Eine außergewöhnliche Verwandlung
Eine außergewöhnliche Verwandlung
Hallo ihr Lieben,
es hat mal wieder etwas länger gedauert, aber es lohnt sich hoffentlich. Zumindest habt ihr ein längeres Kapitel vor euch ;)
Lasst mich gerne wissen, wie es euch gefällt. Viel Spaß beim Lesen :D
Liebe Grüße M.
Am späten Nachmittag begann sich das Haus erneut zu verändern. Türen klapperten, Schritte eilten über den Flur, Stimmen riefen durcheinander – diesmal jedoch mit einem anderen Ziel. Für das große Abendessen machte sich jeder zurecht. Unten hörte man Fred und George diskutieren, welcher Anzug „weniger katastrophal“ aussah, während Bill ruhig blieb wie immer und Harry sich von Ginny halb genervt, halb belustigt die Krawatte korrigieren ließ. Die Stimmung war festlich.
Oben, stand Minerva vor dem Bett und betrachtete das Kleid, das sie von Hermine am Morgen bekommen hatte. Für einen Moment lag es noch unberührt vor ihr. Dann nahm sie es langsam in die Hand.
Der Stoff fühlte sich hochwertig an, angenehm, nicht aufdringlich und doch anders. Anders als alles, was sie sonst tragen würde. Sie zögerte. Ein leiser Atemzug. Dann entschied sie sich, es zumindest anzuprobieren.
Wenig später stand sie vor dem Spiegel und hielt inne. Das Kleid saß perfekt. Es schmiegte sich genau richtig an, betonte ihre Haltung, ihre Figur, ohne übertrieben zu wirken. Elegant, stilvoll und doch deutlich mehr, als sie sonst zeigen würde. Minerva betrachtete sich einen Moment länger. Unschlüssig. Wenn allein eine Minerva McGonagall in einem einfachen Pullover und einer Hose schon Aufmerksamkeit erregte, dann würde sie in diesem Kleid ganz sicher alle Blicke auf sich ziehen. Ihre Finger glitten leicht über den Stoff, als würde sie sich selbst vergewissern, dass es wirklich sie war.
„Das ist…“, murmelte sie leise.
Sie brach ab. Nicht, weil sie es nicht mochte, sondern weil sie sich fragte, ob sie sich so zeigen wollte. Ein Teil von ihr war versucht, wieder zu etwas Vertrautem zu greifen. Zum Gewohnten, zum Sicheren, doch ein anderer Teil blieb einfach stehen und sah weiter in den Spiegel.
Minerva hielt den Blick noch einen Moment im Spiegel, dann griff sie entschlossen nach dem Reißverschluss. Vielleicht war es zu viel, zu ungewohnt und vor allem zu auffällig. Gerade als sie begann, das Kleid wieder auszuziehen, klopfte es an der Tür. Sie wartete einen kurzen Moment. Dann öffnete sie. Ginny stand davor und erstarrte.
„Entschuldige Minerva, Mum wollte, dass ich dich frage, ob du…“, Ginny verstummte abrupt.
Für einen Augenblick sagte sie nichts. Ihr Blick wanderte von oben nach unten, dann wieder zurück, als müsste sie sich vergewissern, dass sie sich nicht täuschte.
„Wow…“, brachte sie schließlich hervor.
Minerva hob leicht eine Augenbraue, fast reflexartig.
„Ich brauche noch einen Moment“, sagte sie ruhig. „Ich werde mich noch einmal umziehen.“
Ginny blinzelte, als hätte sie sich verhört.
„Was? Warum denn bitte?“
Minerva zögerte einen Moment, dann trat sie einen kleinen Schritt zurück, ließ Ginny eintreten.
„Ich bin mir nicht sicher“, gab sie ehrlich zu. „Das ist… nicht gerade das, was man von mir erwartet.“
Ginny sah sie ungläubig an.
„Das erwartet man wirklich nicht, aber genau deswegen solltest du es tragen.“
Minerva schüttelte leicht den Kopf.
„Ich falle ohnehin schon genug auf und in diesem Kleid…“
„…siehst du umwerfend aus“, unterbrach Ginny sie sofort.
Ein kurzer Moment entstand, in dem Minerva schwieg. Dann seufzte sie leise.
„Ich weiß nicht, ob ich mich so zeigen möchte.“
Ginny trat näher, musterte sie noch einmal, diesmal ruhiger, aber nicht weniger überzeugt.
„Minerva“, sagte sie dann, deutlich sanfter, „du siehst nicht nur gut aus. Du siehst… richtig aus.“
Minerva sah sie an. Ginny lächelte leicht.
„Und ganz ehrlich? Es wird niemanden stören. Im Gegenteil.“
Ein kleines, vielsagendes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.
„Vor allem nicht Hermine.“
Minervas Lippen zuckten kaum merklich. Ginny neigte leicht den Kopf.
„Das ist genau ihr Stil. Es war doch sicher ein Geschenk von ihr oder?“
Minerva nickte.
„Tja, was soll ich da noch sagen? Dann ist die Entscheidung schon in dem Moment gefallen, als du das Geschenk geöffnet hast.“
Die rothaarige junge Frau grinste breit.
„Vielleicht solltest du nur…“, sie deutete vage auf ihre Haare. „Nicht ganz so streng.“
Minerva hob eine Augenbraue. Ginny grinste.
„Da wird nicht nur Hermine große Augen machen.“
Ein kurzer Moment Stille. Dann sah Minerva wieder in den Spiegel und diesmal blieb ihre Hand vom Reißverschluss weg. Minerva blieb noch einen Moment vor dem Spiegel stehen. Dann atmete sie ruhig aus, strich den Stoff ein letztes Mal glatt und ließ ihre Hände sinken.
„Gut“, sagte sie leise.
Ginny grinste zufrieden.
„Sehr gute Entscheidung.“
Minerva warf ihr einen kurzen, ruhigen Blick zu, dann wandte sie sich zur Tür. Für einen winzigen Moment zögerte sie noch – nicht aus Unsicherheit, eher aus Gewohnheit. Dann ging sie los. Gemeinsam traten sie die Treppe hinunter. Die Stimmen aus dem Wohnzimmer waren laut, durcheinander, vertraut, bis Minerva den Raum betrat und es still wurde. Nicht vollständig, aber deutlich genug. Einige Blicke wandten sich ihr zu.
Harry verstummte mitten im Satz. Bill hob leicht die Augenbrauen. Selbst Molly hielt einen Moment inne, ein warmes, überraschtes Lächeln auf den Lippen und Fred und George sagten nichts, was an sich schon bemerkenswert war. Beide starrten sie einfach an. George blinzelte einmal.
„Also…“
Fred hob langsam eine Hand, als würde er etwas sagen wollen und ließ sie wieder sinken.
„Ich habe nichts“, murmelte er.
„Ich auch nicht“, bestätigte George.
Ein kurzer Moment Stille. Dann grinste Fred plötzlich.
„Das ist… neu.“
„Sehr neu“, ergänzte George.
Minerva blieb ruhig stehen, vollkommen gefasst, auch wenn ein Hauch von Amüsement in ihrem Blick lag.
„Ich nehme an, das ist als Kompliment gemeint?“
„Definitiv“, sagten beide gleichzeitig.
Molly trat einen Schritt näher, sichtbar begeistert.
„Oh Minerva, du siehst wundervoll aus!“
Fleur nickte zustimmend.
„Très élégant.“
Hermine stand etwas abseits, ein Becher Punsch in der Hand. Gerade wollte sie einen Schluck nehmen, drehte sich dabei halb um und erstarrte. Der Schluck ging komplett schief. Sie verschluckte sich heftig, hustete, während sie versuchte, wieder Luft zu bekommen.
„Alles okay?“, fragte Ginny neben ihr, halb belustigt.
Hermine winkte nur ab, noch immer hustend, doch ihr Blick blieb fest auf Minerva gerichtet. Ihr Herz schlug sofort schneller. Merlin…
Minerva sah nicht einfach nur gut aus. Sie sah umwerfend aus.
Dieses Kleid, die Haltung, die Art, wie sie sich bewegte – es war vertraut und gleichzeitig völlig neu. Hermine musste sich wirklich zusammenreißen, nicht sofort zu ihr zu gehen, sie zu sich zu ziehen und…
'Reiß dich zusammen', schrie sie sich innerlich an.
Sie zwang sich, stehen zu bleiben. Atmete einmal tief durch. Ginny beobachtete sie aus dem Augenwinkel und grinste nur wissend. Währenddessen hatten sich Fred und George wieder gefangen und diesmal war ihr Tonfall ein anderer.
„Also gut“, begann Fred, deutlich ernster als sonst.
„Das müssen wir anerkennen“, ergänzte George.
Beide sahen Minerva an, ohne ihr übliches übertriebenes Grinsen.
„Sie sehen wirklich…“, Fred suchte kurz nach Worten.
„Beeindruckend aus“, beendete George für ihn.
Dann fügte Fred hinzu: „Also so richtig.“
George nickte zustimmend.
„Keine Ironie diesmal.“
Minerva hob leicht eine Augenbraue, doch man konnte sehen, dass sie es registrierte und vielleicht sogar ein kleines bisschen annahm.
„Ich danke Ihnen“, erwiderte sie ruhig.
Hermine stand noch immer da und konnte den Blick nicht von ihr lösen. Ginny stupste Hermine leicht mit dem Ellbogen an.
„Du könntest ihr ja wenigstens ein Glas Punsch bringen“, flüsterte sie. „Dann hast du etwas zu tun und starrst nicht nur so offensichtlich.“
Hermine blinzelte kurz, riss sich halb aus ihrem Blick.
„Ich…“, sie beugte sich ein wenig näher zu Ginny. „Ich dachte ja wirklich, dass ihr das Kleid gut stehen würde.“
Ginny zog eine Augenbraue hoch.
„Aber ich habe nicht damit gerechnet“, fuhr Hermine leise fort, ihre Stimme einen Hauch tiefer, „dass sie darin so verdammt… sinnlich aussieht.“
Ginny grinste breit.
„Oh, ich schon.“
Hermine atmete tief durch, fuhr sich kurz über das Gesicht, als müsste sie sich sammeln.
„Das wird ein sehr langer Abend“, murmelte sie. „Ich weiß nicht, wie ich in ihrer Nähe bleiben soll, wenn sie so aussieht.“
Ginny legte den Kopf leicht schief, sichtbar amüsiert.
„Ich drück dir die Daumen.“
Hermine warf ihr einen kurzen Blick zu, dann griff sie nach einem zweiten Glas Punsch.
„Sehr hilfreich.“
„Immer gerne.“
Noch ein tiefer Atemzug, dann setzte sich Hermine in Bewegung, direkt auf Minerva zu. Hermine hielt das Glas Punsch ein wenig fester, als sie sich Minerva näherte. Ihr Blick blieb an ihr hängen – unweigerlich, unkontrollierbar. Gerade als sie etwas sagen wollte, legte sich plötzlich ein Arm um ihre Schultern.
„Na, Hermine“, grinste Fred neben ihr, „du hast doch sicher auch nicht damit gerechnet, unsere liebe Schulleiterin mal so zu Gesicht zu bekommen, oder?“
Hermine schluckte leicht, ohne den Blick von Minerva zu lösen.
„Nein“, sagte sie ehrlich. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet.“
Einen Moment blieb es dabei. Dann räusperte sie sich schnell, fing sich wieder und reichte Minerva das Glas.
„Ich dachte, du könntest einen Punsch gebrauchen“, sagte sie ruhiger, „und… du siehst sehr elegant aus.“
Höflich. Unverfänglich. Zumindest nach außen. Minerva nahm das Glas entgegen, ihr Blick einen Hauch länger auf Hermine ruhend, denn Hermine stand ihr in nichts nach. Sie war ein Traum in schwarz. Das eng anliegende, funkelnde Kleid umspielte Hermines Kurven perfekt, die hohen Schuhe betonten ihre schönen Beine und um ihren Hals trug sie die neue Kette. Die musste in diesem Moment beinahe brennen.
„Danke“, erwiderte sie ruhig, als auch Minerva sich der anwesenden Person bewusstwurde.
„Fred! George! Sofort in die Küche!“, rief Molly quer durch den Raum.
„Wir kommen ja schon!“, rief George zurück, während Fred sich mit einem letzten Grinsen von Hermine löste und dann waren sie plötzlich allein. Nicht wirklich abgeschieden, aber doch für einen kurzen Moment unbeobachtet, während sich die anderen im Raum verteilten. Hermine trat einen kleinen Schritt näher, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Ich glaube, ich habe mich gerade nochmal neu in dich verliebt.“
Minerva lachte leise, ein warmer, ruhiger Klang.
„Du übertreibst.“
„Tue ich nicht.“
Minerva schüttelte leicht den Kopf, dann hob sie ihr Glas minimal an.
„Dann solltest du dich vielleicht einmal selbst anschauen.“
Hermine blinzelte leicht. Minervas Blick wurde weicher.
„Du siehst wunderschön aus.“
Hermine wollte etwas erwidern, doch Minerva fuhr fort, leiser jetzt:
„Und ich freue mich, dass du sie trägst.“
Ihr Blick glitt kurz zu Hermines Hals zur Kette und dann zu ihren Ohren. Hermine lächelte unwillkürlich, ihre Finger fanden kurz den Anhänger.
„Natürlich trage ich sie,“ murmelte sie.
Hermine ließ ihre Finger kurz über den Anhänger gleiten, ein leises, zufriedenes Lächeln auf den Lippen.
„Er ist übrigens gerade ziemlich warm“, murmelte sie.
Minerva hob leicht eine Augenbraue, ihr Blick unschuldig, zumindest auf den ersten Blick.
„Woran das wohl liegt.“
Hermine grinste, ein Funkeln in ihren Augen.
„Ich habe da so eine Vermutung.“
Ein kurzer Moment verging, dann beugte sie sich ein wenig näher.
„Sag mal…“, flüsterte sie, „hast du vor, heute Nacht auch noch den anderen Teil meines Geschenks auszuprobieren?“
Minerva hielt inne. Für einen winzigen Augenblick verriet ihre Reaktion mehr, als Worte es könnten. Ein leichtes Einatmen, eine kaum sichtbare Gänsehaut, die sich über ihre Haut zog. Natürlich wusste sie sofort, worauf Hermine anspielte und ebenso klar war ihr, welche Gedanken Hermine gerade hatte. Minerva ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Ein langsames, vielsagendes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
„Das“, sagte sie ruhig, „wirst du möglicherweise später herausfinden.“
Bevor Hermine etwas erwidern konnte, trat Minerva an ihr vorbei. Ganz nah. Dabei streifte sie scheinbar beiläufig Hermines Hüfte. Die Berührung war flüchtig, aber eindeutig genug. Hermine erstarrte für einen Moment, ihr Atem stockte leicht, während ihr sofort tausend Gedanken durch den Kopf schossen. Minerva hingegen ging einfach weiter, vollkommen gefasst, als wäre nichts gewesen. Nur dieses kaum sichtbare Lächeln blieb. Mollys Stimme schnitt durch das Stimmengewirr.
„Essen ist fertig! Alle an den Tisch!“
Sofort setzte Bewegung ein. Stühle wurden gerückt, Gespräche verlagerten sich und nach kurzer Zeit saßen alle dicht gedrängt beisammen. Dank eines vielsagenden Blicks von Ginny fand sich Hermine wieder einmal direkt neben Minerva wieder. Der Tisch war voll, die Stimmung laut und lebendig. Es wurde durcheinander gesprochen, gelacht, diskutiert – typisch Weasley.
Minerva hielt sich zunächst ruhig, beteiligte sich hier und da am Gespräch, ein höfliches Lächeln auf den Lippen, bis sie es spürte. Eine Hand. Warm. Vertraut. Auf ihrem Oberschenkel. Für einen Sekundenbruchteil erstarrte sie innerlich. Hermine. Die Finger bewegten sich langsam, scheinbar beiläufig, als würde es niemand bemerken, was auch stimmte. Die Aufmerksamkeit am Tisch lag überall, nur nicht bei ihnen. Minerva zwang sich, ruhig zu bleiben. Ihre Haltung blieb aufrecht, ihre Miene gefasst, doch ihr Puls beschleunigte sich spürbar. Ganz leicht drehte sie den Kopf und warf Hermine einen kurzen Blick zu. Hermine sah nicht einmal direkt zu ihr – zumindest nicht sofort. Doch dann, ganz kurz, trafen sich ihre Blicke und Hermine griff ein kleines bisschen fester zu. Eindeutig. Minerva zog kaum merklich schärfer die Luft ein, fing sich aber sofort wieder. Ihre Finger schlossen sich etwas fester um ihr Besteck. Hermines Hand bewegte sich weiter – langsam, provozierend nah an einer Grenze, die Minerva ganz genau spürte. Minerva hielt still. Sie war äußerlich vollkommen ruhig, innerlich… alles andere als das. Sie beugte sich leicht vor, als würde sie sich am Gespräch beteiligen – in Wirklichkeit, um ihre Stimme zu kontrollieren, als sie leise murmelte, ohne Hermine direkt anzusehen:
„Du spielst ein gefährliches Spiel.“
Hermine ließ sich nicht beirren. Ihre Hand blieb nicht still – mal sanft, fast beiläufig, dann wieder ein klein wenig fester, eindeutig, als würde sie ganz bewusst testen, wie weit sie gehen konnte. Minerva hielt sich aufrecht, beteiligte sich hier und da am Gespräch, doch ihre Konzentration lag längst nicht mehr beim Essen. Als sie sich einmal leicht anders setzte, rutschte Hermines Hand für einen gefährlichen Moment tiefer. Minerva zog scharf die Luft ein. Sofort fing sie sich wieder, ihr Blick blieb ruhig nach vorn gerichtet, niemand schien etwas bemerkt zu haben, aber für sie war es genug. Mehr als genug. Sie konnte kaum noch stillsitzen. Endlich ging das Essen zu Ende. Molly stand auf, begann mit dem Abräumen und Minerva reagierte sofort.
„Ich helfe“, sagte sie ruhig und setzte an, aufzustehen.
„Nein, nein“, warf Ginny sofort ein, schon halb auf den Beinen. „Ich mach das. Setz du dich ruhig zu den anderen.“
Hermine grinste. Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf, konnte sich ein kleines Lächeln aber nicht verkneifen.
„Ich bin gleich wieder da“, sagte sie ruhig.
Dann stand sie auf und verließ den Raum. Im Flur war es deutlich kühler und ruhiger. Minerva blieb stehen, schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Einmal. Zweimal. Sie zwang sich, wieder Kontrolle zu finden, ihren Puls zu beruhigen. Gerade als sie sich etwas gesammelt hatte, wurde sie plötzlich gepackt. Ein schneller Schritt, ein fester Griff und im nächsten Moment wurde sie in den Schatten unter der Treppe gezogen.
„Hermine…“, begann sie leise, doch weiter kam sie nicht, denn schon lagen Hermines Lippen auf ihren.
Der Kuss war sofort da – intensiv, drängend, als hätte sie sich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen. Minerva reagierte erst einen Herzschlag später. Dann erwiderte sie ihn. Der Kuss traf sie mit voller Wucht – all das, was sich zuvor angestaut hatte, brach jetzt aus ihnen heraus. Minervas Hand fand sofort Halt an Hermines Arm, zog sie ein Stück näher, während sie den Kuss erwiderte, zunächst noch kontrolliert, dann spürbar intensiver. Für einen Moment vergaßen sie alles um sich herum. Die Stimmen aus dem Esszimmer waren nur noch gedämpft, weit weg. Es zählte nur noch dieser schmale Raum im Schatten der Treppe, diese Nähe, dieses viel zu lange Zurückhalten. Erst nach einigen Sekunden löste sich Minerva ein Stück, ihr Atem hörbar schneller als sonst.
„Du…“, begann sie leise, ihre Stimme tiefer, als sie es beabsichtigt hatte.
Hermine sah sie an, ein kaum verhohlenes Grinsen auf den Lippen.
„Ich konnte nicht mehr warten.“
Minerva schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch, weniger, um sich zu beruhigen, sondern eher, um überhaupt wieder klar denken zu können.
„Das wäre mir beinahe entgangen“, murmelte sie trocken.
Hermine trat noch einen halben Schritt näher, ihre Stimme nun deutlich leiser.
„Du hast auch nicht gerade versucht, mich aufzuhalten.“
Minerva öffnete die Augen wieder und sah sie ruhig, aber mit diesem verräterischen Funkeln an.
„Das hätte vermutlich wenig gebracht.“
Ein kurzer Moment. Dann glitt ihr Blick ganz kurz den Flur entlang – prüfend, ob jemand kam.
„Wir sollten zurückgehen“, sagte sie leise. „Bevor uns jemand sieht.“
Hermine verzog leicht das Gesicht, aber sie nickte. Bevor sie sich jedoch ganz löste, griff sie noch einmal kurz nach Minervas Hand. Eine flüchtige, aber eindeutige Geste. Minerva erwiderte sie. Dann traten sie wieder auseinander. Ein Atemzug und im nächsten Moment wirkten sie wieder vollkommen gefasst, als sie gemeinsam zurück in das Stimmengewirr des Hauses traten, als wäre nichts gewesen. Bevor sie den Flur ganz verließen, konnte Hermine es sich nicht verkneifen. Ganz beiläufig und doch alles andere als zufällig, gab sie Minerva einen leichten Klaps auf den Hintern, grinste dabei und drückte im selben Moment noch einmal kurz ihre Hand. Minerva warf ihr einen schnellen, mahnenden Blick zu, doch das feine Zucken ihrer Lippen verriet, dass sie es keineswegs völlig missbilligte. Dann war sie wieder da. Die Fassung. Die Haltung. Die perfekte Maske. Als sie gemeinsam das Wohnzimmer betraten, war nichts mehr von dem Moment unter der Treppe zu sehen. Nur zwei Frauen, die sich ruhig wieder zu den anderen gesellten. Kurz darauf füllte sich der Raum erneut. Stimmen wurden lauter, Schritte näherten sich und Molly kam mit strahlendem Gesichtsausdruck zurück.
„So!“, rief sie fröhlich. „Jetzt wird es Zeit!“
Mit einer schwungvollen Bewegung ihres Zauberstabs ließ sie die ersten Geschenke durch die Luft schweben, die sich ordentlich unter dem Weihnachtsbaum sammelten. Bunte Päckchen, unterschiedlich groß, sorgfältig verpackt. Nach und nach taten es ihr die anderen gleich. Weitere Geschenke flogen herbei, legten sich dazu, bis sich ein kleiner Berg gebildet hatte.
„Das ist ja wie früher“, murmelte Ron.
„Es war nie anders“, grinste Fred.
„Und ich gewinne wieder“, ergänzte George.
„Oh nein. Ich gewinne den Preis für das beste Geschenk“, entgegnete Fred grinsend.
Ginny verdrehte die Augen.
„Du gewinnst gar nichts.“
Hermine stellte sich neben Ginny, während ihr Blick ganz kurz zu Minerva glitt. Nur ein Moment, dann wieder zurück zum Baum und alles wirkte wieder vollkommen normal.
Kaum waren die Geschenke unter dem Baum versammelt, öffnete sich erneut die Tür.
„Da sind wir“, sagte Harry und trat mit James auf dem Arm ins Wohnzimmer.
Der Kleine brauchte nur einen Blick. Seine Augen wurden groß, seine Hände streckten sich sofort in Richtung der bunten Päckchen, und ein begeistertes Geräusch entwich ihm.
„Oh, das wird gut“, grinste Fred.
„Sehr gut“, bestätigte George.
Beide waren sofort zur Stelle.
„Ich zuerst!“
„Ganz sicher nicht!“
„Er hat mich gerade angesehen!“
„Das hat er bei mir auch!“
„Das zählt nicht!“
Hermine schnaubte leise, trat dazwischen und hob eine Hand.
„Genug.“
Beide verstummten, zumindest für einen Moment.
„Da ihr euch offensichtlich nicht einigen könnt“, fuhr sie ruhig fort, „werde ich meinem Patensohn einfach selbst das erste Geschenk geben.“
Ein kurzes, triumphierendes Lächeln. Fred und George sahen sich an.
„Das ist unfair.“
„Total unfair.“
Hermine grinste nur, nahm James von Harry entgegen und setzte sich mit ihm auf das Sofa.
„Na komm“, murmelte sie sanft und zog ein kleines Päckchen hervor. „Das ist für dich.“
Gemeinsam begann sie, es mit ihm auszupacken, wobei James natürlich mehr daran interessiert war, das Papier zu zerknüllen, als den Inhalt zu beachten. Ein leises Lachen ging durch den Raum. Währenddessen begannen die anderen, ihre Geschenke zu verteilen. Päckchen wechselten die Besitzer, Namen wurden aufgerufen und nach und nach hatte jeder einen kleinen Stapel vor sich liegen. Minerva saß ebenfalls mit einigen Geschenken auf dem Sofa. Sie griff nach dem ersten, öffnete es sorgfältig, doch ihr Blick wanderte immer wieder zu Hermine. Zu der Art, wie sie mit James umging. Geduldig. Warm. Selbstverständlich. Es wirkte richtig. Ein kaum greifbares Gefühl zog durch Minervas Brust. Etwas Weiches, Unerwartetes. Für einen Moment blieb ihr Blick länger auf ihnen ruhen. Dann blinzelte sie leicht, als würde sie sich selbst zur Ordnung rufen und wandte sich wieder ihrem Geschenk zu. Das Papier raschelte leise. Zum Vorschein kam ein Schal – selbst gestrickt, im klassischen Schottenkaro. Minervas Lippen zogen sich zu einem kleinen Lächeln. Das war so typisch Molly und sie liebte es. Diesmal blieb ihr Blick bewusst bei dem Geschenk in ihren Händen.
Nach und nach verstummte das Rascheln von Geschenkpapier. Lachen, überraschte Ausrufe, hier und da ein Dankeschön und schließlich saß jeder mit seinen ausgepackten Dingen da, zufrieden und ein wenig überwältigt von der Fülle. Hermine warf einen kurzen Blick zu Minerva, griff dann nach einem letzten, etwas kleineren Päckchen.
„Das ist noch für dich“, sagte sie leise und setzte sich neben sie.
Minerva nahm es entgegen, sah sie kurz an und beugte sich leicht zu ihr.
„Ich hoffe, es ist etwas völlig Unverfängliches“, murmelte sie trocken.
Hermine grinste sofort.
„Aber selbstverständlich.“
Minerva öffnete das Päckchen. Zum Vorschein kam eine elegante Feder – fein gearbeitet, mit einer dezenten Gravur ihres Namens. Dazu ein passendes Tintenfass und hochwertiges Briefpapier. Für einen Moment sagte sie nichts. Dann strich sie leicht über die Feder, betrachtete die Gravur.
„Das ist sehr durchdacht“, sagte sie leise.
Nützlich. Persönlich. Genau richtig. Sie sah zu Hermine, ein warmes Lächeln in ihrem Blick.
„Ich Danke dir, Hermine.“
Hermine zuckte leicht mit den Schultern, doch ihr Ausdruck verriet, wie viel ihr diese Reaktion bedeutete. Minerva griff nun selbst nach einem Päckchen und reichte es ihr.
„Dann bist du jetzt an der Reihe.“
Hermine nahm es neugierig entgegen und begann sofort, es auszupacken. Als sie den Inhalt sah, hielt sie kurz inne.
Eine Tasche.
Schlicht, elegant, perfekt für ihre Unterlagen, hochwertig verarbeitet und dann fiel ihr Blick auf die Gravur.
'Professor Granger'
Für einen Moment wurde es ganz still für sie. Hermine strich mit den Fingern darüber, als müsste sie sich vergewissern, dass es wirklich dort stand. Dann hob sie den Blick zu Minerva.
„Das…“, begann sie leise, ihre Stimme weicher als sonst. „Das bedeutet mir sehr viel.“
Minerva hielt ihrem Blick ruhig stand.
„Ich dachte, es ist an der Zeit.“
Hermine lächelte – nicht breit, sondern tief.
„Danke“, sagte sie leise und in diesem einen Wort lag weit mehr als nur Dankbarkeit.
Die Stimmung wurde mit jeder Minute ausgelassener. Arthur hatte – sehr zu Mollys halbherzigem Protest – neben dem Punsch auch noch den Feuerwhisky hervorgeholt und spätestens da war klar, dass der Abend noch deutlich lebhafter werden würde. Gelächter wurde lauter, Gespräche ungeordneter und selbst die sonst eher ruhigen Momente verschwanden nach und nach. Nur Ginny blieb konsequent nüchtern – James zuliebe. Und Minerva? Die hatte kaum einen Schluck von ihrem Glas genommen, denn James hatte sie den Großteil der Zeit fest im Griff.
Er schleppte ein Spielzeug nach dem anderen an, setzte sich ungefragt zu ihr, zog an ihrem Ärmel, forderte ihre Aufmerksamkeit und Minerva ließ es geschehen, spielte mit ihm, geduldig, ruhig, fast selbstverständlich.
Erst als er schließlich müde wurde und Ginny ihn mit nach oben nahm, um ihn ins Bett zu bringen, entstand für Minerva so etwas wie eine kleine Lücke und genau die nutzten Fred und George sofort aus.
„Also gut“, begann George und ließ sich neben sie fallen.
„Jetzt, wo Sie nicht mehr abgelenkt sind“, ergänzte Fred.
Minerva hob leicht eine Augenbraue.
„Ich fürchte, ich ahne, worauf das hinausläuft.“
George grinste.
„Wir sollten endlich zum Du wechseln.“
Ein kurzer Moment, dann nickte Minerva ruhig.
„Damit habe ich kein Problem.“
„So einfach geht das aber nicht“, warf George sofort ein.
„Ganz genau“, bestätigte Fred. „Das muss begossen werden.“
Bevor Minerva wirklich reagieren konnte, hatte George schon seinen Arm mit ihrem verhakt und hob sein Glas.
„Auf uns.“
Minerva ließ es geschehen, nahm einen kleinen Schluck und im nächsten Moment beugte sich George vor und gab ihr einen schnellen, unkomplizierten Kuss.
„Zur Besiegelung“, grinste er.
„Selbstverständlich“, murmelte Fred und tat es ihm direkt gleich.
Minerva blinzelte. Für einen kurzen Moment war sie tatsächlich überfordert, suchte nach Worten, etwas, das bei ihr äußerst selten vorkam.
„Also wirklich!“, rief Molly aus der Küche, halb empört, halb belustigt, doch Minerva hob leicht die Hand.
„Schon gut,“ sagte sie ruhig.
Dann legte sich ein feines Lächeln auf ihre Lippen.
„Ich muss gestehen… es ist schon eine ganze Weile her, dass ich von so jungen Männern geküsst wurde.“
Ein leises Lachen ging durch den Raum. Hermine trat in diesem Moment an ihr vorbei, beugte sich ganz leicht zu ihr und flüsterte:
„Und ich sorge dafür, dass das auch das letzte Mal war.“
Minerva hielt einen Moment inne, dann entwich ihr ein herzliches, ehrliches Lachen. Mit jedem weiteren Schluck wurde die Stimmung lockerer. Das Lachen wurde lauter, Gespräche überschnitten sich und selbst Minerva wirkte ein kleines Stück entspannter als sonst. Die sonst so klare Struktur des Abends löste sich langsam in ein warmes, lebendiges Durcheinander auf.
Irgendwann hatte sich Hermine wieder neben Minerva auf dem Sofa niedergelassen. Gemeinsam mit Harry und Ginny waren sie in ein Gespräch vertieft – irgendetwas zwischen alten Hogwarts-Geschichten und völlig absurden Erinnerungen, bei denen Fred und George immer wieder laut dazwischenriefen. Während sie lachten, passierte es ganz nebenbei. Hermines Hand streifte Minervas. Erst flüchtig, dann wieder. Als wäre es Zufall, doch es blieb nicht dabei. Für einen kurzen Moment lag ihre Hand auf Minervas Knie. Warm. Ruhig. Vertraut. Minerva reagierte kaum sichtbar, nur ein winziges Innehalten, ein kaum merklicher Atemzug. Ihr Blick blieb auf Harry gerichtet, doch ihre Aufmerksamkeit war längst woanders. Ginny bemerkte es sofort. Natürlich.
„Harry“, sagte sie plötzlich und deutete quer durch den Raum, „hast du eigentlich gesehen, was George da gerade macht?“
Harry drehte sich sofort um.
„Was—?“
Und damit war der Moment gerettet. Hermine zog ihre Hand wieder zurück, als wäre nichts gewesen. Das Gespräch lief weiter. Ein paar Minuten später wiederholte sich das Spiel – ein Streifen, ein kurzer Kontakt, ein Hauch zu lange und wieder reagierte Ginny blitzschnell, lenkte ab, stellte eine Frage, brachte jemanden zum Lachen. Immer genau im richtigen Moment. Hermine warf ihr einmal einen kurzen Blick zu. Ein kaum sichtbares, dankbares Lächeln. Ginny erwiderte es nur mit einem winzigen Grinsen und während der Abend weiterging, blieb dieses leise, geheime Spiel zwischen ihnen bestehen – unbemerkt für alle anderen.
Minerva beugte sich irgendwann leicht zu Hermine, ihre Stimme ruhig, aber leise genug, dass nur sie es hören konnte.
„Du solltest vorsichtig mit dem Feuerwhisky sein“, murmelte sie. „Nicht, dass es dir morgen wieder so schlecht geht.“
Hermine drehte den Kopf zu ihr, ein leichtes, herausforderndes Lächeln auf den Lippen.
„Würdest du mich wieder so pflegen?“, flüsterte sie zurück.
Für einen Moment blieb alles stehen. Ihre Blicke trafen sich und hielten sich. Zu lange und zu intensiv. Die Welt um sie herum rückte in den Hintergrund, Stimmen wurden leiser, unwichtiger, bis:
„Hermine, hast du eigentlich schon—“ setzte Ginny plötzlich an, ganz bewusst laut genug, um sie zurückzuholen.
Beide reagierten sofort. Wie auf ein stilles Signal. Hermine wandte sich wieder dem Gespräch zu, Minerva richtete sich minimal auf, ihre Haltung wieder vollkommen gefasst. Die Masken saßen wieder perfekt, doch der Moment hatte gereicht. Ein stilles Einverständnis, das keiner von beiden aussprach.
Der Alkohol machte es gefährlich. Lockerte die Kontrolle, ließ Blicke länger werden, Berührungen mutiger. Also hielten sie sich zurück. Bewusst. Während um sie herum weiter gelacht, getrunken und geredet wurde.
Erst spät in der Nacht begann sich die Runde langsam aufzulösen. Einer nach dem anderen verabschiedete sich, Stimmen wurden leiser, Türen schlossen sich. Bis schließlich Ruhe einkehrte. Das Haus wurde still und im Flur standen nur noch zwei.
Hermine und Minerva.
Alle Türen waren geschlossen, niemand war mehr in Sicht. Ein Moment Still und voller unausgesprochener Spannung.
Hermine trat näher, so nah, dass kaum noch Luft zwischen ihnen blieb. Ihre Finger glitten sanft durch Minervas Haare, lösten dabei ein paar der streng gesteckten Strähnen.
„Und wohin geht es, schöne Frau?“, murmelte sie leise. „Du darfst wählen. Zu mir oder zu dir.“
Minerva schloss für einen Moment die Augen bei der Berührung. Man konnte ihr die Sehnsucht deutlich ansehen – all die Zurückhaltung des Abends, die Spannung, die unausgesprochen geblieben war. Ohne ein weiteres Wort zog sie Hermine plötzlich an sich und küsste sie mitten im Flur. Es war mehr als unvernünftig, denn schon eine geöffnete Tür hätte alles verändern können, doch es war Minerva in diesem Moment völlig egal. Der Kuss war intensiv, fast überfällig. Hermine reagierte sofort, erwiderte ihn ohne Zögern, ihre Hände fanden Halt an Minervas Seite, zogen sie näher. Ihre Küsse wurden drängender, verlangender, als hätten sie viel zu lange gewartet. Sie taumelten ein wenig, halb lachend, halb atemlos, bis Minerva mit dem Rücken gegen ihre Tür stieß. Hermine löste sich nicht. Im Gegenteil. Mit einer schnellen Bewegung öffnete sie die Tür, ohne den Kuss zu unterbrechen und im nächsten Moment stolperten sie gemeinsam hinein. Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss und kaum war sie geschlossen, stand Minerva erneut mit dem Rücken an der Wand. Hermine ließ ihr keine Zeit. Ihre Küsse wurden intensiver, hungriger, als hätte sich alles, was sie den ganzen Abend zurückgehalten hatten, nun entladen. Minerva erwiderte sie, ihre Hände fanden Halt an Hermines Schultern, zogen sie näher, als gäbe es kein Morgen. Hermine löste sich nur so weit, dass ihre Lippen über Minervas Hals wandern konnten, weiter hinab, langsam, bewusst. Minerva entwich immer wieder ein leises Seufzen, ihr Atem längst unruhig, während ihre Finger sich in Hermines Kleidung krallten und endlich waren sie allein.
Hermine ließ sich ganz von dem Moment tragen. Ihre Hände glitten über Minervas Rücken, ihre Seiten, fanden immer wieder den Weg nach oben in ihr Haar, lösten die letzten strengen Strähnen vollständig. Jeder Kontakt war bewusst, verlangend – als würde sie sich vergewissern, dass Minerva wirklich da war. Minerva schloss die Augen, lehnte den Kopf leicht zurück gegen die Wand und ließ alles geschehen. Jeder Atemzug wurde tiefer, jede Berührung schien sich durch ihren ganzen Körper zu ziehen. Hermine rückte noch näher. Ihre Hand fand Minervas Bein, zog sie ein kleines Stück zu sich heran, verkürzte die Distanz zwischen ihnen noch weiter. Der Griff war nicht grob, aber bestimmt und ließ keinen Zweifel daran, wie sehr sie sie gerade bei sich haben wollte. Die Küsse wurden unruhiger, weniger kontrolliert, als hätten sie beide den Punkt überschritten, an dem Zurückhaltung noch möglich war. Minervas Hände fanden Halt an Hermine, hielten sie fest, zogen sie näher, während ihr Atem immer wieder stockte.
„Hermine…“, hauchte sie leise, ohne wirkliche Aufforderung, eher wie ein Zugeständnis, doch sie machte keine Anstalten, sie aufzuhalten und Hermine tat es auch nicht.
Für diesen Moment gab es nichts außer ihnen. Hermine zog Minerva noch enger an sich, ihre Hände ruhten nicht mehr still, sondern suchten, hielten fest, glitten über den Stoff ihres Kleides. Minerva reagierte sofort auf die Nähe, ein leiser, erschrockener Laut entwich ihr, als die Intensität zwischen ihnen noch einmal spürbar zunahm. Ihr Atem ging schneller, unruhiger, während sie sich fester an Hermine klammerte.
„Hermine…“, hauchte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
Hermine hielt inne, nur für einen kurzen Moment. Genug, um Minerva anzusehen. Genug, um sicherzugehen. Minervas Blick war klar, offen, ganz bei ihr. Kein Zurückweichen, nur Nähe.
Hermine ließ ihre Stirn kurz gegen Minervas sinken, ihr Atem war ebenso schnell geworden. Die Küsse wurden nicht langsamer, sondern intensiver – bewusster, tiefer, getragen von diesem unausgesprochenen Einverständnis zwischen ihnen.
Hermines Hand glitt weiter. Mit einem Fuß schob Hermine Minervas Beine ein Stück weiter auseinander und im nächsten Moment stöhnte Minerva auf. Hermine lächelte gegen Minervas Lippen. Sanft bewegte sie ihre Finger über den dünnen Stoff. Sie küsste Minervas Hals entlang, zog sanft an ihrem Haar, um ihren Kopf oben zu halten, während ihre andere Hand etwas ganz anderes tat.
„Sag mir, wenn ich aufhören soll“, flüsterte Hermine sanft gegen Minervas Haut.
„Niemals.“
Minervas Hände glitten durch Hermines Haar, hielten sie sanft bei sich, während sie immer wieder leise ihren Namen murmelte. Dann veränderte sich etwas. Minerva zog scharf die Luft ein, ihr Atem stockte einen Moment und dann stöhnte sie auf. Hermine hatte ihre Hand in Minervas Slip geschoben und sie hatte damit begonnen, ihren Daumen kreisen zu lassen. Sie tat es bewusst langsam, um Minerva einfach fühlen zu lassen. Minerva drohte ein wenig nach vorne zu kippen, als sich die Lust steigerte. Hermine griff wieder in Minervas Haar und hielt ihren Kopf oben. Sie war nicht grob, es fühlte sich aufregend gut an. Plötzlich griff Minerva nach Hermines Hand und hielt sie auf.
„Warte…“
Langsam zog Hermine ihre Hand zurück und sah zögernd in Minervas Augen. Sie lächelte und strich sanft Hermines Haar zurück.
„Langsam“, hauchte Minerva und küsste Hermine ganz sanft. „Wir haben die ganze Nacht für uns.“
Langsam drehte Minerva Hermine an ihren Schultern um. Sanft legte sie ihre Lippen an Hermines Hals und strich vorsichtig ihre Arme entlang. Hermine schloss die Augen und neigte den Kopf ein wenig, um Minervas sanfte Küsse besser spüren zu können. Sie genoss jede Berührung und spürte dann, wie der Reißverschluss ihres Kleides geöffnet wurde. Bedächtig schob Minerva das Kleid von Hermines Schultern und ließ es zu Boden gleiten. Ihre Finger glitten sanft an Hermines BH entlang, was der jüngeren Frau eine Gänsehaut bereitete.
„Hast du eigentlich eine Ahnung, wie riskant dieser Abend war?“, fragte Minerva und ließ ihre Fingerspitzen sanft über Hermines Dekolleté gleiten.
„Ja“, antwortete Hermine schlicht. „Es war riskant und aufregend.“
Langsam drehte sich Hermine um.
„Ich wusste ja, dass du wunderschön bist, aber ich habe diese Wirkung nicht bedacht. Du wirkst noch sinnlicher in diesem Kleid und… Bei Merlin, es hat mich fast wahnsinnig gemacht.“
Minerva lachte.
„Das ist mir überhaupt nicht aufgefallen mein Schatz.“
„Ehrlich, Ginny hat uns wirklich den Hintern gerettet.“
„Es ist wohl doch gut, wenn man noch verbündete hat.“
„Sicher, aber jetzt…“, Hermine hob ihre Hand und ließ sie über Minervas Brust gleiten. „Habe ich etwas anderes geplant.“
„Was das wohl wieder sein könnte.“
„Das wirst du gleich sehen und ich denke, du solltest mein anderes Geschenk heute besser in der Schachtel lassen. Ich muss mich ja schon hiermit beherrschen“, meinte Hermine und deutete auf das Kleid.
„Wenn es nicht so schön wäre, hätte ich es dir schon längst vom Leib gerissen.“
„Wie gut, dass du das nicht getan hast.“
Hermine trat nah an Minerva heran und küsste sie langsam und zärtlich, während ihre Hände nun den Reißverschluss von Minervas Kleid öffneten. Ohne Eile zog Hermine ihre Partnerin zum Bett, drückte sie nach hinten und war sofort über ihr.
„Du bist mein schönstes Geschenk“, flüsterte Hermine.
Minerva hob die Hand und strich Hermine eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte.
„Ich liebe dich so sehr Hermine“, erwiderte Minerva.
„Und ich liebe dich.“
Für einen Moment versanken sie in einem ruhigen, zärtlichen Kuss und es wurde still, doch nicht weniger intensiv, als hätten sie beide verstanden, dass es nicht nur um den Augenblick ging, sondern um das, was dahinter lag.