Alte Magie Teil 1
Alte Magie Teil 1
Weiter geht’s.
Diese Woche hab ich die Zeit. Da will ich euch auch nicht warten lassen.
Viel Spaß.
Seufzend lehnte sich Harry in dem Stuhl hinter seinem Schreibtisch zurück und ließ müde die Akte sinken die er gerade studiert hatte.
Büroarbeit laugte einen aus wie kaum etwas anderes auf der Welt.
Fast vermisste er die Zeiten als er noch im Außendienst gewesen war.
Ginny sah das natürlich anders.
Fast glaubte Harry ihre Stimme zu hören.
„Ich bin ganz froh, dass du es nun etwas ruhiger angehen lässt Mr. Potter.“ hatte sie zu ihm gesagt an dem Abend als er feierlich zum Leiter des Aurorenbüros befördert wurde. „Ich hab dich geheiratet mit allem drum und dran. Das bedeutet aber nicht, dass es einfach für mich war, zu wissen, dass du rumrennst und schwarze Magier jagst.“
Das hatte Harry schon einen kleinen Schlag versetzt. Ja, einen Auror zum Mann zu haben war gewiss nicht einfach und Harry wusste auch, dass er aus seiner jetzigen Position heraus weit mehr für die magische Gesellschaft tun konnte als wenn er sich mit gezücktem Zauberstab in den Kampf stürzte.
Er zog sich die Brille von der Nase und begann sich den Nasenrücken zu massieren.
Im Grunde ging es ja auch gar nicht um die Büroarbeit.
Was ihm zu schaffen machte war etwas ganz anderes.
Es waren fast zwei Wochen vergangen seitdem Harry mit dem Leiter der Mysteriums-Abteilung gesprochen hatte.
Harry hatte es als großen Erfolg verbucht, dass sich Eterius Fog auf seine Seite gestellt hatte.
Kurz hatte Harry sich der Hoffnung hingegeben, dass der Umstand, dass der Leiter der Abteilung auf seiner Seite stand schnelle Ergebnisse bedeuten würde.
Er hatte sich geirrt.
In de4n vergangenen zwei Wochen hatte er nichts von der Mysteriums-Abteilung gehört.
Ein Umstand der ihn zunehmend belastete.
Harry seufzte erneut und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
Frustriert starrte er an die Decke.
Warum ging ihm das so nahe?
Er war jetzt über zwanzig Jahre lang Auror! Eigentlich sollte er da doch ein dickes Fell haben.
Harry wusste was Ginny dazu sagen würde.
Fast glaubte er ihre Stimme zu hören:
„Du bist ein Macher Mr Potter. Wenn du ein Problem siehst oder eine Ungerechtigkeit wahrnimmst, dann willst du die Sache angehen und bist nicht zufrieden bevor es gelöst ist. Om Grunde liebe ich das an dir auch wenn es mich manchmal in den Wahnsinn treibt. Aber du bist nun einmal einer von diesen Leuten die den ganzen Tag damit verbringen können ein total verheddertes Seil zu entwirren. Nicht weil du das Seil brauchst sondern weil der Umstand, dass es verheddert ist gegen deinen Sinn für Ordnung im Universum ist. Manchmal versuche ich mir dich vorzustellen wie du an einem schönen Strand sitzt ohne irgendetwas zu tun. Diese Fantasie endet immer damit, dass dein Kopf explodiert.“
Harry lachte leise.
Ja, genau das würde Ginny sagen und sie hatte recht.
Es frustrierte ihn, dass er in der Sache Crowfield nicht weiter kam.
Er hatte überlegt Mr Crowfield vorzuladen und zu befragen.
Den Gedanken hatte er schnell wieder verworfen.
Er hatte einfach noch nicht genug in der Hand. Der Umstand allein, dass sich Crowfield ein Tagebuch eines namenhaften Kobold-Schmieds gekauft hatte war schließlich nicht verboten.
Natürlich hätte er versuchen können Mr Crowfield einzuschüchtern.
Die „Wir haben sie im Auge“-Nummer.
Diese Art Druck auszuüben war zuweilen recht erfolgreich aber sie war kein Allheilmittel. Man musste abwägen gegen wenn man sie einsetzte und Harry war überzeugt: Mr Crowfield war nicht die Art von Mensch der sich einschüchtern ließ. Darüber hinaus schätzte Harry den Großvater von Albus Freund Danny als jemanden ein der starke Nerven hatte und intelligent genug war um zu erkennen, dass Harry einfach noch nichts gegen ihn in der Hand hatte.
Nein, der Moment die Karten auf den Tisch zu legen war noch nicht gekommen.
Ein Klopfen an der Tür zu seinem Büro schreckte Harry aus seinen Gedanken.
Dennis Creevey steckte den Kopf ins Büro.
„Entschuldigen sie Bitte Mr Po... ich meine Harry aber da ist Besuch für sie gekommen.“
„Danke Dennis.“ antwortete Harry. „Ich habe gerade Zeit. Um wen handelt es sich?“
Dennis schien etwas verlegen zu werden.
„Es ist,....naja.... Ellia Imaginato. Sie ist Divisions-Leiterin in der Mysteriums-Abteilung.“
Harry wurde hellhörig.
Das Dennis etwas nervös war konnte er verstehen. Das die Unsäglichen Kontakt zu anderen Abteilungen des Ministeriums suchten war ungewöhnlich!
Sie blieben im Grunde immer unter sich.
Für Harry brachte der ungewöhnliche Umstand, dass eine Divisions-Leiterin der Mysteriums-Abteilung Kontakt zu ihm suchte Hoffnung. Vielleicht ging es um seine Anfrage.
„Ich lasse bitte Dennis.“ sagte er daher.
Augenblicke später trat eine Frau ein die Harry als ein echtes Original einstufte.
Er schätzte die Hexe die ihm freundlich die Hand reichte etwa auf Mitte achtzig.
Wie die meisten Zauberer und Hexen in ihrem Alter war sie überdurchschnittlich rüstig, hatte ein freundliches und offenes Gesicht und (und eben dieser Umstand machte sie zu einem Original) ihre Haare strahlten in allen Farben des Regenbogens.
„Mr Potter, es ist mir ein Vergnügen.“ sagte sie. „Ellia Imaginato. Leiterin der Forschungsgruppe für Gefühle und Fantasie in Wechselwirkung mit der Magie.“
„Oh,“ erwiderte Harry. „Ich glaube mein Freund Ron hat mal Bekanntschaft mit einem ihrer Experimente gemacht.“
„Ihr Besuch damals hat Eindruck bei uns hinterlassen.“ lächelte Ellia Imaginato. „Fantasie kann tiefe Wunden verursachen. Ich hoffe ihr Freund hat es gut überstanden?“
„Hat er.“ sagte Harry und bemühte sich um ein Lächeln. Er wollte Ellia Imaginato nicht verärgern aber im Grunde bereute er es das er seinen „Besuch“ in der Mysteriums-Abteilung während seiner Schulzeit erwähnt hatte. Er war Voldemort dort in die Falle gegangen und hatte Sirius verloren.
Schnell verscheuchte er diesen bitteren Gedanken.
„Darf ich ihnen etwas anbieten?“ fragte er höflich.
Ellia wehrte ab.
„Geht es um meine Anfrage von vor zwei Wochen?“ erkundigte sich Harry daher.
„In der Tat.“ bestätigte Ellia und Ernst fiel wie ein Schatten über ihr sonst so fröhliches Gesicht.
„Ihre Anfrage ist in den letzten zwei Wochen bei und Abteilungs-Leitern heiß diskutiert worden Mr Potter.“ erklärte sie. „Sie berührt eines der am besten gehüteten Geheimnisse meiner Abteilung. In den falschen Händen kann das Wissen das sie suchen zu einer tödlichen Gefahr werden.“
Harry beugte sich vor und legte die Unterarme auf seinem Schreibtisch ab.
„Ellia, ich verspreche ihnen jede nur mögliche Form der Geheimhaltung aber die Vorgänge dich ich verfolge bedrohen die Hogwarts-Schule. Meine Kinder besuchen diese Schule zur Zeit.“
„Ich weiß. Meine Enkelin ebenfalls.“ sagte Ellia Imaginato.
Sie lachte als sie Harrys überraschten Gesichtsausdruck sah.
„Die meisten Leute sind überrascht wenn sie hören, dass „Unsägliche“ auch ein Privatleben haben.“
„Ich entschuldige mich.“ lächelte Harry.
Ellia winkte ab.
Schon gut.“ meinte sie und atmete tief durch. „Um die Bedrohung zu verstehen der wir uns gegenüber sehen müssen sie wissen, dass es in der magischen Gesellschaft eine sehr seltene Begabung gibt. So wie es Seher gibt oder Metamorphmagie gibt es die sogenannten Kinder der alten Magie.“
„Alte Magie?“ wunderte sich Harry.
„Wir wissen heute, dass das eine etwas ungenaue Beschreibung ist.“ erklärte Ellia. „Ein Kind der alten Magie kann seine Zauberkraft auf einzigartige Weise nutzen. Herausforderungen die für einen Magier ohne dieses Talent Jahre der Übung erfordern sind für so begabte Hexen und Zauberer ein Kinderspiel. Kinder der alten Magie können Spuren der Magie erkennen und für sich nutzen.
Die Gabe ist äußerst selten! In den letzten 1000 Jahren hat es auf der ganzen Welt vielleicht 14 Kinder der alten Magie gegeben.“
„Warum nennt man es alte Magie?“ wollte Harry wissen.
„Es ist im Grunde nicht die Magie die alt ist sondern die Art der Nutzung der Magie.“ erklärte Ellia. „Keine Zaubersprüche. Allein der Wille und das Gefühl für Magie.
Ein Kind der alten Magie war ein Mann mit Namen Percival Rackham. Er lebte so um 1470 und war selbst ein Professor an der Hogwarts-Schule. Er fand unter seinen Kollegen gleichgesinnte und gründete einen magischen Zirkel der sich „die Hüter“ nannte. Rackham unterrichtete seine Freunde im Umgang mit der „alten Magie“. Bis zu einem gewissen Grad kann jeder von uns diese Anwendung der Magie lernen. Gewisse Fähigkeiten sind aber denen vorbehalten die mit dieser Gabe geboren sind.
Die Hüter erkannten das Potential dieser Anwendungsform und beschlossen es zu erforschen und zu schützen.
Schließlich entdeckten sie, dass eine junge Hexe mit Namen Isidora Morganach über die Gabe verfügte. Sie war ein Kind der alten Magie.
Rackham nahm sie unter seine Fittiche und unterrichtete sie.“
„Ich vermute mal, dass das eine Entscheidung darstellt die er später bedauert hat?“ warf Harry ein.
„Bitterlich!“ bestätigte Ellia. „Tragischer Weise begann Isidoras Fall, wie so oft, mit guten Absichten. Isidoras Familie hatte es nicht leicht gehabt. Ihre Mutter starb früh und während einer verherenden Dürre verlor sie ihren jüngeren Bruder. Besonders hart trafen diese Verluste ihren Vater. Als Isidora in der alten Magie unterwiesen wurde erkannte sie wie einfach es diese Form der Magienutzung macht die Dinge zu beeinflussen. Sie wurde besessen von der Idee, dass man die Magie nutzen könnte um einem geliebten Menschen seinen Schmerz zu nehmen. Dabei rede ich nicht von körperlichem Schmerz sondern von emotionalem Leid.“
Harry wurde hellhörig.
„Das stelle ich mir gefährlich vor.“ sagte er. „Ein Mensch ist die Summe all seiner Erfahrungen. Zum Guten wie zum Schlechten. Wenn man einen Schmerz einfach nimmt destabilisiert man damit nicht alles was ein Mensch ist? Seine ganze Persönlichkeit?“
Ellia Imaginato wirkte nicht nur angenehm überrascht sondern regelrecht erleichtert.
„Vollkommen richtig Mr Potter.“ bestätigte sie. „Ich bin froh, dass sie diese große Gefahr erkennen. Man kann einen Menschen auf diesem Weg regelrecht zerstören. Sein ganzes Wesen kann sich verändern und im schlimmsten Fall ist das nur der Anfang. Es besteht die Möglichkeit, dass eine Seele regelrecht kollabiert. Man kann einen Menschen zu einer leeren Hülle machen die unfähig ist noch irgendetwas zu fühlen. Und Mr Potter.....das ist nur der Anfang.“
So, an dieser Stelle geht es im nächsten Kapitel weiter.
Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und bis bald!