Nicht wirklich du
Nicht wirklich du
Auf ein Neues.
Danke für euer Verständnis. Dass ich es letzte Woche nicht geschafft habe.
Geht viel drunter und drüber bei mir.
Heute dachte ich, versuchen wir mal wieder einen anderen Blickwinkel.
Viel Spaß.
Harry Potter klappte die Fallakte zu die er gerade studiert hatte.
Studiert war eigentlich zu viel gesagt.
Er hatte nur kurz überflogen womit die einzelnen Ermittlungsgruppen gerade beschäftigt waren.
Als Leiter des Büros musste er auf dem Laufenden bleiben.
Natürlich hatte der heutige Tag ganz im Zeichen von Hermines Amtseinführung gestanden.
Lächelnd blickte Harry zu einem eingerahmten Bild das neben seinem Schreibtisch an der Wand hing.
Es zeigte Ron, Hermine und ihn selbst. Es war während ihres dritten Schuljahrs auf Hogwarts entstanden.
Wie weit sie doch gekommen waren seid jenen Tagen.
Bücherwurm Hermine....die neue Ministerin für Zauberei.
Er konnte sich keine Bessere für den Job vorstellen.
Hermine hatte eine wundervolle Antrittsrede gehalten und bei dieser Gelegenheit auch die neue Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sportarten in ihr Amt eingeführt.
Harrys Lächeln wuchs in die Breite.
Ginny! Es passte zu ihr, dass sie sich in dieses neue Abenteuer stürzte. So hatte seine Frau immer ihr Leben geführt und es war eine Eigenschaft die er an Ginny liebte.
Molly und Arthur hatte der Wagemut ihres „kleinen Mädchens“ oft an den Rand einer Nervenkriese geführt.
Molly hatte sich eigentlich gewünscht, dass Ginny das Angebot von Kingsely Shacklebolt angenommen hätte.
Der ehemalige Minister hatte allen Hogwartsschülern, die an Harrys Seite gestanden hatten, gute Arbeitsplätze im Ministerium angeboten.
Zum Leidwesen ihrer Mutter hatte Ginny das aber abgelehnt und hatte sich zu einem Testspiel bei Holyhead Harpies angemeldet.
Während sie auf ihr Testspiel wartete hatte sich Ginny bei Harry einquartiert.
Sie hatte sich nicht wirklich mit ihrer Mutter gestritten aber Molly Wasley hatte keine Chance ausgelassen mit ihrer Tochter eine Diskussion darüber zu führen wie wacklig diese Art der Zukunftsplanung doch war.
Harry erinnerte sich noch wie Ginny wütend vor ihm auf- und abgegangen war.
„Sie hat sogar dich ins Feld geführt!“ hatte sie zu Harry gesagt. „Ich meine, wir sind gerade seid zwei Wochen wieder zusammen und Mum hat gemeint, dass ich doch auch an dich....also an unsere Beziehung denken soll! Sie hat gemeint, dass es doch so wundervoll wäre, wenn wir zusammen im Ministerium arbeiten würden. Könnte es denn ein solideres Fundament für eine gemeinsame Zukunft geben?“
Harrys Antwort hatte Ginny etwas besänftigt.
Er hatte gesagt: Das beste Fundament für unsere Beziehung ist, wenn du glücklich bist.
Dann war der große Tag gekommen: Ginnys Testspiel.
Harry war damals so stolz auf sie gewesen. Die Harpies hatten sie mit Kusshand aufgenommen.
Hier war es dann doch zu einem Streit zwischen Mutter und Tochter gekommen.
Ginny hatte ihren Eltern stolz von ihrem Vertrag als Profi-Spielerin erzählt.
Arthur war vor Stolz fast geplatzt aber Molly....nun, auch sie war stolz auf ihre Tochter gewesen aber immer wieder hatte sie betont, dass man doch nur eine gewisse Zeit als Profi spielen könnte und wie unsicher das doch alles wäre.
Damit hatte sie ja auch nicht unrecht aber für Ginny war eine Aufstellung bei den Holyheasds ein Lebenstraum gewesen.
Mutter und Tochter waren übel zusammengerumpelt und es hatte der gemeinsamen Anstrengungen von Harry und seinem damals zukünftigen Schwiegervaters bedurft um die beiden wieder zu versöhnen.
Schließlich hatte Molly sich bei ihrer Tochter entschuldigt. Es war nicht leicht für sie. Über Jahre hatte sie für eine kleine Herde von Kindern sorgen müssen und nun waren alle aus dem Haus.
Ginnys Leistungen auf dem Feld hatten ihre Mutter aber schließlich überzeugt und Ginny hatte dieses Vertrauen noch gestärkt indem sie was das finanzielle betraf sehr verantwortungsbewusst war. Profi-Sportler verdienten gut und Ginny hatte ihr Geld nicht verprasst. Sie hatte beharrlich etwas auf die hohe kannte gelegt und sich so abgesichert.
Als sie und Harry dann geheiratet hatten und sie über eine Familie nachdachten hatte Harry mehr als einmal die Sorge gehabt, ob er Ginny nicht etwas wegnahm.
„Von wegen!“ hatte sie geantwortet. „Du lieferst mir das nächste große Abenteuer!“
Und auf was für ein Abenteuer sie sich eingelassen hatten! Ein dreifaches!
Harrys Blick glitt zu dem Bild auf seinem Schreibtisch, dass seine drei Sprösslinge zeigte und sein Lächeln wuchs in die Breite.
Wie bei allen Zauberfotos bewegten sich die Abbilder von James, Lily und Albus.
Harrys Ältester schnitt auf dem Bild gerade eine lustige Grimasse, Lily bog sich deswegen von Lachen und Al schüttelte den Kopf weil ihm das Ganze offenbar peinlich war.
Harry erinnerte sich noch als Ginny zu ihm gekommen war und ihm freudestrahlend verkündet hatte, dass es geklappt hatte: „Sie“ waren schwanger!
Natürlich hatte Harry sich gefreut aber auch eine Sorge war in ihm erwacht. Eine Sorge über die er nur mit Ron bei einem Fläschchen „Drachenbräu“ reden konnte.
Er hatte sich gefragt ob er überhaupt ein guter Vater sein würde.
Vorgemacht hatte ihm das ja nun wirklich niemand!
„Im Grunde tut mir mein Vetter heute fast leid.“ hatte Harry damals zu Ron gesagt. „Er hat viel Mist gebaut in seiner Jugend und mein Onkel und meine Tante..... Die haben ihn mit teuren Geschenken überschüttet anstatt ihm wirklich Aufmerksamkeit zu geben. Sie haben immer nur Entschuldigungen für all den Mist gefunden den er angestellt hat.“
„Na dann weißt du ja wie man es nicht macht Harry.“ hatte Ron geantwortet. „Aber soll ich dir was sagen: Im Grunde muss jeder von uns doch rausfinden wie man ein guter Vater ist. Mir steht das auch bevor, weißt du? Hermine redet immer häufiger von Kindern und bei Will und Anny ist es das selbe. Lange wird es auch bei mir nicht mehr dauern. Dann werde ich genau da sitzen wo du jetzt schwitzt und soll ich dir was sagen: Auch ich kann dann nicht einfach kopieren was mein Dad gemacht hat. Es gibt da keine eindeutige Methode die du einfach anwenden kannst. Läuft nicht!“
„Also was rätst du mir?“ hatte Harry gefragt.
Ron hatte gegrinst und gesagt: „Das einzige was man dir raten kann: Augen zu und durch und gib dein Bestes!“
Ron hatte recht gehabt und wenn Harry auf seine bisherigen Leistungen als Vater zurückblickte war er wohl kein völliger Versager gewesen.
Oder Ginny eine so gute Mutter, dass sie alle seine Fehler wett machte?
Harry überlegte kurz.....hatte er nicht genug Akten studiert? Und sollte er diese schwerwiegende Frage über Elternschaft nicht seiner Frau stellen?
Ja....das schien ihm eine gute Idee!
Vielleicht würden sie nicht unbedingt über Elternfragen reden.....oder vielleicht sogar gar nicht viel reden.....
Harry erhob sich lächelnd, verließ sein Büro. ER vermutete, dass seine Frau im gemeinsamen Schlafzimmer war, denn die Tür dieses Zimmers war nur angelehnt.
Als Harry das gemeinsame Schlafzimmer betrat saß Ginny mit dem Rücken zu ihm auf dem Bett und betrachtete etwas, dass an einem Kleiderbügel am Schrank hing.
Harry erkannte es. Molly hatte ihrer Tochter ein Geschenk gemacht um ihre neue Stellung im Ministerium zu feiern.
Harrys Schwiegermutter hatte ihrer Tochter einen maßgefertigten Umhang geschenkt der Harry sehr an das erinnerte was Hermine immer so zur Arbeit trug. Eine Kombination aus Zaubererumhang und Business-Kostüm.
Ginny betrachtete das Geschenk gedankenversunken mit schief gelegtem Kopf.
Harry setzte sich hinter sie aufs Bett und legte das Kinn auf Ginnys Schulter. Er spürte Wie Ginny etwas näher zu ihm rückte und ihre Schläfe an seine legte.
„Was denkst du?“ fragte sie ohne den Blick von dem Kostüm abzuwenden.
Harry überlegte einen Moment und betrachtete Mollys Geschenk.
„Wird dir sicher stehen.“ meinte er schließlich. „Aber.....nicht wirklich du?“
„Nicht wirklich ich.“ bestätigte Ginny und schmiegte sich kurz an ihren Mann.
„Ich meine es ist schön.“ fuhr sie fort.“ Mum hat es sogar anfertigen lassen. Aber....“
Ginny seufzte.
„Ich will ja kein Ludo Bagman sein.“ meinte sie. „Ich weiß, dass mein neuer Job nicht nur Spiel und Spaß ist. Für Bagmann....der hat damals cool gewirkt aber im Grunde hat er nur andere seine Arbeit machen lassen. Ich hab Ideen Harry! Es gibt ein paar Missstände im sportlichen Bereich die ich angehen möchte aber.....“
Sie ließ den Blick nochmal über das Kostüm wandern.
„Aber nicht so!“
Harry verstand. Er strich seiner Frau über den Rücken und erhob sich.
Er ergriff den Kleiderbügel auf dem das Kostüm hing und verstaute es im Kleiderschrank.
„Heb es dir für festliche Anlässe auf.“ meinte er. „Für deinen ersten Arbeitstag würde ich vorschlagen.....“
Harry griff in den Kleiderschrank und zog einen hellen Hosenanzug hervor von dem er wusste, dass Ginny ihn mochte und eine einfache malvenfarbene Bluse.
„Das bist du.“ meinte er als er die Kleidungsstücke an die Schranktür hängte.
Ginny lächelte erleichtert und nickte.
„Ja!“ meinte sie zufrieden. „Das bin ich!“
Ginnys Lächeln wuchs in die Breite. Sie hob die rechte Hand und winkte ihren Mann mit dem Zeigefinger näher zu sich heran.
Harry kam der Aufforderung gerne nach.
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Leise schob Albus Potter sich in das Zimmer seiner Schwester. Ein schneller Blick durch Lilys „Schlangennest“ zeigte ihm das er recht gehabt hatte.
Sein Tarnumhang bedeckte, gehalten von der Magie der eingearbeiteten Runenzeichen, an der Wand die Lilys Reich vom Schlafzimmer ihrer Eltern trennte.
Wie durch ein großes Fenster konnte man ins Elternschlafzimmer blicken und Al sah wie seine Eltern sich küssten.
„Lily!“ meinte er drohend. „Ich mag es nicht wenn du einfach so meinen Tarnumhang mopst! Lass mich raten: Du hast dein Spezial-Messer benutzt um an den Umhang zu kommen, richtig?“
„Sorry Al!“ meinte Lily überraschend ruhig.
Das überraschte Albus.
Er hatte mit einer großen Schlacht gerechnet.
Auch die Art wie seine Schwester auf ihrem Bett hockte. Sie hielt eines ihrer Kissen an sich gedrückt und hielt den Blick auf ihrer Eltern gerichtet.
Besorgt setzte sich Albus auf die Bettkante neben Lily.
„Es ist einfach schön sie zu sehen.“ flüsterte Lily schließlich. „Sie zu sehen und zu wissen, dass sie sich an mich erinnern und so.....Du verstehst das, oder Al?“
Zum ersten Mal seid er den Raum betreten hatte blickte Lily Albus an.
Ihr Blick sagte alles.
Albus legte den Arm um seine kleine Schwester.
„Ja, ich weiß was du meinst Lily.“ versicherte er.
„Ich war ganz schön blöd, dass ich das alles für ein großes Abenteuer gehalten habe, oder?“ meinte Lily.
Al kannte das. Seid den dramatischen Ereignissen vom letzten Jahr hatte Lily immer öfter solche Momente. Augenblicke in denen sie einfach die Gewissheit brauchte, dass mit ihren Eltern alles in Ordnung war und so auch mit der Welt.
Meist wurde sie dann auch sehr wütend auf sich selbst weil sie das, was ihre Brüder in den letzten Jahren erlebt hatten, als spannendes Abenteuer empfunden hatte.
„Du warst nicht blöd Lily.“ versicherte Al. „Wenn man nicht drinsteckt klingt so was doch immer spannend. Früher haben James und ich oft Todesser gegen Auroren gespielt. Oben im Dachgarten.
„Mum und Dad wollten nie das ich mitspiele.“ grinste Lily.
„Mum und Dad wollten auch nicht, dass James und ich das überhaupt spielen.“ brummte Al. „Wir haben das damals auch nicht verstanden. Für uns war es einfach ein spannendes Spiel. Jetzt wo ich Leute wie die Todesser mal in Action gesehen habe finde ich das Spiel auch nicht mehr so witzig. Du siehst also: Du warst nicht blöd.“
„Danke Al.“ flüsterte Lily und glücklicherweise schien es ihr etwas besser zu gehen.
„Du....“ meinte sie schließlich.
„Ich werd James hiervon nichts erzählen.“ versprach Al wissend.
Lily grinste dankbar.
„Verzeihung Master Harry...“
Kreachers Stimme erklang aus dem Elternschlafzimmer.
Durch den Umhang konnten Albus und Lily den Hauselfen sehen. Er hatte den Raum betreten und verneigte sich vor Harry und Ginny.
„Ein Besucher ist eingetroffen für Master Harry.“ krächzte der alte Hauself. „Ein Mr Dursley. Dudley Dursley.“
Al und Lily blickten sich mindestens genau so überrascht an wie ihre Eltern.
„Na die Abhöraktion....“ Al wies auf seinen Umhang an der Wand. „....die wird wohl ausgeweitet.“
So, das war es für heute.
Hoffe der kleine Einblick in den Potter-Haushalt hat euch gefallen.
Bis bald. Habt eine gute Woche.