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Kapitel 4 - Wiedersehen

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Kapitel 4 - Wiedersehen

Das Wochenende kam schneller als erwartet, zumindest für Yugi. Für jemand anderes fühlte es sich wie eine Ewigkeit an, kaum abwartend endlich in Muto’s Games wieder bedient werden zu können. Von dieser gewissen Person, die ihm nicht mehr aus dem Kopf ging.

Der Laden war ruhig.

Nicht leer, aber ruhig genug, dass man jedes leise Klicken von Plastikhüllen hörte und jedes sanfte Rascheln von den Verpackungen.

Yugi stand hinter dem Tresen, leicht über seinen Laptop gebeugt. Kein gewöhnlicher. Ein ziemlich leistungsstarker, extra für Entwickler.

Nichts besonderes für Außenstehende, jedoch hochinteressant für ihn.

Ein paar Zeilen Code.

Simple Grafik.

Platzhalter.

Ein paar schlichte Figuren, die sich über eine einfache Umgebung bewegten.

„Timing ist noch nicht sauber…“, murmelte Yugi leise vor sich hin und runzelte die Stirn.

Er tippte etwas, stoppte wieder.

Sein Großvater war hinten beschäftigt, irgendwo zwischen Kisten und alten Sammlerstücken, die mehr Geschichte als Wert hatten.

Die Türglocke klingelte und richtete Yugis Aufmerksamkeit direkt auf den eintretenden Kunden. Es war eine nette und hilfreiche Abwechslung, wenn er sich ein paar Minuten von diesem Gerät entfernen konnte um Kunden zu bedienen.

„Willkommen—“, stoppte Yugi mittendrin, da er nun erkannte, wer da in seinen Laden reinkam.

Yami.

Als hätte irgendwas in ihm genau das erwartet. Yami stand am Eingang mit einer Tüte in der einen Hand und die andere in seiner Hosentasche. Sein Hemd war leicht geöffnet und zeichnete seine Konturen perfekt nach.

Direkt hinter ihm dieser Bakura, der wieder ein breites Grinsen im Gesicht hatte.

„Na schau an“, murmelte Bakura und ließ den Blick durch den Laden gleiten. „Zweiter Besuch in so kurzer Zeit… beeindruckend.“

Yami ignorierte ihn konsequent und ging direkt auf den Tresen zu. Er wusste sowieso, dass jegliche Diskussion mit dem Weisshaarigen genau gar nichts brachte.

Nun richtete Yugi sich auf und schob den Laptop etwas beiseite um für seinen Kunden etwas Platz zu schaffen.

Seine Aufmerksamkeit galt nun voll und ganz Yami, gespannt warum er heute nun hier war.

„Schon durchgespielt?“ fragte er leicht interessiert.

Yami legte die Tüte auf den Tresen. „Noch nicht.“

„Mhm.“ Yugi beobachtete seinen Gegenüber, jener zog eines der Spiele heraus und legte es hin.

„Du hattest recht“, sagte Yami nun direkt und sah Yugi dabei in die Augen. Diese friedvollen, fesselnden Augen.

Yugi hob leicht eine Augenbraue.

„Kommt vor.“

Ein Hauch von einem Lächeln, aber mit einer frechen Note darin.

Der Weisshaarige murmelte wieder etwas vergnügt und genoss die Show.

„Ich liebe diese Dynamik hier.“ Yami warf ihm abmahnend einen Blick zu. „Ich rede mit ihm, nicht mit dir.“

„Ich genieße nur die Entwicklung.“

Yugi sagte nichts dazu.

Sein Blick lag wieder auf Yami.

„Also, womit hatte ich recht?“ fragte er dann.

Yami tippte mit dem Finger leicht auf die Verpackung.

„Das Spiel sagt dir nichts.“

„Es erklärt die Grundlagen“, korrigierte Yugi ruhig und sah ihm wissend in die Augen.

„Nicht das, was wichtig ist“, entgegnete Yami sofort.

Ein kurzes Nicken von Yugi, während er die Box näher zu sich zog.

„Gut.“

„Am Anfang dachte ich, es ist einfach offen gestaltet.“ Eine kurze Pause entstand und Yami sah die Box in Yugis Händen an. „Aber es ist nicht offen…“

Yami sah nun in die Augen seines Gegenübers.

„Es merkt sich alles.“

„Was genau?“ Die Frage kam so unschuldig, dass es fast schon offensichtlich war, dass Yugi genau wusste worum es ging. Das freche Lächeln in seinem Gesicht unterstrich das Ganze deutlich.

Yami lehnte sich leicht vor, kam Yugi bewusst etwas näher.

„Die Dialoge. Ich habe eine Nebenfigur ignoriert. Komplett. Dachte es wäre egal…“, erklärte er nun ruhig. „Zwei Kapitel später reagiert ein anderer Charakter darauf.“

„Genau dieses Detail macht das Spiel ja so besonders. Es führt dich nicht, wie die meisten auf dem Markt. Es reagiert nur darauf, wie du es spielst. Deine Entscheidungen haben darin ihre Konsequenzen und Handlungsstränge. Es fordert dich heraus, dich zu entscheiden, wer du bist. Das Spiel speichert mehr als es zeigt“, erklärte Yugi seinem Gegenüber.

„Also gibt es keine unwichtigen Entscheidungen“, stellte Yami nun fest.

„Doch“, unterbrach ihn nun Yugi.

„Aber du weisst nicht, welche. Das ist ja das spannende daran, dass dir als Spieler nicht bewusst ist, welche Entscheidungen die Handlung beeinflussen und welche nicht.“

Yugi schob die Box wieder zurück zu seinem Kunden.

Bakura, der sich inzwischen irgendwo zwischen den Regalen niedergelassen hatte, murmelte:

„Das ist ja fast schon gemein.“

„Was bedeutet, du hast schnell entschieden, dass eine Nebenfigur unwichtig ist. Das sagt viel über dich aus“ Und da war er wieder. Dieser leicht freche Unterton in diesem Lächeln.

„Ich hatte keinen Grund, mich länger damit aufzuhalten“, verteidigte sich nun Yami und hob eine Augenbraue.

„Genau. Du gehst effizient vor.“ Die Antwort kam ruhig. „Du siehst, was direkt vor dir liegt… und arbeitest dich durch. Aber du prüfst nicht alles gleich gründlich.“

Stille. Bakura entkam ein kleines „Oh“, während Yamis Blick nun etwas schärfer wurde.

„Ich verschwende keine Zeit.“

Das Lächeln im Gesicht seines kleinen Verkäufers wurde etwas breiter.

„Stimmt. Aber das Spiel bestraft dich nicht fürs Tempo. Es reagiert nur darauf, was du übersiehst.“

Das traf.

Nicht hart.

Aber präzise.

Yami hielt seinen Blick auf Yugi gerichtet, dann entkam ihm ein leises Schnauben.

„Also bin ich zu schnell.“

„Manchmal“, sagte Yugi ruhig. „Oder zu sicher.“

Yami war sie nicht mehr sicher, ob es hier nur um das Spiel ging oder er auch damit als Mensch gewertet wurde.

In seinen Augen schlich ein Funkeln, ein interessiertes.

„Und du meinst, das ist ein Problem?“

Yugi zuckte leicht mit den Schultern. „Kommt darauf an was du willst. Wenn du alles sehen willst…ja.“ Eine kurze Pause, dann fügte er hinzu: „Wenn du nur durchkommen willst…nein.“

Yami sah ihn einen Moment lang an. Ein kleines, schiefes Lächeln in seinem Gesicht.

„Ich geh nicht einfach nur durch.“

Yugi verschränkte locker die Arme. „Und das andere?“

Yami zog das zweite Spiel aus der Tüte u legte es daneben.

„Schnell. Direkt. Sauber.“, sagte er und seufzte dann geschlagen. „Und auch da hattest du recht…“

Bakura hob die Hände leicht. „Ich bin Zeuge. Das passiert wirklich.“

Yami ignorierte ihn wieder, doch Yugi konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er fragte sich langsam, wann seine Mundwinkel wohl anfangen weh zu tun, da diese zwei Kunden einfach amüsant waren.

Er konzentrierte sich wieder auf Yami. „Also?“

„Also…“ Yami lehnte sich leicht gegen den Tresen. „Du triffst ziemlich gut.“

„Gehört zum Job.“

„Nein.“

Ein kleines Kopfschütteln.

„Das ist mehr als das.“

Yugi musterte ihn einen Moment.

„Du bist leicht zu lesen.“

Das war bewusst provokant.

Und es traf.

Yamis Blick verengte sich minimal. Ein Hauch von Interesse blitzte auf.

„Bin ich das?“

„Wenn man weiß, worauf man achten muss. Ja.“ Yugi stützte sich mit seinen Armen auf seiner Verkaufstheke ab.

Im Hintergrund hörte man wieder Bakura leise lachen. „Oh, das wird gut.“

Yami beugte sich ein kleines Stück vor.

Wieder dieses zu nah für Fremde.

„Dann erklär’s mir.“

Yugi zögerte nicht.

„Du suchst keine halben Sachen.“ Ein Finger zeigte auf das erste Spiel. „Das hier gibt dir Tiefe.“ Sein Finger wanderte weiter zum zweiten Spiel. „Das hier Kontrolle.“

Sein Blick hob sich wieder zu Yami.

„Und du willst beides.“

Stille.

Treffer.

Yami richtete sich wieder auf und distanzierte sich etwas von Yugi. Er fühlte sich ertappt, gelesen in seinem ganzen Verhalten. Er schmunzelte.

„Nicht schlecht.“

Bakura klatschte einmal langsam in die Hände. „Ich fühl mich hier wie im Theater.“

„Also?“ fragte Yugi ruhig. „Zurückgeben?“

„Nein.“, antwortete Yami und packte die Spiele wieder ein. „Ich behalte sie.“

Ein kleines, kaum sichtbares Nicken von Yugi, als hätte er nichts anderes erwartet. Yami wandte sich etwas ab und streifte durch die Regale, was Yugi dazu veranlasste weiter an seinem Laptop zu arbeiten.

Bakura lehnte wieder irgendwo zwischen den Regalen und schlich sich dann zu Yami durch.

„Du bist wegen ihm hier.“, flüsterte er leicht vergnügt, erntete dafür einen genervten Blick.

„Ich hab Fragen.“

„Natürlich hast du die.“

Sein wanderte zu Yugi, der gerade an seinem Gerät beschäftigt war. Seine Augen sahen konzentriert und ernst aus. Die Augenbrauen waren leicht gekrümmt, dadurch entstand diese süsse kleine Denkfalte auf Yugis Stirn.

Schien sich wohl um etwas wichtiges zu handeln, wenn er sich während der Schicht darum kümmerte.

„Woran arbeitest du da?“ fragte Yami nun neugierig und kam näher an den Tresen. Yugi sah auf und hörte auf zu tippen. „An einem Spiel.“

Yamis Interesse wuchs um ein vielfaches. Allein die Tatsache jemanden bei der Entwicklung eines neuen Spiels zu beobachten, war für Yami etwas ganz neues.

„Was für eins?“

„Du bist neugierig“ Er tippe dabei weiter und änderte nochmal gewisse Einstellungen.

„Ich bin interessiert.“, entgegnete Yami lächelnd.

„Du bist ziemlich überzeugt von dir.“ Ein Hauch von Belustigung blitzte in Yugis Blick auf und nahm nun den Controller zur Hand, dabei Yami immer noch im Blick behaltend.

„Ich hab meine Gründe.“

Bakura machte im Hintergrund ein leises Geräusch, irgendwo zwischen Lachen und Unglauben.

„Er flirtet und merkt es nicht mal.“ Dabei nahm er irgendwelche Spiele aus dem Regal um auf beschäftigt zu tun.

„Warum interessiert es dich?“, fragte Yugi interessiert.

„Weil du gut bist.“

Zwischen ihnen entstand eine kurze Stille und die machte es schwerer, einfach drüber hinwegzugehen. Yugi hielt seinem Blick stand, ruhig, aber diesmal… wacher.

„Woher willst du das wissen?“

„Ich merk sowas.“ Ein kleines, schiefes Grinsen wanderte in Yamis Gesicht und er fügte dann stichelnd hinzu: „Gehört wohl auch zu meinem… Job.“

Ein leiser Atemzug von Yugi, fast ein Lachen. Er merkte, dass sein Gegenüber versuchte ihn etwas aus dem Konzept zu bringen. Doch da schätzte er Yugi falsch ein, welcher nun extra auf das Spielchen einging.

„Was ist dein Job?“

„Kommt drauf an. Unter anderem analysiere ich Dinge.“, antwortete der Barkeeper geheimnisvoll, dann aber entkam ihn ein schmerzendes Stöhnen. Die Hand Bakura packte ihn fest am Nacken um ihn aus der Ruhe zu bringen. Sein Freund murmelte: „Menschen, zum Beispiel.“

Yami griff nach der Hand und schob sie grob weg, versuchte nun wieder Abstand zu Bakura zu haben, da dieser es einfach nicht lassen konnte. Warum kam der überhaupt mit, wenn er die Füsse nicht still halten konnte…

Er wandte sich wieder seinem Verkäufer zu, welcher den Kopf leicht neigte und ihn nun neugierig musterte. „Dann analysierst du mich gerade?“

„Schon passiert.“

„Und?“

Yami sah ihm in die grossen, violetten Augen. Einen Moment zu lange schwieg er, doch dann sagte er leise:

„Du hältst Dinge zurück.“

Treffer. Yugis Augen verengten sich minimal, zu wenig, dass es jemandem auffiel, bis auf ihm. Er lag also richtig, besonders als Yugi nichts dazu sagte, war Antwort genug.

„Ich liebe alles daran“, kam es nun flüsternd wieder von Bakura, der direkt beschwichtigend die Arme hob und sich etwas entfernte, bevor ihm jemand noch etwas tun konnte.

Doch Yami kümmerte sich nicht um ihn.

„Nicht aus Unsicherheit.“

Sein Blick wanderte zu dem Laptop welches ihn so neugierig machte.

„Sondern weil du entscheidest, wer sie bekommt.“

Yugis Blick veränderte sich kaum sichtbar. Seine Arme kreuzten sich und er lehnte sich seitlich gegen den Verkaufstresen.

„Und du meinst, du gehörst dazu?“

Jetzt war da wieder dieses leichte Funkeln. Yugi testete ihn.

Yami zuckte minimal mit den Schultern.

„Find’s raus.“

Etwas überrascht musterte Yugi ihn, schien gedanklich abzuwägen wie viel und was er alles zeigen sollte.

Dann drehte er den Laptop leicht in Yamis Richtung und murmelte: „Das ist eigentlich nichts was man zeigen sollte, aber bitte.“

Yami beugte sich nun leicht vor und blickte auf den Bildschirm. Man sah, dass der Fokus aktuell noch nicht auf die Grafik und Optik lag, sondern der Grundbaustein eines Spiels, das erstmal stimmig aufgebaut werden musste.

„Sieht unfertig aus.“

„Ist es auch. So entstehen die Spiele nun mal, sie sehen nicht von Anfang an grafisch gut aus. Erstmal muss das Timing, die Storyline und das Gameplay verfeinert werden. Alles Andere ist dann nur noch perfektionieren“, erklärte Yugi ihm ruhig und deutete dann auf den Bildschirm um in die kleinen Probleme aufzuzeigen.

„Mein aktuelles Problem ist, dass es immer noch zu verzögert reagiert. Siehst du?“ Kurz steuerte Yugi die simple Figur um das Timing zu demonstrieren.

Yami nickte stumm darauf und musterte die grobe und sehr einfach gehaltene Umgebung in diesem Spiel.

„Deswegen muss ich immer wieder die Codes leicht abändern um den perfekten Ablauf hinzukriegen und es dann immer wieder testen.“

„Also, das hier… beeinflusst das da?“ Yami zeigte auf ein kleines Element, welches die Reaktion und Aktion der Figur verändert.

Ein kleines, echtes Lächeln schlich sich auf Yugis Lippen.

„Du hast es verstanden. Beeindruckend. Die meisten verstehen genau gar nichts von der Entwicklung eines Spiels.“

„Jaaa, ich check gar nichts“, murmelte Bakura leise als er sich den beiden näherte und versuchte das Ganze irgendwie zu verstehen, was sichtlich daneben geht. Yugi entkam ein leises Lachen, er fand den Weisshaarigen eigentlich ganz witzig mit seinen spitzen Kommentaren.

Mit dem wurde einem bestimmt nicht langweilig oder man hatte mit der Zeit das Bedürfnis, die Freundschaft zu überdenken. Zumindest dachte Yugi sich das.

„Dann geht es darum, wann und warum etwas passiert?“

„Genau. Das System reagiert auf dich, deine Aktionen und Reaktionen. Es hört zu.“ Yugi schmunzelte und beobachtete den Grösseren dabei, welcher nun den Controller an sich genommen hatte um es auszuprobieren. Er bewegte die Figur bisschen durch die Umgebung und drückte alle möglichen Tasten um zu sehen, wozu welcher Knopf programmiert wurde.

„Kommt mir bekannt vor. Du magst wohl solche Spiele.“ Der Unterton entging Yugi nicht, deswegen näherte er sich etwas seinem Kunden und sagte frech:

„Du ja offenbar auch.“

Yami hielt kurz inne, dann aber sah er Yugi an, welcher immer noch neben ihm war, einfach mit dieser kurzen Distanz. Dabei fiel ihm auf, dass er seinen Verkäufer noch nie so genau betrachtete bis auf seine herausstechenden Augen, die einen komplett umhüllten.

Sein Blick wanderte zu der feinen, kleinen Stupsnase weiter über die zarten Wangen, um am Ende die Lippen zu betrachten, doch da riss er den Blick schell davon. Yugi sollte nicht noch auf falsche Gedanken kommen. Auch wenn etwas in ihm sich gegen diese Entscheidung wehren wollte.

Yugi schmunzelte.

Hatte er es etwa bemerkt? Yami versuchte schnell davon abzulenken.

Er kam sich so ertappt vor.

„Gefällt mir. Zeig mir mehr.“

Yugi aber nahm den Controller ihm nun aus der Hand, wieder diese kurze Berührung der Finger, und drehte dann den Bildschirm ab.

„Genug für Heute.“

Yami blieb stehen, wo er war. Nah genug, um den Bildschirm noch zu sehen, auch wenn er jetzt nicht mehr direkt darauf schauen konnte.

„Schade.“

Yugi war gedanklich schon wieder halb woanders. Seine Finger glitten über die Oberfläche, überprüften eine Einstellung und änderten einen kleinen Wert.

Er ließ die Figur nochmals laufen.

Ein Schritt.

Eine Aktion.

Wieder eine verzögerte Reaktion.

Ein leises Ausatmen durch die Nase. Yugi änderte wieder etwas an den Zahlen, fast nebenbei murmelte er erklärend: „Ich will das erst sauber haben, bevor ich mehr zeige.“

Yami verschränkte leicht die Arme.

„Kleiner Perfektionist?“, stichelte er nun etwas und beobachtete die violetten Augen, welche immer noch den Bildschirm fixierten.

„Wenn man Spiele entwickelt, muss man das sein. So eine Verzögerung kann ein Spiel komplett kaputt machen.“ Dann fügte er trockener hinzu: „Und ich hab ehrlich gesagt keine Lust, mir von Seto anzuhören, dass es sich ‘fast gut’ anfühlt.“ Dabei verzog er etwas das Gesicht, als erinnerte er sich genau an solch einen Moment.

Bakura grinste sofort, Yami, der neben ihm stand, hob leicht eine Augenbraue.

„Fast gut ist schlecht?“

Yugi schnaubte leise, diesmal etwas amüsierter und sah seine beiden Kunden mit grossen Augen an. „Bei Seto?“ Er schüttelte leicht den Kopf, seine blonden Strähnen wackelten dabei leicht.

„‘Fast gut‘ ist praktisch ein Problembericht.“

Bakura lachte leise.

„Ich liebe diesen Mann. Genau mein Humor.“

Yugi lehnte sich kurz zurück und überlegte, dann erklärte er es fast nebenbei, während er weiter an den Einstellungen schraubte:

„Wenn er sagt ’bedauernswert’, dann weisst du, du hast alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann. Oder ’passabel’. Das heißt übersetzt: es funktioniert, aber er ist nicht glücklich damit.“

Bei diesem Testlauf bewegte sich die Figur besser. Ein kleines Leuchten blitze in Yugis Augen auf.

Er hatte dasProblem gefunden. Dann fuhr er fort. „’Gut’ bedeutet bei ihm eigentlich schon, dass es ziemlich stark ist. Und wenn er mal sagt, etwas ist ’sehr gut’… dann kannst du es eigentlich einrahmen“, sagte Yugi mit einem schiefen Lächeln und blickte seine beiden Kunden an.

„Genau deswegen muss das hier perfekt sein, wenn ich mich noch in Zukunft in der Kaiba Korporation blicken lassen möchte.“

Yami griff nun nach seiner Tüte. Lange genug hat er seinen kleinen Verkäufer abgelenkt, dafür hatte er in Zukunft noch genug Zeit, denn er nahm sich vor nun öfter vorbeizuschauen.

„Dann warte ich bis es mehr als ’fast gut’' ist.“

„Das wird es.“, lächelte Yugi, doch dann fügte er noch mit einem frechen Aufblitzen in den Augen hinzu: „Und danke, dass du dir extra den Weg gemacht hast um mir zu sagen, wie recht ich doch hatte.“

Yami war kurz still.

Nicht, weil er keine Antwort hatte, sondern weil ihn dieses kleine, freche Funkeln in Yugis Augen unerwartet traf.

Bakura beobachtete das Ganze mit sichtlicher Begeisterung.

„Oh, er hat dich erwischt.“

„Halt den Mund“, murmelte Yami sofort, ohne den Blick von Yugi zu lösen.

Dieser schmunzelte nur leicht und lehnte sich wieder etwas zurück hinter den Tresen, als wäre das für ihn eine völlig normale Reaktion gewesen.

Yami atmete leise durch, griff die Tüte etwas fester und hob dann minimal eine Augenbraue.

„Gewöhn dich nicht dran.“

„Woran?“ fragte Yugi ruhig, kreuzte nun die Arme vor seiner Brust.

„Dass ich zugebe, wenn du recht hast.“

Das kleine Lächeln auf Yugis Lippen wurde etwas breiter.

„Zu spät.“

Bakura lachte leise irgendwo im Hintergrund. „Ich mag ihn.“

Yami warf ihm einen genervten Blick zu.

„Ich lass dich draußen stehen.“

“Aber dann verpasst du doch meine charmante Gesellschaft.“ Theatralisch klammerte sich Bakura an Yamis Schulter, welcher ihn versuchte von sich zu stossen.

„Das Risiko gehe ich ein.“

Yugi schüttelte leicht amüsiert den Kopf und zog das kleine Gerät wieder etwas näher zu sich. Seine Aufmerksamkeit wanderte zurück auf den Bildschirm, auch wenn dieses leichte Schmunzeln immer noch auf seinen Lippen lag.

Yami blieb einen Moment länger stehen, als nötig gewesen wäre. Beobachtete, wie Yugi wieder vollkommen in seiner Arbeit verschwand.

Ruhig. Konzentriert. Selbstverständlich.

Und genau das machte es für Yami zunehmend schwerer wieder zu gehen.

Das gefiel Yami überhaupt nicht.

Die Türglocke erklang und so waren die beiden Freunde aus dem Muto’s Games verschwunden.

Zurück blieb der junge Muto und führte weitere Testläufe durch.

Der Abend kam immer näher und Yugi war immer noch mit dem Spiel beschäftigt. Sein Grossvater begann schon alles aufzuräumen und den Laden für den heutigen Feierabend vorzubereiten.

„Kommst du voran, mein Junge?“ Die Stimme seines Opas war warmherzig und wohl auch schon leicht angeschlagen von dem langen Tag.

Yugi sah zu ihm auf und lächelte.

„Ich komm klar, Opa.“ Mit einem zufriedenen seufzen, schloss Salomon den Laden ab und machte nun die Lichter aus, bis auf die Lampe, die Yugi noch brauchte.

„Mach nicht zu lange, mein Junge. Es gibt bald Abendessen.“

Damit verschwand der alte Mann in den hinteren Raum durch den man dann in die Wohnung kam.

Yugi sah ihm kurz nach, wandte sich dann aber schnell wieder seiner Arbeit zu.

Er machte es sich etwas bequem auf dem Stuhl, den er sich nach einiger Zeit geschnappt hatte.

Die Figur bewegte sich nun viel flüssiger und reagierte nicht mehr verzögert. Es hatte lange genug gedauert bis er dann die richtige Einstellung gefunden hatte. Nun musste er sich um die Grafik und den Soundtrack weiter kümmern. Ja, er machte vieles selber, auch wenn er gewisse Aufgaben nun abgab, wie Seto es von ihm verlangt hatte. Aber er versuchte dennoch so viel wie möglich allein zu machen, es machte ihm auch Spass. Deswegen übte er ja diesen Job auch aus.

Andere würden sagen er arbeite zu viel, aber die sahen einfach nicht mit welcher Leidenschaft und Hingabe Yugi dies machte. Es war nicht wirklich Arbeit, viel mehr ein innerer Drang, den er so ausleben konnte.

Er konnte seine Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen auf diesem Weg.

Yugi liebte es zu sehen wie das Spiel immer mehr Form annahm, wie sich die Bewegungen nun flüssiger anfühlten, die Umgebung, welche nun immer wie mehr an Details gewann.

Aus der simplem Figur, welche zuerst nur wie ein eingefärbtes Strichmännchen aussah, wurde nun eine detaillierte und völlig neue Persönlichkeit. Rote Augen.

Kurz hielt Yugi inne. Unbewusst wählte er diese Farbe für den Hauptcharakter des Spiels.

Er schüttelte seine Gedanken ab, änderte dann das Farbspektrum und klicke auf ein tiefes Blau stattdessen.

„…okay“, murmelte er leise, tippte mit einem Finger gegen seine Lippen. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein.“

Er änderte nochmal die Spiegelungen von den Gewässern, sie waren ihm zu plump.

„Besser.“

Er lehnte sich ein Stück zurück, rieb sich kurz über die Augen und griff dann nach seinem Handy.

Ein kurzer Blick auf die Zeit, es war schon etwas spät, aber…

Für einen Moment hielt er inne.

Dann tippe er doch.

„Hast du kurz Zeit, was zu testen?“

Gesendet.

…

Keine fünf Sekunden später vibrierte das Handy.

Yugi schnaubte leise. „Natürlich.“

Er las sich die Antwort durch, die auf dem kleinen Handy aufleuchtete.

„Bin in der Nähe.“

„Natürlich bist du das, wie immer“, sagte Yugi leise zu sich selbst und wollte schon das Handy weglegen.

Es klingelte nochmal kurz.

„Fünf Minuten.“

Yugi legte nun das Handy wieder zur Seite und richtete den Bildschirm nochmal neu aus.

Ein letzter Check.

Ein letzter Testlauf.

„…bitte jetzt kein Vorführeffekt“, murmelte er und faltete seine Hände bettend zusammen.

Es klopfte an der Ladentür, welche Yugi sogleich aufschloss und öffnete.

Das waren keine fünf Minuten. Natürlich nicht.

Yugi begab sich wieder zu seinem Tresen, dicht gefolgt von einem Mann, der deutlich grösser war als er selbst.

„Du bist früh.“, sagte Yugi leicht neckend.

„Du bist spät.“ Die Stimme war kühl und arrogant. Doch das war Yugi sich schon lange gewohnt und konnte mittlerweile die feinen Unterschiede raushören. Denn bei Yugi war die Stimme nicht ganz so kalt und arrogant wie bei anderen.

Yugi hob jetzt den Blick und sah ihn an.

Seto Kaiba stand nun am Tresen, wie immer perfekt aufgerichtet, Blick direkt auf den Laptop.

„Ich hab fünf Minuten gesagt.“, kam es trocken von seinem Chef.

„Du bist nach vier da“, entgegnete Yugi ebenso trocken.

Ein Hauch von… nichts.

Aber genau das war bei Seto fast schon ein Zugeständnis. Sein Blick wanderte zu Yugi und sah diesen abwartend an.

„Also, Zeig es mir.“

Yugi drehte den Bildschirm in seine Richtung und startete einen Testlauf.

„Timing hab ich endlich hingekriegt“, sagte er direkt. „Bin gerade dabei die Grafik zu verfeinern und hab schon bisschen was gemacht von unserem Hauptcharakter.“

Seto sagte nichts, er beobachtete ihn nur still dabei und wartete auf die ersten Ergebnisse. Die Figur bewegte sich sauber und fliessend, die Umgebung machte gut mit bei der Steuerung und stockte nicht.

Setos Blick veränderte sich minimal.

Kaum merklich.

„…hm.“

Und das war der Moment, der immer gleich war. Dieses kurze Schweigen, dass einem die Spannung hochjagte.

„Bist du dir sicher mit der Augenfarbe? Das war bestimmt nicht dein erstes Impuls. Blau…“ Fast schon abfällig wurde dieses Wort ausgesprochen. Yugis Blick wurde etwas schärfer.

„Deine Augen sind auch blau. So schlimm ist die Farbe auch wieder nicht.“

„Natürlich nicht. Aber sie passt nicht. Was hattest du vorher?“ Als wusste Seto, dass Yugi bereits andere Farben getestet hatte. Yugi seufzte genervt und ging nochmal in die Einstellungen um die Augenfarbe zurückzusetzen auf das Rot.

„Bitte“, seufzte Yugi leise und trat etwas beiseite um Seto Platz zu machen. Jener prüfte nochmal das Gesamtbild.

„Und warum hast du sie geändert? Ist sonst nicht deine Art etwas gutes mit etwas schlechtem auszutauschen. Wir nehmen diese Farbe.“ Seto sprach mit einer strenge in der Stimme, die keine Widerworte erlaubte.

„Alles klar, Boss.“ Die Worte kamen beinahe etwas sarkastisch über Yugis Lippen.

„Der Hintergrund ist fast…“ Yugi unterbrach ihn forsch. „Nein! Komm mir nicht mit diesem fast gut, du weisst ich hasse das.“ Er funkelte ihn böse an und stemmte die Hände in seine Hüften.

Seto sah ihn nur unbeeindruckt an und kreuzte die Arme.

„Fast gut.“ Die Worte kamen spöttisch und extra provozierend aus dem Mund des CEO’s, ein freches Funkeln blitze in den eisblauen Augen.

Yugis Auge begann zu zucken und ein leises Knurren ankam ihm.

„Ständig machst du das! Du gehst mir manchmal so auf die Nerven. Ich sollte meine Freundschaft mit dir nochmal überdenken.“, kam es genervt von dem jungen Muto. Seto schmunzelte, er wusste genau welche Knöpfe er drücken musste um den Jüngeren aus der Ruhe zu bringen.

„Genau deswegen tu ich es ja. Ich weiss, dass du es besser kannst und du weisst es auch.“

Seto blickte nochmals auf den Bildschirm, suchte wohl nach weiteren Fehlern die er Yugi eindrücken konnte. Zumindest dachte Yugi sich das.

„Der Rest ist… gut“

Yugi hielt inne. Was? Die ganze Wut vergessen. Ungläubig sah er den Chef der Kaiba Korporation an, welcher nur mit den Schultern zuckt und eine Hand in der Manteltasche vergrub.

Auf Yugis Gesicht schlich sich ein kleines, kaum sichtbares Lächeln.

„Gut?“ Seto nickte nur kurz.

Innerlich begann der junge Entwickler Freudensprünge zu machen. Also befand er sich auf einem guten Weg. Das war doch mal ein Zeichen.

„Für den aktuellen Stand. Ja“, ergänzte der Blauäugige.

Das war… viel. Mehr, als jeder andere bekommen hätte in dieser Situation.

Dann drehte Seto sich schon wieder leicht zur Tür um zu gehen. Doch er stoppte nochmal kurz und sah Yugi an.

„Ich erwarte die Ergebnisse bis Ende der Woche.“

Yugi sah ihn einen Moment einfach nur an.

Dann hob er leicht irritiert eine Augenbraue und sah abwechselnd vom Bildschirm zu Seto und wieder zurück.

„Seto… es ist Samstag.“

Jener sah ihn nur stumm und ohne Emotionen im Gesicht an.

„Genau“, sagte er kurz und knapp.

Yugi ließ die Luft leise durch die Nase entweichen.

„Du meinst also morgen.“

„Ich meine“, korrigierte Seto ruhig, „dass ich es am Montag testen will.“

Da war sie.

Die eigentliche Aussage.

„Dann ist morgen meine Deadline“, murmelte er mehr zu sich selbst.

„Wenn du es so nennen willst. Ich nenne es Planung“ Setos Worte waren wieder so eiskalt und berechnend wie ein Computer.

Der CEO verliess den kleinen Laden und ging seine Wege.

Yugi schnaubte leise, diesmal mit einem Hauch von Humor.

„Klar. Deine.“ Er wusste, dass der Andere die Worte längst nicht mehr hörte. Da ihm nun nicht mehr viel Zeit blieb, hatte er keine andere Wahl als die Nacht durchzumachen. Sonst schaffte er es nie bis Montag das Ganze einigermassen präsentabel hinzukriegen.

„…Montag“, murmelte er leise, während er sich wieder auf den Stuhl und machte sich direkt an die Arbeit.

„Na super. Und heute wollte ich mal ausnahmsweise früher ins Bett.“

Einmal machte er dann kurz Pause, da sein Grossvater ihn zum Abendessen rief. Er genoss die Pause und redete mit seinem Opa über den vergangenen Tag. Dabei kamen natürlich auch die zwei Männer zur Sprache, aber nur weil sein Opa es nicht umkommentiert lassen konnte.

„Der junge Mann mit den roten Augen, ich glaube der mag dich.“, stellte Salomon mampfend fest und machte dabei keine Pause beim Essen.

„Mich hast du immer zusammengestaucht, wenn ich mit vollem Mund geredet habe.“

„Lenk jetzt nicht ab, junger Mann.“ Der alte Mann lachte laut auf, mochte er es doch seinen Enkel zu ärgern. „Opa, er ist einfach ein Kunde, der auf der Suche nach guten Spielen ist. Das ist alles.“

„Und deswegen kommt er extra hierhin um dir zu sagen, dass deine Wahl gut war?“ Salomon hatte nun einen etwas ernsthafteren Ton in seiner Stimme.

Er sah seinem Enkel in die Augen, suchte darin nach den Antworten, die er hören wollte.

Yugi schnaubte leise.

„Was ist daran denn so besonders? Ist doch nett.“

„Nett? Und wie viele Kunden kamen bisher hier rein nach einem Kauf, nur um zu sagen wie gut deine Auswahl war? Wenn dann haben sie es durchgespielt und wollten eine neue Empfehlung. Aber dieser junger Mann ist ja noch nicht mal fertig und war trotzdem nur deswegen da. Ich sag's ja nur.“, brummte Yugis Opa.

Das brachte Yugi kurz zum nachdenken.

„Na und? Egal was seine Gründe sind, er ist mein Kunde. Mehr nicht.“ Yugi räumte seinen Teller in die Spüle und sagte dann seinem Opa Gute Nacht um weiterzuarbeiten. Er war nicht sauer, aber er wollte auch nicht tiefer in solche Themen eintauchen.

Salomon hingegen konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen.

Natürlich waren Yugi die Blicke aufgefallen. Aber das waren ja nur Blicke. Nichts tieferes und selbst wenn, ist das nicht sein Problem. Er half im Muto’s Games aus, weil er es gerne tat und er seinem Grossvater so auch immer die neusten Spiele, die noch nicht offiziell auf dem Markt waren, geben konnte. Er war nicht zum flirten da.

„Dann guckt er mich halt an. Ist ja nicht der Erste“, murmelte Yugi sich zu und schnappte sich sich seinen Laptop mit den Kopfhörern dazu. Entspannt lief er durch die Räumlichkeiten, zuerst durch den Wäscheraum, welcher mit einer Tür zu ihrem Flur verbunden war und von da aus Richtung Eingangstür, da direkt daneben dann das Wohnzimmer angrenzte. Er schob die Tür auf, die auf die Terrasse und den Garten führte.

Die gemütliche Lounge lud ihn förmlich ein, da weiterzuarbeiten.

Kopfhörer an, Welt aus.

Sein Blick war wieder fokussiert und auf den Bildschirm gerichtet, wo er nun die weiteren Details ausarbeitete, die Seto unbedingt wollte.

Es herrschte absolute Stille.

Nur das leise Klicken der Tastatur und das Geräusch, wenn er den Controller minimal fester griff als nötig war zu hören. Man hörte ganz leise einen kleinen Fluss im Hintergrund.

Lange sass er da und arbeitete.

Irgendwann fiel sein Blick auf die Uhr.

Spät.

Egal.

Ein neuer Testlauf wurde gestartet. Dieses mal ließ er die Sequenz länger laufen.

„Zu weich…“, murmelte er.

„Das fühlt sich schwammig an.“

Da erklangen erneut die Tastenanschläge, es gab nichts was ihn jetzt noch stören konnte.

Er ging die Soundtracks durch, die er bisher erstellt und komponiert hatte. Sortierte aus welche geeignet waren und welche er wieder in die Tonne kloppen konnte.

Yugi lehnte sich kurz zurück, fuhr sich durch die Haare.

Ein leises Ausatmen.

Dann griff er nach einer Flasche neben sich, nahm einen Schluck, stellte sie wieder ab.

Sein Blick wanderte über den kleinen Garten, den kleinen, niedlichen Teich, welcher sein Vater, als er noch klein war, selber ausgebuddelt hatte. Direkt daneben ein alter Sakura Baum, der über die Jahre ziemlich gewachsen ist. Seine Mutter hatte den damals gepflanzt. Es war ein sehr harmonisches Bild. Deswegen war er so gerne hier.

Hier spürte er ihre Präsenz, auch wenn sie eigentlich nicht mehr da waren.

Einen Moment lang genoss er einfach nur den Moment.

Dann wandte er sich aber wieder dem Spiel zu. Liess die Gedanken an vorhin verschwinden.

Er machte ziemliche Fortschritte, das Spiel sah immer wie mehr ‚fertig‘ aus.

Yugis Handy leuchtete auf. Sein Blick fiel darauf und lass die Nachricht, die gerade reinkam.

„Status?“

Yugi schnaubte leise. Schlief der Mann eigentlich nie?

Er tippte zurück:„Stabil. Nicht final.“

Ein paar Sekunden vergingen.

„Zeit.“

Yugi sah auf den Bildschirm, dann zurück aufs Handy. Ein leises Stöhnen entwich ihm.

„Wie geplant. Montag hast du’s.“

„Gut.“

Yugi hielt kurz inne, dann ein kleines, müdes, aber echtes Lächeln.

„…heftig“, murmelte er leise und legte das Handy wieder weg.

Es war längst nach Mitternacht, doch Yugi sass immer noch auf seinem Platz mit dem Laptop vor der Nase.

Und irgendwann…

Verstummten die Geräusche vom Tippen und von den Bewegungen auf dem Controller.

Nur ein leises Dösen konnte man hören. Und die leisen Schritte eines alten Mannes, welcher nach seinem Enkel sehen wollte und nun mit einer Decke den jungen Mann zudeckte. Jener kuschelte sich direkt in den weichen Stoff.

Ein leises, belustigtes Seufzen erklang, während Salomon sich wieder in sein Bett begab.