Stärke im Schweigen
Stärke im Schweigen
Hallo ihr Lieben, ich habe es gestern leider nicht mehr geschafft, das neue Kapitel hochzuladen. Dafür jetzt.
Sagt mir gerne, was euch an der Story bisher gefällt oder vielleicht auch nicht gefällt.
Außerdem brauche ich eure Meinungen für weitere Kapitel. Wollt ihr es detailliert oder sollen gewisse Dinge nur angedeutet werden? Lasst es mich gerne wissen ;) Aber jetzt viel Spaß mit dem neuen Kapitel. Eure M.
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Nach einer weiteren unruhigen Nacht wachte Hermine mit dem Entschluss auf, Minerva zur Rede zu stellen. Sie musste wissen, warum Minerva nichts gesagt hatte, warum sie mit Featherstone gesprochen hatte und warum sie Poppy geschickt hatte. So machte sie sich am späten Nachmittag auf zum Schulleiterturm, als sie fertig war, den morgigen Unterricht mit Slughorn zu besprechen.
Sie stand lange vor der schweren Tür des Schulleiterbüros. Mehrmals hob sie die Hand, zögerte, ließ sie wieder sinken.
„Mach schon Granger, sei kein Feigling“, flüsterte sie sich selbst zu und klopfte schließlich.
„Herein.“
Minervas Stimme klang gewohnt fest. Als Hermine eintrat, saß sie hinter dem Schreibtisch, eine Feder in der Hand, den Blick auf einen Stapel Dokumente gesenkt, doch ihre Augen hoben sich sofort und für einen Moment glitt etwas über ihr Gesicht – Überraschung? Unbehagen?
„Hermine,“ sagte sie förmlich. „Was führt dich her?“
Hermine trat näher.
„Du hast Poppy geschickt“, sagte sie direkt und fixierte Minerva mit einem durchdringenden Blick.
Minerva erstarrte, die Feder in ihrer Hand verharrte. Ihre Augen verengten sich kaum merklich. Dann legte sie die Feder ab, faltete die Hände und hob den Blick zu Hermine.
„Ja.“
„Du warst da,“ sagte Hermine leise, ihre Stimme bebte leicht. „Du hast alles gehört.“
Eine kurze Stille. Minerva nickte.
„Ja.“
Hermines Herz schlug schneller.
„Warum hast du nichts gesagt? Warum hast du mich einfach… mit ihm stehen lassen?“
Minervas Kiefer spannte sich an.
„Weil es nicht meine Aufgabe ist, mich einzumischen, wenn zwei Kollegen unterschiedliche Ansichten haben. Ich bin Schulleiterin. Neutralität ist ein Teil meiner Pflicht.“
„Unterschiedliche Ansichten? Neutralität?“ Hermines Stimme wurde fester. „Er hat mich nicht nur kritisiert, er hat versucht, mich kleinzumachen. Und du standest da – und hast zugesehen.“
Minerva schloss kurz die Augen, als kämpfe sie mit sich selbst. Dann erhob sie sich langsam, trat um den Schreibtisch herum und blieb nur einen Schritt entfernt vor Hermine stehen.
„Glaubst du wirklich, es ist mir leichtgefallen, zu schweigen?“ Ihre Stimme war leiser, tiefer, beinahe rau. „Jedes Wort von ihm gegen dich war ein Stich, aber wenn ich Partei ergreife, verliere ich nicht nur meine Autorität – ich verrate auch das, was wir beide…“ Sie brach ab, suchte Halt in Hermines Blick. „…zu verbergen versuchen.“
Hermine sog scharf die Luft ein. So nah. So ehrlich. Und doch so unnachgiebig.
„Minerva,“ flüsterte sie, „ich brauche dich nicht als Schulleiterin. Ich brauche dich, die Frau, die du bist.“
Einen Moment lang stand alles still. Dann wandte Minerva den Blick ab, trat einen Schritt zurück und verschränkte die Arme.
„Ich darf ihm nicht die Schwäche zeigen, die er bereits wittert. Wenn ich dich beschütze, gebe ich ihm Munition. Verstehst du das?“
„Was soll das heißen?“
„Blicke sagen oft mehr als Worte. Deine Blicke sind so eindeutig, wie meine, wenn wir uns unbeobachtet fühlen.“
Hermine spürte, wie sich die Worte in ihr festsetzten – schwer, aber unausweichlich. Sie wusste, Minerva hatte recht und doch kämpfte alles in ihr dagegen an. Hermine ballte die Hände zu Fäusten.
„Also soll ich einfach schweigen? Seine Sticheleien ertragen und so tun, als würde er mich nicht provozieren?“
Minervas Augen verengten sich.
„Nein. Du sollst ihm auf deine Weise entgegentreten, aber nicht, indem du dich von ihm aus der Fassung bringen lässt. Er sucht genau danach – einen Makel, einen Fehler, an dem er sich festbeißen kann.“
„Du erwartest, dass ich mich beherrsche, während er mich behandelt wie eine Anfängerin?“
Hermines Stimme zitterte vor unterdrückter Wut.
„Ich bin kein Kind mehr, Minerva. Ich habe gekämpft, ich habe mich bewiesen.“
„Das weiß ich,“ erwiderte Minerva leise, aber eindringlich. „Glaub mir, niemand zweifelt mehr an deinen Fähigkeiten als er und niemand glaubt mehr an dich… als ich.“
Hermine hielt den Atem an. Da war es – ein Geständnis, fast zu deutlich, fast ein Bruch in der Fassade, doch Minerva fing sich sofort wieder, richtete sich auf.
„Aber meine persönliche Meinung,“ fuhr sie fort, „kann nicht über meinen Pflichten stehen. Wenn ich dir öffentlich beispringe, schwäche ich dich, statt dich zu stärken und das werde ich nicht tun.“
Hermine schluckte.
„Manchmal habe ich das Gefühl, du versteckst dich hinter deinen Pflichten, weil es einfacher ist, als ehrlich zu sein.“
Minerva erstarrte, die Worte trafen sie sichtbar. Ein Schatten glitt über ihr Gesicht, dann schüttelte sie den Kopf.
„Du unterschätzt, wie schwer es ist, die Fassade aufrechtzuerhalten.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. „Vor allem in deiner Nähe.“
Hermine wollte noch etwas erwidern, doch Minerva hob eine Hand, fast flehend.
„Bitte. Dräng mich nicht. Es wird meine Meinung nicht ändern.“
Ein stilles Ringen lag zwischen ihnen, dichter als jede körperliche Berührung. Hermines Herz schrie nach Nähe, Minervas nach Distanz und beide wussten, dass sie sich auf dünnem Eis bewegten.
Hermine war wieder in ihre Wohnung zurückgekehrt. Die Tür fiel leise ins Schloss und sie ließ sich sofort gegen sie sinken. Minervas Worte klangen noch immer in ihren Ohren: „Bitte. Dräng mich nicht.“
Ein Seufzer entwich ihr, schwer und brüchig. Sie zog den Umhang ab, legte ihn achtlos über einen Stuhl und ging einige Schritte durch den Raum, ohne zu wissen wohin. In ihr tobte ein Sturm. Wut, Sehnsucht, Verzweiflung und darunter, hartnäckig wie ein Licht, Hoffnung.
Sie setzte sich an den Schreibtisch, stützte die Stirn in die Hände.
„Sie glaubt, sie schützt mich,“ murmelte sie in den stillen Raum. „Aber sie sieht nicht, dass ihr Schweigen mich mehr verletzt als alles, was Featherstone sagen könnte.“
Die Erinnerung an Minervas Blick – dieses kurze, nackte Eingeständnis, „Niemand glaubt mehr an dich als ich“ – ließ ihr Herz unruhig schlagen. Es war da. Ganz klar. Minerva fühlte dasselbe. Nur die Pflicht, die Fassade, hielten sie zurück.
Hermine richtete sich auf, legte die Hände flach auf die Tischplatte.
„Wenn sie nicht nachgeben kann, dann muss ich einen Weg finden, sie zu überzeugen. Nicht mit Bitten, nicht mit Vorwürfen.“ Ihre Stimme gewann an Festigkeit. „Ich muss ihr zeigen, dass wir stärker sind, wenn wir nicht gegeneinander ankämpfen, sondern füreinander.“
Sie erhob sich, trat ans Fenster und sah hinaus auf das Schlossgelände, das in der Dunkelheit lag. Schülerlachen wehte schwach von draußen herein, ein fernes Echo des Lebens, das morgen wieder in vollen Zügen beginnen würde.
„Ich liebe sie,“ flüsterte Hermine, als ob das Eingeständnis im leeren Raum eine Macht hätte. „Und ich werde nicht aufgeben. Nicht, solange noch Hoffnung bleibt.“
Ein Entschluss lag in der Luft. Noch vage, noch ohne Form, doch er würde bald Gestalt annehmen – wie ein Funke, der nur darauf wartete, zur Flamme zu werden.
Als am nächsten Tag der Unterricht begann, saß Professor Slughorn in der letzten Reihe. Er hatte Hermine angewiesen, die Klassen am heutigen Tag vollkommen selbständig zu unterrichten.
Die Schüler saßen erwartungsvoll an ihren Tischen, Kessel und Zutaten bereit. Hermine stand vorne, diesmal selbstbewusst, das Herz noch immer von den Gedanken an Minerva erfüllt. Sie hatte sich vorgenommen, heute nicht nur zu unterrichten, sondern zu zeigen, wer sie war – ruhig, kompetent, klar in ihren Entscheidungen.
„Heute bereiten wir einen Heiltrank gegen kleinere Vergiftungen vor,“ begann sie, die Stimme fest. Die Schüler blickten auf, aufmerksam, als hätte ihr Ton sofort Autorität verliehen.
Ein Schüler verwechselte die Zutaten, rührte hastig um. Hermine trat ruhig heran, korrigierte sanft seine Haltung und erklärte, warum die Reihenfolge entscheidend sei.
„So,“ sagte sie, als der Kessel langsam anfing zu dampfen, „achtet darauf, dass die Temperatur konstant bleibt. Ein kleiner Fehler kann die Wirkung völlig umkehren.“
Die Klasse horchte. Ihre Stimme war ruhig, klar, und trotzdem wärmend. Sie ließ Platz für Fragen, korrigierte sanft, lobte gezielt. Die Schüler begannen, konzentriert zu arbeiten und einige sahen sogar zu ihr auf, statt zu Slughorn, der hinten saß und lächelte.
Minerva, die zufällig den Gang entlangging, um einige Akten abzulegen, blieb an der geöffneten Tür stehen. Sie beobachtete die Szene – Hermines Haltung, die Ruhe in ihrer Stimme, die souveräne Kontrolle über den Unterricht. Ein kleiner, fast unsichtbarer Ausdruck von Stolz huschte über ihr Gesicht, bevor sie sich wieder abwandte.
Hermine bemerkte den kurzen Blick nicht. Sie war zu sehr in den Moment vertieft, die Schüler zu leiten, jede Bewegung und jeden Handgriff genau zu erklären.
Als die Stunde zu Ende ging, lächelten ihr mehrere Schüler anerkennend zu und Slughorn lobte sie überschwänglich.
Hermine sammelte ihre Unterlagen ein, die Lippen zu einem stillen Lächeln geschlossen.
Das war mein erster Schritt. Ich werde ihr zeigen, dass ich nicht nur ihre Aufmerksamkeit, sondern auch ihren Respekt verdiene.
Hermine verließ den Klassenraum mit ihrer Mappe unter dem Arm, noch ein wenig beseelt von der gelungenen Stunde. Ihre Schritte hallten leise auf dem Steinboden, als plötzlich eine bekannte, feste Stimme hinter ihr erklang.
„Hermine.“
Sie drehte sich um. Minerva stand ein paar Meter entfernt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, der Blick ernst.
„Professor McGonagall,“ sagte Hermine und ging in ihre Richtung.
Sie blieb allerdings einige Schritte von ihr weg, um ihr nicht zu nahe zu kommen, während zugleich ihr Herz schneller schlug.
Minerva trat einen Schritt vor, immer noch mit genügend Distanz.
Die Stimme leise, kontrolliert, aber nicht unfreundlich: „Ich habe deine Stunde beobachtet.“
Hermine schluckte. Wieder eine heimliche Beobachtung? Wurde das nun zur Gewohnheit? Hermine schüttelte den Gedanken fort und sah Minerva an.
„Und…?“
„Und… du hast die Klasse souverän geleitet. Ruhig, klar, kompetent. Die Schüler haben dir gehorcht, ohne dass du streng werden musstest.“
Minervas Augen glitten über Hermines Gesicht, suchten nach einem Zeichen von Stolz, aber auch von Selbstzweifel.
„Du hast mich… beeindruckt.“
Hermine fühlte ein plötzliches Prickeln im Nacken, ein warmer Stich im Herzen.
„Danke. Das bedeutet mir viel, wenn… wenn du es ernst meinst.“
Minerva nickte schweigend. Sie erkannte die Zweifel hinter Hermines Worten.
„Du hast wohl deinen Platz gefunden.“
Hermine nickte, den Blick gesenkt.
„Ich… ich wollte es dir zeigen. Dir zeigen, dass ich es kann.“
Minerva nickte knapp, die Schultern leicht zurückgezogen, als wolle sie die Kontrolle wahren. „Ich wusste schon vorher, dass du es kannst.“
Ein kurzer, stiller Blickwechsel, in dem alles gesagt wurde, was Worte nicht fassen konnten: Stolz, Anerkennung, Zuneigung und doch die Distanz, die Minerva wahren musste.
Dann wandte sich Minerva ab, die Schritte fest, kontrolliert. Hermine blieb zurück, spürte das Nachhallen der Worte, wie ein warmer, unerwarteter Funke, der in ihr brannte.
Ein kleiner Sieg, dachte sie, aber einer, der viel bedeutet. Für uns beide.
Slughorn ließ Hermine auch am Nachmittag selbst unterrichten, was die junge Frau mit Stolz erfüllte. Die kleinen Erstklässler hingen förmlich an ihren Lippen und befolgten ihre Schritte. Ein schüchternes Mädchen aus Hufflepuff schien ein paar Schwierigkeiten zu haben, was Hermine sogleich bemerkte. Sie ging zu ihr und erklärte ihr die Schritte erneut.
„Vielen Dank Professor“, sagte die Kleine glücklich, als auch sie dank Hermines Hilfe wieder selbständig vorankam.
„Einfühlungsvermögen ist wichtig“, sagte Slughorn, als die Stunde beendet war. „Und das davon hast du wahrscheinlich mehr als wir anderen.“
„Sie hat mich ein wenig an mich erinnert. Sie wusste eigentlich, was zu tun war, doch sie war unsicher. Unsicherheit kann dein größter Feind sein.“
Slughorn nickte.
„Da gebe ich dir vollkommen recht. Ich sehe, ich kann dir ohne Bedenken die Klassen überlassen“, schmunzelte er.
„Wir werden sehen, wie die älteren irgendwann reagieren werden“, meinte Hermine und lächelte.
Slughorn lachte herzlich.
„Oh da brauchst du dich nicht zu sorgen. Außer vielleicht vor ein paar schmachtenden Blicken der Jungs.“
„Ach ja?“
„Natürlich. Eine junge, hübsche Lehrerin kann einem Schüler schon mal den Kopf verdrehen.“
Hermine beugte sich grinsend vor.
„Hast du da Erfahrung?“
„Oh ja. Während meiner Schulzeit gab es eine Lehrerin – Professor Rhoda Collins“, schwelgte Horace. „Blond, wunderschön und nicht sehr viel älter als wir damals waren.“
„Und?“
„Alle Mühe war umsonst. Professor Sparks, unser Lehrer für Arithmantik hatte es ihr angetan. Ich habe dieses Fach gehasst.“
„Und was hat sie unterrichtet?“
„Drei Mal darfst du raten.“
„Zaubertränke?“
Horace nickte grinsend. Hermine lachte über ihren Kollegen und packte ihre restlichen Sachen ein.
Sie verließ das Klassenzimmer, die Mappe unter dem Arm, mit einem zufriedenen Lächeln. Gedankenverloren ging sie in Richtung Lehrerzimmer, um dort ein paar Unterlagen abzulegen. Das Lächeln auf ihren Lippen verschwand, als sie Featherstone am Ende des Flurs bemerkte. Er lehnte lässig an der Wand, die Arme verschränkt, die Augen scharf auf sie gerichtet.
„Miss Granger,“ sagte er, die Stimme seidenweich, aber mit einem Unterton, der unangenehm unter die Haut ging. „Ich sehe, Sie haben sich bei Slughorn hervorgetan. Sehr beeindruckend.“
Hermine hielt die Mappe fester an sich gedrückt.
„Danke. Ich bemühe mich, meinen Teil zu leisten.“
Featherstone schmunzelte nur, sein Blick glitt über sie und dann fügte er hinzu: „Interessant finde ich… dass Sie es schaffen, gleichzeitig kompetent zu wirken und… jemandem da oben Aufmerksamkeit zu entlocken.“
Er deutete leicht mit dem Kopf in Richtung Treppenaufgang, wo Minerva gerade aus dem Lehrerzimmer kam.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen“, antwortete Hermine kühl.
„Oh, ich denke schon,“ sagte er, das Lächeln schmaler werdend. „Manchmal ist das Spiel der Blicke aussagekräftiger als jede Lehrstunde. Sie haben offensichtlich Wege gefunden, das Oberhaupt des Hauses… zu beeindrucken.“
Hermine ballte die Hände, der Stolz und die Verwirrung mischten sich zu einem bitteren Geschmack.
„Ich unterrichte, um die Schüler zu fördern. Nicht um jemand anderen zu beeindrucken.“
Featherstone hob die Augenbraue, sein Blick funkelte spitz.
„Natürlich, aber seien Sie vorsichtig.“
Er trat zurück, drehte sich elegant um und ließ Hermine allein im Flur zurück – die Worte hallten nach.
Hermine atmete tief durch. Das Spiel war eröffnet. Featherstone würde sie testen, herausfordern, vielleicht sogar versuchen, Minerva in ihr Blickfeld zu rücken, um Druck aufzubauen. Doch gleichzeitig spürte sie einen Funken Entschlossenheit.
Wenn er denkt, er kann mich einschüchtern, dachte sie, dann hat er sich getäuscht.
Beim Abendessen in der großen Halle berichtete Hermine von ihrem Tag und war unglaublich stolz, dass sie den Unterricht allein gestalten durfte. Pomona, Poppy und Neville freuten sich sehr für Hermine. Sie genoss es mit ihren Freunden zu lachen und wenigstens ein paar unbeschwerte Momente zu haben, auch wenn Minervas Nähe sie immer wieder ablenkte.
Die langen Tische waren weitgehend geräumt, nur einige Lehrer blieben noch, plauderten leise. Hermine stand auf und wollte sich gerade verabschieden, als Featherstone plötzlich neben ihr auftauchte, ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen.
„Miss Granger,“ begann er, die Stimme zuckersüß, doch scharf wie ein Messer, „Sie beeindrucken ja nicht nur Professor Slughorn, sondern auch das restliche Kollegium. Es muss ein aufregendes Gefühl sein, plötzlich im Rampenlicht zu stehen.“
Hermine hob die Augenbrauen, ein kühles Lächeln auf den Lippen. „Es geht mir nicht um Eindruck, Professor. Ich unterrichte, um den Schülern zu helfen.“
Er neigte den Kopf, sein Blick glitt dabei über sie, dann zu Minerva, die am Lehrertisch saß und scheinbar mit Filius sprach, doch die Augen immer wieder kurz zu Hermine wanderten. Featherstone konnte sich ein spitzes Lächeln nicht verkneifen.
„Natürlich. Aber manche Beziehungen ziehen Aufmerksamkeit auf sich, ob man will oder nicht“, sagte er leise, beinahe vertraulich.
Hermine spürte, wie ihre Wangen warm wurden und ihr Herz schlug schneller. Sie wollte ihm etwas bissiges entgegenwerfen, doch die Halle war noch nicht leer, einige Schüler blickten neugierig herüber.
„Ich glaube, Sie überschätzen, was andere sehen, Professor,“ sagte sie schließlich, ihre Stimme ruhig, aber klar.
„Meine Arbeit spricht für sich. Das ist alles, was zählt.“
Featherstone hob eine Augenbraue, seine Lippen zuckten kurz zu einem spöttischen Lächeln.
„Natürlich. Aber seien Sie sicher: Ich werde beobachten, wie Sie sich in Verwandlung schlagen. Und glauben Sie mir – manche Lektionen lehren mehr als nur Magie.“
Er ließ die Bemerkung in der Luft hängen und verschwand schließlich durch den Ausgang. Hermine blieb stehen, das Herz noch immer klopfend und bemerkte erst jetzt Minervas Blick.
Minerva hatte alles beobachtet – jede Nuance, jede Reaktion. Die Stirn leicht gerunzelt, aber die Augen warm, fast stolz. Sie richtete den Blick wieder auf Professor Flitwick, doch Hermine spürte das stille Verständnis.
Er wird es nicht leicht machen, dachte sie, aber ich werde ihm zeigen, dass ich stärker bin, als er glaubt.