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Der erste Tag

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Der erste Tag

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es ein etwas kürzeres Kapitel im Vergleich zu den Letzten ;) Das nächste Kapitel wird dafür wieder länger. Ich wünsche euch ganz viel Spaß und würde mich über das ein oder andere Review freuen :D

Liebe Grüße!

Am Abend war die Große Halle deutlich voller als noch am Morgen. Immer mehr Lehrer waren aus den Ferien zurückgekehrt und die Schüler, die den letzten Ferientag noch im Schloss verbrachten, sorgten für die gewohnte Geräuschkulisse. Hermine betrat die Halle mit einem kleinen Lächeln. Offiziell war sie erst seit wenigen Stunden zurück. Zumindest für alle anderen. Ihr Blick wanderte unwillkürlich zum Lehrertisch. Minerva saß auf ihrem gewohnten Platz. Für einen winzigen Augenblick trafen sich ihre Blicke. Nur kurz, aber lang genug. Minervas Mundwinkel bewegten sich kaum sichtbar. Hermine musste sich beherrschen, nicht zu lächeln. Dann ging sie weiter. Keine zehn Sekunden später wurde sie bereits abgefangen.

„Hermine!“

Poppy war die Erste. Pomona folgte unmittelbar dahinter.

„Endlich bist du zurück!“

Hermine lachte.

„Offenbar.“

„Wie waren die Ferien?“

„Hat Molly wieder versucht, dich zu mästen?“

„Natürlich hat sie das.“

„Und?“

„Mit erschreckendem Erfolg.“

Das brachte beide Lehrerinnen zum Lachen. Bald saßen sie gemeinsam am Tisch und Hermine erzählte von den Feiertagen, vom Fuchsbau und von James, der inzwischen offenbar beschlossen hatte, jeden Menschen in seiner Reichweite zu umarmen. Poppy war begeistert. Pomona ebenfalls. Für einige Minuten war alles leicht. Es fühlte sich fast normal an, doch dann öffnete sich die Tür der Großen Halle und die Stimmung veränderte sich augenblicklich.

Featherstone.

Minerva bemerkte ihn sofort. Sie bemerkte aber auch etwas anderes. Hermine bemerkte ihn ebenfalls und richtete sich beinahe unmerklich auf. Featherstone setzte sich nicht einmal sofort. Er blieb kurz stehen und musterte die Runde. Dann fiel sein Blick auf Hermine. Natürlich.

„Ah.“

Seine Stimme war laut genug, dass mehrere Personen in der Nähe sie hören konnten.

„Miss Granger ist also ebenfalls wieder zurück.“

Hermine sah ihn ruhig an.

„Professor Featherstone.“

„Wie erfreulich.“

Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er genau das Gegenteil meinte.

„Wobei ich gedacht hätte, Sie würden die verbleibende Zeit lieber nutzen, um sich auf den Unterricht vorzubereiten.“

Die Halle wurde ein kleines bisschen stiller. Nicht vollkommen, aber genug. Minerva spürte sofort, wie sich ihre Schultern anspannten.

'Oh nein.'

Sie kannte diesen Blick in Hermines Augen und für einen Moment war sie überzeugt, dass die junge Frau jeden Augenblick explodieren würde. Nach allem, was in den letzten Tagen passiert war, wäre das keine Überraschung gewesen, doch stattdessen blieb Hermine vollkommen ruhig. Sie stand sogar auf. Nicht aggressiv oder provokativ, sondern selbstsicher und ruhig. Sie trat einen Schritt näher.

„Professor Featherstone.“

Ihre Stimme war freundlich. Fast schon erschreckend freundlich.

„Ich kann Sie beruhigen.“

Featherstone hob eine Augenbraue.

„Ach?“

„Ich bin jederzeit vorbereitet.“

Hermine lächelte sogar leicht.

„Und ehrlich gesagt freue ich mich schon sehr darauf, wieder vor einer Klasse zu stehen.“

Für einen Moment wirkte Featherstone beinahe irritiert. Vermutlich hatte er mit einer deutlich heftigeren Reaktion gerechnet.

„Das werden wir sehen.“

„Das werden wir.“

Die Antwort kam sofort. Featherstone verzog leicht das Gesicht und setzte sich schließlich. Offensichtlich hatte das Gespräch nicht den Verlauf genommen, den er sich erhofft hatte. Hermine dagegen kehrte zu ihrem Platz zurück und erst jetzt bemerkte sie den Blick vom Lehrertisch. Minerva. Ihre Augen trafen sich erneut. Nur kurz, aber diesmal lag etwas anderes darin. Es war keine Sorge oder Anspannung, sondern Stolz und Hermine wusste sofort warum, denn diesmal hatte sie Featherstone nicht das gegeben, was er wollte. Sie hatte ihm etwas viel Ärgerlicheres gegeben:

Gar nichts.

Hermine setzte sich wieder. Äußerlich wirkte sie vollkommen ruhig, doch unter dem Tisch suchte ihre Hand beinahe automatisch nach Minervas. Nur für einen kurzen Moment. Ein flüchtiger Kontakt. Ihre Finger berührten sich. Es war nur eine kleine Geste, die niemand bemerkte, außer ihnen. Minerva drückte ihre Hand kaum spürbar. Dann lösten sie sich wieder. Gerade rechtzeitig, bevor jemand genauer hinschauen konnte.

Das Gespräch am Tisch ging weiter. Poppy erzählte irgendeine Geschichte aus dem Krankenflügel, Pomona berichtete von ihren Gewächshäusern und schließlich lenkte Minerva das Gespräch auf etwas anderes.

„Der Unterricht beginnt bald wieder.“

Hermine nickte.

„Leider.“

„Leider?“

„Die Ferien waren angenehm.“

Minerva lächelte.

„Das waren sie.“

Hermine musste sich beherrschen, nicht zu grinsen.

„Aber ich freue mich trotzdem.“

„Das hoffe ich.“

Minerva nahm einen Schluck Tee.

„In ein paar Monaten stehen außerdem deine Prüfungen an.“

Sofort verschwand ein Teil von Hermines Gelassenheit.

„Bitte erinnere mich nicht daran.“

Pomona lachte.

„Nervös?“

„Ein wenig.“

„Ein wenig?“, fragte Pomona leicht grinsend.

Hermine verdrehte die Augen.

„Gut. Sehr nervös.“

Das überraschte die anderen sichtbar. Hermine Granger und nervös wirkte normalerweise nicht wie eine sinnvolle Kombination.

„Du?“, fragte Poppy. „Vor Prüfungen?“

„Vor diesen schon.“

Hermine spielte mit ihrer Gabel.

„Vor allem, weil ich die Prüfer nicht kenne. Das macht es schwieriger.“

Minerva nickte verständnisvoll. Dann lächelte sie.

„Vielleicht beruhigt dich ein Gedanke.“

Hermine sah auf.

„Welcher?“

„Dass ich dabei sein werde.“

Hermine blinzelte. Minerva sprach natürlich als Schulleiterin. Dennoch ließ allein der Gedanke etwas in ihr wärmer werden.

„Das soll beruhigend sein?“

„Durchaus.“

Ein leichtes Schmunzeln erschien auf Minervas Lippen.

„Es hat zumindest mir geholfen.“

„Dir?“

„Bei meiner eigenen Prüfung.“

Jetzt hatte Hermine ihre volle Aufmerksamkeit.

„Wirklich?“

Minerva nickte.

„Albus war damals anwesend.“

Ein weiches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Und obwohl ich natürlich wusste, dass er nicht eingreifen würde, hat allein seine Anwesenheit geholfen.“

Für einen Moment schien sie in Erinnerungen abzutauchen.

„Zu wissen, dass dort jemand sitzt, der an einen glaubt.“

Hermine spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog, weil sie genau wusste, was Minerva eigentlich sagte und weil sie wusste, dass Minerva genau wusste, wie viel ihr diese Worte bedeuteten.

„Außerdem“, fuhr Minerva fort, nun wieder in ihrem üblichen Tonfall, „habe ich bisher nichts gesehen, das darauf hindeutet, dass du diese Prüfung nicht bestehen wirst.“

Pomona nickte sofort.

„Da stimme ich zu.“

„Ich auch“, sagte Poppy.

Hermine wurde leicht rot.

„Ihr seid voreingenommen.“

„Natürlich sind wir das“, erwiderte Pomona. „Aber wir haben trotzdem recht.“

Das brachte alle zum Lachen. Selbst Hermine und für einen Moment rückten Prüfungen, Featherstone und Ministerium in weite Ferne. Für einen Moment war sie einfach nur eine junge Lehrerin, die mit Menschen am Tisch saß, die an sie glaubten und Minervas Blick sagte ihr etwas, das keine Worte brauchte:

'Du schaffst das.'

Später am Abend knisterte ein kleines Feuer im Kamin von Hermines Wohnung. Der Raum war warm und gemütlich. Kerzen spendeten ein sanftes Licht, auf dem Tisch standen zwei Gläser Wein und zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr nach Hogwarts fühlte sich alles wieder friedlich an. Minerva hatte ihren Umhang längst abgelegt und saß entspannt neben Hermine auf dem Sofa. Hermines Kopf ruhte zeitweise an Minervas Schulter und dieses unangenehme Gefühl von Distanz, das sie nach ihrem Streit begleitet hatte, war endlich verschwunden. Eine Weile saßen sie einfach schweigend da. Jeder Schluck Wein, jede kleine Berührung und jedes Lächeln fühlte sich wie ein Stück Normalität an. Irgendwann stellte Hermine ihr Glas ab.

„War das eigentlich dein Ernst vorhin?“

Minerva blickte von ihrem Wein auf.

„Welcher Teil?“

„Dass du bei meiner Prüfung dabei sein wirst.“

„Natürlich war das mein Ernst.“

Hermine zog die Beine unter sich und drehte sich etwas zu ihr.

„Also wirklich dabei?“

Minerva nickte.

„Das ist völlig normal.“

„Wie läuft das denn genau ab?“

Die Schulleiterin dachte kurz nach.

„Der zuständige Fachlehrer ist anwesend. In deinem Fall also ein Mal Horace und ein Mal Edmund.“

Hermine verzog das Gesicht.

„Das macht es nicht weniger einschüchternd.“

Minerva ignorierte den Kommentar.

„Außerdem die Schulleitung. Das wäre dann meine Wenigkeit und zwei Prüfer des Ministeriums.“

„Zwei?“

„Ja.“

„Und wer das sein wird, weißt du noch nicht?“

„Nein.“ Minerva schüttelte den Kopf. „Diese Entscheidungen werden normalerweise erst später bekanntgegeben.“

Hermine seufzte.

„Das macht die Sache nicht gerade beruhigender.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Hermine musste lachen. Dann nahm sie einen weiteren Schluck Wein.

„Es ist trotzdem schön, wenn du dort bist.“

Minervas Blick wurde weicher.

„Ich werde dort sein.“

„Wobei das auch zu einem Problem werden kann.“

„Ach?“

Hermine grinste plötzlich. Dieses Grinsen kannte Minerva nur zu gut.

„Ja.“

„Und warum genau?“

Als Antwort beugte Hermine sich vor und gab ihr einen sanften Kuss. Als sie sich wieder zurücklehnte, funkelten ihre Augen. Minerva schloss kurz die Augen und schüttelte leicht den Kopf.

„Du bist eine Ablenkung.“

„Wie bitte?“

„Mhm. Eine wirklich sehr attraktive Ablenkung.“

Minerva lachte leise.

„Miss Granger, ich bin enttäuscht.“

„Wirklich?“

„Ein wenig.“

„Warum?“

„Weil ich gehofft hatte, Sie würden sich während Ihrer Prüfung ausschließlich auf den Unterricht konzentrieren.“

Hermine rückte näher.

„Das werde ich versuchen, Professor.“

„Natürlich.“

„Ganz bestimmt.“

Minerva hob skeptisch eine Augenbraue. Hermine brach sofort in Gelächter aus und wenige Augenblicke später lachte Minerva mit. Einfach, weil es sich gut anfühlte.

Die letzten Tage der Ferien vergingen beinahe erschreckend schnell. Kaum hatten Minerva und Hermine das Gefühl gehabt, wieder etwas Ruhe gefunden zu haben, füllte sich Hogwarts erneut mit Leben. Die übrigen Lehrkräfte kehrten zurück und dann auch die Schüler. Die Gänge wurden voller und plötzlich war der vertraute Alltag wieder da.

Dann war Montagmorgen. Der erste richtige Schultag nach den Ferien. Draußen war es noch dunkel, als Hermine langsam die Augen öffnete. Für einen Moment blieb sie einfach liegen und betrachtete die Frau neben ihr. Minervas Gesicht wirkte im Schlaf friedlicher, weniger belastet und Hermine liebte diese seltenen Augenblicke, in denen sie sie einfach ansehen konnte. Ganz ohne Masken oder Verantwortung. Langsam rückte sie näher und küsste sie ganz vorsichtig. Nur ein sanfter Druck ihrer Lippen, doch Minerva regte sich leicht, noch halb schlafend. Hermine lächelte und küsste sie erneut. Diesmal öffnete Minerva langsam die Augen. Sobald sie begriff, wer sie da weckte, erschien ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie erwiderte den Kuss langsam.

„Guten Morgen.“

Ihre Stimme klang noch rau vom Schlaf.

„Guten Morgen.“

Hermine lächelte. Dann legte sie den Kopf wieder auf Minervas Schulter.

„Ich brauche noch ein bisschen Zärtlichkeit, bevor wir aufstehen müssen.“

Das brachte Minerva zum Schmunzeln.

„Ist das so?“

„Dringend sogar.“

„Ein ernstes Problem.“

„Sehr ernst.“

Minerva lachte leise. Dann zog sie Hermine einfach in ihre Arme und für einige Minuten taten sie tatsächlich nichts weiter. Sie kuschelten sich aneinander, genossen die Wärme, die Ruhe und die letzten Minuten, bevor Hogwarts sie wieder in Beschlag nehmen würde. Hermine schloss zufrieden die Augen.

„So gefällt mir der Morgen deutlich besser.“

„Mir auch.“

Minerva küsste ihr Haar.

„Leider wird die Schule das anders sehen.“

„Die Schule kann warten.“

„Das glaube ich nicht.“

„Schade.“

Minerva lachte erneut. Irgendwann wurde die Realität jedoch unerbittlich. Die Uhr zeigte eine Zeit, die selbst Hermine nicht mehr ignorieren konnte.

„Wir müssen wirklich aufstehen.“

„Ich weiß.“

Trotzdem bewegte sich keine von beiden. Erst einige Minuten später setzte sich Hermine schließlich auf. Sichtlich widerwillig. Minerva beobachtete sie mit einem liebevollen Blick.

„Du siehst aus, als würdest du zu deiner Hinrichtung gehen.“

„Fühlt sich ähnlich an.“

„So schlimm wird der erste Unterrichtstag nicht.“

„Darum geht es gar nicht.“

Hermine beugte sich vor und gab ihr noch einen Kuss und noch einen und einen dritten. Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Hermine.“

„Ja?“

„Du solltest wirklich gehen.“

„Ich weiß.“

Sie küsste sie trotzdem noch einmal. Diesmal lachte Minerva offen.

„Jetzt reicht es.“

„Vielleicht.“

„Vielleicht?“

„Vielleicht auch nicht“, meinte sie und stahl sich noch einen weiteren langen Kuss. Erst dann stand Hermine schließlich auf. Sie zog ihren Morgenmantel enger um sich und ging zur Tür. Kurz davor drehte sie sich noch einmal um. Minerva saß bereits aufrecht im Bett. Wieder ein Stück mehr Schulleiterin, doch als sich ihre Blicke trafen, lächelte sie. Nur für Hermine.

„Einen schönen ersten Schultag.“

Hermine lächelte zurück.

„Den wünsche ich dir auch.“

Dann verschwand sie in ihre eigene Wohnung, um sich fertig zu machen und wenige Minuten später begann für beide wieder der Alltag. Mit Unterricht, Verantwortung und all den Herausforderungen, die Hogwarts für sie bereithielt. Für Hermine hatte der erste Schultag allerdings einen entscheidenden Vorteil. Zumindest musste sie sich noch nicht sofort mit Featherstone auseinandersetzen. Der Stundenplan meinte es gut mit ihr. Den restlichen Januar würde sie mit Horace Slughorn im Zaubertrankunterricht arbeiten. Verwandlung bei Featherstone stand erst später wieder auf ihrem Programm. Allein dieser Gedanke ließ sie beim Frühstück etwas entspannter wirken. Minerva bemerkte es natürlich sofort und obwohl sie nichts sagte, war sie erleichtert. Nach den vergangenen Wochen konnte Hermine einen guten Start dringend gebrauchen.

Wenig später stand Hermine bereits im Zaubertrankklassenzimmer. Der vertraute Geruch nach Kräutern, Tränken und alten Büchern erfüllte den Raum. Die Schüler trudelten nach und nach ein. Sie schienen aufgeregt oder verschlafen oder womöglich beides gleichzeitig.

„Guten Morgen!“

Hermine begrüßte die Klasse mit einem Lächeln. Mehrere Schüler strahlten sofort zurück. Einige hatten sie in den Ferien vermisst. Andere freuten sich einfach darüber, dass sie wieder unterrichtete. Kurz darauf erschien auch Horace.

„Ah, Hermine!“

Er klatschte erfreut in die Hände.

„Ausgezeichnet.“

Hermine musste lachen.

„Guten Morgen, Horace.“

„Bereit für den ersten Tag?“

„Natürlich.“

Horace nickte zufrieden.

„Das hoffe ich doch.“

Dann beugte er sich leicht zu ihr.

„Wie immer gehört die Stunde ganz dir.“

Hermine lächelte. Genau das hatte sie gehofft. So war es schon die letzten Monate gewesen. Horace vertraute ihr vollkommen und dieses Vertrauen bedeutete ihr viel. Als die Glocke ertönte, begann Hermine mit dem Unterricht. Sofort merkte sie, wie etwas in ihr auflebte. Das war ihr Element. Hier fühlte sie sich wohl - vor einer Klasse, mit einem Thema, das sie liebte und mit Schülern, die ihr aufmerksam zuhörten.

Die Nervosität der letzten Tage verschwand beinahe vollständig. Sie erklärte die heutige Aufgabe, beantwortete Fragen, half hier und da, lobte gute Ansätze und korrigierte Fehler mit Geduld und ihrer gewohnten Freundlichkeit. Horace beobachtete das Ganze von seinem Platz aus. Mehrmals nickte er zufrieden, gelegentlich lächelte er sogar stolz vor sich hin, denn längst war offensichtlich geworden, was viele ohnehin schon wussten. Hermine war eine hervorragende Lehrerin.

Als die Stunde schließlich endete, bemerkte sie überrascht, wie schnell die Zeit vergangen war. Die Schüler packten ihre Sachen zusammen, mehrere verabschiedeten sich freundlich, ein Paar stellten noch letzte Fragen und erst als der Raum wieder leer war, sank Hermine auf einen Stuhl. Mit einem zufriedenen Seufzen.

„Nun?“

Horace erschien neben ihr.

„Wie war es?“

Hermine lächelte.

„Gut.“

„Nur gut?“

„Sehr gut.“

Horace lachte.

„Das klingt schon besser.“

Hermine blickte kurz aus dem Fenster auf die verschneiten Ländereien. Zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr hatte sie das Gefühl, wieder richtig angekommen zu sein. Es würde schwierige Tage geben. Das wusste sie. Featherstone würde weiterhin Featherstone sein, das Ministerium würde nicht verschwinden und ihre Beziehung zu Minerva blieb kompliziert, aber in diesem Moment spielte all das keine Rolle.

Der erste Unterricht war geschafft und es war ein guter Anfang.