Kleine Bestechung
Kleine Bestechung
Weiter geht’s.
Auf vielfachen Wunsch baue ich auch noch ein Mutter/Tochter-Gespräch ein.
Viel Spaß.
„Es dürfte kein Problem sein Ministerin.“ versicherte das Gesicht von Hildi aus den grünen Flammen von Hermines Mini-Floh heraus. „Es würde vollkommen reichen wenn sie über Mittag für vielleicht zwei Stunden ins Büro kommen würden Ministerin. Es gibt noch ein paar Unterschriften zu leisten. Sicher gibt es die Situation in den USA aber vor uns liegen schließlich die Feiertage. Da lassen auch wir es ja etwas ruhiger angehen.“
Hermine atmete auf. Nach dem Gespräch gestern Abend mit Ron wollte sie sich etwas Zeit für ihre Tochter nehmen und sie war erleichtert, dass dem offenbar nichts im Wege stand.
„Oh!“ meldete sich Hildi plötzlich. „Einen Termin haben sie doch noch Ministerin.“
Hermine spannte sich an.
„Um war geht es denn?“
„Die Leiterin des Büros für Magische Spiele und Sportarten hat heute morgen einen Termin bei ihnen.“
Hermine hätte am liebsten aufgelacht.
„Ich denke, dass können wir ganz einfach lösen Hildi.“ meinte sie beherrscht. „Mrs Potter ist ja immerhin meine Schwägerin und ist damit eine feste Größe auf meiner Besuchsliste. Bitten sie Ginny doch einfach, dass sie kurz zu meinem Wohnsitz appariert. Dann kann ich alles hier mit ihr klären.“
„Verstanden.“ bestätigte Hermines Sekretärin.
„Sonst noch etwas?“ wollte Hermine wissen.
Hildi schien kurz zu überlegen dann meinte sie: „Nein Ministerin. Wie gesagt geht es auf die Feiertage zu und im wesentlichen ist alles in trockenen Tüchern. Die letzte große Hürde wird der Weihnachtsball und dann haben wir ja erst mal ein paar Wochen Ruhe.“
„Wunderbar.“ lächelte Hermine, „Dann klären sie das bitte mit Mrs Potter Hildi und wir sehen uns heute Nachmittag.“
Erleichtert klappte Hermine ihr Mini-Floh zu. Das hatte wunderbar geklappt.
Erleichtert wandte sie sich dem Herd zu.
Ron hatte seiner Frau nur mit äußerstem Unwillen in der Kühe das Regiment überlassen.
Hermine konnte das irgendwo verstehen. Ohne überheblich zu sein konnte sie sich viele Fähigkeiten zurechnen aber eine gute Köchin war sie nicht unbedingt.
Daher hatte Hermine schon von je her ihrem Mann das Regiment in der Küche überlassen.
Ein paar Tricks kannte sie aber doch. Eines dieser kleinen Goldstücke war das Rezept für den Schokoladenpudding den Hermine früher immer mit ihrer Mutter zusammen gemacht hatte.
Dieser Pudding hatte auch das Herz von Rose gewonnen und Hermine hatte ihn heute für ihre Große als kleine Überraschung zubereitet.
Hermine blickte in den Topf auf dem Herd und stellte vergnügt fest, dass der Pudding soweit fertig war. Nun musste er abkühlen.
Zufrieden zog sie den Topf vom Herd.
Lächelnd erinnerte sie sich daran wie sie den Pudding früher immer mit ihrer Mutter gemacht hatte. Das war kein Fertigprodukt auf dem Supermarkt! Fran Granger geborene Sincler bestand auf frischen Zutaten wenn es um ihren Pudding ging!
Für die damals kleine Hermine war die Zubereitung die reine Magie gewesen. Sie hatte jeden Schritt geliebt. Den Geruch, das Rühren....einfach alles!
Es war auch bei der Zubereitung des Puddings gewesen, dass sich bei Hermine das erste Mal Magie gezeigt hatte. Sie war neun Jahre alt gewesen und hatte für ihre Mutter die Eier aus dem Kühlschrank holen sollen. Die Packung war Hermine aus der Hand gerutscht und zu Boden gefallen.
Das wäre das Aus für den Pudding gewesen wenn die Eier kaputt gegangen wären. Hermine hatte gespürt wie eine seltsame Kraft in ihr aufstieg. Sie hatte gespürt das die Eier kaputt gegangen waren und ebenso hatte sie gespürt wie die Kraft sie wieder zusammen setzte.
Als Ihre Mutter dann die Schachtel aufhob hatte sie freudig festgestellt, dass mit den Eiern alles in Ordnung war.
Mrs Granger war damals einfach der Meinung gewesen, dass sie Glück gehabt hatten.
Hermine hatte es besser gewusst aber geschwiegen.
Die Türglocke schreckte Hermine aus ihren Erinnerungen.
Schnell durchquerte sie den Flur und öffnete die Tür.
Wie sie es erwartet hatte konnte sie sich Augenblicke später über die Begrüßungsumarmung ihrer besten Freundin Ginny Potter freuen.
„Morgen Minchen.“ lächelte Ginny als die beiden sich wieder voneinander lösten. „Was verschafft mir denn die Ehre, dass ich hier, auf deinem stattlichen Anwesen empfangen werde.“
„Hör bloß auf Gin.“ lachte Hermine.
Sie harkte sich bei Ginny unter und führte sie Richtung Küche.
Ihre Schwägerin reckte die Nase in die Luft, schnupperte und blickte Hermine dann verstehend an.
„Sorgen mit Rose?“ fragte Ginny.
„Woher....?“ wunderte sich Hermine.
„Der Geruch deines Schokoladenpuddings liegt in der Luft Minchen.“ lächelte Ginny. „Soweit ich weiß bildet der doch immer eine solide Verhandlungsgrundlage mit deiner Rebellin von Tochter.“
Hermine lachte.
„Gut kombiniert Gin.“ lobte Hermine ihre Freundin.
Ginny machte sich einen spaß, knickste übertrieben und ließ sich dann gegenüber von Hermine am Küchentisch nieder.
„Rose war etwas verstimmt weil für sie ein Praktikum geplatzt ist.“ erklärte Hermine.
„Wegen der Sicherheitsmaßnahmen für dich und deine Familie?“ fragte Ginny.
Hermine nickte.
„Ich denke Rose hat es doch ein wenig unterschätzt was es für uns alle bedeutet das ich nun Ministerin bin.“
„Das ist verständlich.“ meinte Ginny. „Es ist eine Sache zu hören was einem abverlangt wird aber es dann zu erleben... Ist es schlimm?“
Hermine schüttelte den Kopf.
„Ron hat die Wogen schon so ziemlich geglättet.“ versicherte Hermine. „Aber ich möchte meiner Großen einfach etwas gutes tun. Ihr zeigen wie wichtig sie mir ist.“
„Dann will ich auch nicht lange stören.“ meinte Ginny verstehend.
„Als ob du stören würdest Tantchen Ginny.“ lachte Hermine. „Aber nun mal Klartext: Worum geht es denn?“
„Eigentlich brauch ich nur eine Unterschrift von dir.“ erklärte Ginny. „Es geht um die Planstelle für die Kontaktperson für das Pakur-Fliegen. Die Sache ist bewilligt worden und nachdem was ich so höre wird der von uns ausgearbeitete Regelkatalog angenommen werden. Damit gibt es eine komplett neue Sportart für die magische Gemeinschaft in ganz Europa!“
Hermine verzog beeindruckt das Gesicht während Ginny weiter erklärte:
„Nun, das Planungskomitee hat die Planstelle bewilligt und deine Unterschrift unter diesem Dokument würde die Sache offiziell machen.“
Ginny rechte Hermine ein zusammengerolltes Stück Pergament.
Hermine überflog es kurz und nickte.
„Kein Problem.“ meinte sie. „Ich unterschreibe es dir gleich aber warum die Eile? Das hätte doch auch bis nach der Weihnachtspause warten können.“
Ginny seufzte und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.
„Ist etwas persönliches.“ räumte sie ein. „Du weißt doch, dass ich die Stelle Cleo Parkinson anbieten will?“
„Hast du mir erzählt.“ bestätigte Hermine. „Macht ja auch Sinn. Der Regelkatalog ist ja von ihr.“
„Richtig.“ nickte Ginny. Sie sammelte sich kurz und erklärte dann. „Es wird dich überraschen Minchen aber die junge Cleo ist mir ziemlich ans Herz gewachsen. Sie ist so gar nicht wie ihre Mutter als wir auf Hogwarts waren. Sie arbeitet hart und kümmert sich sehr liebevoll um ihre kleine Schwester Isis. Die wurde von ihrer Mutter passend zu den Feiertagen zu Hause rausgeworfen.“
„Ich erinnere mich!“ unterbrach Hermine. „Rose hat das in ihrer letzten Eule erwähnt bevor unsere Sprösslinge in die Ferien gestartet sind.“
„Nun, auf Cleo kommt jetzt eine ganz neue Herausforderung zu.“ meinte Ginny bekümmert. „Sie wird selbst gerade mal 19 Jahre alt und muss sich nun ganz allein um ihre kleine Schwester kümmern. Ich wollte ihr die Beförderung quasi als Weihnachtsgeschenk zukommen lassen. Die kleine Gehaltserhöhung kann sie sicher gut gebrauchen.“
Hermine nickte verstehend, angelte sich ihren Federkiel von der Anrichte heran und unterschrieb das Dokument.
„Besten Dank.“ strahlte Ginny.
In der oberen Etage hörten die beiden Hexen wie Türen geöffnet wurden und wie in der Wand eine Wasserleitung zum Leben erwachte.
„Das dürfte meine Große sein.“ meinte Hermine mit einem Blick zur Küchenuhr.
Dort surrten die Plättchen neben Roses Namen gerade und bildeten die Schriftzug: Im Bad.
„Dann verdrücke ich mich mal.“ grinste Ginny und machte Anstalten aus der Hintertür zu verschwinden.
„Ohne zu kosten?“ lächelte Hermine herausfordernd und hielt ihrer Freundin einen vollen Löffel des frischen Puddings hin.
„Du Verführerin.“ lächelte Ginny zurück und nahm die angebotene Kostprobe dankend an.
„Sieht sehr gut aus für deine Verhandlungen.“ meinte sie zwinkernd und verschwand dann endgültig durch die Hintertür.
Hermine beeilte sich nun. Sie stellte Schalen und Löffel auf dem Küchentisch auf und schließlich auch den Topf mit dem frischen Pudding.
Auf der Treppe hörte sie bereits die Schritte von Rose.
Die Küchenuhr zeigte an, dass Ron und Hugo noch schliefen.
Das war absolut nichts ungewöhnliches. Es waren Ferien und noch dazu Wochenende. Vater und Sohn verband eine Gemeinsamkeit: Wenn es die Situation zuließ waren sie Langschläfer.
Zwar gönnte sich auch Rose in den Ferien etwas Ruhe aber trotzdem war sie meist als Erstes auf den Beinen.
Augenblicke später betrat Rose in ihrem blauen Morgenmantel die Küche. Ihren Roten Haarschopf hatte sie bereits mit ihrer Lieblingshaarspange gebändigt aber ein kräftiges Gähnen signalisierte, dass sie noch nicht ganz ausgeschlafen war.
Es versetzte Hermine einen kleinen Stich, dass Rose mit fest traumwandlerischer Sicherheit zum Küchenschrank ging und sich eine Flasche Kürbissaft heraus nahm.
Ihr Große war es gewöhnt, dass ihre Mutter bereits auf der Arbeit war wenn sie aufstand und ihr Vater und Bruder Langschläfer waren.
Hermine rief sich zur Ordnung. Rose war vierzehn Jahre alt. Da war es nicht unbedingt etwas schlimmes, dass sie selbstständig war und sich versorgen konnte.
Rose drehte sich nun um und verschluckte sich fast an ihrem Kürbissaft.
„Mum!“ hustete sie. „Warum,....was...?
Rose schnupperte in die Luft.
„Ist das....?“ fragte sie und deutete auf den Topf.
Hermine nickte und begann eine der Schalen für Rose zu füllen. Eine Zweite befüllte sie für sich selbst.
„Willst du mich bestechen Mum?“ fragte Rose mit hochgezogener Augenbraue als ihre Mutter ihr den Pudding reichte.
„Was habe ich doch für eine kluge Tochter.“ lächelte Hermine und beobachtete wie Rose sich mit einem genießerischen Seufzen einen Löffel Pudding in den Mund schob.
„Klappt es denn?“ fragte sie.
„Würde klappen, wenn es nötig wäre.“ meinte Rose.
Hermine lächelte.
„Ich wollte dir nur zeigen, wie wichtig du mir bist meine Große.“
„Weiß ich doch.“ versicherte Rose.
Sie überlegte kurz.
„Es kam alles nur so plötzlich weißt du?“ meinte sie.
Beide setzten sich an den Küchentisch und Hermine bedeutete ihrer Mutter stumm weiter zu erzählen.
„Ich meine, wir wussten ja, dass das mit der Sicherheit heftig werden würde.“ erklärte Rose. „Aber dann war ich ja erst mal auf Hogwarts und bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles wie immer. Aber dann kamen wir nach Hause und noch bevor ich über die Schwelle war ging es los. Mein ganzer Schulkoffer musste durchsucht werden. Das haben die dann gemacht werden sie Hugo und mich mit einem Geheimnis-Detektor und einer Seriosität-Sonde abgesucht haben. Damit wir auch ganz sicher keinen Attentäter sind die Vielsaft-Trank genommen haben. Alles haben die in meinem Koffer durchwühlt und als sie dann auf einem meiner Umhänge einen Fleck gefunden haben war die Hölle los. Ich konnte denen zwanzig mal sagen, dass das ein Fleck aus der letzten Zaubertrankstunde war. Der Umhang muss zum Ministerium geschickt werden und dort in einem speziellen Labor in der Mysteriums-Abteilung untersucht werden! Die werden sich freuen wenn sie merken, dass es nur mein verpatzter Versuch eines Flüssig-Feuer-Tranks war.“
„Und dann kam die Sache mit dem Praktikum.“ folgerte Hermine. „Es tut mir so leid Schatz.“
„Du kannst ja nichts dafür Mum.“ meinte Rose. „Es war nur einfach alles so viel, verstehst du?“
„Völlig.“ nickte Hermine.
„Und dann kam mir dieser Gedanke, dass das von jetzt an immer so weitergehen wird!“ fuhr Rose fort. „Ich meine, mir wurde klar, dass ich mein ganzes Leben lang im Grunde keinen anderen Minister gekannt habe als Mr Shacklebolt! Da ist mir klar geworden, um was für einen Zeitraum es hier geht. Das hat mir Angst gemacht. Dad hat mir da aber gut geholfen.“
„Und mich hat es auf eine Idee gebracht.“ warf Hermine ein als Rose sich einen weiteren Löffel in den Mund schob.
Hochgezogene Augenbrauen signalisierten, dass sie zuhörte.
„Ich denke es wäre vielleicht Zeit für eine Reform.“ meinte Hermine. „Die Tatsache, dass Minister so lang im Amt bleiben können geht noch auf den Vorläufer des heutigen Ministeriums zurück. Den Rat der Zauberer. Der wurde durch das was wir heute haben ersetzt als das Geheimhaltungsabkommen eine besser strukturierte Regierung nötig machte. Der Rat wählte nämlich einen Vorsitzenden auf Lebenszeit.“
„Keine gute Idee.“ meinte Rose. „Da kann so viel passieren.“
„Eben.“ meinte Hermine. „Ich denke ich werde ein Gesetz einbringen, dass die Amtszeit von Ministerin begrenzt. So auf maximal zehn Jahre dachte ich. Das spornt den Amtsinhaber an sich Mühe zu geben etwas geschafft zu bekommen und verhindert, dass sich Seilschaften bilden.“
„Finde ich gut!“ meinte Rose zwischen zwei Löffeln. „Aber was willst du dann machen wenn deine Zeit abläuft.“
„Da mach dir mal keine Sorgen.“ lachte Hermine. „Es gibt viele Organisationen die davon profitieren würden einen ehemalige Ministerin in ihren Reihen zu haben und wo ich etwas bewegen kann. Ich werde mich nicht zum alten Eisen begeben nur weil ich nicht mehr im Ministerium bin.“
„Hoffentlich nicht.“ grinste Rose über ihren Löffel hinweg. „Wer be3ssticht mich denn sonst so wunderbar.“
So, das war es für heute.
Einen guten Start in die neue Woche wünsche ich.
Bis bald.