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Stilles Eingeständnis

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Stilles Eingeständnis

Hallo ihr Lieben,

seid ihr noch bei mir?

Endlich habe ich es geschafft! Auf das nächste Kapitel müsst ihr nicht so lange warten ;)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße

M.

Die Nachricht von Minervas Rückkehr verbreitete sich in Hogwarts wie immer erstaunlich schnell. Wahrscheinlich wussten es inzwischen ohnehin bereits die Hälfte der Hauselfen, mehrere Schüler und mindestens drei Lehrer mehr, als Minerva lieb war. Also konnte sie ebenso gut ihr Büro verlassen. Sie hatte ohnehin keinen Nerv mehr dafür, weiter zwischen Briefen und Ministeriumspapieren zu sitzen. Mit ruhigen Schritten machte sie sich auf den Weg zur Großen Halle. Die Korridore waren noch vergleichsweise leer, doch vereinzelt begegneten ihr Schüler, die über die Ferien geblieben waren. Einige blieben sofort stehen, andere grüßten sie freundlich und sichtlich erleichtert.

„Guten Morgen, Professor McGonagall.“

„Frohes neues Jahr, Professor.“

Minerva erwiderte die Grüße mit der gewohnten ruhigen Freundlichkeit. Es tat gut, wenigstens für einen Moment wieder einfach nur Schulleiterin zu sein.

Als sie die Große Halle betrat, war der Lehrertisch noch kläglich leer. Viele Kollegen waren noch nicht zurückgekehrt oder frühstückten vermutlich gemütlich in ihren Gemächern. Glücklicherweise saßen Pomona und Poppy bereits dort. Poppy blickte sofort auf und strahlte förmlich.

„Minerva!“

Noch bevor Minerva richtig Platz genommen hatte, zog Poppy sie schon kurz in eine herzliche Umarmung.

„Es ist schön, dass du wieder da bist.“

Minerva lächelte schwach darüber.

„Danke, Poppy.“

„Und?“ fragte Poppy sofort neugierig, während Minerva sich setzte. „Wie waren die Ferien?“

Pomona warf Minerva einen kurzen Blick zu – wissend genug, um zu erkennen, dass sie vermutlich nicht die ganze Wahrheit erzählen würde, doch allein die Erwähnung der Ferien ließ Minervas Gedanken sofort wieder zu Hermine wandern und obwohl sie sich äußerlich nichts anmerken ließ, fehlte plötzlich etwas an ihrer Seite. Poppy schenkte Minerva Tee ein und musterte sie dabei aufmerksam.

„Wobei ich ehrlich sagen muss“, begann sie dann, „dass ich überrascht bin, dich jetzt schon hier zu sehen.“

Minerva hob leicht den Blick.

„Und dann auch noch ohne Hermine.“

Für einen winzigen Moment zog sich etwas in Minervas Brust zusammen. Sie musste kurz schlucken, doch ebenso schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle.

„Ich dachte“, sagte sie ruhig, während sie nach ihrer Tasse griff, „Hermine sollte noch ein wenig Zeit mit ihren Freunden verbringen.“

Ihre Stimme klang ruhig genug, beinahe überzeugend, doch Poppy kannte Minerva zu lange. Sie bemerkte sofort, dass da mehr dahinterlag. Nicht unbedingt eine Lüge, aber definitiv nicht die ganze Wahrheit. Poppy sagte jedoch nichts dazu. Noch nicht. Stattdessen nahm sie einen Schluck Tee und beobachtete Minerva nur einen kurzen Moment länger. Pomona bemerkte diesen Blick natürlich sofort und entschied klugerweise, das Thema zu wechseln.

„Immerhin bist du rechtzeitig zurück, um das Chaos hier wieder einzufangen“, meinte sie trocken.

Minerva schnaubte leise.

„Ich fürchte, genau das wird nötig sein.“

Und obwohl sie äußerlich wieder vollkommen gefasst wirkte, blieb der Gedanke an Hermine die ganze Zeit still in ihrem Hinterkopf.

Gerade als sich die Stimmung am Lehrertisch ein wenig entspannte, öffnete sich erneut die Tür zur Großen Halle und sofort zog sich Minervas Magen zusammen.

Edmund Featherstone.

Allein sein Anblick reichte inzwischen aus. Er trat mit der gewohnten Selbstverständlichkeit ein, geschniegelt, geschniegelt höflich und genau deshalb unerträglich.

„Minerva“, begrüßte er sie höflich, während er näher kam.

Minerva nickte nur knapp.

„Edmund.“

Poppy und Pomona tauschten einen kurzen Blick. Featherstone setzte sich und musterte Minerva beinahe interessiert.

„Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dich bereits heute wieder hier anzutreffen.“

„Es gibt genug zu tun“, sagte Minerva ruhig und nahm einen Schluck Tee. „Bevor der Unterricht wieder beginnt.“

Featherstone lächelte dünn.

„Sehr lobenswert.“

Minerva sagte nichts dazu. Natürlich nicht. Dann lehnte Featherstone sich leicht zurück.

„Miss Granger scheint das allerdings etwas entspannter zu sehen.“

Da war es. Dieses gezielte Sticheln. Minervas Blick wurde sofort kälter.

„Wie meinst du das?“, fragte sie ruhig.

„Nun“, sagte Featherstone scheinbar beiläufig, „wenn ich richtig informiert bin, hält sie es offenbar nicht für nötig, ebenfalls früher zurückzukehren.“

Pomona verdrehte beinahe sichtbar die Augen, doch Minerva blieb vollkommen ruhig.

„Jede Lehrkraft“, sagte sie kontrolliert, „hat das Recht, ihre Ferien selbst zu gestalten.“

Featherstone lächelte erneut dieses unangenehme, selbstzufriedene Lächeln.

„Selbstverständlich.“

Doch sein Blick verriet deutlich, dass er längst etwas anderes meinte und Minerva wusste es.

Für einen Moment blieb es still am Lehrertisch. Nur das leise Klirren von Besteck und das entfernte Stimmengewirr der Schüler erfüllten die Große Halle. Featherstone nahm scheinbar gelassen einen Schluck Kaffee.

„Ich hoffe nur“, sagte er dann beinahe beiläufig, „dass Miss Granger die Rückkehr zum Schulalltag nach dieser… langen Auszeit nicht schwerfällt.“

Minerva stellte ihre Tasse langsam ab.

„Professor Granger“, sagte sie ruhig und mit messerscharfer Präzision, „ist äußerst pflichtbewusst.“

Featherstone hob leicht die Augenbrauen.

„Oh, daran zweifle ich nicht.“

Natürlich tat er genau das. Poppy verschränkte inzwischen sichtbar die Arme.

„Hermine gehört zu den engagiertesten jungen Lehrkräften, die wir seit Jahren hatten.“

„Das habe ich durchaus bemerkt“, erwiderte Featherstone.

Minerva hörte den Unterton sofort. Pomona offenbar ebenfalls, denn ihr Blick wurde zunehmend frostiger, doch Minerva zwang sich zur Ruhe. Keine Angriffsfläche. Nicht jetzt. Nicht wegen ihm. Featherstone griff schließlich nach einer Serviette und sagte fast beiläufig:

„Ich nehme an, Miss Granger wird morgen zurückkehren?“

Minerva sah ihn direkt an.

„Sie wird mit Sicherheit rechtzeitig zurück sein.“

„Gut.“

Ein kurzes, viel zu zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht und genau dieses Lächeln ließ Minervas Instinkte laut aufschreien. Er plante etwas. Oder wusste etwas. Minerva konnte es beinahe spüren, doch äußerlich blieb sie vollkommen ruhig.

„Wenn ihr mich nun entschuldigt“, sagte sie schließlich kontrolliert und stand auf, „ich habe noch Arbeit zu erledigen.“

„Natürlich“, sagte Featherstone höflich.

Minerva nickte Pomona und Poppy kurz zu und verließ die Große Halle mit erhobenem Kopf. Erst als sie außer Sichtweite war, atmete sie langsam aus und zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr wünschte sie sich verzweifelt, Hermine wäre bereits wieder hier. Minerva ging die Korridore entlang, ihre Schritte ruhig, kontrolliert – zumindest nach außen. Innerlich arbeitete es längst in ihr. Featherstones Blick, sein Tonfall, diese unterschwellige Zufriedenheit. Es gefiel ihr nicht. Ganz und gar nicht. Als sie um eine Ecke bog, blieb sie schließlich kurz stehen und schloss für einen Moment die Augen. Minerva dachte an Hermine. Daran, wie sie wahrscheinlich gerade noch mitten im Chaos des Fuchsbaus steckte. Vielleicht lachte. Vielleicht versuchte Fred und George davon abzuhalten, etwas in Brand zu setzen. Allein dieser Gedanke ließ ihre Anspannung für einen kurzen Moment nach. Dann öffnete sie die Augen wieder. Pflicht zuerst. Sie setzte ihren Weg fort und kehrte schließlich in ihr Büro zurück. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, fiel ihr Blick sofort wieder auf den geöffneten Ministeriumsbrief auf ihrem Schreibtisch. Daneben lag noch immer ihre Brille und plötzlich wirkte der Raum wieder viel zu still. Minerva trat langsam an den Schreibtisch, ließ sich in ihren Sessel sinken und fuhr sich müde durchs Gesicht. Nur noch ein bisschen. Bald wäre Hermine wieder hier. Dieser Gedanke war im Moment das Einzige, das sie wirklich aufrecht hielt.

Minerva zwang sich schließlich dazu, weiterzuarbeiten. Pergamente wurden sortiert, Antworten formuliert, Notizen ergänzt und doch kehrten ihre Gedanken immer wieder zu dem Brief zurück, der noch offen neben ihr lag. Immer wieder fiel ihr Blick darauf. Neue Hinweise. Allein diese Worte machten sie wütend. Bitter fragte sie sich, was das Ministerium diesmal gefunden haben wollte. Oder vielmehr was Featherstone ihnen eingeredet hatte gefunden zu haben. Denn Minerva zweifelte keine Sekunde daran, dass er wieder seine Finger im Spiel hatte. Sein Auftreten in der Großen Halle war viel zu selbstzufrieden gewesen. Zu vorbereitet. Als würde er längst wissen, dass dieser Brief angekommen war. Minerva legte die Feder langsam aus der Hand und lehnte sich zurück.

„Womit diesmal?“, murmelte sie leise in die Stille hinein.

Er hatte keine Beweise mehr. Nicht wirklich. Die Angelegenheit war für Kingsley praktisch abgeschlossen gewesen. Zumindest hatte Minerva das geglaubt und trotzdem ging es weiter. Immer weiter. Als würde irgendjemand mit aller Gewalt verhindern wollen, dass endlich Ruhe einkehrte. Minervas Blick verhärtete sich leicht. Vielleicht hoffte Featherstone einfach darauf, dass sie irgendwann nachgab und der Druck groß genug wurde und sie einen Fehler machte, doch wenn er glaubte, sie würde Hermine deshalb aufgeben, kannte er sie schlecht. Eher würde sie selbst alles andere verlieren. Dieser Gedanke ließ sie wieder an ihre eigene Überlegung denken.

Hogwarts verlassen. Ein Leben mit Hermine. Offen. Frei. Für einen kurzen Moment blieb ihr Blick an der verschlossenen Bürotür hängen. Dann schüttelte sie den Gedanken langsam wieder ab. Noch nicht. Noch war Hermine nicht fertig mit ihrem Referendariat. Noch mussten sie vorsichtig sein, aber zum ersten Mal fühlte sich diese Zukunft nicht mehr unmöglich an. Nur schmerzhaft weit entfernt. Minerva sah kurz auf die Uhr. Früher hätte ihr das kaum etwas ausgemacht. Sie war lange genug allein gewesen, hatte Jahrzehnte damit verbracht, sich vollkommen in Arbeit und Verantwortung zu verlieren, doch jetzt fühlte sich diese Zeit plötzlich anders an. Leer. Fast automatisch griff sie nach der Schublade ihres Schreibtisches und zog ein Stück Pergament hervor. Einen Moment hielt sie inne. Dann nahm sie die Feder zur Hand. Nicht als Schulleiterin. Nicht offiziell. Einfach nur als Minerva. Sie blieb einen Moment mit der Feder über dem Pergament stehen. Dann begann sie zu schreiben. Langsam zuerst, doch je länger sie schrieb, desto ehrlicher wurden ihre Worte.

Meine liebste Hermine,

es ist gerade einmal ein halber Tag vergangen, seit ich den Fuchsbau verlassen habe und trotzdem fühlt sich Hogwarts bereits seltsam leer an.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich deine Nähe so schnell vermissen würde und doch ertappe ich mich ständig dabei, wie ich daran denke, was du gerade tust, ob du lachst, ob du wieder mit Fred und George irgendwelchen Unsinn anstellst oder ob du genauso sehnsüchtig wartest, wie ich.

Die letzten Wochen mit dir waren mehr, als ich jemals erwartet hätte. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hat sich mein Leben leicht angefühlt. Nicht weil die Probleme verschwunden wären, sondern weil du da warst. Du hast mir etwas gegeben, von dem ich längst geglaubt hatte, es nie wieder wirklich haben zu können: Nähe, Wärme, Ruhe und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Genau deshalb fällt mir dieser Abstand nun schwerer, als ich es jemals zugeben würde. Ich weiß, dass du Angst vor dem hast, was uns in Hogwarts wieder erwartet. Ehrlich gesagt habe ich diese Angst ebenfalls. Nicht um uns, daran zweifle ich keine Sekunde, sondern daran, wie lange wir uns noch verstecken müssen. Es zerreißt mir das Herz, dich traurig zu sehen und noch schlimmer ist der Gedanke, dir sagen zu müssen, dass wir vermutlich noch länger vorsichtig sein müssen, selbst wenn dein Referendariat endet, aber eines sollst du niemals vergessen: Keine Anhörung, kein Ministerium und kein Edmund Featherstone dieser Welt wird jemals etwas daran ändern, was ich für dich empfinde.

Ich liebe dich. Mehr, als Worte es jemals ausreichend beschreiben könnten und wenn diese Zeit endlich vorbei ist, werde ich keinen einzigen Tag mehr verschwenden.

In Liebe,

Minerva

Als sie fertig war, blieb Minerva lange still sitzen. Ihr Blick ruhte auf den geschriebenen Zeilen. So viel davon würde sie Hermine niemals direkt sagen können. Zumindest nicht jetzt. Langsam faltete sie den Brief zusammen. Dann holte sie eine kleine dunkle Schatulle hervor, legte das Pergament hinein und versiegelte sie mit einem leisen Zauber. Ein sanftes silbernes Leuchten zog sich kurz über das Holz, bevor es wieder verschwand. Danach legte Minerva die Schatulle zurück in ihre Schreibtischschublade und schloss sie langsam. Sie würde den Brief nicht abschicken. Er war nie dafür gedacht gewesen. Er war nur für sie selbst. Ein stilles Eingeständnis all dessen, was sie sonst viel zu oft hinter Haltung und Kontrolle verbarg.

Der Tag zog sich für Minerva endlos hin. Sie arbeitete sich durch Briefe, Berichte und organisatorische Unterlagen, führte Gespräche mit einzelnen Lehrkräften und beantwortete Anfragen von Eltern, doch ihre Gedanken wanderten immer wieder ab.

Am späten Nachmittag klopfte es schließlich an ihrer Bürotür. Minerva brauchte nicht einmal aufzusehen, um zu ahnen, wer es war.

„Herein.“

Edmund Featherstone trat ein, geschniegelt wie immer, geschniegelt höflich wie immer.

„Minerva.“

„Edmund.“

Er setzte sich erst nach ihrer knappen Aufforderung und begann praktisch sofort zu sprechen. Natürlich tat er das. Er beschwerte sich über mehrere Schüler, die sich während der Ferien „unangemessen respektlos“ verhalten hätten. Über Kommentare, Blicke, angebliche Provokationen. Minerva hörte ruhig zu. Ohne ihn zu unterbrechen. Featherstone redete sich zunehmend in Fahrt.

„Einige dieser Schüler scheinen den Eindruck zu haben“, sagte er scharf, „dass Disziplin in Hogwarts inzwischen optional geworden ist.“

Minerva blieb vollkommen ruhig hinter ihrem Schreibtisch sitzen.

„Ich musste mehrfach einschreiten.“

„Mhm.“

Featherstones Blick verengte sich leicht, offenbar frustriert darüber, dass sie ihm nicht die gewünschte Reaktion lieferte.

„Mit Verlaub, Minerva, manche dieser Schüler hätten deutlich härtere Konsequenzen verdient.“

Minerva faltete ruhig die Hände vor sich.

„Welche Schüler meinst du genau?“

Er nannte mehrere Namen. Minerva kannte jeden einzelnen davon und ebenso kannte sie deren Charakter gut genug, um zu wissen, dass wahrscheinlich eher Featherstones Auftreten die Situation eskaliert hatte, doch sie sagte das nicht. Stattdessen ließ sie ihn weiterreden und beobachtete ihn. Sein Verhalten. Seine Wortwahl. Dieses unterschwellige Bedürfnis, Macht auszuüben und Kontrolle zu behalten und während Featherstone sprach, wurde Minerva immer sicherer, dass seine Beschwerden nur der Anfang waren. Featherstone lehnte sich schließlich leicht zurück, als hätte er gerade einen besonders überzeugenden Vortrag gehalten.

„Ich halte es schlicht für problematisch“, sagte er mit betonter Ruhe, „wenn Schüler glauben, sie könnten Autorität offen infrage stellen.“

Minerva sah ihn über den Rand ihrer Brille hinweg ruhig an.

„Autorität“, sagte sie kontrolliert, „verdient sich Respekt ebenso, wie sie ihn einfordert.“

Featherstones Blick wurde etwas kühler.

„Willst du damit andeuten, dass ich mich unangemessen verhalten habe?“

„Ich deute gar nichts an“, erwiderte Minerva ruhig. „Ich stelle lediglich fest, dass Hogwarts-Schüler in den letzten Jahren genug erlebt haben, um sensibel auf bestimmte Arten von Auftreten zu reagieren.“

Das gefiel ihm offensichtlich nicht. Minerva bemerkte sofort das kaum sichtbare Spannen seines Kiefers.

„Dennoch“, fuhr sie fort, „werde ich mir die betreffenden Fälle ansehen.“

Featherstone nickte langsam, wirkte aber keineswegs zufrieden. Eher so, als suche er noch nach etwas anderem und dann kam es.

„Apropos unangemessenes Verhalten…“

Minervas Blick wurde sofort schärfer. Da war er wieder. Dieser Tonfall.

„Ich nehme an“, sagte Featherstone scheinbar beiläufig, „du wurdest bereits über die neue Anhörung informiert.“

Minerva ließ sich nichts anmerken.

„Das wurde ich.“

„Bedauerlich“, sagte er – viel zu wenig bedauernd.

Minerva musterte ihn ruhig.

„Findest du?“

Ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Ich halte Transparenz grundsätzlich für wichtig.“

Da war sie. Die versteckte Drohung. Minerva spürte, wie sich erneut Wut in ihr zusammenzog, doch äußerlich blieb sie vollkommen gefasst.

„Dann wird es dich sicher beruhigen zu hören“, sagte sie kühl, „dass ich nichts zu verbergen habe.“

Featherstone hielt ihrem Blick einen Moment stand. Dann stand er langsam auf.

„Natürlich nicht.“

Minerva glaubte ihm kein Wort. Er verabschiedete sich höflich und verließ schließlich das Büro. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, atmete Minerva langsam aus. Sie blieb noch einen Moment vollkommen reglos sitzen. Dann griff sie nach ihrer Teetasse und bemerkte erst jetzt, dass ihre Hand leicht zitterte. Minerva stellte die Tasse sofort wieder ab. Für einen Moment betrachtete sie einfach nur ihre Hand. Das Zittern war minimal und trotzdem erschreckte es sie. Nicht wegen Featherstone allein, sondern weil sie spürte, wie sehr diese ganze Situation langsam an ihren Kräften zehrte. Minerva schloss kurz die Augen und atmete tief durch, bis ihre Finger wieder vollkommen ruhig waren. Dann stand sie langsam auf und trat erneut ans Fenster.

Draußen begann es bereits zu dämmern. Das Licht über den verschneiten Ländereien wurde weicher, einzelne Fenster im Schloss begannen zu leuchten. Normalerweise liebte sie diese Stunde. Das ruhige Hogwarts am Abend. Heute fühlte sich alles schwer an. Unwillkürlich fragte sie sich, was Hermine gerade tat. Ob sie noch unten bei den Weasleys saß. Ob sie lachte. Ob sie vielleicht ebenfalls an sie dachte. Der Gedanke an Hermine war inzwischen das Einzige, das Minerva wirklich beruhigte. Ein stiller Anker.

„Nur noch ein bisschen“, murmelte sie leise, doch selbst während sie es sagte, wusste sie, dass nicht einfach alles leichter werden würde, denn dann musste sie Hermine wieder ansehen und gleichzeitig verschweigen, dass sie womöglich noch viel länger würden warten müssen, bis sie endlich offen zusammen sein konnten. Dieser Gedanke schmerzte beinahe mehr als alles, was Featherstone gesagt hatte.

Das Abendessen im Fuchsbau war längst vorbei, doch wie immer blieb danach kaum jemand allein. Im Wohnzimmer herrschte wieder gemütliches Chaos. Arthur diskutierte mit Harry über irgendeinen Muggelgegenstand, Fred und George stritten lautstark über Spielregeln, Molly kommentierte alles gleichzeitig und irgendwo mittendrin saß Hermine auf dem Sofa und versuchte, sich vollkommen darauf einzulassen und tatsächlich gelang es ihr stellenweise. Sie spielte mit, lachte über Freds Unsinn und ließ sich von Ginnys trockenen Kommentaren immer wieder zum Schmunzeln bringen, doch beinahe unbewusst glitten ihre Finger immer wieder zu der Kette an ihrem Hals. Der Anhänger war wunderbar warm, beruhigend, wie eine stille Umarmung. Hermine lächelte jedes Mal ein wenig, wenn sie die Wärme spürte. Minerva dachte an sie. Wahrscheinlich genauso oft, wie Hermine an sie dachte und ehrlich gesagt tat sie genau das beinahe ständig. Immer wieder verlor Hermine sich in Gedanken an sie. An ihr Lächeln. Ihre Stimme. Ihre Hände. Die Art, wie Minerva sie angesehen hatte, kurz bevor sie gegangen war. Sie vermisste sie schrecklich, aber nur noch zwei Tage. Dann würde sie ihre Liebste endlich wiedersehen.

„Hermine?“

Ginny riss sie aus ihren Gedanken. Hermine blinzelte kurz.

„Hm?“

Ginny grinste leicht.

„Du bist schon wieder völlig woanders.“

„Bin ich nicht.“

„Natürlich.“

Bevor Hermine widersprechen konnte, nickte Ginny Richtung Treppe.

„Kommst du kurz mit nach oben? Ich brauche Hilfe mit James.“

Sofort stand Hermine auf.

„Klar.“

Ginny wartete, bis sie außer Hörweite der anderen waren, bevor sie sie grinsend von der Seite ansah.

„Die Kette ist warm, hm?“

Hermine konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

„Sehr.“

Ginny schmunzelte nur zufrieden, während sie gemeinsam die Treppe hinaufgingen. Oben im Flur war es deutlich ruhiger als unten. Nur aus James’ Zimmer hörte man leises Brabbeln und gelegentlich ein empörtes Geräusch, offenbar weil Schlafen aus seiner Sicht völlig unnötig war. Ginny blieb kurz vor der Tür stehen und sah Hermine von der Seite an.

„Also“, sagte sie ruhig, „was ist wirklich los?“

Hermine hob leicht die Augenbrauen.

„Nichts.“

Ginny schnaubte sofort.

„Hermine.“

Allein dieser Tonfall ließ Hermine kurz lächeln.

„Ich habe heute ständig gemerkt, dass du gedanklich irgendwo anders bist“, sagte Ginny sanfter. „Was beschäftigt dich?“

Hermine lehnte sich leicht gegen die Wand und senkte kurz den Blick.

„Ich habe nur an Hogwarts gedacht.“

Ginny zog trocken eine Augenbraue hoch.

„Du meinst, du hast an Minerva gedacht.“

Hermine erwiderte ihren Blick einen Moment. Dann seufzte sie ergeben.

„Erwischt.“

Ginny grinste zufrieden, doch Hermine wurde schnell wieder ernster.

„Es ist verrückt“, murmelte sie leise. „Sie ist erst ein paar Stunden weg und ich vermisse sie jetzt schon, als hätten wir uns wochenlang nicht gesehen.“

Ginny sah sie einen Moment still an. Dann lächelte sie weich.

„Ich glaube, genau das nennt man Liebe.“

Hermine musste unwillkürlich ebenfalls lächeln, doch ihre Stimme wurde leiser, ehrlicher, als sie sagte:

„Ich habe noch nie jemanden so geliebt wie sie.“

Und allein diese Worte laut auszusprechen fühlten sich gleichzeitig wunderschön und erschreckend an. Ginny trat näher und legte ihr kurz eine Hand auf den Arm.

„Das sieht man.“

Hermine schluckte leicht.

„Es macht mir manchmal Angst.“

„Warum?“

Hermine dachte kurz nach.

„Weil sie mir inzwischen so wichtig ist, dass allein der Gedanke, sie zu verlieren, weh tut.“

Ginny lächelte traurig verständnisvoll.

„Du wirst sie nicht verlieren.“

Hermine hoffte so sehr, dass sie recht hatte. Ginny betrachtete Hermine einen Moment aufmerksam. So aufmerksam, dass Hermine sofort wusste, dass sie gerade viel mehr dachte, als sie sagte.

„Was?“, fragte Hermine schließlich leise.

Ginny lehnte sich leicht gegen die Wand.

„Du weißt, dass du eine Wahl hast.“

Hermine runzelte leicht die Stirn.

„Wie meinst du das?“

Ginny zuckte mit den Schultern.

„Du kannst bleiben oder gehen.“

Hermine blinzelte überrascht.

„Jetzt zurück nach Hogwarts?“

Ginny nickte ruhig, doch Hermine schüttelte sofort den Kopf.

„Das kann ich unmöglich machen.“

„Warum nicht?“

„Ginny“, sagte Hermine beinahe fassungslos, „das wäre unglaublich unhöflich deiner Mutter gegenüber.“

Allein der Gedanke machte ihr schon ein schlechtes Gewissen.

„Deine Familie hat mich so herzlich aufgenommen. Molly hat sich solche Mühe gegeben. Ich kann doch nicht einfach plötzlich verschwinden, nur weil ich Minerva vermisse.“

Ginny lächelte leicht.

„Das ist wirklich sehr schön von dir“, sagte sie ehrlich.

Dann wurde ihr Blick weicher.

„Aber wenn dein Herz gerade lauter ist als dein schlechtes Gewissen…“

Hermine senkte langsam den Blick. Natürlich war der Gedanke verlockend. Einfach zurück nach Hogwarts, zu Minerva, doch etwas hielt sie zurück.

„Ich glaube“, murmelte sie leise, „dass Minerva einen Grund hatte, früher zurückzugehen.“

Ginny hörte sofort aufmerksam zu.

„Sie hat zwar gesagt, dass sie mir Zeit mit euch lassen wollte“, sagte Hermine langsam. „Aber ich kenne sie.“

Ihre Finger schlossen sich leicht um den warmen Anhänger.

„Da war noch etwas anderes.“

Ginny dachte kurz nach, dann schnaubte sie leise verständnisvoll.

„Hermine… Minerva ist immer noch Minerva McGonagall.“

Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Die Frau ist Schulleiterin durch und durch.“

Hermine musste unwillkürlich leicht lächeln.

„Wenn Hogwarts sie ruft“, sagte Ginny ruhig, „dann geht sie.“

Dann legte Ginny ihr sanft eine Hand an den Arm.

„Und das hat nichts mit dir zu tun.“

Hermine nickte langsam. Trotzdem blieb dieses ungute Gefühl in ihrer Brust. Sie kannte Minerva inzwischen gut genug, um zu merken, wenn etwas sie belastete – selbst wenn Minerva versuchte, es hinter Ruhe und Haltung zu verstecken.

„Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein“, murmelte Hermine leise.

Ginny schüttelte leicht den Kopf.

„Nein. Wahrscheinlich nicht.“

Hermine sah sie überrascht an. Ginny zuckte leicht mit den Schultern.

„Minerva wirkt auf mich nicht wie jemand, der grundlos früher abreist.“

Ein kleines Schmunzeln erschien auf ihren Lippen.

„Vor allem nicht freiwillig von dir.“

Das brachte Hermine immerhin zu einem kurzen Lächeln. Dann wurde sie wieder still.

„Ich hasse es einfach“, sagte sie leise, „dass wir ständig vorsichtig sein müssen.“

Ginny nickte verständnisvoll.

„Und manchmal“, fuhr Hermine fort, „fühlt es sich an, als würde Hogwarts sie mir wieder wegnehmen.“

Kaum ausgesprochen, erschrak Hermine beinahe selbst über diese Worte. Ginny allerdings verstand sofort.

„Das tut Hogwarts nicht“, sagte sie ruhig.

Hermine sah sie an.

„Aber Hogwarts verlangt sehr viel von ihr.“

Das konnte Hermine unmöglich bestreiten. Minerva lebte für dieses Schloss. Für ihre Schüler. Für ihre Verantwortung. Und genau deshalb machte Hermine sich manchmal Sorgen, wie lange Minerva all das noch tragen konnte.

„Sie sah müde aus beim Abschied“, murmelte Hermine leise.

Ginny musterte sie kurz.

„Dann sei übermorgen einfach bei ihr.“

„Das habe ich sowieso vor.“

„Nein“, sagte Ginny sanfter. „Ich meine wirklich bei ihr.“

Hermine verstand sofort. Nicht als Referendarin, nicht vorsichtig, sondern als die Person, die Minerva liebte und vielleicht brauchte Minerva genau das gerade mehr, als sie selbst zugeben würde.