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Der Weg zu dir

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Der Weg zu dir

Der nächste Morgen brach viel zu schnell über Hermine herein oder vielleicht hatte die Nacht sich einfach nie wirklich wie Schlaf angefühlt. Immer wieder war sie aufgewacht, hatte sich halb verschlafen zur anderen Bettseite gedreht, nur um jedes Mal erneut festzustellen, dass niemand dort lag, dass Minerva nicht neben ihr war. Als Hermine schließlich endgültig die Augen öffnete, blieb sie reglos auf dem Rücken liegen und starrte an die Decke. Das Bett fühlte sich kalt und leer an. Fast automatisch erschien Minervas Gesicht vor ihrem inneren Auge. Dieses ruhige, warme Lächeln, das nur Hermine zu sehen bekam und sofort begann ihre Fantasie wieder zu arbeiten. Wie schön es wäre, wenn Minerva jetzt neben ihr liegen würde. Wenn sie noch halb verschlafen ihre Hand nach ihr ausgestreckt hätte. Wenn Minerva leise gelacht und sie näher gezogen hätte. Wenn Hermine ihr einfach einen langsamen Guten-Morgen-Kuss hätte geben können. Allein die Vorstellung ließ ihr Herz gleichzeitig warm und schmerzhaft schwer werden. Dann holte die Realität sie wieder ein. Nicht heute. Heute musste sie diesen einen Tag noch überstehen. Nur noch diesen Tag. Und morgen… Morgen würde sie endlich zurück nach Hogwarts fahren. Zurück zu Minerva.

Auch Minervas Nacht war alles andere als erholsam gewesen. Immer wieder war sie wach geworden. Mal wegen irgendeines Geräuschs im Schloss, mal vollkommen grundlos. Zumindest redete sie sich das ein. In Wahrheit wusste sie genau, warum sie nicht schlafen konnte. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie Hermine vor sich. Ihr trauriger Blick beim Abschied. Die verzweifelte Umarmung an der Tür. Die Art, wie sie gesagt hatte, dass sie sie jetzt schon vermisste. Minerva lag lange wach in ihrem Bett, starrte in die Dunkelheit ihrer Gemächer und spürte schmerzhaft deutlich die Leere neben sich. Zu schnell hatten sich die gemeinsamen Nächte im Fuchsbau wie Normalität angefühlt. Zu schnell hatte sie sich daran gewöhnt, Hermine einfach bei sich zu haben und mit diesen Gedanken kamen unweigerlich auch die Sorgen zurück. Das Ministerium, die neue Anhörung, Featherstone und die Erkenntnis, dass sie Hermine vermutlich sagen musste, dass ihre Beziehung noch länger verborgen bleiben musste. Allein der Gedanke daran tat weh. Minerva drehte sich langsam auf die Seite und schloss erneut die Augen. Sie dachte daran, wie Hermine sie angesehen hatte, als sie von einem normalen gemeinsamen Leben gesprochen hatte. Voller Sehnsucht und Hoffnung und Minerva hatte diese Hoffnung ebenfalls gespürt. Vielleicht zum ersten Mal so deutlich. Gerade deshalb fühlte sich jeder neue Rückschlag plötzlich unerträglicher an.

Erst irgendwann in den frühen Morgenstunden war sie schließlich doch eingeschlafen und selbst da hatte sie von Hermine geträumt. Es half alles nichts. Pflicht blieb Pflicht. Also stand Minerva am nächsten Morgen früh auf, zog ihre Robe an und zwang sich zurück in ihren gewohnten Rhythmus.

Die Große Halle war noch vergleichsweise ruhig, nur vereinzelte Schüler und einige wenige Lehrkräfte saßen bereits an den Tischen. Viele wirkten noch verschlafen, selbst das übliche Stimmengewirr war gedämpfter als sonst. Minerva setzte sich an den Lehrertisch, doch ihr Appetit hielt sich in Grenzen. Sie stocherte eher in ihrem Frühstück herum, als wirklich zu essen. Nach kurzer Zeit stand sie bereits wieder auf. Niemand hielt sie auf, als sie die Große Halle verließ und sich auf den Weg zu ihrem Büro machte. Gerade bog sie in einen ruhigeren Korridor ein, als sie etwas hörte. Ein leises Schluchzen. Minerva blieb sofort stehen. Einen Moment lauschte sie, dann folgte sie dem Geräusch bis zur Mädchentoilette in der Nähe des Nordturms. Dort fand sie eine kleine Zweitklässlerin auf dem Boden sitzend vor, die Hände vor dem Gesicht, die Schultern zitternd. Sobald das Mädchen bemerkte, dass jemand hereinkam, wollte sie sich hastig die Tränen wegwischen.

„Professor McGonagall… ich…“

„Ganz ruhig“, sagte Minerva sofort sanft.

Ihre Stimme verlor augenblicklich jede Strenge. Langsam ging sie in die Hocke und blieb in angenehmem Abstand vor dem Mädchen sitzen.

„Was ist passiert?“

Zunächst bekam sie keine richtige Antwort. Das Mädchen schüttelte nur den Kopf, kämpfte sichtlich darum, sich wieder zu beruhigen, doch als Minerva ihr ruhig ein Taschentuch reichte und geduldig bei ihr blieb, entspannte sich die Kleine langsam etwas. Sie ließ sich bereitwillig trösten, als Minerva ihr sanft über den Rücken strich. Irgendwann kam schließlich stockend die Antwort.

„Ich… ich hatte wieder Stress mit Professor Featherstone.“

Sofort wurde Minervas Blick schärfer. Äußerlich blieb sie jedoch vollkommen ruhig.

„Was genau ist passiert?“

Die Kleine schluckte.

„Ich habe nur einen Zauber geübt… als Vorbereitung.“

Tränen sammelten sich erneut in ihren Augen.

„Er ist schief gegangen, aber es war nichts Schlimmes! Wirklich nicht!“

Minerva nickte ruhig. „Natürlich.“

„Aber Professor Featherstone hat es gesehen…“

Die Stimme des Mädchens brach erneut leicht.

„Und dann hat er gesagt, dass ich völlig unkonzentriert bin und dass mit solchen Fehlern nie etwas aus mir wird.“

Minervas Magen zog sich zusammen. Die Kleine wirkte inzwischen völlig verunsichert, als hätte ein harmloser Fehler ihre ganze Welt erschüttert und genau das machte Minerva innerlich wütend. Nicht auf das Mädchen, sondern auf Featherstone. Mit aller Mühe hielt sie ihre Fassung. Stattdessen sah sie die Zweitklässlerin ruhig an und sagte bestimmt:

„Jeder Schüler in diesem Schloss hat schon Zauber vermasselt. Einschließlich mir.“

Die Kleine blinzelte überrascht. Ein ganz kleines Lächeln erschien auf Minervas Lippen.

„Und trotzdem ist etwas aus uns geworden.“

Das brachte dem Mädchen tatsächlich ein vorsichtiges Lächeln zurück. Minerva half ihr schließlich wieder auf die Beine, richtete sanft ihre verrutschte Uniform und sprach ihr noch einmal Mut zu, doch innerlich brodelte es längst gefährlich in ihr.

Oh ja. Das würde für Featherstone noch ein Donnerwetter geben.

Keine Stunde später saß Minerva bereits wieder hinter ihrem Schreibtisch. Diesmal allerdings nicht mit Briefen beschäftigt, sondern wartend. Die Nachricht an Featherstone war kurz und eindeutig gewesen. Er ließ sich nicht lange bitten. Mit der gewohnten Selbstsicherheit trat er in ihr Büro, geschniegelt und offensichtlich überzeugt davon, dass er jede Situation unter Kontrolle hatte.

„Minerva.ä

„Setz dich bitte, Edmund.“

Er nahm Platz und bemerkte vermutlich sofort an ihrem Blick, dass dies kein freundlicher Besuch werden würde. Minerva verschwendete keine Zeit.

„Ich bin erst seit gestern zurück“, sagte sie ruhig, „und dennoch erreichen mich bereits erneut Beschwerden über dein Verhalten gegenüber Schülern.“

Featherstone setzte sofort an zu antworten.

„Wenn du damit auf die Vorfälle…“

„Ich bin noch nicht fertig.“

Der Ton ihrer Stimme schnitt so scharf durch den Raum, dass selbst Featherstone innehielt. Minerva lehnte sich leicht nach vorne.

„Es ist deine Aufgabe, Schüler zu unterrichten.“

Jedes Wort war präzise kontrolliert.

„Nicht ihr Selbstbewusstsein zu zerstören.“

Featherstones Gesicht verhärtete sich leicht, doch Minerva sprach weiter.

„Kinder machen Fehler. Besonders während sie lernen.“

Ihre Augen verengten sich minimal hinter der Brille.

„Und wenn eine Zweitklässlerin nach einer harmlosen misslungenen Übung weinend in einer Toilette sitzt, weil sie überzeugt wurde, nie gut genug zu sein, dann hast du deine Aufgabe als Lehrkraft verfehlt.“

Zum ersten Mal wirkte Featherstone nicht vollkommen unangreifbar. Nur einen Moment. Dann richtete er sich leicht auf.

„Mit Verlaub, Minerva, Disziplin und Leistungsanspruch sind…“

„Nicht dasselbe wie Demütigung.“

Die Ruhe in Minervas Stimme machte die Worte nur gefährlicher.

„Du wirst solche Kommentare künftig unterlassen.“

Featherstone hielt ihrem Blick einen langen Moment stand, doch Minerva wich keinen Millimeter zurück. Schließlich nickte er knapp.

„Wenn meine Worte falsch verstanden wurden, bedaure ich das selbstverständlich.“

Minerva wusste genau, dass er es nicht bedauerte, aber darum ging es gerade nicht.

„Ich hoffe“, sagte sie kühl, „dass wir uns verstanden haben.“

Diesmal antwortete Featherstone nicht sofort.

„Natürlich, Minerva.“

Minerva hielt seinen Blick noch einen Moment fest. Lang genug, dass Featherstone genau verstand, dass dies keine höfliche Bitte gewesen war. Dann lehnte sie sich langsam wieder zurück.

„Gut.“

Featherstone stand auf, strich beinahe demonstrativ seine Robe glatt und setzte sein gewohnt kontrolliertes Lächeln wieder auf.

„War das alles?“

„Für den Moment.“

Diese Worte hingen schwer zwischen ihnen.

Featherstone nickte knapp.

„Dann wünsche ich dir einen angenehmen Tag.“

Minerva antwortete nicht mehr. Er verließ das Büro mit ruhigen Schritten und erst als die Tür hinter ihm geschlossen war, erlaubte Minerva sich ein langes, langsames Ausatmen. Sie blieb einige Sekunden reglos sitzen. Dann griff sie nach ihrer Brille und rieb sich müde über die Augen. Featherstone war gefährlich. Er bewegte sich ständig an der Grenze dessen, was man ihm wirklich vorwerfen konnte. Immer höflich genug. Immer kontrolliert genug. Aber Minerva sah genau, was er tat und sie hasste es. Ein leises Klopfen an der Tür ließ sie erneut aufsehen. Diesmal steckte Poppy den Kopf herein.

„Störe ich?“

Minerva schnaubte leise.

„Nur wenn du Featherstone bist.“

Poppy verzog sofort das Gesicht.

„Dann eindeutig nicht.“

Das brachte Minerva tatsächlich zu einem kurzen, erschöpften Lächeln. Poppy trat ein und musterte sie aufmerksam.

„Du siehst aus, als würdest du jemanden gleich aus einem Fenster werfen.“

„Ich erwäge es.“

„Verständlich.“

Poppy setzte sich ihr gegenüber und schwieg einen Moment. Dann fragte sie vorsichtig:

„Hermine kommt morgen zurück oder?“

Sofort veränderte sich etwas in Minervas Blick. Wärme, Sehnsucht und gleichzeitig Erschöpfung.

„Ja“, sagte sie leise und allein dieses eine Wort klang fast wie Erleichterung.

Poppy bemerkte sofort, wie sehr allein die Erwähnung von Hermine Minervas Ausdruck veränderte. Die Härte, die Featherstone eben noch ausgelöst hatte, wurde weicher.

„Du vermisst sie sehr, hm?“, fragte Poppy vorsichtig.

Minerva antwortete nicht sofort. Dann senkte sie kurz den Blick auf die Unterlagen vor sich und sagte leise:

„Mehr, als vermutlich gesund ist.“

Poppy lächelte traurig verständnisvoll.

„Das nennt man wohl Liebe.“

Minerva schnaubte leise. „Offenbar.“

Für einen Moment entstand eine angenehme Stille zwischen ihnen. Dann wurde Minervas Blick wieder ernster.

„Ich mache mir Sorgen um sie.“

Poppy runzelte leicht die Stirn.

„Wegen Featherstone?“

„Unter anderem.“

Minerva stand langsam auf und trat wieder zum Fenster, beinahe so, als hielten ihre Gedanken sie nie lange an einem Ort fest.

„Hermine hat sich in den Ferien daran gewöhnt, wie leicht alles zwischen uns sein kann.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Und jetzt muss sie zurückkommen… in all das hier.“

Poppy beobachtete sie aufmerksam.

„Sie ist stärker, als du denkst.“

Minerva lächelte schwach.

„Das weiß ich.“

Sie schwieg kurz.

„Aber sie fühlt intensiv. Sehr intensiv.“

Ein beinahe zärtlicher Unterton lag in ihrer Stimme.

„Und ich weiß nicht, wie lange ich ihr noch zumuten kann, sich ständig zurückhalten zu müssen.“

Poppy verstand sofort, dass hinter diesen Worten noch mehr steckte. Sie dachte an Pomonas Andeutung vom Morgen.

„Du willst ihr sagen, dass ihr eure Beziehung noch länger geheim halten müsst.“

Es war keine Frage. Minerva schloss kurz die Augen.

„Ja.“

Das Wort klang erschöpft.

„Und ich habe Angst davor.“

Poppy stand langsam auf und trat neben sie ans Fenster.

„Nicht vor ihrer Reaktion“, sagte sie ruhig.

Minerva sah sie kurz an. Poppy kannte sie zu gut.

„Du hast Angst davor, sie damit erneut unglücklich zu machen.“

Minerva antwortete nicht, doch genau dieses Schweigen war Antwort genug. Eine Weile standen beide schweigend nebeneinander am Fenster. Draußen liefen einige Schüler über den verschneiten Innenhof, Stimmen hallten gedämpft bis nach oben. Das gewöhnliche Leben von Hogwarts ging weiter, als wäre nichts kompliziert. Minerva beneidete diese Einfachheit beinahe.

„Weißt du“, sagte Poppy irgendwann ruhig, „Hermine liebt dich nicht, weil alles leicht ist.“

Minerva schwieg.

„Sie liebt dich trotz all der Schwierigkeiten.“

Langsam senkte Minerva den Blick.

„Genau das macht es ja so schwer“, murmelte sie.

Poppy musterte sie aufmerksam.

„Du gibst dir für alles die Schuld, oder?“

Minerva antwortete nicht sofort. Dann sagte sie leise:

„Wenn sie nicht mit mir zusammen wäre, müsste sie das alles nicht ertragen.“

Poppy schüttelte sofort den Kopf.

„Das ist Unsinn und das weißt du.“

Minerva wollte widersprechen, doch Poppy ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen.

„Hermine ist erwachsen. Sie weiß genau, worauf sie sich eingelassen hat.“

Ein kleines Schmunzeln erschien auf ihren Lippen.

„Und ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass irgendjemand sie davon abhalten könnte, dich zu lieben.“

Trotz allem entwich Minerva ein leises, erschöpftes Schnauben. Ja. Das klang erschreckend nach Hermine. Poppy lehnte sich leicht gegen die Fensterbank.

„Du solltest aufhören zu entscheiden, was besser für sie wäre.“

Minerva sah sie an.

„Rede mit ihr“, sagte Poppy sanft. „Ehrlich.“

Ein bitteres Lächeln huschte über Minervas Gesicht.

„Das ist leichter gesagt als getan.“

„Natürlich.“

Poppy legte ihr kurz eine Hand auf den Arm.

„Aber Hermine würde lieber eine schmerzhafte Wahrheit von dir hören als Abstand ohne Erklärung.“

Diese Worte trafen Minerva härter, als Poppy vermutlich ahnte, denn genau davor hatte sie Angst. Nicht vor Hermines Wut, sondern vor ihrem verletzten Blick. Vor dieser Enttäuschung, die Hermine niemals laut aussprechen würde. Minerva atmete langsam aus und nickte schließlich leicht.

„Du hast wahrscheinlich recht.“

Poppy lächelte warm.

„Natürlich habe ich das.“

Und zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr fühlte Minerva sich mit ihren Gedanken nicht mehr ganz so allein.

Der Tag im Fuchsbau blieb laut, lebendig und voller Ablenkung. Fred und George veranstalteten irgendeinen vollkommen absurden Wettbewerb mit verzauberten Spielkarten, Ron diskutierte mit Harry über Quidditch und James hielt sämtliche Erwachsenen gleichzeitig auf Trab. Mittendrin war Hermine. Sie lachte ehrlich, machte bei allem mit und ließ sich immer wieder von der Energie der Weasleys mitreißen, doch sobald es auch nur einen ruhigen Moment gab, schlich sich die Sehnsucht sofort wieder zurück. Dann dachte sie wieder an Minerva. An Hogwarts. An dieses viel zu leere Bett. Und immer wieder kamen Ginnys Worte zurück.

'Du hast die Wahl.'

Hermine begann tatsächlich darüber nachzudenken. Sie könnte abreisen. Noch heute. Niemand würde sie wirklich aufhalten und der Gedanke daran wurde mit jeder Stunde verlockender. Einfach zurück zu Minerva, doch jedes Mal, wenn sie beinahe bereit war, den Gedanken ernsthaft auszusprechen, passierte etwas, das sie wieder zurückhielt. Molly stellte ihr ungefragt eine Tasse Tee hin, weil sie „so nachdenklich aussieht“. Arthur fragte sie begeistert nach irgendeiner Muggel-Erfindung. Ginny zog sie lachend wieder in irgendein Gespräch hinein und James krabbelte irgendwann einfach auf ihren Schoß und beschloss offenbar, dort sitzen zu bleiben. Diese Familie hatte sie mit so viel Wärme aufgenommen, dass Hermine es schlicht nicht übers Herz brachte, plötzlich zu verschwinden. Nicht nach allem. Nicht nachdem Molly sie fast behandelt hatte wie eine weitere Tochter. Also blieb sie. Auch wenn ein Teil ihres Herzens längst zurück nach Hogwarts wollte.

In einer der selteneren ruhigen Minuten saß Hermine mit James auf dem Boden im Wohnzimmer. Die anderen waren verteilt im Haus beschäftigt und für einen Moment war es tatsächlich still genug, um einfach nur dazusitzen. James schob konzentriert irgendwelche Holzklötze über den Teppich, während Hermine ihn lächelnd beobachtete. Fast automatisch glitt ihre Hand wieder zu der Kette an ihrem Hals. Der Anhänger war erneut angenehm warm. Sofort wurde ihr Herz ein kleines bisschen leichter. Minerva dachte an sie. Wahrscheinlich gerade jetzt. Vielleicht saß sie in ihrem Büro. Vielleicht arbeitete sie wieder viel zu lange und trank dabei einen starken Tee. Allein der Gedanke daran ließ Hermine weich lächeln. James bemerkte die Bewegung sofort. Neugierig krabbelte er auf ihren Schoß und griff vorsichtig nach dem Schmuckstück. Seine kleinen Finger schlossen sich kurz um den Anhänger, doch überraschend sanft ließ er ihn gleich wieder los. Hermine musste lächeln.

„Die Kette ist von Minerva“, erzählte sie ihm leise.

James blickte sofort auf. Dann kam ein erstaunlich deutliches:

„Minnie.“

Hermine lachte leise auf.

„Ja“, sagte sie weich und strich ihm durch die Haare. „Genau. Minnie.“

James drehte sofort den Kopf und begann sich suchend umzusehen. Hermine blinzelte kurz und verstand dann plötzlich. Er suchte nach Minerva. Ihr Herz zog sich gleichzeitig schmerzhaft und liebevoll zusammen.

„Nein, mein Schatz“, murmelte sie sanft und zog ihn näher an sich. „Minnie ist gerade nicht hier.“

James verstand die Worte vermutlich nicht vollständig, aber er bemerkte offenbar trotzdem, dass etwas anders war. Er schaute noch einmal kurz Richtung Tür, dann wieder zu Hermine hoch und schließlich schmiegte er sich einfach an sie. Hermine küsste sanft seinen Kopf und schloss kurz die Augen.

„Ich vermisse sie auch“, flüsterte sie leise.

Hermine hielt James weiter auf ihrem Schoß und strich ihm langsam über den Rücken. Ihr Blick blieb irgendwo im Raum hängen, ohne wirklich etwas wahrzunehmen.

„Minnie ist nicht hier“, murmelte sie leise und obwohl sie eigentlich mit James sprach, klang ihre Stimme plötzlich traurig genug, dass selbst sie es bemerkte.

James sah zu ihr hoch. Einen Moment beobachtete er sie einfach nur mit seinen großen Augen. Dann tat er etwas, das Hermine völlig unvorbereitet traf. Er schlang seine kleinen Arme so gut es ging um sie und drückte sich fest an sie, als wollte er sie trösten. Hermine erstarrte kurz. Dann musste sie trotz allem leise lachen, während ihr gleichzeitig erneut die Tränen in die Augen stiegen.

„Oh, James…“

Sie zog ihn sofort näher an sich und küsste sanft seine Haare.

„Du bist wirklich zu süß.“

James machte ein zufriedenes Geräusch und blieb einfach an sie gekuschelt und genau in diesem Moment wurde Hermine wieder schmerzhaft bewusst, warum sich die Zeit mit Minerva im Fuchsbau so besonders angefühlt hatte. Nicht nur wegen der heimlichen Küsse oder der gemeinsamen Nächte, sondern wegen solcher kleinen Augenblicke. Wegen des Gefühls von Nähe. Von Zuhause. Von etwas, das beinahe schon wie Familie wirkte.

Je weiter der Tag voranschritt, desto schwerer fiel es Hermine, ihre Sehnsucht noch zu ignorieren. Sie versuchte wirklich, sich abzulenken. Sie lachte mit den anderen, half Molly in der Küche, spielte mit James und hörte Fred und George bei irgendeinem vollkommen absurden Plan zu, aber innerlich war sie längst nicht mehr wirklich da. Immer wieder dachte sie an Minerva. An ihr müdes Gesicht beim Abschied. An dieses ungute Gefühl, das Hermine seit ihrer Abreise nicht losließ. Und irgendwann wusste Hermine plötzlich einfach:

Sie hielt es nicht mehr aus.

Am Abend zog sie sich schließlich in ihr Zimmer zurück und begann ihre Sachen zusammenzupacken. Langsam zuerst, fast zögerlich, doch je länger sie packte, desto sicherer wurde sie in ihrer Entscheidung. Sie musste zurück nach Hogwarts. Zu Minerva. Nicht morgen. Jetzt.

Als sie wenig später mit ihrem Koffer wieder nach unten kam, verstummten die Gespräche im Wohnzimmer beinahe sofort. Molly blinzelte überrascht.

„Hermine?“

Hermine setzte ein entschuldigendes Lächeln auf.

„Es tut mir leid… aber ich glaube, ich muss heute schon zurück.“

Sofort kamen Fragen.

„Jetzt sofort?“

„Ist etwas passiert?“

„Hat McGonagall dich doch schon zum Arbeiten verdonnert?“, fragte Fred.

Hermine schüttelte schnell den Kopf.

„Nein, nichts Dramatisches.“

Zumindest nicht offiziell.

„Ich muss einfach früher zurück. Vorbereitungen für Hogwarts.“

Halb wahr, halb Ausrede und sie hasste es ein wenig. Hermine stellte den Koffer ab und ging zu Molly.

„Es tut mir wirklich leid wegen des abrupten Aufbruchs.“

Molly zog sie sofort in eine herzliche Umarmung.

„Ach, Liebes.“

Man sah ihr an, dass sie traurig darüber war.

„Natürlich verstehen wir das.“

„Danke“, murmelte Hermine ehrlich.

Die anderen wirkten ebenfalls enttäuscht, auch wenn Fred sofort meinte, Hogwarts sei eindeutig schuld daran, dass interessante Menschen ständig verschwinden würden. Nur Ginny blieb auffallend ruhig. Sie stand etwas abseits und sah Hermine einfach nur an. In ihrem Blick lag kein Vorwurf, nur Verständnis, weil sie wusste, dass das hier richtig war.

Es war bereits spät, als Hermine schließlich in Hogwarts ankam. Das Schloss lag ruhig und beinahe verlassen da. Nur vereinzelte Fackeln warfen warmes Licht auf die alten Steinwände, während Hermine mit klopfendem Herzen durch die Gänge lief. Niemand begegnete ihr mehr. Genau so hatte sie es gehofft. In ihrer eigenen Wohnung stellte sie nur hastig den Koffer ab, zog Mantel und Schuhe aus und wechselte in bequemere Kleidung. Keine fünf Minuten später schlich sie bereits wieder durch die Korridore. Direkt zu Minervas Wohnung. Ihr Herz schlug so laut, dass sie beinahe sicher war, man müsse es im ganzen Gang hören können. Vor Minervas Tür blieb sie kurz stehen. Dann klopfte sie leise. Drinnen hörte man Bewegung.

Minerva hatte auf dem Sofa gesessen, ein Buch in der Hand, mehr lesend aus Gewohnheit als aus wirklichem Interesse. Überrascht blickte sie zur Tür. Wer konnte um diese Uhrzeit noch… Sie stand auf und öffnete und erstarrte sofort. Für einen langen Moment sagte keine von beiden etwas. Minerva starrte Hermine einfach nur an, als würde sie nicht ganz glauben, dass sie wirklich dort stand. Hermine sah erschöpft aus von der Reise, ihre Augen glänzten bereits feucht, aber sie lächelte und genau dieses Lächeln ließ Minervas Herz beinahe schmerzhaft zusammenziehen.

„Hermine…“

Mehr brachte sie nicht hervor. Im nächsten Moment trat Hermine schon hinein und fiel ihr praktisch in die Arme. Minerva hielt sie sofort fest. So fest, als hätte sie Angst, sie könnte wieder verschwinden. Hermine vergrub das Gesicht an ihrer Schulter.

„Ich habe dich so vermisst“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme.

Minerva schloss sofort die Augen.

„Oh, Liebling…“

Als sie sich wieder ansahen, standen beiden bereits Tränen in den Augen und dann küssten sie sich. Nicht ruhig, nicht vorsichtig, sondern beinahe verzweifelt. Immer wieder. Zwischen den Küssen liefen ihnen Tränen über die Wangen – nicht aus Traurigkeit, sondern aus Erleichterung. Minerva hielt Hermines Gesicht in ihren Händen und sah sie fassungslos an.

„Warum bist du schon hier?“, fragte sie leise.

Hermine lachte zittrig durch ihre Tränen.

„Weil ich nur zu dir wollte.“

Und allein diese Worte trafen Minerva mitten ins Herz. Minerva sah sie an, als hätte Hermine ihr gerade gleichzeitig das Schönste und Gefährlichste gesagt, das sie je gehört hatte. Langsam strich sie ihr die feuchten Locken aus dem Gesicht, ihre Hände zitterten leicht.

„Du bist einfach zurückgekommen?“, fragte sie leise.

Hermine nickte sofort.

„Ich habe es nicht mehr ausgehalten.“

Ihre Stimme brach beinahe wieder.

„Ich habe ständig an dich gedacht und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr dort sitzen und so tun, als wäre alles in Ordnung.“

Minervas Blick wurde weich, beinahe schmerzhaft liebevoll.

„Oh, Hermine…“

Sie zog sie sofort wieder an sich und hielt sie fest. Diesmal ruhiger, als würde sie endlich wieder richtig atmen können. Hermine schloss die Augen und lauschte einfach Minervas Herzschlag. Endlich wieder hier.

„Du hättest nicht mitten in der Nacht allein reisen sollen“, murmelte Minerva irgendwann gegen ihr Haar.

Hermine lächelte schwach.

„Das sagt die Frau, die ständig allein durch halb Großbritannien appariert.“

Minerva schnaubte leise und genau dieses vertraute Geräusch ließ Hermine erneut die Tränen in die Augen steigen. Minerva bemerkte es sofort.

„Hey.“

Sanft hob sie Hermines Kinn an.

„Nicht weinen.“

Hermine lachte leise und wischte sich über die Augen.

„Zu spät.“

Minerva küsste sie erneut. Langsam, liebevoll und ohne die Verzweiflung von eben. Dann lehnte sie ihre Stirn gegen Hermines.

„Du fehlst mir schrecklich, wenn du nicht hier bist“, gestand sie leise und allein diese ehrlichen Worte ließen Hermine sofort wieder lächeln.

„Gut“, murmelte sie weich. „Denn mir geht es genauso.“

Minerva schloss kurz die Augen. Dann küsste sie Hermine erneut, hielt sie fest in ihren Armen und dachte für einen einzigen, kostbaren Moment an gar nichts anderes mehr. Hermine sah Minerva einen Moment lang einfach nur an, als müsste sie sich noch immer vergewissern, dass sie wirklich hier war. Dann fragte sie leise:

„Kann ich heute Nacht bei dir bleiben?“

Minerva lachte sofort leise auf – warm, beinahe ungläubig.

„Das fragst du jetzt nicht ernsthaft.“

Hermine schnaubte schwach und rückte noch näher an sie.

„Die vergangene Nacht war schrecklich.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Das Bett war so leer ohne dich.“

Minervas Blick wurde sofort weich. Hermine strich mit den Fingerspitzen über Minervas Hand.

„Es fühlt sich falsch an, wenn du nicht neben mir liegst.“

Minerva schloss kurz die Augen bei diesen Worten.

„Mir ging es genauso“, gestand sie leise.

Dann nahm sie Hermines Hand und zog sie sanft mit sich. Gemeinsam gingen sie ins Schlafzimmer. Alles fühlte sich sofort vertraut an. Warm. Sicher. Hermine musste unwillkürlich lächeln, als Minerva ihr wortlos eines ihrer Nachthemden reichte.

„Ich glaube langsam“, murmelte Hermine amüsiert, „dass ich mehr Kleidung von dir trage als meine eigene.“

Minerva schnaubte leise.

„Das lässt sich vermutlich nicht mehr vermeiden.“

Wenig später lagen sie schließlich zusammen im Bett und kaum war das Licht gelöscht, suchten sie automatisch die Nähe der anderen. Hermine schmiegte sich sofort an Minerva, vergrub das Gesicht an ihrem Hals, während Minervas Arme sich fest um sie legten. Ein tiefer Atemzug. Endlich richtig angekommen. Sie küssten sich noch einmal langsam, müde und voller Zärtlichkeit, bevor sie einfach nur aneinander gekuschelt liegen blieben. Die vertraute Wärme, der ruhige Herzschlag und der Duft der anderen. All das, was ihnen die Nacht zuvor gefehlt hatte und diesmal dauerte es nicht lange, bis beide endlich ruhig einschliefen.

Am nächsten Morgen schreckte Hermine plötzlich aus dem Schlaf hoch. Für einen verwirrten Moment wusste sie nicht, wo sie war. Alles fühlte sich weich und warm an, doch ihr Herz schlug viel zu schnell, als wäre sie gerade aus einem Traum gerissen worden. Dann sah sie sich um. Das dunkle Holz der Möbel, die vertrauten Vorhänge, der leichte Duft nach Tee, Pergament und Minervas Parfüm. Minervas Schlafzimmer. Langsam senkte Hermine den Blick an sich herunter. Sie trug noch immer Minervas Nachthemd und direkt neben ihr lag Minerva. Friedlich schlafend. Allein dieser Anblick traf Hermine mitten ins Herz. Die ältere Frau lag halb auf die Seite gedreht, eine Hand locker auf der Bettdecke, das Gesicht im Schlaf vollkommen entspannt. Einige silberne Haarsträhnen hatten sich gelöst und lagen weich auf dem Kissen verteilt. Hermine spürte sofort, wie ihr beinahe die Tränen kamen. Nicht aus Traurigkeit, sondern aus purer Erleichterung. Sie war wirklich hier. Das war kein Traum gewesen. Langsam ließ Hermine sich wieder zurück ins Kissen sinken und drehte sich vorsichtig auf die Seite, nur um Minerva anzusehen. Ein kleines, weiches Lächeln erschien auf ihren Lippen. Wie wunderschön sie war. Selbst jetzt, verschlafen und vollkommen unbewusst beobachtet. Hermine hob ganz vorsichtig die Hand und strich Minerva eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Dabei wurde ihr erneut bewusst, wie sehr sie diese Frau liebte. Mit einer Tiefe, die sie manchmal selbst erschreckte. Hermine betrachtete Minerva noch lange schweigend. Jede einzelne vertraute Linie ihres Gesichts wirkte im sanften Morgenlicht beinahe unwirklich schön. Hermine konnte den Blick kaum von ihr lösen. Irgendwann regte Minerva sich leicht. Ein leiser Atemzug. Dann öffnete sie langsam die Augen. Für einen kurzen Moment sah sie noch verschlafen aus, beinahe orientierungslos, bis ihr Blick auf Hermine fiel. Sofort wurde ihr Ausdruck weich und Hermine erkannte darin dieselbe Erleichterung, die sie selbst empfand.

'Du bist noch da.'

Ein kleines Lächeln erschien auf Minervas Lippen.

„Guten Morgen.“

Hermine lächelte sofort zurück.

„Guten Morgen.“

Dann beugte sie sich zu ihr hinunter und küsste sie sanft. Einmal. Und noch einmal. Langsam vertieften sich die Küsse beinahe von selbst. Hermine hatte eine Hand an Minervas Wange gelegt, strich mit dem Daumen sanft über ihre Haut, während Minerva ihre Finger in Hermines Haar vergrub und sie näher zu sich zog. Keine von beiden wollte wirklich Abstand. Nicht nach der vergangenen Nacht. Nicht nach dieser Sehnsucht. Hermine beugte sich ein wenig mehr über sie, ihre Stirn streifte Minervas, bevor sich ihre Lippen erneut fanden. Voller Wärme und dieser tiefen Vertrautheit, die zwischen ihnen längst selbstverständlich geworden war und während draußen langsam ein neuer Tag über Hogwarts begann, verloren sie sich noch eine Weile einfach nur ineinander. Sie konnten einfach nicht voneinander lassen. Jeder Kuss führte zum nächsten, jede Berührung ließ die Sehnsucht der letzten Tage wieder hochkommen. Langsam rutschte Hermine näher über Minerva, ohne den Blickkontakt ganz zu verlieren. Ihre Finger glitten sanft über Minervas Hals, bevor ihre Lippen denselben Weg fanden. Minerva zog hörbar die Luft ein. Sofort schloss sie die Augen und hielt Hermine fester an sich, während diese ihr zarte Küsse über den Hals streute. Der ruhige Morgen verwandelte sich langsam wieder in etwas Intensiveres. Nicht hektisch. Nicht unkontrolliert. Sondern voller Nähe. Hermine küsste sich langsam tiefer, streifte sanft Minervas Dekolleté, während Minervas Atem immer schneller ging. Ihre Lippen öffneten sich leicht bei jeder Berührung, ihre Finger glitten weiterhin durch Hermines Haar, hielten sie fest, als wolle sie nie wieder Abstand zulassen. Dann flüsterte Hermine direkt gegen ihre Haut:

„Du hast mir so gefehlt.“

Minerva öffnete bei diesen Worten langsam wieder die Augen. Der Blick, mit dem sie Hermine ansah, war so voller Liebe, dass Hermine beinahe erneut die Tränen kamen.

„Du mir auch“, antwortete Minerva leise und in diesem Moment war alles andere weit weg.

Für ein paar kostbare Minuten existierten nur sie beide. Langsam richtete Minerva sich auf, ohne den Blickkontakt zu Hermine auch nur für einen Moment zu lösen. Hermine ließ sich bereitwillig mitziehen und saß wenig später auf ihrem Schoß, ganz nah bei ihr. Minervas Hände glitten sofort wieder durch Hermines Haar. Langsam. Zärtlich. So vertraut, dass Hermine die Augen schloss und sich einfach in dieser Berührung verlor. Genau das hatte ihr gefehlt. Diese Ruhe und Nähe. Minerva betrachtete sie lange dabei, als wollte sie sich jeden einzelnen Moment einprägen. Dann beugte sie sich vor und küsste Hermine erneut. Kurz nur, aber nicht weniger sanft. Gerade genug, damit Hermine die Augen wieder öffnete. Sie sahen einander an. So nah, dass sie den Atem der anderen spüren konnten. Minervas Blick wurde weicher, beinahe ehrfürchtig, während ihre Finger langsam zum Saum von Hermines Nachthemd glitten. Vorsichtig zog sie den Stoff Stück für Stück nach oben. Hermine hob wortlos die Arme, ohne den Blick von Minerva abzuwenden. Dann lag das Nachthemd neben dem Bett. Für einen Moment betrachtete Minerva sie einfach nur. Mit einer Mischung aus Liebe, Sehnsucht und staunender Zärtlichkeit, die Hermine sofort wieder mitten ins Herz traf. Minerva strich sanft über Hermines Seite und flüsterte leise:

„Du bist wunderschön.“

Und Hermine küsste sie sofort wieder, weil sie in diesem Blick vollkommen schutzlos wurde. Auch Hermine ließ den Blick nicht von Minerva lösen. Langsam hob sie die Hände, strich erst über Minervas Schultern und griff dann vorsichtig nach dem Stoff ihres Nachthemdes. Mit einer zärtlichen Ruhe zog sie es ihr über den Kopf. Sobald der Stoff verschwunden war, glitten Hermines Finger sofort wieder über Minervas Haut, als hätte sie diese Berührung schmerzlich vermisst und das hatte sie. Die Wärme ihres Körpers, die feinen Bewegungen ihres Atems und die vertrauten Linien ihrer Haut. Die Luft zwischen ihnen fühlte sich beinahe greifbar an vor Spannung und Sehnsucht. Hermine ließ ihre Fingerspitzen langsam über Minervas Schulter wandern, betrachtete jede kleine Spur auf ihrer Haut, jeden einzelnen sichtbaren Fleck, als wollte sie sich alles erneut einprägen. Minerva beobachtete sie dabei mit halb geschlossenen Augen. Sie blieb völlig still, völlig offen für jede Berührung. Dann beugte Hermine sich wieder vor und küsste sanft ihren Hals. Langsam. Mit einer Zärtlichkeit, die Minerva sofort erschauern ließ. Weitere Küsse folgten über ihre Brust, bevor Hermine schließlich wieder ihre Lippen fand. Minerva zog hörbar die Luft ein. Ihr Mund öffnete sich leicht, ihr Atem wurde schwerer, während ihre Hände sich fester um Hermine legten und als ihre Lippen sich erneut trafen, war darin all das enthalten, was sie in den letzten Tagen voneinander getrennt hatte: Sehnsucht, Erleichterung und diese tiefe, beinahe überwältigende Liebe, die zwischen ihnen längst unausweichlich geworden war.

Ihre Hände glitten weiter über die Haut der jeweils anderen. Zwischen den Küssen vergaßen sie alles um sich herum. Immer wieder fanden ihre Lippen zueinander, mal sanft, mal sehnsüchtiger, während ihre Finger vertraute Wege über Schultern, Rücken und Taille nahmen, doch langsam veränderte sich etwas zwischen ihnen. Die Küsse wurden tiefer, dringlicher. Die Sehnsucht der letzten Tage lag in jeder Berührung. Hermine rückte leicht auf Minervas Schoß zurecht, nur ein kleines Stück und trotzdem entwich beiden gleichzeitig ein leises Aufstöhnen bei der Bewegung. Für einen kurzen Moment hielten sie inne und sahen einander an. Dieser Blick allein genügte, um erneut eine Welle von Nähe und Verlangen zwischen ihnen auszulösen. Langsam ließ Minerva sich wieder zurück in die Kissen sinken, ohne Hermine loszulassen. Hermine folgte ihr sofort. Sie küssten sich weiter, hielten einander fest, strichen einander beruhigend über Rücken und Haare, als wollten sie all die fehlenden Stunden aufholen und trotz der spürbaren Spannung zwischen ihnen blieb unter allem etwas anderes bestehen:

Diese tiefe Vertrautheit und das Gefühl, endlich wieder dort zu sein, wo sie hingehörten – in den Armen der anderen.

Hermine löste ihre Lippen langsam von Minervas Mund, nur um sofort neue Küsse auf ihrer Haut zu hinterlassen. Zärtlich. Langsam. Sie küsste ihren Hals, wanderte tiefer über ihre Schulter und weiter über ihre Brust, während ihre Hände weiterhin miteinander verschränkt blieben. Minerva drückte den Kopf leicht ins Kissen zurück und schloss die Augen. Ihr Atem ging inzwischen deutlich schneller. Immer wieder zog sie scharf die Luft ein, sobald Hermine ihre Lippen tiefer wandern ließ. Ein leises, kaum zurückgehaltenes Stöhnen entwich ihr, als Hermine sanft ihren Bauch küsste und gleichzeitig ihre Finger enger mit ihren verschränkte. Diese kleine Geste traf Hermine beinahe genauso sehr wie jede Berührung zuvor. Denn selbst mitten in all der Sehnsucht hielten sie einander fest. Nicht nur körperlich, sondern auf diese tiefe, vertraute Weise, die längst weit über bloßes Verlangen hinausging. Hermine hob langsam wieder den Blick zu Minerva. Ihr Haar lag zerzaust auf dem Kissen, ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihr Gesicht gerötet von Nähe und Gefühl und für Hermine gab es in diesem Moment nichts Schöneres auf der Welt.

Langsam küsste sie sich wieder höher, bis ihre Lippen erneut Minervas fanden. Minerva zog sie sofort näher an sich, als hätte sie Angst, Hermine könnte wieder verschwinden und genau darin lag noch immer die ganze Wahrheit dieser Nacht:

Sie wollten einfach nur wieder beieinander sein.

Hermine schob Minervas Beine sanft ein wenig auseinander und rückte näher zu ihr. Für einen Moment hielten beide inne. Sie sahen einander einfach nur an. Hermine blieb achtsam. Langsam strich sie Minerva eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fragte leise:

„Bist du sicher?“

Minervas Blick wurde sofort weich. Sie hob ihre Hand, legte sie an Hermines Wange und nickte leicht.

„Ja“, flüsterte sie.

Mehr brauchte Hermine nicht. Sie küsste Minerva wieder, langsam und voller Gefühl, während ihre Hände weiter sanft über ihre Haut strichen. Minerva zog sie fest an sich, ihr Atem ging schneller und immer wieder verloren sie sich in Küssen, Berührungen und diesem überwältigenden Gefühl, endlich wieder beieinander zu sein. Langsam glitt Hermines Hand zwischen Minervas Beine und streichelte sanft über die Innenseite ihrer Schenkel. Ihr Daumen berührte dabei wie zufällig Minervas Mitte. Die ältere Frau zuckte bei dieser Berührung ein wenig und sie öffnete ihren Mund, um langsam auszuatmen. Hermine sah sie an, während ihre Finger ganz sanft um das eigentliche Ziel kreisten. Minerva atmete scharf ein und hielt die Augen geschlossen. Dann kam die erste direkte Berührung und sofort reagierte Minerva mit einem leisen Seufzer. Hermine ließ ganz sanft ihren Daumen kreisen. Minerva kniff ihre Augen zusammen, biss sich auf die Lippe, um keinen Laut von sich zu geben und einfach nur zu fühlen. Hermine machte weiter. Ganz sanft, in einem stetigen Rhythmus. Minerva versuchte jedes Geräusch zu unterdrücken.

„Nicht“, flüsterte Hermine.

Minerva öffnete die Augen.

„Lass es zu. Ich will dich hören.“

Hermine ließ ihren Daumen weiter kreisen und führte dann mühelos einen Finger in Minerva ein. Dabei sah sie, wie Minerva erneut ihre Augen schloss und sie nun hemmungslos aufstöhnte. Hermine lächelte bei den Geräuschen, die Minerva von sich gab und es erregte sie ebenso. Sie trieb Minerva weiter, bis sie kaum noch Luft bekam und einen befreienden Laut von sich gab. Langsam zog Hermine ihre Hand hervor, legte sich neben Minerva und zog sie in ihre Arme. Minerva atmete immer noch unkontrolliert schnell. Alles pulsierte und sie legte ihre Arme um Hermine.

„Du bist verrückt“, murmelte sie und Hermine lachte.

„Das muss ich wohl sein. Warum sonst bin ich so verliebt und süchtig nach der Schulleiterin von Hogwarts?“

Minerva sah auf und lächelte.

„Die Schulleiterin hat gerade Sendepause“, sagte sie und richtete sich ein wenig auf.

Hermine grinste ihr entgegen. Minervas Hand strich langsam von Hermines Brust, über ihren Bauch nach unten. Hermine öffnete von selbst ihre Beine. Minerva verlor keine Zeit. Sie wusste, wie Hermine es wollte und das bekam sie. Hermine stöhnte laut auf, als Minervas Finger in sie stießen und Minervas Lippen sanft über ihre Brust streiften. Sie hörte nicht auf, ihr Rhythmus wurde schneller, Hermine bog sich ihren Lippen entgegen und stöhnte hemmungslos. Der Druck steigerte sich und Minervas geschickte Finger ließen sie Sterne sehen, bis Hermine den Rand erreichte und in sich zusammensackte. Sie zog Minerva zu sich und küsste sie tief.

„Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr.“

Minerva lächelte und strich sanft über Hermines Wange.

„Und ich liebe dich.“

Die Zeit verging viel zu schnell. Irgendwann drang das entfernte Leben von Hogwarts wieder deutlicher bis in die Wohnung hinein – Schritte auf den Korridoren, vereinzelte Stimmen, das leise Erwachen des Schlosses und damit leider auch die Realität. Minerva seufzte leise und richtete sich schließlich auf.

„So ungern ich es sage…“, murmelte sie.

Hermine machte sofort ein protestierendes Geräusch und zog die Decke höher über sich. Minerva musste lachen, stand dann aber doch auf und zog sich langsam ihren Morgenmantel über. Hermine blieb noch liegen, den Kopf in die Hand gestützt und beobachtete sie dabei unverhohlen. Ihr Blick wanderte über jede Bewegung Minervas und genau diesen Blick bemerkte Minerva natürlich sofort. Sie drehte sich halb über die Schulter und lächelte amüsiert.

„Du solltest ebenfalls langsam aufstehen, wenn du pünktlich beim Frühstück erscheinen willst.“

Hermine reagierte darauf allerdings nicht im Geringsten pflichtbewusst. Stattdessen stand sie langsam auf – vollkommen unbekümmert darum, sich etwas überzuziehen – und trat direkt vor Minerva. Ihre Finger spielten sofort mit der Schlaufe des Morgenmantels.

„Niemand weiß, dass ich schon zurück bin“, sagte sie mit einem vielsagenden Lächeln.

Minervas Augen wurden sofort dunkler vor Belustigung und Zuneigung zugleich. Sie legte grinsend die Arme um Hermines Hals.

„Und was genau willst du damit andeuten?“

Als Antwort beugte Hermine sich nur vor und küsste langsam ihren Hals und ihr Dekolleté. Minerva schloss kurz die Augen und lachte leise auf.

„Hermine…“

„Mir würde da schon etwas einfallen“, murmelte Hermine gegen ihre Haut.

Minerva schnaubte belustigt und strich ihr durch die Locken.

„Bedauerlicherweise wartet Arbeit auf mich.“

Hermine ließ ihre Hand sanft über Minervas Brust gleiten und zog eine gespielt enttäuschte Miene.

„Das ist wirklich sehr schade.“

Minerva küsste sie noch einmal weich auf die Lippen.

„Glaub mir, niemand bedauert das gerade mehr als ich.“

Und genau dieser Satz ließ Hermine sofort wieder lächeln. Hermine grinste noch immer dieses gefährlich selbstsichere Grinsen, das Minerva inzwischen viel zu gut kannte.

„Ich habe einen Vorschlag“, sagte sie.

Minerva hob leicht eine Augenbraue.

„Ach ja?“

Hermine nickte ernst gespielt.

„Du gehst jetzt ganz brav zum Frühstück.“

„Mhm.“

„Und ich bleibe so lange hier in deiner Wohnung und verhalte mich ruhig.“

Minerva begann bereits zu ahnen, worauf das hinauslief.

„Und nach dem Frühstück“, fuhr Hermine unschuldig fort, „kommst du einfach wieder zurück und wir widmen uns wieder den schönen Dingen.“

Minerva konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Das klingt in der Theorie ausgesprochen verlockend.“

„In der Praxis auch.“

„Bedauerlicherweise“, sagte Minerva trocken, „erledigt sich meine Arbeit nicht von selbst.“

Doch Hermine ließ nicht locker. Mit einem kleinen Grinsen zog sie an der Schlaufe von Minervas Morgenmantel und öffnete ihn wieder leicht.

„Hermine…“

Minerva protestierte zwar sofort, aber das amüsierte Funkeln in ihren Augen verriet deutlich, dass sie nicht wirklich empört war.

„Dafür habe ich keine Zeit.“

„Schon gut“, meinte Hermine grinsend und trat wieder näher. „Ich warte einfach hier auf dich.“

Minerva lachte leise auf und schüttelte den Kopf.

„Du bist dir deiner Sache wirklich erschreckend sicher.“

Hermine nickte ohne jede Scham.

„Ja.“

Dieses eine Wort brachte Minerva erneut zum Lachen. Dann strich sie Hermine zärtlich über die Wange.

„Wir werden sehen, was der Tag bringt.“

Hermine wollte gerade etwas erwidern, da fügte Minerva mit einem kleinen Schmunzeln hinzu:

„Aber ich werde zumindest dafür sorgen, dass du ein ordentliches Frühstück bekommst.“

Hermine legte sofort die Arme wieder um sie und grinste viel zu vielsagend.

„Eigentlich hätte ich gerade große Lust darauf, meine Chefin zu vernaschen.“

Minerva schloss kurz die Augen und lachte erneut herzlich auf.

„Das glaube ich dir aufs Wort.“