall. Er war überrascht, dass so ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel ein so wundervolles Lied singen konnte. Die Nachtigall wurde ein Freund des Kaisers und das obwohl dieser Fehler machte und sehr besitzergreifend war. Sie war treu. Doch eines Tages erhielt der Kaiser von China ein Geschenk des Kaisers von Japan. Dieser wollte nur zeigen, dass er besser war als der Kaiser von China und schickte dem Kaiser von China daher eine Spieluhr aus reinem Gold mit jeder Menge Eldesteinen verzieht. Die Spieluhr sah aus wie eine Nachtigall die auf einem Ast saß. Bei dem „Geschenk“ lag ein Brief. Darin stand: Die Nachtigall Chinas ist nichts gegen die Nachtigall Japans. Und der Kaiser von China....naja, er setzte die falschen Prioritäten! Er sah das Gold und die Edelsteine und all den Glanz und sofort war die Spieluhr-Nachtigall sein Favorit. Das brach der echten Nachtigall das Herz. Sie war ein wahrer Freund gewesen! Selbst als der Kassier sehr besitzergreifend gewesen war hatte sie zu ihm gehalten und nun hatte er sie durch ein Spielzeug ersetzt. Verletzt flog die echte Nachtigall davon aber dem Kaiser war ihr Kummer egal. Er hatte ja sein Spielzeug.
Eines Nachts jedoch fühlte der alte Kaiser plötzlich große Kälte und ein schreckliches Gewicht auf seiner Brust welches das Leben aus ihm herausquetschte.
Er öffnete die Augen und sah den Tod auf seiner Brust sitzen.
Und aus dem Schatten seines Gemachs hörte er Stimmen die flüsterten: Weißt du noch......Erinnerst du dich.....?
die Stimmen flüsterten ihm all seine Sünden zu.
Der Kaiser blickte zu seiner goldenen Nachtigall und flehte sie an: Sing für mich. Übertöne die Stimmen! Gib mir Frieden!
Aber die goldene Nachtigall schwieg. Sie war nur ein Ding! Eine Sache! Ein Spielzeug, dass niemand aufgezogen hatte.
Der Kaiser hatte die falschen Prioritäten gesetzt. Er hatte einen Freund aufgegeben für ein Spielzeug.
Den selben Fehler hast du gemacht lieber Großvater. Du hast Regeln zum Schutz der Familie über die Familie gestellt und das Ergebnis ist, dass dir die Familie ausgegangen ist. Es ist nicht die Schuld deiner Kinder. Nicht die von meinem Dad, meiner Tante oder von meinem Onkel. Du kannst das niemandem anlasten außer dir selbst.“
Wütend starrte Jeremy Crowfield seinen Enkel an. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder. Schließlich stürmte er ohne ein weiteres Wort aus dem Saal.
„Treffer und versenkt.“ flüsterte Rose.
Danny nickte nur.
„Nun, ein äußerst unangenehmer Mann.“ bewertete Richterin Castman den Abgang des „ehrenwerten Mr Crowfield“. „Mr Danvers, Mrs Danvers..... Ich bedaure, dass ich ihnen durch die hier getroffene Entscheidung nicht das Leben zurückgeben kann, dass sie in den Staaten hatten aber ich denke sie haben hier ein sehr solides Fundament für einen Neuanfang gelegt. Für diesen neuen Anfang wünsche ich ihnen alles Gute.“
Mrs Castman reichte dem Ehepaar Danvers die Hand und nickte auch Alex und Kara freundlich zu.
Richter Selbin tat es seiner Kollegin gleich und damit verließen die beiden Richter den Saal.
„Ich glaube....“ hob Kara an. „Das heißt jetzt, dass wir gewonnen haben?“
„Ja,“ lachte ihre Mutter. „Das heißt es wohl!“
„Dann denke ich, sollten Danny und ich dem Haus der Dachse alle Ehre machen.“ grinste Albus. „Ich finde das schreit nach einer Siegesfeier!“
„Also das ist doch mal eine Idee!“ strahlte Jenna und umarmte Alex.
„Ich bin dabei!“ verkündete Rose „Ich würde nur gerne schnell meine Mum fragen.“
„Also unsere Erlaubnis habt ihr.“ strahlte Mr Danvers.
„Ihr Mädchen habt es verdient.“ meinte Eliza.
Alex wurde beim Klang der Stimme ihrer Mutter kurz ernst und ergriff Elizas Hände.
„Mum.....was du da gerade erzählt hast über deine Kindheit.....“
Eliza unterbrach ihre Tochter. Sie legte ihr kurz den Zeigefinger auf die Lippen, dann umarmten sich Mutter und Tochter.
Die Gruppe verließ nun den Gerichtssaal und Danny konnte nicht anders als sich befreit zu fühlen.
Der Saal war einfach bedrückend gewesen.
Mehr und mehr brachen nun Gespräche aus in denen es um die Zukunft ging die nun vor der Familie Danvers lag.
Alex und Jenna sprachen darüber wie sie zusammen Hogwarts erkunden wollten. Jenna hoffte, dass man sie im Schlafsaal der Gryffindors unterbringen würde.
Kara und Albus beichteten Eliza und Jerry ihre junge Beziehung.
(Jetzt fängt unsere Kleine auch an.“ seufzte Jerry.
„So klein ist sie eben nicht mehr.“ schmunzelte seine Frau und zwinkerte Albus wohlwollend zu.)
Jerry Danvers dankte auch Mr Finch-Fletchley und das Gespräch der beiden driftete etwas ab. Jerry Danvers erkundigte sich nach Wohnungsangeboten und Mr Finch-Fletchley empfahl im Büro für magische Wohnungen und Häuser nachzufragen.
Wohnsitze von Zauberern waren von Magie durchdrungen und mussten daher registriert werden.
Rose und Danny verabschiedeten sich kurz um mit Mrs Granger zu sprechen.
Schon bald betraten die beiden Teenager das Büro der ersten Sekretärin.
Mrs Granger stand am Fenster ihres Büros und blickte ins Atrium herunter.
Ihre Tochter und Danny schien sie gar nicht bemerkt zu haben.
Rose nutzte die Gelegenheit, schlich sich an ihre Mutter heran und tippte ihr auf die rechte Schulter während sie sich auf ihrer linken Seite positionierte.
Es war nicht der neuste Gag aber er funktionierte.
Mrs Granger lachte als sie ihre Tochter erkannte und umarmte Rose.
„Was macht ihr zwei denn hier?“ wollte sie wissen nachdem sie auch Danny begrüßt hatte.
Rose erzählt ihr sofort wie die Verhandlung ausgegangen war.
„Natürlich dürft ihr feiern.“ strahlte Mrs Granger. „Ich freue mich für die Danvers. Hoffentlich kommen sie jetzt zur Ruhe.“
Danny war sich nicht sicher aber Mrs Granger klang etwas seltsam.
Rose war es wohl auch aufgefallen denn sie fragte:
„Alles ok Mum?“
„Kennst mich gut meine Große.“ lächelte Mrs Granger.
Sie entfernte sich etwas von den beiden Teenagern und blickte wieder nach unten ins Atrium.
„Basil Frix hat offiziell seinen Versuch aufgegeben sich als Gegenkandidat aufstellen zu lassen. Damit ist die Wahl eigentlich nur noch eine Formalität in der mir die magische Gesellschaft ihr Vertrauen ausspricht.“
Das war im Grunde eine großartige Nachricht dachte Danny. Er war sich sicher, dass Mrs Granger eine großartige Ministerin sein würde. Es war Mrs Grangers Stimmung die ihn davon abhielt zu gratulieren.
Mrs Granger blickte ins Atrium herab und sprach weiter.
„Es ist komisch. Es sind ja im Grunde gute Nachrichten und ich sehe eine große Chance hier. Kingsley und ich haben immer eng zusammengearbeitet.
Mir wird jetzt erst bewusst wie sehr er mich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Wie sehr er meine Ideen zum Regierungsprogramm gemacht hat.
Trotzdem, aus irgendeinem Grund muss ich an etwas denken, dass passiert ist als ich gerade elf Jahre alt war. In der Schule hatten mich mal wieder ein paar Kinder geärgert. Die Außenseiterin war ich immer. Die mit dem Superhirn! Aber als ich ein gewisses Alter erreichte fingen, wie bei allen jungen Hexen und Zauberern, wunderliche Dinge an um mich herum zu geschehen.
So auch an diesem Tag.
Ein paar Mädchen hatten mich geärgert und ich hab es irgendwie geschafft, dass ihre Schulmilch ihnen in die Nasen gespritzt ist. Die ganze Milche! Aus der Tüte direkt in die Nase.
Die Lehrer haben mich nach Hause geschickt und meine Eltern waren nicht begeistert.“
„Waren sie gemein zu dir?“ fragte Rose und trat neben ihre Mutter.
„Oh nein!“ lächelte Hermine Granger. „Meine Eltern sind Muggel aber sie hatten mich unheimlich lieb. Sie haben sich nur so hilflos gefühlt. Das konnte ich ihnen ansehen. Sie wollten mir helfen! Denn ich ich fand das ja auch gruselig! Aber sie konnten nicht. Sie wussten nichts von Magie und Hexen und Zauberern!
Mein Zimmer war damals im ersten Stock. Ich hab meine Eltern belauscht und hab gehört wie fertig sie wegen mir waren. Ich dachte ich wäre immer nur im Weg und würde sie traurig machen.
Also hab ich angefangen einen Koffer zu packen. Ich hatte so einen aus Stroh damals.
Ich wollte weglaufen damit ich meine Eltern nicht mehr traurig machen würde.
Gerade als ich alles gepackt hatte was ich glaubte zu brauchen hat meine Mum mich runter gerufen.
Den ganzen Weg runter ins Wohnzimmer habe ich nur daran denken können wie sehr ich es vermissen würde das Mum mich ruft.
Als ich ins Wohnzimmer kam hatte sich das Wohnzimmer-Sofa in ein Zebra verwandelt und Professor McGonagall stand da und unterhielt sich mit meinem Vater.
An dem Tag hab ich dann erfahren, dass ich eine Hexe bin.“
Mrs Granger schüttelte den Kopf.
„Und jetzt ist das kleine Mädchen von damals bald Ministerin.“
Rose hatte ihrer Mutter schweigend zugehört. Jetzt umarmte sie ihre Mum und meinte:
„Du wirst das toll machen Mum!“
So, das war es für heute.
Etwas kürzer aber ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen.
Habt eine tolle Woche und bis bald!