Kapitel 12 - Unausgesprochen
Kapitel 12 - Unausgesprochen
Einige Wochen waren seit jenem Abend vergangen.
Wochen, in denen sich zwischen Yami und Yugi etwas verändert hatte, ohne dass einer der beiden genau hätte sagen können, wann es eigentlich passiert war.
Am Anfang hatte Yami die Freundschaft für weitaus schwieriger gehalten. Nachdem Yugi ihm seine Freundschaft angeboten hatte, war da zunächst dieses nagende Gefühl gewesen. Dieses Wissen, dass er mehr wollte, als bloss mit ihm befreundet zu sein. Dass es ihm wahrscheinlich nicht reichen würde, Yugi einfach nur nahe zu sein, ohne ihn wirklich für sich haben zu können.
Doch je mehr Zeit verging, desto leiser wurden die Gedanken.
Nicht, weil seine Gefühle verschwunden wären. Ganz im Gegenteil.
Yami begann einfach, die Dinge so zu nehmen, wie sie kamen.
Er genoss die Freundschaft mit Yugi. Die Gespräche, die sich manchmal über Stunden zogen, ohne dass sie überhaupt bemerkten, wie spät es geworden war. Die kleinen Nachrichten zwischendurch, die manchmal aus kaum mehr als einem Satz bestanden und Yami trotzdem ein Lächeln entlockten. Die langen Telefonate, wenn sie beide keine Zeit fanden, sich zu sehen, aber keiner von ihnen wirklich aus das Gespräch verzichten wollte.
Es waren keine grossen oder bedeutungsvollen Dinge. Kein besonderer Anlass, kein spektakuläres Erlebnis.
Vielleicht war das genau der Grund, warum sie Yami so viel bedeuteten.
Yugi war einfach da.
Manchmal sass er mit seinem Laptop im Laden an der Theke, während Yami sich einen Stuhl schnappte und sich neben ihn hinsetzte um ihm dann zu erzählen was ihn gerade beschäftigte. Ein anderes Mal liefen sie nach Feierabend nicht ein Stück gemeinsam durch die Strassen, obwohl beide längst hätten zu Hause sein müssen. Und manchmal bekam Yami mitten am Tag eine Nachricht von ihm, völlig belanglos und ohne jeden besonderen Grund.
Es hatte sich eine Selbstverständlichkeit zwischen ihnen entwickelt, die Yami anfangs nicht für möglich gehalten hätte. Er musste Yugi nicht mehr mit irgendeinem Vorwand sehen. Er musste kein Spiel kaufen oder sich etwas einfallen lassen, nur um ein paar Minuten mit ihm verbringen zu können.
Er durfte ihn einfach kennenlernen.
Wirklich kennenlernen.
Und mit der Zeit bemerkte er immer mehr Kleinigkeiten an ihm.
Er wusste mittlerweile, wann Yugi müde war und wieder einmal zu viel gearbeitet hatte. Dann wurden seine Nachrichten kürzer, seine Antworten kamen langsamer und manchmal blieb mitten im Gespräch ein paar Sekunden länger Stille, bevor er überhaupt reagierte. Yami hatte ausserdem festgestellt, dass Yugi beim Nachdenken unbewusst mit einem Finger gegen seine Lippe tippte.
Und er wusste, dass Yugi viel zu oft zuerst darauf achtete, wie es den Menschen um ihn herum ging, bevor er überhaupt darüber nachdachte, was er selbst brauchte. Und da kam dann Yami, der sich dieser Aufgabe angenommen hatte.
Vor allem aber stellte Yami fest, dass dieser Mann vermutlich noch viel mehr arbeitete, als er ursprünglich angenommen hatte.
Yugi war ein Workaholic.
Es schien kaum einen Tag zu geben, an dem er nicht irgendeine Aufgabe zu erledigen hatte. Unter der Woche arbeitete er bis spätabends bei der Kaiba Corporation. Samstags half er seinem Grossvater im Laden. Und wenn Yami einmal dachte, Yugi könnte sich jetzt endlich zurücklehnen, schnappte dieser sich seinen Laptop und machte sich von zu Hause aus an die nächste Aufgabe.
Es war beinahe schon faszinierend.
Und gleichzeitig etwas, worüber Yami sich regelmässig den Kopf zerbrach.
Denn genauso gut, wie Yami Yugi inzwischen kannte, kannte Yugi auch ihn.
Yugi bemerkte sofort, wenn Yami schlechte Laune hatte, selbst wenn dieser behauptete, alles sei in Ordnung. Er merkte, wenn Yami sich wieder um Dinge sorgte, die er eigentlich nicht beeinflussen konnte. Und wenn Yami einmal irgendwo in Schwierigkeiten geriet, was zugegeben häufiger vorkam, als ihm lieb war, war Yugi meist nicht weit.
Er tauchte einfach auf.
Manchmal mit einem amüsierten Lächeln. Manchmal mit diesem Blick, der eindeutig sagte, dass Yami selbst schuld war. Und manchmal sagte er überhaupt nichts sondern blieb einfach bei ihm.
Genau solche Momente waren es, die Yami inzwischen nicht mehr missen wollte. Es war irgendwie leicht geworden. Nicht immer einfach, aber leicht genug, dass Yami aufgehört hatte, ständig darüber nachzudenken, was ihre Freundschaft für ihn bedeutete.
Zumindest meistens.
Denn manchmal gab es diese kleinen Augenblicke.
Wenn Yugi neben ihm sass und ihre Schultern sich leicht berührten.
Wenn Yugi ihn mit diesem besonderen Lächeln ansah, dass Yami mittlerweile von den vielen anderen unterscheiden konnte.
Dann erinnerte sich Yami wieder daran dass seine Gefühle nicht einfach verschwunden waren.
Sie waren nur leiser geworden.
Und vielleicht war das gar nicht so schlecht. Er begann zu verstehen, dass Nähe nicht immer bedeutete, jemanden besitzen zu müssen. Manchmal bedeutete Nähe auch einfach, jemanden in seinem Leben zu haben. Und Yugi war mittlerweile ein fester Bestandteil davon.
Ihm fielen aber auch die Unterschiede auf, wenn Yugi mit seinen Freunden zusammen war. Es war beinahe so, als würde bei jedem von ihnen eine andere Seite von ihm zum Vorschein kommen.
Bei Ryou verhielt sich Yugi beinahe wie ein grosser Bruder. Er achtete auf ihn, ohne dass es besonders auffällig wirkte. Wenn Ryou irgendwo in eine unangenehme Situation geriet, war Yugi meistens der Erste, der es bemerkte und ihn mit einer Selbstverständlichkeit daraus manövrierte. Ryou quittierte diese beschützende Art zwar hin und wieder mit einem genervten Augenrollen, doch Yami hatte längst verstanden, dass er sie insgeheim zu schätzen wusste.
Bei Joey war Yugi dagegen kaum widerzuerkennen.
Joey schien eine ganz besondere Fähigkeit zu besitzen, Yugis vernünftige und überlegte Seite einfach auszuschalten. Bei ihm musste Yugi niemand sein, der alles im Griff hatte. Er konnte sich zurücklehnen, herumalbern und einfach Dinge tun, ohne vorher darüber nachzudenken, ob sie auch nur annähernd vernünftig waren.
Genau das machte ihre Freundschaft aus.
Die Beiden brachten sich gegenseitig in Schwierigkeiten, nur um sich anschliessend gemeinsam wieder daraus zu befreien. Sie waren die Art von Freunden, mit denen man vermutlich tatsächlich Pferde stehlen konnte und bei Joey traute Yami ihnen beiden sogar zu, dass sie es irgendwann ernsthaft versuchten. Aber wenn es darauf ankam, war Joey da und Yugi wiederum auf seine ganz eigene Art.
Und Tea?
Bei ihr trat noch einmal eine völlig andere Seite von Yugi hervor.
Yami hatte durchaus schon bemerkt, dass Yugi feminine Charakterzüge hatte, wenn er wollte. Bei Tea schien er diese Seite jedoch besonders ungezwungen zu zeigen. Er hörte ihr geduldig zu, selbst bei Themen, bei denen Yami schon längst innerlich abgeschaltete. Wenn Tea über irgendein Problem mit einem Mann erzählte, konnte Yugi plötzlich erstaunlich viel dazu beitragen. Und sobald sie anfing zu lästern, dauerte es meistens nicht lange, bis er sich ebenfalls einmischte.
Yami musste jedes Mal schmunzeln, wenn er die beiden dabei beobachtete.
Tea hatte einmal scherzhaft gemeint dass sie unter ihren Freunden schliesslich jemanden brauchten mit dem sie auch über solche Dinge reden konnte. Und Yugi schien diese Rolle ganz selbstverständlich übernommen zu haben.
Es war faszinierend, wie unterschiedlich er mit jedem von ihnen umging.
Doch bei Yami war es ganz anders.
Zwischen Yami und Yugi gab es keine grossen Hemmungen mehr. Keine Notwendigkeit immer stark oder gut gelaunt zu wirken.
Es war eine Nähe, die Yami nur schwer beschreiben konnte.
Und da war noch etwas.
Yugi suchte seine Nähe, immer wieder.
Es waren meistens nur Kleinigkeiten. Wenn sie gemeinsam unterwegs waren, hakte er sich bei ihm ein, ohne überhaupt darüber nachzudenken. Wenn sie irgendwo nassem rückte er näher. Manchmal lehnte er sich beim Reden leicht gegen Yamis Schulter oder blieb noch einen Moment länger an seiner Seite, ehe sie weitergingen.
Yami hatte irgendwann begonnen darauf zu achten.
Und jedes Mal stellte er aufs Neue fest, wie wenig Yugi sich dabei dachte.
Für Yugi war eine Berührung am Arm nichts besonderes. Eine Hand auf der Schulter bedeutete nichts weiter als Nähe. Sich einzuhaken, wenn man nebeneinander herging, war für ihn genauso selbstverständlich, wie gemeinsam zu lachen oder stundenlang miteinander zu reden.
Yugi war beinahe verschmust.
Und Yami wusste noch immer nicht so recht, wie er damit umgehen sollte.
Nicht, weil es ihm unangenehm war, ganz im Gegenteil. Genau das war das Problem.
Denn während Yugi sich dabei nichts dachte, musste Yami sich immer wieder daran erinnern nicht zu viel hineinzuinterpretieren. Keine Hoffnungen daraus machen. Nicht in jeder Berührung etwas zu sehen, das vielleicht gar nicht da war.
Es war Freundschaft.
Für Yugi war es vermutlich nicht mehr als das.
Yami wusste das.
Trotzdem konnte er nicht leugnen, dass gerade diese selbstverständliche Nähe es ihm manchmal besonders schwer machte, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten.
Denn Yugi war ihm nahe.
Wirklich nahe.
Er schüttelte den Gedanken schliesslich ab und beugte sich wieder über die Bestellliste, die vor ihm ausgebreitet lag. Er hatte genug Arbeit vor sich und sollte sich nicht so ablenken lassen.
Im Yoru war es um diese Uhrzeit noch vergleichsweise sehr ruhig. Die gedämpfte Musik aus den Lautsprechern füllte den Raum, ohne die Gespräche der wenigen Gäste zu übertönen.An der Bar standen bereits einige leere Gläser, die darauf warteten, abgeräumt zu werden, während aus dem hinteren Bereich gelegentlich das Klappern von Geschirr zu hören war. Durch die Fenster fiel noch Tageslicht herein und mischte sich mir der warmen Beleuchtung des Clubs.
Seit Wochen warteten sie auf die Karaoke-Station, die bald im Yoru eintreffen sollte. Die Idee war ihnen schon vor einiger Zeit gekommen. Karaoke gehörte in Japan schliesslich zum Nachtleben dazu und gerade beim Feiern war es für viele kaum noch wegzudenken. Irgendwann würde vermutlich noch jemand noch auf die Idee kommen, dem DJ sein Mikrofon aus der Hand zu reissen, nur um allen ein Sternchen zu singen.
Warum also nicht gleich dafür sorgen, dass das Yoru entsprechend ausgestattet war?
Yami liess seinen Blick noch einmal über die Liste wandern und ging die einzelnen Positionen durch. Die Station selbst, die notwendige Technik, mehrere Mikrofone und zusätzliches Zubehör. Soweit er sehen konnte, hatten sie an alles gedacht.
„Ich glaube, wir haben alles.“
Bakura, der bisher auf der anderen Seite der Bar gestanden und die Liste nur beiläufig mitverfolgt hatte, beugte sich nun ebenfalls etwas weiter vor. Sein Blick wanderte über die einzelnen Positionen, bevor er zustimmend nickte.
„Sieht so aus.“
Yami nahm die Liste etwas näher zu sich und tippte mit dem Finger auf den unteren Teil.
„Jetzt müssen wir nur noch entscheiden, wo wir sie hinstellen.“
Er hob den Kopf und liess seinen Blick durch den Club wandern.
Hinter dem Sitzbereich wäre genug Platz. Gleichzeitig lag die Ecke weit genug von der Tanzfläche und dem DJ entfernt, sodass sich die beiden Bereiche nicht gegenseitig störten. Yami konnte sich bereits ziemlich genau vorstellen, wie es später aussehen würde.
„Am besten stellen wir sie dort hinten hin, neben den Sitzbereichen. Dann ist das bisschen für sich und beisst sich dann nicht mit dem DJ. Die Gäste können selbst entscheiden, ob sie dort zuhören oder bei der Musik bleiben wollen.“
Bakura folgte seinem Blick und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wir werden nach Mitternacht wahrscheinlich kaum noch jemand von dem Ding wegbekommen, wenn die Leute nach ein paar Drinks nach dem Mikro greifen“, lachte Bakura und da hatte er vermutlich auch recht damit.
Yami musste lachen.
„Das wird vermutlich unser grösstes Problem.“
„Als ob wir die Leute freiwillig nach Hause schicken würden“, erwiderte sein weisshaariger Freund.
„Stimmt auch wieder.“
Yami lehnte sich zurück und liess seinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen. Je länger er darüber nachdachte, desto deutlicher konnte er sich das Ganze vorstellen. Eine Gruppe, die sich um die Station versammelte. Einer sang völlig schief, während die anderen ihn grölend unterstützten.
Und spätestens nach Mitternacht würde wahrscheinlich mindestens einer der Gäste davon überzeugt sein, seine eigentliche Berufung gefunden zu haben.
Yami grinste bei dem Gedanken. Das konnte durchaus interessant werden. Gerade wollte er die Liste zusammenfalten, als sich die Eingangstür des Yoru öffnete.
Ein kurzer Luftzug strich durch den Raum. Yami hob den Blick zunächst nur beiläufig. Dann blieb er hängen.
Yugi.
Er stand am Eingang und sah sich kurz um, offenbar auf der Suche nach jemandem. Schliesslich wanderte sein Blick zur Bar und als er Yami entdeckte, erschien ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen.
Es war erstaunlich, wie schnell Yami inzwischen darauf reagierte.
Noch bevor er bewusst lächelte, hatte sich sein Gesichtsausdruck bereits verändert. Yugi kam langsam auf die Bar zu. Die Hände hatte er in den Taschen seiner Jacke vergraben, während sein Blick zwischen den wenigen Gästen hindurch zu ihnen wanderte.
„Hey, Freund.“
„Hey.“
Yami musterte ihn kurz. Er sah müde aus. Nicht völlig erschöpft, aber doch so, als hätte der Tag bereits einige Stunden zu viel von ihm verlangt.
„Was verschlägt dich hierher? Schon fertig in der Kaiba Corp?“
Yugi zuckte leicht mit den Schultern.
„Ich wurde von Seto gezwungen früher Feierabend zu machen. War gerade in der Nähe.“
Yami hob leicht eine Augenbraue.
„Immerhin einer der dafür sorgt, dass du nicht ständig Überstunden schiebst.“
„War klar, dass du das befürwortest.“
Yugi verzog leicht das Gesicht und zog eine Hand aus seiner Jackentasche. Er strich sich damit kurz über den Ärmel, bevor er sich näher an die Bar stellte.
„Benehmt euch, als wär ich euer Baby.“
Yami musste erneut schmunzeln.
Jeder bemutterte ihn, dass er etwas zurücktreten sollte, aber keiner verstand so richtig, wie wichtig Yugi das Alles war und das für ihn seine Arbeit sich nicht wie Arbeit anfühlte, so wie es andere bei sich selbst empfanden.
„Was macht ihr da?“
Yami hielt die Liste etwas hoch.
„Wir wollten noch einmal überprüfen, ob wir wirklich alles bestellt haben, was wir brauchen.“
Yugi beugte sich neugierig über die Liste und kam Yami damit wieder erstaunlich nahe. Er roch sein angenehmes Parfum, dass inzwischen zu seinem Lieblingsduft wurde. Yugis langen Wimpern kamen aus der Perspektive besonders zur Geltung. Seine Augen wanderten über die Liste, bis er schliesslich an einem bestimmten Punkt hängen blieb.
„Die Karaoke-Station?“
Yami nickte.
„Sie soll in den nächsten Tagen ankommen.“
Ein kleines, interessiertes Lächeln erschien auf Yugis Gesicht. Gleichzeitig legte er wie selbstverständlich eine Hand auf Yamis Schulter.
„Na, endlich! Dann hört dein Gejammer auch endlich auf, wann sie ankommt. Meine Ohren haben schon angefangen zu bluten“, neckte ihn der Kleinere, woraufhin Yami schnaubte und ihm in die Seite zwickte.
Yugi lachte, schnappte sich die Liste aus der Hand und überflog die einzelnen Positionen. Dann setzte er sich auf den Barhocker neben Yami. Yami beobachtete ihn aus dem Augenwinkel.
Es war nur eine kleine Bewegung gewesen. Yugi dachte vermutlich nicht einmal darüber nach, wie selbstverständlich er sich inzwischen neben ihn setzte. Für Yami bedeutete es trotzdem mehr.
Er zwang seinen Blick zurück auf die Bar.
„Das wir hier bestimmt lustig“, meinte Yugi schliesslich und gab seinem Freund die Liste zurück.
„Das glaube ich auch. Fehlt nur noch die Playlist.“
Yami griff nach seinem Laptop, der noch immer neben der Liste lag. Kaum öffnete er das entsprechende Programm, erschien erneut dieselbe Fehlermeldung auf dem Bildschirm. Sein Gesicht verfinsterte sich.
„Nicht schon wieder.“
Er klickte noch einmal.
Nichts.
Noch einmal.
Wieder dieselbe Meldung.
Yami atmete hörbar aus und schon den Laptop ein Stück von sich weg.
„Was ist?“
„Das scheiss Teil spinnt schon wieder.“
Yugi warf einen Blick auf den Bildschirm, dann auf Yami. Dann wieder auf den Bildschirm. Ein paar Sekunden sagte er nichts und beobachte seinen Freund, der wieder erneut auf das Programm klickte. Er sah inzwischen aus als würde er demnächst wie ein Vulkan ausbrechen. Seine Nerven waren nicht unbedingt die stärksten, wie Yugi langsam über die gemeinsame Zeit feststellen musste.
Wieder klickte Yami etwas und fluchte dabei vor sich hin.
Yugi rollte mit den Augen, ehe er sie kurz schloss.
„Gib schon her.“
„Was?“
Noch ehe Yami überhaupt richtig reagieren konnte, hatte Yugi ihm den Laptop bereits aus der Hand genommen. Yugi setzte sich etwas aufrechter hin und begann sich durch die geöffneten Fenster zu klicken.
Auf dem Bildschirm tauchten innerhalb weniger Sekunden verschiedene Dateien und Menüs auf. Zahlen und Buchstaben reihten sich aneinander, während Yugi scheinbar mühelos zwischen den einzelnen Fenster wechselte. Für Yami sah das Ganze nach einem einzigen unverständlichen Buchstabensalat aus.
Er beugte sich etwas näher heran.
„Was machst du da?“
Yugi antwortete ihm nicht. Seine Augen bewegten sich konzentriert über den Bildschirm, während seine Finger schnell über das Touchpad glitten. Er öffnete ein weiteres Fenster, wechselte in ein Untermenü und blieb schliesslich an einer bestimmten Stelle stehen.
Yami konnte beim besten Willen nicht erkennen, wonach er eigentlich suchte.
„Du weisst schon, dass ich nichts davon verstehe, oder?“
Ein kaum sichtbares Grinsen huschte über Yugis Gesicht.
„Das ist mir bewusst.“
Yami verdrehte die Augen.
„Sehr hilfreich.“
Yugi tippte noch einige Befehle ein. Für einen Moment war nur das leise Klappern seiner Finger auf der Tastatur und die gedämpfte Musik im Club zu hören. Dann hielt er inne.
„Da.“
„Da was?“
Yugi deutete seufzend auf den Bildschirm auf die Stelle die er meinte.
„Das hier.“
Yami starrte darauf. Für ihn sah es noch immer genauso aus wie vorher.
„Und was soll ich da sehen?“
Yugi warf ihm einen kurzen Blick zu.
„Den Fehler“, lachte Yugi leise und änderte dann eine Einstellung und schloss das Fenster. Er schob den Laptop wieder zu Yami hin.
„Jetzt probier es.“
Augenblicklich startete er das Programm neu und wartete einen kurz. Es öffnete sich ganz normal. Keine Fehlermeldung. Verdutzt sah Yami auf den Bildschirm als würde er erwarten, dass die Meldung jeden Moment wieder erscheinen würde.
„Das wars?“
Yugi lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er nickte bestätigend.
„War nichts weltbewegendes.“
„Für dich vielleicht nicht“, grummelte der Grössere etwas beleidigt, was Yugi nur Schmunzeln liess.
„Ich arbeite täglich mit solchen Fehlermeldungen in grösserem Umfang und die sind wesentlich komplizierter als das hier. Nächstes Mal frag mich einfach direkt, sonst hast du graue Haare bevor du überhaupt dreissig bist.“
Yugi stiess mir der Schulter gegen die Yamis und strahlte ihn mit dem schönsten Lächeln an, dass er auf Lager hatte. Der Grössere lachte leise auf.
„Sehr beruhigend.“
Er klappte den Laptop zu und schob ihn etwas beiseite.
„Auf jeden Fall sollte nun alles geregelt sein. Sobald die Karaoke Station erst einmal da ist, wird es wahrscheinlich ziemlich voll hier drin.“
Yugi nickte und liess seinen Blick durch den Club wandern. Die Ecke, die Yami zuvor für die Station ausgesucht hatte, lag etwas abseits der Bar. Noch stand dort nichts weiter als ein paar Tische und Stühle.
„Da hinten?“
„Ja.“
Yami sah ihn einen Moment lang an. Dann erschien dieses leicht schelmische Grinsen auf seinem Gesicht.
„Dann kannst du ja auch mal einen kleinen Auftritt hinlegen“, schlug ihm der Ältere vor, während Yugi verdutzt mit dem Finger auf sich selbst zeigte.
„Ich?“
„Warum nicht“, zuckte Yami mit den Schultern. Er lehnte sich etwas zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du bist schliesslich Komponist. Da wirst du doch wohl auch ein bisschen Ahnung vom Singen haben.“
Yugi verzog das Gesicht, als hätte Yami ihm gerade das absurdeste vorgeschlagen was es auf der Welt gab. Es war keine gespielte Empörung. Yami erkannte sofort, dass er damit einen Nerv getroffen hatte.
„Ganz bestimmt nicht.“
„Ach, komm schon. Nicht einmal ein Lied’“
„Nein“, schüttelte Yugi eilig den Kopf und wirkte auf einmal sehr abweisend.
„Ein ganz kleines?“
„Nein!“
Yami grinste.
„Komm schon.“
Yugi schüttelte wieder den Kopf und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.
„Du wirst mich nicht dazu bringen:“
Doch der andere grinste nur. Wenn Yugi nur wüsste.
Er erinnerte sich noch genau an diesen einen Sonntag vor einigen Wochen. An seine Stimme, die durch den Garten getragen worden war. An Yugi, der gemeinsam mit der jungen Frau gesungen hatte, völlig ungezwungen und ohne auch nur den geringsten Zweifel daran, dass er es konnte.
Es konnte also unmöglich daran liegen, dass Yugi nicht singen konnte. Aber weshalb wehrte er sich dann so vehement dagegen?
„Du bist so langweilig“, neckte in der Clubbesitzer, doch Yugi hob nur eine Augenbraue an.
„Damit kann ich leben, Yami.“ Die Art, wie er seinen Namen aussprach, liess Yami erkennen, dass er das Thema besser ruhen liess. Zumindest vorerst.
Ergebend hob er beide Hände, doch er konnte sich das Grinsen dennoch nicht aus dem Gesicht streichen.
„Schon gut.“
Yugi blieb noch einen Augenblick sitzen. Sein Blick wanderte zu Yami, der ihn immer nicht mit diesem amüsierten Lächeln betrachtete. Offenbar traute er ihm nicht ganz.
Schliesslich erhob sich Yugi vom Barhocker und strich sein Jacke glatt. Dann griff er nach dem Reissverschluss, zog ihn ein Stück höher und sah noch einmal zu Yami.
„Ich muss wieder. Hab noch etwas zu erledigen.“
Yami schnaubte belustigt. Natürlich.
Kaiba hatte ihn zwar früher nach Hause geschickt, aber das bedeutete bei Yugi offensichtlich noch lange nicht, dass er tatsächlich Feierabend machte.
„Dann will ich dich mal nicht länger aufhalten.“
Yugi nickte und wandte sich bereits zum Gehen. An der Tür blieb er allerdings noch einmal stehen. Er warf Yami einen warnenden Blick über die Schulter zu.
„Vergiss das mit dem Singen.“
Unschuldig hob der Ältere die Hände. „Ich hab doch gar nichts mehr gesagt.“
„Dein Blick sagt genug.“
Er schüttelte mit dem Kopf, öffnete die Tür und verschwand nach draussen. Das dumpfe Geräusch, mit dem sie hinter ihm ins Schloss fiel, ging beinahe unter der Musik des Clubs unter.
Yami sah noch eine Weile lang zur Tür. Dann hörte er ein leises, amüsiertes Schnauben.
Bakura.
Er stand noch immer hinter der Bar und hatte das gesamte Gespräch mit verschränkten Armen verfolgt.
„Warum wehrt er sich eigentlich so dagegen?“
Yami löste seinen Blick von der Tür und sah zu Bakura.
„Du fragst mich was.“
Er zog den Laptop wieder zu sich, liess ihn aber noch geschlossen. Yugis Reaktion ging ihm nicht aus dem Kopf. Vor allem dieses sofortige, beinahe abwehrende Nein.
„Singen kann er jedenfalls“, murmelte Yami nachdenklich eher für sich und schien einfach nicht auf einen grünen Zweig zu kommen, warum Yugi das Ganze so unangenehm war.
Bakura hob eine Augenbraue.
„Woher weisst du das?“
Yami zögerte. Er dachte darüber nach, ob er die Sache einfach für sich behalten sollte. Es war ihm nach wie vor ein wenig unangenehm, dass er damals stehen geblieben und zugehört hatte. Auch wenn es ein reiner Zufall war, wusste er selbst ziemlich genau, dass er danach nicht unbedingt so schnell weggegangen war, wie es vielleicht angemessen gewesen wäre.
Doch Bakura schien nicht den Eindruck zu machen, dass er locker lassen würde, ehe Yami von sich aus es gestand. Er seufzte.
„Ich hab ihn mal gehört“, gab er schliesslich zu. „Ich bin mal an einem Sonntag zum Laden hin und da hab ich ihn dann im Garten gehört. Hat mit so einer Frau gesungen.“
Langsam legte sich ein wissendes Grinsen auf Bakuras Lippen.
„Du hast ihn belauscht.“
„Das war reiner Zufall!“
„Natürlich.“
Bakura lehnte sich mit beiden Händen gegen die Bar und musterte ihn mit diesem Blick, den Yami nur allzu gut kannte.
„Und du bist rein zufällig stehen geblieben und hast gelauscht wie ein Mäuschen“, zog ihn der Weisshaarige auf.
„Details“, winkte Yami ab uns fuhr dann fort. „Jedenfalls kann ich nicht verstehen, was sein Problem ist.“
Bakura wollte gerade etwas erwidern, doch sein Blick wanderte plötzlich zum Laptop. Er sagte nichts. Stattdessen ging er um die Bar herum, um sich neben Yami hinzusetzen und griff nach dem Laptop.
„Moment.“
Yami runzelte die Stirn.
„Was machst du da?“
Bakura öffnete den Laptop und setzte sich etwas bequemer hin.
„Yugi ist Komponist. Dann müsste es doch irgendwo etwas von ihm geben.“
Yami sah ihn verständnislos an, er konnte seinem besten Freund nicht wahrlich folgen. Der Weisshaarige fuhr fort.
„Ich meine, überleg doch mal. Wenn man Musik komponiert und damit vielleicht auch Aufträge bekommen will, braucht man doch irgendeine Möglichkeit, seine Sachen zu zeigen… Eine Seite, ein Profil oder was auch immer. Viele Künstler stellen ihre Arbeiten online.“
Seine Finger wanderten bereits zur Tastatur.
„Warum sollte Yugi das nicht machen?“
Yami betrachtete ihn einen Moment lang nachdenklich, ehe sich langsam ein Grinsen auf seinem Gesicht bildete. Eigentlich war die Idee ziemlich naheliegend.
„Du meinst, wir suchen nach ihm.“
Bestätigend nickte der Grössere und wandte sich wieder dem Laptop zu. Die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden war relativ hoch. Er gab Yugis Namen in die Suchleiste ein, woraufhin sogleich einige Ergebnisse erschienen. Zunächst war nicht viel dabei, das Yami wirklich interessierte. Ein paar Einträge führten zu Spielen, bei denen Yugi offenbar an der Musik mitgearbeitet hatte. Andere verwiesen auf kleinere Projekte oder Seiten, auf denen lediglich sein Name irgendwo in den Entwicklernamen auftauchte.
Bakura schollre weiter. Dann blieb Yami plötzlich mit dem Blick an einem Eintrag hängen.
„Das da! Klick da drauf“, forderte ihn Yami dazu auf und zeigte dabei auf den entsprechenden Eintrag.
Eine Website öffnete sich.
Und diesmal war sofort klar, dass sie richtig waren.
Yugis Name stand deutlich auf der Seite. Darunter befand sich eine kurze Vorstellung, gefolgt von verschiedenen Projekten, Musikstücken und Beschreibungen seiner Arbeit. Einige der Stücke waren bereits in Spielen oder Filmen verwendet worden, andere schienen eigenständige Kompositionen zu sein. Im Grunde war es eine Art musikalischer Lebenslauf.
„Na bitte!“, rief Bakura grinsend aus.
Sie klickten sich weiter durch die Seite.
Mit jedem neuen Eintrag wurde sie umfangreicher. Manche Stücke waren nur kurze Ausschnitte, andere konnten sie vollständig anhören. Yami erkannte sogar einige Melodien aus Spieler wieder, die er selbst gespielt hatte, ohne damals auch nur zu ahnen, wer dahintersteckte.
Je weiter sie scrollten, desto mehr bekam er das Gefühl, einen Teil von Yugis Leben zu entdecken, den er bisher überhaupt nicht gekannt hatte.
Besonders interessant wurden die älteren Einträge.
Viele stammten offenbar aus seiner Universitätszeit. Manche waren als Projekte oder Aufgaben gekennzeichnet, andere wirkten wie spontane Ideen, die Yugi zusammen mit seinen Mitstudenten umgesetzt hatte.
Bakura öffnete eine Aufnahme.
Leise Musik ertönte aus den Lautsprechern. Wundervolle Klavierklänge erfüllten den Raum. Schon in den älteren Stücken war etwas von dem Yugi zu erkennen, den Yami inzwischen kannte. Die Musik war ruhig, warm und ein wenig melancholisch.
Dann setzte leise eine Stimme ein, die Yami schon einmal hören durfte.
Yugis Stimme war sanft, zurückhaltend und nicht aufdringlich. Sie fügte sich so natürlich in die Klavierklänge ein, dass sie beinahe wie ein weiteres Instrument wirkte.
Yami hörte einfach nur einen Augenblick lang zu.
„Er ist gut.“
Bakura grinste leicht, sagte aber nichts weiteres dazu.
Je länger sie sich durch die Seite klickten, desto mehr veränderte sich Yamis Blick auf das Ganze. Es fühlte sich beinahe ein wenig falsch an. Nicht, weil sie etwas verbotenes taten. Die Seite war öffentlich und Yugi hatte diese Aufnahmen selbst hochgeladen.
Trotzdem hatte Yami irgendwann das Gefühl, in etwas hineinzusehen, das eigentlich nicht für ihn bestimmt gewesen war. Irgendwann schloss Bakura den Laptop.
Er hatte Yami eine Weile beobachtet, ohne etwas zu sagen, da jener irgendwie abwesend wirkte. Sein Augen schauten irgendwie ins Leere, in seinem Kopf schienen sich die Gedanken wohl zu stapeln.
„Kommst du eigentlich klar? Mit der Friendzone?“
Mit den Worten riss er Yami aus den Gedanken. Er hob langsam den Kopf. Für einen Moment sah er seinen Freund einfach nur an, als müsste er erst verstehen, worauf dieser hinauswollte. Dann verzog sich sein Gesicht zu einem beleidigten Ausdruck.
„Ich bin nicht in der Friendzone!“
Bakura hob eine Augenbraue. Er kannte Yami lange genug, um zu wissen, dass diese empörte Reaktion bereits mehr verriet, als dessen Worte vermutlich sollten.
„Was dann?“, fragte er trocken. „Du wolltest mit ihm ausgehen und er hat dich mit Freundschaft abgespeist. Das ist die Friendzone. Und da wirst du wohl nicht so schnell rauskommen.“
Yami lehnte sich etwas zurück und verschränkte die Arme. Er schwieg.
Natürlich wusste er, dass Bakura nicht völlig Unrecht hatte.
Yugi hatte ihm deutlich gemacht, dass er momentan keine Beziehung wollte. Stattdessen hatte er ihm seine Freundschaft angeboten und Yami hatte sie angenommen. Die letzten Wochen hatten ihm gezeigt, dass ihm diese Freundschaft inzwischen sehr wichtig wurde.
„Glaub doch was du willst.“
Er nahm die Liste wieder zur Hand und warf einen kurzen Blick darauf.
„Das ist meine Chance, ihm dennoch näher zu kommen und ihn von mir zu überzeugen.“
Bakura betrachtete ihn amüsiert.
Yami wusste selbst, dass er sich damit vermutlich mehr vornahm, als gut für ihn war. Aber er hatte Yugi nicht aufgegeben. Dafür war er viel zu stur.
„Er ist stur“, fügte er schliesslich hinzu und musste leicht lächeln. „Aber ich auch.“
Bakura schüttelte langsam den Kopf. Dieses selbstsichere Funkeln in Yamis Augen kannte er nur zu gut. Wenn sein Freund sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man ihn kaum noch davon abbringen.
„Na dann. Viel Glück dabei.“
Er streckte die Hand aus und zog Yami schliesslich die Liste aus der Hand.
„Ich werde da sein und deinen Untergang von der ersten Reihe aus geniessen.“
Mit einem breiten Grinsen wandte er sich ab und verschwand in Richtung des hinteren Bereichs des Yoru.
Yami sah ihm noch kurz hinterher.
Es war nicht so, als würde er sich etwas vormachen. Er wusste, worauf er sich eingelassen hatte. Yugi hatte ihm eine Grenze gesetzt und Yami würde sie respektieren. Er wollte ihn nicht bedrängen und schon gar nicht riskieren, dass Yugi irgendwann das Gefühl bekam, ihre Freundschaft sei für ihn nur ein Mittel zum Zweck. Denn so paradox wie es klang, das war sie nicht. Einen Freund, wie Yugi es war, wünschte sich jeder.
Yami wusste nicht, ob er Yugi irgendwann davon überzeugen konnte, dass aus ihnen mehr werden könnte. Vielleicht würde Yugi seine Meinung nie ändern. Vielleicht werde er irgendwann feststellen, dass seine Gefühle doch nicht ausreichten.
Doch solange Yugi ihn in seinem Leben haben wollte, würde Yami bleiben.
Und irgendwo rief in seinem Inneren klammerte er sich trotzdem an die Hoffnung, dass Freundschaft vielleicht nicht das Ende ihrer Geschichte sein musste…
Ein paar Tage später wartete Yami vor der Kaiba Corporation auf Yugi und blickte immer wieder zu den grossen Glastüren hinüber. Yugi hatte ihm lediglich geschrieben, dass er noch etwas zu erledigen hatte und sie sich danach treffen konnten. Wie lange dieses etwas dauern würde, war allerdings unklar.
Doch es machte ihm nichts aus zu warten. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und zog sein Handy aus der Tasche um auf die Uhr zu schauen.
Er stand etwas abseits des Eingangs und liess seinen Blick immer wieder über die vorbeigehenden Menschen wandern. Die imposante Glasfassade der Kaiba Corporation spiegelte das Tageslicht wider, während vor dem Gebäude ständig Mitarbeiter ein- und ausgingen. Für jemanden, der nicht gerade hier arbeitete, war es vermutlich ein eher ungewöhnlicher Ort, um einfach herumzustehen.
Yami störte das allerdings wenig.
Auf einmal öffnete sich die Tür und Yami blickte suchend dorthin.
Doch herauskam nicht sein kleiner Freund, sondern dieser hochgewachsener Eisklotz…Yami erkannte ihn sofort und offenbar beruhte diese Erkenntnis auf Gegenseitigkeit, denn Kaiba blieb kaum einen Schritt entfernt stehen und musterte ihn mit diesem gewohnt kühlen Blick. Yami schnaubte nur genervt. Das einzige womit er sich bei Yugi nicht anfreunden konnte, war dieser arrogante Sack.
Er steckte sein Handy wieder ein.
„Na, wenn das nicht der arrogante Eisklotz ist.“
Kaibas Augen verengten sich ein wenig.
„Was lungerst du hier vor meiner Firma herum?“
Ein Wunder, dass die Umgebung nicht anfing einzufrieren, wenn dieser Möchtegern CEO zu reden begann. Yami kreuzte die Arme vor der Brust und blickte mit einem herausfordernden Blick zu dem Braunhaarigen auf. Schon allein Kaibas Tonfall reichte aus, um die Stimmung innerhalb weniger Sekunden kippen zu lassen.
„Ich warte auf Yugi.“
Kaiba sah ihn einen Moment lang schweigend an. Sein Blick wanderte kurz über Yami, als würde er versuchen, sich einen Reim darauf zu machen, weshalb ausgerechnet er vor seiner Firma stand.
„Was willst du eigentlich von ihm?“
Yami liess ein kurzes, genervtes Schnauben hören.
„Das geht dich einen Scheiss an.“
Für einen Augenblick sagte keiner was.
Die Spannung zwischen ihnen schien greifbar zu werden. Zwei Männer, die sich nicht ausstehen konnten und beide offenbar keinerlei Interesse daran hatten, dem anderen auch nur einen Millimeter entgegenzukommen.
Yami konnte förmlich spüren, wie sich die Stimmung weiter aufheizte. Da öffneten sich hinter ihnen erneut die Glastüren.
„Alles in Ordnung mit euch?“
Yugis Stimme durchbrach die angespannte Stille. Yami wandte sich um und sah ihn auf sich zukommen. Yugi blieb kurz stehen, als er die beiden betrachtete. Sein Blick wanderte von Seto zu Yami und wieder zurück.
Ein amüsiertes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
„Leitet ihr etwa gerade die neue Eiszeit mit ein? Man erfriert ja bei eurem Anblick.“
Yami musste trotz der Situation kurz schmunzeln. Natürlich war Yugi der Einzige, der in einem solchen Moment noch einen Scherz machen konnte, ohne von einem der beiden einen Kopf kürzer gemacht zu werden.
Seto hingegen schien davon weniger beeindruckt.
„Ich verstehe nicht, wie du dich mit so einem unterbelichteten Draufgänger abgeben kannst, Yugi.“
Yami legte den Kopf etwas schief und funkelte den Grösseren böse an.
„Und ich verstehe nicht, wie du mit so einem arroganten, hochnäsigen Eisklotz befreundet sein kannst.“
Yugi schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Nicht schon wieder. Ständig, wenn die beiden sich sahen, mussten sie sich streiten und einander sagen, wie schrecklich der jeweils andere doch war.
Genau das hatte er befürchtet.
„Könntet ihr bitte beide aufhören?“
Er trat zwischen die beiden und sah erst Yami, dann Seto an. Bei Seto blieb sein Blick einen Moment länger hängen.
„Seto, geh nach Hause. Mokuba wartet auf dich!“
Seto sah ihn sichtlich genervt an, sagte jedoch nichts mehr, ihm zuliebe. Stattdessen wandte er sich ab und ging zu seinem Wagen.
Yami sah ihm nach und konnte es sich nicht verkneifen, ihm einen siegersicheren Blick hinterherzuwerfen, was Seto kurz innehalten liess.
Yugi bemerkte es natürlich. Leider.
„Yami.“
Allein die Art, wie er seinen Namen sagte, reichte aus.
Yami seufzte und wandte sich ihm zu.
„Schon gut.“
Yugi schüttelte leicht den Kopf. In seinem Gesicht lag noch immer ein Rest von Erschöpfung, doch gleichzeitig musste er über die beiden wohl selbst ein wenig schmunzeln.
„Könntest du bitte aufhören auf seine Provokationen einzugehen? Ich wäre froh, wenn zumindest du dich zusammenreissen würdest.“
Yami wollte etwas erwidern, liess es dann aber bleiben. Stattdessen sah er Yugi an und zuckte leicht mit den Schultern.
„Er hat angefangen.“
Yugi musste leise lachen.
„Das sagen Kinder im Kindergarten auch.“
Yami verzog den Mund zu einem schmollenden Ausdruck, woraufhin Yugis Lächeln noch etwas breiter wurde. Dann wurde sein Blick ruhiger.
„Ich mag euch beide, okay? Ob es dir passt oder nicht.“
Yami sah ihn einen Moment lang an.
Es war eigentlich ein einfacher Satz. Trotzdem blieb etwas davon in ihm hängen. Yugi sagte es so selbstverständlich, als wäre es das natürlichste auf der Welt, zwei Menschen gleichzeitig in seinem Leben haben zu wollen, die unterschiedlicher kaum sein konnten.
Yami liess die Schultern etwas sinken.
„Tut mir Leid.“
Entschuldigend wuschelte Yami über Yugis Kopf, was dir seufzend über sich ergehen liess. Aber er nickte zufrieden, als hätte er genau diese Antwort hören wollen.
Er hakte sich bei Yami ein und drückte ihn etwas näher an sich, was Yami zum Lächeln brachte. Sie sahen sich einen Moment lang in die Augen.
„Hoffe du hast nicht zu lange gewartet“, kam es dann plötzlich von Yugi, der ihn entschuldigend anlächelte. Yami sah zu ihm hinunter.
„Auf dich warte ich gerne.“ Yamis Worte bedeuteten mehr als man im ersten Moment dachte. Eine leichte Röte legte sich auf Yugis Wangen, was jener schnell zu überspielen versuchte. Er sah kurz zur Seite, als könnte er damit verhindern, dass Yami es bemerkte.
„Hör auf, du Charmeur!“
Sie lachten leise und liefen dann gemeinsam über die Strasse. Das Café, in das sie wollten, lag direkt gegenüber der Kaiba Corporation und war für Yami längst kein unbekannter Ort mehr. Es war sogar sein Lieblingscafé. Ein kleiner gemütlicher Laden, in dem er schon unzählige Male gesessen hatte.
Genau hier konnte er damals Yugi aus der Ferne beobachten, als er mit Bakura hier zusammensass wegen der Arbeit. Der Gedanke daran liess Yami für einen Bruchteil einer Sekunde schmunzeln.
Damals hatte er noch nicht gewusst, dass aus diesen flüchtigen Blicken irgendwann so etwas entstehen würde. Yugi war für ihn zu diesem Zeitpunkt lediglich der interessante Verkäufer aus Muto’s Games gewesen, der mit seiner ruhigen Art immer wieder aufgefallen war.
Jetzt lief genau derselbe Mann bei ihm eingehakt mit ihm über die Strasse.
Yami öffnete Yugi die Tür des Cafés und gemeinsam betraten sie den kleinen Laden. Die angenehme Wärme im Inneren unterschied sich zu den etwas frischen Temperaturen draussen zu der Tageszeit. Es roch nach frisch gebrühtem Kaffee und süssem Gebäck, während gedämpfte Gespräche durch den Raum gingen. Von irgendwo hinter der Theke hörte man das Mahlen der Bohnen von der Kaffeemaschine.
Es war nicht besonders voll. Einige Gäste sassen an den Tischen und unterhielten sich, während andere ihren Kaffee tranken und dabei auf ihre Handys sahen.
Yami liess seinen Blick kurz durch den Raum wandern, bevor er sich wieder Yugi zuwandte.
„Da hinten.“
Sie setzten sich an den freien Platz am Fenster, auf den Yami soeben gedeutet hatte. Von ihrem Tisch aus konnten sie direkt auf die Strasse sehen. Für einen Moment beobachteten sie einfach das Treiben auf der Strasse. Menschen gingen an ihnen vorbei, die einen hatten es ziemlich eilig, telefonierten dabei. Andere gingen gemütlich die Strasse entlang, genossen einfach den Moment an sich. Sie bestellten sich ihren Kaffe und die junge Dame wandte sich freundlich lächelnd von den beiden ab.
Es war angenehm, einfach gemeinsam hier zu sitzen und die Welt draussen vorbeiziehen zu sehen. Yami bemerkte, wie Yugi gelegentlich den Blick von einer Person zur nächsten wandern liess.
Schliesslich wandte Yami den Kopf zu ihm.
„Wie läuft es mit The Seventh Path?“, fragte er neugierig nach.
Yugi liess leise die Luft aus seinen Lungen entweichen, ehe er sich Yami widmete.
„Wir kommen voran. Ich muss noch ein paar Stücke fertig komponieren und einsingen lassen. Meine Deadline läuft aus.“
Yami sah ihn aufmerksam an.
„Deadline?“
„Ja. Ich muss bis Ende des Monats fertig werden. Danach wird dann alles organisiert für die kommende Show, wo Seto unser Spiel vorstellen will.“
Yami lehnte sich etwas zurück.
Er konnte sich gut vorstellen, dass Yugi gerade ziemlich viel um die Ohren hatte. Allein die Tatsache, dass neben der eigentlichen Arbeit bereits die Vorbereitungen für die Show liefen, liess erahnen, wie voll sein Terminkalender sein musste.
„Klingt stressig… Aber dann solltest du dich doch heute Abend eher damit beschäftigen als mit uns.“
Yugi verzog leicht das Gesicht. Für einen kurzen Augenblick lag etwas Nachdenkliches in seinem Blick, ehe sich ein kleines Lächeln auf seine Lippe legte.
„Mag sein, aber genau diese Treffen mit dir und den anderen tun mir gut. Ich würde sonst noch durchdrehen, wenn ich mich nicht hin und wieder etwas ablenken lasse.“
Dabei lachte er leise.
Noch bevor Yami etwas erwidern konnte, kam die Kellnerin mit ihren bestellten Getränken an den Tisch. Yugi wandte sich ihr zu und bedankte sich freundlich, während sie die beiden Tassen vor ihnen abstellte.
Ein leichter Dampf stieg aus den Tassen auf.
Yugi wartete bis die Kellnerin sich wieder entfernt hatte, ehe er wortlos seinen Zuckerbeutel Yami reichte, der diesen sogleich dankend annahm und in seinen Kaffee schüttete.
Er mochte seinen Kaffee besonders gerne süss, Ganz im Gegensatz zu Yugi, der seinen Kaffee grundsätzlich schwarz trank. Yami hatte bis heute nicht verstanden, wie man das freiwillig tun konnte. Für seinen Geschmack war er viel zu bitter.
Allerdings hatte er längst aufgegeben, Yugi davon überzeugen zu wollen.
Allein wenn Yugi sah, wie viel Zucker Yami manchmal in seinen Kaffee schüttete, verzog er bereits das Gesicht. Doch irgendwie ergänzten sie sich in dieser Hinsicht trotzdem ganz gut. Was der eine nicht mochte, landete früher oder später beim anderen.
Auch der kleine, verpackte Keks, der neben Yugis Tasse lag, wechselte kurze Zeit später den Besitzer. Yugi schon ihn einfach zu Yami hinüber und Yami nahm ihn lächelnd entgegen.
„Danke.“
Yugi winkte nur leicht ab und nahm einen Schluck von seinem schwarzen Kaffee.
Yami rührte währenddessen in seiner Tasse bis der Zucker mit dem dunklen Gebräu vermischte und schüttete dann etwas Milch in den Kaffee. Das leise Klirren des Löffels gegen das Porzellan ging beinahe in den übrigen Geräuschen des Cafés unter.
Yugi blickte aus dem Fenster, während Yami ihn dabei beobachtete. Und irgendwo zwischen dem warmen Kaffee, dem leisen Stimmengewirr und dem Treiben auf der Strasse kam ihm eine Frage in den Sinn, die er schon länger einmal stellen wollte.
„Sag mal… Hattest du schon mal eine längere Beziehung?“
Yugi sah nun überrascht zu seinem Gegenüber. Die Frage kam etwas unerwartet. Bisher hatten sie zwar über vieles gesprochen, doch über Beziehungen oder ihre Vergangenheit in dieser Hinsicht war nie wirklich die Rede gewesen.
Nachdenklich legte Yugi den Kopf leicht schief und betrachtete seinen Freund einen Moment lang. Sein Blick blieb ruhig, während er offenbar überlegte, wie genau Yami auf diese frage kam.
„Joey meinte letztens, du hättest wohl eher flüchtige Bekanntschaften gehabt.“
Yugi nahm seine Tasse in beide Hände und hob sie an seine Lippen. Der Kaffee dampfte ihm heiss ins Gesicht als er einen Schluck daraus trank. Anschliessend stellte er die Tasse wieder vor sich ab und liess die Finger noch einen Moment um den warmen Henkel liegen.
„Hm… Nicht wirklich. Joey hat da schon recht. Ich hab mich nie wirklich auf eine tiefere Beziehung eingelassen.“
Yami hörte ihm aufmerksam zu. Sein Blick wanderte kurz zu Yugis Händen, bevor er wieder in dessen Augen zurückkehrte.
„Warum denn nicht?“
„Naja… Ich hatte einfach nie wirklich die Zeit dafür. Du weisst, ich liebe meinen Job und das hab ich schon immer. Da war einfach kein Platz für jemanden.“
Yugi lächelte ihn ehrlich an. Für ihn schien das so simpel zu sein, doch für Yami warf das weitere Fragen auf, die er nicht stellte.
War es wirklich nur das?
War ein voller Terminkalender wirklich Grund genug der Liebe ganz zu entsagen?
Vielleicht waren flüchtige Beziehungen für Yugi einfach leichter. Menschen, mit denen er eine schöne Zeit verbringen konnte, ohne dass daraus etwas festes entstand. Ohne Verpflichtungen. Ohne die Gefahr, irgendwann jemanden in sein Leben lassen zu müssen, für den plötzlich mehr Platz geschaffen werden musste.
Und dann war da noch eine andere Frage.
Ob das vielleicht auch der Grund war, weshalb Yugi ihm nicht mehr als Freundschaft geben wollte.
Yugi sah wieder gedankenverloren aus dem Fenster, während das Licht von draussen sanft auf sein Gesicht fiel und seine Konturen betonte.
Gab es überhaupt eine kleine Chance auf mehr, wenn Yugi sich solche Regeln aufstellte?
Yami wusste, dass er die Antwort darauf nicht erzwingen konnte. Also schwieg er.
Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee und stellte die Tasse wieder ab. Ihre Blicke begegneten sich wieder, woraufhin Yugi leicht lächelte und diesen warmen Ausdruck in den Augen hatte. Seine violetten Augen strahlten eine solche Ruhe aus.
„Und du?“
Yami blinzelte kurz.
„Was?“
Yugi deutete mit einem kleinen Kopfnicken auf ihn.
„Hattest du schon mal eine längere Beziehung?“
Yami lehnte sich etwas zurück und liess den Blick für einen Moment über die Oberfläche seines Kaffees wandern. Die Frage war eigentlich harmlos und trotzdem musste er kurz überlegen, wie viel er darauf antworten wollte.
„Einmal. Ist schon etwas länger her. Danach war da einfach keiner in den ich mich hätte verlieben können, bis auf…“
Er beendete den Satz nicht.
Die letzten Worte blieben zwischen ihnen im Raum stehen.
Für einen Moment lang sahen sich die beiden einfach nur wortlos in die Augen. Keiner der beiden schien zu wissen wie sie mit der nun entstandenen Situation umgehen sollten. Die sanfte Röte, die sich auf Yugis Wangen legte, konnte er nicht vor Yami verheimlichen.
Es war Yugi, der schliesslich den Blick löste und etwas verloren in seiner Tasse rührte. Er nickte nur verstehend. Er verstand sehr gut worauf sein Freund hinauswollte, doch er wusste nicht wie er damit umgehen sollte.
Yami beobachtete das Verhalten seines kleinen Verkäufers. Er wirkte etwas hilflos. Yami liess ihm die Zeit, die er brauchte und wandte sich wieder seinem Kaffee zu. Für einen kurzen Augenblick kehrte die ruhige Stimmung des Cafés zurück.
Dann plötzlich hob Yami den Blick.
„Penetranter Freund.“
Verwirrt sah Yugi ihm in die Augen. Die Fragezeichen waren förmlich in sein Gesicht geschrieben. Yami musste auflachen.
„Hä, was?“
„Na, in deinem Handy.“
Er sah ihn einige Sekunden verständnislos an. Dann ging Yugi ein Licht auf.
Die Kontaktdaten.
Ein leises Kichern entwich ihm und er schüttelte amüsiert den Kopf.
„Ich hab das nur einmal zu dir gesagt!“
„Tat trotzdem weh“, hauchte Yami theatralisch und fasste sich ans Herz, als hätte ein Dolch ihn durchbohrt. Yugi verdrehte die Augen.
„Also, nein. Du liegst falsch.“
Der Ältere liess sich davon nicht beirren. Jetzt hatte ihn der Ehrgeiz gepackt.
„Dann vielleicht… Barkeeper? Clubbesitzer? Yoru Yami“, zählte der Ältere auf, doch Yugi verneinte jede Bezeichnung.
„Viel zu unkreativ“, lachte Yugi amüsiert und genoss es wohl, dass Yami total im Dunkeln tappte. Er würde es dem Anderen aber auch nicht leicht machen oder irgendwelche Tipps geben. Da musste er schon von ganz alleine drauf kommen.
Insgeheim war Yugi über den Themenwechsel ziemlich froh. Das Gespräch hatte ihn mehr beschäftigt als er zugeben wollte. Vor allem Yamis angefangener Satz ging ihm noch durch den Kopf. Er wusste genau was dieser damit hatte sagen wollen und Yugi wollte nicht weiter darauf eingehen. Zumindest nicht jetzt.
Yugi warf einen kurzen Blick auf die Uhr.
„Wir sollten langsam los.“
Yami nickte und trank noch den letzten Schluck aus seiner Tasse, bevor auch er aufstand. Kurz darauf verliessen sie gemeinsam das Café.
Auch wenn die vorhin entstandene Situation für beide etwas ungünstig gewesen war, fanden sie schnell wieder in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Es dauerte nicht lange, bis die angespannte Stimmung vollends verflogen war.
Kaum liefen sie über die Strasse, hakte Yugi sich wieder bei Yami ein. Die vertraute Geste liess diesen kurz zu ihm hinuntersehen, bevor sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen bildete.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu Yugi nach Hause.
Yugi plauderte dabei wieder über ganz alltägliche Dinge, während Yami ihm aufmerksam zuhörte. Schon wenige Minuten später fühlte es sich an, als wäre das Gespräch im Café längst wieder in den Hintergrund gerückt.
Zumindest vorerst.