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Wie eine Löwin

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Wie eine Löwin

Hallo ihr Lieben,

wir bringen jetzt mal ein wenig Schwung in die Sache ;) Lasst mich gerne wissen, wie euch das neue Kapitel gefällt :D

Liebe Grüße und viel Spaß

Wenige Minuten später verließ Minerva ihr Büro. Der Korridor war beinahe menschenleer. Sie hatte ihre Stellungnahme, sämtliche Kopien ihrer Unterlagen und den Brief des Ministeriums sorgfältig in einer dunkelgrünen Ledermappe verstaut. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Nicht mehr. Bevor sie das Schloss verließ, blieb sie einen kurzen Moment in der Eingangshalle stehen. Sie schloss die Augen. Atmete tief ein. Langsam wieder aus. Sie wusste, dass sie wütend war. Sehr wütend, doch genau deshalb durfte sie sich jetzt nicht von ihren Emotionen leiten lassen. Sie musste ruhig, sachlich und überzeugend bleiben.

„Für Hermine“, murmelte sie leise.

Im nächsten Augenblick apparierte sie.

Mit einem leisen Knall erschien Minerva im Atrium des Zaubereiministeriums. Das geschäftige Treiben hatte längst begonnen. Hexen und Zauberer eilten mit Akten unter dem Arm durch die weitläufige Eingangshalle. Die goldenen Statuen in der Mitte des Brunnens funkelten im Licht der hohen Fenster. Mehrere Angestellte blickten überrascht auf.

„Professor McGonagall.“

„Guten Tag, Professor.“

„Schön, Sie zu sehen.“

Minerva erwiderte jedes Nicken höflich.

„Guten Tag.“

„Danke.“

„Entschuldigen Sie mich bitte.“

Sie blieb nicht stehen. Nicht heute. Mit entschlossenen Schritten durchquerte sie das Atrium. Ihr Ziel stand fest.

Die Abteilung für Magische Bildung.

Je näher sie kam, desto fester umklammerte sie die Ledermappe. Sie dachte an Hermine. An den Ausdruck in ihren Augen, als sie den Brief gelesen hatte, an ihre Angst, ihre Zweifel und an Featherstones selbstzufriedenes Lächeln während des Mittagessens. Minerva spürte erneut, wie Wut in ihr aufstieg. Sie zwang sich, ruhiger zu atmen.

'Nicht jetzt. Erst die Fakten.'

Vor der Tür der Abteilung blieb sie schließlich stehen. Auf dem Messingschild war in sorgfältig gravierten Buchstaben zu lesen:

Abteilung für Magische Bildung und Schulaufsicht

Minerva richtete ihre Robe, nahm die Ledermappe fester unter den Arm und hob die Hand. Dreimal klopfte sie ruhig, aber bestimmt an die Tür.

„Herein.“

Minerva öffnete die Tür. Die Abteilung für Magische Bildung war deutlich ruhiger als das geschäftige Atrium. Hohe Regale voller Akten säumten die Wände. Hinter einem großen Schreibtisch saß eine junge Hexe mit dunkelblonden Haaren, die gerade mehrere Dokumente sortierte. Als sie aufsah, weiteten sich ihre Augen. Sie erkannte Minerva sofort.

„Professor McGonagall?“

Sie stand sofort auf.

„Guten Tag.“

„Guten Tag.“

Minerva erwiderte das freundliche Lächeln nur flüchtig.

„Entschuldigen Sie die unangekündigte Störung.“

„Aber selbstverständlich.“

Die junge Frau deutete auf den Besucherstuhl.

„Bitte nehmen Sie Platz.“

Erst als Minerva näher trat, schien die Hexe sie richtig anzusehen.

„Sie wirken…“

Sie brach den Satz höflich ab. Minerva nickte knapp.

„Ich habe ein ernstes Problem.“

Sie legte die Ledermappe auf den Tisch.

„Es geht um die Ausbildungsunterlagen meiner Referendarin, Miss Hermine Granger.“

Die junge Frau wurde augenblicklich aufmerksam.

„Miss Granger?“

Minerva öffnete die Mappe. Sie legte ihre Abschriften sorgfältig auf den Tisch. Daneben den Brief, den sie am Mittag erhalten hatte.

„Ich bin heute darüber informiert worden, dass das Ministerium erhebliche Widersprüche in den Ausbildungsberichten festgestellt hat.“

„Das stimmt.“

„Diese Widersprüche dürfen jedoch gar nicht existieren.“

Die Sekretärin runzelte die Stirn.

„Wie meinen Sie das?“

Minerva atmete tief durch.

„Ich habe bestimmte Formulierungen niemals geschrieben. Trotzdem scheinen sie in einer Stellungnahme aufgetaucht zu sein, die meiner Handschrift zugeschrieben wird.“

Die junge Frau griff nach den Unterlagen. Je länger sie las, desto nachdenklicher wurde ihr Gesichtsausdruck. Dann blickte sie überrascht auf.

„Moment…“

Sie blätterte noch einmal zurück.

„Das ergibt überhaupt keinen Sinn.“

Minerva sah sie aufmerksam an.

„Wieso sagen Sie das?“

Die junge Frau legte die Pergamente langsam auf den Tisch.

„Weil mir der gesamte Vorgang von Anfang an merkwürdig vorkam.“

Minerva schwieg.

„Deshalb…“ Sie zögerte kurz, „…habe ich die Unterlagen zunächst gar nicht weiterbearbeitet.“

Minerva blinzelte überrascht.

„Wie bitte?“

„Professor Featherstones erste Berichte bestanden fast ausschließlich aus Kritik. Dann kam Ihre Stellungnahme.“

Sie tippte mit dem Finger auf das Pergament.

„Und plötzlich war dort diese seltsame Mischung. Auf der einen Seite großes Lob. Auf der anderen Seite Formulierungen, die überhaupt nicht dazu passten.“

Sie schüttelte langsam den Kopf.

„Ich erinnere mich noch genau daran. Ich habe damals gedacht: Das passt doch vorne und hinten nicht zusammen.“

Minerva sah sie einen Moment sprachlos an.

„Sie haben den Vorgang deshalb angehalten?“

Die junge Frau nickte.

„Ja. Ich wollte zunächst abwarten, ob weitere Unterlagen eingehen. Es wirkte auf mich einfach… unstimmig.“

Minerva lehnte sich langsam zurück.

„Dann war mein Eindruck also nicht der einzige.“

„Ganz bestimmt nicht.“

Die junge Frau sah sie ernst an.

„Ehrlich gesagt hatte ich sogar gehofft, dass sich die Sache mit den nächsten Berichten von selbst erklären würde.“

Minerva schloss kurz die Augen.

„Leider ist stattdessen genau das Gegenteil passiert.“

„Offenbar.“

Für einen Moment herrschte Schweigen. Dann richtete Minerva sich wieder auf.

„Ich möchte gern mit den Personen sprechen, die für diesen Vorgang verantwortlich sind.“

Die junge Frau nickte sofort.

„Das halte ich für sinnvoll.“

Sie erhob sich.

„Einen kleinen Augenblick bitte. Ich werde nachsehen, wer im Moment verfügbar ist.“

„Vielen Dank.“

„Gern.“

Mit den Unterlagen in der Hand verschwand die junge Hexe durch eine Tür im hinteren Teil der Abteilung. Die Tür schloss sich leise hinter ihr. Minerva blieb allein zurück. Sie verschränkte die Hände auf der Ledermappe.

Zum ersten Mal seit dem Eintreffen des Briefes hatte sie das Gefühl, dass ihr tatsächlich jemand glaubte, doch bis zur Wahrheit war es noch ein weiter Weg. Also wartete sie schweigend. Eine Minute. Dann fünf. Schließlich beinahe eine Viertelstunde. Immer wieder öffnete sich die Tür zum hinteren Teil der Abteilung. Angestellte kamen mit Akten hinaus, Andere verschwanden wieder, doch niemand kam zu ihr. Minerva blieb dennoch ruhig sitzen. Sie hatte beschlossen, die Angelegenheit sachlich zu klären. Schließlich öffnete sich die Tür erneut. Eine elegant gekleidete Hexe mit streng zurückgebundenem Haar trat heraus. Sie hatte einen Stapel Akten unter dem Arm und schien es eilig zu haben. Die junge Sekretärin trat ihr sofort entgegen.

„Miss Lockwood?“

Olive Lockwood blieb stehen.

„Ja?“

„Professor McGonagall wartet hier. Sie möchte wegen der Ausbildungsunterlagen von Miss Granger mit den Verantwortlichen sprechen.“

Olives Blick wanderte zu Minerva. Er blieb einen Augenblick auf ihr ruhen.

„Professor McGonagall.“

„Miss Lockwood.“

Minerva erhob sich.

„Ich benötige nur wenige Minuten Ihrer Zeit.“

Olive verzog keine Miene.

„Haben Sie einen Termin?“

Minerva antwortete ehrlich.

„Nein.“

„Dann fürchte ich, kann ich Ihnen im Moment nicht weiterhelfen.“

Sie wollte bereits weitergehen. Die Sekretärin warf ihr einen unsicheren Blick zu.

„Aber Madam Lockwood, Professor McGonagall schildert einen sehr ungewöhnlichen Sachverhalt. Es könnte sein, dass…“

Olive hob nur leicht die Hand. Die junge Hexe verstummte sofort.

„Regeln gelten für alle.“

Dann sah sie Minerva wieder an.

„Auch für die Schulleiterin von Hogwarts.“

Ihre Stimme blieb höflich, aber kühl.

„Wenn Sie ein Anliegen haben, vereinbaren Sie bitte einen Termin über das Sekretariat.“

Minerva hielt ihrem Blick stand.

„Es handelt sich um eine Angelegenheit, die keinen Aufschub duldet.“

„Das beurteilen wir nach Eingang Ihres Antrags.“

Olive nickte knapp.

„Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.“

Sie setzte ihren Weg fort. Minerva sah ihr schweigend nach. Die junge Sekretärin wirkte sichtlich verlegen.

„Professor… es tut mir wirklich leid. Ich habe…“

Minerva hob ruhig eine Hand.

„Schon gut.“

Ihre Stimme klang erstaunlich gefasst. Fast zu gefasst. Sie nahm langsam ihre Ledermappe vom Tisch, ordnete die Pergamente sorgfältig und schloss die Schnalle. Dann blickte sie noch einmal zur Tür, hinter der Olive verschwunden war.

„Gut.“

Das einzelne Wort war ruhig gesprochen.

„Dann eben auf die weniger freundliche Art.“

Die Sekretärin blinzelte überrascht.

„Professor?“

Minerva schenkte ihr ein kurzes, höfliches Lächeln.

„Sie haben alles versucht. Dafür danke ich Ihnen.“

Sie nickte der jungen Frau noch einmal zu. Dann drehte sie sich um. Mit ruhigen, entschlossenen Schritten verließ sie die Abteilung. Sie durchquerte das Atrium des Ministeriums, ohne nach links oder rechts zu sehen. Ihr Ziel hatte sich geändert. Wenn die Abteilung für Magische Bildung sie nicht anhören wollte… dann würde sie mit jemandem sprechen, der es musste.

Sie ging den langen Korridor entlang. Direkt auf das Büro des Zaubereiministers zu.

Minerva schritt mit festen Schritten durch die breiten Korridore des Ministeriums. Mehrere Angestellte grüßten sie. Sie erwiderte jedes Nicken höflich, doch wieder blieb sie kein einziges Mal stehen. Vor einer großen, dunklen Holztür blieb sie schließlich stehen. Ein schlichtes Messingschild trug die Aufschrift:

Zaubereiminister

Minerva klopfte.

„Herein.“

Als sie die Tür öffnete, blickte sie jedoch nicht direkt in Kingsleys Büro. Davor befand sich ein kleiner Vorraum. Hinter einem Schreibtisch saß eine ältere Hexe mit silbergrauem Haar und einer freundlichen Ausstrahlung. Sie lächelte sofort.

„Professor McGonagall.“

„Guten Tag.“

„Guten Tag.“

Minerva trat näher.

„Ich müsste dringend mit Minister Shacklebolt sprechen.“

Die Sekretärin nickte verständnisvoll.

„Hat er einen Termin mit Ihnen?“

„Nein. Es tut mir leid.“

Die ältere Dame warf einen kurzen Blick auf ihren Kalender.

„Im Moment befindet er sich noch in einer Besprechung.“

Minerva nickte knapp.

„Dann warte ich.“

Die Sekretärin lächelte freundlich.

„Ich werde ihm selbstverständlich mitteilen, dass Sie hier sind. Er wird sicher ein paar Minuten Zeit für Sie haben.“

„Vielen Dank.“

Minerva nahm auf einem der Sessel Platz. Die Minuten verstrichen. Sie versuchte ruhig zu bleiben, doch immer wieder wanderte ihr Blick zu der verschlossenen Tür. Nach beinahe zwanzig Minuten öffnete sie sich schließlich. Zwei Abteilungsleiter verließen das Büro. Kurz darauf erschien Kingsley selbst in der Tür.

Als er Minerva entdeckte, wirkte er überrascht.

„Minerva?“

Er trat sofort auf sie zu.

„Was führt dich denn unangemeldet ins Ministerium?“

Schon beim ersten Blick in ihr Gesicht verschwand sein freundliches Lächeln.

„Ist etwas passiert?“

Minerva nickte langsam.

„Leider ja.“

Kingsley sah zur Sekretärin.

„Bitte verschieben Sie meinen nächsten Termin um eine halbe Stunde.“

„Natürlich, Minister.“

Er machte eine einladende Handbewegung.

„Komm bitte herein.“

Wenige Augenblicke später saßen sich beide gegenüber. Kingsley wartete geduldig.

„Erzähl.“

Minerva legte ihre Ledermappe auf den Schreibtisch.

„Es geht um meine Referendarin.“

„Hermine Granger?“

„Ja.“

Sie begann ganz von vorne. Erzählte von Featherstones ersten Berichten, ihren eigenen Unterrichtsbesuchen, von ihrer Stellungnahme, von Hermines plötzlich aufgetauchtem Misstrauen und schließlich von dem Schreiben des Ministeriums.

Kingsley unterbrach sie kein einziges Mal. Er hörte aufmerksam zu. Erst als Minerva sämtliche Unterlagen vor ihm ausgebreitet hatte, nahm er eines der Pergamente in die Hand. Er las schweigend. Dann noch einmal. Schließlich legte er es langsam zurück.

„Das ist…“

Er suchte nach einem passenden Wort.

„…äußerst merkwürdig.“

Minerva nickte.

„Genau das denke ich auch.“

Kingsley verschränkte die Hände.

„Vor allem diese Kombination.“

Er deutete auf den Bericht.

„Hier stehen Absätze voller Lob und unmittelbar daneben Formulierungen, die inhaltlich überhaupt nicht dazu passen.“

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Das wirkt nicht wie ein einheitlicher Bericht.“

Minerva atmete tief durch.

„Es gibt noch etwas.“

Kingsley sah auf.

„In den vergangenen Wochen habe ich mehrere Schreiben aus der Abteilung für Magische Bildung erhalten.“

Sie zögerte einen Moment.

„Genauer gesagt von Olive Lockwood.“

Kingsley runzelte die Stirn.

„Von Olive?“

„Ja.“

„Sie drängte wiederholt auf weitere Stellungnahmen und verwies mehrfach auf mögliche dienstrechtliche Konsequenzen, sollte ich bestimmte Entwicklungen nicht ausreichend dokumentieren.“

Kingsley schwieg. Minerva fuhr fort.

„Heute wollte ich zunächst mit der Abteilung selbst sprechen, doch Madam Lockwood lehnte ein Gespräch ohne Termin ab.“

Kingsleys Blick wurde nachdenklich.

„Das hat sie?“

„Ja.“

„Obwohl ich ausdrücklich erklärt habe, dass es sich um eine dringende Angelegenheit handelt.“

Im Büro wurde es still. Kingsley lehnte sich langsam in seinem Stuhl zurück. Sein Blick ruhte auf den ausgebreiteten Unterlagen. Dann sah er wieder zu Minerva. Die Überraschung in seinem Gesicht war unverkennbar. Offenbar hatte auch er mit einem solchen Gesamtbild nicht gerechnet. Kingsley blieb noch einen Augenblick schweigend sitzen. Sein Blick ruhte auf den ausgebreiteten Unterlagen. Dann schob er sie langsam wieder ordentlich zusammen.

„Ich werde der Sache auf den Grund gehen.“

Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.

„Persönlich. Ich kenne Miss Granger und das hier passt nicht zu ihr.“

Minerva atmete unmerklich auf. Zum ersten Mal an diesem Tag hatte sie das Gefühl, dass ihr tatsächlich jemand glaubte. Kingsley verschränkte die Hände.

„Ich möchte allerdings nichts überstürzen. Bevor ich jemanden mit Vorwürfen konfrontiere, brauche ich Klarheit.“

Minerva nickte.

„Das verstehe ich.“

Sie zögerte einen Moment.

„Aber…“

Kingsley hob den Blick.

„Es ist dringend.“

„Ich weiß.“

Minerva schüttelte langsam den Kopf.

„Nein. Ich glaube, du weißt nicht, wie dringend.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Wenn sich diese Angelegenheit nicht sehr zeitnah aufklärt…“

Sie hielt kurz inne.

„…wird Hermine möglicherweise gar nicht erst zur Abschlussprüfung zugelassen.“

Kingsleys Gesicht wurde ernst.

„Und dann…“

Minerva schluckte schwer.

„…wäre ein ganzes Ausbildungsjahr verloren.“

Im Raum wurde es still. Kingsley verstand sofort, was das bedeutete. Nicht nur für Hermines berufliche Zukunft, sondern auch persönlich. Sie hatte monatelang gearbeitet, gelernt, unterrichtet, sich immer wieder aufgerappelt und nun hing alles an Berichten, deren Echtheit plötzlich fraglich war. Kingsley nickte langsam.

„Verstanden.“

Er zog ein leeres Pergament zu sich und schrieb einige kurze Notizen. Dann legte er die Feder wieder beiseite.

„Ich werde diese Angelegenheit priorisieren.“

Er sah Minerva direkt an.

„Alle anderen Vorgänge können warten. Dieser nicht.“

Minerva spürte, wie sich ein Teil der Anspannung aus ihren Schultern löste.

„Danke.“ Das Wort kam ehrlich. „Ich weiß das wirklich zu schätzen.“

Kingsley lächelte freundlich.

„Dafür musst du dich nicht bedanken.“

Er schob die Unterlagen näher zu sich.

„Du bist nicht hier, um irgendeinen persönlichen Gefallen zu erbitten. Du bist hier, weil möglicherweise etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.“

Er legte eine Hand auf die Mappe.

„Und genau das müssen wir aufklären.“

Minerva nickte.

„Ich bin froh, dass du mich angehört hast.“

Kingsley schmunzelte leicht.

„Minerva.“

Er lehnte sich etwas zurück.

„Nach allem, was wir gemeinsam erlebt haben…“

Ein warmes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„…wäre es wohl das Mindeste gewesen, dir zuzuhören.“

Minerva musste trotz allem kurz lächeln.

„Da hast du vermutlich recht.“

Kingsley erhob sich.

„Sobald ich etwas Brauchbares weiß…“

Er reichte ihr die Hand.

„…melde ich mich umgehend bei dir.“

Minerva erwiderte den Händedruck.

„Ich danke dir.“

„Und richte Miss Granger bitte aus…“

Er überlegte kurz.

„…dass sie ihren Unterricht ganz normal fortsetzen soll. Solange wir keine eindeutigen Erkenntnisse haben, möchte ich keine voreiligen Schlüsse ziehen.“

„Das werde ich.“

Mit einem letzten dankbaren Nicken nahm Minerva ihre Ledermappe wieder an sich.

„Auf Wiedersehen, Kingsley.“

„Bis bald, Minerva.“

Die Tür schloss sich leise hinter ihr. Als sie den Vorraum verließ, lächelte die ältere Sekretärin ihr freundlich zu.

„Ich wünsche Ihnen alles Gute, Professor.“

Minerva erwiderte das Lächeln.

„Vielen Dank. Das wünsche ich Ihnen auch.“

Wenige Minuten später trat sie wieder hinaus in das geschäftige Atrium des Ministeriums. Diesmal fühlten sich ihre Schritte etwas leichter an. Nicht, weil das Problem gelöst war. Ganz im Gegenteil. Doch nun wusste sie wenigstens, dass jemand bereit war, der Sache ernsthaft nachzugehen. Mit diesem Gedanken apparierte sie wenig später zurück nach Hogwarts. Sie wusste, dass dort bereits jemand auf sie wartete und vermutlich jede Minute gezählt hatte.

Mit einem leisen Knall apparierte Minerva auf dem Gelände von Hogwarts. Sie blieb einen Moment stehen. Der Wind strich kühl über die Ländereien. Sie atmete tief durch. Das Gespräch mit Kingsley hatte ihr zumindest eines gegeben:

Die Gewissheit, dass jemand die Sache ernst nahm.

Es war noch längst nicht gelöst, aber sie war nicht mehr allein.

Mit der Ledermappe unter dem Arm machte sie sich auf den Weg zurück ins Schloss. Die meisten Schüler befanden sich bereits auf dem Weg zur nächsten Stunde. Auf den Korridoren wurde es langsam ruhiger. Minerva nickte einigen vorbeieilenden Schülern freundlich zu.

„Guten Tag, Professor.“

„Guten Tag.“

Sie bog um die nächste Ecke. Noch wenige Schritte bis zu ihrem Büro. Als sie am Klassenzimmer für Verwandlung vorbeikam, blieb sie jedoch stehen. Eigentlich hätte der Unterricht längst beendet sein müssen. Trotzdem waren Stimmen zu hören. Keine Schüler. Nur zwei Erwachsene. Minerva runzelte die Stirn. Die Tür stand einen schmalen Spalt offen. Sie wollte zunächst einfach weitergehen. Dann hörte sie Hermines Stimme.

„Ich habe getan, worum Sie mich gebeten haben.“

Ihre Stimme klang angespannt.

„Ich habe den Unterricht vorbereitet. Ich habe Ihre Hinweise berücksichtigt. Und trotzdem reicht es Ihnen nie.“

Featherstone lachte leise. Ein kurzes, herablassendes Lachen.

„Miss Granger. Sie verstehen den Kern des Problems noch immer nicht.“

Minerva blieb wie angewurzelt stehen. Unbewusst trat sie einen halben Schritt näher an die Tür.

„Und was soll das Problem sein?“, fragte Hermine.

„Sie.“

Eine kurze Pause.

„Sie glauben tatsächlich, Fleiß allein würde genügen.“

„Ich bin Referendarin.“

„Genau.“

Featherstones Stimme wurde kälter.

„Und genau deshalb entscheide ich mit darüber, ob Sie jemals mehr sein werden.“

Hermine schwieg. Minerva hörte das leise Rascheln von Pergament.

„Ihre Leistungen sind inzwischen aktenkundig. Das Ministerium stellt bereits Fragen. Sie haben gesehen, wie schnell sich so etwas entwickeln kann.“

Hermine antwortete deutlich fester.

„Wenn meine Leistungen fair beurteilt würden, hätte ich diese Probleme gar nicht.“

„Fair?“

Featherstone schnaubte verächtlich.

„Sie sprechen von Fairness?“

„Ja.“

„Interessant.“

Seine Schritte waren auf dem Steinboden zu hören. Er musste sich Hermine genähert haben.

„Ich gebe Ihnen einen gut gemeinten Rat.“

„Welchen?“

„Sparen Sie sich die Mühe.“

Minerva spürte, wie sich ihre Hände langsam zu Fäusten ballten.

„Sie werden keine Lehrerin.“

Im Klassenraum wurde es still. Dann sprach Featherstone weiter. Ganz ruhig. Gerade deshalb wirkten seine Worte so bedrohlich.

„Und glauben Sie mir, ich werde persönlich dafür sorgen.“

Minerva schloss für einen kurzen Moment die Augen. Jede Faser ihres Körpers wollte die Tür aufstoßen, doch sie hielt sich zurück. Noch. Sie musste hören, wie weit Featherstone ging. Sie musste genau wissen, was hier geschah. Also blieb Minerva regungslos vor der halb geöffneten Tür stehen und lauschte.

Featherstone verschränkte langsam die Arme. Ein selbstzufriedenes Lächeln legte sich auf sein Gesicht.

„Wissen Sie, Miss Granger…“

Er musterte sie von oben bis unten.

„Sie machen einen entscheidenden Fehler.“

Hermine erwiderte seinen Blick.

„Welchen denn?“

„Sie glauben noch immer, Minerva könne Sie beschützen.“

Seine Stimme war ruhig. Fast gelangweilt.

„Dabei wird ihr die Luft langsam ausgehen.“

Hermine spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

„Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie sprechen.“

„Oh doch.“

Featherstone trat langsam einen Schritt näher.

„Ich beobachte Sie beide schon lange.“

„Jedes Gespräch, jede Unterrichtsstunde und jeden Blick.“

Hermine blieb stehen.

„Minerva hat bereits alle Register gezogen. Hospitationen, eigene Stellungnahmen, Gespräche mit dem Ministerium.“

Er lächelte kalt.

„Aber irgendwann reichen auch ihre Möglichkeiten nicht mehr aus.“

Er neigte leicht den Kopf.

„Dann wird sie erkennen müssen, dass sie Sie nicht retten kann.“

Hermine biss die Zähne zusammen.

„Sie irren sich.“

„Wirklich?“

Seine Augen funkelten.

„Ich glaube eher, dass Sie beide sich etwas vormachen.“

Er machte noch einen Schritt.

„Ich kann mich jetzt ganz entspannt zurücklehnen, denn alles Weitere erledigt sich von selbst.“

Sein Lächeln wurde breiter.

„Ich werde einfach zusehen…“

Er ließ den Satz einen Moment in der Luft hängen.

„…wie Sie beide gemeinsam untergehen.“

Vor der Tür spannte sich Minervas ganzer Körper an. Jedes Wort traf sie wie ein Schlag. Noch immer griff sie nicht ein.

Im Klassenraum hob Hermine langsam das Kinn. Sie wusste, dass Schweigen klüger wäre und dass jedes weitere Wort Featherstone nur in die Hände spielen konnte, doch sie konnte nicht.

„Sie überschätzen sich maßlos.“

Featherstones Lächeln verschwand.

„Ach?“

„Ja.“

Hermine trat einen halben Schritt auf ihn zu.

„Sie halten sich für unantastbar. Dabei sind Sie nichts weiter als ein Feigling.“

Featherstones Gesicht verhärtete sich.

„Passen Sie auf, Miss Granger.“

„Nein.“

Hermine schüttelte entschieden den Kopf.

„Jetzt hören Sie mir zu. Sie haben mich wochenlang schikaniert. Sie haben meinen Unterricht sabotiert. Sie versuchen seit Monaten, Minerva zu schaden.“

Ihre Stimme bebte vor Wut.

„Und trotzdem glauben Sie ernsthaft, Sie wären im Recht.“

Für einen Augenblick herrschte absolute Stille. Dann geschah alles sehr schnell. Featherstones rechte Hand fuhr unter seine Robe. Mit einer fließenden Bewegung zog er seinen Zauberstab.

„Genug.“

Seine Stimme war plötzlich schneidend kalt. Hermine reagierte instinktiv. Auch ihr Zauberstab glitt in ihre Hand.

„Keinen Schritt weiter.“

Nun standen sie sich regungslos gegenüber. Die Zauberstäbe erhoben. Keiner von beiden senkte den Blick. Draußen, unmittelbar vor der halb geöffneten Tür, spannte Minerva unwillkürlich die Schultern an. Ihre Hand lag bereits auf der Klinke, doch sie wartete noch einen einzigen Augenblick. Featherstone lächelte kalt. Sein Zauberstab blieb unbeirrbar auf Hermine gerichtet.

„Sehen Sie sich doch einmal an.“

Seine Stimme klang beinahe gelangweilt.

„Sie stehen schon wieder allein hier.“

Hermine erwiderte seinen Blick.

„Nehmen Sie den Zauberstab herunter“, sagte sie mit fester Stimme.

„Warum sollte ich?“

Er trat einen halben Schritt näher.

„Minerva ist doch nirgends zu sehen.“

Ein spöttisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Oder glauben Sie ernsthaft, sie würde jetzt plötzlich durch diese Tür kommen und Sie retten?“

Hermine antwortete nicht. Sie hielt ihren Zauberstab ruhig, obwohl ihr Herz bis zum Hals schlug. Featherstone beobachtete sie einen Moment. Dann schnaubte er verächtlich.

„Sie sind wirklich naiv. Minerva wird früher oder später einsehen, dass Sie ihr nur Schwierigkeiten bereiten.“

Hermine presste die Lippen zusammen.

„Sie kennen Minerva überhaupt nicht.“

„Ach nein?“

„Nein.“

Featherstones Augen verengten sich.

„Ich glaube, ich kenne sie inzwischen besser, als Ihnen lieb ist.“

Er sprach jedes Wort langsam aus.

„Irgendwann wird sie sich entscheiden müssen.“

Sein Lächeln wurde breiter.

„Und glauben Sie mir…“

Er deutete mit dem Zauberstab leicht auf Hermine.

„…wenn sie zwischen ihrer Karriere und Ihnen wählen muss…“

Er machte eine kurze Pause.

„…wird sie Sie fallen lassen.“

„Nein!“

Die Antwort kam ohne jedes Zögern. Hermine machte einen Schritt nach vorn.

„Das wird sie niemals tun.“

„Sie sind sich da erstaunlich sicher.“

„Weil ich sie kenne und weil ich sie liebe.“

Hermine dachte in diesem Moment nicht daran, dass sie besser nicht von Liebe hätte sprechen sollen, aber es war ihr auch egal. Featherstone lachte höhnisch.

„Liebe.“

Er schüttelte den Kopf.

„Sie sind noch jung, Miss Granger. Sie werden schon noch lernen, dass Liebe erstaunlich schnell endet, wenn sie unbequem wird.“

Hermine spürte, wie die Wut in ihr aufstieg.

„Sie haben keine Ahnung, wovon Sie reden.“

„Wirklich nicht?“

„Nein!“

Ihre Stimme hallte durch den leeren Klassenraum.

„Im Gegensatz zu Ihnen hält Minerva ihre Versprechen.“

Featherstones Gesicht verhärtete sich.

„Dann wird es Zeit, dass Sie die Realität kennenlernen.“

Er hob seinen Zauberstab ein Stück höher. Seine Lippen begannen bereits, die ersten Silben eines Fluches zu formen. In genau diesem Augenblick flog die Tür mit einem lauten Knall auf. Die Tür krachte gegen die Steinwand.

„Genug!“

Minervas Stimme durchschnitt den Raum mit einer Autorität, die beide augenblicklich erstarren ließ. Noch bevor Featherstone reagieren konnte, hob sie ihren Zauberstab.

„Expelliarmus!“

Ein Lichtblitz schoss durch den Klassenraum. Featherstones Zauberstab wurde ihm aus der Hand gerissen, flog mehrere Meter durch die Luft und schlug klappernd gegen die gegenüberliegende Wand. Im selben Augenblick trat Minerva ohne zu zögern zwischen Hermine und Featherstone. Wie ein Schutzschild.

„Minerva…“, begann Hermine leise.

Minerva hob nur kurz die linke Hand. Ein wortloses Zeichen.

'Lass mich.‘

Featherstone rang sichtbar um seine Fassung.

„Minerva, ich kann das erklä—“

„Schweig!“

Noch nie hatte Hermine Minerva so erlebt. Ihre Stimme war nicht laut. Gerade deshalb wirkte sie so erschütternd. Jedes Wort war messerscharf.

„Kein einziges Wort mehr.“

Featherstone schloss den Mund. Minerva machte einen langsamen Schritt auf ihn zu.

„Ich habe jedes einzelne Wort gehört.“

Sie hielt seinem Blick stand.

„Jede Drohung, jede Beleidigung und jeden deiner Versuche, Hermine einzuschüchtern.“

Featherstone versuchte, Haltung zu bewahren.

„Du missverstehst die Situation.“

Minerva lachte kurz. Es war ein humorloses, bitteres Lachen.

„Nein. Zum ersten Mal verstehe ich alles vollständig.“

Sie trat noch einen Schritt näher.

„Ich habe dich unterschätzt, Edmund. Das war mein Fehler.“

Ihre Augen funkelten vor Zorn.

„Aber dieser Fehler endet heute.“

Featherstones Gesicht verlor sichtbar an Farbe.

„Du hast Hermine systematisch verunsichert. Du hast ihren Unterricht sabotiert. Du hast versucht, ihre Ausbildung zu zerstören und damit nicht genug.“

Minervas Stimme wurde noch ruhiger.

„Du wolltest einen Keil zwischen uns treiben.“

Hinter ihr hielt Hermine unwillkürlich den Atem an. Minerva sprach aus, was Featherstone bisher nie offen zugegeben hatte.

„Du hast darauf gesetzt, dass Misstrauen unsere Beziehung zerstört.“

Featherstones Blick zuckte für einen Sekundenbruchteil. Minerva bemerkte es.

„Ja.“

Sie nickte langsam.

„Ich habe dich inzwischen durchschaut. Deine ganzen Intrigen, deine Manipulationen, die falschen Berichte, deine Spielchen mit dem Ministerium und deinem Versuch, Miss Granger ihre Zukunft zu nehmen.“

Sie blieb unmittelbar vor ihm stehen.

„Alles nur, damit Hermine keine Lehrerin wird und damit ich meinen Posten verliere.“

Featherstone schwieg. Zum ersten Mal wirkte er nicht mehr überlegen. Minerva richtete sich zu ihrer vollen Größe auf.

„Du hast geglaubt, du könntest Menschen gegeneinander ausspielen und niemand würde die Zusammenhänge erkennen.“

Sie hielt seinen Blick unbeirrt fest.

„Da hast du dich geirrt.“

Der Klassenraum war vollkommen still.

„Ich werde persönlich dafür sorgen, dass dein Handeln vollständig aufgeklärt wird.“

Minervas Stimme klang jetzt vollkommen kontrolliert.

„Und glaub mir eines, Edmund. Du wirst dich für jeden einzelnen deiner Schritte verantworten müssen.“

Sie machte eine letzte, kaum merkliche Pause.

„Und du wirst bitter bereuen, dass du versucht hast, Hermine zu sabotieren.“

Featherstone richtete langsam seine Robe. Obwohl sein Zauberstab mehrere Meter entfernt auf dem Boden lag, versuchte er, sich seine Überlegenheit zu bewahren.

„Minerva“, sagte er mit gespielter Gelassenheit, „su ziehst hier voreilige Schlüsse.“

Minerva rührte sich nicht.

„Ich habe Miss Granger lediglich auf ihre Defizite hingewiesen.“

„Du hast sie bedroht.“

„Das ist deine Interpretation.“

„Nein.“

Minervas Stimme blieb vollkommen ruhig.

„Das ist eine Tatsache.“

Featherstone hob leicht die Schultern.

„Su hörst eben nur das, was du hören willst.“

„Ich habe jedes Wort gehört.“

„Dann weißt du auch, dass Miss Granger mich provoziert hat.“

„Nein.“

Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Du versuchst lediglich, dich herauszureden.“

Für einen Moment herrschte Stille. Dann veränderte sich Featherstones Gesichtsausdruck. Das höfliche Lächeln verschwand. Ebenso die Fassade des sachlichen Lehrers. Stattdessen trat unverhohlene Verachtung hervor.

„Weißt du was?“

Er lachte leise.

„Es spielt ohnehin keine Rolle mehr.“

Minerva antwortete nicht.

„Du hast längst verloren.“

Hinter Minerva spürte Hermine, wie sich ihr Magen zusammenzog.

„Verloren?“

Minerva sprach das Wort beinahe emotionslos aus.

„Ja.“

Featherstone sah ihr direkt in die Augen.

„Nicht heute. Nicht wegen der Berichte, sondern in dem Moment…“

Er machte eine kurze Pause.

„…als du dich auf deine Referendarin eingelassen hast.“

Der Klassenraum wurde schlagartig still.

„Du hättest Schulleiterin bleiben sollen.“

Seine Stimme war voller Verachtung.

„Stattdessen hast du zugelassen, dass deine berufliche Urteilsfähigkeit von einer heimlichen Affäre mit einer deutlich jüngeren Mitarbeiterin überschattet wird.“

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Du nennst das Liebe. Von außen wirkt es eher wie Vetternwirtschaft mit romantischem Anstrich.“

Hermine ballte hinter Minerva die Hände zu Fäusten. Featherstone sprach ungerührt weiter.

„Eine Schulleiterin, die ihre Referendarin bevorzugt. Eine Referendarin, die glaubt, sie müsse sich nur eng genug an ihre Vorgesetzte binden.“

Er lächelte kalt.

„Ein erbärmliches Schauspiel.“

Minerva reagierte nicht. Nicht einmal ein Zucken ging durch ihr Gesicht. Gerade diese Ruhe ließ Featherstone für einen Augenblick stocken.

„Bist du fertig?“, fragte Minerva schließlich.

„Noch lange nicht.“

„Doch.“

Ihre Stimme war leise.

„Du bist fertig.“

Sie trat einen Schritt näher.

„Du bist mehr als fertig, Edmund.“

Ihre Augen ließen ihn keinen Moment los.

„Du wirst für alles bezahlen.“

Featherstone schnaubte nur.

„Du überschätzt deinen Einfluss.“

Er nickte langsam in Richtung Schulleiterbüro.

„Dein Stuhl wackelt bereits, Minerva. Das Ministerium stellt Fragen, deine Entscheidungen werden überprüft, deine Glaubwürdigkeit bröckelt.“

Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Und sobald du deinen Posten verloren hast…“

Er breitete leicht die Arme aus.

„…beginnt meine Zeit.“

Minerva hielt seinem Blick stand. Keine Spur von Unsicherheit war in ihrem Gesicht zu erkennen. Sie antwortete mit nur vier ruhigen Worten.

„Das werden wir sehen.“

Mehr sagte sie nicht. Ohne Featherstone noch eines Blickes zu würdigen, trat Minerva einen Schritt zurück.

„Komm, Hermine.“

Es war keine Bitte. Es war eine ruhige Aufforderung. Hermine nickte nur. Sie steckte ihren Zauberstab weg und folgte Minerva wortlos aus dem Klassenzimmer. Erst als sich die Tür hinter ihnen schloss, atmete Hermine wieder richtig.

Der Weg durch die Korridore verlief schweigend. Minerva sagte kein einziges Wort. Ihre Schritte waren ruhig, aber bestimmt. Hermine warf ihr immer wieder kurze Blicke zu. Sie hatte Minerva schon oft entschlossen erlebt. Aber so… Nein. So hatte sie sie noch nie gesehen. Wenige Minuten später erreichten sie das Büro der Schulleiterin.

Kaum war die Tür geschlossen und die Schutzzauber aktiviert, ging Minerva langsam zum Fenster. Sie legte beide Hände auf das Fensterbrett. Für einen Moment blieb sie einfach so stehen. Sie blickte hinaus auf die Ländereien von Hogwarts. Ihr Atem ging noch immer etwas schneller als gewöhnlich. Hermine blieb zunächst an der Tür stehen. Sie wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Langsam trat sie schließlich näher.

„Minerva?“

Keine Antwort. Hermine stellte sich neben sie. Ganz behutsam legte sie eine Hand auf ihren Unterarm. Dann nahm sie Minervas Hand und drehte sie langsam zu sich. Erst jetzt sah sie ihr wieder ins Gesicht. Die Wut war noch da, aber dahinter erkannte Hermine auch etwas anderes:

Sorge, Angst und die Erleichterung, dass ihr nichts passiert war.

Hermine lächelte plötzlich. Ein kleines, warmes Lächeln.

„Ich wusste ja schon immer, dass du durchgreifen kannst…“

Minerva sah sie fragend an.

„…aber das hier war…“

Hermine grinste nun breit.

„…so heiß.“

Minerva blinzelte.

„Was?“

Hermine musste lachen.

„Merlin.“

Sie schüttelte amüsiert den Kopf.

„Du hast eben überhaupt nicht wie eine Schulleiterin geklungen.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ach nein?“

„Nein.“

Hermine trat noch einen kleinen Schritt näher.

„Du warst eine Löwin.“

Für einen Moment starrte Minerva sie einfach an. Dann entwich ihr gegen ihren eigenen Willen ein leises Lachen. Erst ein kurzes. Dann musste sie wirklich schmunzeln.

„Du bist unmöglich.“

„Das sagst du ständig.“

„Weil es stimmt.“

Die letzten Reste der Anspannung lösten sich ein wenig aus Minervas Gesicht. Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Ich kann nicht glauben, dass das dein Kommentar zu dieser Situation ist.“

Hermine legte beide Hände an Minervas Wangen. Ihr Blick wurde wieder ernst.

„Weißt du, was ich eben gesehen habe?“

Minerva schwieg.

„Nicht die Schulleiterin, nicht meine Ausbilderin, sondern die Frau, die sich ohne einen einzigen Moment des Zögerns zwischen mich und einen gezogenen Zauberstab gestellt hat. Was nebenbei gesagt schon ein wenig töricht war.“

Minerva sah ihr ruhig in die Augen.

„Das würde ich jederzeit wieder tun.“

Sie antwortete ohne jede Unsicherheit.

„Niemand…“

Ihre Stimme wurde leiser, aber kein bisschen weniger bestimmt.

„…niemand erhebt seinen Zauberstab gegen die Frau, die ich mehr als alles andere liebe.“

Hermine sah Minerva lange an. Sie wollte etwas sagen. Irgendetwas. Doch sie brachte kein einziges Wort heraus. Stattdessen schlang sie ihre Arme um Minervas Hals und zog sie einfach an sich. Minerva stolperte einen halben Schritt nach vorn.

„Hermine…“

Weiter kam sie nicht. Hermine küsste sie sanft und langsam. Ein Kuss voller Erleichterung. Als sie sich kurz voneinander lösten, sah Hermine ihr nur einen Herzschlag in die Augen. Dann küsste sie sie wieder. Und noch einmal. Minerva erwiderte jeden einzelnen Kuss. Sie legte ihre Arme um Hermines Taille und zog sie enger an sich. Nach dem dritten Kuss musste sie schließlich lächelnd den Kopf ein wenig zurücknehmen.

„Merlin…“

Sie lachte leise und atmete einmal tief durch.

„Du raubst mir noch die Luft.“

Hermine grinste zufrieden.

„Das war der Plan.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Das dachte ich mir beinahe.“

Für einen kurzen Moment lehnte sie einfach ihre Stirn gegen Hermines. Die eben noch so aufgewühlten Gefühle wurden langsam ruhiger. Dann wurde Hermine wieder ernst.

„Was passiert jetzt wohl?“

Ihre Stimme war deutlich leiser.

„Das bleibt doch sicher nicht ohne Folgen.“

Minerva nickte langsam.

„Ganz sicher nicht.“

Sie strich Hermine behutsam über die Wange.

„Ich habe heute nicht nur einen Stein ins Rollen gebracht.“

Sie dachte an Featherstone, Lockwood und auch an Kingsley.

„Ich fürchte…“

Ein müdes Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„…ich habe eine ganze Lawine ausgelöst.“

Hermine schwieg.

„Und jetzt?“

„Jetzt warten wir.“

„Worauf?“

„Auf Kingsley.“

Hermine runzelte verwundert die Stirn.

„Kingsley?“

Minerva nickte.

„Nachdem ich in der Abteilung für Magische Bildung praktisch abgeblockt wurde, bin ich direkt zu ihm gegangen.“

„Du warst beim Zaubereiminister?“

„Ja.“

„Und?“

Minerva erzählte ihr in wenigen Sätzen von der freundlichen Sekretärin, vom Gespräch mit Kingsley und davon, dass er die gesamte Angelegenheit persönlich prüfen wollte. Hermine hörte aufmerksam zu.

„Er glaubt also, dass etwas nicht stimmt?“

„Ja und er wird der Sache nachgehen.“

Hermine atmete langsam aus.

„Dann haben wir wenigstens noch eine Chance.“

„Mehr können wir im Moment nicht tun.“

Für einen Augenblick schwiegen beide. Dann legte Hermine ihren Kopf an Minervas Schulter. Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Tja…“

Sie zuckte leicht mit den Schultern.

„Dann gehen wir entweder gemeinsam unter oder wir stehen gemeinsam auf.“

Minerva hob sofort den Kopf.

„Hermine.“

Die junge Hexe sah zu ihr auf.

„Hauptsache…“

Sie lächelte warm.

„…du bleibst bei mir.“

Minerva antwortete ohne Zögern und ohne jeden Zweifel.

„Immer.“

Das einzelne Wort war leise und doch hatte Hermine selten etwas gehört, das ihr mehr Sicherheit gegeben hatte. Sie lächelte.

„Das wollte ich hören.“

Minerva küsste sie noch einmal sanft auf die Stirn.

„Und jetzt kämpfen wir.“

„Gemeinsam?“

Minerva nickte.

„Wie immer.“

„Wie immer“, wiederholte Hermine leise und schmiegte sich noch einen Moment an die Frau, von der sie wusste, dass sie sie niemals freiwillig loslassen würde.