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Eine kleine Feier

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Eine kleine Feier

Hallo ihr Lieben,

es geht weiter :) Das Kapitel ist leider etwas eskaliert ;) Ich hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich so lang wird... Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen! Lasst mir gerne wieder ein Review da und sagt mir, wie es euch gefallen hat :D

Liebe Grüße!

Kaum war die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen, ließ Hermine ihre Tasche neben der Kommode zu Boden sinken. Sie blieb einen Moment einfach stehen. Stille. Keine Schüler. Keine Kollegen. Keine Prüfer. Und vor allem niemand, der irgendeine Leistung von ihr erwartete. Hermine atmete tief durch.

„Geschafft“, murmelte sie.

Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Dann sah sie an sich hinunter. Blazer. Bluse. Rock.

„Und damit ist jetzt auch Schluss.“

Keine fünf Minuten später hatte sie ihre Prüfungskleidung gegen eine bequeme Stoffhose und ein normales Shirt getauscht. Die Haare band sie locker nach hinten und schlüpfte aus ihren Schuhen. So war es besser. Viel besser. Hermine ging in ihr kleines Wohnzimmer und blieb stehen. Ihr Blick fiel auf den Schreibtisch, dann auf den Sessel daneben und dann auf den kleinen Beistelltisch. Überall lagen Unterlagen, Bücher über fortgeschrittene Verwandlung, Notizen zu Zaubertränken, ausgearbeitete Unterrichtsentwürfe, Karteikarten und Pergamente voller Stichpunkte. Hermine betrachtete das Chaos.

„Merlin.“

Die vergangenen Wochen hatte sie kaum noch etwas weggeräumt. Alles, was möglicherweise noch einmal wichtig werden konnte, war griffbereit geblieben. Sie ging zum Schreibtisch und nahm den obersten Stapel.

'Komplexe Objektverwandlung – mögliche Fachfragen'

Hermine starrte darauf. Dann grinste sie.

„Brauche ich nicht mehr.“

Sie legte ihn zur Seite. Der nächste Stapel.

'Fehlerquellen bei temperaturabhängigen Tränken'

„Auch nicht.“

Noch einer. Mögliche Rückfragen Lehrprobe

„Nie wieder.“

Hermine lachte leise. Plötzlich machte das Aufräumen Spaß. Zum ersten Mal bedeutete es nicht, dass sie Platz für neue Unterlagen schaffen musste. Es war vorbei.

Sie sortierte ihre Bücher zurück ins Regal, bündelte Pergamente und legte Unterrichtsentwürfe ordentlich zusammen. Einige ihrer Notizen würde sie behalten. Nicht für eine Prüfung, sondern weil sie sie im kommenden Schuljahr tatsächlich für ihren Unterricht gebrauchen konnte. Bei dem Gedanken hielt Hermine kurz inne. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Dann nahm sie ihre beiden Prüfungsergebnisse zur Hand.

Zaubertränke – Ohnegleichen.

Verwandlung – Ohnegleichen.

Hermine schüttelte wieder ungläubig den Kopf.

„Zweimal.“

Sie holte eine Mappe aus einer Schublade und öffnete sie. Ihre bisherigen Unterlagen aus dem Referendariat lagen darin. Hermine strich kurz über das Pergament. Wie viel Angst sie gehabt hatte, diesen Tag niemals zu erreichen. Featherstone hatte beinahe dafür gesorgt. Sie wollte gar nicht darüber nachdenken. Ganz hinten heftete sie sorgfältig ihre beiden Prüfungsergebnisse ab. Sie richtete die Pergamente noch einmal aus.

„Perfekt.“

Dann schloss sie die Mappe und lehnte sich zurück.

„Professor Granger“, murmelte sie.

Ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

„Das klingt wirklich nicht schlecht.“

Sie stand auf und ging zum Fenster. Draußen lag Hogwarts in der warmen Sommersonne. Auf den Ländereien waren einige Schüler unterwegs. Weiter entfernt glitzerte der See. Hermine verschränkte die Arme locker vor der Brust und lehnte sich gegen den Fensterrahmen. Sie war glücklich. Wirklich glücklich. Noch vor wenigen Monaten hatte sie geglaubt, ihr gesamtes Referendariat könnte scheitern. Und jetzt? Sie hatte es geschafft. Sie war nun eine richtige Lehrerin und sie wusste endlich, dass dies genau der Beruf war, den sie ausüben wollte. Ihr Lächeln wurde breiter, bis sich ein anderer Gedanke wieder dazwischenschob.

Minerva. Genauer gesagt: sie und Minerva.

Hermines Lächeln verblasste langsam. Beruflich hatte sich heute alles verändert. Aber privat? Eigentlich gar nichts. Sie würden sich heute Abend wiedersehen. Sie würden gemeinsam feiern. Minerva würde sie in den Arm nehmen, küssen und ihr wahrscheinlich noch mindestens zehnmal sagen, wie stolz sie auf sie war, aber nur hier, hinter verschlossenen Türen.

Morgen beim Frühstück würden sie wieder am Lehrertisch sitzen und sich so verhalten, als wären sie lediglich Kolleginnen. Im Korridor würde Hermine Minervas Hand nicht nehmen können. Wenn andere Lehrer in der Nähe waren, würde es keine Berührungen, keine Küsse und keine liebevollen, vertrauten Worte geben. Hermine senkte den Blick.

„Wie lange eigentlich noch?“, murmelte sie.

Sie wusste es nicht und genau das störte sie.

Während ihres Referendariats hatte es einen eindeutigen Grund gegeben. Minerva war Schulleiterin, Hermine Referendarin. Dann waren die Untersuchungen gekommen. Featherstone, das Ministerium und die manipulierten Berichte.

Natürlich hatten sie ihre Beziehung geheim halten müssen. Aber jetzt? Hermine war nun keine Referendarin mehr. Sie war ausgebildete Lehrerin. Eigentlich konnte niemand mehr behaupten, dass Hermine ihre Position nur Minerva verdankte. Oder? Hermine verzog leicht den Mund. Ganz so einfach war es vermutlich nicht. Ihre Prüfung war heute gewesen. Heute. Wenn sie morgen Hand in Hand mit Minerva durch die Große Halle spazierten, würden mit Sicherheit Fragen aufkommen.

'Seit wann waren sie zusammen?

War das schon während des Referendariats so gewesen?

Hatte Minerva sie vielleicht doch bevorzugt?

Hatte sie Einfluss auf ihre Ausbildung genommen?'

Hermine wusste, dass das nicht der Fall gewesen war und die Prüfer hatten Hermines Leistungen unabhängig bewertet.

Zweimal Ohnegleichen.

Niemand hatte ihr diese Ergebnisse geschenkt. Trotzdem konnte Hermine sich bereits vorstellen, wie manche Menschen reagieren würden. Gerade nach allem, was in den vergangenen Monaten geschehen war. Vielleicht brauchten sie tatsächlich noch ein wenig Zeit. Ein paar Wochen. Vielleicht bis zum Beginn des neuen Schuljahres. Hermine runzelte die Stirn. Oder länger? Genau das war das Problem. Sie wusste es nicht.

Minerva und sie hatten so lange nur davon gesprochen, das Referendariat zu überstehen und nun waren die Prüfungen vorbei, aber irgendwie fühlte es sich nicht so an, als wäre plötzlich alles frei. Hermine legte eine Hand an die Fensterscheibe. Sie wollte Minerva nicht drängen. Sie verstand ihre Vorsicht. Minerva war Schulleiterin. Jeder Vorwurf der Bevorzugung konnte nicht nur Hermine, sondern auch ihr schaden. Nach Featherstone wollte Hermine ganz sicher keinen neuen Skandal, aber sie wollte sich auch nicht für immer verstecken. Sie wollte irgendwann neben Minerva sitzen können, ohne darüber nachzudenken, wer sie beobachtete. Sie wollte ihre Hand nehmen. Sie wollte sie nach einem langen Schultag im Korridor kurz küssen können, wenn ihr danach war. Sie wollte nicht ständig überlegen müssen, welche Tür abgeschlossen war. Hermine atmete leise aus. Vielleicht sollten sie darüber reden. Nicht heute. Heute wollte sie ihren Erfolg genießen. Heute wollte sie mit Minerva feiern, aber irgendwann mussten sie klären, wie es weiterging, denn zum ersten Mal gab es keinen festen Termin mehr, auf den Hermine warten konnte. Das Referendariat war vorbei, die Prüfungen waren vorbei und trotzdem wusste sie nicht, wann aus ihrer heimlichen Beziehung endlich ein gemeinsames Leben werden durfte, das sie nicht mehr vor allen anderen verstecken mussten.

Hermine blieb noch eine Weile am Fenster stehen. Dann schüttelte sie entschieden den Kopf. Nein. Sie würde sich diesen Tag nicht von Gedanken verderben lassen, auf die sie im Augenblick ohnehin keine Antwort hatte. Heute hatte sie ihre Prüfungen bestanden. Das durfte sie verdammt noch mal genießen.

Hermine ging zurück zu ihrem Schreibtisch, zog drei frische Pergamente hervor und tauchte ihre Feder in das Tintenfass. Sie musste es jemandem erzählen. Als Erstes schrieb sie an Ginny und Harry. Schon bei der Anrede grinste sie.

'Liebe Ginny, lieber Harry,

ich habe es geschafft!'

Hermine hielt kurz inne. Das war ihr zu wenig. Sie setzte die Feder wieder an.

'Beide Prüfungen sind vorbei. Zaubertränke vor zwei Tagen und heute Verwandlung. Und bevor ihr fragt: Ja, ich habe beide bestanden. Sogar beide mit Ohnegleichen. Ich kann es selbst noch nicht ganz glauben.'

Sie lächelte.

'Damit ist mein Referendariat offiziell beendet. Ihr dürft mich also ab sofort Professor Granger nennen, wobei ich euch ausdrücklich verbiete, das tatsächlich zu tun. Vor allem dir, Ginny.'

Hermine konnte sich Ginnys Reaktion bereits vorstellen. Garantiert würde sie genau deshalb nichts anderes mehr sagen. Sie schrieb noch einige Zeilen über die Prüfungen, ließ die ganze Sache mit ihrer Unsicherheit jedoch weg und beendete den Brief schließlich.

Der zweite ging an Caleb. Auch ihm berichtete sie von den bestandenen Prüfungen und davon, wie erleichtert sie war, dass dieses Jahr nun endlich hinter ihr lag.

Als Hermine fertig war, las sie beide Briefe noch einmal. Dann lehnte sie sich zurück. Das tat gut. Die Nachricht aufzuschreiben, machte alles irgendwie realer.

Sie war fertig. Wirklich fertig.

Hermine brachte die Briefe noch zur Eulerei und entschied anschließend, dass sie keine Lust hatte, den restlichen Nachmittag in ihrer Wohnung zu verbringen. Draußen war das Wetter viel zu schön. Also ging sie hinaus.

Die warme Sommerluft tat ihr gut. Hermine schlenderte ohne wirkliches Ziel über die Ländereien. Zum ersten Mal seit Wochen musste sie nicht darüber nachdenken, ob sie eigentlich lernen sollte. Kein schlechtes Gewissen, keine Unterrichtsvorbereitung, die noch auf sie wartete und keine Fachfragen. Sie konnte einfach spazieren.

Hermine ging am See entlang, blieb eine Weile am Ufer stehen und beobachtete einige Schüler, die weiter entfernt auf der Wiese saßen. Mehrmals wurde ihr im Vorbeigehen gratuliert. Offenbar wusste inzwischen tatsächlich das halbe Schloss Bescheid. Irgendwann führten ihre Schritte sie beinahe automatisch zu Hagrids Hütte. Fang bemerkte sie zuerst. Lautes Bellen ertönte. Sekunden später öffnete sich die Tür.

„Hermine!“

Hagrid strahlte.

„Komm rein!“

Hermine lachte.

„Hallo, Hagrid.“

Kaum hatte sie die Hütte betreten, wurde sie in eine so kräftige Umarmung gezogen, dass ihre Füße beinahe den Boden verließen.

„Hab’s gehört!“

„Das überrascht mich nicht.“

Hagrid setzte sie wieder ab.

„Zweimal Ohnegleichen!“

Seine Augen glänzten stolz.

„Wusst ich doch, dass du das packst.“

Hermine lächelte.

„Danke.“

„Setz dich. Tee?“

„Sehr gerne.“

Hagrid stellte den Wasserkessel auf.

„Hab auch Felsenkekse.“

Hermine betrachtete die steinharten Gebilde auf dem Tisch.

„Tee reicht.“

„Sicher?“

„Vollkommen.“

Hagrid zuckte mit den Schultern und nahm selbst einen. Hermine musste grinsen.

Wenig später saßen sie am Tisch. Vor Hermine stand eine riesige Tasse Tee. Fang lag halb auf ihren Füßen und Hagrid wollte natürlich alles wissen.

„Warste sehr nervös?“

„Unfassbar.“

„Hat man bestimmt nich gemerkt.“

„Das hoffe ich.“

„McGonagall war dabei, oder?“

Hermine hob ihre Tasse.

„Natürlich. Das muss sie als Schulleiterin.“

„Bestimmt streng gewesen.“

Hermine musste sich beherrschen, nicht zu breit zu lächeln.

„Sehr streng.“

„Typisch.“

Hermine nahm einen Schluck Tee. Wenn Hagrid wüsste, dass dieselbe strenge Professor McGonagall sie am Morgen noch im Schlafzimmer geküsst und beruhigt hatte. Der Gedanke ließ sie schmunzeln.

„Was?“, fragte Hagrid.

„Nichts.“

„Du grinst.“

„Ich bin einfach glücklich.“

Das war nicht einmal gelogen. Hagrid lächelte.

„Kannste auch sein.“

Danach sprachen sie kaum noch über die Prüfung und genau das gefiel Hermine. Hagrid erzählte ihr von einem verletzten Hippogreif, um den er sich kümmerte. Von einem Schüler, der versucht hatte, Fang heimlich mit in die Große Halle zu nehmen. Von irgendwelchen merkwürdigen Spuren am Rand des Verbotenen Waldes, die Hermine lieber gar nicht genauer erklärt haben wollte. Hermine lachte, trank Tee, streichelte Fang und für eine ganze Weile dachte sie weder an ihre Prüfungen noch an Featherstone noch an die Zukunft ihrer Beziehung. Sie war einfach bei einem alten Freund.

Als Hermine Hagrids Hütte wieder verließ, stand die Sonne bereits deutlich tiefer. Der Nachmittag näherte sich seinem Ende. Hermine ging langsam zurück zum Schloss und plötzlich fiel ihr Neville ein. Seine Prüfung. Sie hatte überhaupt noch nichts gehört.

„Oh.“

Sofort änderte sie ihre Richtung. Sie wusste nicht einmal, ob seine Prüfung inzwischen vorbei war. Vermutlich schon. Minerva war jedenfalls noch nicht zu ihr gekommen. Hermine durchquerte die Eingangshalle und machte sich auf den Weg zu Nevilles Büro. Je näher sie kam, desto neugieriger wurde sie. Neville hatte ihr nach ihrer ersten Prüfung so herzlich gratuliert. Jetzt wollte sie unbedingt wissen, wie es bei ihm gelaufen war. Vor seiner Tür blieb sie stehen. Kein Geräusch. Hermine zögerte. Vielleicht war er gar nicht da. Dann hörte sie eine Bewegung aus dem Inneren. Sie lächelte. Hermine hob die Hand und klopfte.

„Herein!“

Hermine öffnete die Tür und steckte zunächst nur den Kopf ins Büro.

„Störe ich?“

Neville, der hinter seinem Schreibtisch saß, sah auf und bereits sein Gesicht beantwortete Hermines Frage, bevor sie sie überhaupt gestellt hatte. Er strahlte. Nicht nur ein kleines erleichtertes Lächeln. Neville Longbottom grinste über das ganze Gesicht. Hermine riss die Augen auf.

„Wirklich?“

Nevilles Grinsen wurde noch breiter.

„Ja.“

Hermine trat vollständig ein und schloss die Tür hinter sich.

„Du hast bestanden?“

Neville sprang beinahe von seinem Stuhl auf.

„Ich habe bestanden!“

„Neville!“

Hermine lachte und ging sofort auf ihn zu.

„Herzlichen Glückwunsch!“

Sie umarmten sich herzlich. Neville lachte gegen ihre Schulter.

„Danke.“

Als sie sich voneinander lösten, sah Hermine ihn begeistert an.

„Wie war es?“

„Furchtbar.“

Hermine blinzelte.

„Was?“

„Also die Prüfung nicht.“

Neville fuhr sich lachend durchs Haar.

„Meine Nerven.“

„Ah.“

„Ich dachte heute Morgen wirklich, ich sterbe.“

„Willkommen im Club.“

„Pomona hat irgendwann gedroht, mich mit einer Venemosa Tentacula im Gewächshaus einzusperren, wenn ich noch einmal meinen Unterrichtsplan ändere.“

Hermine lachte.

„Das hätte sie wahrscheinlich wirklich gemacht.“

„Ganz sicher.“

Neville ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken. Hermine setzte sich ihm gegenüber.

„Und die Lehrprobe?“

„Gut.“

Er klang noch immer beinahe überrascht darüber.

„Wirklich gut sogar.“

„Siehst du.“

„Ein Schüler hat zwar beinahe eine ganze Schale Drachendung über den Boden verteilt.“

„Natürlich.“

„Aber ich habe es aufgefangen.“

„Sehr professionell.“

Neville grinste.

„Danke.“

„Und das Fachgespräch?“

„Das war schlimmer.“

Er verzog das Gesicht.

„Eine Prüferin hat mich ungefähr zehn Minuten über magische Bodenveränderungen ausgefragt.“

„Und?“

„Ich konnte zwar alles beantworten, aber es gibt wirklich spannenderes.“

Hermine hob vielsagend die Augenbrauen.

„Wahre Worte, Professor Longbottom.“

Neville lachte.

„Das klingt vollkommen falsch.“

„Professor Granger klingt auch noch falsch.“

„Professor Granger.“

„Hör auf.“

„Professor Granger.“

„Neville.“

Er lachte.

„Gut, gut.“

Dann sah er sie an.

„Aber du hast heute auch bestanden.“

Hermine konnte das Lächeln nicht verhindern.

„Ja.“

„Und wieder Ohnegleichen.“

„Woher weißt du das schon wieder?“

Neville sah sie an, als hätte sie gerade eine ausgesprochen dumme Frage gestellt.

„Hermine. Wir sind in Hogwarts.“

„Stimmt.“

„Hier weiß vermutlich inzwischen sogar die Rüstung im dritten Stock, welche Note du bekommen hast.“

Hermine schüttelte lachend den Kopf.

„Also.“

Neville stand wieder auf und hielt ihr feierlich die Hand hin.

„Herzlichen Glückwunsch, Professor Granger.“

Hermine erhob sich ebenfalls und ergriff sie.

„Herzlichen Glückwunsch, Professor Longbottom.“

Sie schüttelten sich übertrieben förmlich die Hände. Dann mussten beide lachen. Es fühlte sich gut an. Sie hatten dieses Jahr gemeinsam begonnen. Beide nervös, beide unsicher, was auf sie zukommen würde und jetzt standen sie hier. Fertig ausgebildete Lehrer. Neville lehnte sich gegen seinen Schreibtisch.

„Eigentlich müssen wir das feiern.“

„Definitiv.“

„Heute.“

Hermines Lächeln geriet ein kleines bisschen ins Stocken.

„Heute?“

„Natürlich heute.“

Neville verschränkte die Arme.

„Wann denn sonst?“

„Ich weiß nicht.“

„Wir könnten nach Hogsmeade.“

Hermine schwieg. Neville redete bereits weiter.

„In das Drei Besen. Ein paar Butterbier. Unsere Kollegen kommen sicher auch mit.“

Hermine lächelte etwas unsicher.

„Das klingt schön.“

„Also machen wir es.“

„Ich…“

Sie hielt inne.

Heute Abend. Minerva hatte ihr versprochen, dass sie ihren Abschluss gebührend feiern würden und Hermine hatte sich den ganzen Nachmittag darauf gefreut. Eigentlich wollte sie nichts lieber, als später in Minervas Wohnung zu gehen, die Tür hinter sich zu schließen und diesen Abend nur mit ihr zu verbringen, aber das konnte sie Neville schlecht erklären.

'Tut mir leid, ich kann nicht. Ich habe ein heimliches Date mit unserer Schulleiterin.'

Nicht unbedingt.

„Ich weiß nicht, Neville.“

„Warum nicht?“

„Ich hatte eigentlich…“

Hermine brach ab. 'Etwas vor' konnte sie sagen, aber dann würde er natürlich fragen, was.

„…gedacht, dass ich heute Abend vielleicht einfach hierbleibe.“

Neville sah sie an.

„Aha.“

Hermine kannte diesen Ton.

„Was?“

„Nichts.“

Ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Hermine verengte die Augen.

„Neville.“

„Was denn?“

„Warum grinst du so?“

„Tue ich doch gar nicht.“

„Du grinst eindeutig.“

Neville versuchte, sein Gesicht unter Kontrolle zu bringen. Es funktionierte ungefähr zwei Sekunden. Dann grinste er noch breiter. Hermine verschränkte misstrauisch die Arme.

„Was ist los?“

Neville grinste noch immer. Hermine wurde zunehmend misstrauischer.

„Neville.“

„Ich sollte dir das eigentlich nicht sagen.“

„Was solltest du mir nicht sagen?“

„Na ja…“

Neville kratzte sich am Hinterkopf.

„Eigentlich sollte es eine Überraschung werden.“

Hermine blinzelte.

„Was?“

„Die Kollegen haben etwas organisiert.“

„Was organisiert?“

„Eine kleine Feier.“

Hermine starrte ihn an.

„Für wen?“

Neville lachte.

„Für uns, Hermine.“

„Für uns?“

„Wir haben heute beide unser Referendariat abgeschlossen.“

Er breitete die Arme aus.

„Offenbar sind wir jetzt wichtig genug für eine Feier.“

Hermine musste lächeln.

„Im Ernst?“

„Ja.“

„Wo?“

„In Hogsmeade.“

Neville verzog schuldbewusst das Gesicht.

„Mehr weiß ich auch nicht.“

„Und woher weißt du überhaupt davon, wenn es eine Überraschung sein soll?“

„Zufall.“

Hermine hob eine Augenbraue.

„Neville.“

„Wirklich!“

Er hob abwehrend beide Hände.

„Ich war gestern im Lehrerzimmer und Horace und Filius haben sich unterhalten. Sie dachten offenbar, ich wäre schon gegangen.“

„Und du hast gelauscht.“

„Ich habe nicht gelauscht.“

„Natürlich nicht.“

„Ich habe nur… sehr langsam meine Sachen zusammengepackt.“

Hermine lachte.

„Das nennt man lauschen.“

„Dann habe ich eben gelauscht.“

Neville grinste.

„Jedenfalls haben sie über heute Abend gesprochen.“

Hermine schüttelte amüsiert den Kopf.

„Unglaublich.“

„Und anscheinend war es Professor McGonagalls Idee.“

Hermine wurde augenblicklich still.

„Minervas?“

„Ja.“

Ein warmes Gefühl breitete sich in Hermine aus. Plötzlich verstand sie.

'Heute Abend feiern wir.'

Minerva hatte offenbar nie gemeint, dass sie den gesamten Abend allein verbringen würden. Sie hatte längst etwas organisiert. Für Hermine und Neville natürlich. Hermine lächelte.

„Dann komme ich gerne mit.“

Neville hob eine Augenbraue.

„Ach.“

„Was, ach?“

„Gerade eben warst du noch sehr unsicher.“

„Jetzt weiß ich ja, dass die anderen auch kommen.“

„Natürlich.“

Dieses Grinsen war wieder da. Hermine runzelte die Stirn.

„Was?“

„Nichts.“

„Neville.“

„Hermine.“

Sie starrte ihn an. Neville hielt ungefähr drei Sekunden durch. Dann lachte er.

„Also gut.“

Er setzte sich auf die Kante seines Schreibtisches.

„Ich glaube, ich weiß sowieso, warum du gerade gezögert hast.“

Hermine spürte ein ungutes Kribbeln im Bauch.

„Was soll das heißen?“

Nevilles Grinsen wurde etwas kleiner.

„Du hattest andere Pläne.“

„Vielleicht.“

„Mit jemandem.“

Hermine wurde plötzlich sehr vorsichtig.

„Neville.“

„Keine Sorge.“

„Worüber sollte ich mir Sorgen machen?“

Neville sah sie einen Moment an. Dann sagte er ruhig:

„Ich weiß von dir und Minerva.“

Hermine erstarrte. Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht.

„Was?“

Neville hob sofort beschwichtigend die Hände.

„Hermine, wirklich. Es ist alles gut.“

„Woher weißt du das?“

Ihre Stimme war deutlich leiser geworden. Ihr Herz schlug plötzlich wieder schneller.

„Hat jemand etwas gesagt?“

„Nein.“

„Featherstone?“

„Nein.“

„Dann woher?“

Neville zögerte.

„Ich habe euch gesehen.“

Hermine starrte ihn an.

„Wann?“

„Vor einigen Wochen.“

„Wo?“

„Im Korridor.“

Hermine wurde blass. Neville sprach schnell weiter.

„Es war spät. Wirklich spät. Ich kam noch aus dem Gewächshaus und wollte zurück in meine Wohnung.“

Hermine versuchte fieberhaft, sich zu erinnern.

„Und dann?“

Neville verzog leicht das Gesicht.

„Ihr standet in einem Seitengang.“

Hermine schwante Böses.

„Was haben wir gemacht?“

Neville hob eine Augenbraue.

„Möchtest du das wirklich wissen?“

Hermine schloss kurz die Augen.

„Merlin.“

Neville lachte leise.

„Ihr habt euch geküsst.“

„Natürlich.“

Hermine bedeckte für einen Moment ihr Gesicht mit beiden Händen.

„Natürlich hast du ausgerechnet das gesehen.“

„Ich bin sofort wieder gegangen.“

„Wie lange hast du uns gesehen?“

„Vielleicht fünf Sekunden.“

„Fünf Sekunden zu viel.“

„Hermine.“

Sie ließ die Hände sinken. Neville sah sie ernst an.

„Ich habe niemandem etwas erzählt.“

Hermine musterte ihn.

„Wirklich niemandem?“

„Niemandem.“

„Nicht Horace?“

„Nein.“

„Harry? Ron?“

Neville schüttelte den Kopf.

„Es geht mich nichts an.“

Hermine atmete langsam aus. Die Anspannung ließ ein wenig nach. Neville lächelte.

„Außerdem…“

Er zuckte leicht mit den Schultern.

„…freue ich mich für dich.“

Hermine blinzelte.

„Du freust dich?“

„Natürlich.“

„Du findest es nicht… merkwürdig?“

„Warum sollte ich?“

„Weil sie die Schulleiterin ist.“

„Ja.“

„Und ich bis heute Referendarin war.“

Neville nickte.

„Und?“

Hermine sah ihn an. Neville wurde ernster.

„Ich kenne dich und ich kenne Minerva.“

Ein kleines Grinsen.

„Zumindest gut genug, um zu wissen, dass sie dir eher absichtlich eine schlechtere Note geben würde, bevor irgendjemand behaupten könnte, sie hätte dich bevorzugt.“

Hermine musste lachen.

„Das klingt erschreckend realistisch.“

„Eben.“

Neville lächelte wieder.

„Und nachdem ich euch gesehen hatte, hat plötzlich einiges Sinn ergeben.“

Hermine wurde misstrauisch.

„Was genau?“

„Die Blicke.“

„Welche Blicke?“

„Hermine.“

Neville lachte.

„Ihr seid vielleicht gut darin, euch nicht anzufassen.“

Hermine wurde rot.

„Aber manchmal schaut ihr euch an, als gäbe es im gesamten Raum niemand anderen.“

„Tun wir nicht.“

Neville hob nur eine Augenbraue. Hermine seufzte.

„Tun wir wahrscheinlich doch.“

„Ein bisschen.“

Sie schüttelte den Kopf. Neville trat näher und legte ihr freundschaftlich eine Hand auf den Arm.

„Ich werde nichts sagen.“

Hermine sah ihn an.

„Versprochen?“

„Versprochen.“

„Danke.“

„Du musst dich bei mir nicht bedanken.“

Sein Blick wurde warm.

„Ich freue mich wirklich für dich, Hermine.“

Sie lächelte vorsichtig.

„Du hast es verdient, glücklich zu sein.“

Dann fügte er hinzu:

„Und Minerva übrigens auch.“

Das berührte Hermine mehr, als sie erwartet hatte.

„Das hat sie.“

Neville betrachtete sie einen Moment. Dann schien ihm etwas aufzufallen.

„Ihr seid doch glücklich, oder?“

Hermine zögerte. Nur einen winzigen Augenblick. All die Gedanken vom Nachmittag kamen wieder. Das Verstecken. Die Unsicherheit darüber, wann sie endlich offen miteinander leben konnten. Die Angst vor möglichen Konsequenzen. Aber nichts davon änderte die Antwort auf Nevilles Frage.

Hermines Gesicht wurde weich. Ein warmes Lächeln erschien auf ihren Lippen.

„Oh ja.“

Am frühen Abend füllte sich das Lehrerzimmer ungewöhnlich schnell. Hermine kam gemeinsam mit Neville herein und bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte oder vielmehr: dass sich sämtliche Anwesenden ausgesprochen große Mühe gaben, so zu wirken, als würde überhaupt nichts nicht stimmen.

Pomona saß in einem Sessel und unterhielt sich mit Poppy. Filius stand am Kamin. Horace schenkte sich gerade einen Drink ein. Irina blätterte in einer Zeitschrift. Aurora war ebenfalls da. Und Minerva stand etwas abseits am Fenster, eine Tasse Tee in der Hand. Hermine warf Neville einen kurzen Blick zu. Neville erwiderte ihn.

'Wir wissen von nichts.'

Hermine musste sich zusammenreißen, nicht zu grinsen.

„Ah!“

Horace bemerkte sie.

„Da sind ja unsere beiden frischgebackenen Kollegen!“

Sofort drehten sich sämtliche Köpfe zu ihnen. Hermine lachte.

„Oh nein.“

„Oh doch.“

Pomona stand auf und kam direkt zu Neville.

„Jetzt darf ich endlich offiziell gratulieren.“

Sie zog ihn in eine herzliche Umarmung.

„Ich bin so stolz auf dich.“

Neville wurde leicht rot.

„Danke.“

„Du hast es dir verdient.“

Poppy wandte sich währenddessen Hermine zu.

„Und du.“

„Ich?“

„Zweimal Ohnegleichen.“

Poppy schüttelte den Kopf.

„Als hätte irgendjemand etwas anderes erwartet.“

Hermine lachte.

„Ich zum Beispiel.“

„Das zählt nicht.“

Irina legte ihre Zeitschrift zur Seite.

„Herzlichen Glückwunsch euch beiden.“

„Danke.“

Filius hob sein Glas.

„Auf zwei neue vollwertige Mitglieder unseres Kollegiums.“

„Professor Granger und Professor Longbottom“, ergänzte Horace feierlich.

Neville verzog das Gesicht.

„Ich weiß immer noch nicht, ob mir das gefällt.“

Hermine grinste.

„Mir schon.“

Neville sah sie empört an.

„Vorhin hast du noch etwas anderes gesagt.“

„Ich habe meine Meinung geändert.“

„Innerhalb von zwei Stunden?“

„Ich bin flexibel.“

Die Kollegen lachten. Nur Minerva hielt sich im Hintergrund. Natürlich hatte sie beiden bereits gratuliert und Hermine sogar mehrfach und ausgiebig. Bei dem Gedanken musste Hermine ein kleines Lächeln unterdrücken.

„Eigentlich“, begann Filius plötzlich auffällig beiläufig, „ist es doch ein wenig schade, diesen Abend einfach hier zu verbringen.“

Hermine musste sich beherrschen. Neville neben ihr ebenfalls. Pomona nickte, als wäre dieser Gedanke gerade vollkommen überraschend gekommen.

„Da hast du recht.“

„Wir könnten doch nach Hogsmeade gehen“, schlug Horace vor.

Hermine biss sich kurz auf die Innenseite der Wange. Ihr seid alle furchtbare Schauspieler.

„Nach Hogsmeade?“, fragte Neville betont überrascht.

„Warum nicht?“

Pomona zuckte mit den Schultern.

„Ein paar Getränke.“

„Etwas essen“, ergänzte Poppy.

„Und zufälligerweise feiern wir dabei, dass ihr beide eure Prüfungen bestanden habt“, sagte Irina trocken.

Horace warf ihr einen Blick zu.

„Was?“, fragte Irina.

Hermine hätte beinahe gelacht.

„Das klingt aber sehr spontan.“

„Ist es auch“, sagte Filius sofort.

Neville räusperte sich.

„Natürlich.“

Hermine sah ihn an. Neville sah sie an. Für einen winzigen Moment drohten beide die Fassung zu verlieren.

„Also?“, fragte Pomona.

Hermine spielte weiter.

„Nun… wenn ihr wirklich ganz spontan nach Hogsmeade möchtet…“

„Ja, das ist uns eben erst eingefallen“, betonte Horace.

„…dann komme ich natürlich gerne mit.“

„Ich auch“, sagte Neville.

„Ausgezeichnet!“

Horace klatschte zufrieden in die Hände. Hermine schüttelte amüsiert den Kopf. Ihr Blick wanderte durch das Lehrerzimmer und blieb an Minerva hängen. Minerva stand noch immer am Fenster und hielt ihre Tasse in beiden Händen. Sie wirkte dabei vollkommen unschuldig. Hermine sah sie an. Minerva erwiderte den Blick. Sie lächelte nicht, doch in ihren Augen konnte Hermine ein winziges Funkeln erkennen. Hermine verschränkte langsam die Arme. Dann hob sie eine Augenbraue. Eine Geste, die sie sich eindeutig von Minerva abgeschaut hatte. Minervas Mundwinkel zuckten. Niemand sonst bemerkte den stillen Austausch. Die anderen waren viel zu sehr damit beschäftigt, Einzelheiten für ihren angeblich spontanen Ausflug zu besprechen.

Hermine löste sich schließlich von Neville und ging scheinbar beiläufig in Richtung Fenster. Sie blieb neben Minerva stehen. Sie achtete darauf, das sie nicht zu nah bei ihr stand. Sie blieb gerade so nah, wie zwei Kolleginnen eben nebeneinanderstehen würden.

„Eine sehr spontane Idee“, murmelte Hermine.

Minerva nahm einen Schluck Tee.

„Nicht wahr?“

Hermine warf ihr einen Seitenblick zu.

„Wirklich erstaunlich.“

„Manchmal ergeben sich solche Dinge“, meinte Minerva beiläufig.

„Mhm.“

Minerva sah geradeaus. Hermine musste sich beherrschen, nicht zu lachen.

„Du bist eine furchtbare Lügnerin.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ich weiß überhaupt nicht, wovon du sprichst.“

„Ja klar.“

Hinter ihnen diskutierten Horace und Filius darüber, wann genau sie aufbrechen sollten. Hermine trat einen winzigen Schritt näher.

„Dann muss unsere private Feier wohl noch ein bisschen warten“, flüsterte sie.

Minervas Blick glitt zu ihr. Für einen Moment lag etwas deutlich Wärmeres darin.

„Das sieht ganz danach aus.“

Hermine verzog leicht den Mund.

„Schade.“

Minerva senkte ihre Stimme ebenfalls.

„Ich fürchte, das werden wir wohl aushalten müssen.“

Hermine hob erneut eine Augenbraue.

„Müssen wir?“

„Offenbar.“

„Und später?“

Minervas Mundwinkel hoben sich.

„Später ist der Abend noch nicht vorbei.“

Hermine lächelte. Mehr konnten sie sich hier nicht erlauben. Also trat sie wieder ein kleines Stück von Minerva weg.

Nach außen standen dort lediglich die Schulleiterin und eine frischgebackene Lehrerin, die sich über den bevorstehenden Abend unterhielten. Nur sie beide wussten, dass ihre eigentliche Feier damit lediglich verschoben war.

Später stand Hermine in ihrer Wohnung vor dem Spiegel. Sie hatte erstaunlich lange gebraucht, um sich für ein Kleid zu entscheiden. Passende Sachen besaß sie zwar, doch sie wusste genau, welchen Effekt sie mit ihrem Outfit bei einer ganz bestimmten Hexe erzielen wollte.

Schließlich fiel ihre Wahl auf ein leichtes Sommerkleid. Elegant genug für einen Abend mit den Kollegen, aber nicht übertrieben förmlich. Der Stoff fiel weich an ihrem Körper hinab und bewegte sich leicht. Das eigentliche Detail befand sich jedoch auf der Rückseite. Hermine drehte sich ein wenig vor dem Spiegel. Der Rücken des Kleides war auffällig tief ausgeschnitten und mit etwas Spitze verziert. Ein langsames Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

„Das wird dir gefallen.“

Minerva würde vermutlich versuchen, sich nichts anmerken zu lassen und genau das machte es noch besser.

Hermine ließ ihre Haare bewusst so fallen, dass der Ausschnitt nicht vollständig verdeckt wurde und griff gerade nach einem Paar Ohrringen, als hinter ihr plötzlich das Feuer im Kamin grün aufflammte. Hermine fuhr herum. Sekunden später stolperte Minerva aus den Flammen.

„Merlin!“

Minerva fing sich gerade noch am Kaminsims.

Hermine lachte.

„Sehr würdevoll, Professor McGonagall.“

„Kein Wort.“

Minerva richtete ihre Kleidung.

„Ich wollte lediglich…“

Sie brach ab. Ihr Blick war auf Hermine gefallen und konnte sich nicht mehr lösen. Hermine sagte nichts. Minerva ebenfalls nicht. Ihre Augen wanderten langsam über das Kleid. Dann drehte Hermine sich ganz bewusst ein wenig zur Seite. Minerva sah den Rücken und schluckte. Hermines Mundwinkel zuckten.

„Alles in Ordnung?“

Minerva hob den Blick zu ihrem Gesicht.

„Du bist ein kleines Biest.“

Hermine lachte auf.

„Was habe ich denn gemacht?“

„Du weißt ganz genau, was du gemacht hast.“

Minerva kam näher. Sie selbst hatte sich ebenfalls umgezogen. Unter ihrer schwarzen Robe trug sie ein elegantes dunkelgrünes Kleid, das Hermine sofort auffiel, aber zunächst genoss sie Minervas Reaktion noch ein wenig.

„Es ist nur ein Kleid.“

„Nein.“

Minerva blieb vor ihr stehen.

„Das ist ein gezielter Angriff auf meine Selbstbeherrschung.“

Hermine grinste.

„Professor McGonagall.“

„Hm?“

„Ich dachte, du besitzt außerordentlich viel Selbstbeherrschung.“

„Normalerweise.“

Minervas Blick glitt erneut über sie.

„Aber wie soll ich mich bitte den ganzen Abend auf irgendein vernünftiges Gespräch konzentrieren, wenn du so vor mir sitzt?“

Hermine lachte.

„Dann musst du dich eben gedulden.“

„Das ist grausam.“

„Vorfreude ist die schönste Freude.“

Minerva schnaubte.

„Nicht, wenn es um die schönste Frau geht.“

Hermines Gesicht wurde sofort weicher.

„Du Charmeurin.“

„Nur ehrlich.“

Hermine legte die Hände an Minervas Taille und zog sie etwas näher.

„Dann verspreche ich dir, dass es sich lohnt, wenn du wartest.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Das soll mich beruhigen?“

„Nein.“

Hermine grinste.

„Eigentlich wollte ich das Gegenteil erreichen.“

„Biest.“

„Hast du schon gesagt.“

Hermine küsste sie. Minerva erwiderte den Kuss sofort und legte die Hände fest an Hermines Taille.

Als sie sich lösten, betrachtete Hermine nun Minerva genauer.

„Außerdem solltest du dich nicht beschweren.“

„Warum?“

Hermine griff leicht an den Rand ihrer schwarzen Robe und zog den Stoff ein Stück zur Seite. Das dunkelgrüne Kleid darunter kam deutlicher zum Vorschein.

„Weil du selbst wunderschön aussiehst.“

Minerva lächelte.

„Das gefällt mir. Sehr sogar“, meinte Hermine und ließ ihren Blick dabei demonstrativ über sie gleiten.

„Vielleicht bist du heute Abend sogar selbst eine kleine Gefahr für meine Konzentration.“

„Damit kann ich wunderbar leben.“

„Das dachte ich mir.“

Hermine gab ihr noch einen kurzen Kuss und griff anschließend nach ihrer kleinen Tasche.

„Wir sollten gehen.“

„Leider.“

Hermine ging zur Tür. Sie hatte die Hand bereits auf der Klinke, als sich plötzlich zwei Arme um ihre Taille legten und sie zurückzogen.

„Minerva!“

Hermine lachte und landete mit dem Rücken an ihr. Minerva beugte sich leicht zu ihrem Ohr.

„Eine Sache noch.“

„Was?“

„Lass heute Abend besser den Feuerwhisky weg.“

Hermine drehte den Kopf.

„Warum?“

Minerva grinste.

„Erinnerst du dich noch an die Weihnachtsferien bei den Weasleys.“

Hermine hielt inne. Die Erinnerung kehrte sofort zurück.

Es hatte mit Feuerwhisky begonnen und mit einer ausgesprochen aufregenden und zärtlichen Nacht mit Minerva geendet.

Langsam breitete sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht aus.

„Ach, die Nacht.“

„Genau die.“

„Ich erinnere mich.“

„Das dachte ich mir.“

Hermine drehte sich in Minervas Armen um.

„Dann muss ich dich leider enttäuschen.“

Minerva hob fragend eine Augenbraue. Hermine legte ihre Arme locker um ihren Hals.

„Eine solche Nacht steht dir heute sowieso bevor.“

Minervas Augen wurden ein wenig größer. Dann lachte sie.

„Hermine Granger.“

„Professor Granger, bitte.“

„Oh verzeih mir. Das hätte ich beinahe vergessen.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Ich nehme alles zurück.“

„Was?“

„Du bist kein Biest.“

Hermine lächelte unschuldig.

„Nein?“

„Du bist viel schlimmer.“

Hermine küsste sie erneut. Minerva zog sie für einen Moment enger an sich, bevor sie sich schließlich widerwillig voneinander lösten.

„Jetzt müssen wir wirklich gehen“, sagte Hermine.

„Ja.“

Minerva sah zur Tür. Dann zum Kamin. Beide seufzten beinahe gleichzeitig, denn natürlich konnten sie nicht gemeinsam in der Eingangshalle erscheinen.

„Ich hasse diesen Teil“, murmelte Hermine.

Minervas Blick wurde kurz weich.

„Ich weiß.“

Sie strich ihr noch einmal sanft über die Wange.

„Bis gleich.“

„Bis gleich.“

Ein letzter kurzer Kuss. Dann trat Minerva zurück zum Kamin. Sie nahm eine Handvoll Flohpulver.

„Und Hermine?“

„Hm?“

Minerva betrachtete sie noch einmal von oben bis unten.

„Dieses Kleid ist wirklich gemein.“

Hermine grinste.

„Warte ab, bis du den ganzen Abend darauf schauen musst.“

Minerva stöhnte gespielt auf.

„Biest.“

Hermine lachte. Mit einem grünen Aufflammen verschwand Minerva durch den Kamin, um wenige Augenblicke später ganz offiziell ihre eigene Wohnung zu verlassen. Hermine blieb noch einen Moment lächelnd zurück. Dann betrachtete sie sich ein letztes Mal im Spiegel, nahm ihre Tasche und ging zur Tür.

Als sie ihre Wohnung verließ, setzte sie wieder das vollkommen harmlose Gesicht von Professor Granger auf. Zumindest versuchte sie es. Dann machte sie sich auf den Weg hinunter zur Eingangshalle, wo die anderen bereits auf sie warten würden.

Wenig später versammelte sich die kleine Gruppe in der Eingangshalle. Pomona und Poppy waren bereits da. Filius diskutierte mit Horace darüber, ob man für eine angemessene Feier wirklich mehrere Flaschen Feuerwhisky benötigte, während Irina danebenstand und sichtlich amüsiert zuhörte. Neville entdeckte Hermine zuerst.

„Da bist du ja.“

„Bin ich zu spät?“

„Nein.“

Sein Blick glitt kurz über ihr Kleid.

„Du siehst übrigens sehr gut aus.“

„Danke.“

Hermine lächelte und sah beinahe automatisch weiter zu Minerva. Sie stand etwas abseits bei Pomona und natürlich sah Minerva genau in diesem Moment ebenfalls zu ihr. Ihre Blicke trafen sich. Hermine erkannte sofort dieses winzige Funkeln.

'Biest.'

Sie musste sich beherrschen, nicht zu grinsen. Stattdessen ging sie zu den anderen.

„Sind wir vollständig?“

„Ich denke ja“, sagte Pomona.

Hagrid würde in Hogwarts bleiben, ebenso Aurora und Filch. Gemeinsam würden sie dafür sorgen, dass während der Abwesenheit der Schulleiterin und eines guten Teils des Kollegiums kein völliges Chaos im Schloss ausbrach.

„Dann sollten wir gehen“, entschied Minerva schließlich und wenig später machte sich die Gruppe auf den Weg nach Hogsmeade.

Das Drei Besen war an diesem Abend gut besucht. Madam Rosmerta hatte für sie einen größeren Tisch in einer etwas ruhigeren Ecke freigehalten. Hermine bemerkte es natürlich sofort.

'So viel zum Thema spontan.'

Sie warf Minerva einen Blick zu. Minerva ignorierte ihn demonstrativ. Hermine grinste. Kaum saßen alle, hob Horace bereits die Hand.

„Zuerst brauchen wir Getränke!“

„Butterbier“, sagte Neville sofort.

„Butterbier?“

Horace sah beinahe beleidigt aus.

„Junger Mann, du hast heute dein Referendariat abgeschlossen.“

„Und?“

„Das verlangt nach etwas Angemessenerem.“

Hermine ahnte Schlimmes.

„Horace.“

Er wandte sich ihr zu.

„Hermine! Wenigstens du verstehst mich.“

„Ich glaube nicht.“

Keine fünf Minuten später stand trotzdem ein kleines Glas Feuerwhisky vor ihr. Hermine starrte es an. Dann sah sie zu Minerva. Minerva saß ihr schräg gegenüber. Eine Augenbraue wanderte langsam nach oben. Hermine verstand die Botschaft sofort.

'Ich habe dich gewarnt.'

Sie hob unschuldig die Schultern. Horace bemerkte nichts.

„Auf unsere beiden neuen Kollegen!“

Alle hoben ihre Gläser.

„Auf Hermine und Neville!“

„Auf Professor Granger und Professor Longbottom“, ergänzte Filius.

Neville stöhnte.

„Bitte nicht.“

Alle lachten. Hermine hob ihr Glas.

„Danke.“

Sie nahm einen Schluck. Der Feuerwhisky brannte angenehm in ihrer Kehle. Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf. Hermine grinste.

'Nur einer.'

Es blieb natürlich nicht bei einem Glas. Horace war ausgesprochen überzeugend.

„Noch einen.“

„Horace, nein.“

„Hermine, du hast zweimal Ohnegleichen bekommen.“

„Das ist kein Argument.“

„Das ist das beste Argument überhaupt.“

Und schon wurde nachgeschenkt. Hermine lachte. Sie war nicht betrunken, aber sie spürte die angenehme Wärme des Alkohols inzwischen deutlich und damit wurde etwas anderes schwieriger… Minerva zu ignorieren oder zumindest so zu tun, als wäre Minerva für sie nicht wichtiger als alle anderen am Tisch, wurde beinahe unmöglich.

Hermine hatte ohnehin ständig das Bedürfnis, ihre Nähe zu suchen. Mit jedem Glas wurde es schwerer, dieses Bedürfnis zu kontrollieren. Wenn Minerva lachte, wanderte Hermines Blick zu ihr. Wenn Minerva sprach, hörte Hermine automatisch genauer hin. Wenn jemand anderes ihre Aufmerksamkeit beanspruchte, dauerte es nie lange, bis ihre Augen wieder zu Minerva glitten. Einmal trafen sich ihre Blicke über den Tisch. Minerva hob leicht ihr Glas. Hermine lächelte ihr nur ganz kurz, aber sehr warm zu. Mehr konnte sie nicht tun, doch es musste für diesen Moment genügen.

„Und jetzt“, begann Pomona irgendwann, „möchte ich wissen, wer von euch beiden heute Morgen nervöser war.“

„Neville“, sagte Hermine sofort.

„Hermine“, sagte Neville gleichzeitig.

Alle lachten.

„Verräter.“

„Du warst vorgestern beim Frühstück beinahe nicht ansprechbar.“

„Das war vorgestern“, meinte Hermine.

„Und heute?“

Hermine öffnete den Mund. Minerva räusperte sich. Hermine sah zu ihr. Minerva trank vollkommen unschuldig von ihrem Wein. Hermine wusste genau, was sie dachte.

'Aufgeschreckter Hippogreif.'

Sie musste lachen.

„Heute war es vielleicht auch ein bisschen schlimm.“

„Ein bisschen?“, fragte Minerva trocken.

Hermine sah sie an.

„Gut, ich gebe es ja zu. Ich war schrecklich aufgeregt.“

„Natürlich.“

Für alle anderen war es nur ein kleiner Scherz. Für Hermine war es etwas anderes. Diese winzigen Momente waren alles, was sie haben konnten. Zumindest hier.

Später stand Hermine mit Poppy und Irina an der Bar. Neville und Filius diskutierten über irgendeine absurde Geschichte aus Filius’ ersten Jahren als Lehrer, Horace bestellte bereits die nächste Runde und Pomona unterhielt sich mit Minerva. Hermine hörte Poppy nur mit halbem Ohr zu. Ihr Blick wanderte wieder zu Minerva. Sie hatte ihre schwarze Robe inzwischen abgelegt und über die Stuhllehne gehängt. Hermine nahm einen Schluck und betrachtete sie. Das dunkelgrüne Kleid stand ihr verdammt gut.

'Merlin.'

Minerva sah wunderschön aus. Als hätte sie Hermines Blick gespürt, drehte sie den Kopf und ihre Augen trafen sich. Hermine lächelte. Minerva lächelte ebenfalls.

„Hermine?“

„Hm?“

Irina sah sie an.

„Du hörst überhaupt nicht zu.“

„Doch.“

„Was habe ich gerade gesagt?“

Hermine schwieg. Poppy musste sofort lachte.

„Erwischt.“

„Entschuldigung.“

Irinas Blick wanderte kurz zu Minerva. Dann wieder zu Hermine. Ein wissendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Hermine verengte warnend die Augen. Irina sagte nichts, doch ihr Grinsen reichte.

Als Hermine wenig später zum Tisch zurückging, war neben Minerva gerade ein Platz frei. Sie zögerte, doch dann setzte sie sich neben sie und versuchte dabei ganz normal zu wirken.

Unter dem Tisch lagen ihre Hände zunächst beide auf ihren eigenen Oberschenkeln. Dann bewegte Minerva ihre Hand. Hermines Finger streiften ihre nur ganz kurz. Zufällig für jeden, der es gesehen hätte, doch für die beiden Hexen war es kein Zufall. Hermine spürte sofort dieses vertraute Kribbeln. Ihre Finger berührten Minervas noch einmal. Dann zog Minerva ihre Hand zurück. Hermine sah ein wenig erschrocken zu ihr, doch Minerva lächelte kaum merklich. Sie hätte zu gerne länger und zärtlicher gelächelt, doch es ging nicht. Hermine senkte einen Moment ihren Blick. Ihr wurde bewusst, dass das alles war. Nur dieser kurze Blick, eine flüchtige Berührung und ein kleines Lächeln der Frau, die sie so sehr liebte und die direkt neben ihr saß. Hermine hasste plötzlich, dass das alles sein musste. Gerade heute wollte sie nicht nur Professor Granger und auch nicht nur die Kollegin sein, deren bestandene Prüfung gefeiert wurde. Sie wollte neben Minerva sitzen. Richtig neben ihr. Sie wollte ihre Hand nehmen und nicht nach zwei Sekunden wieder loslassen. Wenn Horace irgendeinen peinlichen Trinkspruch auf sie ausbrachte, wollte sie lachend den Kopf an Minervas Schulter legen. Sie wollte Minerva küssen können, wenn ihr danach war und nicht ständig überlegen müssen, wer hinsah.

Hermine nahm einen weiteren Schluck. Minerva bemerkte ihren Blick. Für einen Moment sah sie die junge Frau fragend an. Hermine lächelte sofort, als wäre nichts.

'Alles gut.'

Zumindest sollte Minerva das glauben. Heute wollte Hermine weder Streit noch eine Diskussion darüber, wann sie endlich offen miteinander umgehen konnten. Dieser Abend sollte nicht überschattet werden. Sie wollte mit Neville feiern und mit Horace, der ihr so sehr geholfen hatte. Natürlich auch mit Pomona, Poppy, Irina und Filius und mit Minerva. Auch wenn sie Minerva nur heimlich lieben durfte.

Also lachte Hermine über Nevilles Geschichten. Sie ließ sich von Horace zu einem weiteren Toast überreden, diskutierte mit Filius, neckte Pomona und genoss den Abend mit den Menschen, die im vergangenen Jahr von Kollegen zu Freunden geworden waren.

Immer wieder fand ihr Blick trotzdem Minerva und jedes Mal, wenn Minerva zurücklächelte, war da gleichzeitig Wärme und dieser kleine schmerzhafte Stich. Für heute mussten die Blicke genügen. Hermine ließ sich nichts anmerken, aber tief in ihrem Inneren wusste sie immer deutlicher:

Auf Dauer würde ihr das nicht mehr reichen.

Je später der Abend wurde, desto voller wurden das Drei Besen.

Was ursprünglich eine kleine Feier des Hogwarts-Kollegiums gewesen war, sprach sich offenbar herum. Einige Bewohner Hogsmeades erkannten die Lehrer, gratulierten Hermine und Neville und blieben auf ein Getränk. Hermine störte das zunächst nicht. Im Gegenteil. Es war irgendwie schön. Eine ältere Hexe, die einen kleinen Laden in der Nähe des Dorfplatzes führte, schüttelte Neville begeistert die Hand. Ein Zauberer gratulierte Hermine zu ihrem Abschluss und erzählte ihr ungefragt, dass seine Enkelin im kommenden Jahr nach Hogwarts kommen würde. Hermine lächelte, bedankte sich und unterhielt sich eine Weile mit ihnen, bis ihr Blick wieder zu Minerva wanderte und dort blieb.

Neben Minerva stand ein Mann. Vielleicht Ende vierzig. Hermine kannte ihn nicht. Offenbar lebte er in Hogsmeade, denn Pomona hatte ihn vorhin beiläufig begrüßt. Er hatte ein Glas in der Hand und stand für Hermines Geschmack deutlich zu nah bei Minerva. Hermine nahm einen Schluck von ihrem Feuerwhisky und beobachtete die Szene.

Minerva war höflich. Sie beantwortete seine Fragen, lächelte gelegentlich knapp und hielt sichtbar Abstand. Eigentlich gab es überhaupt keinen Grund, sich aufzuregen. Dann beugte sich der Mann ein wenig näher zu Minerva. Hermine verengte die Augen.

„Oh nein“, murmelte sie.

Neville neben ihr drehte den Kopf.

„Was?“

„Nichts.“

„Du klingst nicht nach nichts.“

„Alles gut.“

Neville folgte ihrem Blick. Dann verstand er.

„Ah.“

Hermine sah ihn sofort an.

„Kein Wort.“

Neville hob beide Hände.

„Ich habe nichts gesagt.“

„Gut.“

Hermine blickte wieder zu Minerva. Der Mann redete immer noch auf Minerva ein. Minerva versuchte zweimal, sich wieder dem Gespräch am Tisch zuzuwenden. Beide Male fing er sie mit einer neuen Frage ab. Dann lachte er über irgendetwas, was offensichtlich überhaupt nicht lustig gewesen war. Hermine schnaubte.

'Merlin, verschwinde einfach.'

Der Alkohol half ihrer Selbstbeherrschung nicht leider überhaupt nicht, denn inzwischen war ziemlich offensichtlich, dass der Mann nicht einfach nur an einem Gespräch mit der Schulleiterin von Hogwarts interessiert war. Er flirtete. Er stellte sich zwar nicht besonders geschickt an, doch es war eindeutig.

Hermine sah, wie er Minerva ein Kompliment machte. Minerva lächelte höflich.

'Hör auf zu lächeln', schoss es ihr durch den Kopf.

Hermine erstarrte sofort bei diesem Gedanken. Was für ein Unsinn. Natürlich durfte Minerva lächeln. Minerva tat überhaupt nichts. Sie hatte Abstand gehalten, suchte keinerlei körperliche Nähe und auf sein offensichtliches Flirten ging sie nicht ein. Hermine wusste das. Trotzdem wurde dieses unangenehme Ziehen in ihrem Bauch immer stärker, denn der Mann durfte etwas, das Hermine selbst gerade nicht durfte. Er konnte vor allen anderen offen zeigen, dass er Minerva attraktiv fand, konnte mit ihr flirten, konnte sich neben sie stellen und niemand dachte sich etwas dabei.

Hermine dagegen musste so tun, als wäre Minerva einfach ihre Kollegin. Das war es eigentlich, was sie so wütend machte. Es lag weder an diesem Kerl noch an Minerva. Sie war wütend, weil sie sich weiterhin und auf unbestimmte Zeit verstecken mussten.

Wieder lachte der Mann. Hermine stellte ihr Glas ab.

„Ich bin gleich wieder da“, sagte sie in Poppys Richtung.

Poppy sah kurz auf.

„Alles in Ordnung?“

„Ja.“

Hermine lächelte.

„Ich muss nur schnell zur Toilette.“

Sie stand auf und verschwand, bevor jemand sie aufhalten konnte.

Kaum war die Tür hinter ihr geschlossen, atmete Hermine tief durch.

„Merlin.“

Sie stellte sich vor den Spiegel.

„Reiß dich zusammen.“

Minerva hatte nichts gemacht. Gar nichts. Sie war einfach höflich und Hermine würde ganz sicher nicht mitten im Drei Besen eine Szene machen, nur weil irgendein angetrunkener Mann beschlossen hatte, Minerva McGonagall sei heute Abend besonders attraktiv. Auch wenn er damit leider recht hatte.

Hermine stützte beide Hände auf das Waschbecken.

„Sie gehört mir.“

Sie hielt inne. Dann musste sie über sich selbst lachen.

„Das klingt ja vollkommen gesund.“

Natürlich gehörte Minerva niemandem, aber Minerva liebte sie und Hermine liebte Minerva. Das wusste sie, doch dieses drückende Gefühl wollte nicht verschwinden.

Die Tür öffnete sich plötzlich. Hermine sah in den Spiegel und erkannte darin Irina, die herein kam.

„Ah.“

Hermine schloss kurz die Augen.

„Bitte nicht.“

Irina schloss die Tür.

„Was?“

„Sag nichts.“

„Ich habe noch gar nichts gesagt.“

„Dein Gesicht sagt genug.“

Irina lehnte sich gegen die Wand.

„Eifersüchtig?“

Hermine drehte sich um.

„Nein.“

Irina hob eine Augenbraue.

„Überhaupt nicht.“

„Komm schon Hermine.“

„Gut!“

Sie verschränkte die Arme.

„Ein bisschen.“

Irina grinste.

„Nur ein bisschen?“

„Er flirtet seit bestimmt zwanzig Minuten mit ihr.“

„Achtzehn.“

Hermine starrte sie an.

„Hast du die Zeit gestoppt?“

„Nein.“

Irina zuckte mit den Schultern.

„Aber ich hatte ebenfalls nichts Besseres zu tun.“

Hermine musste lachen. Dann seufzte sie.

„Ich weiß, dass es albern ist.“

Hermine sah wieder in den Spiegel.

„Minerva macht überhaupt nichts.“

„Das stimmt.“

„Sie ist nur höflich.“

„Auch das stimmt.“

„Und trotzdem könnte ich diesen Mann gerade mit seinem eigenen Schal erwürgen.“

Irina lachte.

„Vielleicht hilft dir etwas.“

Hermine sah sie an.

„Was?“

Irina grinste.

„Ich habe Minervas Gedanken gelesen.“

Hermine riss die Augen auf.

„Irina!“

„Nur ganz kurz.“

„Du kannst doch nicht einfach…“

„Soll ich dir sagen, was sie denkt oder möchtest du weiter eifersüchtig sein?“

Hermine schwieg. Dann:

„Sag es.“

Irinas Grinsen wurde breiter.

„Im Wesentlichen fragt sie sich seit ungefähr zehn Minuten, wann dieser Mann endlich die Klappe hält.“

Hermine blinzelte.

„Wirklich?“

„Wirklich.“

Hermine musste lachen. Irina fuhr fort:

„Außerdem überlegt sie ständig, wie sie das Gespräch beenden kann, ohne unhöflich zu werden.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Das ist so typisch Minerva.“

„Sehr.“

„Warum sagt sie ihm nicht einfach, dass er verschwinden soll?“

Irina sah sie vielsagend an.

„Weil sie Minerva ist.“

„Stimmt.“

Hermine atmete tief durch. Das unangenehme Ziehen war tatsächlich fast verschwunden.

„Danke.“

„Jederzeit.“

Irina öffnete die Tür.

„Kommst du?“

Hermine richtete noch kurz ihre Haare.

„Ja.“

Als sie gemeinsam zurückkehrten, bemerkte Minerva sie sofort. Ihr Blick fand Hermine beinahe in derselben Sekunde, in der sie den Raum betrat und Hermine wusste sofort:

Minerva hatte ganz genau verstanden, warum sie verschwunden war.

Dieses wissende Funkeln in ihren Augen war eindeutig. Hermine ging zurück zum Tisch. Inzwischen war neben Minerva wieder Platz. Sie setzte sich. Minerva wandte sich ihr zu.

„Alles in Ordnung?“

„Natürlich.“

Minerva lächelte. Hermine nahm ihr Glas.

„Was?“

„Nichts.“

„Du siehst mich so an.“

Minerva beugte sich ein winziges Stück näher.

„Du bist unmöglich.“

Hermine blinzelte unschuldig.

„Ich weiß überhaupt nicht, wovon du sprichst.“

Minerva senkte ihre Stimme.

„Du bist tatsächlich eifersüchtig.“

„Bin ich nicht.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Vielleicht ein bisschen.“

Sie musste lächeln. Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Es gibt wirklich keinen Grund, wegen eines betrunkenen Mannes eifersüchtig zu sein.“

„Ich weiß.“

Hermine sah sie an.

„Trotzdem mag ich das ganz und gar nicht.“

Minerva musste lachen.

„Das habe ich bemerkt.“

Hermine wollte gerade etwas erwidern, doch da tauchte plötzlich wieder dieser Mann neben ihnen auf.

„Da bist du ja wieder.“

Minervas Lächeln verschwand. Bevor sie reagieren konnte, legte der Mann plötzlich einen Arm um ihre Schultern und zog sie ein Stück zu sich.

„Hey, Süße“, lallte er. „Wir waren noch nicht fertig.“

Für einen Moment wurde Hermine vollkommen still. Der Arm des Mannes lag um Minervas Schultern. Minerva selbst bewegte sich zunächst überhaupt nicht. Sie drehte lediglich langsam den Kopf und sah ihn an. Ihr Gesicht blieb höflich.

„Nehmen Sie bitte Ihren Arm von mir.“

Der Mann grinste.

„Ach, komm schon.“

Minervas Blick wurde kühler.

„Ich habe Sie gebeten, Ihren Arm von mir zu nehmen.“

Eigentlich hätte spätestens jetzt jeder vernünftige Mensch verstanden, dass es Zeit war, einen sehr großen Schritt zurückzutreten, denn Minervas Stimme hatte sich deutlich verändert. Diesen Mann interessierte das offenbar nicht. Im Gegenteil. Er zog Minerva sogar noch ein Stück näher zu sich.

„Sei doch nicht so steif.“

Hermine stellte ihr Glas ab.

'Oh, du hast keine Ahnung, was du gerade getan hast.'

Pomona hatte das Gespräch inzwischen ebenfalls unterbrochen, Poppy sah herüber, Filius hob langsam die Augenbrauen, Horace schwieg mitten im Satz und Irina lehnte sich zurück. Es schien fast so, als wüsste sie bereits, was gleich passieren würde und natürlich tat sie das auch. Minerva sah den Mann an. Dann lächelte sie. Hermine kannte dieses Lächeln. Das war kein freundliches Lächeln mehr. Das war das Lächeln einer Frau, deren Geduld gerade endgültig aufgebraucht war.

„Nun gut.“

Der Mann grinste triumphierend. Offenbar interpretierte er Minervas Worte vollkommen falsch. Ein gewaltiger Fehler. Minervas Hand schoss nach oben, sie packte seinen Arm und bevor er überhaupt begriff, was geschah, riss sie ihn mit einer schnellen Bewegung von ihren Schultern.

„Was zum…“

Minerva stand auf. Sie drehte seinen Arm von sich weg und stieß ihn gleichzeitig so grob zurück, dass er mehrere Schritte rückwärts taumelte. Er fing sich gerade noch an einem freien Stuhl. Plötzlich war es erstaunlich still in ihrer Ecke des Drei Besens.

Minerva richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Das dunkelgrüne Kleid tat ihrer Autorität keinerlei Abbruch. Ganz im Gegenteil. Ihre Augen funkelten.

„Ich habe Sie zweimal höflich gebeten, mich nicht anzufassen.“

Der Mann starrte sie an.

„Ich wollte doch nur…“

„Es interessiert mich nicht, was Sie wollten.“

Minervas Stimme war ruhig und genau deshalb klang sie so gefährlich.

„Verziehen Sie sich.“

Der Mann blinzelte.

„Aber…“

Minerva hob nur eine Augenbraue.

„Jetzt.“

Das genügte. Er murmelte etwas Unverständliches, richtete seine Kleidung und verschwand zwischen den anderen Gästen. Hermine sah ihm nach. Dann zu Minerva und wieder in die Richtung, in die er verschwunden war.

Minerva setzte sich vollkommen ruhig wieder auf ihren Platz, als wäre überhaupt nichts passiert. Sie nahm ihr Glas, nahm einen Schluck und stellte es wieder ab. Pomona starrte sie an.

„Minerva.“

„Was?“

„Du hast ihn beinahe über einen Stuhl geworfen.“

„Unsinn.“

„Er ist mindestens zwei Meter zurückgestolpert“, sagte Filius.

„Dann hätte er besser auf seinen Stand achten sollen.“

Poppy presste die Lippen zusammen. Hermine sah genau, dass sie nicht lachen wollte. Horace hingegen machte sich diese Mühe gar nicht erst. Er brach in schallendes Gelächter aus.

„Bei Merlin, Minerva!“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Er hat mich angefasst, nachdem ich ihm ausdrücklich gesagt habe, dass er es lassen soll.“

„Vollkommen nachvollziehbar“, sagte Irina trocken.

„Absolut“, stimmte Poppy zu.

Pomona schüttelte den Kopf.

„Ich sage ja gar nicht, dass er es nicht verdient hat.“

„Gut.“

Minerva nahm wieder ihr Glas.

„Dann wäre das geklärt.“

Hermine biss sich auf die Unterlippe. Sie durfte nicht lachen. Sie durfte vor allem nicht so aussehen, als hätte sie gerade den attraktivsten Moment des gesamten Abends erlebt. Neville sah zu ihr. Seine Augen funkelten verdächtig. Hermine warf ihm sofort einen warnenden Blick zu. Neville wandte sich demonstrativ wieder Filius zu. Das Gespräch nahm langsam wieder Fahrt auf, Irina bestellte noch eine Runde und nach wenigen Minuten war die Stimmung wieder vollkommen gelöst. Hermine entspannte sich ebenfalls. Ihre Eifersucht war vollständig verschwunden. Stattdessen war sie ausgesprochen beeindruckt. Sie sah immer wieder zu Minerva. Minerva bemerkte es natürlich.

„Was?“, fragte sie schließlich leise.

„Nichts.“

„Hermine.“

„Ich bin ganz still.“

Minerva hob eine Augenbraue. Hermine grinste in ihr Glas. Ein paar Minuten später verliefen die Gespräche am Tisch wieder durcheinander. Niemand achtete auf sie. Hermine nutzte den Moment. Sie beugte sich ein wenig zu Minerva.

„Das war übrigens wirklich scharf“, flüsterte sie.

Minerva erstarrte. Ganz langsam drehte sie den Kopf zu Hermine. Hermine nahm vollkommen unschuldig einen Schluck aus ihrem Glas, doch ihr Grinsen verriet sie eindeutig.

Je später es wurde, desto ausgelassener wurde die kleine Gesellschaft und desto großzügiger wurde Horace beim Nachschenken.

„Horace“, sagte Minerva irgendwann und betrachtete ihr Glas misstrauisch. „Das war eindeutig mehr als ein kleiner Schluck.“

„Heute wird gefeiert!“

„Das sagst du seit drei Stunden.“

„Und ich habe noch immer recht.“

Filius lachte, Pomona schüttelte amüsiert den Kopf und Poppy erklärte schließlich, dass sie vermutlich besser langsam nach Hogwarts zurückkehren sollten, solange noch alle in der Lage waren, den Weg zu finden. Hermine war ausgesprochen guter Laune. Der Feuerwhisky hatte längst seine Wirkung entfaltet. Nicht so sehr, dass sie nicht mehr wusste, was sie tat, aber ausreichend, dass alles ein bisschen leichter, lustiger und wärmer wirkte und Minerva ging es offenbar ähnlich.

Ihre sonst so makellose Haltung war etwas lockerer, ihre Wangen leicht gerötet und sie lachte deutlich häufiger als gewöhnlich.

Schließlich verabschiedeten sie sich und machten sich gemeinsam auf den Weg zurück zum Schloss.

Die Nacht war angenehm mild. Hermine ging zunächst neben Neville, Minerva einige Schritte vor ihr zwischen Poppy und Filius, bis Poppy plötzlich stehen blieb.

„Pomona, warte mal.“

„Was?“

„Ich muss dich etwas fragen.“

Pomona blieb ebenfalls zurück. Damit ging Minerva plötzlich allein. Hermine bemerkte es und Irina offenbar auch, denn sie tauchte neben Hermine auf, hakte sich kurzerhand bei Neville unter und zog ihn ein wenig zur Seite.

„Neville, erzähl mir noch einmal von deiner Prüfung.“

„Was genau?“

„Alles.“

Hermine sah Irina an, Irina lächelte unschuldig. Die junge Hexe verstand sofort, welche Chance sich ihr nun bot. Hermine beschleunigte ein wenig. Sekunden später lief sie neben Minerva.

„Was für ein Zufall.“

Minerva warf ihr einen Seitenblick zu.

„Bemerkenswert.“

Hermine musste lachen. Ihre Hände schwangen beim Gehen dicht nebeneinander. Einmal streiften sich ihre Finger. Dann noch einmal. Mehr erlaubten sie sich nicht. Nach einigen Minuten schloss Pomona wieder zu ihnen auf. Kaum war sie da, verlangsamte sie plötzlich ihre Schritte.

„Poppy?“

„Hm?“

„Kommst du kurz?“

Minerva sah über die Schulter. Poppy und Pomona wechselten einen Blick, während Irina grinste. Minerva schüttelte den Kopf. Hermine biss sich auf die Lippe. Ihre Freunde waren wirklich nicht besonders subtil, aber sie liebte sie dafür.

So kam es, dass Hermine und Minerva auf dem gesamten Rückweg immer wieder ganz zufällig nebeneinander liefen. Nie lange genug, um aufzufallen, aber oft genug.

Im Schloss angekommen, wurde die Gruppe zunehmend kleiner. Horace verabschiedete sich zuerst.

„Gute Nacht! Und noch einmal: Herzlichen Glückwunsch!“

„Danke, Horace.“

Filius bog wenig später in einen anderen Korridor ab. Neville wurde von Pomona noch einmal fest umarmt, bevor auch sie sich verabschiedete. Poppy wünschte allen eine gute Nacht. Irina blieb zuletzt. Sie sah erst Minerva an. Dann Hermine. Ein wissendes Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

„Gute Nacht.“

Hermine verengte die Augen.

„Gute Nacht, Irina.“

„Schlaft gut ihr beiden und viel Spaß.“

Minerva hob eine Augenbraue. Irina verschwand lachend um die Ecke. Hermine sah ihr nach.

„Unmöglich.“

„Du magst sie.“

„Leider.“

Minerva lachte leise. Nun waren sie allein. Sie gingen noch ein Stück nebeneinanderher. Natürlich lagen ihre Wohnungen in derselben Richtung. An der nächsten Ecke blieben sie stehen. Hermine sah nach links, dann nach rechts. Der Korridor war vollkommen leer. Sie wandte sich Minerva zu.

„Zu mir oder zu dir?“

Minerva lächelte.

„Zu mir.“

„Warum?“

„Ich habe noch etwas für dich.“

Hermines Augenbrauen gingen nach oben.

„Was?“

„Das wirst du sehen.“

„Ein Geschenk?“

„Geduld.“

Hermine grinste.

„Davon hatte ich heute wirklich genug.“

Wenige Minuten später fiel die Tür zu Minervas Wohnung hinter ihnen ins Schloss. Hermine drehte sich zu ihr. Minerva hatte kaum Gelegenheit, irgendetwas zu sagen. Hermine trat auf sie zu. Minerva wich überrascht einen Schritt zurück. Dann noch einen. Bis ihr Rücken sanft gegen die Wand traf.

„Hermine.“

Mehr brachte sie nicht heraus. Hermine legte die Hände an ihre Taille und küsste sie stürmisch. Minerva lachte zunächst gegen ihre Lippen, bevor sie den Kuss erwiderte.

„Du bist wirklich…“

Hermine küsste sie erneut.

„…unmöglich.“

„Weiß ich.“

Noch ein Kuss. Minervas Hände glitten an Hermines Rücken und berührten ihre Haut. Ihre Finger rutschten für einen Moment tiefer in den Ausschnitt von Hermines Rücken. Als Hermine sich schließlich ein kleines Stück löste, waren ihre Augen voller Belustigung.

„Ich muss dir noch etwas sagen.“

„Musst du das?“

„Unbedingt.“

Minerva wartete. Hermine grinste.

„Das vorhin war wirklich unglaublich heiß.“

Minerva schloss kurz die Augen.

„Nicht schon wieder.“

„Doch.“

„Hermine.“

„Wie du erst ganz höflich geblieben bist und dann…“

Hermine machte eine kleine Bewegung mit der Hand.

„…weg mit ihm.“

Minerva lachte.

„Er hat mich gegen meinen Willen festgehalten.“

„Ich weiß.“

Hermines Lächeln wurde weicher.

„Und ich fand deine Reaktion vollkommen richtig. Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurückhalten konnte, bevor ich ihm eine geknallt hätte.“

„Meine kleine Kämpferin“, lachte Minerva.

Dann grinste Hermine wieder.

„Und trotzdem war es heiß.“

Minerva lachte erneut und zog sie in einen weiteren Kuss. Hermine schmiegte sich an sie. Die angespannte Heimlichkeit des gesamten Abends fiel langsam von ihnen ab.

Endlich mussten sie nicht mehr darauf achten, wer hinsah. Hier waren sie einfach sie selbst. Nach mehreren Küssen löste Minerva sich schließlich von ihr.

„Warte hier.“

Hermine zog eine Schnute.

„Warum?“

„Ich bin sofort wieder da.“

„Wo willst du hin?“

„Ins Bad.“

Hermine hob eine Augenbraue.

„Geheimnisvoll, aber es klingt sehr verlockend.“

Minerva küsste sie noch einmal kurz.

„Du bleibst hier.“

„Jawohl, Professor McGonagall.“

„Frechheit.“

Minerva verschwand in Richtung Badezimmer. Hermine lachte leise. Dann zog sie ihren Umhang aus und legte ihn ordentlich über einen Sessel. Die Schuhe folgten. Erleichtert bewegte sie ihre Zehen über den Teppich.

„Viel besser.“

Aus dem Bad hörte sie leise Geräusche. Hermine ging zum Sofa und setzte sich. Sie zog die Beine bequem an und lehnte sich zurück. Der ganze Abend ging ihr noch einmal durch den Kopf und sie musste wieder grinsen. Vor allem aber dachte sie daran, dass sie es geschafft hatte. Ihr Referendariat war beendet. Sie war Lehrerin. Und irgendwo hinter dieser Badezimmertür befand sich die Frau, mit der sie diesen Tag am liebsten beenden wollte. Hermine lächelte und wartete.

Aus dem Bad war schon seit einer Weile nichts mehr zu hören. Stattdessen nahm Hermine leise Geräusche aus dem Schlafzimmer wahr. Sie richtete sich auf dem Sofa etwas auf.

„Minerva?“

Keine Antwort. Hermine grinste.

„Was wird denn jetzt eigentlich aus meiner Überraschung?“

„Geduld“, erklang Minervas Stimme aus dem Schlafzimmer.

„Du weißt, dass ich darin nicht besonders gut bin.“

„Das ist mir durchaus bekannt.“

Hermine lachte und schüttelte den Kopf. Dann wurde es wieder still.

„Minerva?“

„Einen Moment.“

„Was machst du da?“

„Hermine.“

Dieser warnende Ton. Hermine hob ergeben die Hände, obwohl Minerva sie gar nicht sehen konnte.

„Schon gut.“

Sie lehnte sich zurück. Vielleicht eine halbe Minute später öffnete sich die Schlafzimmertür. Hermine sah hin und erstarrte. Minerva stand im Türrahmen. Hermine machte große Augen.

„Oh.“

Mehr fiel ihr zunächst nicht ein. Minerva trug das dunkelrote Negligé, das Hermine ihr zu Weihnachten geschenkt hatte. Der feine Stoff schmiegte sich elegant an Minervas Körper, ohne zu viel preiszugeben. Es war verführerisch, aber gleichzeitig so stilvoll, dass es vollkommen zu ihr passte. Hermine ließ ihren Blick langsam über sie wandern. Minerva beobachtete ihre Reaktion sichtlich amüsiert.

„Überraschung.“

Hermine stand langsam vom Sofa auf.

„Du…“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ich?“

„Du trägst es.“

„Offensichtlich.“

„Das Negligé.“

„Auch das ist richtig.“

Hermine kam näher.

„Das ich dir geschenkt habe.“

„Hermine, wie viel Feuerwhisky hattest du?“

Hermine lachte.

„Nicht genug, um diesen Anblick zu vergessen.“

Minervas Mundwinkel hoben sich. Hermine blieb direkt vor ihr stehen. Sie konnte sich wirklich nicht sattsehen.

„Merlin.“

„Gefällt es dir?“

Hermine sah ihr wieder in die Augen.

„Ob es mir gefällt?“

Sie schüttelte ungläubig den Kopf.

„Minerva, es steht dir unglaublich gut.“

Minerva lächelte.

„Dann war es offenbar ein gutes Geschenk.“

„Ein ausgezeichnetes Geschenk.“

Hermine ließ ihren Blick noch einmal zu Minervas tiefen Dekolleté sinken.

„Es betont genau die richtigen Stellen.“

„Hermine.“

„Was?“

„Du starrst.“

„Natürlich starre ich. Du bist atemberaubend schön.“

Minerva lachte leise. Hermine trat noch näher.

„Allerdings gibt es ein kleines Problem.“

„Welches?“

Ein schelmisches Lächeln erschien auf Hermines Gesicht.

„Du wirst es nicht besonders lange tragen.“

Minerva lachte.

„Das habe ich mir bereits gedacht.“

„Gut.“

Hermine wollte sie gerade küssen, doch Minerva wich einen Schritt zur Seite.

„Nicht so schnell.“

Hermine sah ihr überrascht nach. Minerva ging hinter sie.

„Was hast du vor?“

„Du hast doch gesagt, dass wir noch etwas nachzuholen haben.“

Hermine spürte Minervas Hände an ihrem Rücken. Langsam öffnete sie den Reißverschluss ihres Sommerkleides. Hermine schloss die Augen. Der Stoff lockerte sich und Minerva streifte ihr das Kleid behutsam von den Schultern. Es glitt lautlos zu Boden. Dann spürte Hermine Minervas Lippen sanft und beinahe spielerisch an ihrem Hals. Hermine neigte automatisch den Kopf ein wenig zur Seite.

„Mhm.“

Minerva küsste sich langsam weiter zu ihrer Schulter. Ihre Finger strichen dabei über Hermines Oberarme und schoben die Träger ihres BHs ein wenig zur Seite, bevor sie einen weiteren zärtlichen Kuss auf ihre Schulter setzte. Hermine lächelte.

„Und wie lange soll mich heute Abend noch beherrschen?“

Minerva lachte leise an ihrer Haut.

„Jetzt musst du das nicht mehr.“

„Sehr gut.“

Minerva legte die Hände an Hermines Taille. Langsam drehte sie sie zu sich. Für einen Moment sahen sie einander einfach an. Hermines Blick wanderte erneut zu dem dunkelroten Negligé.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du das tatsächlich angezogen hast.“

„Für dich.“

Hermines Lächeln wurde weich.

„Das macht es noch schöner.“

Sie legte die Arme um Minerva. Minerva zog sie näher und dann küssten sie sich lange und zärtlich.

Küssend bewegten sie sich langsam durch das Wohnzimmer. Hermine hatte längst vergessen, dass sie Minerva ursprünglich hatte überraschen wollen. Jetzt war es Minerva, die das Tempo bestimmte. Minervas Hände lagen an Hermines Taille, während sie sie Schritt für Schritt in Richtung Schlafzimmer führte. Immer wieder lösten sich ihre Lippen nur für einen Augenblick voneinander, gerade lange genug, um einander anzusehen, bevor der nächste Kuss folgte. Hermine lächelte gegen Minervas Lippen.

„Das ist also meine Überraschung?“

„Ein Teil davon.“

„Nur ein Teil?“

Minervas Augen funkelten.

„Du stellst zu viele Fragen.“

„Berufskrankheit.“

Minerva lachte leise und küsste sie wieder. Wenig später spürte Hermine die Bettkante hinter ihren Beinen. Sie setzte sich, doch kaum wollte sie sich zurücklehnen, folgte Minerva ihr bereits und drückte sie sanft in die Kissen. Hermine lachte überrascht.

„Du bist heute aber entschlossen.“

„Du hast deine Prüfungen bestanden.“

Minerva beugte sich über sie.

„Ich finde, das verlangt nach einer angemessenen Feier.“

„Damit kann ich…“

Der Rest ging in einem weiteren Kuss unter. Hermine schloss die Augen. Ihre Hände fanden Minervas Rücken und hielten sie nah bei sich. Plötzlich war nichts mehr von der aufgestauten Ungeduld des Abends übrig. Es wurde ruhig zwischen ihnen und zärtlicher als sonst.

Minerva küsste Hermines Wange, ihren Hals und ihre Schulter. Ihre Hände strichen langsam über ihre Seiten und über ihre Beine, immer wieder unterbrochen von kleinen Berührungen und Küssen, die Hermine sichtbar genoss.

„Minerva…“

„Hm?“

Hermine öffnete die Augen. Minerva sah sie an.

„Nichts.“

Ein glückliches Lächeln erschien auf Hermines Gesicht.

„Mach einfach weiter.“

Minervas Gesicht wurde weich. Sie küsste sie wieder.

Ihre Hand strich langsam über Hermines Oberschenkel, während sie sich näher zwischen ihre Beine bewegte. Hermine zog sie automatisch näher zu sich und ließ die Finger durch Minervas Haare gleiten, doch selbst jetzt wurde nichts hastig. Sie hatten heute Abend lange genug warten müssen. Lange genug hatten sie sich mit Blicken begnügen müssen. Jetzt mussten sie nichts davon mehr zurückhalten. Minerva ließ sich Zeit mit jedem Kuss. Hermine ebenso.

Mal lachten sie leise, wenn ihre Nasen aneinanderstießen oder Hermine irgendeinen frechen Kommentar flüsterte. Dann wurden sie wieder still und sahen einander einfach nur an. Hermine strich über Minervas Wange.

„Weißt du, was gerade das Schönste daran ist?“

„Das Weihnachtsgeschenk?“

Hermine lachte.

„Das ist definitiv weit oben auf der Liste, aber nein.“

Ihr Blick wurde sanfter. Noch einmal strich sich zärtlich durch Minervas Haar.

„Das schönste ist, dass wir endlich allein sind und dass ich dich endlich lieben kann, so wie du es verdienst.“

Minervas Lächeln verschwand ein wenig. Sie war nicht traurig. Ihr Blick wurde nur noch weicher. Sie legte ihre Stirn an Hermines.

„Ja.“

Hermine schloss die Augen. Minervas Hand strich beruhigend über ihre Seite.

„Heute Nacht gibt es niemanden, vor dem wir uns verstecken müssen“, flüsterte Minerva.

Hermine zog sie näher.

„Dann bleib hier. Ganz nah bei mir.“

„Immer.“

Ihre Lippen trafen sich erneut und dieses Mal sagten sie gar nichts mehr.

Sie ließen den langen Tag hinter sich und verloren sich einfach in ihrer Nähe, in Küssen und vertrauten Berührungen, langsam und ohne Eile. Jetzt mussten sie nirgendwo mehr hin. Jetzt gehörte der Rest der Nacht nur ihnen.