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Glaub an mich

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Glaub an mich

Als Hermine langsam die Augen öffnete, war das erste, was sie wahrnahm, Minervas ruhiger Atem. Das erste Licht des Morgens fiel durch die Vorhänge und tauchte das Schlafzimmer in einen warmen, goldenen Schimmer. Für einen Augenblick blieb Hermine einfach liegen. Sie beobachtete Minervas friedliches Gesicht. Die vergangenen Stunden fühlten sich plötzlich weit entfernt an. Der Streit, die Tränen, die Vorwürfe… Nichts davon war verschwunden, doch in diesem Moment lag Minerva wieder in ihren Armen und genau dort wollte Hermine sie behalten. Sie rückte ein wenig näher. Ganz vorsichtig schlang sie einen Arm um Minervas Taille und schmiegte sich an sie. Minerva regte sich kaum. Nur ein leises, zufriedenes Ausatmen war zu hören. Hermine musste unwillkürlich lächeln.

„Guten Morgen“, flüsterte sie kaum hörbar.

Natürlich bekam sie keine Antwort. Minerva schlief noch. Hermine hob langsam eine Hand und strich ihr eine silbergraue Haarsträhne aus der Stirn.

Wie oft hatte sie sich gewünscht, einfach neben ihr aufzuwachen? Inzwischen durfte sie genau das erleben. Sie wollte keinen einzigen dieser Augenblicke als selbstverständlich ansehen. Ganz behutsam beugte sie sich vor. Zuerst küsste sie Minerva sanft auf die Wange. Kaum mehr als eine zärtliche Berührung. Dann noch einmal. Diesmal etwas näher an ihrem Ohr. Minervas Lippen formten ein kaum sichtbares Lächeln. Hermine musste leise schmunzeln.

„Du schläfst wirklich tief.“

Sie ließ ihre Lippen weiter zu ihrem Hals wandern und hinterließ dort einen weiteren zärtlichen Kuss. Minerva bewegte sich leicht. Ein leises, zufriedenes Summen entwich ihr. Die Augen öffnete sie jedoch nicht. Stattdessen hob sie wie selbstverständlich eine Hand. Fast im Halbschlaf fand sie Hermine. Ihre Finger glitten durch das kastanienbraune Haar, als hätten sie den Weg längst auswendig gelernt.

Hermine schloss für einen Moment die Augen und genoss diese vertraute Berührung.

„Du bist wach“, flüsterte sie lächelnd.

Minervas Antwort bestand zunächst nur aus einem kaum hörbaren Murmeln.

„Mhm…“

Noch immer öffnete sie die Augen nicht. Ihre Hand strich weiter sanft durch Hermines Haar. Bis zu ihrem Nacken und wieder zurück. Eine beruhigende Bewegung, die Hermine augenblicklich entspannte.

„Und trotzdem machst du die Augen nicht auf?“

Ein kleines Schmunzeln erschien auf Minervas Lippen.

„Noch nicht.“

Ihre Stimme klang verschlafen und warm.

„Es gefällt mir gerade so.“

Hermine lachte leise.

„Ach ja?“

„Sehr sogar.“

Hermine grinste und platzierte ein paar zärtliche Küsse auf Minervas Hals.

„Mhm, nicht aufhören“, murmelte sie.

Hermine lachte leise. Minerva tastete mit der freien Hand nach Hermines Wange. Als sie sie gefunden hatte, zog sie Hermine behutsam ein wenig näher. Nun lagen ihre Gesichter nur wenige Zentimeter entfernt. Hermine betrachtete sie einen Augenblick. Dann küsste sie sie sanft auf die Lippen. Ein kurzer, liebevoller Kuss. Minerva erwiderte ihn sofort. Noch immer mit geschlossenen Augen. Als der Kuss endete, blieb ihre Stirn an Hermines gelehnt. Ihre Finger spielten noch immer mit einer weichen Haarsträhne.

„Guten Morgen“, sagte Minerva schließlich leise.

„Jetzt offiziell?“

Minerva nickte kaum merklich.

„Jetzt offiziell.“

Hermine lächelte glücklich.

„Das ist ein deutlich schönerer Beginn als gestern.“

Minerva öffnete nun langsam die Augen. Ihr Blick war weich und so voller Zuneigung.

„Ja“, sagte sie leise. „Und ich würde gerne jeden Morgen genauso beginnen.“

Sie strich Hermine noch einmal liebevoll durchs Haar.

„Mit dir in meinen Armen.“

Hermine schmiegte sich enger an sie.

„Dann sollten wir uns noch ein paar Minuten gönnen.“

Minerva lächelte.

„Ein vernünftiger Vorschlag.“

Für eine Weile sagten beide nichts mehr. Sie lagen einfach beieinander, genossen die Wärme der anderen und ließen die Stille sprechen. Der Schmerz des vergangenen Tages war nicht verschwunden, aber in diesem ruhigen Morgen lag etwas, das stärker war als jeder Streit.

Die Gewissheit, dass sie beide trotz aller Zweifel immer wieder den Weg zueinander suchten.

Hermine blieb noch einen Moment an Minerva geschmiegt liegen. Sie hörte den ruhigen Herzschlag der Älteren und schloss zufrieden die Augen.

„Wenn wir noch länger so liegen bleiben“, murmelte Minerva mit einem belustigten Lächeln, „werde ich wohl die erste Schulleiterin in der Geschichte Hogwarts sein, die zu spät zum Frühstück erscheint.“

Hermine grinste.

„Das wäre doch einmal eine interessante Schlagzeile.“

Hermine ließ eine Hand sanft über Minervas Brust gleiten. Sie spürte, wie sie tiefer atmete und die Augen schloss. Ihre Hand glitt langsam tiefer, bis sie den Saum von Minervas Nachtkleid erreichte und darunter verschwand, um Minervas Schenkel sanft zu streicheln.

„Miss Granger.“

„Ja?“, grinste Hermine unschuldig.

„Sie sind ein schlechter Einfluss.“

„Das behauptest du ständig.“

„Weil es stimmt.“

Hermine lachte leise, ließ ihre Hand allerdings wo sie war.

„Und trotzdem lässt du mich jeden Abend wieder herein.“

Minerva hob gespielt nachdenklich eine Augenbraue.

„Ich beginne zu vermuten, dass ich eine ausgesprochen schlechte Menschenkenntnis besitze.“

„Oder eine ausgesprochen gute.“

Minerva lächelte.

„Diese Möglichkeit ziehe ich selbstverständlich ebenfalls in Betracht.“

Hermine küsste sie noch einmal auf die Lippen und nahm ihr Streicheln wieder auf. Als Hermine Minervas Hintern berührte, seufzte sie auf.

„So verlockend dein Vorschlag auch ist… wir sollten wirklich aufstehen.“

„Ich weiß.“

Hermine klang alles andere als begeistert.

„Pflichten.“

„Leider.“

Langsam zog Hermine ihre Hand hervor. Minerva strich ihr noch einmal sanft durch das Haar, bevor sie die Decke zurückschlug und aufstand.

„Ich bin gleich wieder da.“

Hermine packte ihren Arm. Minerva sah auf sie hinunter und lächelte.

„Gib mir noch einen Kuss“, sagte sie und setzte sich auf.

Minerva lachte, beugte sich zu ihr und küsste Hermine sanft.

„So, das muss reichen.“

„Fürs Erste

Hermine beobachtete, wie Minerva mit ihrem Morgenmantel über dem Arm ins Badezimmer verschwand. Kurz darauf fiel die Tür leise ins Schloss. Hermine blieb noch einen Moment im Bett liegen und lauschte. Wenige Sekunden später hörte sie, wie Wasser durch die Leitungen rauschte. Dann setzte das gleichmäßige Prasseln der Dusche ein. Ein Gedanke schoss durch Hermines Kopf und kurz darauf folgte ein kleines Lächeln.

„Warum eigentlich nicht?“, murmelte sie amüsiert.

Sie wartete noch einen Augenblick. Schließlich schlüpfte auch Hermine aus dem Bett, zog ihren Morgenmantel über und ging barfuß über den warmen Holzboden. Vor der Badezimmertür blieb sie kurz stehen. Das Rauschen des Wassers war deutlich zu hören. Mit einem kaum hörbaren Klopfen öffnete sie die Tür einen Spalt.

„Minerva?“

Aus der Dusche erklang eine belustigte Stimme.

„Ich habe mich schon gefragt, wann du auftauchst.“

Hermine musste lachen.

„Du hast also damit gerechnet?“

„Du bist ausgesprochen berechenbar.“

„Ist das dein Ernst?“

„In manchen Dingen schon.“

Hermine schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Dann werde ich wohl künftig kreativer werden müssen.“

„Bitte nicht.“

Minervas Stimme klang warm.

„Ich mag diese Art von Berechenbarkeit.“

Hermine lehnte sich lächelnd an den Türrahmen. Allein diese wenigen Worte ließen die Anspannung des vergangenen Tages noch ein Stück weiter verblassen. Sie wusste, dass vor ihnen schwierige Gespräche und die Suche nach der Wahrheit lagen, doch in diesem Moment zählte nur eines:

Sie hatten sich nicht verloren und sie genau das gab ihr die Kraft, allem anderen gemeinsam entgegenzutreten.

Hermine blieb noch einen Augenblick lächelnd im Türrahmen stehen. Das gleichmäßige Rauschen der Dusche erfüllte das Badezimmer.

„Du brauchst eindeutig zu lange“, sagte sie schließlich mit gespielter Ungeduld.

Aus der Dusche erklang ein leises Lachen.

„Geduld ist bekanntlich eine Tugend.“

„Nicht heute.“

„Ach nein?“

„Nein.“

Hermine schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Ich habe beschlossen, dass ich keine Lust habe, hier draußen auf dich zu warten.“

„Das überrascht mich jetzt ausgesprochen.“

Der trockene Unterton in Minervas Stimme ließ Hermine grinsen.

„Ich wusste, dass du das sagen würdest.“

Ohne weitere Erklärung löste sie den Gürtel ihres Morgenmantels, ließ ihn zu Boden gleiten und schlüpfte aus ihrem Nachtkleid.

„Hermine…“

„Zu spät.“

Mit einem verschmitzten Lächeln trat sie vorsichtig unter das warme Wasser. Minerva fuhr erschrocken herum.

„Bei Merlin!“

Sie legte sich eine Hand an die Brust und musste gleichzeitig lachen.

„Du hast mich erschreckt!“

Hermine hob unschuldig die Schultern.

„Dabei hast du doch eben noch behauptet, ich sei berechenbar.“

„Das bist du auch.“

Minerva schüttelte belustigt den Kopf.

„Trotzdem habe ich nicht damit gerechnet, dass du einfach…“

Sie brach ab und lachte leise.

„…hereinspazierst.“

„Doch.“

Hermine trat einen Schritt näher.

„Genau damit hättest du rechnen müssen.“

Minerva sah sie einen Moment an. Dann lächelte sie warm.

„Wahrscheinlich hast du recht.“

Hermine legte behutsam eine Hand an Minervas Wange.

„Nach gestern wollte ich heute Morgen keine einzige Minute mehr unnötig ohne dich verbringen.“

Das Lächeln in Minervas Gesicht wurde weicher.

„Du bist unmöglich.“

„Und trotzdem lässt du mich immer wieder in deine Nähe.“

„Offenbar lerne ich es nie.“

„Zum Glück.“

Hermine beugte sich langsam vor und küsste Minerva sanft. Minerva erwiderte den Kuss ohne Zögern. Hermine drängte sie leicht gegen die kühlen Fliesen und ließ ihre Hände Minervas nackten Körper erkunden. Die Ältere seufzte immer wieder. Dann griff Hermine nach dem Duschgel und verteilte es zunächst auf Minervas Schulter und drehte sie dann um, um ihren Rücken einzureiben. Nach einer Weile legte sie ihre Arme um Minerva und begann langsam und zärtlich ihre Brüste zu berühren.

„Hermine…“

Mehr brachte Minerva nicht heraus. Sie konnte und wollte sich nicht gegen diese sanften Berührungen wehren. Langsam drehte sich Minerva zu Hermine um und legte ihre Arme um ihren Hals. Ein leises Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Du bist wirklich ungezogen.“

„Hm, wäre möglich, aber du scheinst es zu genießen. Außerdem… Jetzt fühlt es sich wirklich nach einem guten Morgen an“, antwortete Hermine leise.

Minerva lachte und küsste Hermine wieder und wieder. Das warme Wasser rauschte unaufhörlich weiter, während sich die beiden Frauen die Zeit für sich nahmen und sich in ihrer Leidenschaft verloren.

Draußen warteten Unterricht, Ministerium und die offenen Fragen um den rätselhaften Bericht, doch all das durfte noch einen Augenblick warten.

Als sie das Badezimmer wieder verließen, war von der Schwere des gestrigen Tages zumindest für einen kurzen Moment kaum noch etwas zu spüren. Sie machten sich schweigend fertig. Nicht, weil ihnen nichts einfiel, sondern weil sie diese ruhige Vertrautheit genossen.

Hermine schlüpfte in ihre schlichte, aber elegante Kleidung für den Unterricht. Sie strich den Stoff ihres Blazers glatt und betrachtete sich einen Moment im Spiegel.

Minerva befestigte währenddessen routiniert ihre Brosche am Kragen ihres dunkelgrünen Gewandes.

„So?“

Sie drehte sich leicht zu Hermine. Hermine lächelte.

„Wie immer beeindruckend.“

Minerva hob belustigt eine Augenbraue.

„Das war eine erstaunlich schnelle Antwort.“

„Weil sie wahr ist.“

„Schmeichelst du deiner Schulleiterin?“

„Nein.“

Hermine trat einen Schritt näher.

„Nur der Frau, die ich liebe.“

Für einen Augenblick blieb Minerva still. Dann lächelte sie so warm, dass Hermine unwillkürlich zurücklächeln musste.

„Ich liebe dich ebenfalls.“

Sie strich ihr noch einmal flüchtig über den Ärmel.

„Komm. Sonst wird aus unserem ruhigen Morgen doch noch ein hektischer.“

Wie inzwischen fast jeden Morgen betraten sie die Große Halle nicht gemeinsam. Mit etwas Abstand zueinander. Sie wussten beide, dass Vorsicht noch immer notwendig war. Das Frühstück verlief erstaunlich ruhig. Horace Slughorn erzählte begeistert von einem besonders gelungenen Trank der Siebtklässler. Pomona berichtete von ihren Gewächshäusern. Filius diskutierte mit Aurora über die Hausmeisterei. Hermine beteiligte sich nur wenig am Gespräch, doch sie wirkte deutlich gelöster als noch am Vortag. Minerva bemerkte es mit stiller Erleichterung.

Als das Frühstück sich dem Ende näherte, erhob sich Hermine. Beinahe gleichzeitig stand auch Minerva auf.

„Hermine.“

Ihre Stimme war wieder die der Schulleiterin.

„Einen Moment bitte.“

Hermine blieb stehen.

„Ja, Minerva?“

„Ich werde deinen Unterricht heute leider nicht begleiten können.“

Hermine nickte kaum merklich.

„In Ordnung.“

„Es gibt noch eine dringende Angelegenheit, die keinen Aufschub duldet.“

Nur für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich ihre Blicke.

„Ich wünsche dir dennoch viel Erfolg.“

„Danke, Minerva.“

Nach außen klang alles vollkommen sachlich. Niemand am Lehrertisch hätte darin etwas Besonderes erkannt. Dann trennten sich ihre Wege.

Einige Minuten später begegneten sie sich zufällig auf einem der Seitenkorridore. Der Unterricht hatte noch nicht begonnen. Das Schloss war ungewöhnlich still. Keine Schüler, keine Lehrkräfte. Nur das ferne Echo vereinzelter Schritte aus den oberen Stockwerken.

Minerva kam gerade aus Richtung ihres Büros. Hermine aus der Eingangshalle. Als sie einander sahen, blieben beide stehen.

„Ich dachte schon, ich würden dich heute erst wieder beim Essen sehen“, sagte Hermine grinsend.

„Nur für einen Augenblick.“

Minerva lächelte.

„Ich muss wirklich weiter.“

Hermine nickte.

„Ich weiß.“

Sie trat einen kleinen Schritt näher.

„Aber einen Augenblick hast du doch noch.“

Minerva verstand sofort. Sie warf einen kurzen Blick in beide Richtungen des leeren Korridors. Niemand.

„Hermine…“

Weiter kam sie nicht. Hermine schloss den letzten Abstand zwischen ihnen und legte eine Hand sanft an Minervas Wange.

„Nur einen.“

Sie küsste sie kurz und zärtlich. Gerade lang genug, um sich daran zu erinnern, warum sich jeder Kampf lohnte.

Als sie sich wieder voneinander löste, lächelte Minerva unwillkürlich.

„Du bist wirklich unverbesserlich.“

„Das hast du schon häufiger erwähnt.“

„Und es stimmt noch immer.“

Minerva strich Hermine liebevoll eine lose Haarsträhne hinter das Ohr.

„Viel Glück für deine Stunde.“

Ihre Stimme war wieder ruhig und voller Zuversicht.

„Du schaffst das.“

Hermine nickte.

„Danke.“

Für einen kurzen Moment hielten sie den Blick der anderen fest. Dann ließ Minerva ihre Hand sinken.

„Wir sehen uns später.“

„Später.“

Mit einem letzten Lächeln wandte sich Minerva um und ging den Korridor entlang. Hermine sah ihr noch einen Augenblick nach, bevor auch sie sich auf den Weg zu ihrem Klassenraum machte.

Der Vormittag zog sich für Hermine ungewöhnlich lange hin. Obwohl ihre Unterrichtsstunde gut verlief, schweiften ihre Gedanken immer wieder zu Minerva und zu den Berichten ab.

Immer wieder fragte sie sich, ob Minerva inzwischen vielleicht eine Erklärung gefunden hatte oder wenigstens einen Ansatz.

Als schließlich die Glocke zum Mittagessen erklang, atmete sie erleichtert auf. Wenig später betrat sie die Große Halle. Wie jeden Tag nahm sie ihren Platz am Lehrertisch ein. Minerva saß bereits dort. Sie unterhielt sich gerade mit Filius Flitwick über den Stundenplan der nächsten Woche und wirkte erstaunlich gefasst. Als sich ihre Blicke für einen kurzen Moment trafen, schenkte Minerva Hermine ein kaum wahrnehmbares Lächeln. Es dauerte nur einen Augenblick, doch es genügte. Hermine spürte, wie sich etwas in ihr entspannte. Vielleicht wurde dieser Tag doch noch ruhig.

Neben ihr begann Irina von ihrer Vormittagsklasse zu erzählen.

„Die Viertklässler werden langsam mutiger“, sagte sie schmunzelnd. „Heute hat einer tatsächlich versucht, einen Schildzauber rückwärtszuwirken.“

Hermine musste lachen.

„Hat es funktioniert?“

„Nicht mal ansatzweise.“

Irina hob belustigt eine Augenbraue. Hermine lachte leise.

„Das ist immerhin kreativ.“

„Durchaus.“

Während ihres Gesprächs griff Minerva nach ihrer Teetasse. Sie nahm einen ruhigen Schluck. Genau in diesem Moment öffneten sich hoch oben die Fenster. Eine einzelne Eule glitt lautlos in die Große Halle. Niemand schenkte ihr zunächst besondere Aufmerksamkeit. Post war nichts Außergewöhnliches. Erst als sie direkt vor Minerva landete, hob diese überrascht den Kopf. Der Umschlag war cremefarben. Auf der Vorderseite prangte deutlich das dunkelgrüne „M“ des Zaubereiministeriums. Minervas Gesicht wurde augenblicklich ernst. Sie erkannte den Absender sofort. Hermine bemerkte davon zunächst nichts. Sie hörte Irina noch immer zu.

„…und dann behauptete Mister Thomas tatsächlich, der Zauberstab sei schuld gewesen.“

„Natürlich.“

Hermine schmunzelte.

„Woran sollte es auch sonst gelegen haben?“

Irina wollte gerade antworten, als plötzlich ein helles Klirren durch die Große Halle hallte. Hermine fuhr herum. Minervas Teelöffel war aus ihrer Hand geglitten und auf den Steinboden gefallen. Das Geräusch ließ fast alle Gespräche verstummen. Minerva saß regungslos da. Den geöffneten Brief hielt sie in beiden Händen. Ihr Blick ruhte auf den Zeilen. Sie schien sie mehrfach zu lesen. Ihr Gesicht verlor jede Farbe. Pomona legte erschrocken ihre Gabel beiseite.

„Minerva?“

Keine Antwort. Poppy beugte sich leicht vor.

„Ist alles in Ordnung?“

Minerva hob langsam den Kopf. Sie sah jedoch niemanden wirklich an. Wortlos faltete sie den Brief wieder zusammen, stand auf, nahm das Pergament an sich und verließ ohne ein einziges Wort die Große Halle. Die schwere Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Für einen Moment herrschte vollkommene Stille. Hermine spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog. Sie hatte Minerva noch nie so erlebt. Nicht einmal während der Anhörungen im Ministerium. Nicht einmal nach Featherstones ersten Anschuldigungen. Sie wollte sofort aufspringen, ihr nachlaufen und sie fragen, was passiert war oder ob sie Hilfe brauchte. Ihre Finger umklammerten bereits die Tischkante.

„Nicht.“

Poppys leise Stimme hielt sie zurück. Hermine sah zu der Heilerin. Poppy schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Nicht hier.“

Hermine wusste, dass sie recht hatte. Wenn sie Minerva jetzt hinterherlief, würde jeder im Schloss Fragen stellen und das durfte nicht passieren. Sie zwang sich sitzen zu bleiben. Jede Faser ihres Körpers wehrte sich dagegen. Langsam wanderte ihr Blick über den Lehrertisch. Pomona wirkte tief besorgt. Filius hatte die Stirn in Falten gelegt. Aurora sah schweigend zur Tür. Horace Slughorn schien völlig ratlos. Nur einer schien die allgemeine Unruhe überhaupt nicht wahrzunehmen.

Edmund Featherstone.

Er schnitt seelenruhig ein Stück seines Bratens ab, nahm einen Bissen und kaute langsam. Dann hob er den Blick. Für den Bruchteil einer Sekunde begegneten sich seine und Hermines Augen. Ein kaum wahrnehmbares, selbstzufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war sofort wieder verschwunden, doch Hermine hatte es gesehen. Hitze stieg in ihr auf. Ihre Hände ballten sich unter dem Tisch zu Fäusten.

'Du…'

Sie wollte bereits den Mund öffnen. Poppy legte ihre Hand fest auf Hermines Unterarm.

„Nein.“

Hermine atmete schwer.

„Aber…“

„Nicht.“

Poppys Blick blieb ruhig.

„Genau darauf wartet er.“

Hermine presste die Lippen zusammen. Sie wusste, dass Poppy recht hatte. Trotzdem kostete es sie all ihre Beherrschung, sitzen zu bleiben. Langsam wandte sie sich Irina zu. Die Verteidigungslehrerin hatte den Blick noch immer auf Featherstone gerichtet.

„Hast du…?“

Irina verstand die unausgesprochene Frage. Ganz leicht schüttelte sie den Kopf.

„Ich habe es versucht.“

Ihre Stimme war kaum hörbar.

„Aber er war zu aufmerksam. Es geht nicht, ohne dass er es bemerken würde.“

Sie warf einen kurzen Blick zur inzwischen geschlossenen Tür.

„Und Minerva war fort, bevor ich ihre Gedanken auch nur streifen konnte.“

Hermine ließ den Blick sinken. Damit blieb ihr nur eines. Warten. Und genau das fühlte sich in diesem Moment schlimmer an als alles andere.

Das Ende des Mittagessens nahm Hermine kaum wahr. Sie hörte nicht, worüber sich die anderen Lehrkräfte unterhielten. Sie bemerkte nicht einmal, wann die Große Halle sich langsam leerte. Vor ihrem inneren Auge sah sie immer wieder Minervas Gesicht. Sie war so blass und erschüttert und alles nur wegen dieses Briefes. Hermine stand irgendwann auf, wünschte ihren Kollegen noch einen schönen Tag und verließ die Halle. Sie wusste, dass sie eigentlich nicht einfach in Minervas Büro gehen sollte, doch diesmal war ihr alles andere gleichgültig. Sie klopfte nur einmal kurz an die schwere Eichentür. Keine Antwort. Vorsichtig drückte sie die Klinke hinunter. Die Tür war nicht verschlossen.

„Minerva?“

Im Büro herrschte ungewohnte Stille. Minerva saß hinter ihrem Schreibtisch. Sie hatte nicht einmal den Umhang abgelegt. Vor ihr lag der geöffnete Brief des Ministeriums. Sie starrte auf das Pergament, als könnte sie nicht glauben, was dort geschrieben stand. Erst als Hermine die Tür hinter sich schloss, hob sie langsam den Kopf. Ihre Augen waren gerötet.

„Du bist hier.“

Es war keine Frage. Hermine nickte.

„Ich musste wissen, was passiert ist.“

Minerva antwortete nicht. Sie schloss nur für einen Moment die Augen.

„Ich kann es noch immer nicht fassen.“

Ihre Stimme klang ungewohnt kraftlos.

„Nach allem, was wir in den vergangenen Wochen getan haben…“

Sie brach ab. Hermine trat langsam um den Schreibtisch herum. Sie blieb neben Minerva stehen. Ihr Blick fiel auf den Brief.

„Darf ich?“

Minerva nickte stumm. Mit leicht zitternden Fingern nahm Hermine das Pergament auf. Sie begann zu lesen.

Zaubereiministerium

Abteilung für Magische Ausbildung und Schulaufsicht

An

Professor Minerva McGonagall

Schulleiterin der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei

Sehr geehrte Professor McGonagall,

wir bestätigen den Eingang Ihrer ergänzenden Stellungnahme zur Ausbildung von Miss Hermine Granger sowie der zuletzt eingegangenen Ausbildungsberichte von Professor Edmund Featherstone.

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen sehen wir uns veranlasst, Sie darüber zu informieren, dass zwischen den vorliegenden Beurteilungen erhebliche und derzeit nicht aufklärbare Widersprüche bestehen.

Während einzelne Berichte Miss Granger durchgehend als fachlich hervorragend vorbereitet, pädagogisch geeignet und ihrer Ausbildungsstufe entsprechend leistungsstark beschreiben, enthalten andere Dokumente deutliche Zweifel an ihrer Belastbarkeit, ihrer Unterrichtsführung sowie ihrer grundsätzlichen Eignung für den Lehrerberuf.

Die vorliegenden Unterlagen ergeben dadurch kein eindeutiges Gesamtbild.

Da es sich bei Miss Granger um eine Referendarin in der Abschlussphase ihrer Ausbildung handelt, sehen wir uns verpflichtet, den weiteren Verlauf besonders sorgfältig zu prüfen.

Bis zur vollständigen Klärung der Sachlage wird daher geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Zulassung zur Abschlussprüfung derzeit als erfüllt angesehen werden können.

Vor einer endgültigen Entscheidung werden zusätzliche Unterrichtsbeobachtungen, weitere schriftliche Stellungnahmen sowie gegebenenfalls persönliche Anhörungen der beteiligten Personen durchgeführt.

Wir bitten Sie bis dahin, sämtliche zukünftigen Beurteilungen und besonderen Vorkommnisse unverzüglich an diese Abteilung weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Olive Lockwood

Leitende Referentin

Abteilung für Magische Ausbildung und Dienstaufsicht

Ministerium für Zauberei

Hermine las den Brief ein zweites Mal. Mit jedem Satz wurde ihr Gesicht blasser. Ihre Finger verkrampften sich um das Pergament.

„Sie…“

Mehr brachte sie nicht hervor. Sie schluckte schwer.

„Sie überlegen tatsächlich…“

Ihre Stimme versagte. Langsam hob sie den Blick zu Minerva. In ihren Augen standen Fassungslosigkeit und Angst. Das Ministerium stellte ihre gesamte Ausbildung infrage. Nicht wegen ihrer Leistungen, sondern wegen widersprüchlicher Berichte. Hermine brachte kein Wort mehr heraus.

Minerva saß regungslos hinter ihrem Schreibtisch. Ihre Hände lagen ineinander verschränkt auf der Tischplatte. Der Blick war auf das Holz gerichtet.

„Es tut mir leid.“

Ihre Stimme war kaum hörbar. Hermine sah sie überrascht an.

„Minerva…“

„Es tut mir so leid.“

Diesmal klang ihre Stimme brüchig.

„Das alles hätte niemals passieren dürfen.“

Hermine legte den Brief langsam zurück auf den Schreibtisch.

„Hör auf.“

Minerva schüttelte den Kopf.

„Nein.“ Sie atmete zittrig ein. „Es ist meine Schuld.“

„Nein.“

„Doch.“

Minerva hob endlich den Blick. In ihren Augen standen Tränen.

„Ich habe diesen Brief an das Ministerium geschickt. Ich! Nicht Featherstone.“

„Minerva…“

„Ich hätte den Inhalt noch einmal überprüfen müssen.“

Sie schloss kurz die Augen.

„Ich habe mich darauf verlassen, dass alles vollständig und unverändert war und genau das hätte ich nicht tun dürfen.“

Hermine trat näher.

„Du konntest doch nicht wissen, dass…“

„Ich hätte es wissen müssen.“

Minerva unterbrach sie.

„Ich bin Schulleiterin. Ich trage die Verantwortung. Jedes einzelne Pergament, das mein Büro verlässt, trägt letztlich meine Unterschrift.“

Sie lachte bitter auf.

„Und jetzt sitzt das Ministerium dort und überlegt ernsthaft, ob du überhaupt zur Prüfung zugelassen wirst.“

Der letzte Satz zerbrach beinahe.

„Wegen eines Briefes, den ich abgeschickt habe.“

Hermine schüttelte entschieden den Kopf.

„Nein.“

„Doch.“

„Nein!“

Zum ersten Mal wurde auch ihre Stimme lauter.

„Ich weiß ganz genau, wer dafür verantwortlich ist.“

Minerva antwortete nicht.

„Featherstone.“

Hermine sprach seinen Namen aus, als koste sie jedes einzelne Wort Überwindung.

„Sonst hätte er heute Mittag nicht so selbstzufrieden dagestanden.“

Sie erinnerte sich an sein kaum sichtbares Grinsen. An die Ruhe, mit der er weitergegessen hatte. Als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.

„Er hat irgendetwas getan. Er steckt dahinter.“

Minerva schloss müde die Augen.

„Vielleicht.“

„Nicht vielleicht.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Ganz sicher.“

„Und trotzdem…“

Minerva öffnete die Augen wieder.

„…habe ich die Unterlagen abgeschickt.“

„Weil du dachtest, sie wären vollständig.“

„Das spielt keine Rolle.“

„Doch!“

Hermine trat noch näher.

„Es spielt sogar eine große Rolle.“

Minerva erhob sich langsam.

„Nein.“

Sie sprach fast flüsternd.

„Ich hätte alles prüfen müssen. Jede einzelne Seite. Jeden einzelnen Satz. Ich hätte nichts als selbstverständlich ansehen dürfen.“

Ihre Schultern sanken.

„Dann würden wir jetzt nicht hier stehen.“

Hermine sah sie einen langen Moment schweigend an. Sie erkannte den Ausdruck. Minerva machte das, was sie immer tat. Sie lud jede Verantwortung auf ihre eigenen Schultern. Selbst die, die ihr gar nicht gehörte. Langsam hob Hermine beide Hände. Ganz vorsichtig legte sie sie an Minervas Gesicht. Ihre Daumen strichen sanft über ihre Wangen. Sie wartete, bis Minerva sie ansah.

„Es ist nicht deine Schuld.“

Sie hielt Minervas Blick fest. Minerva schloss für einen Moment die Augen. Hermines Hände lagen noch immer an ihren Wangen. Sie atmete tief durch. Als sie die Augen wieder öffnete, war der Schmerz noch da, doch daneben war etwas anderes getreten.

Entschlossenheit.

„Ich werde das wieder in Ordnung bringen.“

Hermine sah sie aufmerksam an.

„Wie?“

Minerva löste sich behutsam aus ihrer Berührung und trat einen Schritt zurück. Sie begann unruhig durch das Büro zu gehen.

„Ich gehe sofort ins Ministerium. Heute noch. Ich spreche mit Lockwood und mit jedem, der dort Verantwortung trägt und ich werde klarstellen, dass dieser Bericht nicht meiner tatsächlichen Beurteilung entspricht.“

Hermine schüttelte langsam den Kopf.

„Minerva…“

„Nein.“

Sie unterbrach sie.

„Ich lasse nicht zu, dass sie deine gesamte Ausbildung wegen so etwas infrage stellen.“

„Bitte hör mir zu.“

Minerva blieb stehen.

„Das wird nichts bringen“, meinte Hermine.

„Woher willst du das wissen?“

„Weil der Brief bereits geschrieben wurde.“

Hermine trat ebenfalls einen Schritt auf sie zu.

„Das Ministerium glaubt jetzt, dass sich die Aussagen widersprechen. Wenn du dort heute auftauchst und sagst, dass plötzlich alles anders war, wird das höchstens noch mehr Fragen aufwerfen.“

Minerva presste die Lippen zusammen.

„Dann sollen sie Fragen stellen.“

„Minerva…“

„Nein.“

Ihre Stimme wurde ungewohnt scharf.

„Ich muss etwas tun.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Einfach hier zu sitzen und abzuwarten kommt nicht infrage.“

Sie ging wieder einige Schritte durch das Büro.

„Und wenn sich herausstellt, dass Featherstone tatsächlich dahintersteckt…“

Sie blieb abrupt stehen. Langsam drehte sie sich zu Hermine um. In ihren Augen lag eine Entschlossenheit, die Hermine noch nie zuvor gesehen hatte.

„…dann kann er sich warm anziehen.“

Der Satz war ruhig gesprochen. Gerade deshalb wirkte er so bedrohlich.

„Denn dann…“

Minerva machte einen langsamen Schritt nach vorn.

„…wird er mich richtig kennenlernen.“

Sie hielt einen Moment inne.

„Und zwar die Seite an mir…“

Ihre Stimme war kaum mehr als ein leises, kontrolliertes Flüstern.

„…die wirklich unangenehm werden kann.“

Hermine erstarrte. Sie hatte Minerva schon oft entschlossen erlebt. Streng. Konsequent. Unnachgiebig. Aber das hier… Das war etwas völlig anderes. Keine laute Wut. Kein Zorn, der sich in erhobener Stimme entlud. Es war eine kalte, kontrollierte Entschlossenheit. Eine Ruhe, die beinahe bedrohlicher wirkte als jeder Wutausbruch. Für einen kurzen Moment wusste Hermine nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte Minerva noch nie so erlebt und so sehr sie sich wünschte, dass Featherstone endlich zur Rechenschaft gezogen würde… machte ihr der Ausdruck in Minervas Augen beinahe Angst.

Minerva bemerkte den erschrockenen Ausdruck in Hermines Gesicht. Langsam atmete sie aus. Mit jedem Atemzug schien ein Teil der eben noch so eisigen Entschlossenheit einer ruhigeren Fassung zu weichen.

„Hermine.“

Ihre Stimme war wieder deutlich sanfter.

„Schau mich an.“

Hermine hob den Blick.

„Ich brauche jetzt etwas von dir.“

„Was denn?“

„Dass du dich ganz normal verhältst.“

Hermine runzelte die Stirn.

„Wie soll das gehen?“

„Du gehst in deinen Unterricht. Du unterrichtest so, wie du es immer tust und du gibst Featherstone nicht den Gefallen zu sehen, dass er dich aus dem Gleichgewicht gebracht hat.“

Hermine schwieg. Minerva trat einen Schritt näher.

„Alles andere…“

Sie machte eine kleine Pause.

„…überlasse bitte mir.“

„Minerva…“

„Nein.“

Diesmal klang ihre Stimme zwar ruhig, ließ aber keinen Widerspruch zu.

„Ich kümmere mich darum.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Bitte geh nicht ins Ministerium.“

„Ich muss.“

„Du musst gar nichts.“

„Doch.“

Minerva antwortete ohne Zögern.

„Ich fühle mich verantwortlich.“

„Aber du bist es nicht.“

„Das spielt im Moment keine Rolle.“

„Doch, das tut es!“

Hermine trat dicht vor sie.

„Du wirst dort hingehen, völlig aufgewühlt, und…“

„Ich werde dort hingehen und dafür sorgen, dass man meine Stellungnahme vollständig anhört.“

„Und wenn sie dich nicht anhören?“

Minerva schwieg einen Moment.

„Dann werde ich dafür sorgen, dass sie es tun.“

Hermine seufzte leise. Sie merkte, dass sie Minerva nicht umstimmen würde. Nicht heute. Nicht in diesem Zustand.

„Du bist genauso stur wie ich.“

Minerva lächelte schwach.

„Das habe ich nie bestritten.“

Hermine ließ die Schultern sinken.

„Na schön.“

Sie klang resigniert.

„Ich sehe schon, dass ich dich nicht aufhalten kann.“

„Nein.“

Minerva hob behutsam eine Hand und strich Hermine liebevoll über die Wange.

„Aber du kannst mir einen Gefallen tun.“

„Welchen?“

„Mach dir keine Sorgen.“

Hermine sah sie ungläubig an.

„Keine Sorgen?“

Sie musste trotz allem kurz den Kopf schütteln.

„Minerva, natürlich mache ich mir Sorgen.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Du willst in genau dieser Verfassung ins Ministerium stürmen und nachdem ich gerade gesehen habe, wie wütend du bist…“

Sie hielt kurz inne.

„…macht mir das ehrlich gesagt Angst.“

Minerva blinzelte überrascht. Dann entwich ihr tatsächlich ein leises Lachen.

„Hermine.“

Sie schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Ich kann mich durchaus beherrschen.“

„Wirklich?“

„Natürlich.“

„Gerade eben hast du angekündigt, Featherstone werde deine unangenehme Seite kennenlernen.“

„Das stimmt.“

Minerva hob belustigt eine Augenbraue.

„Das bedeutet aber nicht, dass ich im Ministerium Möbel umwerfe.“

Hermine musste gegen ihren Willen lächeln.

„Gut…“

„Ich verspreche dir, dass ich höflich bleiben werde.“

„Das beruhigt mich nur bedingt“, erwiderte Hermine skeptisch.

„Mehr kann ich im Moment leider nicht anbieten.“

Für einen Augenblick sahen sie sich schweigend an. Dann traf Hermine eine Entscheidung.

„Ich will dich noch nicht gehen lassen.“

Ganz vorsichtig ergriff sie Minervas Hände. Sie zog sie einen kleinen Schritt näher zu sich. Minerva widersetzte sich nicht. Im Gegenteil. Sie ließ sich bereitwillig zu ihr ziehen. Hermine legte eine Hand an ihre Wange und küsste sie sanft. Es war kein verzweifelter Kuss, sondern einer, der mehr sagte als Worte. Minerva erwiderte ihn ebenso zärtlich. Als sie sich voneinander lösten, blieben sie dicht beieinanderstehen. Für einen Moment glaubte Hermine, der Abschied sei vorbei, doch Minerva lächelte sie liebevoll an, legte ihre Hand in Hermines Nacken und zog sie selbst noch einmal zu sich. Der zweite Kuss dauerte nur wenige Herzschläge und doch lag in ihm etwas Beruhigendes. Als sie sich schließlich voneinander lösten, strich Minerva ihr sanft eine Haarsträhne hinters Ohr.

„Alles wird gut.“

Sie sagte es mit einer Überzeugung, die Hermine gern geteilt hätte. Hermine nickte langsam.

„Ich hoffe, du hast recht.“

Sie lächelte schwach.

„Wirklich glauben kann ich es im Moment noch nicht.“

Minerva drückte noch einmal kurz ihre Hand.

„Dann glaube so lange einfach an mich.“

Hermine erwiderte den Händedruck. Sie war noch immer skeptisch und voller Sorge, doch eines wusste sie ganz sicher:

Sie würde auf Minerva warten und sie hoffte aus tiefstem Herzen, dass sie noch am selben Abend gemeinsam über all das würden sprechen können.