LNCrawler

Strategisches Denken

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Strategisches Denken

Hallo meine Lieben,

es geht weiter :D Leider ist es dieses Mal kein langes Kapitel, aber ich hoffe, ihr habt trotzdem Freude damit :)

Lasst es mich gerne wissen ;)

Liebe Grüße

M.

Ein paar Tage vergingen. Und Minerva hielt ihr Wort. Nie kündigte sie ihren Besuch vorher an. Mal saß sie bereits im Klassenzimmer, wenn Hermine eintrat. Mal erschien sie erst wenige Minuten nach Unterrichtsbeginn und nahm schweigend in der letzten Reihe Platz. Jedes Mal mit einer Feder, einem Stapel Pergamente und einem Blick, der nichts übersah.

Schon nach der zweiten Hospitation sprach sich unter den Lehrkräften herum, dass die Schulleiterin mehrere Ausbildungsstunden beobachtete. Niemand fand das ungewöhnlich. Immerhin lag eine kritische Beurteilung vor. Natürlich wollte sie sich selbst ein Bild machen. Nur einer fand diese Entwicklung überhaupt nicht gut.

Edmund Featherstone.

Jedes Mal, wenn Minerva den Raum betrat, spürte er, wie sein sorgfältig ausgearbeiteter Plan ein weiteres Stück ins Wanken geriet. Er konnte Hermine nicht mehr ständig unterbrechen. Sobald er es versuchte, hob Minerva den Blick von ihren Notizen.

„Professor Featherstone.“

Allein diese zwei Worte genügten inzwischen.

„Lassen Sie Professor Granger bitte ihren Gedankengang zu Ende führen.“

Oder:

„Ich würde die Erklärung zunächst vollständig hören wollen.“

Oder:

„Greifen Sie bitte erst ein, wenn Professor Granger Ihre Ausführungen beendet hat.“

Minerva war dabei nie unfreundlich oder vorwurfsvoll. Sie sprach bestimmt und vor allem unmissverständlich. Featherstone musste sich jedes Mal zurücknehmen. Noch schlimmer war jedoch etwas anderes. Er wagte es nicht mehr, heimlich in Hermines Zauber einzugreifen. Mehr als einmal glitt seine Hand unbewusst in Richtung Zauberstab, doch jedes Mal spürte er Minervas Blick. Sie schrieb zwar scheinbar konzentriert ihre Notizen. Trotzdem hatte er ständig das Gefühl, beobachtet zu werden. Ein unbemerkter nonverbaler Zauber? Zu riskant. Wenn Minerva ihn dabei erwischte, wäre alles vorbei. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zuzusehen und genau das machte ihn beinahe wahnsinnig, denn ohne seine Eingriffe verlief Hermines Unterricht erstaunlich gut. Ihre Erklärungen waren klar. Die Schüler arbeiteten konzentriert. Selbst schwierige Demonstrationen gelangen zuverlässig. Je häufiger Minerva hospitierte, desto größer wurde der Widerspruch zwischen ihren Beobachtungen und Featherstones schriftlichen Beurteilungen. Minerva sagte dazu nichts. Nicht ihm gegenüber. Sie schrieb lediglich Seite um Seite, Beobachtung um Beobachtung. Featherstone wusste nicht, was sie notierte und genau das machte ihn nervös.

Auch außerhalb des Unterrichts wurde seine Unruhe größer. Jeden Morgen fragte er den Hauselfen nach der eingegangenen Post. Jeden Nachmittag schaute er noch einmal nach. Immer dieselbe Frage.

„Etwas aus dem Ministerium?“

Doch jedes Mal erhielt er dieselbe Antwort.

„Nein, Professor.“

Featherstone begann unruhig in seinem Büro auf und ab zu laufen. Warum kam keine Reaktion? Sein Bericht war längst abgeschickt. Das Ministerium hätte sich längst melden müssen. Er warf einen Blick auf den Kalender. Die Zeit lief. Mit jedem Tag rückten Hermines Abschlussprüfungen näher. Nur noch wenige Monate. Er ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten.

„Sie darf gar nicht erst zugelassen werden.“

Das war inzwischen sein eigentliches Ziel. Nicht nur schlechte Bewertungen oder Zweifel. Er wollte verhindern, dass Hermine überhaupt zur Abschlussprüfung antreten konnte, denn wenn das gelang, hätte er nicht nur ihre Ausbildung zerstört. Er hätte gleichzeitig auch Minerva schwer geschadet, doch im Moment stand ihm ausgerechnet die Schulleiterin selbst im Weg. Solange Minerva regelmäßig hinten im Klassenzimmer saß, blieb ihm kaum Spielraum und zum ersten Mal seit Langem hatte Featherstone das unangenehme Gefühl, dass nicht mehr er die Kontrolle über das Spiel besaß. Vielleicht begann sich das Blatt langsam zu wenden.

Edmund Featherstone saß noch lange in seinem Büro. Der Blick fiel immer wieder auf den Kalender. Die Zeit lief ihm davon. Minerva saß inzwischen regelmäßig in Hermines Unterricht. Das Ministerium schwieg weiter und genau dieses Schweigen machte ihn nervös. Schließlich stand er auf.

„Dann muss ich eben selbst nachfragen.“

Er zog ein Stück Pergament zu sich heran und begann zu schreiben. Nicht an die Ausbildungsabteilung, sondern an eine Person.

Olive Lockwood.

Sie kannten sich seit Jahren. Sie konnte ihm die notwendigen Informationen geben. Also schrieb er.

Liebe Olive,

ich wollte mich erkundigen, ob mein Ausbildungsbericht bezüglich Miss Granger bereits bearbeitet wurde. Bislang habe ich keinerlei Rückmeldung oder Reaktion erhalten, obwohl der Vorgang aus meiner Sicht zeitnah geprüft werden sollte.

Ich brauche eine kurze Information über die geplanten Schritte, um entsprechend reagieren zu können.

Grüße

Edmund

Er versiegelte den Brief. Dieses Mal wollte er keine gewöhnliche Eulenpost.

„Winky.“

Mit einem leisen Plopp erschien ein Hauself.

„Professor?“

„Bring diesen Brief bitte persönlich ins Ministerium. Direkt in das Büro von Madam Lockwood. Niemand sonst soll ihn erhalten.“

„Sehr wohl, Professor.“

Mit einem weiteren Plopp war der Hauself verschwunden.

Noch am selben Abend erschien derselbe Hauself erneut.

„Antwort für Professor Featherstone.“

Edmund nahm den Umschlag hastig entgegen. Er brach das Siegel und begann sofort zu lesen.

Edmund,

dein Bericht ist hier eingegangen. Nach meinem Kenntnisstand wurde er zunächst zurückgestellt. Die Ausbildungsabteilung möchte zunächst die Stellungnahme der Schulleitung von Hogwarts abwarten, bevor weitere Schritte erfolgen.

Ich habe den Vorgang inzwischen jedoch an die zuständigen Stellen weiterleiten lassen, damit er geprüft wird und nicht liegen bleibt.

Du solltest dich jetzt darauf konzentrieren, objektiv nachvollziehbare Leistungsdefizite zu dokumentieren. Sollte Miss Granger tatsächlich erhebliche Fehler im Unterricht zeigen, muss auch Professor McGonagall diese in ihrer Stellungnahme berücksichtigen.

Geschieht das nicht, wirft das Fragen nach der Neutralität ihrer Beurteilung auf. Halte mich über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.

Olive Lockwood

Featherstone las den Brief ein zweites Mal. Langsam erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht.

„Genau…“

Er legte den Brief neben sich. Wenn Minerva gezwungen war, dieselben Fehler zu dokumentieren… Dann konnte sie Hermine nicht schützen. Und wenn sie es doch tat… Dann würde man ihre Neutralität infrage stellen. Er lehnte sich zurück.

„Dann muss Granger eben Fehler machen.“

Sein Blick wurde nachdenklich. Bisher hatte er versucht, sie während des Unterrichts aus dem Gleichgewicht zu bringen, doch das funktionierte nicht mehr. Nicht solange Minerva hinten im Klassenzimmer saß. Er trommelte mit den Fingern auf die Armlehne. Dann hielt er plötzlich inne. Ein neuer Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Er richtete sich auf. Ein kaltes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Natürlich…“

Ganz langsam nickte er.

„Warum bin ich darauf nicht früher gekommen?“

Er griff nach einem frischen Blatt Pergament. Die ersten Zeilen schrieb er noch nicht. Zunächst musste er den Gedanken vollständig zu Ende denken, doch eines wusste er bereits jetzt:

Wenn dieser Plan funktionierte, würde Minerva selbst im Unterricht anwesend sein und trotzdem nichts verhindern können.

Featherstone legte den Brief von Olive langsam auf den Tisch. Er las die entscheidenden Zeilen noch einmal.

Professor McGonagall muss erhebliche Fehler ebenfalls berücksichtigen.

Langsam begann er zu lächeln.

„Moment einmal…“

Er lehnte sich zurück. Sein Blick blieb an der Zimmerdecke hängen. Die Gedanken begannen sich neu zu ordnen.

„Minerva muss ihren Bericht schreiben…“

Er sprach leise mit sich selbst.

„Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass Granger diesen Bericht jemals im Original zu Gesicht bekommt.“

Seine Augen wurden schmal.

„Die Kleine kennt den genauen Wortlaut doch gar nicht.“

Er stand auf und begann langsam durch seine Wohnung zu gehen.

„Und wenn Minervas Bericht…“

Er machte eine kurze Pause.

„…nicht negativ genug ausfällt…“

Ein kaltes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„…dann lässt sich das Problem vielleicht auf anderem Wege lösen.“

Er blieb vor dem Kamin stehen. Der Gedanke gefiel ihm immer besser. Nicht, weil er einfach war, sondern weil er mehrere Ziele gleichzeitig erreichen konnte.

Er stellte sich vor, wie Hermine einen Bericht las, der deutlich kritischer klang, als Minerva ihn tatsächlich geschrieben hatte. Sie würde glauben, Minerva habe ihr plötzlich nicht mehr vertraut. Sie würde an sich zweifeln. Vielleicht sogar an ihrer Beziehung und Hermine war ohnehin bereits angeschlagen. Sie war verunsichert, erschöpft und noch ein weiterer Schlag…

Er nickte langsam.

„Dann beginnt sie, Fehler zu machen.“

Er sah die Kette der Ereignisse förmlich vor sich. Mehr Unsicherheit. Schlechtere Unterrichtsstunden. Schlechtere Bewertungen. Eine gefährdete Abschlussprüfung. Und schließlich die Frage, ob Minerva ihre Referendarin überhaupt objektiv beurteilen konnte. Er hob sein Glas Feuerwhisky.

„Wenn alles zusammenkommt…“

Seine Stimme klang beinahe zufrieden.

„…gerät Granger ins Wanken.“

Er nahm einen Schluck.

„Und McGonagall gleich mit.“

Ein weiterer Schluck.

„Und wenn Zweifel an ihrer Objektivität aufkommen…“

Er ließ den Satz bewusst offen. In seiner Vorstellung fügte sich alles wie Zahnräder ineinander. Er sah bereits die Diskussionen im Ministerium. Die unangenehmen Nachfragen, eine Untersuchung und schließlich eine Schulleiterin, deren Entscheidungen infrage gestellt wurden. Ob dieser Plan tatsächlich funktionieren würde, wusste er nicht, aber er gefiel ihm. Sehr sogar. Er stellte das Glas auf den kleinen Tisch.

„Jetzt brauche ich nur noch den richtigen Zeitpunkt.“

Sein Blick fiel aus dem Fenster auf die dunklen Türme von Hogwarts.

„Und den richtigen ersten Zug.“

Mit einem zufriedenen Lächeln lehnte er sich im Sessel zurück. Während das Feuer im Kamin ruhig knisterte, begann Featherstone bereits, verschiedene Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Noch war nichts entschieden, doch eines stand für ihn fest:

Er hatte nicht vor, aufzugeben.

Zur selben Zeit herrschte in Minervas Wohnung eine vollkommen andere Stimmung. Der Kamin knisterte leise. Auf dem kleinen Tisch stand eine halb geleerte Teekanne und auf dem Schachbrett fiel gerade Hermines König.

„Schachmatt.“

Minerva lehnte sich entspannt zurück. Hermine starrte das Brett an. Dann Minerva. Dann wieder das Brett.

„Das ist echt nicht fair.“

Minerva hob amüsiert eine Augenbraue.

„Nicht fair?“

„Überhaupt nicht.“

Hermine verschränkte gespielt beleidigt die Arme.

„Du gewinnst ständig.“

„Erst viermal.“

„Erst?“

Hermine schüttelte dramatisch den Kopf.

„Vier Partien hintereinander!“

Minerva lachte.

„Vielleicht solltest du weniger versuchen, mich mit riskanten Opferzügen zu beeindrucken.“

„Das waren strategische Entscheidungen.“

„Natürlich.“

„Ich meine das ernst.“

„Ich auch.“

Hermine verzog den Mund.

„Du bist wirklich gemein.“

„Ich?“

„Ja.“

Minerva konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Sie stand von ihrem Sessel auf, ging um den kleinen Tisch herum und ließ sich neben Hermine auf das Sofa sinken.

„Oh…“

Sie legte einen Arm um Hermine.

„…mein armer Schatz.“

Hermine blieb demonstrativ mit verschränkten Armen sitzen.

„Du wirst ja so schrecklich behandelt.“

„Absolut.“

Minerva nickte mit gespieltem Mitgefühl.

„Vier Niederlagen.“

„Vier!“

„Das ist wirklich tragisch.“

„Danke.“

„Ich werde selbstverständlich sofort Maßnahmen ergreifen.“

Jetzt musste Hermine doch ein kleines Lächeln unterdrücken.

„Ach ja?“

„Natürlich.“

Minerva drehte sich etwas zu ihr.

„Die entscheidende Frage lautet nur…“

Sie legte den Kopf leicht schief.

„Wie kann ich das bloß wiedergutmachen?“

Hermine hielt ihre beleidigte Miene noch zwei Sekunden aufrecht. Dann blitzte ein verschmitztes Grinsen auf.

„Also…“

Sie rückte ein kleines Stück näher und wickelte eine von Minervas Haarsträhnen um ihren Finger.

„Mir würde da schon etwas einfallen.“

Minerva lächelte wissend.

„Tatsächlich?“

„Mhm.“

„Ich habe da eine leise Ahnung.“

„Nur eine?“

„Eine ziemlich konkrete sogar.“

Hermine lachte.

„Dann bin ich gespannt, ob du richtig liegst.“

Minerva hob sanft eine Hand und strich Hermine eine Locke hinter das Ohr.

„Ich glaube, deine Ideen zur Wiedergutmachung haben erstaunlich selten etwas mit Zauberschach zu tun.“

„Das stimmt.“

„Und erstaunlich oft mit… anderen Dingen.“

Hermine grinste nur noch breiter.

„Vielleicht.“

„Vielleicht?“

„Du könntest deinen Verdacht ja überprüfen.“

Minerva schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Du bist unmöglich.“

„Und trotzdem sitzt du freiwillig jeden Abend hier bei mir.“

„Das“, erwiderte Minerva liebevoll, „ist das Beste an meinem Tag.“

Für einen kurzen Moment wurde Hermine ganz still. Dann lehnte sie sich gegen Minervas Schulter.

„Das gilt auch für mich.“

Minerva küsste sie sanft auf die Schläfe.

„Dann scheint der Abend trotz deiner schrecklichen Schachniederlage noch zu retten zu sein.“

Hermine musste lachen.

„Vielleicht.“

„Schon wieder vielleicht?“

„Ich muss dich doch ein bisschen zappeln lassen.“

„Aha.“

Minerva zog sie lächelnd etwas näher an sich.

„Dann werde ich wohl geduldig abwarten müssen.“

„Nein.“

Hermine blickte zu ihr auf.

„So geduldig musst du gar nicht sein.“

Hermine hielt Minerva einen Augenblick lang einfach nur lächelnd fest. Dann nutzte sie den Moment. Mit einem überraschend geschickten Ruck brachte sie Minerva aus dem Gleichgewicht.

„Hermine!“

Noch ehe Minerva reagieren konnte, landete sie lachend auf dem Rücken auf dem weichen Sofa. Hermine stützte sich mit beiden Händen neben ihr ab und blickte mit einem triumphierenden Grinsen auf sie hinunter.

„Ha!“

Minerva hob belustigt eine Augenbraue.

„Aha.“

„Dieses Spiel gewinne ich.“

Minerva ließ den Blick langsam über Hermine wandern und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Bist du dir da ganz sicher?“

„Absolut.“

„Das klingt ziemlich selbstbewusst.“

„Ich habe schließlich gerade gewonnen.“

„Du hast mich überrascht.“

„Ist das nicht dasselbe?“

„Ganz bestimmt nicht.“

Hermine lachte.

„Dann kläre mich auf.“

Minerva legte den Kopf leicht schief.

„Vielleicht später.“

„Aha, ich sehe schon. Frau Professor nutzt ein Ausweichmanöver.“

„Strategisches Denken.“

„Typisch Schachspielerin.“

„Ganz genau.“

Beide mussten lachen. Für einen Moment vergaßen sie alles andere. Hermine betrachtete Minerva einen Augenblick. Das silbrige Haar hatte sich etwas gelöst. Ein paar Strähnen lagen ihr in der Stirn.

„Was?“, fragte Minerva leise.

Hermine schüttelte nur lächelnd den Kopf.

„Nichts.“

Sie hob vorsichtig eine Hand und strich Minerva die widerspenstige Strähne aus dem Gesicht.

„Ich sehe dich einfach nur gern an.“

Minervas Blick wurde sofort weicher.

„Das beruht auf Gegenseitigkeit.“

Langsam beugte sich Hermine vor. Diesmal ohne Eile. Sie ließ ihre Stirn kurz gegen Minervas sinken. Beide schlossen für einen Augenblick die Augen. Dann küsste Hermine sie zärtlich. Ganz sanft. Minerva erwiderte den Kuss mit einem zufriedenen Lächeln. Als sie sich wieder voneinander lösten, blieb Hermine dicht über ihr.

„Und?“

Minerva lächelte.

„Vielleicht gewinnst du dieses Spiel tatsächlich.“

„Vielleicht?“

„Nun…“

Minerva legte ihre Hände an Hermines Taille.

„Ich gebe mich noch nicht geschlagen.“

Hermine lachte leise.

„Das hätte mich auch sehr überrascht.“

„Außerdem“, sagte Minerva schmunzelnd, „möchte ich daran erinnern, dass ich heute vier Partien Zauberschach gewonnen habe.“

„Und ich erinnere daran, dass Zauberschach und dieses Spiel völlig unterschiedliche Regeln haben.“

„Ach wirklich?“

„Ganz sicher.“

Minerva musste lachen.

„Dann bin ich wohl gespannt, wie die Unterschiede lauten.“

„Ganz einfach.“

Hermine lächelte sie voller Zuneigung an.

„Hier gibt es keine Verliererin.“

Minerva hob eine Hand an ihre Wange.

„Das gefällt mir.“

„Mir auch.“

Und bevor eine der beiden noch etwas sagen konnte, küssten sie sich erneut – diesmal langsam, ruhig und mit dem Gefühl, für einen kleinen Augenblick die Sorgen der vergangenen Wochen einfach vergessen zu dürfen.

Hermine löste sich lächelnd von Minerva und setzte sich wieder auf. Ein schelmisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Minerva richtete sich ebenfalls auf und sah sie neugierig an.

„Was ist?“

„Ich habe gerade festgestellt“, begann Hermine mit gespieltem Ernst, „dass dieses Sofa für mein Vorhaben vollkommen ungeeignet ist.“

Minerva hob amüsiert eine Augenbraue.

„Ach ja?“

„Ganz eindeutig.“

Hermine musterte das Sofa demonstrativ.

„Viel zu klein.“

„Das ist seit Jahren dasselbe Sofa.“

„Mag sein.“

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Aber für dieses Spiel brauchen wir eindeutig bessere Voraussetzungen.“

Minerva musste lachen.

„Und wo sollen wir dieses geheimnisvolle Spiel deiner Meinung nach fortsetzen?“

Hermine lächelte unschuldig.

„Im Schlafzimmer.“

Sie beugte sich ein wenig näher.

„Ich habe nämlich vor, deutlich mehr als vier Runden zu spielen.“

Minerva lachte herzlich.

„Mein lieber Schatz.“

Sie schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Du vergisst, dass ich nicht mehr die Jüngste bin.“

Hermine erwiderte das Lachen.

„Oh bitte.“

Sie nahm Minervas Hand.

„Trotzdem hast du bisher jedes Mal hervorragend mitgehalten.“

Minerva konnte sich ein weiteres Schmunzeln nicht verkneifen.

„Ist das so?“

„Ganz eindeutig.“

Hermine kam ihr wieder näher und gab ihr einen kurzen, liebevollen Kuss auf den Hals.

„Außerdem…“

Sie lächelte warm.

„…musst du mir gar nichts beweisen.“

Minerva sah sie aufmerksam an.

„Nein?“

„Nein.“

Hermine strich sanft über ihren Arm.

„Du darfst dich auch einfach einmal zurücklehnen und den Abend genießen.“

Minerva hielt ihren Blick einen langen Moment fest. Dann lächelte sie. Ein ruhiges, liebevolles Lächeln.

„Du schaffst es immer wieder, mich zum Lächeln zu bringen.“

„Das ist einer meiner Lieblingsaufträge.“

Hermine stand auf und streckte Minerva die Hand entgegen.

„Kommst du?“

Minerva legte ihre Hand in ihre.

„Natürlich.“

Hand in Hand verließen sie das Wohnzimmer. Leises Lachen begleitete sie auf dem Weg durch die Wohnung, ehe die Schlafzimmertür sich hinter ihnen schloss und der Abend ihnen allein gehörte.