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Abschied auf Zeit

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Abschied auf Zeit

Hallo ihr Lieben,

wir machen uns so langsam wieder bereit für Hogwarts. Ich würde euch empfehlen, Taschentücher bereitzuhalten… Mir sind tatsächlich selbst die Tränen gekommen. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen und lasst mich wissen, wie euch das Kapitel gefällt und wer von euch auch die ein oder andere Träne verdrücken musste ;)

Liebe Grüße M.

Die letzten Tage im Fuchsbau vergingen viel zu schnell. Zwischen gemeinsamen Mahlzeiten, langen Abenden, Spaziergängen im Schnee und kleinen gestohlenen Momenten verlor sich das Zeitgefühl beinahe vollkommen und plötzlich war es Zeit zu gehen.

Minerva stand in ihrem Zimmer und packte ihre Sachen zusammen. Sorgfältig faltete sie ihre Kleidung, legte Bücher ordentlich in den Koffer und überprüfte gedanklich bereits die Aufgaben, die sie in Hogwarts erwarteten. Sie hatte beschlossen, zwei Tage früher zurückzukehren als Hermine. Zum Teil, weil sie Hermine noch etwas Zeit mit Harry, Ron und Ginny lassen wollte. Zum anderen, weil sie genau wusste, dass in Hogwarts bereits genug Arbeit auf sie wartete.

Berichte. Das Ministerium. Featherstone. Und vermutlich ein Stapel Probleme.

Gerade verstaute sie einen Pullover, als es leise an der Tür klopfte.

„Herein“, sagte sie ruhig.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und Hermine steckte den Kopf hinein.

„Störe ich?“

Minervas Blick wurde sofort weicher.

„Nie.“

Hermine lächelte leicht.

„Darf ich reinkommen?“

Minerva schnaubte leise amüsiert.

„Du fragst das wirklich?“

Das brachte Hermine zum Lachen und sie trat ganz hinein, schloss die Tür hinter sich und blieb einen Moment stehen. Ihr Blick fiel sofort auf den halb gepackten Koffer und ihr Lächeln wurde ein kleines bisschen trauriger.

Hermine blieb noch einen Moment an der Tür stehen, den Blick auf den Koffer gerichtet.

„Du hast ja schon fast alles gepackt“, sagte sie leise.

Minerva hörte sofort den Unterton heraus. Sie ließ das Hemd, das sie gerade zusammenfalten wollte, sinken und sah Hermine an. Dieser Blick – bitter, traurig, beinahe verloren – traf sie unmittelbar. Langsam trat sie zu ihr, nahm ihre Hand und führte sie zum Bett.

„Komm her.“

Gemeinsam setzten sie sich. Minerva nahm beide Hände von Hermine in ihre und sah sie ruhig an.

„Du sollst nicht traurig sein“, sagte sie leise. „Es ist doch kein Abschied für immer.“

Hermine lächelte schwach, aber es erreichte ihre Augen nicht.

„Wir sehen uns doch schon übermorgen Abend wieder.“

Hermine seufzte leise.

„Ja… wir werden uns sehen. Aber wie?“, fragte sie leise. „Zwischen Pergamenten, Büchern und irgendwelchen Sitzungen. Ein kurzer Blick auf dem Korridor oder beim Essen.“

Minerva wollte etwas erwidern, doch Hermine sprach weiter.

„Vor den Ferien war das irgendwie leichter. Da wusste ich nicht, wie es anders sein könnte.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Und jetzt…“, sie schluckte. „Jetzt habe ich erlebt, wie es wirklich sein kann.“

Minerva schwieg. Hermine sah sie an und langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen.

„Hier hatten wir Zeit füreinander. Nicht nur nachts oder heimlich zwischen zwei Terminen.“

Ein zittriges Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Wir hatten fast den ganzen Tag miteinander.“

Ihre Stimme brach leicht.

„Und es war so unfassbar schön.“

Minervas Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Hermine senkte kurz den Blick.

„Ich will das nicht wieder verlieren.“

Eine einzelne Träne löste sich schließlich doch.

„Das hier fühlt sich zum ersten Mal an wie das, wovon ich die ganze Zeit geträumt habe.“

Sie sah Minerva wieder an.

„Ein fast normales Leben mit dir.“

Minerva hob langsam eine Hand und wischte Hermine die Tränen sanft aus dem Gesicht. Ihr Blick blieb ruhig, warm, voller Zuneigung.

„Wir werden dieses Leben haben“, sagte sie leise.

Hermine sah sie an, still, verletzlich. Minerva lächelte schwach.

„Und es wird noch schöner sein, als das hier.“

Ihre Finger strichen sanft über Hermines Wange.

„Wir brauchen nur noch ein wenig Geduld.“

Hermine atmete zittrig aus und schüttelte leicht den Kopf.

„Es fühlt sich trotzdem wie ein Verlust an.“

Minervas Herz zog sich zusammen. Wieder wischte sie ihr vorsichtig die nächste Träne weg, dann nahm sie Hermines Gesicht in beide Hände.

„Du bist mein Ein und Alles“, sagte sie ruhig.

Jedes Wort klang vollkommen ehrlich.

„Und ich liebe dich.“

Hermine schloss kurz die Augen bei diesen Worten.

„Das hier ist kein Verlust“, fuhr Minerva leise fort. „Nur ein Aufschub.“

Ein kleiner Moment Stille entstand zwischen ihnen.

„Wir müssen erst dieses Kapitel abschließen“, sagte sie sanft, „bevor ein neues beginnen kann.“

Langsam nickte Hermine. Sie verstand genau, was Minerva meinte und sie versuchte tapfer zu sein. Das konnte Minerva sehen, aber sie kannte Hermine zu gut, um sich davon täuschen zu lassen. Sie sah die Unsicherheit hinter ihrem Lächeln. Die Angst davor, wieder in die Distanz zurückkehren zu müssen. Und sie verstand Hermine, denn ihr selbst ging es nicht anders. Auch Minerva hatte sich viel zu schnell an diese Tage gewöhnt. An das gemeinsame Aufwachen, die Spaziergänge, die Nähe mitten am Tag, das Gefühl, einfach zusammen zu sein und nun mussten sie zurück. Zur Vorsicht. Zur Geduld. Minerva zog Hermine langsam in ihre Arme und hielt sie fest.

„Es ist für mich auch nicht leicht“, gestand sie leise an ihrem Haar.

Ein ehrliches Eingeständnis, selten genug von ihr.

„Aber wir schaffen das.“

Sie küsste sanft ihre Schläfe.

„So wie bisher auch.“

Hermine blieb still in ihren Armen, hielt sich an Minerva fest, als könnte sie den Moment dadurch länger bewahren. Minerva strich ihr ruhig über den Rücken, langsam, gleichmäßig, bis sich Hermines Atmung wieder etwas beruhigte.

„Ich wünschte einfach“, murmelte Hermine irgendwann leise, „wir könnten diesen Teil überspringen.“

Minerva lächelte schwach gegen ihr Haar.

„Das würde ich manchmal auch gern.“

Hermine hob leicht den Kopf und sah sie an. Ihre Augen waren noch immer leicht gerötet, aber ruhiger als zuvor.

„Versprich mir nur eines.“

„Alles.“

„Dass wir uns nicht wieder verlieren zwischen all dem.“

Minerva antwortete ohne zu zögern.

„Das werden wir nicht.“

Sie sagte es mit einer Sicherheit, die keinen Zweifel zuließ.

„Nicht nach all dem hier“, fügte sie leise hinzu. „Nicht nachdem ich endlich verstanden habe, wie sehr du längst zu meinem Leben gehörst.“

Hermine schluckte leicht. Minerva legte ihre Stirn sanft an ihre.

„Und glaub mir, wenn diese Zeit vorbei ist, werde ich dich nie wieder auf Abstand halten.“

Für einen Moment schloss Hermine die Augen. Dann lächelte sie endlich wieder wirklich. Klein. Vorsichtig. Aber echt.

„Du bist ziemlich gut darin, mich wieder einzufangen“, murmelte sie.

Minerva schnaubte leise amüsiert.

„Eine nützliche Fähigkeit.“

Das brachte Hermine tatsächlich zum Lachen. Ein leises, warmes Geräusch, das Minerva sofort erleichterte. Minerva hob eine Hand und strich eine Locke hinter Hermines Ohr.

„Besser?“

Hermine nickte langsam. „Ein bisschen.“

„Das reicht fürs Erste.“

Ein kurzer Moment entstand zwischen ihnen. Dann fiel Hermines Blick wieder auf den Koffer und sofort verzog sie leicht das Gesicht. Minerva bemerkte es natürlich.

„Hermine.“

„Mhm?“

„Du wirst jetzt nicht anfangen, meinen Koffer wieder auszupacken.“

Hermine dachte demonstrativ darüber nach.

„Zu spät“, sagte Minerva trocken und diesmal lachte Hermine wirklich.

Eine Weile später klopfte es an Hermines Tür. Hermine musste nicht fragen, wer davorstand. Als sie öffnete, stand Minerva dort. Sie war bereits vollständig angezogen, Mantel über dem Arm, der Koffer neben ihr. Sie war offensichtlich bereit zur Abreise. Allein dieser Anblick ließ Hermines Herz schwer werden. Sie versuchte nicht einmal mehr, es zu verstecken und Minerva sah es natürlich sofort. Ohne ein Wort trat sie näher, zog Hermine fest in ihre Arme und küsste sie zärtlich. Ihre Hand strich liebevoll über Hermines Wange, blieb dort liegen.

„Schau nicht so“, murmelte sie leise.

Hermine schnaubte schwach, obwohl ihre Augen schon wieder verräterisch glänzten.

„Ich vermisse dich jetzt schon.“

Minervas Blick wurde weich.

„Du wirst überhaupt keine Zeit haben, mich zu vermissen“, sagte sie ruhig. „Fred, George, Ron, Harry, Ginny und natürlich James werden dich vollkommen beschäftigen.“

Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen.

„Und übermorgen Abend sehen wir uns schon wieder.“

Hermine nickte leicht, auch wenn es den Kloß in ihrem Hals nicht kleiner machte. Dann richtete Minerva sich ein kleines Stück auf und für einen Moment trat ganz bewusst die Schulleiterin hervor.

„Außerdem“, sagte sie mit ruhiger Autorität, „erwarte ich selbstverständlich sofort Meldung über die Rückkehr meiner Referendarin.“

Hermine musste trotz allem lachen.

„Natürlich.“

Sie trat einen kleinen Schritt näher.

„Mein allererster Gang wird direkt in dein Büro führen.“

Minerva hob langsam die Hand und berührte leicht die Kette an Hermines Hals. Ihre Finger ruhten einen Moment auf dem Anhänger. Ein warmes Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Dann wird dieser Anhänger vermutlich glühend heiß werden.“

Hermine lächelte sofort wieder ein wenig echter. Minerva beugte sich noch einmal vor und küsste sie sanft. Dann griff sie nach ihrem Koffer und wandte sich langsam zur Tür, doch noch bevor sie sie öffnen konnte -

„Minerva.“

Etwas in Hermines Stimme ließ sie sofort innehalten. Im nächsten Moment war Hermine schon wieder bei ihr, zog sie hastig zurück in ihre Arme und küsste sie erneut. Diesmal nicht ruhig, nicht gefasst, sondern halb verzweifelt, als wollte sie den Abschied mit aller Kraft hinauszögern. Minerva erwiderte den Kuss sofort, ließ den Koffer los und hielt Hermine fest bei sich. Für einen langen Moment gab es nichts außer diesem letzten Festhalten. Irgendwann lösten sie sich schließlich doch voneinander. Langsam. Widerwillig. Minerva strich Hermine noch einmal sanft über die Wange, als wollte sie sich ihr Gesicht einprägen, bevor sie den Koffer wieder aufhob.

„Bis übermorgen Abend“, sagte sie leise.

Hermine nickte nur, weil sie wusste, dass ihre Stimme sie vermutlich verraten würde. Dann ging Minerva. Hermine blieb in ihrem Zimmer zurück. Ein Abschied vor den anderen hätte sie nicht ausgehalten – zumindest nicht, ohne dass irgendjemand bemerkt hätte, wie viel Minerva ihr wirklich bedeutete.

Unten im Haus herrschte noch immer Leben. Stimmen aus dem Wohnzimmer, Gelächter aus der Küche, das vertraute Chaos der Weasleys. Als Minerva mit ihrem Koffer erschien, wurden die Gespräche sofort unterbrochen.

„Du gehst wirklich schon?“, fragte Molly bedauernd.

Minerva nickte leicht.

„Leider ja.“

Dann lächelte sie warm.

„Aber ich danke euch allen herzlich für die Einladung.“

Ihr Blick glitt durch den Raum.

„Und für die wunderschöne Zeit.“

„Du bist jederzeit willkommen“, sagte Molly sofort und drückte kurz ihre Hand.

Die anderen stimmten zu – Harry, Ron, Ginny, Bill, Fleur, sogar Fred und George diesmal erstaunlich ehrlich.

„War schön mit dir, Minerva“, grinste Fred.

„Definitiv unterhaltsamer als erwartet“, ergänzte George.

Minerva schnaubte leise amüsiert.

„Das fasse ich als Kompliment auf.“

„Solltest du auch“, kam es von den Zwillingen.

Gerade als sie sich verabschieden wollte, spürte sie plötzlich ein kleines Ziehen an ihrem Kleid. Minerva blickte nach unten. James. Er stand an ihrem Bein, schaute mit großen Augen zu ihr hoch und hielt sich an ihrem Kleid fest. Ginny lachte leise.

„Ich glaube, du brichst dem kleinen Mann gerade das Herz.“

James machte ein empörtes Geräusch, als hätte er sie verstanden.

„Er möchte unbedingt noch einmal von dir geknuddelt werden.“

Minervas Gesicht wurde sofort weich.

„Ist das so?“, murmelte sie leise.

Ohne zu zögern ging sie in die Hocke und hob James auf ihren Arm. Sofort klammerte er sich fest an sie, schmiegte sich an ihre Schulter, als hätte er Angst, sie könnte gleich verschwinden. Minerva hielt ihn ruhig fest, strich ihm sanft über den Rücken.

„Na komm“, sagte sie leise. „Ich verschwinde doch nicht für immer.“

James antwortete mit einem glücklichen Laut und drückte ihr im nächsten Moment einen besonders nassen Kuss auf die Wange. Für einen Sekundenbruchteil war Minerva völlig überrumpelt. Dann brach im Raum lautes Gelächter aus. Selbst Minerva musste lachen, während James vollkommen zufrieden wirkte, als hätte er gerade etwas sehr Wichtiges erledigt. Minerva lächelte noch einmal weich, während sie James sanft über den Kopf strich.

„Pass gut auf deine Mutter auf“, murmelte sie leise.

Dann gab sie ihn vorsichtig zurück in Ginnys Arme. James war davon allerdings eindeutig wenig begeistert. Sofort streckte er wieder die kleinen Hände nach Minerva aus und machte ein empörtes Geräusch, das alle erneut zum Schmunzeln brachte. Minervas Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Nicht nur wegen James, sondern weil sie genau wusste, dass oben in ihrem Zimmer Hermine saß. Wartend. Und am liebsten wäre Minerva in genau diesem Moment wieder die Treppe hinaufgelaufen, hätte ihre Entscheidung vergessen und noch ein paar Stunden mehr mit ihr gestohlen. Nur noch ein bisschen länger, doch sie wusste, dass es den Abschied nur schwerer machen würde. Also zwang sie sich, zu gehen. Sie griff nach ihrem Koffer, verabschiedete sich ein letztes Mal von allen und trat hinaus in die kalte Winterluft. Hinter ihr standen die Weasleys in der Tür, winkten ihr nach, riefen ihr letzte Wünsche hinterher. Minerva hob noch einmal kurz die Hand. Dann ging sie weiter den verschneiten Weg entlang. Erst als das Haus weit genug entfernt war, blieb sie stehen. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen.

Hermine.

Der Gedanke an sie war sofort da – warm und schmerzhaft zugleich. Dann richtete Minerva sich wieder auf, umfasste den Griff ihres Koffers fester und verschwand mit einem leisen Knall zurück nach Hogwarts.

Hermine stand am Fenster und sah hinaus. Sie hatte beobachtet, wie sie immer kleiner geworden war zwischen Schnee und dem grauen Licht des Morgens – bis schließlich nur noch dieser leise, endgültig klingende Knall des Apparierens übriggeblieben war und genau dieser Moment ließ ihr Herz noch schwerer werden. Die plötzliche Leere traf sie mit voller Wucht. Sie hätte nie gedacht, dass es sich hier ohne Minerva so falsch anfühlen könnte. Langsam sank sie auf das Fensterbrett, zog die Beine leicht an und ließ die Tränen einfach laufen. Keine Kontrolle mehr. Keine Tapferkeit. Nur dieses schmerzende Vermissen. Fast automatisch griff sie nach der Kette um ihren Hals. Ihre Finger schlossen sich um den Anhänger und sofort spürte sie die vertraute Wärme. Hermine hielt inne. Minerva dachte an sie. Natürlich tat sie das und plötzlich fühlte sich die Distanz ein kleines bisschen weniger endgültig an. Ein schwaches Lächeln erschien auf Hermines Lippen, während sie den Anhänger sanft festhielt. Langsam beruhigte sich ihr Atem wieder und die Tränen versiegten.

Ein leises Klopfen riss sie schließlich aus ihren Gedanken.

„Herein“, murmelte sie.

Die Tür öffnete sich und Ginny trat ein. Ein Blick reichte natürlich vollkommen aus.

„Ah“, sagte sie trocken. „Dann komme ich offenbar genau richtig.“

Hermine schnaubte leise und wischte sich über die Augen.

„Ist es so offensichtlich?“

„Du sitzt heulend am Fenster wie eine tragische Romanfigur“, stellte Ginny fest. „Also ja.“

Das brachte Hermine tatsächlich zum Lachen. Ginny trat näher und streckte ihr die Hand entgegen.

„Du brauchst dringend Aufmunterung.“

Hermine zog leicht eine Augenbraue hoch.

„Und was genau hast du vor?“

Ginny grinste breit.

„Einmal Extra-Spaßprogramm nach Weasley-Art.“

Hermine lachte leise und atmete tief durch.

„Das klingt ehrlich gesagt genau richtig.“

„Natürlich tut es das.“

Ginny griff nach ihrer Hand und zog sie vom Fensterbrett hoch.

„Komm. Die anderen warten unten schon darauf, Chaos zu veranstalten.“

Und diesmal ließ Hermine sich bereitwillig mitziehen.

Mit einem leisen Knall erschien Minerva auf dem Gelände von Hogwarts. Die morgendliche Ruhe lag über dem Schloss, nur vereinzelte Fenster waren bereits jetzt erleuchtet. Der Schnee glitzerte schwach im Morgenlicht und für einen kurzen Moment blieb Minerva einfach stehen und atmete die kalte Luft ein. Sie war wieder zu Hause und doch fühlte es sich plötzlich anders an als sonst. Sie machte sich sofort auf den Weg zu ihren Gemächern. Um diese Uhrzeit begegnete ihr niemand, was ihr nur recht war. Keine Gespräche, keine Fragen – nur Ruhe. Kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, legte sie Mantel und Schal ab und begann automatisch damit, ihre Sachen auszupacken. Sie Geschenke wurden vorsichtig verstaut, Bücher zurück an ihren Platz gestellt und die Kleidung für die Wäsche sortiert. Der vertraute Alltag und der Versuch, wieder hineinzufinden, doch als sie schließlich das dunkelgrüne Kleid aus dem Koffer zog, hielt sie inne. Ihre Finger strichen langsam über den Stoff und sofort war Hermine wieder da.

Ihr Lächeln. Ihre Begeisterung. Die Art, wie sie sie angesehen hatte. Und dann der Abschied.

Minervas Herz wurde schwer. Objektiv betrachtet waren es nur zwei Tage Unterschied. Hermine würde übermorgen Abend bereits wieder hier sein und trotzdem wusste Minerva genau, warum es sich für Hermine so viel größer anfühlte. Hermine hatte Angst. Nicht vor Hogwarts selbst, sondern davor, was Hogwarts aus ihnen machen könnte. Wieder diese flüchtigen Begegnungen zwischen Türen und Korridoren. Heimliche Blicke. Gespräche, die zu schnell enden mussten. Distanz. Minerva schloss kurz die Augen. Nein. Das würde sie nicht zulassen. Nicht mehr in dem Maß wie zuvor. Sie liebte Hermine und auch sie vermisste die junge Frau jetzt schon schmerzhaft.

Langsam legte sie das Kleid sorgfältig beiseite und griff beinahe unbewusst nach ihrer eigenen Kette – nicht verzaubert wie Hermines, aber dennoch verbunden mit ihr in Gedanken.

„Nur noch ein bisschen durchhalten“, murmelte sie leise in die Stille ihrer Wohnung und zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte sich Hogwarts ohne eine bestimmte Person plötzlich viel zu leer an.

Da es noch früh am Morgen war, blieb Hogwarts ruhig. Genau so, wie Minerva es erwartet hatte. Sie zog ihre gewohnte schwarze Robe an, steckte ihr Haar wieder ordentlich hoch und verließ ihre Gemächer, bevor die wenigen Schüler, die über die Ferien geblieben waren, durch die Gänge streiften. Mit jedem Schritt durch die vertrauten Korridore richtete sie sich innerlich wieder auf.

Ganz die Schulleiterin - kontrolliert und pflichtbewusst.

Als sie ihr Büro betrat, empfing es sie genau so, wie sie es erwartet hatte. Ein Stapel ungeöffneter Briefe auf dem Schreibtisch. Mehrere ordentlich sortierte Unterlagen, die sie vor den Ferien bewusst liegen gelassen hatte. Bücher, Pergamente, Notizen. Das Chaos ihrer Verantwortung und fast automatisch schlüpfte sie wieder in ihre Rolle. Sie setzte sich an den Schreibtisch und begann systematisch die Briefe zu öffnen. Es waren noch Weihnachtsgrüße und Neujahrswünsche dabei. Außerdem Briefe ehemaliger Schüler, einige Nachrichten von Eltern, organisatorische Fragen. Nichts Ungewöhnliches. Minerva arbeitete ruhig, routiniert, machte sich nebenbei kleine Notizen, sortierte Antworten gedanklich bereits vor. Bis sie schließlich den letzten Brief des Stapels erreichte.

Das dunkle, prägnante M des Ministeriums prangte deutlich auf dem Umschlag.

Sofort zog sich ihr Magen zusammen. Die eben noch vertraute Ruhe ihres Büros fühlte sich plötzlich schwerer an. Minerva betrachtete den Brief einen langen Moment schweigend. Dann griff sie langsam danach.