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Die 1. Prüfung

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Die 1. Prüfung

Am nächsten Morgen war Hermine viel zu früh wach. Das Schlafzimmer lag noch im Halbdunkel. Durch einen schmalen Spalt zwischen den Vorhängen fiel das erste blasse Licht des Morgens, doch neben ihr schlief Minerva noch tief und fest. Hermine lag auf dem Rücken und starrte an die Decke.

Heute. Heute war es tatsächlich so weit. Der 28. Juni. Ihre erste Abschlussprüfung. Zaubertränke.

Allein der Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen. Lehrprobe. Fachgespräch. Beurteilung.

Sie kannte ihren Unterrichtsplan beinahe auswendig. Sie hatte ihn mit Horace durchgesprochen, wieder und wieder überarbeitet und jede mögliche Schwierigkeit bedacht. Eigentlich war sie vorbereitet. Sehr gut sogar. Das wusste sie. Nur leider interessierte sich ihr Kopf gerade überhaupt nicht für diese Tatsache.

'Was, wenn ich einen Schritt vergesse?'

Hermine schluckte.

'Was, wenn ein Schüler die falsche Zutat nimmt und ich es nicht rechtzeitig bemerke?'

Sie drehte sich auf die Seite.

'Was, wenn ein Kessel überkocht?'

Sie drehte sich noch einmal herum.

'Was, wenn ich beim Fachgespräch plötzlich überhaupt nichts mehr weiß?'

Hermine schloss die Augen.

„Merlin…“

Ganz leise, damit Minerva nicht aufwachte.

'Was, wenn…'

Plötzlich legte sich ein Arm um ihre Taille. Bevor Hermine überhaupt reagieren konnte, wurde sie rückwärts gezogen. Direkt gegen Minervas warmen Körper.

„Mhm…“

Minervas verschlafene Stimme erklang unmittelbar hinter ihr.

„Es ist viel zu früh, um sich schon so viele Sorgen zu machen.“

Hermine blinzelte.

„Ich dachte du schläfst noch.“

„Habe ich.“

Minerva zog sie noch etwas näher.

„Bis jemand neben mir angefangen hat, sich im Bett herumzuwälzen wie ein Flubberwurm auf Abwegen.“

Trotz ihrer Nervosität musste Hermine lachen.

„Tut mir leid. Ich habe versucht, leise zu sein.“

„Das Herumwälzen war leise.“

Minerva öffnete noch immer nicht die Augen.

„Dein Seufzen allerdings nicht.“

„Entschuldigung.“

„Komm her.“

Hermine drehte sich in ihren Armen um. Minerva lag mit zerzausten Haaren vor ihr und sah eindeutig so aus, als würde sie am liebsten noch mindestens eine Stunde schlafen. Hermine kuschelte sich trotzdem sofort an sie. Sie schob einen Arm um Minervas Taille und versteckte das Gesicht an ihrer Schulter.

„Ich bin so nervös.“

Jetzt öffnete Minerva langsam die Augen.

„Ich weiß.“

Ihre Stimme wurde sanfter.

„Ich habe Angst, dass ich irgendetwas vergesse.“

Minerva strich langsam über Hermines Rücken.

„Wirst du nicht.“

„Das kannst du nicht wissen.“

„Doch.“

„Minerva.“

„Hermine.“

Dieser ruhige Ton brachte Hermine beinahe zum Lächeln.

„Bei Zaubertränken kann so viel schiefgehen“, murmelte sie. „Eine falsche Zutat, eine falsche Temperatur, irgendein Schüler rührt dreimal gegen den Uhrzeigersinn statt zweimal und plötzlich fliegt mir während meiner Lehrprobe ein Kessel um die Ohren.“

„Dann verhinderst du, dass jemand verletzt wird, löst das Problem und führst deinen Unterricht weiter.“

Hermine hob den Kopf.

„Das sagst du so einfach.“

„Weil es so einfach ist.“

„Für dich vielleicht.“

Minerva lächelte verschlafen.

„Nein. Für dich.“

Ihre Fingerspitzen glitten beruhigend durch Hermines Locken.

„Du hast schon wesentlich schwierigere Situationen im Unterricht bewältigt.“

Hermine schwieg.

„Und du musst heute nicht beweisen, dass du niemals einen Fehler machst.“

Minerva strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn.

„Du musst zeigen, dass du unterrichten kannst.“

„Und wenn ich einen Fehler mache?“

„Dann korrigierst du ihn.“

„Und wenn ein Schüler einen Fehler macht?“

„Dann hilfst du ihm.“

„Und wenn etwas vollkommen schiefgeht?“

Minerva lächelte.

„Dann bist du Hermine Granger und findest eine Lösung.“

Hermine sah sie einen Moment an.

„Das klingt verdächtig optimistisch.“

„Ich bin deine Partnerin. Ich darf optimistisch sein.“

Ein kurzer Kuss landete auf Hermines Stirn.

„Und als deine Kollegin sage ich dir genau dasselbe.“

Noch ein Kuss. Diesmal auf ihre Wange.

„Du bist vorbereitet.“

Minervas Hand glitt wieder langsam über ihren Rücken.

„Du kennst dein Fach.“

Ihre Finger wanderten sanft durch Hermines Haar.

„Du kannst mit den Schülern umgehen.“

Hermine schloss langsam die Augen.

„Und Horace würde dich niemals zu dieser Prüfung schicken, wenn er nicht vollkommen davon überzeugt wäre, dass du bereit bist.“

Das stimmte. Hermine wusste es. Sie atmete tief ein und wieder aus. Minerva bemerkte sofort, wie die Anspannung in ihrem Körper langsam nachließ.

„Besser?“

„Ein bisschen.“

„Nur ein bisschen?“

Hermine kuschelte sich noch enger an sie.

„Sehr viel besser.“

„Das klingt schon vernünftiger.“

Minerva zog die Decke höher und legte beide Arme um sie. Hermine ließ sich bereitwillig halten. In diesen wenigen Minuten gab es keine Prüfungen, keine Kessel und keine Prüfer. Es gab nur Minervas warme Arme, ihre ruhigen Berührungen und die vertraute Gewissheit, dass sie nicht allein war.

Minerva strich ihr weiter zärtlich durchs Haar, bis Hermines Herz endlich ein wenig langsamer schlug und irgendwann lag sogar wieder ein kleines Lächeln auf Hermines Lippen.

Schlafen konnte Hermine trotzdem nicht mehr. Sie lag noch einige Minuten ruhig in Minervas Armen, doch ihre Gedanken waren längst wieder am Rotieren.

„Ich könnte noch einmal meine Unterlagen durchgehen.“

Minervas Griff um ihre Taille wurde augenblicklich fester.

„Auf gar keinen Fall.“

Hermine hob den Kopf.

„Nur ganz kurz.“

„Nein.“

„Vielleicht zehn Minuten?“

„Hermine.“

Minerva sah sie streng an.

„Du hast gestern alles durchgesehen. Bestimmt zwanzig Mal.“

„Dreimal.“

„Das macht es nicht besser.“

Hermine musste lachen.

„Und was soll ich deiner Meinung nach stattdessen tun?“

„Hierbleiben.“

Minerva zog sie demonstrativ näher. Hermine kuschelte sich bereitwillig enger an sie.

„Das ist dein pädagogischer Rat als erfahrene Schulleiterin?“

„Absolut.“

„Sehr professionell.“

„Ich bin bekannt für meine ausgezeichneten Methoden“, meinte Minerva.

Hermine wollte gerade etwas erwidern, als Minerva sie zärtlich küsste. Nur kurz zunächst. Dann noch einmal. Minervas Lippen wanderten sanft an Hermines Hals und Hermine schloss für einen Moment genießerisch die Augen.

„Mhm.“

Ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

„Das ist allerdings ein wirklich überzeugendes Argument dafür, noch ein bisschen im Bett zu bleiben.“

Minerva lächelte.

„Endlich zeigst du dich vernünftig“, grinste Minerva gegen Hermines Lippen.

„Ich? Vernünftig?“

„Gelegentlich.“

„Unverschämtheit.“

Hermine richtete sich ein wenig auf. Dann beugte sie sich über Minerva.

„Das nehme ich jetzt persönlich.“

„Oh, sollte ich mir Sorgen machen?“

„Unbedingt.“

Hermine küsste sie. Einmal. Dann noch einmal. Und ein drittes Mal, bevor Minerva überhaupt die Gelegenheit bekam, etwas zu sagen. Minerva lachte leise gegen ihre Lippen.

„Du wolltest gerade noch lernen.“

„Ich habe meine Prioritäten überdacht“, sagte Hermine grinsend.

„Innerhalb von ungefähr dreißig Sekunden.“

„Ich bin eben flexibel.“

Wieder küsste sie Minerva. Zärtlich und verspielt. Minervas Hände glitten langsam über Hermines Rücken und blieben schließlich an ihrer Taille liegen. Mit einer sanften Bewegung zog sie Hermine näher.

„Komm her.“

„Ich bin doch schon da.“

„Noch nicht nah genug.“

Hermine grinste. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Sie rückte noch näher, bis kaum noch Abstand zwischen ihnen blieb und küsste Minerva erneut. Für ein paar Minuten war die bevorstehende Prüfung tatsächlich vollkommen vergessen. Keine Unterrichtsplanung, keine Nervosität. Nur Minerva. Hermine richtete sich schließlich auf und setzte sich auf Minerva. Ihre Locken fielen ihr etwas zerzaust über die Schultern. Minerva sah zu ihr auf und musste bei ihrem zufriedenen Gesichtsausdruck lachen. Hermine legte die Hände locker auf Minervas Schultern.

„Also…“

Sie grinste breit und strich sanft am Ausschnitt von Minervas Nachthemd entlang.

„Der Tag startet ja schon mal wunderbar.“

Eine ganze Weile später war von der entspannten Stimmung des frühen Morgens nicht mehr viel übrig. Hermine saß am Lehrertisch in der Großen Halle und starrte auf ihren Teller. Vor ihr lagen Toast, etwas Rührei und ein paar gebratene Tomaten. Eigentlich mochte sie das alles. Heute allerdings schien ihr Magen beschlossen zu haben, dass Nahrung vollkommen überbewertet war. Sie schob ein Stück Rührei von der einen Seite des Tellers auf die andere. Dann wieder zurück. Poppy beobachtete das eine Weile.

„Hermine.“

„Hm?“

„Das Essen wird nicht weniger, wenn du es nur herumschiebst.“

Hermine sah auf ihren Teller.

„Ich weiß.“

„Dann iss.“

„Ich versuche es.“

Pomona, die auf der anderen Seite saß, musste schmunzeln.

„Du siehst aus, als würdest du gleich vor den gesamten Zaubergamot treten.“

„Das würde mich wahrscheinlich weniger nervös machen.“

„Unsinn.“

Horace meldete sich sofort zu Wort.

„Du hast überhaupt keinen Grund, so nervös zu sein.“

Hermine sah ihn an.

„Horace, in weniger als zwei Stunden sitzen mehrere Prüfer in meinem Unterricht.“

„Ja.“

Horace nahm vollkommen entspannt einen Schluck Kaffee.

„Und?“

„Und?“

Hermine starrte ihn an.

„Sie beobachten alles.“

„Natürlich.“

„Jede Erklärung, jede Entscheidung…“

„Davon gehe ich aus.“

„Jeden Fehler.“

Horace stellte seine Tasse ab.

„Hermine.“

Seine Stimme wurde etwas ernster.

„Hören Sie mir jetzt einmal gut zu.“

Hermine legte ihre Gabel hin.

„Du hast in den vergangenen Monaten hervorragenden Unterricht gehalten, du bist vorbereitet, kennst deinen Unterrichtsplan, du kennst deine Klasse und du bist mehr als begabt in Zaubertränke.“

Ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Wahrscheinlich besser als so mancher vollständig ausgebildete Lehrer.“

„Horace“, warf Filius amüsiert ein.

„Was denn? Es stimmt.“

Hermine musste trotz allem leicht lächeln.

„Da.“

Horace zeigte zufrieden auf sie.

„Genau dieses Gesicht möchte ich heute sehen.“

„Welches?“

„Das einer jungen Frau, die weiß, was sie kann.“

Hermine seufzte.

„Ich versuche es.“

„Nicht versuchen.“

Horace schüttelte den Kopf.

„Unterrichten. Genau das tust du heute.“

Poppy schob Hermines Teller demonstrativ ein Stück näher zu ihr.

„Und vorher isst du etwas.“

Hermine verdrehte lächelnd die Augen.

„Ja, Poppy.“

Sie nahm tatsächlich einen kleinen Bissen.

„Siehst du.“

Pomona grinste.

„Der erste Erfolg des Tages.“

Hermine schüttelte lachend den Kopf. Die Gespräche um sie herum halfen. Ein wenig zumindest. Ihre Kollegen glaubten an sie, Horace glaubte an sie und irgendwo zwischen all den aufmunternden Worten begann Hermine wieder zu spüren, dass sie vielleicht tatsächlich vorbereitet war. Dann hob sie den Blick. In der Mitte des Lehrertisches saß Minerva. Ihre Augen trafen sich. Minerva sagte nichts. Das konnte sie hier nicht. Stattdessen schenkte sie Hermine nur ein kleines, warmes Lächeln. Kein professionelles Nicken der Schulleiterin, kein prüfender Blick ihrer Mentorin. Für Hermine war sofort erkennbar, wem dieses Lächeln gehörte. Nur ihr und plötzlich wurde es etwas ruhiger in ihrer Brust. Hermine erwiderte das Lächeln ebenso unauffällig. Minerva hob kaum merklich ihre Teetasse, als wollte sie ihr wortlos sagen:

'Du schaffst das.'

Hermine atmete tief ein. Dann wieder aus. Ihr Herz schlug noch immer viel zu schnell, aber nicht mehr ganz so wild. Von all den aufmunternden Worten an diesem Morgen war es ausgerechnet dieses eine liebevolle Lächeln, das ihr am meisten half, denn wenn Minerva sie so ansah, konnte Hermine für einen kleinen Moment selbst daran glauben, dass heute tatsächlich alles gut werden würde.

Dann war es so weit. Hermine stand allein im Klassenzimmer für Zaubertränke. Noch war es vollkommen still. Die Kessel standen ordentlich auf den Arbeitsplätzen, sämtliche Zutaten waren vorbereitet und an der Tafel hatte Hermine bereits die wichtigsten Stichpunkte für die heutige Stunde notiert. Sie ging noch einmal durch die Reihen, kontrollierte einen Kessel, dann einen zweiten. Sie rückte ein Glas mit getrockneten Baldrianwurzeln um wenige Zentimeter nach rechts, blieb stehen, sah es an und schob es wieder zurück.

„Hermine.“

Sie fuhr herum. Minerva stand in der Tür.

„Merlin.“

Hermine legte eine Hand auf ihre Brust.

„Erschreck mich doch nicht so.“

„Entschuldige.“

Minerva schloss die Tür hinter sich und kam näher. Ihr Blick wanderte durch den Raum.

„Du hast alles vorbereitet.“

„Ich glaube schon.“

„Du glaubst?“

Hermine verzog das Gesicht.

„Ja, gut. Ich habe alles vorbereitet.“

„Besser.“

Minerva blieb vor ihr stehen. Sofort erkannte sie die Nervosität in Hermines Augen.

„Hey.“

Ihre Stimme wurde leiser. Hermine sah sie an.

„Du kannst das.“

„Das hast du heute schon gesagt.“

„Und ich werde es so oft wiederholen, bis du mir endlich glaubst.“

Hermine lächelte schwach.

„Das könnte dauern.“

„So viel Zeit haben wir nicht mehr, mein Schatz.“

Minerva hob eine Hand und strich Hermine liebevoll über die Wange. Für diesen kurzen Moment waren sie nicht Mentorin und Referendarin, nicht Schulleiterin und zukünftige Lehrerin, sondern nur Minerva und Hermine.

„Du musst heute niemandem beweisen, dass du perfekt bist“, sagte Minerva leise. „Sei einfach die Lehrerin, die du jeden Tag bist.“

Hermine atmete tief durch.

„Und wenn etwas schiefgeht?“

„Dann reagierst du darauf.“

Minerva lächelte.

„Genau das wollen die Prüfer sehen.“

Hermine nickte langsam. Minervas Daumen strich noch einmal über ihre Wange. Dann beugte sie sich vor und gab Hermine einen kurzen, zärtlichen Kuss. Nur wenige Sekunden, doch sie genügten. Als Minerva sich zurückzog, lag tatsächlich ein kleines Lächeln auf Hermines Lippen.

„Besser?“

„Ein bisschen.“

„Das nehme ich.“

Hermine wollte gerade noch etwas sagen, als Schritte auf dem Korridor zu hören waren. Sofort trat Minerva einen Schritt zurück. Ihre Haltung veränderte sich beinahe augenblicklich. Hermine musste darüber fast lächeln. Sekunden später öffnete sich die Tür. Horace Slughorn trat herein.

„Da wären wir!“

Hinter ihm kamen zwei Personen in den Raum. Hermine spürte sofort, wie ihre Nervosität zurückkehrte. Die erste war eine Hexe, vielleicht Anfang vierzig, mit dunkelblondem Haar, das sie zu einem lockeren Knoten hochgesteckt hatte. Ihre Gesichtszüge wirkten freundlich und offen. Neben ihr ging ein deutlich älterer Zauberer. Er musste mindestens Mitte sechzig sein. Sein graues Haar war streng zurückgekämmt, sein dunkler Umhang vollkommen faltenfrei und sein Gesichtsausdruck ließ vermuten, dass er seit mindestens zwanzig Jahren nichts mehr wirklich lustig gefunden hatte. Hermine schluckte.

'Natürlich. Natürlich bekomme ich so einen Prüfer.'

Minerva dagegen lächelte höflich.

„Professor Marchbanks.“

Die Frau erwiderte das Lächeln.

„Professor McGonagall.“

Minerva wandte sich dem Mann zu.

„Professor Flint.“

„Professor McGonagall.“

Flint nickte knapp. Seine Stimme passte hervorragend zu seinem Gesichtsausdruck - tief, ruhig und streng. Minerva schien sich davon überhaupt nicht beeindrucken zu lassen.

„Es ist einige Zeit her.“

„In der Tat.“

Everard Flints Blick wanderte bereits prüfend durch den Klassenraum. Hermine hatte das Gefühl, dass er gerade sogar die Position der Zutaten bewertete. Horace trat neben sie.

„Hermine.“

Er lächelte ihr aufmunternd zu.

„Darf ich vorstellen? Professor Helena Marchbanks und Professor Everard Flint von der Prüfungskommission für magische Bildung.“

Hermine richtete sich auf. Minerva übernahm.

„Professor Marchbanks, Professor Flint – Miss Hermine Granger. Unsere Referendarin für Zaubertränke und Verwandlung.“

Helena Marchbanks reichte Hermine freundlich die Hand.

„Freut mich sehr, Miss Granger.“

„Mich ebenfalls.“

„Nervös?“

Hermine entschied sich für Ehrlichkeit.

„Sehr.“

Helena lächelte.

„Das wäre ich an Ihrer Stelle auch.“

Das half tatsächlich ein wenig. Dann wandte Hermine sich Flint zu. Er reichte ihr ebenfalls die Hand. Sein Händedruck war fest.

„Miss Granger.“

„Professor Flint.“

Er betrachtete sie einen Augenblick.

„Wir erwarten keinen perfekten Unterricht.“

Hermine war überrascht. Das hatte sie von ihm nicht erwartet.

„Wir erwarten, dass Sie zeigen, wie Sie unter realen Bedingungen unterrichten.“

„Verstanden.“

Flint nickte. Mehr sagte er nicht. Dann waren Stimmen auf dem Korridor zu hören. Hermine sah zur Tür. Ihre Klasse.

'Jetzt geht es wirklich los.'

Horace bemerkte ihren Gesichtsausdruck. Er trat kurz näher.

„Sie schaffen das.“

Helena Marchbanks lächelte ihr ebenfalls zu.

„Viel Erfolg, Miss Granger.“

Flint nickte knapp.

„Viel Erfolg.“

Minerva blieb als Letzte stehen. Für alle anderen wirkte ihr Blick vollkommen professionell. Hermine erkannte trotzdem das liebevolle Funkeln darin.

„Viel Erfolg, Hermine.“

„Danke.“

Minerva hielt ihren Blick noch einen Herzschlag länger. Dann gingen die vier Erwachsenen gemeinsam in die letzte Reihe. Marchbanks und Flint nahmen ihre Pergamente heraus, Horace setzte sich daneben und Minerva nahm ganz außen Platz. In diesem Moment öffnete sich die Tür. Die ersten Schülerinnen und Schüler betraten den Raum. Hermine atmete tief ein. Ihre erste Abschlussprüfung hatte begonnen.

Als der letzte Schüler seinen Platz eingenommen hatte, schloss sich die Tür. Hermine stand vorne am Lehrerpult. Für einen Moment nahm sie alles gleichzeitig wahr - Die erwartungsvollen Gesichter ihrer Schülerinnen und Schüler, die vorbereiteten Zutaten, die Kessel und natürlich die vier Personen in der letzten Reihe.

Horace, Minerva, Professor Marchbanks und Professor Flint. Hermine schluckte. Dann setzte sie ein ruhiges Lächeln auf.

„Guten Morgen.“

„Guten Morgen, Professor Granger“, antwortete die Klasse beinahe geschlossen.

„Wie ihr bereits wisst, haben wir heute Besuch.“

Einige Köpfe drehten sich sofort nach hinten.

„Und bevor ihr euch jetzt mehr für unsere Gäste interessiert als für euren eigenen Kessel…“

Ein paar Schüler grinsten.

„…fangen wir lieber an.“

Hermine drehte sich zur Tafel.

„Heute beschäftigen wir uns mit der korrekten Herstellung und Stabilisierung eines Beruhigungstranks.“

Sie begann zu erklären. Die ersten Minuten liefen… nicht schlecht, aber auch nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Hermine sprach zu schnell. Viel zu schnell. Sie erklärte die Wirkung der ersten Zutaten, wechselte beinahe ohne Pause zur notwendigen Temperatur des Kessels und war gedanklich bereits beim nächsten Schritt, während einige Schüler noch versuchten, ihre Notizen zu vervollständigen.

„Anschließend gebt ihr die gemahlenen Mondsteine hinzu, allerdings erst nachdem…“

Sie bemerkte, dass mehrere Schüler hektisch schrieben. Ein Mädchen sah verwirrt zwischen Pergament und Tafel hin und her. Zu schnell. Hermine spürte sofort, wie ihr Herz wieder schneller schlug.

'Verdammt. Jetzt bloß nicht nervös werden.'

Unwillkürlich wanderte ihr Blick in die letzte Reihe. Professor Flint schrieb etwas, Marchbanks ebenfalls, Horace beobachtete sie ruhig und Minerva… Minerva sah sie einfach nur an. Kein Stirnrunzeln, keine erkennbare Kritik, nur dieser ruhige, vertraute Blick. Hermine kannte ihn.

'Langsam. Atmen. Du kannst das.'

Hermine holte unauffällig Luft. Dann lächelte sie.

„Gut.“

Sie legte ihre Notizen zur Seite.

„Ich glaube, ich war gerade etwas schneller als eure Federn.“

Einige Schüler lachten erleichtert.

„Gehen wir den Schritt noch einmal gemeinsam durch.“

Und plötzlich änderte sich alles. Hermine verlangsamte ihr Tempo. Sie stellte Fragen, ließ die Schülerinnen und Schüler selbst erklären, weshalb die Temperatur vor Zugabe der Mondsteine reduziert werden musste. Sie wartete, hörte zu, verbesserte und irgendwann vergaß sie die letzte Reihe. Sie dachte nicht mehr daran, dass Professor Flint jedes Wort notierte. Sie dachte nicht mehr an Marchbanks. Sie unterrichtete einfach.

„Nicht zu viel.“

Hermine blieb neben einem Kessel stehen. Ein Schüler hielt gerade einen Löffel mit einer deutlich zu großen Menge Pulver darüber.

„Aber im Buch steht ein voller Löffel.“

„Ein gestrichener Löffel.“

Hermine nahm vorsichtig etwas Pulver herunter.

„Wenn du das alles hineingibst, verbringen wir den Rest der Stunde vermutlich damit, deinen Kessel von der Decke zu kratzen.“

Die Schüler am Tisch lachten.

„Also lieber nicht.“

„Eine ausgezeichnete Entscheidung.“

Sie ging weiter. Am nächsten Tisch hatte der Trank eine deutlich zu dunkle Farbe. Hermine beugte sich darüber.

„Was habt ihr zuletzt hinzugegeben?“

Die Schülerin erklärte es ihr. Hermine stellte zwei kurze Fragen. Dann erkannte das Mädchen den Fehler selbst.

„Genau.“

Hermine lächelte.

„Und jetzt überleg, wie du ihn korrigieren kannst.“

Sie gab nicht sofort die Lösung vor. Sie ließ die Schülerin nachdenken. Einige Minuten später wurde es im Raum zunehmend lauter.

Die Tränke näherten sich der entscheidenden Phase und mehrere Gruppen begannen gleichzeitig miteinander zu diskutieren. Ein Junge am hinteren Tisch rief quer durch den Raum:

„Kann mir jemand die Baldrianwurzel geben?“

„Nicht werfen!“, rief Hermine sofort, als sein Sitznachbar bereits danach griff.

Zu spät. Das kleine Glas flog durch die Luft. Hermine fing es mit einem schnellen Zauber ab. Die Klasse lachte. Hermine stellte das Glas langsam auf den nächsten Tisch. Dann verschränkte sie die Arme.

„So.“

Es wurde etwas ruhiger. Hermine hob eine Augenbraue. Erstaunlicherweise erinnerte diese Bewegung inzwischen ein wenig an Minerva.

„Wir brauen einen Beruhigungstrank.“

Noch leiser.

„Die Ironie, dass ausgerechnet dabei das gesamte Klassenzimmer außer Kontrolle gerät, ist mir durchaus bewusst.“

Einige Schüler kicherten.

„Trotzdem würde ich es begrüßen, wenn wir den Rest der Stunde überleben.“

Jetzt wurde es tatsächlich still.

„Danke.“

Hermine setzte ihren Rundgang fort. In der letzten Reihe musste Horace ein Lächeln unterdrücken. Minerva tat nicht einmal den Versuch.

Die Zeit verging plötzlich viel zu schnell. Hermine war gerade bei der letzten Gruppe angekommen, als sie auf die Uhr sah. Noch zehn Minuten. Was? Sie hätte schwören können, dass gerade erst die Hälfte der Stunde vorbei war.

„Gut, beendet bitte den aktuellen Schritt.“

Sie ging zurück nach vorne.

„Dann vergleichen wir zum Abschluss kurz eure Ergebnisse.“

Gemeinsam besprachen sie Farbe, Konsistenz und Wirkung der fertigen Tränke. Hermine stellte noch zwei Fragen. Mehrere Hände gingen nach oben. Sie nahm drei Schüler dran. Dann lächelte sie.

„Sehr gut.“

Sie blickte auf die Uhr.

„Damit sind wir für heute fertig.“

Fast gleichzeitig begannen Bücher zuzuklappen.

„Und bitte denkt daran: Beim nächsten Mal möchte ich eine kurze Erklärung dazu, warum die Mondsteine erst nach der Temperaturabsenkung hinzugegeben werden.“

Ein kollektives Stöhnen. Hermine grinste.

„Ich freue mich auch.“

Einige Schüler lachten.

„Ihr könnt gehen.“

Die Klasse begann zusammenzupacken. Mehrere Schülerinnen und Schüler warfen Hermine beim Hinausgehen aufmunternde Blicke zu. Dann fiel die Tür hinter dem letzten Schüler ins Schloss und schlagartig war die Nervosität wieder da. Hermine drehte sich zur letzten Reihe. Professor Marchbanks sammelte ihre Notizen zusammen, Professor Flint legte seine Feder ab, Horace und Minerva standen auf. Keiner sagte etwas über die Stunde. Hermine wartete. Marchbanks lächelte lediglich höflich.

„Miss Granger, wir würden uns gern kurz beraten.“

„Natürlich.“

„Nehmen Sie sich bitte ein paar Minuten.“

Hermine nickte. Sie sammelte ihre Unterlagen ein und ging zur Tür. Kurz bevor sie hinausging, sah sie Minerva an, doch selbst Minerva verriet ihr nichts. Nur ein kaum merkliches Lächeln. Dann schloss Hermine die Tür hinter sich.

Im Korridor war es ruhig. Hermine ging einige Schritte. Dann blieb sie an einem der hohen Fenster stehen. Sie legte ihre Unterlagen auf die Fensterbank und atmete tief durch.

'Es ist vorbei. Zumindest der erste Teil.'

Sie schloss kurz die Augen. Natürlich begann ihr Kopf sofort mit der Analyse.

'Am Anfang warst du viel zu schnell. Das haben sie garantiert aufgeschrieben und das Glas mit der Baldrianwurzel…'

Hermine öffnete die Augen.

„Nein.“

Sie sagte es leise zu sich selbst.

„Nicht jetzt.“

Sie hatte die Situation aufgefangen. Sie hatte das Tempo korrigiert. Die Schüler hatten gearbeitet. Niemand war verletzt worden. Kein Kessel war explodiert. Das musste doch etwas wert sein.

Hermine stützte beide Hände auf die Fensterbank und blickte hinaus auf die Ländereien. Hinter der geschlossenen Tür berieten gerade vier Menschen über ihre Leistung und sie konnte nichts tun. Also atmete sie noch einmal tief durch und versuchte mit aller Kraft, sich nicht selbst verrückt zu machen.

Hermine wusste nicht, wie lange sie bereits am Fenster stand. Vielleicht fünf Minuten. Vielleicht zehn. Es fühlte sich eher wie eine Stunde an. Dann öffnete sich hinter ihr endlich die Tür.

„Hermine?“

Hermine fuhr herum. Horace stand im Türrahmen. Sein Gesicht verriet ihr nichts, was vermutlich Absicht war.

„Wir wären so weit.“

Hermine schluckte.

„Gut.“

Horace trat einen Schritt zur Seite und ließ sie eintreten. Als Hermine wieder ins Klassenzimmer kam, hatte sich die Sitzordnung verändert.

Professor Flint und Professor Marchbanks saßen nun an einem Tisch. Minerva und Horace etwas seitlich daneben. Ihnen gegenüber stand ein einzelner Stuhl. Hermine sah ihn an.

'Natürlich.'

Sie setzte sich. Ihre Hände legte sie ordentlich auf ihren Schoß, damit niemand bemerkte, wie nervös sie war. Professor Flint sah auf seine Notizen. Dann zu Hermine.

„Miss Granger, beginnen wir nun mit dem Fachgespräch.“

Hermine nickte. Flint nahm seine Brille ab.

„Sie haben während Ihrer Lehrprobe einen Beruhigungstrank gewählt.“

„Ja.“

„Erklären Sie mir zunächst, weshalb die Reihenfolge der Zutaten bei diesem Trank von besonderer Bedeutung ist.“

Hermine öffnete den Mund und plötzlich war ihr Kopf leer. Nur für zwei Sekunden, aber für Hermine fühlten sie sich endlos an.

'Du weißt das.'

Sie atmete ein.

„Die Reihenfolge beeinflusst sowohl die magische Bindung der Bestandteile als auch die Stabilität des Tranks.“

Flint sagte nichts. Hermine sprach weiter.

„Insbesondere die gemahlenen Mondsteine dürfen erst hinzugegeben werden, nachdem die Temperatur abgesenkt wurde, da sie andernfalls zu schnell mit den bereits aktivierten Bestandteilen reagieren.“

„Welche Folge hätte das?“

„Im besten Fall verliert der Trank einen Teil seiner Wirkung.“

Sie überlegte kurz.

„Bei einer größeren Menge kann die Reaktion allerdings instabil werden. Der Trank verdickt sich zunächst und kann anschließend überkochen.“

Flint nickte knapp.

„Gut.“

Hermine atmete unmerklich aus. Die nächste Frage folgte sofort.

„Welche Alternative hätten Sie, wenn Ihnen keine Baldrianwurzel zur Verfügung stünde?“

Hermine dachte nach. Diesmal nur kurz. Dann antwortete sie. Flint stellte eine weitere Frage und noch eine. Die ersten Minuten waren anstrengend. Hermine musste sich zwingen, nicht zu schnell zu antworten. Sie überlegte, ordnete ihre Gedanken, doch mit jeder Frage wurde sie sicherer. Irgendwann vergaß sie sogar, dass dies eine Prüfung war. Sie sprach über Wechselwirkungen, Temperaturführung, Fehlerkorrekturen und über die unterschiedlichen Auswirkungen kleiner Veränderungen bei der Dosierung. Dann übernahm Helena Marchbanks.

„Miss Granger, ich würde gern noch einmal auf die Unterrichtssituation zurückkommen.“

„Natürlich.“

„Eine Schülerin hatte einen Fehler bei der Zubereitung gemacht.“

Hermine nickte.

„Sie haben ihr nicht unmittelbar gesagt, wie sie diesen korrigieren soll.“

„Nein.“

„Warum nicht?“

Hermine musste darüber nicht lange nachdenken.

„Weil sie das notwendige Wissen bereits hatte.“

Marchbanks hob interessiert die Augenbrauen.

„Erklären Sie das bitte.“

„Wenn ich ihr die Lösung sofort genannt hätte, hätte sie lediglich meine Anweisung ausgeführt.“

Hermine sprach nun deutlich sicherer.

„Durch meine Fragen konnte sie ihren Fehler selbst erkennen.“

„Und was versprechen Sie sich pädagogisch davon?“

„Dass sie beim nächsten Mal nicht nur weiß, was sie anders machen muss, sondern auch warum.“

Marchbanks lächelte leicht.

„Sehr schön.“

Sie blätterte weiter.

„Dann gehen wir noch etwas tiefer.“

Und genau das tat sie. Immer wieder hakte sie nach.

„Warum?“

„Welche Alternative gäbe es?“

„Was wäre bei einer jüngeren Klasse anders?“

„Wie würden Sie reagieren, wenn der Schüler die Ursache nicht selbst erkennt?“

Hermine beantwortete jede Frage. Manchmal brauchte sie einen Moment. Manchmal korrigierte sie ihre erste Formulierung, doch sie wusste die Antworten. Horace saß währenddessen vollkommen still. Nur sein Gesicht verriet ihn. Er war stolz. Sehr sogar. Mehrmals musste er ein zufriedenes Lächeln unterdrücken. Minerva ging es nicht anders. Sie sagte kein Wort. Das durfte und wollte sie auch nicht. Heute waren Flint und Marchbanks für die Fragen zuständig. Minerva beobachtete lediglich und je länger das Fachgespräch dauerte, desto größer wurde der Stolz in ihrem Blick. Das war ihre Hermine. Nicht die nervöse Frau vom Frühstück. Nicht die Referendarin, die Featherstone beinahe dazu gebracht hatte, an sich selbst zu zweifeln, sondern eine kluge, kompetente zukünftige Lehrerin, die genau wusste, wovon sie sprach.

Schließlich legte Flint seine Feder beiseite.

„Danke, Miss Granger.“

Hermine blinzelte. War es vorbei?

„Damit wäre das Fachgespräch abgeschlossen.“

Sie atmete erleichtert aus. Marchbanks lächelte.

„Wir kommen nun noch zur Reflexion Ihrer Lehrprobe.“

Hermine nickte. Flint verschränkte die Hände.

„Wie beurteilen Sie selbst Ihre heutige Unterrichtsstunde?“

Hermine musste nicht lange überlegen.

„Der Einstieg war nicht gut.“

Horace hob kaum merklich die Augenbrauen. Marchbanks lächelte leicht.

„Das ist deutlich.“

Hermine wurde ein wenig rot.

„Ich war zu schnell. Viel zu schnell.“

Sie zwang sich, ehrlich zu bleiben.

„Ich habe mich zu sehr darauf konzentriert, alle geplanten Inhalte unterzubringen und dabei zunächst nicht ausreichend darauf geachtet, ob die Klasse meinem Tempo folgen kann.“

Flint schrieb etwas auf.

„Wann haben Sie das bemerkt?“

„Als mehrere Schüler mit ihren Notizen nicht mehr hinterherkamen.“

„Und dann?“

„Habe ich das Tempo reduziert und den betreffenden Abschnitt noch einmal gemeinsam mit der Klasse erarbeitet.“

Marchbanks nickte.

„Würden Sie beim nächsten Mal etwas anders machen?“

„Ja. Ich würde von Beginn an mehr Zeit für Rückfragen einplanen und die ersten Erklärungen stärker über Fragen an die Klasse entwickeln.“

Hermine dachte kurz nach.

„Außerdem würde ich den Zeitplan etwas weniger eng gestalten.“

Flint sah sie an.

„Gab es etwas, mit dem Sie zufrieden waren?“

Hermine zögerte. Das fiel ihr offensichtlich schwerer. Minerva bemerkte es sofort. Natürlich. Hermine konnte problemlos zehn eigene Fehler aufzählen. Bei den eigenen Stärken wurde sie plötzlich zurückhaltend.

„Ich denke…“

Sie überlegte.

„…dass ich nach dem etwas holprigen Einstieg besser in die Stunde gefunden habe.“

Marchbanks wartete. Hermine sprach weiter.

„Die Arbeitsphase hat meines Erachtens gut funktioniert. Die Schülerinnen und Schüler konnten weitgehend selbstständig arbeiten und bei Schwierigkeiten konnte ich unterstützen, ohne ihnen sofort die Lösung vorzugeben. Auch die Unruhe gegen Ende…“

Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„…habe ich, glaube ich, recht schnell wieder in den Griff bekommen.“

„Das haben Sie“, sagte Marchbanks ruhig.

Hermine sah überrascht zu ihr. Die Prüferin sagte jedoch nichts weiter dazu. Hermine nickte.

„Insgesamt würde ich sagen, dass die Stunde nicht perfekt war.“

Sie lächelte leicht.

„Aber nachdem ich meine anfängliche Nervosität überwunden hatte, war ich mit dem weiteren Verlauf zufrieden.“

Flint machte seine letzte Notiz. Dann legte er die Feder hin.

„Vielen Dank, Miss Granger.“

Hermine wartete.

„Damit ist Ihre Prüfung für den Moment beendet.“

Für den Moment. Diese drei Worte machten sie sofort wieder nervös. Marchbanks sammelte ihre Pergamente zusammen.

„Wir werden uns nun zur abschließenden Beratung zurückziehen.“

„Natürlich.“

„Professor McGonagall und Professor Slughorn werden ebenfalls an der Beurteilung beteiligt.“

Hermine nickte. Sie stand auf.

„Bitte warten Sie wieder draußen.“

„Ja.“

Hermine ging zur Tür. Kurz bevor sie hinausging, musste sie sich beinahe zwingen, nicht zu Minerva zu schauen. Sie tat es trotzdem. Nur ganz kurz. Minervas Gesicht blieb professionell, doch ihre Augen sagten alles.

'Du warst gut.'

Hermine hielt sich an diesem Blick fest. Dann trat sie hinaus. Die Tür schloss sich hinter ihr. Der Korridor war vollkommen leer. Hermine ging wieder zu demselben Fenster. Sie verschränkte die Arme. Dann löste sie sie wieder. Sie lief drei Schritte, blieb stehen und drehte wieder um.

„Merlin.“

Jetzt konnte sie nichts mehr tun. Ihre Leistung war erbracht. Hinter dieser Tür entschieden vier Menschen gerade darüber, wie sie ihre erste Abschlussprüfung bestanden hatte. Hermine stellte sich ans Fenster und atmete tief durch.

Einmal. Zweimal. Dreimal. Es half kaum. Nun blieb ihr nur noch das Warten.

Das Warten war unerträglich. Hermine wusste nicht, wie oft sie inzwischen denselben Abschnitt des Korridors entlanggelaufen war. Sie versuchte zu lauschen. Natürlich hörte sie nichts. Die Tür war verschlossen und vermutlich zusätzlich mit einem Zauber belegt worden, damit genau das nicht möglich war.

„Das ist Folter“, murmelte Hermine.

Was konnte es bitte so lange zu besprechen geben? Je mehr Zeit verging, desto schlimmer wurden ihre Gedanken. Vielleicht war der Einstieg doch stärker gewichtet worden, als sie gehofft hatte. Vielleicht hatte sie im Fachgespräch irgendeinen fachlichen Fehler gemacht, ohne ihn zu bemerken. Vielleicht… Die Tür öffnete sich. Hermine blieb abrupt stehen. Horace sah heraus.

„Hermine.“

Sein Gesicht verriet nichts.

„Du kannst wieder hereinkommen.“

Hermine schluckte.

„Gut.“

Sie betrat das Klassenzimmer. Sofort wanderte ihr Blick zu Minerva. Keine Reaktion. Minerva saß vollkommen aufrecht auf ihrem Platz. Ihr Gesicht war ruhig. Horace setzte sich ebenfalls wieder. Professor Marchbanks ordnete einige Pergamente und Professor Flint… Der sah genauso grimmig aus wie vorher.

'Oh nein.'

Hermine setzte sich langsam auf den Stuhl gegenüber. Niemand lächelte. Nicht einmal Helena Marchbanks. Das konnte doch nichts Gutes bedeuten. Hermine legte ihre Hände auf den Schoß. Professor Flint sah sie lange an. Dann lehnte er sich etwas zurück.

„Miss Granger.“

„Ja?“

„Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“

Hermines Magen zog sich zusammen.

'Merlin.'

Flint schüttelte langsam den Kopf.

„Eine solche Prüfung habe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.“

Hermine wurde blass.

'Das war’s.'

Sie hatte es vermasselt. Vollkommen. Warum hatte Minerva ihr vorher nicht wenigstens irgendein Zeichen gegeben? Warum hatte Horace sie nicht gewarnt? Hermine schluckte schwer.

„Ich verstehe.“

„Nein.“

Flint griff nach einigen Unterlagen.

„Ich glaube, das tun Sie noch nicht.“

Er zog ein Pergament hervor. Dann geschah etwas, womit Hermine überhaupt nicht gerechnet hatte. Der grimmige Ausdruck des älteren Zauberers wurde ein kleines bisschen weicher.

„Herzlichen Glückwunsch, Miss Granger.“

Er reichte ihr das Pergament.

„Sie haben bestanden.“

Hermine starrte ihn an.

„Was?“

Marchbanks konnte ihr Lächeln jetzt nicht länger zurückhalten.

„Sie haben bestanden.“

Hermine nahm das Pergament. Ihre Hände zitterten. Sie überflog die ersten Zeilen.

'Abschlussprüfung Lehrreferendariat – Fach Zaubertränke'

Darunter folgten mehrere Bewertungen.

Lehrprobe. Fachwissen. Didaktik. Klassenführung. Reflexionsfähigkeit. Und ganz unten stand die Gesamtbewertung.

Hermine blinzelte. Dann noch einmal.

'Ohnegleichen.'

Sie sah auf. Dann wieder auf das Pergament.

„Ohnegleichen?“

Flint nickte.

„Ohnegleichen.“

„Aber…“

Hermine sah vollkommen überfordert zwischen den vier Personen hin und her.

„Mein Einstieg war viel zu schnell.“

„Das war er“, sagte Flint trocken.

Hermine blinzelte. Marchbanks lachte leise.

„Miss Granger, eine hervorragende Lehrkraft erkennt einen Fehler und korrigiert ihn. Sie haben innerhalb weniger Minuten bemerkt, dass die Klasse Ihrem Tempo nicht folgen konnte. Sie haben reagiert.“

Flint nickte.

„Danach haben Sie eine außerordentlich starke Lehrprobe gezeigt.“

Er deutete auf das Pergament.

„Ihr Fachgespräch war ebenfalls hervorragend. Sie haben nicht nur Fachwissen reproduziert, sondern Zusammenhänge erklärt, Alternativen abgewogen und Ihre Entscheidungen begründet.“

Hermine wusste überhaupt nicht, was sie sagen sollte.

„Danke.“

Mehr brachte sie nicht hervor. Dann sah sie zu Minerva. Jetzt lächelte Minerva und zwar so stolz, dass Hermine augenblicklich Tränen in die Augen stiegen.

„Herzlichen Glückwunsch, Hermine“, sagte Minerva offiziell, doch Hermine hörte trotzdem alles, was sie hier nicht sagen konnte.

'Ich wusste, dass du es kannst.'

Horace strahlte regelrecht.

„Ausgezeichnet!“

Er klatschte einmal begeistert in die Hände.

„Ich habe es dir doch gesagt!“

Hermine lachte unter Tränen.

„Ja, hast du.“

Helena Marchbanks erhob sich und reichte Hermine die Hand.

„Herzlichen Glückwunsch.“

„Vielen Dank.“

„Sie dürfen wirklich stolz auf sich sein.“

Professor Flint stand ebenfalls auf. Hermine erhob sich schnell. Er reichte ihr die Hand.

„Sehr gute Arbeit, Miss Granger.“

„Vielen Dank, Professor.“

„Wir sehen uns möglicherweise bei Ihrer nächsten Prüfung noch einmal.“

Hermine lächelte nervös.

„Darauf freue ich mich.“

Flint hob eine Augenbraue.

„Das glaube ich Ihnen nicht.“

Hermine musste lachen. Sogar Minerva schmunzelte. Nachdem sämtliche Unterlagen zusammengepackt waren, verabschiedeten sich die beiden Prüfer.

„Ich begleite Sie hinaus“, sagte Minerva.

An der Tür drehte sie sich noch einmal kurz um. Ihr Blick traf Hermine. Dieses Mal konnte sie ihr stolzes Lächeln nicht vollständig verbergen. Dann verließ sie gemeinsam mit den Prüfern das Klassenzimmer. Die Tür fiel ins Schloss. Jetzt waren nur noch Hermine und Horace da. Hermine sah wieder auf das Pergament.

'Ohnegleichen.'

„Ich kann das nicht glauben.“

„Dann lies es noch zehnmal.“

Horace trat neben sie.

„Es wird dasselbe dort stehen.“

Hermine lachte.

„Ohnegleichen.“

„Ja.“

Horace strahlte.

„Und vollkommen verdient.“

Hermine sah ihn an. Sie lächelte.

„Horace.“

Ihre Stimme wurde weicher.

„Danke.“

Er winkte sofort ab.

„Nein, nein.“

„Doch.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Für alles. Dass du mir vertraut hast. Dass du mich hast unterrichten lassen. Dass du mir geholfen hast, wenn ich etwas nicht wusste. Und dass du mir nach diesen ganzen Monaten wieder das Gefühl gegeben hast, dass ich das wirklich kann.“

Horaces Gesicht wurde weich.

„Hermine. Es war mir eine Ehre, dein Mentor zu sein.“

Hermine spürte sofort wieder Tränen in ihren Augen.

„Und ich bin unglaublich stolz auf dich.“

Das war zu viel.

Hermine machte einen Schritt nach vorne und umarmte ihn einfach. Horace war für einen Moment vollkommen überrascht. Dann lachte er herzlich und legte ebenfalls die Arme um sie.

„Na, na.“

Hermine lachte gegen seine Schulter.

„Entschuldigung.“

„Wofür denn?“

Als sie sich wieder lösten, hielt Hermine noch immer ihr Prüfungsergebnis fest in der Hand. Sie sah darauf, dann zu Horace und wieder auf die Bewertung. Die Anspannung der vergangenen Wochen fiel endlich von ihr ab.

Eine Prüfung war geschafft und nicht irgendwie.

Mit Ohnegleichen.

Hermine strahlte.

„Ich habe es wirklich geschafft.“

Horace grinste.

„Das hast du.“

Hermine atmete tief durch. Zum ersten Mal an diesem Morgen fühlte sich dieser Atemzug vollkommen leicht an. Es dauerte nicht lange, bis Hermine eine kurze Nachricht von Minerva erhielt.

'Hermine, ich würde dich gern in meinem Büro sprechen.'

Hermine musste schon beim Lesen lächeln. So förmlich. Als hätte Minerva ihr nicht noch am selben Morgen verschlafen im Bett versichert, dass sie diese Prüfung schaffen würde.

Wenig später klopfte Hermine an die Tür des Schulleiterbüros.

„Herein.“

Sie trat ein. Minerva saß aufrecht hinter ihrem Schreibtisch, die Hände ordentlich auf den Unterlagen - ganz die Schulleiterin.

Hermine schloss die Tür.

„Du wolltest mich sprechen?“

„In der Tat, Miss Granger.“

Hermine musste sich beherrschen, nicht zu grinsen. Sie trat vor den Schreibtisch. Minerva erhob sich.

„Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, Ihnen noch einmal persönlich zur bestandenen Abschlussprüfung im Fach Zaubertränke zu gratulieren.“

Hermine spielte mit.

„Vielen Dank, Professor.“

„Eine Gesamtbewertung mit Ohnegleichen ist eine bemerkenswerte Leistung.“

„Danke.“

Minerva kam um den Schreibtisch herum.

„Professor Slughorn hat mir gegenüber noch einmal ausdrücklich betont, wie zufrieden er mit Ihrer Entwicklung während des Referendariats ist.“

Hermine nickte artig.

„Das freut mich sehr.“

Minerva blieb vor ihr stehen.

„Auch aus Sicht der Schulleitung kann ich Ihnen zu dieser Leistung nur gratulieren.“

„Vielen Dank, Professor McGonagall.“

Einen Moment sahen sie sich ernst an. Dann zuckte es um Hermines Mundwinkel. Minerva hielt noch ungefähr zwei Sekunden durch.

„Oh, komm her.“

Hermine lachte auf. Im nächsten Moment lagen Minervas Arme fest um sie. Hermine schlang ihre eigenen sofort um Minervas Taille und ließ sich eng an sie ziehen.

„Endlich“, murmelte sie.

Minerva lachte leise.

„Die Schulleiterin musste dir nun einmal zuerst offiziell gratulieren.“

„Und jetzt?“

Minerva löste sich gerade weit genug, um sie ansehen zu können. Ihr Gesicht wurde weich.

„Jetzt gratuliert dir die Frau, die dich liebt.“

Hermine lächelte. Minerva strich ihr über die Wange.

„Ich bin so stolz auf dich.“

Hermines Augen wurden sofort feucht.

„Minerva…“

„Nein, lass mich das sagen.“

Minerva nahm ihr Gesicht sanft zwischen beide Hände.

„Nach allem, was in diesem Jahr passiert ist, hättest du jeden Grund gehabt, irgendwann aufzugeben.“

„Du hast an dir gezweifelt. Du wurdest verunsichert. Jemand hat ganz bewusst versucht, dir einzureden, dass du für diesen Beruf nicht geeignet bist.“

Ihre Daumen strichen sanft über Hermines Wangen.

„Und heute hast du bewiesen, dass er mit jedem einzelnen Wort falschlag.“

Hermine schluckte.

„Ich hätte das ohne dich nicht geschafft.“

„Doch.“

Minerva lächelte.

„Vielleicht wäre der Weg anders gewesen, aber geschafft hättest du es. Weil diese Leistung heute ganz allein deine war.“

Dann küsste sie Hermine. Warm. Zärtlich. Voller Stolz.

Hermine schlang die Arme enger um sie und erwiderte den Kuss.

Als sie sich lösten, legte Minerva ihre Stirn gegen Hermines.

„Ohnegleichen“, murmelte sie.

Hermine grinste.

„Gefällt dir das?“

„Sehr.“

„Warte erst Verwandlung ab.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Das klingt plötzlich erstaunlich selbstbewusst.“

„Meine Mentorin hat mir beigebracht, an mich zu glauben.“

„Das muss ja eine kluge Frau sein.“

„Manchmal.“

Minerva kniff ihr gespielt empört leicht in die Seite. Hermine lachte und küsste sie noch einmal.

Die Nachricht verbreitete sich unterdessen schneller im Schloss, als Hermine es für möglich gehalten hätte. Als sie später das Lehrerzimmer betrat, wusste offenbar bereits jeder Bescheid. Pomona kam sofort auf sie zu.

„Ohnegleichen!“

Noch bevor Hermine antworten konnte, wurde sie herzlich umarmt.

„Herzlichen Glückwunsch!“

„Danke.“

Poppy folgte.

„Ich habe dir doch gesagt, du sollst vorher ordentlich frühstücken.“

Hermine lachte.

„Natürlich lag es daran.“

„Selbstverständlich.“

Irina lächelte ihr ebenfalls zu.

„Sehr beeindruckend.“

„Danke.“

„Jetzt glaubst du uns vielleicht endlich, dass du gut bist.“

Hermine verzog das Gesicht.

„Ich arbeite daran.“

„Das genügt fürs Erste.“

Dann kam Neville auf sie zu. Er wirkte gleichzeitig begeistert für Hermine und kreidebleich wegen seiner eigenen bevorstehenden Prüfung.

„Ohnegleichen?“

Hermine grinste.

„Ohnegleichen.“

Neville schüttelte ungläubig den Kopf.

„Hermine, das ist unglaublich.“

Er nahm sie spontan in den Arm.

„Herzlichen Glückwunsch.“

„Danke.“

Als sie sich lösten, betrachtete Hermine ihn genauer.

„Du siehst furchtbar aus.“

„Danke.“

„Du weißt, wie ich das meine.“

Neville seufzte.

„Meine Prüfung ist bald.“

„Und du schaffst sie.“

„Das hast du heute Morgen über deine eigene bestimmt auch gesagt.“

„Nein.“

Hermine grinste.

„Heute Morgen war ich überzeugt, dass ich innerhalb der ersten zehn Minuten einen Kessel explodieren lasse.“

Neville lachte.

„Das beruhigt mich tatsächlich.“

Hermine legte ihm eine Hand auf den Arm.

„Du kannst das, Neville.“

„Pomona würde dich nicht zur Prüfung schicken, wenn du nicht bereit wärst.“

Neville nickte langsam.

„Danke.“

„Und morgen gratuliere ich dir.“

„Hoffentlich.“

„Ganz sicher.“

Sogar unter den Schülerinnen und Schülern hatte sich die Nachricht herumgesprochen. Als Hermine am Nachmittag durch einen Korridor ging, kamen ihr drei Schüler aus ihrer Zaubertränkeklasse entgegen.

„Professor Granger!“

Hermine blieb stehen.

„Ja?“

„Stimmt es, dass Sie bestanden haben?“

Sie lächelte.

„Ja.“

„Wir wussten es!“

Hermine lachte überrascht.

„Ach wirklich?“

„Natürlich.“

Ein Mädchen grinste.

„Ihre Stunde war richtig gut.“

Ihre Freundin lachte.

„Wir wollten nur gratulieren.“

Hermine wurde warm ums Herz.

„Danke.“

„Bleiben Sie dann nächstes Jahr hier?“

Die Frage traf sie unerwartet. Hermine hielt kurz inne.

„Nun, das weiß ich noch nicht.“

„Sie sollten.“

„Ja“, stimmte ein anderer Schüler sofort zu. „Sie sind eine gute Lehrerin.“

Hermine wusste für einen Moment nicht, was sie darauf sagen sollte.

„Danke.“

Diesmal klang ihre Stimme deutlich leiser. Die Schüler verabschiedeten sich und gingen weiter. Hermine blieb mitten im Korridor stehen.

Sie dachte an das vergangene Jahr. An ihre erste Unterrichtsstunde, ihre Unsicherheit, an Featherstones Kritik, an die Abende, an denen sie überzeugt gewesen war, dass sie vielleicht tatsächlich nicht für diesen Beruf gemacht war und jetzt? Jetzt hatte sie ihre erste Abschlussprüfung mit Ohnegleichen bestanden. Horace war stolz auf sie, Minerva war stolz auf sie, ihre Kollegen glaubten an sie und sogar die Schülerinnen und Schüler wollten, dass sie blieb. Hermine lächelte.

Zum ersten Mal brauchte sie niemanden, der ihr sagte, dass sie auf dem richtigen Weg war. Sie wusste es selbst. Genau das wollte sie - Vor einer Klasse stehen, Wissen vermitteln, Schüler unterstützen, sie herausfordern und ihnen helfen, über sich hinauszuwachsen.

Hermine Granger wollte Lehrerin sein und sie wollte eine verdammt gute werden.