LNCrawler

Wieder vereint

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Wieder vereint

Hallo ihr Lieben,

es hat mal wieder etwas gedauert, aber dafür ist es wieder etwas länger ;)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen :D

Liebe Grüße!

Dann war es tatsächlich so weit. Das letzte gemeinsame Frühstück verlief ruhig. Fast ein wenig zu ruhig, wie Minerva fand. Isobel hatte ihr Versprechen gehalten. Sie fragte nicht mehr nach dem Bild, nicht nach den beiden Gedankenbüchern und auch nicht nach dem geheimnisvollen Grund dafür, warum ihre Tochter angeblich so verändert wirkte. Stattdessen sprachen sie über vollkommen gewöhnliche Dinge.

Isobel beschwerte sich über einen Strauch, der seit Jahren genau dort wuchs, wo er ihrer Meinung nach nicht wachsen sollte, und Minerva wies darauf hin, dass man ihn nach mehreren Jahrzehnten vielleicht einfach als festen Bestandteil des Gartens akzeptieren könnte.

„Er steht im Weg.“

„Dann geh außen herum.“

„Das tue ich seit dreißig Jahren.“

„Dann scheinst du eine funktionierende Lösung gefunden zu haben.“

Isobel hatte sie daraufhin mit genau dem Blick bedacht, von dem Minerva wusste, dass sie ihn selbst regelmäßig ihren Schülern zuwarf. Minerva musste lachen.

Es war ein schöner Morgen und während sie später nach oben ging, um ihre restlichen Sachen einzupacken, stellte sie fest, dass der gesamte Besuch trotz allem schön gewesen war. Ihre Mutter hatte sie genervt. Sehr sogar. Die ständigen Fragen nach ihrem Privatleben waren anstrengend gewesen. Der Versuch, sie mit Graham zusammenzubringen, noch mehr und auf das Gespräch mit dem Hauselfen hätte Minerva gut verzichten können.

Trotzdem war es ihre Mutter. Sie hatten gelacht und Zeit miteinander verbracht. Eine schöne Überraschung während ihres Besuchs war natürlich Malcolm und obwohl Minerva ursprünglich ganz sicher nicht vorgehabt hatte, ihm von Hermine zu erzählen, war sie im Nachhinein sogar froh darüber, dass er nun Bescheid wusste.

Es hatte ihr gutgetan, ihre Heimat und ihre Familie nach langer Zeit wiederzusehen, aber jetzt freute sie sich auf Hogwarts. Minerva musste lächeln, während sie das dunkelrote Gedankenbuch noch einmal kontrollierte. Sie verstaute die beiden Bücher und den Bilderrahmen sicher.

„Diesmal bleibst du hoffentlich unentdeckt“, murmelte sie.

Die Foto-Hermine lächelte sie an. Minerva strich einmal mit dem Daumen über den Rahmen. Dann packte sie ihn sorgfältig ein und schloss den Koffer.

Wenig später kam sie mit ihrem gepackten Koffer die Treppe hinunter. Isobel wartete bereits in der Eingangshalle. Minerva musste lächeln. Ihre Mutter hatte schon immer Abschiede begleitet, als würde jemand für mehrere Jahre auf Expedition gehen und nicht einfach nach Hogwarts zurückkehren.

„Alles gepackt?“, fragte Isobel.

„Ja.“

„Sicher?“

„Mutter.“

„Du hast als Kind ständig etwas vergessen.“

„Ich bin nicht mehr zwölf.“

„Das schützt nicht vor Vergesslichkeit.“

„Ich habe alles.“

Isobel betrachtete den Koffer.

„Dann bin ich zufrieden.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf. Sie nahm ihren Mantel und legte ihn über den Arm. Für einen kurzen Moment standen Mutter und Tochter einfach voreinander. Dann wurde Isobels Gesicht weicher.

„Es war schön, dass du hier warst.“

Minerva lächelte.

„Das fand ich auch.“

Und das meinte sie. Trotz allem. Isobel nickte. Dann zögerte sie kurz.

„Und Minerva?“

Minerva wusste bereits, dass jetzt noch etwas kam.

„Ja?“

„Melde dich, wenn du bereit bist, mit mir zu sprechen.“

Minervas Blick blieb auf ihrem Gesicht. Ihre Mutter drängte sie nicht. Es war lediglich ein Angebot. Minerva entspannte sich.

„Das werde ich.“

Isobel nickte zufrieden.

„Gut.“

Minerva wusste nicht, wann dieses Gespräch stattfinden würde. Vielleicht bald, vielleicht erst nach den Ferien, vielleicht würde sie erst abwarten, wie sich die Situation in Hogwarts entwickelte, aber irgendwann würde sie ihrer Mutter von Hermine erzählen. Sie wollte dafür nur den richtigen Moment abwarten und den wollte sie selbst bestimmen.

„Komm gut nach Hogwarts“, sagte Isobel. „Und arbeite nicht so viel.“

Minerva schnaubte.

„Ich gebe mir Mühe.“

„Das sagst du jedes Mal.“

„Und jedes Mal meine ich es.“

„Das macht es nicht überzeugender.“

Minerva lächelte.

„Bis bald, Mutter.“

Isobels Gesicht wurde weich.

„Bis bald, mein Schatz.“

Minerva musste innerlich schmunzeln.

'Mein Schatz.'

Sie konnte vermutlich achtzig oder neunzig sein. Vermutlich würde Isobel sie selbst dann noch mein Schatz nennen und gleichzeitig überprüfen wollen, ob sie genug gegessen, ausreichend geschlafen und ihre Sachen vollständig eingepackt hatte.

Manche Dinge änderten sich offenbar niemals. Minerva stellte den Koffer kurz ab. Dann trat sie auf ihre Mutter zu. Isobel breitete die Arme aus. Sie umarmten einander fest. Länger, als Minerva erwartet hatte. Sie schloss für einen Moment die Augen und hielt ihre Mutter einfach. Abschiede waren selbst nach all den Jahren noch seltsam. Vielleicht weil ein kleiner Teil von Minerva in diesem Haus niemals Professor McGonagall oder Schulleiterin gewesen war. Hier war sie einfach Minerva.

Schließlich lösten sie sich voneinander. Isobel strich ihr kurz über den Oberarm.

„Pass auf dich auf.“

„Du auch.“

„Und schreib.“

„Ja, Mutter.“

„Nicht erst in drei Wochen.“

„Ich werde schreiben.“

Isobel lächelte. Minerva nahm ihren Koffer wieder. Dann öffnete sie die Haustür. Die frische schottische Luft schlug ihr entgegen. Sie trat hinaus. Isobel folgte ihr bis zur Tür. Minerva ging den vertrauten Weg hinunter, vorbei am Garten, über das Grundstück und in Richtung des Punktes, von dem aus sie gefahrlos apparieren konnte. Kurz vor dem Tor blieb sie stehen. Sie drehte sich noch einmal um. Isobel stand mit ihrem Stock in der Hand an der offenen Haustür und winkte mit der anderen Hand. Minerva lächelte und hob ebenfalls die Hand. Für einen Augenblick blieb sie einfach stehen und plötzlich fragte sie sich doch, ob sie es hätte sagen sollen oder ob sie hätte zurückgehen und sagen sollen:

'Mutter, es gibt tatsächlich jemanden. Ihr Name ist Hermine.'

Minerva betrachtete Isobel. Vielleicht wäre es gut gegangen, vielleicht hätte ihre Mutter sie überrascht, so wie Malcolm es getan hatte oder möglicherweise hätte sie nur wissen wollen, ob Minerva glücklich war, aber Minerva spürte, dass sie noch nicht bereit dafür war. Es war besser so. Sie würde es ihrer Mutter erzählen. Irgendwann, wenn die Zeit reif war.

Minerva winkte ein letztes Mal. Dann wandte Minerva sich ab und ging noch ein Stück weiter und plötzlich war die Melancholie des Abschieds nicht mehr das stärkste Gefühl, denn vor ihr lag Hogwarts und dort würde Hermine bald ankommen. Allein der Gedanke ließ Minervas Herz schneller schlagen. Sie umfasste den Griff ihres Koffers fester. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Dann drehte sie sich auf der Stelle. Mit einem leisen Knall verschwand Minerva McGonagall aus Caithness und apparierte direkt nach Hogwarts.

Hermine blieb noch den halben Vormittag bei den Potters. Eigentlich hätte sie durchaus früher nach Hogwarts zurückkehren können. Ihr Koffer war gepackt. Sie hatte alles zusammengeräumt und wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, zog es sie längst zurück zu Minerva. Allein bei dem Gedanken daran, dass sie sich bald wiedersehen würden, wurde sie unruhig.

Trotzdem brachte sie es nicht übers Herz, schon direkt nach dem Frühstück zu gehen. Vor allem wegen James. Er hatte offenbar beschlossen, dass seine Patentante vor ihrer Abreise noch einmal vollständig in Beschlag genommen werden musste.

„Noch mal!“

Hermine saß mit ihm auf dem Teppich im Wohnzimmer.

„James, wir haben das jetzt ungefähr zwölfmal gemacht.“

„Noch mal.“

„Dreizehnmal.“

„Noch mal!“

Hermine sah zu Ginny. Die saß mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und machte keinerlei Anstalten, ihr zu helfen.

„Du könntest einschreiten.“

„Warum?“

„Weil das dein Sohn ist.“

„Aber du bist seine Patentante. Hast du selbst mehrfach betont. Also, er gehört ganz dir.“

Sie lachten beide. James drückte Hermine einen kleinen Spielzeugbesen in die Hand.

„Noch mal.“

Hermine seufzte gespielt dramatisch.

„Na schön.“

James strahlte und Hermine konnte ohnehin nicht anders, als zu lächeln.

Die nächsten Stunden gehörten fast vollständig ihrem Patensohn. Sie bauten mit magischen Holzklötzen einen Turm, den James mit großer Begeisterung immer wieder umwarf. Sie ließen kleine Figuren durch das Wohnzimmer marschieren. Hermine las ihm dasselbe Bilderbuch zweimal vor, weil James beim ersten Mal darauf bestanden hatte, jede einzelne Seite ausführlich zu kommentieren und irgendwann jagte sie ihm durch den Garten hinterher, nachdem er mit einem triumphierenden Lachen ihren Zauberstab geschnappt hatte.

„James!“

„Meiner!“

„Ganz sicher nicht!“

Er rannte weiter. Hermine hätte ihn natürlich innerhalb von Sekunden einholen können. Tat sie aber nicht. Stattdessen ließ sie ihn glauben, dass er tatsächlich eine Chance hatte.

„Du bist unglaublich schnell!“

James quietschte vor Freude.

„Schnell!“

„Aber nicht schnell genug!“

Hermine erwischte ihn schließlich von hinten, hob ihn hoch und drehte sich einmal mit ihm herum. James lachte so laut, dass Hermine selbst lachen musste.

„Hab ich dich.“

„Noch mal!“

Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Du weißt ganz genau, wie du mich herumkriegst.“

Irgendwann ließ sich der Abschied allerdings nicht länger hinauszögern. Hermine brachte ihren Koffer nach unten. Harry war inzwischen ebenfalls wieder da, um sich von ihr zu verabschieden. Ginny lehnte im Flur an der Wand, während James Hermines Bein umklammert hielt. Hermine sah an sich hinunter.

„Das macht es jetzt nicht unbedingt leichter.“

„Hermine bleiben.“

Ihr Herz zog sich zusammen.

„Oh, mein Schatz.“

Sie ging in die Hocke.

„Ich muss zurück nach Hogwarts.“

James verzog das Gesicht.

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Ich komme dich wieder besuchen.“

„Morgen?“

Hermine lachte leise.

„Wahrscheinlich nicht morgen, aber ganz bestimmt bald.“

James schlang die Arme um ihren Hals und Hermine drückte ihn fest an sich.

„Und du bist lieb zu Mummy und Daddy.“

„Ja.“

Harry schnaubte.

„Das verspricht er aber sehr schnell.“

Hermine grinste über James’ Schulter hinweg.

„Vielleicht hört er auf seine Patentante.“

„Ganz bestimmt.“

„Ich habe einen positiven Einfluss auf ihn.“

Ginny lachte laut auf.

„Du hast ihm in den letzten Tagen ungefähr die Hälfte eines Spielzeugladens gekauft.“

„Übertreib nicht.“

Hermine löste sich etwas von James. Er griff sofort nach der Kette um ihren Hals.

„Minerva.“

Hermine erstarrte. Dann sah sie zu Harry. Harry grinste breit.

„Ja, James. Danke für die Erinnerung.“

Hermine verdrehte die Augen.

„Das werde ich mir jetzt wahrscheinlich jahrelang anhören müssen.“

„Definitiv.“

„Ich bereue es bereits, dir davon erzählt zu haben.“

„Du hast es mir streng genommen gar nicht freiwillig erzählt.“

Harry deutete auf seinen Sohn.

„Er hat die Ermittlungen eingeleitet.“

James klatschte begeistert.

„Genau“, sagte Harry. „Guter Mann.“

„Hört auf, euch gegen mich zu verbünden.“

Ginny kam zu ihnen.

„Ich finde, er hat uns allen einen Gefallen getan.“

„Natürlich findest du das.“

Ginny lächelte und zog Hermine in eine feste Umarmung.

„Es war wirklich schön, dass du hier warst.“

Hermine erwiderte die Umarmung sofort.

„Ich fand es auch schön. Danke, dass ich ein paar Tage bei euch sein durfte.“

„Als müsstest du dich dafür bedanken.“

„Ich habe euch trotzdem vermisst.“

„Wir dich auch.“

Als Ginny sie losließ, zog Harry Hermine ebenfalls kurz an sich.

„Und ich freue mich wirklich für dich“, sagte er leise.

Hermine lächelte.

„Danke.“

„Aber eines ist jetzt Pflicht.“

„Was?“

„Du hältst uns auf dem Laufenden.“

Ginny nickte sofort.

„Unbedingt.“

Hermine sah zwischen ihnen hin und her.

„Über Hogwarts?“

„Auch“, sagte Harry.

„Über meine neue Stelle?“

„Natürlich.“

Ginny grinste.

„Aber hauptsächlich über Minerva.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Ihr seid schrecklich.“

„Wir haben fast ein Jahr Nachholbedarf“, verteidigte Harry sich.

„Ihr bekommt ganz sicher keinen wöchentlichen Beziehungsbericht.“

„Monatlich würde reichen.“

„Harry!“

Ginny lachte. Hermine griff nach ihrem Koffer.

„Jetzt gehe ich wirklich.“

James streckte sofort wieder die Arme nach ihr aus. Natürlich nahm Hermine ihn noch einmal hoch.

„Eine letzte Umarmung.“

Er kuschelte sich an sie. Hermine küsste seine Stirn.

„Sei lieb und räum deine Schuhe nicht mehr in Küchenschränke.“

„Ja.“

Ginny hob eine Augenbraue.

„Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.“

Hermine setzte James wieder ab und sah noch einmal zu den dreien. Sie hatte diese Tage gebraucht. Es hatte sich ein wenig wie früher angefühlt und gleichzeitig vollkommen anders. Hermine lächelte.

„Bis bald.“

„Bis bald“, sagte Ginny.

Harry hob die Hand.

„Und grüß Minerva.“

Hermine zog eine Augenbraue hoch.

„Das werde ich.“

James winkte wild.

„Hermine!“

Hermine beugte sich noch einmal zu ihm hinunter und küsste seine Haare.

„Tschüss, mein Schatz.“

Dann nahm sie ihren Koffer und verließ das Haus. Sie ging ein Stück vom Grundstück weg, bis sie einen geeigneten Platz zum Apparieren erreicht hatte. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Jetzt gab es nur noch einen Gedanken.

Minerva.

Hermine konnte das Lächeln nicht mehr unterdrücken. Sie umfasste den Griff ihres Koffers fester, drehte sich auf der Stelle und apparierte nach Hogwarts.

Kaum hatte Hermine wieder festen Boden unter den Füßen, blickte sie zum Schloss hinauf. Hogwarts. Sie war zurück und irgendwo dort oben war Minerva. Allein dieser Gedanke genügte. Hermine griff fester nach ihrem Koffer und setzte sich in Bewegung. Zunächst ging sie noch in einem halbwegs normalen Tempo. Dann wurden ihre Schritte schneller.

„Oh, vergiss es“, murmelte sie zu sich selbst.

Wen wollte sie eigentlich täuschen? Sie hatte Minerva schrecklich vermisst.

Natürlich waren die Tage bei Harry und Ginny wunderschön gewesen. Sie hatte gelacht, sich erholt, James verwöhnt und endlich wieder richtig Zeit mit ihren Freunden verbracht, aber immer wieder hatte etwas gefehlt.

Morgens neben ihr. Abends neben ihr. Eine Hand, nach der sie inzwischen beinahe automatisch griff. Diese Stimme. Der trockene Humor. Die Art, wie Minerva sie ansah, wenn sie glaubte, niemand würde es bemerken und jetzt war sie endlich wieder da.

Hermine beschleunigte ihre Schritte noch einmal. Der Koffer holperte hinter ihr über den Weg.

Als sie das Schloss erreichte, nahm sie die Stufen zur Eingangshalle so schnell, dass man es durchaus als beinahe Rennen bezeichnen konnte. Ihre Absätze klackerten auf dem Stein und der Umhang flatterte hinter ihr. Hermine musste über sich selbst lachen.

Professor Granger, eine erwachsene Frau, rannte beinahe durch Hogwarts, weil sie ihre Freundin endlich wiedersehen wollte. Es war ihr vollkommen egal. Sie durchquerte die Eingangshalle, nahm die nächste Treppe und bog in einen der langen Korridore ein.

Minerva war unterdessen auf dem Weg von ihrem Büro zu ihrer Wohnung. Natürlich hatte sie nach ihrer Rückkehr noch etwas erledigen müssen. Nur eine Kleinigkeit hatte sie sich eingeredet. Einige Briefe hatten auf ihrem Schreibtisch gelegen. Zwei davon waren tatsächlich wichtig gewesen. Ein Pergament hatte unterschrieben werden müssen und wenn sie ohnehin schon dort gewesen war, konnte sie auch noch die anderen Unterlagen durchsehen. Minerva hatte irgendwann entschieden, aufzuhören. Sie hatte ihrer Mutter schließlich versprochen, sich Mühe zu geben, weniger zu arbeiten. Außerdem hatte sie heute etwas deutlich Besseres vor.

Hermine würde zurückkommen. Bei diesem Gedanken erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie ging den stillen Korridor entlang. Das Schloss wirkte während der Ferien vollkommen anders. Es war ruhig und still. Minerva mochte diese Stille. Besonders jetzt, denn sobald Hermine zurück war, gehörte Hogwarts für eine Weile nur ihnen. Minerva bog um eine Ecke. Sie dachte bereits darüber nach, ob Hermine vielleicht schon angekommen war. Vielleicht sollte sie… Plötzlich waren eilige Schritte zu hören. Minerva verlangsamte ihr Tempo. Die Schritte kamen von hinten. Sie wollte sich gerade umdrehen, als eine Stimme durch den leeren Korridor hallte.

„Minerva!“

Sie blieb augenblicklich stehen. Ihr Herz machte einen Satz. Diese Stimme…

Minerva drehte sich sofort um und da stand sie am anderen Ende des Korridors.

Hermine.

Für einen Augenblick bewegte sich keine von ihnen. Hermine trug ein leichtes Sommerkleid, darüber ihren Umhang. In einer Hand hielt sie ihren Koffer. Ihr Haar war vom schnellen Weg zum Schloss ein wenig zerzaust, ihre Wangen gerötet und sie sah Minerva an, als gäbe es gerade nichts anderes auf der Welt.

Minerva konnte nur zurücksehen. All die Gedanken, die sie sich während der vergangenen Tage über dieses Wiedersehen gemacht hatte, waren mit einem Mal verschwunden.

„Hermine…“, flüsterte sie.

Erstaunen lag in ihrer Stimme und dann kam das Lächeln. Dieses offene, warme Lächeln, das Hermine nur selten vor anderen Menschen zu sehen bekam. Hermine strahlte. Dann ließ sie ihren Koffer einfach fallen. Er schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem Steinboden auf. Minerva lachte leise.

„Hermine, dein…“

Weiter kam sie nicht. Hermine lief los.

„Oh.“

Minervas Lächeln wurde breiter. Hermine wurde schneller. Ihr Umhang rutschte von einer Schulter, doch sie kümmerte sich nicht darum. Noch ein paar Schritte. Der Umhang glitt vollständig von ihr herunter und landete mitten im Korridor. Auch das war ihr egal. Minerva öffnete bereits die Arme und Hermine rannte direkt hinein. Sie sprang förmlich auf sie zu. Minerva fing sie instinktiv auf. Hermine schlang beide Arme fest um ihren Hals, während Minerva sie sicher um die Taille hielt.

„Du meine Güte!“

Hermine lachte. Minerva ebenfalls. Der Schwung war so groß, dass Minerva sich einmal mit ihr drehte. Hermine hielt sich nur noch fester an ihr fest. Für einen vollkommen absurden, wunderschönen Moment standen sie mitten im leeren Korridor und lachten wie zwei Menschen, die sich nicht nur ein paar Tage, sondern Monate nicht gesehen hatten.

„Du bist verrückt“, murmelte Minerva.

„Ist mir egal.“

Hermine ließ ihre Stirn gegen Minervas Schläfe sinken. Minerva hielt sie noch immer fest.

„Endlich.“

Minerva schloss für einen Moment die Augen. Da war sie wieder. Ihre Hermine, warm in ihren Armen. Sie atmete den vertrauten Duft ihres Haares ein und spürte, wie die letzten Tage plötzlich weit entfernt wirkten. Alles wurde unwichtig, denn nun war Hermine wieder hier.

Langsam stellte Minerva sie wieder richtig auf die Füße, aber keine von ihnen ließ die andere los. Hermine hatte ihre Arme noch immer um Minervas Hals gelegt. Minervas Hände lagen an ihrer Taille. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie sahen einander an und Hermine wurde plötzlich ganz still. Ihr Lächeln blieb, aber es wurde weicher.

„Ich habe dich so vermisst, Minerva.“

Minervas Blick wurde zärtlich. Eine Hand wanderte von Hermines Taille über ihren Rücken.

„Ich dich auch, mein Liebling.“

Hermine zog sie sofort näher. Ihre Lippen fanden einander. Der Kuss war so zärtlich, warm, vertraut und voll von all den kleinen Dingen, die ihnen in den vergangenen Tagen gefehlt hatten. Hermine küsste sie noch einmal - mitten im Korridor, ohne sich vorher umzusehen und ohne die Sorge, dass plötzlich ein Schüler oder Kollege um die Ecke kommen könnte. Das Schloss war leer. Es gab niemanden, vor dem sie sich verstecken mussten und für diesen Moment gab es nur sie beide.

Hermine löste sich nur wenige Zentimeter von Minerva. Gerade weit genug, um sie anzusehen. Minervas Hände lagen noch immer an ihrer Taille, während Hermines Arme locker um ihren Hals geschlungen waren. Für einen Moment lächelten sie sich einfach an. Dann schüttelte Hermine leicht den Kopf.

„Nein.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Nein?“

„Das reicht noch nicht.“

Bevor Minerva fragen konnte, zog Hermine sie wieder zu sich und küsste sie erneut. Diesmal inniger. Minerva gab ein leises, überrasches Lachen gegen ihre Lippen von sich, bevor sie den Kuss erwiderte und Hermine enger an sich zog. Hermine hatte dieses Gefühl vermisst. Minervas Nähe, ihre Hände an ihrer Taille und diese Selbstverständlichkeit, mit der sie inzwischen zueinanderfanden.

Als sie sich schließlich wieder voneinander lösten, blieb Hermine dicht bei ihr.

„Das waren harte Tage ohne dich“, meinte sie.

Minerva lachte.

„Du hast es ja überlebt.“

Hermine zog eine Grimasse.

„Gerade so.“

„Wie dramatisch.“

„Du hast ja keine Ahnung.“

„Doch, ich fürchte, ich kenne dich inzwischen recht gut.“

„Dann solltest du wissen, wie sehr ich gelitten habe.“

„Ja, natürlich. Es muss furchtbar gewesen sein.“

„Schrecklich.“

Minervas Mundwinkel zuckten. Hermine grinste.

„Aber jetzt beginnen meine Ferien wirklich.“

„Ach? Die vergangenen Tage zählten nicht?“

„Nein.“

„Das solltest du Harry und Ginny vielleicht nicht erzählen.“

„Bei Harry und Ginny war es schön, aber jetzt…“

Hermine zog Minerva noch etwas näher.

„Jetzt habe ich dich ganz für mich.“

Etwas in Minervas Gesicht wurde sofort weich. Sie hob eine Hand und strich Hermine sanft über die Wange. Ihr Daumen glitt einmal über ihre Haut.

„Darauf habe ich mich schon sehr gefreut.“

Hermine lehnte sich unwillkürlich in die Berührung.

„Ich auch.“

Minerva gab ihr noch einen weiteren kurzen Kuss. Dann sah sie über Hermines Schulter hinweg. Einige Meter entfernt lagen Hermines Umhang und Koffer mitten im Korridor. Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Du hast auf deinem Weg zu mir offenbar einige Dinge verloren.“

Hermine blickte zurück.

„Unwichtige Dinge.“

„Dein gesamtes Gepäck?“

„Alles unwichtig, wenn du hier stehst“, sagte Hermine grinsend.

„Ach so.“

„Was hätte ich denn machen sollen? Erst ordentlich meinen Koffer an die Wand stellen, meinen Umhang zusammenlegen und dann würdevoll zu dir spazieren?“

Minerva überlegte demonstrativ.

„Das wäre zumindest weniger gefährlich für sämtliche Gegenstände in diesem Korridor gewesen.“

„Langweilig.“

„Natürlich.“

Minerva zog ihren Zauberstab. Mit einer kleinen Bewegung ließ sie zunächst Hermines Umhang zu ihnen schweben. Hermine fing ihn auf, während der Koffer unmittelbar darauf folgte.

„Danke.“

„Gern geschehen.“

Minerva nahm ihre Hand. Hermine blickte auf ihre ineinander verschränkten Finger. Sofort erschien wieder dieses zufriedene Lächeln auf ihrem Gesicht, denn sie mussten einander nicht loslassen. Hand in Hand gingen sie gemeinsam durch den Korridor.

Hermine schwang ihre Hände leicht zwischen ihnen hin und her. Minerva bemerkte es natürlich.

„Du bist ausgesprochen ausgelassen.“

„Ich bin glücklich.“

„Das sehe ich.“

„Außerdem darf ich endlich mit meiner Freundin Händchen haltend durch Hogwarts laufen.“

„Welch revolutionäre Erfahrung.“

„Für uns schon.“

Minerva sah zu ihr. Damit hatte Hermine nicht einmal unrecht. Hermine erwiderte ihren Blick und erst jetzt schien sie Minerva wirklich ausführlich zu mustern. Ihr Blick wanderte über sie. Von den etwas lockerer als sonst frisierten Haaren über die weiße Bluse bis zu dem karierten Rock. Dann wieder nach oben. Minerva bemerkte es.

„Was?“

Hermine antwortete nicht sofort. Sie musterte sie weiter. Minerva wurde misstrauisch.

„Hermine?“

„Sag mal, wie siehst du eigentlich aus?“

Minerva blieb stehen.

„Was?“

Hermine grinste.

„So sehe ich dich nur äußerst selten.“

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mich bereits häufiger gesehen hast.“

„Nicht so.“

Hermines Blick wanderte erneut an ihr hinunter.

„Sonst trägst du immer irgendein schwarzes oder grünes Kleid, das dich vollkommen verdeckt.“

Minerva schnaubte.

„Vollkommen verdeckt.“

„Ja.“

„Hermine, meine Kleider reichen gewöhnlich nicht bis zu meinem Kinn.“

„Aber fast.“

„Unsinn“, meinte Minerva und zog Hermine sanft weiter.

Hermine trat beim Gehen ein wenig näher an sie heran.

„Vor allem die äußerst reizvollen Stellen versteckst du.“

Minerva lachte laut auf.

„Hermine Granger.“

„Was denn?“

„Wir sind kaum fünf Minuten wieder zusammen.“

„Eben. Ich habe einiges nachzuholen.“

„Das merke ich. Dein freches Mundwerk hast du in den letzten Tagen nicht verloren.“

„Nö.“

Hermine betrachtete sie noch einmal.

„Also… Eine weiße Bluse und einen Rock im Karomuster hast du jedenfalls äußerst selten an, wenn du so durch Hogwarts spazierst.“

„Das stimmt.“

„Und deine Haare.“

Hermine hob ihre freie Hand und strich vorsichtig über eine etwas lockerere Strähne an Minervas Schläfe.

„Die sind auch nicht so streng.“

Minerva lächelte.

„Nicht streng?“

„Nein. Sehr hübsch.“

„Aha.“

„Natürlich siehst du auch mit deiner strengen Frisur hübsch aus.“

„Schmeichlerin.“

Hermine neigte den Kopf.

„Hat deine Mutter dich so verändert?“

Minerva lachte.

„Ganz sicher nicht.“

Inzwischen hatten sie Minervas Wohnung erreicht.

Minerva öffnete die Tür und ließ Hermine zuerst eintreten. Der Koffer schwebte hinter ihnen hinein und stellte sich ordentlich neben der Wand ab. Hermine legte ihren Umhang darüber. Minerva schloss die Tür.

„Wenn es nichts mit deiner Mutter zu tun hat… warum sehe ich dich dann so?“

„Wir haben Ferien.“

Hermine drehte sich zu ihr um. Minerva legte den Zauberstab beiseite.

„Du sollst jetzt nicht die Schulleiterin mit strenger Frisur und Robe sehen.“

Sie lächelte.

„Du sollst mich sehen.“

Hermine wurde ganz still. Die neckische Antwort, die offensichtlich schon auf ihrer Zunge gelegen hatte, verschwand. Stattdessen ging sie zu Minerva. Langsam legte sie beide Arme um ihre Taille. Minervas Hände fanden wie selbstverständlich Hermines Hüften.

„Ich sehe dich immer“, sagte Hermine leise.

Minerva blickte sie an. Hermine lächelte.

„Egal, ob du deine Robe trägst oder irgendeines deiner hochgeschlossenen Kleider oder deine Haare so streng zurücksteckst, dass ich mich manchmal frage, wie du abends keine Kopfschmerzen hast.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Das sollte vermutlich romantisch werden.“

„Warte doch.“

Hermine schmiegte sich etwas näher an sie.

„Ich sehe immer dich.“

Jetzt verschwand auch Minervas amüsierter Ausdruck. Hermine sah ihr direkt in die Augen.

„Ich sehe immer diese wunderschöne Frau vor mir, in die ich mich jeden Tag ein bisschen mehr verliebe.“

Minerva schwieg einen Moment. Dann schüttelte sie mit einem kleinen Lächeln den Kopf.

„Schmeichlerin.“

„Ich bin nur ehrlich.“

„Natürlich.“

Hermine zog leicht an ihrer Taille.

„Und jetzt küss mich noch mal.“

Minervas Augen funkelten amüsiert.

„Ist das eine Aufforderung?“

„Ja.“

„Wie romantisch.“

„Ich habe lange genug darauf verzichten müssen.“

Minerva lachte.

„Ein paar Tage, Hermine.“

„Viel zu lange.“

„Du bist hoffnungslos.“

„Aber du liebst mich.“

Minerva zog sie enger an sich.

„Allerdings.“

Dann küsste sie Hermine zärtlich. Eine Hand glitt über Hermines Wange, während die andere an ihrer Taille ruhte und sie dicht bei sich hielt. Hermine schloss die Augen und schmiegte sich an sie. Endlich…

Hermine hatte offenbar noch immer nicht genug von ihr. Minerva merkte es an der Art, wie sie den Kuss vertiefte, ihre Arme sich wieder fester um ihre Taille legten und wie sie sich langsam mit ihr durch das Wohnzimmer bewegte.

„Was hast du vor?“, murmelte Minerva gegen ihre Lippen.

„Ich küsse dich.“

„Während du mich rückwärts durch meine eigene Wohnung dirigierst.“

„Du beschwerst dich doch nicht etwa?“

Minerva lächelte.

„Noch nicht.“

Hermine küsste sie wieder und machte dabei den nächsten Schritt. Minerva wusste längst, wohin Hermine sie führte.

„Sehr subtil.“

„Danke.“

„Das war kein Kompliment.“

„Ist mir egal.“

Hermine musste lachen und Minerva nutzte den Moment um ihr einen kleinen Kuss auf den Mundwinkel zu geben. So gelangten sie schließlich ins Schlafzimmer - lachend und einander küssend.

Hermine stieß mit der Wade gegen die Bettkante.

„Oh.“

Minerva konnte gerade noch lachen, bevor Hermine das Gleichgewicht verlor und sie mit sich zog. Sie fielen gemeinsam auf die Matratze.

„Hermine!“

„Das war nicht geplant.“

„Das behauptest du jetzt.“

Hermine lag halb neben ihr und lachte. Minerva schüttelte den Kopf. Dann wurde es langsam still zwischen ihnen.

Vielleicht hätte man nach ihrem stürmischen Wiedersehen erwartet, dass sie übereinander herfielen und all die aufgestaute Sehnsucht der vergangenen Tage sich in Ungeduld verwandelte, aber das geschah nicht.

Hermine drehte sich zu Minerva. Minerva hob die Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann küssten sie sich wieder langsam und zärtlich. Hermine rückte näher. Minerva schlang einen Arm um sie und schließlich lag Hermine eng an sie geschmiegt, den Kopf an ihrer Schulter, während Minerva sie festhielt.

Hermine legte einen Arm um Minervas Mitte. Keiner von ihnen sagte etwas. Sie genossen einfach die Wärme der anderen, das vertraute Gewicht und das Gefühl, endlich wieder dort zu sein, wo sie beide sein wollten. Hermine drückte ihr Gesicht kurz gegen Minervas Hals.

„Das habe ich vermisst.“

Minervas Hand strich langsam über ihren Rücken.

„Ich auch.“

Hermine gab ihr einen kleinen Kuss unterhalb des Kinns. Minerva schloss die Augen. Nach einer Weile fragte Minerva leise:

„Wie war es eigentlich bei den Potters?“

Hermine hob etwas den Kopf.

„Schön.“

„Nur schön?“

„Sehr schön.“

Sie lächelte.

„Und chaotisch.“

„James?“

„Wer sonst?“

Minerva lachte leise.

„Was hat er angestellt?“

„Was hat er nicht angestellt?“

Hermine begann aufzuzählen:

Schuhe im Küchenschrank, Spielzeug, das praktisch überall im Haus verteilt gewesen war, endlosen Wiederholungen derselben Spiele, seine Flucht mit ihrem Zauberstab und natürlich verschwieg Hermine nicht, dass sie ihren Patensohn nach allen Regeln der Kunst verwöhnt hatte.

„Ginny behauptet, ich hätte ihm zwei Drittel eines Spielzeugladens gekauft.“

„Hat sie recht?“

„Nein.“

Minerva hob eine Augenbraue. Hermine verzog den Mund.

„Vielleicht ein Drittel.“

„Hermine.“

„Gut, möglicherweise etwas mehr.“

Minerva lachte.

„Der arme Junge.“

„Arm? Er hatte eine hervorragende Zeit.“

„Das glaube ich.“

Hermine kuschelte sich wieder näher an sie.

„Harry konnte sich sogar etwas Zeit nehmen. Wir haben viel geredet. Es war wirklich schön, wieder einmal länger dort zu sein.“

Dass ein ganz bestimmtes Gespräch mit Harry stattgefunden hatte, ließ sie zunächst aus. Natürlich war es nicht Hermines Absicht das von Minerva zu verheimlichen. Sie wollte nur erst hören, wie Minervas Tage gewesen waren. Hermine hob den Kopf.

„Jetzt du.“

Minerva seufzte.

„Was möchtest du wissen?“

„Alles.“

„Das könnte dauern.“

„Wir haben Zeit.“

Minerva lächelte.

„Es war… wie erwartet.“

Hermine verzog sofort das Gesicht.

„So schlimm?“

„Ja.“

„Oh nein.“

Minerva strich gedankenverloren über Hermines Rücken.

„Ich war keine Stunde da und schon hat sie angefangen, über meine Kinderlosigkeit zu sprechen.“

Hermines Gesicht wurde ernst.

„Minerva…“

„Es war wirklich beeindruckend. Nicht einmal eine Stunde.“

„Das tut mir leid.“

Minerva zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich hätte damit rechnen müssen.“

„Trotzdem.“

Hermine strich ihr über den Arm. Minerva atmete aus.

„Ich kam mir vor, als wäre ich wieder ein Kind.“

„Ich wünschte, ich hätte bei dir sein können.“

Minerva sah sie an.

„Das hätte einiges interessanter gemacht.“

„Ich hätte mich benommen.“

Minerva schnaubte.

„Natürlich.“

„Was soll das heißen?“

„Dass ich dich kenne.“

Hermine lächelte kurz, wurde dann aber wieder ernst.

„Ich meine es ernst. Ich hätte dir gern beigestanden.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Ich weiß.“

Minerva schwieg einen Moment. Dann verzog Minerva den Mund.

„Sie wollte sogar einen alten Freund einladen, um mich zu verkuppeln.“

Hermine richtete sich sofort ein Stück auf.

„Was?“

Minerva musste lachen.

„Graham Fraser. Ein alter Bekannter. Er ist wohl inzwischen Witwer und meine Mutter ist der Meinung, er sei ausgesprochen geeignet.“

Hermine starrte sie empört an.

„Na, dem hätte ich was erzählt!“

„Das dachte ich mir.“

Hermine legte demonstrativ einen Arm fester um Minervas Taille.

„Du gehörst mir.“

Minervas Augen funkelten.

„Tue ich das?“

„Ja.“

„Sehr besitzergreifend, Miss Granger.“

„Professor Granger.“

„Verzeihung.“

Hermine grinste.

„Und ja. In diesem Fall bin ich besitzergreifend.“

Minerva küsste ihre Stirn.

„Das glaube ich sofort, mein Schatz.“

Dann wurde ihr Ausdruck etwas nachdenklicher.

„Allerdings ist noch etwas passiert.“

Hermine sah sie fragend an.

„Mein Bruder ist aufgetaucht.“

„Malcolm, richtig?“

„Ja.“

Hermine lächelte.

„Aber das ist doch schön oder nicht?“

„Es war schön, ihn zu sehen, ja.“

Minerva zögerte.

„Aber leider hat er das Bild von uns gesehen.“

Hermine blinzelte.

„Ein Bild?“

„Das, das ich mitgenommen hatte.“

„Oh.“

„Ja und mein Bruder ist vieles, aber nicht blöd.“

Hermine beobachtete sie.

„Er weiß jetzt also von uns?“

„Ja.“

„Und?“

Minerva lächelte leicht.

„Er hat überraschend gut reagiert.“

Hermine entspannte sich sichtbar.

„Wirklich?“

„Wirklich. Er war hauptsächlich beleidigt, dass ich es ihm nicht selbst erzählt habe.“

„Das klingt irgendwie nach einem Bruder.“

„Leider.“

„Und er wird nichts sagen?“

„Nein. Er hat es mir versprochen.“

Hermine nickte langsam.

„Gut.“

Dann wurde sie still. Minerva bemerkte es sofort.

„Was?“

Hermine sah sie an. Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Diesen Gesichtsausdruck kenne ich.“

„Welchen Gesichtsausdruck?“

„Den, bei dem du mir gleich etwas sagen wirst, von dem du nicht weißt, wie ich darauf reagiere.“

„Ja, also…“

Minerva wurde aufmerksam.

„Ich muss dir dann wohl auch noch etwas sagen.“

„Das klingt ernst.“

„Ist es nicht. Also… nicht wirklich.“

„Hermine...“

„Ich ähm…“

„Raus damit.“

Hermine holte tief Luft.

„Harry weiß es auch.“

Minerva setzte sich mit einem Ruck auf. Hermine rutschte dabei beinahe von ihrer Schulter.

„Harry?“

„Ja.“

„Du hast es Harry gesagt?“

Minerva klang erschrocken und ein wenig alarmiert. Hermine setzte sich ebenfalls auf.

„Nicht mit Absicht.“

Minerva starrte sie an.

„Was heißt nicht mit Absicht?“

„Es ist… kompliziert.“

„Offenbar.“

Hermine nahm Minervas Hand.

„James hat dich erwähnt.“

„James hat mich erwähnt.“

„Er kann inzwischen Minerva sagen.“

Minerva blinzelte. Für einen kurzen Moment wurde ihr Gesicht weich.

„Kann er?“

Hermine lächelte.

„Seit gestern Abend sogar sehr deutlich.“

„Oh.“

„Es war wirklich süß.“

Minerva fing sich wieder.

„Hermine.“

„Ja. Entschuldige.“

Sie strich mit dem Daumen über Minervas Handrücken.

„Er hat mit meiner Kette gespielt und immer wieder deinen Namen gesagt. Harry hat natürlich gefragt, wie James jetzt plötzlich auf dich kommt.“

„Und dann?“

„Ginny hat noch versucht, mich zu retten.“

„Versucht?“

„Ich war offenbar auffallend nervös.“

Minerva sah sie trocken an.

„Du? Niemals.“

„Sehr witzig.“

„Weiter.“

„Harry hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt und irgendwann…“

Hermine zuckte hilflos mit den Schultern.

„Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus.“

Minerva atmete tief ein.

„Er arbeitet im Ministerium. Wenn das herauskommt…“

„Liebling.“

Hermine rückte näher.

„Er wird nichts sagen.“

„Hermine…“

„Wirklich.“

Sie legte eine Hand an Minervas Wange.

„Harry würde niemals etwas weitererzählen, wenn ich ihn ausdrücklich bitte, es für sich zu behalten.“

Minerva schwieg. Die Sorge blieb in ihrem Gesicht. Hermine strich ihr sanft durch das Haar.

„Und wie hat er reagiert?“, fragte Minerva schließlich.

Hermine lächelte.

„So wie jeder.“

„Das bedeutet?“

„Er freut sich für uns.“

Minervas Augen suchten ihre.

„Wirklich?“

„Ja.“

„Keine merkwürdigen Fragen?“

„Er war sehr überrascht, aber nicht schockiert oder ablehnend.“

Minerva entspannte sich langsam.

„Er hat gesagt, dass er sich freut, wenn ich glücklich bin.“

„Und du hast ihm gesagt, dass du es bist?“

Hermine lächelte.

„Sehr sogar.“

Minervas Mundwinkel hoben sich.

„Gut.“

„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“

Hermine ließ ihre Finger durch Minervas etwas lockereres Haar gleiten und strich anschließend über ihre Wange.

„Er wird wirklich nichts sagen.“

Minerva legte ihre Hand über Hermines.

„Dann wissen jetzt erstaunlich viele Menschen von unserer ausgesprochen geheimen Beziehung.“

Hermine lachte.

„Ja, sieht so aus als wären wir doch nicht ganz so diskret.“

Minerva seufzte.

„Ausgezeichnet.“

„Sieh es positiv.“

„Jetzt bin ich gespannt.“

Hermine rückte wieder näher.

„Wir haben wohl nicht nur Glück miteinander, sondern auch Glück, dass wir so entspannte Freunde haben.“

Minerva betrachtete sie einen Moment. Dann lächelte sie.

„Es sieht so aus.“

Hermine legte beide Arme um sie und schmiegte sich wieder an sie. Minerva zog sie fest an sich. Für einige Augenblicke waren sie einfach still. Hermine spürte Minervas Atem an ihrem Haar, ihre Wärme um sich und dieses Gefühl, wieder zusammen zu sein. Sie hob schließlich den Kopf.

„Ich liebe dich, Minerva.“

Minervas Blick wurde weich.

„Und ich liebe dich, Hermine.“

Hermine legte ihre Arme fester um Minerva. Sie wollte sie gerade einfach nur halten. Nach all den Monaten, in denen ihre Beziehung immer auch mit Vorsicht verbunden gewesen war, fühlte sich diese Ruhe beinahe wie ein Luxus an. Hermine ließ ihre Wange gegen Minervas Haar sinken und während sie dort lagen, musste sie unwillkürlich an ihr Gespräch mit Ginny denken.

'Der Sommer als Grenze.'

Dieser Gedanke ließ sie sie nicht mehr los. Wenn sie ihre Beziehung irgendwann langsam nach außen tragen wollten, dann vielleicht so. Nicht mit einer großen Ankündigung oder indem sie sich eines Morgens vor das gesamte Kollegium stellten und verkündeten, seit wann sie tatsächlich zusammen waren, sondern vorsichtig als wäre es nach und nach entstanden und wenn irgendwann Fragen kamen, konnte dieser Sommer der Punkt sein, an dem aus ihrer ohnehin schon engen Verbindung etwas anderes geworden war - eine Beziehung zwischen zwei erwachsenen Kolleginnen.

Ginny hatte recht gehabt. Es wäre zumindest einfacher. Hermine blickte auf Minerva hinunter. Sie wollte es ihr erzählen, aber jetzt noch nicht. Dieser Moment sollte nicht wieder davon handeln, was andere Menschen über sie denken könnten.

Minerva bewegte sich ein wenig in ihren Armen und griff nach einer von Hermines Locken. Hermine lächelte.

„Was machst du?“

„Nichts.“

„Du spielst mit meinen Haaren.“

„Offenbar.“

Minerva wickelte die Locke langsam um ihren Finger, ließ sie wieder los und nahm sie erneut. Hermine beobachtete sie amüsiert.

„Und ich dachte immer, du wärst diejenige von uns, die sich über meine Haare beschwert.“

„Ich beschwere mich nicht über deine Haare.“

„Doch.“

„Ich stelle gelegentlich fest, dass sie ein bemerkenswertes Eigenleben besitzen.“

„Das nennt man Beschweren.“

„Das nennt man eine sachliche Beobachtung.“

Hermine lachte leise.

„Natürlich.“

Minerva lächelte, ohne die Locke loszulassen. Ihre andere Hand lag auf Hermines Hüfte. Gedankenverloren begann sie langsam und immer wieder mit den Fingerspitzen kleine Kreise über den Stoff ihres Sommerkleides zu ziehen. Hermine schloss bei dieser vertrauten und selbstverständlichen Berührung für einen Moment die Augen. Sie drückte Minerva noch ein wenig näher an sich und küsste ihre Stirn. Minerva schloss ebenfalls die Augen. Eine Weile sagte keine von ihnen etwas. Es war nicht nötig. Hermine küsste Minervas Stirn noch einmal und einige Minuten später wieder. Beim dritten Mal öffnete Minerva die Augen.

„Du scheinst meine Stirn heute ausgesprochen interessant zu finden.“

„Mhm.“

„Warum?“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Ich mag es, dich zu küssen.“

„Das ist mir schon aufgefallen.“

Hermine lächelte.

„Gut.“

Sie beugte sich hinunter. Diesmal trafen ihre Lippen Minervas für einen kleinen Kuss, den Minerva sofort erwiderte. Hermine wollte sich schon wieder zurückziehen, doch Minerva hob leicht den Kopf und küsste sie noch einmal. Hermine lächelte gegen ihre Lippen. Dann kuschelte sie sich wieder an sie. So verging die Zeit mit kleinen Berührungen, Minervas Fingern in Hermines Haar, Kreisen auf ihrer Hüfte und Küssen auf die Lippen, wann immer eine von ihnen gerade das Bedürfnis danach hatte. Manchmal sprachen sie ein paar Worte, manchmal lachten sie und dann lagen sie wieder minutenlang vollkommen still. Hermine hatte nicht gewusst, wie sehr ihr genau das gefehlt hatte. Sie durfte Minerva einfach halten und Minerva durfte einfach bei ihr liegen.

Hermine betrachtete irgendwann die Frau in ihren Armen. Minervas Haar war inzwischen noch etwas unordentlicher geworden. Eine Strähne lag über ihrer Stirn und Hermine widerstand nicht der Versuchung, sie sanft zur Seite zu streichen. Minerva öffnete die Augen. Ihre Blicke trafen sich. Hermine strich nur mit den Fingerspitzen über ihre Wange. Minerva nahm ihre Hand und küsste ihre Finger. Hermine lächelte. Dann zog sie Minerva wieder an sich. Es fühlte sich richtig an nach allem, was zwischen ihnen gewesen war. Jetzt gab es keinen Zweifel mehr. Nicht für Hermine und als Minerva sich noch ein wenig enger an sie schmiegte und Hermine spürte, wie deren Arm sich fester um ihre Mitte legte, wusste sie, dass es Minerva genauso ging. Sie wollten genau das. Sie wollten diese Nähe, Vertrautheit und diese kleinen, vollkommen unspektakulären Momente. Sie wollten morgens nebeneinander aufwachen und abends zueinander zurückkehren. Sie wollten miteinander lachen, streiten, sich versöhnen, reden und manchmal einfach nur schweigen. Sie wollten einander.

Hermine beugte sich hinunter und küsste Minerva noch einmal auf die Stirn. Minerva hob daraufhin den Kopf und suchte ihre Lippen. Der Kuss blieb sanft. Als sie sich voneinander lösten, blieb ihre Stirn an Hermines gelehnt. Sie lächelten beide.

Eine ganze Weile später lag Hermine noch immer eng an Minerva geschmiegt. Minerva spielte wieder gedankenverloren mit einer ihrer Locken, während Hermine ihre Fingerspitzen über ihren Arm gleiten ließ. Plötzlich riss Hermine die Augen auf.

„Oh!“

Minerva zuckte leicht zusammen.

„Was?“

Hermine richtete sich aufgeregt etwas auf.

„Was ich vergessen habe, dir zu sagen!“

Minerva betrachtete sie einen Moment. Dann begann sie langsam zu grinsen.

„Hast du es noch jemandem erzählt?“

Hermine starrte sie empört an.

„Nein!“

„Nur zur Sicherheit.“

„Sehr witzig.“

„Innerhalb weniger Tage haben sowohl mein Bruder als auch Harry von uns erfahren. Ich halte die Frage für berechtigt.“

Hermine musste lachen.

„Nein, niemand Neues weiß Bescheid.“

„Beruhigend.“

„Aber ich habe unseren Urlaub organisiert.“

Minervas Augenbrauen wanderten nach oben.

„Unseren Urlaub organisiert?“

„Ohne mich.“

Hermine grinste.

„Möglicherweise.“

Minerva schüttelte langsam den Kopf.

„Wie schön, dass ich da auch ein Mitspracherecht habe.“

Hermine beugte sich zu ihr und küsste sie kurz.

„Beim nächsten Mal, Liebling.“

„Wie großzügig.“

„Ich habe den perfekten Ort gefunden.“

Das weckte nun doch Minervas Interesse.

„Und du wirst mir hoffentlich gleich sagen, wohin es geht.“

„Nein.“

Minerva blinzelte.

„Nein?“

„Nö.“

„Hermine.“

„Es ist eine Überraschung.“

Minervas Gesicht verzog sich augenblicklich.

„Ich hasse Überraschungen.“

„Ich weiß.“

„Und trotzdem planst du eine.“

„Ja natürlich.“

Minerva seufzte.

„Warum liebe ich dich eigentlich?“

„Weil ich hinreißend bin.“

„Selbstverständlich.“

Hermine strahlte sie an.

„Diese Überraschung wirst du lieben. Also warte einfach ab.“

„Meine Geduld ist begrenzt.“

„Dann wird es wohl eine lange Woche in deinem Cottage.“

Minerva zog die Augenbrauen zusammen.

„Du willst mir tatsächlich eine ganze Woche lang nicht sagen, wohin wir danach reisen?“

„Genau.“

„Grausame Frau.“

„Du wirst es überleben.“

„Gerade so“, gab Minerva trocken zurück.

Hermine lachte.

„Außerdem wird die Woche bestimmt schnell vorbeigehen.“

„Vermutlich.“

„Wir haben schließlich genug zu tun.“

Minervas Blick wurde amüsiert.

„Haben wir das?“

„Natürlich.“

Hermine wurde wieder etwas ruhiger. Ihre Hand glitt in Minervas.

„Jetzt können wir einfach wir sein.“

Minervas Lächeln wurde weicher.

„Wir.“

„Keine Titel. Keine Regeln. Keine Angst, entdeckt zu werden.“

Hermine verschränkte ihre Finger mit Minervas.

„Kein heimliches Verschwinden aus deiner Wohnung am Morgen. Kein Aufpassen, wer uns sehen könnte. Kein Professor McGonagall und Professor Granger, sobald jemand um die Ecke kommt.“

Minerva sah sie lange an.

„Das klingt wie ein Traum.“

Hermine rückte näher.

„Ein Probelauf für unser gemeinsames Leben.“

Minerva wurde für einen Moment still. Hermine bemerkte sofort, dass ihre Worte etwas in ihr ausgelöst hatten. Es war dieses vorsichtige, beinahe ungläubige Glück, das Minerva manchmal zeigte, wenn Hermine ganz selbstverständlich von einer gemeinsamen Zukunft sprach. Minerva strich mit dem Daumen über Hermines Hand.

„Ein Probelauf also.“

„Mhm.“

„Dann gehst du mir besser nicht auf die Nerven.“

Hermine lachte.

„Entschuldigung?“

Minervas Mundwinkel hoben sich.

„Es könnte sonst ganz zufällig passieren, dass du ohne Vorwarnung im Meer landest.“

Hermine riss gespielt entsetzt die Augen auf.

„Du würdest deine Freundin ins Meer werfen?“

„Selbstverständlich nicht.“

„Gut.“

„Ich würde dich sehr kontrolliert hineinschubsen.“

Hermine lachte laut.

„Du bist unmöglich.“

„Das weißt du seit Monaten.“

„Solange du nicht arbeitest, bin ich friedlich.“

Minervas Blick veränderte sich.

„Ach.“

„Ja.“

„Das ist also die Bedingung?“

„Absolut. Du wirst keinen Brief oder irgendwelche Unterlagen anfassen.“

„Und was soll ich stattdessen tun?“

„Mir fällt bestimmt etwas ein.“

„Das glaube ich dir sofort.“

Noch ehe Hermine etwas erwidern konnte, bewegte Minerva sich. Mit einer überraschend schnellen Bewegung drehte sie Hermine auf den Rücken. Hermine lachte überrascht auf.

„Minerva!“

Minerva stützte sich über ihr ab. Eine lose Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht. Hermine sah zu ihr auf und grinste.

„Was wird das?“

„Ich folge deiner Anweisung.“

„Welcher?“

Minerva beugte sich langsam hinunter. Ihr Kuss war zunächst ganz sanft, zärtlich und quälend langsam.

Als sie sich ein wenig löste, blieb ihr Gesicht dicht über Hermines.

„Ah, du hältst dich jetzt schon daran, nicht zu arbeiten.“

„Ja“, murmelte Minerva. „Für die Arbeit habe ich im Moment wirklich keine Zeit.“

„Ach nein?“

„Nein.“

Minervas Augen funkelten.

„Ich habe gerade alle Hände voll zu tun.“

Hermine biss sich lächelnd auf die Unterlippe. Ihre Finger fanden den obersten Knopf von Minervas weißer Bluse. Langsam öffnete sie ihn. hob eine Augenbraue. Hermine grinste.

„Hm, Professor. Das klingt sehr interessant.“

„Professor?“

„Gewohnheit.“

„Ich dachte, keine Titel.“

„In bestimmten Situationen mache ich vielleicht eine Ausnahme. Das wirkt aufregender.“

Minerva lachte leise.

„Unverbesserlich.“

„Du liebst es doch. Gib es zu.“

„Leider.“

Hermine zog sie etwas näher.

„Und? Ist diese Beschäftigung interessanter als deine Pergamente?“

Minerva tat, als müsste sie ernsthaft darüber nachdenken.

„Deutlich.“

„Gute Antwort.“

„Das denke ich auch.“

Minerva grinste. Dann küsste sie Hermine wieder. Hermine legte sofort beide Arme um sie und zog sie enger an sich. Diesmal blieb von der vorherigen spielerischen Ruhe nicht viel übrig. Die Tage der Trennung waren plötzlich wieder spürbar. All die vermissten Berührungen, die Küsse, die sie nicht hatten austauschen können und die Abende, an denen die andere nicht neben ihnen gelegen hatte.

Hermine küsste Minerva mit derselben Sehnsucht, mit der Minerva sie festhielt. Dazwischen mussten sie immer wieder lächeln. Ein leises Lachen, ein geflüstertes „Ich habe dich vermisst“ und noch ein Kuss.

Minervas Hand strich über Hermines Wange, während Hermine sie noch näher an sich zog, als wären selbst wenige Zentimeter Abstand zu viel und irgendwann hörten sie ganz auf zu reden. Sie brauchten keine Worte mehr. Sie verloren sich in ihren Küssen, in der Wärme und Vertrautheit der anderen und in der Erleichterung, endlich wieder zusammen zu sein. Alles andere konnte warten.

Hermine ließ ihre Finger am Kragen von Minervas Bluse entlanggleiten. Diesmal lag kein neckischer Ausdruck in ihrem Gesicht. Nur dieses warme, beinahe ungläubige Lächeln.

'Endlich.'

Sie öffnete langsam den nächsten Knopf. Minerva sah ihr dabei in die Augen.

„Du scheinst es sehr eilig zu haben“, murmelte sie.

„Überhaupt nicht.“

Noch ein Knopf.

„Ich habe sogar vor, mir sehr viel Zeit zu lassen.“

Minervas Mundwinkel hoben sich.

„Das klingt wie eine Drohung.“

„Vielleicht ist es eine.“

Hermine beugte sich zu ihr und küsste sie. Minerva erwiderte den Kuss sofort. Ihre Hand glitt in Hermines Haar, hielt sie dort sanft, während Hermine die Bluse weiter öffnete. Nicht hastig. Nicht ungeduldig. Fast so, als wollte sie jede einzelne Sekunde dieses Wiedersehens auskosten. Als sie sich voneinander lösten, ließ Hermine ihre Stirn gegen Minervas sinken.

„Du hast mir gefehlt.“

„Ach was? Immer noch? Das hast du schon ein paarmal gesagt.“

„Ich kann es auch noch öfter sagen.“

„Daran habe ich keinen Zweifel.“

Hermine lächelte und küsste sie wieder. Minerva ließ ihre Hände über Hermines Rücken gleiten. Sie strich über den leichten Stoff des Sommerkleides, bis ihre Finger dessen Verschluss fanden. Hermine hielt für einen Moment ganz still. Ihre Blicke trafen sich. Es brauchte keine Frage. Hermine lächelte nur und gab Minerva einen kleinen Kuss. Minerva half ihr langsam aus dem Kleid und legte es achtlos neben das Bett. Hermine lachte leise.

„Professor McGonagall wirft Kleidung auf den Boden.“

„Wir haben Ferien.“

„Das gefällt mir immer besser.“

„Sei still.“

Minerva küsste sie. Hermine schlang die Arme um sie und zog sie näher. Ihre geöffnete Bluse störte inzwischen mehr, als dass sie noch irgendeinen Zweck erfüllte und Hermine half ihr schließlich, auch sie abzustreifen. Sie strich über Minervas Schulter und ließ ihre Fingerspitzen langsam über ihren Arm gleiten. Minerva tat dasselbe.

Sie erkundeten einander nicht wie zwei Menschen, die sich erst kennenlernen mussten. Dafür kannten sie sich längst zu gut. Es war vielmehr ein Wiederfinden. Ein Erinnern daran, wie vertraut sich die andere anfühlte. Hermine küsste Minervas Wange, ihre Schläfe und wieder ihre Lippen.

Minerva strich ihr dabei durch das Haar und zog sie schließlich eng in ihre Arme. Hermine schmiegte sich an sie. Haut an Haut. Minerva schloss die Augen.

„So habe ich mir meine Ferien vorgestellt“, murmelte Hermine.

Minerva lachte leise.

„Natürlich hast du das.“

„Du nicht?“

Minerva öffnete die Augen.

„Doch.“

Die Ehrlichkeit in diesem einen Wort ließ Hermine lächeln. Sie küsste Minerva erneut. Diesmal länger und inniger.

Minervas Hand glitt langsam über ihren Rücken, während Hermine sie festhielt, als wollte sie verhindern, dass zwischen ihnen auch nur ein Zentimeter Abstand blieb.

Die Tage der Trennung schienen plötzlich gleichzeitig vollkommen unbedeutend und viel zu lang gewesen zu sein, doch nun mussten sie sich nicht zurückhalten.

Hermine ließ sich mit Minerva zurück in die Kissen sinken. Ihre Finger verschränkten sich miteinander. Minerva küsste sie noch einmal langsam und voller Zärtlichkeit, bis die Welt außerhalb dieses Zimmers immer unwichtiger wurde. Irgendwann verloren sie sich ganz ineinander – in Küssen, Wärme und jener vertrauten Zärtlichkeit, für die es keine weiteren Worte brauchte.

Hermine wusste irgendwann nicht mehr, wie viele Male sie Minerva bereits geküsst hatte und es war ihr vollkommen egal. Sie wollte noch mehr.

Minervas Lippen lösten sich für einen Moment von ihren, nur damit sie ihr einen sanften Kuss an die Wange gab. Dann an ihre Schläfe. Hermine schloss die Augen und zog sie noch enger zu sich.

„Komm her“, flüsterte sie.

„Ich bin bereits hier.“

„Nicht nah genug.“

Minerva lachte leise.

„Anspruchsvoll.“

„Sehr.“

Hermine drehte den Kopf und fing ihre Lippen wieder ein. Der Kuss veränderte sich langsam. Die spielerische Zärtlichkeit wich nach und nach jener tieferen Sehnsucht, die sich während ihrer getrennten Tage angestaut hatte.

Minervas Hand strich über Hermines Seite und blieb an ihrer Hüfte liegen. Hermine ließ ihre Finger über Minervas Rücken wandern und spürte, wie diese sich bei der Berührung noch etwas näher an sie schmiegte. Ihre Blicke trafen sich und dieses Mal war da etwas anderes in Minervas Augen. Hermine kannte diesen Blick. Sie lächelte.

„Was ist?“

„Nichts.“

„Du schaust.“

„Darf ich das nicht?“

„Doch.“

Hermine strich Minerva mit dem Daumen über die Wange.

„Unbedingt.“

Minerva küsste ihre Handfläche. Dann ihre Fingerspitzen. Hermine beobachtete sie dabei und ihr Lächeln wurde weicher.

„Ich habe das vermisst“, sagte sie leise.

Minerva sah wieder zu ihr.

„Mich?“

„Dich.“

Hermine zog sie näher.

„Uns.“

Für einen Moment sagte Minerva nichts. Dann strich sie Hermine eine Locke aus der Stirn.

„Ich auch.“

Hermine schlang ihre Arme um Minerva und ließ sich mit ihr tiefer in die Kissen sinken. Minervas Haar, inzwischen vollkommen von seiner sonstigen Strenge befreit, fiel ihr über die Schulter. Hermine lächelte dagegen.

„So gefällst du mir.“

„Wie?“

„Ganz und gar nicht wie Professor McGonagall.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Das könnte daran liegen, dass Professor McGonagall für heute Feierabend hat.“

„Gut.“

Hermine küsste sie wieder.

„Dann möchte ich sie heute auch nicht mehr sehen.“

„Und wen möchtest du stattdessen?“

Hermines Blick wurde vollkommen ernst. Sie strich mit beiden Händen über Minervas Wangen.

„Nur dich.“

Etwas in Minervas Gesicht wurde weich. Sie beugte sich hinunter und küsste Hermine wieder. Es gab nur noch ihre Lippen, ihre Hände, die einander suchten und das leise Rascheln der Bettwäsche, als Hermine Minerva näher zu sich zog.

Hermines Lippen lösten sich von ihren und wanderten langsam über Minervas Hals. Sie spürte, wie Minerva bei einem besonders zärtlichen Kuss leise einatmete.

„Da also“, murmelte Hermine mit einem kaum verborgenen Lächeln.

„Bilde dir bloß nichts darauf ein.“

„Würde ich niemals.“

Minervas Blick sagte deutlich, dass sie ihr kein Wort glaubte. Hermines Küsse wanderten langsam tiefer, während Minervas Finger durch ihr Haar glitten. Keine von ihnen hatte es eilig. Als Hermines Berührungen intimer wurden, hielt sie einen Augenblick inne und sah zu Minerva auf. Die Frage musste sie nicht aussprechen. Minerva antwortete, indem sie sanft über ihre Wange strich.

„Hermine.“

Mehr brauchte es nicht. Hermine ließ sich Zeit, sie zu erkunden. Während sie sich über ihren Körper tiefer küsste, ließ sie ihre Hände über Minervas Brüste gleiten. Minerva schloss die Augen und genoss jede Sekunde. Langsam erreichte Hermine das Ziel und versenkte ihre Zunge in Minerva. Die ältere Hexe atmete sofort scharf ein und vergrub eine Hand in Hermines Haaren. Hermine lächelte und begann sanft ihre Zunge zu bewegen, während sie sanft die Innenseite von Minervas Schenkeln streichelte. Sie achtete auf jede kleine Reaktion: darauf, wann Minervas Atem für einen Moment stockte, wann ihre Finger sich fester in ihr Haar legten und wann aus ihrem Namen plötzlich kaum mehr als ein Flüstern wurde.

Minerva wiederum schien irgendwann zu vergessen, dass sie sich vorgenommen hatte, die Kontrolle zu behalten. Ihre Laute wurde tiefer und vollkommen ungehemmt. Sie ließ sich fallen und von der Lust tragen. Hermine wusste, was sie tat. Die liebte die Laute, die sie Minerva entlockte. Irgendwann hielt es Minerva nicht mehr aus. Ihre Beine zitterten, ihr Atem stockte und im nächsten Moment rollte eine Welle der Erlösung über sie hinweg. Hermine ließ es sich nicht nehmen und ließ ihre Zunge noch einmal sanft über Minervas Mitte gleiten. Erst dann kam sie langsam wieder zu Minerva hoch. Sie zog Hermine sofort in ihre Arme. Ihr Atem ging noch etwas zu schnell, aber sie lächelte.

„Du siehst ausgesprochen zufrieden mit dir aus“, murmelte sie an Hermines Lippen.

Hermine grinste.

„Sollte ich das nicht sein? Ich meine komm schon, so wie du dich angehört hast“, meinte sie und küsste Minerva tief.

Minerva betrachtete sie einen Moment. Dann drehte sie beiden mit einer überraschend entschlossenen Bewegung herum. Hermine lachte leise.

„Oh.“

„Du solltest nicht glauben, dass du die Einzige bist, die aufmerksam sein kann, Miss Granger.“

„Das würde ich niemals wagen, Professor.“

Minervas Blick verriet ihr, dass sie diesen Titel später noch bereuen würde. Dann küsste sie Hermine wieder und diesmal war es Minerva, die sich Zeit nahm herauszufinden, welche Berührungen Hermine die Augen schließen ließen und welche ihren Namen von ihren Lippen holten.

In dieser Nacht lernten sie einander auf eine Weise kennen, für die sie keine Worte brauchten.