Kapitel 5: Gespräche
Kapitel 5: Gespräche
Ich kam tatsächlich gut mit meinen Krücken voran, sodass ich kurz vor 17 Uhr am Springbrunnen ankam. Ich setzte mich auf dem Rand ruhte mich etwas aus. Auch wenn ich gut voran kam war es bei der Wärme kein Vergnügen. Ich hatte das Gefühl, dass die Krücken irgendwann an meinen Armen kleben blieben. Ich fuhr mit der Hand durchs kalte Wasser und genoss die angenehme Kühle auf meiner Haut. Auch wenn es gleich 17 Uhr war und die Sonne langsam in einer Stunde anfing unter zu gehen, war die Wärme deutlich spürbar.
"Hi-chan!", kam es von irgendwo hergerufen.
Ich drehte meinen Kopf in die Richtung und sah einen Takuma mit einem winkenden Arm auf mich zu kommen. Er hatte seine Schuluniform schon an, hatte jedoch die Jacke ausgezogen, diese sich lässig über die Schulter geworfen, die Ärmel von seinem Hemd hoch geschoben und er trug eine Sonnenbrille. Das passt ja irgendwie überhaupt nicht zusammen, dachte ich so für mich, während ich ihm zurück winkte.
"Bin ich zu spät?", fragte der blondhaarige und setzte sich neben mich.
Ich lächelte ihn an.
"Nein, ich war nur zu früh. Ich hatte gedacht ich brauche länger mit den Krücken.", sagte ich und zeigte auf die Krücken die ich an den Brunnenrand gelehnt hatte.
"Puhhh, na dann bin ich erleichtert - eine schöne Dame lässt man nicht warten!", gab er lächelt von sich. Ich wurde leicht rot und boxte ihn gegen den Arm.
"Du klingst ja fast wie Aido-kun".
Er kicherte.
"Ist es komisch für dich das ich hier mit Sonnenbrille sitze?", fragte er während er aus der Tasche seiner Jacke einen Manga hervor zauberte.
"Nein. Ich weiß ja das ihr Lichtempfindlich seid, dass ist wie wenn man im Winter am Tag aus dem Haus geht und die Sonne stahlt auf dem Schnee. Das ist dann so hell, dass dies vielen Menschen in den Augen weh tut. Also von daher..." sagte ich und zuckte mich den Schultern "Es ist halt nur -das passt einfach nicht zu deiner Uniform -irgendwie fehl am Platz.", redete ich amüsiert weiter.
"Da gebe ich dir recht", erwiderte Takuma und kratzte sich verlegen am Kopf.
"Wie wäre es wenn wir uns da drüben unter den Baum setzten? Der müsste genügend Schatten spenden, sodass du die Brille abnehmen kannst.", schlug ich vor und zeigte auf einen großen Baum in der Nähe.
"Klingt nach einem Plan", stimmte er zu, stand auf und hielt mir höflicherweise meine Krücken hin.
"Ich hoffe ich bin die bald wieder los. Ich möchte ungern die Ferien so verbringen.", gab ich leicht meckernd von mir, während wir zu dem schattigen Platz liefen.
"Das wird schon werden...ich denke noch ein paar Tage und dann geht es deinem Knöchel wieder gut.", versuchte mich Takuma aufzumuntern.
Er half mir mich vorsichtig auf den Boden setzten. Wir rückten ganz bis an den Stamm ran und lehnt uns an diesen. Takuma nahm seine Sonnenbrille ab und wedelte mit dem Manga vor meiner Nase herum. Ich schnappte ihn mir und grinste.
"Und wie findest du den neuen Manga von Toyama?", fragte ich und fing an im Manga auf meine bisherige Lieblingsstelle zu blättern.
"Ich muss sagen er ist ihr ziemlich gut gelungen. Ich meine einen Manga zu schreiben bzw. zu zeichnen aus der Perspektiv einer Person die nicht nur schüchtern ist, sondern eigentlich die so gut wie keine Präsenz hat. Gut, ich finde es leicht übertrieben, dass sich halt auf einmal der Schulliebling in die Protagonistin verliebt - ich meine es ist halt schon klischeehaft, aber ansonsten hat sie die Themen von Freundschaft und der Einsamkeit ziemlich gut in Szene gesetzt. Bin halt gespannt wie es weiter geht. So wie ich gelesen habe sollen es insgesamt fünf Bände werden.", beantwortet Takuma wie immer ausführlich meine Frage. Ich hielt ihm die Seite hin, wo die Protagonist versuchte ihre kleine Sonnenblume vor dem starken Regen zu schützen.
"Mich hat die Szene irgendwie berührt. Hikage hat Ängste und ist sich komplett unsicher was sie tun soll, aber komme was wolle sie will diese kleine Sonnenblume beschützen.", erklärte ich Takuma meine Lieblingsstelle, während er sie sich anschaute.
"Zu deiner Antwort auf meine Frage..." fing ich an und legte das Manga auf meine Oberschenkel "...also ich stimme zu das es leicht klischeebehaftet ist. Aber ich meine man weiß ja auch nicht wie der beliebte Junge vielleicht einsam ist, obwohl er so beliebt ist und einen besten Freund hat. Vielleicht will Toyama zeigen, dass es nicht nur diese offensichtliche Einsamkeit gibt, sondern auch andere die überdeckt wird von anderen Sachen wie Beliebtheit, augenscheinlichen Fleiß oder zum Beispiel viele Clubaktivitäten. Man kann halt wirklich in einer Menge von Menschen genau so einsam sein wie wenn man alleine ist. Ich bin jedenfalls dann auf die weiteren vier Bände gespannt!", sagte ich und grinste Takuma fröhlich an.
"Ich bin immer wieder erstaunt wie du versuchst über den Tellerrand hinaus zu blicken und zu verstehen...", gab Takuma von sich und lächelte mich an.
"Ach da fällt mir noch was ein...", ich kramte mein Handy aus meiner Tasche " Vielen Dank das du Yuki-chan gesagt hast was mir noch für ein Buch fehlt - sie haben es mir als Willkommensgeschenk geschenkt und diesen Anhänger hier!", sagte ich glücklich und hielt in meinen neuen Handyanhänger vor die Nase. Er nahm das Handy und schaute sich den Anhänger genau an.
"Weißt du. Ich habe zwar Freunde bei mir zu Hause, aber sowas hatten wir nie. Nie ein Zeichen unsere richtigen Freundschaft. Dadurch das ich Klassensprecherin und Schulsprecherin war hatte ich nicht ganz soviel Zeit wie die anderen. Man könnte meinen ich habe nur zu den Mädels gehört, weil wir uns seit der Grundschule kannten. Bisher hat auch keiner geschrieben und gefragt ob ich zum Beispiel schon hier bin oder ähnliches...", erklärte ich Takuma während ich mit einem traurigen Lächeln nach oben durch die Zweige in den Himmel schaute. Die Sonne schien milde durch die grüne Blätterpracht und schien mir eine Art Trost zu spenden.
"Weißt du....", fing Takuma an.
"...ich bin froh das es geklappt hat wegen dem Buch. Du hast schon so lange davon geredet und der Anhänger ist echt schön ich freue mich für dich, dass du in Wakaba-san und Yuki-chan so gute Freundinnen gefunden hast. Es tut mir Leid das ich nichts für dich habe.", sagte er leicht bedrückt. Ich schaute ihn an.
"Weißt du Takuma. Du hast mich gestern den ganzen Weg getragen, hast mich verarztet und hast Yuki verraten, welches Buch ich gerne hätte - ich glaube das kann man auch als Willkommensgeschenk ansehen.", sagte ich, zwinkerte ihm zu und streckte ihm frech die Zunge heraus. Takuma musste lachen und ich grinste über das ganze Gesicht.
"Hoj! Ichijo-kun! Hikari-san!", rief eine tiefe Stimme. Wir schauten in die Richtung und erkannten Akatsuki wie er auf uns zu kam.
"Kaname-sama hat mich geschickt um euch zu holen. Wir sollen jetzt alle zum Rektor ins Büro kommen. Wir treffen uns wie gestern ausgemacht um über gestern nochmal zu reden."
Wir nickten. Takuma stand auf und half mir auf meine Beine bzw. auf ein Bein zu kommen.
"Damit es schneller geht würde ich vorschlagen, dass du meine Sachen und Hikari-chans Krücken nimmst Akatsuki-kun und ich nehme Hikari-chan Huckepack. Dann sind wir wie gesagt schneller im Büro.", schlug Takuma vor. Akatsuki-san und ich nickten zustimmend. Während Akatsuki-san unsere Sachen nahm, ging Takuma vor mir in die Hocke. Ich hielt mich an ihm fest und schling meine Beine soweit es ging um ihn. Dann machten wir uns zu dritt auf dem Weg zum Büro des Rektors.
~
Nach ein paar Minuten kamen wir recht schnell beim Büro des Rektors an. Akatsuki öffnete die Tür und hielt sie uns auf. Takuma kam mit mir Huckepack in den Raum rein, ging rüber zum Sofa, ging langsam in die Knie und ließ mich vorsichtig auf das Sofa runter. Ich legte mein Bein mit dem verletzten Knöchel auf das Sofa, während Akatsuki meine Krücke gegen die Sofalehne stellte.
"Danke", sagte ich was er mit einem nicken seiner Seits zur Kenntnis nahm.
Er stellte sich zu Aido und Takuma, welche sich auf den beiden Stühlen vor dem Tisch des Rektors niedergelassen hatten. Kaname stand am Fenster und der Rektor sahs wie immer in seinem Sessel.Ich räusperte mich und unterbrach die Stille.
"Also um das ganze zu beschleunigen. Ich habe mit meiner Mutter telefoniert, sie hatte niemanden gesagt wann ich wo ankomme. Sie hat nur - genau wie ich meinen Freundinnen - gesagt das ich hier auf die Akademie gehen werde. Weder mit welchen Flug noch am welchen Tag und Uhrzeit."
"Und ich habe wie ausgemacht mit dem Taxifahrer geredet. Er hat gemeint er hat niemanden gesagt, dass er dich abholen kommt, wegen Datenschutz.", erklärte der Rektor kurz und ernst.
" Und was ist, wenn er es doch jemanden gesagt hat und diese Person hat ihn das vergessen lassen?", warf ich nachdenklich ein.
"Aber das wäre nur möglich, wenn diese Person ein Reinblüter wäre, es gibt keine Adligen Vampire die dazu fähig sind...", sagte nun Aido nachdenklich. Kaname dreht sich zu uns um und schaute erst mich und dann Aido ebenfalls nachdenklich an.
"Falls dem so wäre. Dann muss dieser Haruto oder seine Geliebte wichtig für den Reinblüter gewesen sein. Anders kann ich mir nicht erklären warum du diesem Reinblüter ein Dorn im Auge bist.", sagte Kaname ruhig und schaute mich direkt aus seinen tiefbraunen Augen an.
"Fällt dir den jemand ein Kaname? Ich meine so viele Reinblüter gibt es nicht und auch nicht in dieser Gegend.", fragte Takuma an.
"Tatsächlich fällt mir gerade nur eine Reinblüterin ein, aber diese ist schon vor einiger Zeit verschwunden.", meine Kaname und stellte sich neben dem Rektor.
"Egal wer es am Ende ist. Wir müssen vorbereitet sein", meine Kaname und wendet sich an den Rektor. "Ich werde nochmal mit dem Fahrer reden. Falls ich feststellen kann das er unter einen Bann steht muss er zum Hunterverband gebracht werden und untersucht werden." Der Rektor nickte zustimmend.
"Bitte haltet die Augen offen, ich möchte nicht das unsere friedliche Koexistenz bedroht wird...", sagte der Rektor und schaute dabei ernst Kaname an. Der Reinblüter nickte.
"Wir gehen jetzt.", sagte Kaname, ging zur Tür und verließ das Büro. Aido, Akatsuki und Takuma folgten ihn. Takuma lächelte mich nochmal an bevor er dir Tür hinter sich schloss. Ich sahs noch immer auf dem Sofa. Der Rektor stand auf, nahm etwas aus seiner Schublade und kam zu mir herüber.
"Ich wollte dich noch etwas fragen Hikari. Da du Erfahrung im Kampf gegen Vampire hast und vieles über die Vampire durch deine Mutter und den Hunterverband weißt wollte ich dich fragen, ob du Yuki und Zero als Vertrauensschülerin unterstützen könntest. Natürlich erst im neuen Schuljahr und wenn deine Verletzungen verheilt sind.", fragte mich Herr Kurosu und legte zwei kleine Dolch, einen Ministab sowie ein Band auf den kleinen Tisch neben dem Sofa.
Ich nahm vorsichtig mein Bein vom Sofa und setzte mich auf die Sofakante.
"Das würde ich sehr gerne machen. Ich helfe wo ich kann.", sagte ich mit Überzeugung.
Er nickte und lächelte mich einmal an.
"Pass auf. Also das Band mit dem Vertrauensschülerabzeichen musst du dann immer am linken Arm über deine Uniform tragen. Damit wissen sowohl die Dayclass-Schüler als auch die Nightclass-Schüler das du Vertrauensschülerin bist. Die beiden kleinen Dolche können ausgefahren werden, sowie dein Stab. Es wäre schön, wenn du mit Zero und Yuki trainieren könntest, sobald es dir natürlich besser geht. Die Dolche heißen übrigens Sayo & Ren. Du kannst alle drei Waffen unter deinem Rock an der Hose befestigen.", erklärte Herr Kurosu.
Ich nickte verstehend.
"Ich gebe dir die Sachen, sobald es dir besser geht.".
Ich nickte wieder.
"Wenn es dann nichts weiter zu besprechen gibt, würde ich mal Yuki und Sayori suchen. Wir sehen uns dann beim Abendessen Herr Rektor.", sagte ich freundlich, nahm meine Krücken und stand auf.
"~Bis später Hikari-chan~", gab der Rektor freudestrahlend von sich und war wieder wie ausgewechselt.
Ich sag ja schlimmer als eine Achterbahnfahrt.