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Kapitel 8 - Alles, was du bist

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Kapitel 8 - Alles, was du bist

Kapitel 8 -  Alles, was du bist

„Hey.“

„Hey“, begrüsste Yugi ihn nur sanft zurück und hatte dieses Lächeln wieder auf den Lippen.

Wie konnte ein einziger Mensch die ganze Welt so auf den Kopf stellen, ohne es dabei zu wissen…? Diese leuchtenden Amethyste sahen ihn so herausfordernd an, dass er beinahe vergass wo er sich befand. Er räusperte sich und setzte sein charmantes Lächeln auf.

„Ich habe nicht mit dir hier gerechnet“, begann Yami das Gespräch und polierte währenddessen nun die Gläser, die ihm ein Mitarbeiter hingestellt hatte. Yugi lachte leise und legte den Kopf etwas schief.

„Ich auch nicht mit dir“, erwiderte sein Verkäufer nun. Er beugte sich etwas über den Tresen und stützte dabei seinen Kopf auf einer Hand ab. Neugier blitzte in seinen Augen, während er seinen Gegenüber bei der Arbeit beobachtete. Es war so anders. Er wirkte so anders.

„Es passt irgendwie“, flüsterte Yugi und sah Yami in die Augen. Jener schien seine Worte gehört zu haben, denn Verwirrung schlich sich in sein Gesicht. „Wie meinst du das?“

Einen Moment lang sahen sie sich einfach nur an. „Das hier.“ Mit einem Finger deutete Yugi auf den Laden. „Es passt zu dir“, fügte er lächelnd hinzu, doch Yami verstand nicht ganz, doch er fragte nicht nach. Meinte Yugi er sei ein Draufgänger oder ein simpler Partytyp? Oder lagen hinter diesen Worten eine ganz andere Bedeutung? Alles was Yugi sagte hatte bisher immer einen tieferen Sinn als das was man zuerst annehmen würde.

„Und du bist mit deinen Freunden hier? Ihr wirkt wie die 4 Elemente, komplett verschieden. Zumindest äusserlich“, schmunzelte Yami und deutete dabei deutete er auf jene Personen, die sich ausgelassen unterhielten. Yugi sah kurz über die Schulter und nickte dann bestätigend.

„Ja. Joey wollte unbedingt mal hierhin. Das ist der Blonde mit der zu grossen Klappe da, aber mit einem genauso grossen Herzen. Dann unsere vernünftige Aufpasserin Tea mit ihr kann man über jeden hervorragend lästern. Und dann wäre da noch Ryou mit dem kann man einfach über alles reden. Unser Therapeut“, lachte Yugi als er seinem Gegenüber kurz seine Chaostruppe vorstellte. Yami lachte leise auf.

„Und welche Rolle bist du?“ Fragende Augen trafen auf die Yugis, welcher kurz innehielt und überlegte. Doch ehe er darauf antworten konnte, erkannten die beiden aus dem Augenwinkel, dass Bakura aus der Menschenmenge wieder auftauchte. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht und einem Tablett balancierend, worauf mehrere leere Gläser platziert waren. Sein Blick wanderte zwischen den Beiden Männern hin und her.

„Aha“, entkam ihm nur lachend.

„Halt einfach die Klappe“, seufzte Yami bittend und hoffte sein Kumpel würde sein Maul nicht zu weit aufreissen. Doch wie immer wurde er da bitter enttäuscht.

„Ich wollte doch gar nicht sagen.“ Die Unschuld in seiner Stimme war derart gespielt, dass man es beinahe glauben würde. Bakura stellte das Tablett auf der Theke ab und musterte grinsend seinen neuen Lieblingsmenschen. Er mochte Yugi und was er besonders an ihm mochte war, dass er Yami ständig damit aufziehen konnte.

„Ich hab ihn gefragt, wie es dir geht. Hab leider keine Antwort gekriegt“, neckte der Weisshaarige seinen Kumpel, welcher ihm einen nassen Putzlappen an den Kopf warf.

„Ach, ihr redet über mich?“ Yugis Stimme klang höchst interessiert, man hörte das freche Lächeln heraus.

Bakuras Grinsen wurde noch eine Spur breiter, während er wissend zu Yami rübersah, jener direkt eine Spur dunkler im Gesicht wurde, was man dank den gefärbten Lichtanlagen nicht gut erkennen konnte.

„Natürlich reden wir über dich.“

„Tun wir nicht“, widersprach Yami sofort und schüttelte beinahe verlegen mit dem Kopf.

„Oh Doch.“

„Oh Nein“, äffte ihn Yami genervt nach und schmiss nun mit einer Zitronenscheibe nach ihm. Heute flog wohl einiges durch die Gegend bei den Beiden. Yugi konnte ein amüsiertes Lachen nicht unterdrücken, das brachte Yami kurz aus der Ruhe. Wenn Yugi lachte, dann hellte jede noch so dunkle Nacht auf. Die kleinen Bäckchen, die eine perfekte kleine Rundung hatten. Das breite Lächeln, das einfach jeden dazu einlud mit ihm zu Lachen. Wie die Augen jedes Mal glänzten, wenn er sich amüsierte. Wie könnte man ihm nicht verfallen, dachte sich Yami gedanklich.

„Ihr zwei seid ständig am Streiten, wenn ich euch sehe.“

„So drücke ich meine Liebe aus“, sagte schliesslich Bakura dazu und warf Yami den Lappen wieder zu. Er schmiss ihn in die nächste Ecke und grummelte mahnend: „Du belästigst unsere Gäste.“

„Das gehört zu meinem Charme.“

Yugi musste sich sichtbar ein Grinsen verkneifen und schüttelte ungläubig den Kopf. Bakura entging dieses Grinsen aber nicht. Er plusterte sich stolz auf und stemmte beide Arme in die Hüfte, nur um ein siegessicheres Grinsen seinem Freund zuzuwerfen.

„Siehst du? Er mag mich.“

„Ein bisschen“, neckte Yugi den Weisshaarigen und zeigte mit Daumen und Zeigefinger einen lächerlich kleinen Abstand. „Wirklich nur ein klitzekleines bisschen“, fügte er stichelnd hinzu.

„Auch das nehme ich“, entgegnete Bakura schmunzelnd und schnappte sich sein nun leeres Tablet wieder. Doch bevor er ging, beugte er sich noch einmal verschwörerisch zu Yugi und  „Ich hoffe, er hat wenigstens damit angegeben, dass wir die Besitzer vom Yoru sind“, prallte Bakura stolz und zwinkerte seinem besten Freund zu, der sich peinlich berührt die Hand auf die Stirn legte. Er mochte es gar nicht, wenn Bakura damit angab. Das kam immer so grosskotzig rüber.

Doch Yugi sah nur überrascht zu Yami, während Bakura davon eilte um die nächsten Gäste zu begrüssen. „Dir gehört der Club?“ Sein kleiner Verkäufer sah sich nochmal genauer um, dann wanderte sein Blick wieder zu dem Besitzer. „Beeindruckend. Geschmack habt ihr auf jeden Fall“, lächelte er ihn nun wieder mit dieser Wärme an.

Yami kratzte sich verlegen am Kopf, ihm schien das Ganze etwas unangenehm zu sein. Doch Yugis Lächeln liess ihn etwas besser fühlen. Yami musterte seinen Gegenüber nun nochmal genauer, da er ihn jetzt aus nächster Nähe betrachten konnte. „Jedes Mal, wenn ich glaube, ich hätte ein Bild von dir, taucht plötzlich eine neue Seite auf“, hauchte er leise und sah ihm dabei tief in die Augen. Eine leichte Röte zierte Yugis Wangen, er rechnete nicht mit diesem Themenwechsel.

Kurz sah er auf seine geschmückten Hände, ehe er wieder zu Yami sah mit einem kleinen, aber verwirrten Schmunzeln auf den Lippen.

„Wie meinst du das?“

„Ich kann dich nicht einschätzen. Es ist, als gäbe es mehrere Versionen von dir. So Gegensätzliche. Im Laden wirkst du ruhig, fast schon friedlich. Du wirkst sanfter, heller.“

Yugi richtete sich minimal auf, liess die Hand, auf der er sich eben noch abstützte, auf den Tresen sinken. Dabei musterte er seinen Gegenüber etwas kritisch, schien nicht zu verstehen worauf das hinauslief. Yami hielt dem Blick stand.

„Ich hab dich mal vor der Kaiba Corporation gesehen. Du hast so kühl gewirkt. Ganz anders.“

Sofort erschien ein gequälter Ausdruck auf Yugis Gesicht. Jener stöhnte leise auf und verdeckte dabei leicht sein Gesicht mit den Händen. Er schien etwas verlegen zu sein.

„Sag lieber nichts mehr“, hörte Yami seinen Verkäufer hinter den Händen nuscheln. Ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen.

„Ich meine das nicht negativ. Es war nur so ungewohnt. Du wirkest wie das Gegenteil von dem was ich bisher von dir sah.“ Yugi liess seine Hände wieder sinken, hervor kamen seine violetten Augen, welche ihn nachdenklich ansahen. Er seufzte..

„Ich nehme meine Arbeit bei Seto sehr ernst, weisst du? Ich musste mir den Respekt regelrecht verdienen da… Da steckt meine ganze Leidenschaft drin, deswegen hab ich da vielleicht eine etwas arrogante Ausstrahlung“, kam es leise von ihm. Doch Yami schüttelte den Kopf.

„Nein, arrogant hab ich nicht gesagt. Einfach kühl, unnahbar und gleichzeitig warst du bei Kaiba so… vertraut.“ Das letzte Wort sprach er beinahe zögernd aus. Er merkte wieder wie sich ein kleiner Hauch von Eifersucht reinmischte. Yugi legte den Kopf etwas schief und faltete seine Hände auf dem Tresen.

„Yami…Bestehen wir nicht alle aus unzähligen Versionen unserer selbst?“

Seine Worte waren nicht mehr als ein blosses Hauchen, doch Yami hörte sie laut und deutlich in seinem Kopf widerhallen. Für einen Augenblick blieb er Hängen. Seine Haut begann zu Kribbeln. Er hatte seinen Namen gesagt. Es klang so lächerlich. So simpel, doch sie haben sich bis jetzt nie mit Namen angesprochen. Deswegen fühlte sich dieser Moment so intensiv an für Yami. Wenn Yugi seinen Namen sagte, klang er unglaublich schön, so viel schöner als wenn es sonst jemand tat. Yami liess sich nochmals Yugis Frage durch den Kopf gehen. Leise seufzte er auf und sah auf seine Hände.

„Aber welche davon ist dann die Echte?“

„Alle.“ Perplex sah Yami auf. Rubine trafen auf Amethyste. Seine Augen strahlten eine Wärme aus.

„Warum sollte eine Seite weniger echt sein als die Andere? Im Laden bin ich ich. In der Firma auch. Selbst hier, das bin ich. Und auch der Teil von mir, der Zuhause im Hoodie mit zerzausten Haaren seinen Kaffee trinkt und dabei alles in Frage stellt. Auch das bin ich.“

Eine kleine Stille legte sich über die Beiden, welche sich einfach nur ansahen. So hatte Yami das noch nie betrachtet. Vielleicht sollte er anfangen die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ihm gefiel die Denkweise, die der Andere hatte. Sie war so tiefgründig, bedacht.

Yugi löste den Blickkontakt zwischen ihnen auf als er kurz hinter sich blickte und zum Tisch seiner Freunde sah. Dort erwartete ihn das wissende Grinsen seines besten Freundes Joey. Die Anderen beiden gaben sich auch keine Mühe dabei subtil zu sein. Er seufzte leise.

„Ich sollte vermutlich zurück, bevor die da anfangen Geschichten zu erfinden“, murmelte Yugi entschuldigend zu Yami, welcher ihn einfach nur verstehend anlächelte. Yugi drehte sich um und setzte bereits zum Gehen an, doch Yami hielt ihn auf.

„Yugi.“

Jener blieb abrupt stehen und beobachtete wie Yami kurz inne hielt, als würde er darüber nachdenken, was er überhaupt vorhatte. Yami schien sich nicht ganz sicher zu sein, weshalb er ihn aufgehalten hatte. Dann setzte er sich doch in Bewegung und ging einmal um die Bar herum um direkt vor Yugi stehen zu können. Er kramte kurz in seiner Jackentasche, was Yugi verwirrt blinzeln liess. Dann nahm der Grössere seine Hand und liess etwas darin fallen.

Yugi betrachtete verwundert die kleinen runden Plättchen.

Sie waren schwarz gefärbt mit einer Gravur verziert mit dem Yoru Logo.

Fragend sah er zu Yami auf, welcher seine Hand immer noch in der seinen hielt.

„Was ist das?“

„Yoru-Jetons“, erwiderte der Club Besitzer kurz und knapp. Er verschränkte leicht die Arme und lächelte den Kleineren verlegen an. „Damit bekommst du Getränke aufs Haus.“

Yugi betrachtete erneut die Münzen und nahm eine davon in die Hand um sie näher zu betrachten. Die Gravur reflektierte die bunten Lichtanlagen und schimmerte sehr schön. Dann blickte er wieder in die Rubinroten Augen.

„Warum?“

Yami zuckte leicht mit den Schultern. Sie waren sich immer noch so nah durch die Berührung ihrer Hände. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er Yugis Hand immer noch festhielt. Sein Blick glitt unwillkürlich zu ihren Fingern. Yugis Hand wirkte beinahe klein in seiner eigenen.

Schmaler.

Zierlicher.

Für einen Moment blieb Yamis Blick daran hängen. Es war ein seltsames Gefühl ihm auf diese Weise so Nahe zu sein. Seine Hände wirkten plötzlich viel zu groß, viel zu rau im Vergleich zu Yugis und trotzdem fühlte sich die Berührung erschreckend natürlich an. Sie hätte sich unangenehm anfühlen sollen.

Fremd.

Stattdessen breitete sich dieses verdammte Kribbeln wieder in seiner Brust aus. Etwas zu hastig liess er sie schliesslich los und räusperte sich.

„Normalerweise verteile ich die nur, wenn sich jemand beschwert“, gab er schließlich zu.

Yugi hob skeptisch eine Augenbraue und musterte seinen Gegenüber durchdringend.

„Beschwert?“

„Ja.“

„Ich wirke wie jemand, der sich beschwert?“ Empört sah er Yami an, konnte sich aber ein herausfordernderes Grinsen nicht verkneifen.

„Nein, nein. So meinte ich das nicht… Ich…“, versuchte Yami sich zu verteidigen und hob abwehrend die Hände.

„Dann verstehe ich es noch weniger“, lachte der Kleinere vergnügt auf, die Jetons immer noch in seinen Händen. Sie waren vermutlich nicht besonders wertvoll und dennoch fühlte such die Geste seltsam persönlich an. Ein warmes Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Danke.“

Für einen Moment wirkte Yami beinahe erleichtert. Er wusste selbst nicht, warum er sie ihm gegeben hatte. Dachte irgendwie es sei eine seltsame Idee, was sie höchstwahrscheinlich auch war. Doch Yugi schien genau solche Dinge zu mögen.

Menschen verrieten oft erstaunlich viel durch die kleinen Gesten, über die sie nicht lange nachdachten. Yugi betrachtete ihn einige Sekunden lang. Lange genug, dass Yami das Gefühl bekam, erneut durchschaut zu werden.

„Dann werde ich wohl irgendwann wiederkommen müssen.“

„Wie schrecklich.“

„Total!“

Eine angenehme Ruhe legte sich zwischen den Beiden. Für einen Moment sahen sie sich einfach nur an. Yami fragte sich flüchtig, ob Yugi überhaupt ahnte, was er mit diesem Lächeln anrichtete. Wahrscheinlich nicht. Vielleicht war genau das das Gefährliche daran.

„Ach übrigens.“ Yugi trat bereits einen Schritt zurück und fuhr fort: „Wenn du das Spiel beendet hast…“

Fragend sah Yami ihn aufmerksam an.

„Dann sieh dir die Credits an.“

Die Antwort überraschte ihn sichtbar. Er hatte nicht mit einem derartigen Themenwechsel gerechnet.

„Die Credits?“

Yugi nickte leicht.

„Du interessierst dich doch inzwischen dafür, wie solche Spiele entstehen.“

„Vielleicht.“

„Dann schau sie dir an.“

Für einen kurzen Moment wurde sein Blick weicher. Fast bittend. „Die meisten überspringen sie.“

„Und ich soll das nicht tun?“, fragte Yami verwundert nach. Sein Verkäufer schüttelte langsam mit dem Kopf, neigte ihn etwas zur Seite und sah ihn mit diesen leuchtenden Augen an.

„Wenn man sich für eine Geschichte interessiert lohnt es sich manchmal auch die Menschen dahinter kennenzulernen.“

Da sprach der Teil in ihm, der mit voller Leidenschaft aus dem Nichts etwas kreierte.

Jener welcher neue Welten schaffte, neue Geschichten, die einen berührten. Eigentlich sollten die Spieler sich auch die Zeit dafür nehmen zu sehen, wer daran gearbeitet hatte. Sie nahmen sich schliesslich auch die Zeit es zu spielen. Yami bemerkte immer wieder, dass Yugi versuchte seinen Horizont zu erweitern. Weiter zu sehen als nur das was vor einem lag.

Er nickte langsam.

„Ich mach’s“, erwiderte er lächelnd. Yugi schien zufrieden zu sein. Er trat schliesslich einen weiteren Schritt zurück.

„Wenn du fertig bist, komm wieder in den Laden… Dann suchen wir dein nächstes Spiel.“

Yami spürte, wie sein Herz bei diesen Worten einen weiteren Schlag aussetzte. Schliesslich hob Yugi die Hand zum Abschied und machte sich auf den Weg zurück zu seinen Freunden. Zurück blieb nur Yami. Mit einem viel zu schnellen Herzschlag und dem Gefühl, dass dieser Abend ihm noch sehr lange im Gedächtnis bleiben würde.

Nachdem Yugi wieder an einem Platz zurückgekehrt war, dauerte es keine zehn Sekunden bis Joey ihn mit Fragen bombardierte. Yugi rollte mit den Augen und genehmigte sich einen Schluck aus seinem Drink.

„Erzähl schon! Was ging da gerade ab zwischen euch?“

„Nichts besonderes. Seid nicht so neugierig. Wir haben bisschen geredet, mehr nicht“, erklärte der Verkäufer ruhig und sachlich.

„Das sah bisschen mehr aus als nur reden“, fügte Ryou lachend hinzu und musterte seinen besten Freund eindringlich. Jener seufzte auf.

„Er hat mir diese Jetons gegeben um Getränke aufs Haus zu kriegen. Fragt mich nicht wieso.“

„Wieso?“

„Tea!“

„Was?“, lachte sie hinterhältig und tätschelte auf Yugis Schulter.

„Ich glaub, der mag dich, Alter. So wie der dich angesehen hat…“, entgegnete Joey mit einem Grinsen im Gesicht. Yugi schüttelte genervt den Kopf und funkelte seinen Kumpel mit bösen Augen an. „Lass das. Selbst wenn dem so wäre, spielt das keine Rolle. Ich bin nicht interessiert daran ein Verhältnis mit einem Kunden von mir einzugehen“, erwiderte er bestimmend.

„Ja, ja. Das Thema hatten wir schon“, kam es abwinkend von Joey zurück. Er lehnte sich zurück und nahm einen grossen Schluck aus seinem Glas.

„Können wir bitte das Thema wechseln?“ Doch seine Freunde lachten nur vergnügt, aber sie liessen das Thema tatsächlich ruhen. Fürs Erste.

Von der Bar aus beobachtete Bakura die Gruppe immer wieder. Sein Blick wanderte immer wieder zu dem jungen Mann mit den langen, weissen Haaren und den sanften Gesichtszügen. Jener lachte ausgelassen mit seinen Freunden über etwas, dass der Blonde Kerl erzählt hatte.

Yami beobachtete seinen besten Freund missmutig, so hatte er doch die Blicke bemerkt und es gefiel ihm ganz und gar nicht. Allein deswegen, weil dieser jemand, den er ihm Auge hatte, zu Yugis engsten Freunden gehörte. Er mochte Bakura, aber er kannte ihn auch zu gut und er hatte etwas Sorge, dass sein rabiates Auftreten im Zusammenhang mit Yugis Freund für Probleme führen könnte. Er trat an seine Seite und kniff ihn in den Unterarm, was sein Freund leise fluchen liess.

„Nein!“

Perplex sah der Weisshaarige seinen Geschäftspartner an, der ihn mit mahnenden Augen ansah. Er rieb sich den Unterarm und murmelte: „Ich habe doch gar nichts gemacht.“

„Noch nicht. Aber dein Blick verheisst nichts gutes!“

„Ich habe nur hingesehen, okay? Ich bau schon keinen Mist“, verteidigte sich Bakura murrend und griff sogleich nach einem Glas und nahm einen grosszügigen Schluck daraus. Man könnte meinen es wäre Wasser, doch Bakura ist kein grosser Freund von gesunden Getränken, gar alkoholfrei.

Yami rollte mit den Augen und machte sich an die nächste Getränkebestellung ran. Der DJ leistete heute ziemlich gute Arbeit. Die Stimmung war wahnsinnig gut und die Songauswahl noch besser. Er orientierte sich wirklich an die neusten Trends und Hits, die aktuell liefen. Viele bewegten sich eilig zur Tanzfläche und liessen die Musik durch ihren Körper.

Irgendwann konnte er beobachten wie auch Yugi und seine Freunde sich davon mitreissen liessen. Doch Yami hatte nur Augen für ihn. Yugi wurde von seinem Platz förmlich mitgeschleift und dazu überredet mit auf die Tanzfläche zu kommen.

Für einen kurzen Moment blieb Yugi einfach stehen, als würde er noch überlegen, ob er das Ganze nicht doch bereuen sollte. Joey dagegen schien diese Überlegung gar nicht erst nachvollziehen zu können. Er redete auf ihn ein, gestikulierte wild mit den Armen und brachte Yugi damit schließlich zum Lachen.

Dieses Lachen...

Es war selbst aus der Entfernung unverkennbar. Es wirkte so ehrlich, ausgelassen. Was würde er dafür geben, dass er der Grund für dieses Lachen sein könnte. Yami erwischte sich dabei, wie er unwillkürlich ebenfalls lächelte.

Er konnte spüren wie die Musik vibrierte und die meisten Gespräche verschluckte. Er beobachtete wie Joey wild tanzte und seine gute Laune andere ansteckte. Diese Tea schüttelte nur lachend den Kopf, dabei flogen ihre kurzen, freche Haare hin und her, während sie irgendetwas zu ihm sagte. Joey hob gespielt empört die Hände, als hätte man ihn gerade beleidigt. Worum es ging, konnte Yami unmöglich verstehen. Musste er auch nicht.

Alle vier wirkten, als würden sie sich schon ewig kennen. So gegensätzlich wie sie aufeinander wirkten, so sehr gehörten sie aber zusammen. Es waren die kleinen Dinge, die ihm auffielen. Yugi beugte sich zu Ryou vor, weil dieser etwas sagte, das in der Musik unterzugehen drohte. Er hörte aufmerksam zu, nickte kurz und antwortete mit einem ruhigen Lächeln. Daraufhin hielt Yugi seine Hand und zog ihn zu sich auf die Tanzfläche. Sie wirkten so vertraut. Yugi schien wie ein grosser Bruder zu sein, der auf ihn achtete. Und Ryou achtete genauso auf ihn.

Yami bemerkte erst, dass der Cocktailshaker in seiner Hand längst stillstand, als ein Gast sich räusperte.

„Entschuldigung?“

Verwirrt blinzelte Yami und erkannte seinen Gast, welcher etwas ungeduldig auf seinen Drink wartete.

„Äh... ja. Natürlich. Tut mir Leid für’s warten.“ Schnell bereitete er den Drink fertig zu und reichte ihn seinem Gast, welcher Kopfschüttelnd in der Menge verschwand. Mit einem kaum hörbaren Seufzen zwang er sich, den Blick wieder von der Tanzfläche zu lösen. Doch er erwischte sich immer wieder dabei wie er die Freundesgruppe beobachtete. Sein kleiner Verkäufer schien den Spass seines Lebens zu haben. Tanzen konnte er, das musste Yami ihm lassen. In dem Moment wünschte er sich nichts sehnlicheres, als das er ein ganz normaler Gast wäre, der sich einfach dazu gesellen könnte. Irgendwann konnte er erkennen, wie Yugi wohl mit Joey etwas schimpfte. Er nahm ihm ein Glas aus der Hand, welches er an den nächst besten Tisch stellte. Ihm fiel nun auch auf, dass der Blonde immer wieder etwas bestellte. Konnte jemand wohl nicht so gut auf seinen Alkoholkonsum achten. Es hatte etwas lustiges dieses Bild.

Er war einfach... da.

Für jeden von ihnen.

Er merkte wie er schon wieder abdriftete. Das konnte doch nicht wahr sein. Wie unprofessionell kam er bitte rüber? Was seine Angestellten von ihm denken mussten, dass er als Chef sich derartigen komisch verhielt und alles verzögert rausgab.Selbst Bakura war irgendwann von seiner Abwesenheit so genervt, dass er ihn beiseite zog um ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden.

„Was zur Hölle ist los mit dir? Wenn du es nicht packst zu arbeiten, dann solltest du vielleicht die Drinks Ritsu überlassen und dich stattdessen anderen Dingen widmen. Wo bist du mit deinem Kopf?“ Bakura stemmte tadelnd die Hände in die Hüfte und musterte Yami akribisch. Der fuhr sich nur seufzend durch die Haare und lief auf und ab.

„Keine Ahnung, Bakura. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, wenn DER DA mir vor der Nase rumhüpft.“ Dabei deutete er nicht gerade subtil auf den lachenden Yugi, der nun in einem Gespräch mit Tea vertieft zu sein schien.

„Ach, daher weht der Wind. Du hast dich total in ihn verschossen“, lachte er schadenfreudig auf und tätschelte ihm hart auf die Schulter.

„Hör auf! Das ist nicht witzig!“

„Doch, ziemlich. Aber scheisse für unsere Kunden, wenn du sie damit vergraulst. Warum gehst du nicht einfach zu ihm hin? Du bist doch sonst nicht so zimperlich“, machte sich der Weisshaarige über ihn lustig und damit stellte er Yami alles in Frage. Ja… Warum war er so zurückhaltend? Auf dem Gebiet hatte er doch nie lange etwas auf sich Warten lassen. Wenn er es wollte, dann kriegte er es normalerweise. Doch bei Yugi… War es irgendwie anders.

„Keine Ahnung. Ich kann’s mir ja selber nicht erklären“, gestand er sich selbst leise ein und sah Yugi einfach nur an. Neben ihm erklang ein tiefes Seufzen.

„Dann lässt du mir keine andere Wahl.“

Mit diesen Worten drehte sich Bakura mit einem kaum zu übersehenden Grinsen um und steuerte geradewegs auf die kleine Gruppe zu.

„Bakura!“

Jener hob nur abwinkend die Hand und machte sich nicht mal die Mühe ihn anzusehen. Yami stöhnte genervt auf und gab Ritsu kurz die Anweisung die Bar zu übernehmen, er müssen etwas klären. Eilig lief er seinem besten Freund hinterher, der zielstrebig auf die Freundesgruppe zuging.  Je näher sie kamen, desto mehr konnte man den Gesprächen lauschen. Joey und Ryou standen nebeneinander und unterhielten sich über Joeys Arbeit.

Yugi war währenddessen mit Tea beschäftigt, die sich über irgendeine Kollegin aus ihrer Abteilung aufregte. Was für eine garstige und hinterhältige Person sie sei und das sie alles tat um die Aufmerksamkeit eines Jeden zu haben. Yami und Bakura blieben kurz stehen und lauschten der Lästerei der Beiden.

„Was ist das denn für eine Zicke!“

„Sag ich ja. Und dann klaut sie noch meine Idee und präsentiert sie dem Kunden als ich kurz auf Toilette war.“

„Klingt wie die Hohlbirne aus der Grafikabteilung, die mal bei uns gearbeitet hat. Schreib in ihren Namen eine Kündigung und lass die dann beim Drucker liegen.“

Die beiden Clubbesitzer machten grosse Augen als sie den Vorschlag des kleinen Verkäufers hörten. Das kam derartig unerwartet und passte so gar nicht zu dem sonst so freundlichen Spielentwickler. Zumindest war dies auch eine Seite, die er noch nicht von ihm kannte. Tea teilte wohl ihr Entsetzen und schüttelte fassungslos den Kopf.

„Yugi!“

„Was?! Was meinst du wie wir die losgeworden sind?“

„Nicht dein Ernst! Du machst sowas?“

„Ne, ich doch nicht! Ich bin Creative-Director, das dürfte ich mir nie erlauben… Aber Tatsu schon“, grinste Yugi amüsiert und zuckte mit den Schultern. Yami schüttelte belustigt den Kopf als er das hörte.

„Bitte? Und du leitest das nicht weiter?“

Yugi lächelte nur unschuldig. Als würde er keiner Fliege was zur Leide tun.

„Ich habe nie behauptet, etwas gesehen zu haben.“

Daraufhin Tea hob kritisch die Augenbraue und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Sie lehnte sich ganz leicht vor.

„Du hast definitiv etwas gesehen.“

„Das ist eine Unterstellung“, rief Yugi empört aus und stemmte die Arme in die Hüfte. Doch das freche Aufblitzen in den Augen entging niemandem.

„Yugi!“

„Hören und Sagen, keine Beweise“, grinste Yugi und fügte hinzu: „Sie hat ihm aber auch immer wieder seine Ideen geklaut und als ihre ausgegeben. Denke die Art der Rache ist gerechtfertigt. Und abgesehen davon wäre ich auch keine Petze, wenn ich was gesehen hätte!“ Dabei streckte er ihr frech die Zunge raus, was sie mit einem gespielten bösen blick quittierte und ihn sanft schubste.

Im Laden wirkte Yugi oft ruhig und zurückhaltend, doch hier fiel ihm auf, wie unterschiedlich er mit seinen Freunden umging. Bei Tea hörte er einfach zu. Er nahm ihre Probleme ernst. Selbst dann, wenn es offensichtlich um Dinge ging, die für Außenstehende vollkommen belanglos wirkten. Für Tea waren sie wichtig. Also waren sie für Yugi ebenfalls wichtig.

Yami beobachtete das einige Sekunden lang, bis ihn bewusst wurde, dass er Bakura total vergessen hatte. Jener stand nämlich nicht mehr neben ihm, sondern ziemlich Nahe bei diesem gewissen Ryou. Dieser lächelte Bakura etwas schüchtern an, aber er schien Gefallen daran zu haben, dass der Grössere ihn umgarnte. Er trat neben ihm und setzte seine höfliche, professionelle Haltung auf.

„Bei euch alles in Ordnung?“ Fragend sah er in die Gesichter der Beiden Freunde von Yugi, welche ihn freundlich anlächelten. „Ja, Bestens! Dieser Club ist der Hammer!“, erklang die begeisterte Stimme Joeys, welcher einen weiteren Schluck aus seinem Glas nahm. Er war schon gut angetrunken.

Als wäre dies ein Alarmzeichen gewesen, unterbrach Yugi sein Gespräch mit Tea und ging kurzen Schrittes zur Bar um etwas zu holen. Mit einem etwas strengen Blick und einem neuen Glas in der Hand, trat er neben Joey um diesem sein Glas aus der Hand mit dem neuen zu ersetzen.

„Niemand will die Geschichte mit dem Hund hören! Du hattest für heute genug Alkohol. Verstanden?“ Dabei sah er nicht nur Joey an, sondern warf auch einen warnenden Blick zu Yami und Bakura, dass diese ihm nichts mehr rausgaben ausser Wasser. Die Beiden nickten nur stumm und konnten sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Joey seufzte lautstark und rollte mit den Augen. „Och, Mann… Aber die Geschichte ist richtig witzig.“

„Ist sie nicht!“

Das interessante daran war, dass Joey sich nicht widersetzte, sondern wirklich auf Yugi hörte. Er schien vollstes Vertrauen in das Gespür seines besten Freundes zu haben. Es war ein seltsames Gleichgewicht. Von aussen betrachtet hätte vermutlich jeder angenommen, dass Joey der Beschützer sei in dieser Freundschaft. Er war laut, mutig und derjenige der sofort dazwischen ging, wenn es Ärger gab. So wirkte er. Doch während Yami den Beiden zusah, wie sie zu diskutieren begannen ob Joey nun seine Story mitteilen durfte oder nicht, wurde ihm langsam klar, dass Yugi dafür sorgte, dass Joey erst gar nicht in Schwierigkeiten geriet.

Feuer und Wasser.

Vollkommen unterschiedlich.

Und dennoch schienen sie sich gegenseitig auszugleichen.

Unterdessen hat sich Bakura wieder Ryou zugewandt, welcher etwas hilflos aussah. Er schien zwar nicht ganz abgeneigt, dennoch war Bakura ziemlich aufdringlich, was ihn wohl etwas überforderte. Yami stöhnte auf und zog Bakura am Kragen zur Seite.

„Könntest du dich etwas zusammenreissen? Du verschreckst den armen Kerl doch nur.“

„Ich? Zusammenreissen? Sagt der, der den ganzen Abend schon seinem kleinen Verkäufer nachsabbert“, erwiderte Bakura mit rauer Stimme, eine Augenbraue hob sich.

„Unterschied ist, dass ich ihn nicht belästige“, verteidigte sich Yami. „Gehen wir wieder an die Arbeit, sonst denken die noch sonst was von uns“, fügte er murmelnd hinzu, währenddessen sie sich wieder auf den Weg zur Bar machten. Yami löste Ritsu wieder ab und Bakura machte sich mit seinem Tablett auf den Weg in die Menschenmenge.

Der Abend verlief ohne grosse Zwischenfälle. Joey versuchte zwar das ein oder andere Mal noch einen Drink zu bestellen, doch Yami nahm Yugis. Worte ernst und schenkte dem Blonden lediglich ein Glas Wasser ein. Dieser nahm es etwas missmutig, machte aber keine weiteren Probleme. Von der Ferne konnte der Barkeeper den zufriedenen und dankbaren Blick seines Lieblingsverkäufers beobachten.

Es war weit nach Mitternacht als Yami sich mit Bakura eine Pause an der frischen Luft gönnte. Sein bester Freund nahm aus seiner Hosentasche eine Schachtel Zigaretten hervor um eine zu rauchen. Yami hasste das wie die Pest, aber er hatte es aufgegeben den Weisshaarigen davon zu überzeugen aufzuhören.

Nach einiger Zeit traten dann Yugi und seine Freunde aus dem Club. Sie wollten sich wohl langsam auf den Weg nach Hause begeben. Joey entdeckte die Beiden und trat zu ihnen heran.

„Kann ich eine Zigarette schnorren?“ Nickend streckte Bakura ihm die Schachtel entgegen und hielt ihm das Feuerzeug hin. Ein genervten Stöhnen erklang aus Yugis Richtung, der angewidert die Nase verzog. „Du bist so ein Ekel. Komm ja nicht in meine Nähe damit“, zischte er den Blonden an, der genüsslich den Rauch einsog.

„Entspann dich, Yu! Ich rauche ja nur beim Feiern“, versicherte ihm der Blonde, doch sein Freund rollte nur mit dem Augen und murmelte: „Und das ist schon schlimm genug.“

„Dann sind wir schon zwei, die es eklig finden“, sagte Yami mit einem leichten Lächeln und trat an Yugis Seite. Jener löste seinen Blick von Joey um sich dem Yami zu widmen. „Du magst es auch nicht? Irgendwie hab ich was anderes erwartet.“

„Seh’ ich etwa aus wie ein Raucher?“, lachte der Grössere gespielt beleidigt, doch Yugi schüttelte nur den Kopf. „Es hätte mich nur nicht überrascht. So als Clubbesitzer.“

„Ach… Was für ein Klischee!“

Entschuldigend zuckte Yugi mit den Schultern und grinste seinen Gegenüber an. Es legte sich eine angenehme Ruhe über die Gruppe, bis sich schliesslich Ryou zu Wort meldete bevor Bakura seine Chance wieder ergreifen konnte sich ihm zu nähern. Yugi beobachtete die Beiden stumm.

„Hey, ich muss los. Muss noch mein Kunstprojekt fertig kriegen für Montag.“ Er machte einige Schritte zurück und winkte zum Abschied. Bakura entfloh ein leises Seufzen. Auch Tea machte sich nun auf den Weg und Joey begleitete sie mit den Worten, dass eine Dame nachts nicht allein unterwegs sein sollte.

„Dein Freund ist zurückhaltend“, seufzte der Weisshaarige und sah in die Richtung in die Ryou verschwunden war. Yugi hob eine Augenbraue und musterte den Grösseren mit nachdenklicher Miene.

„Er ist vorsichtig“, korrigierte Yugi ihn, aber ohne ein Lächeln im Gesicht. Er sah ziemlich ernst aus. Für ihn war es kein Spass, wenn es um das Herz seines besten Freundes ging. „Ryou ist ein Romantiker. Nichts zum Vergnügen“, fügte er bestimmend hinzu.

Bakura hatte ein schelmisches Grinsen auf den Lippen.

„Du traust mir also nicht.“

Yugi schüttelte langsam den Kopf.

„Ich kenne dich nicht. Das ist ein Unterschied.“ Seine Stimme blieb ruhig. Sachlich. Fast schon nüchtern.

Bakura hielt dem Blick stand. Das schelmische Grinsen verschwand langsam aus seinem Gesicht.

„Fair.“

Yami kam sich plötzlich etwas fehl am Platz vor. Es war, als würden die beiden gerade ein gespräch führen, das nur sie verstanden. Nach einem kurzen Moment fuhr Yugi fort.

„Wenn ich merke, dass er sich unwohl fühlt bei dir oder du es nicht ernst mit ihm meinst… Dann bin ich da.“ Es klang weder wie eine Drohung noch wie ein Befehl. Es war lediglich eine ruhige Feststellung.

Bakuras Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. Er verstand. Er drückte die Zigarette aus und nickte dem Kleineren zu.

„Du bist ein guter Freund, Kleiner. Ich mag deine direkte Art.“ Er klopfte ihm sanft auf die Schulter und ging dann an ihm vorbei wieder rein ins Yoru. Yami blickte ihm überrascht hinterher. Normalerweise war Bakura entweder so dreist und gab einen Scheiss drauf, was Andere sagten oder er wies die Leute zurecht, die ihm was vorschreiben wollten. Doch bei Yugi war es anders.

Es wirkte fast so, als hätte Bakura zum ersten Mal jemanden getroffen, dessen Worte er nicht einfach abtat.

Er wandte sich seinem kleinen Verkäufer zu, der ihn wohl schon die ganze Zeit beobachtete.

„Ryou ist dir wichtig“, stellte Yami leise fest nach einem kurzen Moment der Stille. Yugi lächelte ihn sanft an und nickte kaum merklich. „Er ist eine gute Seele. Ich will nur nicht, dass jemand das ausnutzt und ich kenne Bakura nicht gut genug um ihn einschätzen zu können was er wirklich will.“

„Ich weiss, er wirkt etwas grob und selbstverliebt, aber… er hat ein gutes Herz. Sei nicht zu streng mit ihm“, Sagte Yami mit ruhiger und sanfter Stimme, während er de Kleineren ein ehrliches Lächeln schenkte.

„Ich war nicht streng. Ich wollte ihm nur deutlich machen worauf er sich einlässt, wenn er sich Ryou nähern möchte“, hauchte er leise lächelnd, dass es Yami ganz warm ums herz wurde. Einen Moment standen sie einfach nur da und sahen sich an. Die Luft um sie herum fühlte sich für Yami elektrisierend an. Dann fiel ihm wieder etwas ein, was er noch fragen wollte.

„Eine Sache verstehe ich nicht:“

„Welche?“

„Du hast doch genau gewusst, was Tatsu gemacht hat.“

„Mhm.“

„Warum hast du dann behauptet, nichts gesehen zu haben?“

Einen Augenblick lang sah ihn Yugi einfach nur schweigend an. Dann entwich ihm ein Kichern.

„Du hast also mitgehört.“

„Vielleicht“, gab Yami mit einem verlegenen Schmunzeln zu.

„Ich sollte wohl vorsichtiger werden, was ich in deiner Gegenwart sage“, flüsterte Yugi kichernd.

„Das beantwortet meine Frage aber noch nicht“, erwiderte der Grössere sanft.

„Ich glaube daran, dass Menschen manchmal Dinge tun, die nicht richtig sind… aus den richtigen Gründen.“

Er ging einen kleinen Schritt auf Yami zu, sah in dessen Rubinroten Augen.

„Das macht sie nicht automatisch richtig… Aber auch nicht automatisch falsch…“ Sie standen eine Weile einfach da, sahen sich an. Solche Momente geschahen irgendwie immer wie mehr und Yami genoss sie. Aus dem Club drang dumpf die Musik nach draußen, während irgendwo in der Ferne ein Auto vorbeifuhr. Es fing an leicht zu regnen. Das Geräusch der Regentropfen auf dem Vordach hatte eine beruhigende Wirkung. Doch irgendwann löste Yugi dann die Stille auf.

„Ich sollte mich langsam auf den Weg machen. Bevor es schlimmer wird.“ Yami nickte. Sie winkten zum Abschied und sein kleiner Verkäufer machte einige Schritte weg von ihm.

Der Clubbesitzer sah ihm gedankenverloren nach, ein tiefer Seufzer entwich ihm. Irgendwie war es anders nun zwischen ihnen. Es hatte sich etwas verändert. Doch er wusste nicht was. Er stiess sich von der Wand ab und lief nun zum Eingang vom Yoru um sich wieder an die Arbeit zu machen.

Doch Yugi blieb plötzlich in seiner Bewegung stehen und drehte sich nochmal zu Yami um.

„Du hast gefragt, welche Rolle ich habe…“

Aus den Gedanken gerissen, blickte Yami verwirrt zurück. Die violetten Augen hatten in der Dunkelheit ein leichtes Glänzen von den Strassenlaternen. Die Haare und Kleidung nahmen schon einen leichten Glanz an durch den Regen.

Er nickte nur abwesend.

„Ich passe auf, dass es jedem gut geht“, hauchte er leise lächelnd, sah ihn noch einen Augenblick länger an als nötig. Dann drehte er sich um und ging seiner Wege. Nachhause. Um wahrscheinlich zu schlafen, wie die meisten. Während Yami nun da stand und noch die Hälfte seiner Schicht vor sich hatte. Er stand noch da wie angewurzelt und sah wie Yugi um die nächste Ecke abbog.

Er passte auf…?

Jeder, der ihn zum Freund hatte, durfte erleben, wie aufmerksam Yugi auf die Menschen um sich herum achtete. Was wünschte er sich das auch erleben zu dürfen…

Er machte kehrt und betrat seinen Nachtclub um den Abend hinter sich zu bringen.

Wie viele Seiten eines Menschen konnte man kennenlernen… bevor man ihn wirklich verstand?