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Unser Zuhause

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Unser Zuhause

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank, für die Rückmeldungen zum Thema OS bzw. Fortsetzung :D Ich freue mich wirklich sehr über eure Nachrichten und Reviews! Nun wünsche ich euch ganz viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

Liebe Grüße

Als sie sich schließlich auf den Rückweg machten, stand die Sonne bereits etwas tiefer am Himmel. Hermine hielt Minervas Hand und schwang ihre ineinander verschränkten Finger gelegentlich zwischen ihnen hin und her. Sie hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, das einfach nicht verschwinden wollte. Minerva bemerkte es natürlich.

„Du lächelst.“

Hermine sah sie an.

„Darf ich das nicht?“

„Selbstverständlich.“

„Gut.“

Ein paar Schritte später musste Minerva selbst lächeln. Hermine bemerkte es sofort.

„Du auch.“

„Was?“

„Du lächelst.“

„Wie aufmerksam mein Schatz doch heute ist.“

Hermine lachte. Dann blieb sie stehen, zog Minerva sanft zu sich und gab ihr einen Kuss.

„Ich bin glücklich.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Ich auch, mein Schatz.“

Hermine sah einen Moment lang in die Richtung, in der das Cottage hinter den Hügeln lag.

„Unser Zuhause.“

Minerva folgte ihrem Blick. Noch immer fühlten sich diese Worte neu an. Sie klangen erstaunlich selbstverständlich.

Minerva hatte viele Jahre allein in diesem Haus verbracht. Sie hatte die Ruhe genossen, die langen Spaziergänge, die Abende vor dem Kamin und die Stunden mit einem Buch auf der Terrasse, aber jetzt hatte sie das Gefühl, als würde etwas fehlen, sobald Hermine nicht neben ihr war. Sie nahm Hermines Hand wieder fester.

„Unser Zuhause“, bestätigte sie.

Hermine strahlte und gemeinsam gingen sie weiter.

Als sie das Cottage erreichten, war Hermine angenehm müde. Der Spaziergang hatte ihnen beiden gutgetan. Die frische Luft, die Sonne und die Bewegung hatten die letzten Reste der Anspannung vertrieben, die sie aus Hogwarts mitgebracht hatten. Minerva öffnete das Gartentor. Hermine blieb noch einmal stehen. Sie betrachtete die Natursteinfassade, die Blumen vor den Fenstern und den kleinen Weg zur Haustür.

„Weißt du, was merkwürdig ist?“

Minerva drehte sich um.

„Was denn?“

„Wir sind erst heute angekommen, aber es fühlt sich an, als würden wir nach Hause kommen.“

Minervas Gesicht wurde weich. Sie trat zu Hermine und legte einen Arm um ihre Taille.

„Dann habe ich wohl alles richtig gemacht.“

Hermine schlang die Arme um sie.

„Mehr als das.“

Sie küsste Minerva sanft.

„Danke.“

„Wofür?“

„Für das hier.“

Hermine deutete auf das Haus.

„Und dafür, dass du es mit mir teilen möchtest.“

Minerva strich ihr eine Locke aus dem Gesicht.

„Ich möchte noch sehr viel mehr mit dir teilen, Hermine.“

Hermine lächelte.

„Das hoffe ich doch.“

Minerva lachte leise.

„Komm. Bevor wir hier draußen Wurzeln schlagen.“

Kaum hatten sie das Cottage betreten, meldete sich Hermines Magen deutlich hörbar. Minerva blieb stehen. Dann drehte sie langsam den Kopf. Hermine sah sie unschuldig an.

„Was?“

„War das gerade dein Magen?“

„Möglicherweise.“

Minerva lachte.

„Du hast doch heute Morgen gefrühstückt, als würdest du für drei Personen essen.“

„Das war vor Stunden. Außerdem waren wir spazieren.“

„Eine außerordentlich anstrengende Tätigkeit.“

Hermine nickte ernst.

„Sehr.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Dann sollten wir wohl etwas kochen.“

Hermine strahlte.

„Eine hervorragende Idee.“

„Gut.“

Minerva zog ihre Schuhe aus.

„Was möchtest du essen?“

Hermine überlegte.

„Etwas Leckeres.“

Minerva sah sie an.

„Wie präzise.“

„Ich bin eben unkompliziert.“

„Das halte ich für eine gewagte Behauptung.“

Hermine lachte.

„Du weißt doch, was ich meine.“

Minerva ging in die Küche und öffnete einige Schränke.

„Wie wäre es mit gebratenem Lachs, Kartoffeln und Gemüse?“

Hermine lehnte sich an den Türrahmen.

„Klingt wunderbar.“

„Dann machen wir das.“

„Wir?“

Minerva drehte sich zu ihr um.

„Ja, wir.“

Hermine grinste.

„Du weißt schon, dass Kochen nicht unbedingt zu meinen größten Talenten gehört?“

„Das ist mir bekannt.“

„Wie bitte?“

Minerva lächelte unschuldig.

„Ich habe gesagt, dass mir das bekannt ist.“

Hermine verschränkte die Arme.

„Das klang ausgesprochen abwertend.“

„Keineswegs.“

Sie sahen einander an. Dann mussten beide lachen. Minerva trat zu ihr und gab ihr einen Kuss.

„Du kannst außerordentlich viele Dinge, mein Schatz.“

„Danke.“

„Kochen gehört eben nicht unbedingt dazu.“

Hermine öffnete empört den Mund.

„Das ist gemein!“

„Das ist ehrlich.“

„Ich kann durchaus kochen. Ich habe mich jahrelang selbst versorgt.“

„Das bestreite ich nicht.“

„Und ich habe Harry und Ron während unserer Suche nach den Horkruxen gelegentlich etwas zu essen gemacht.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Haben sie es überlebt?“

Hermine starrte sie an. Dann brach sie in Gelächter aus.

„Minerva McGonagall!“

Minerva lachte ebenfalls.

„Komm her, du.“

Sie zog Hermine an sich und küsste sie auf die Stirn.

„Du darfst mir helfen.“

„Wie großzügig.“

„Nicht wahr?“

Wenig später standen sie gemeinsam in der Küche. Minerva hatte sich eine Schürze umgebunden und begann, die Zutaten vorzubereiten. Hermine betrachtete sie. Dann die Schürze und wieder Minervas Gesicht. Ein breites Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Minerva bemerkte es.

„Was?“

„Du siehst süß aus.“

Minerva hielt mitten in der Bewegung inne.

„Süß?“

„Ja.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob das die angemessene Beschreibung für eine Frau meines Alters ist.“

Hermine trat näher.

„Doch.“

Sie legte die Arme um Minervas Taille.

„Sehr süß sogar.“

Minerva seufzte.

„Du wirst mich heute offenbar nicht mehr in Ruhe lassen.“

„Nein. Was hast du erwartet?“

Hermine gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Ich habe schließlich Urlaub.“

„Das habe ich bemerkt.“

Minerva deutete auf die Kartoffeln.

„Du könntest damit anfangen.“

Hermine betrachtete sie.

„Was soll ich tun?“

„Schälen.“

„Alle?“

„Nein, Hermine. Nur die, die wir essen möchten.“

Hermine lachte.

„Du bist heute wieder ausgesprochen schlagfertig.“

„Und du ausgesprochen leicht abzulenken.“

„Stimmt.“

Sie nahm ein Messer und begann, die Kartoffeln zu schälen. Minerva kümmerte sich unterdessen um den Fisch. Eine Weile funktionierte die Zusammenarbeit erstaunlich gut. Hermine schälte, schnitt das Gemüse und Minerva würzte und bereitete die Pfanne vor. Dann allerdings wurde Hermine langweilig. Es war nicht so, als hätte sie nichts zu tun gehabt. Es lag eher an Minerva, die direkt neben ihr stand und ausgesprochen verlockend aussah. Hermine legte das Messer beiseite und trat hinter Minerva. Dann schlang sie beide Arme um ihre Taille. Minerva hielt inne.

„Hermine.“

„Hm?“

„Was machst du?“

„Ich helfe.“

Minerva blickte auf die Arme um ihre Mitte.

„Wobei genau?“

„Bei der moralischen Unterstützung.“

Minerva lachte.

„Wie großzügig.“

Hermine schmiegte sich an ihren Rücken.

„Ich finde, du machst das hervorragend.“

„Danke.“

„Wirklich ausgezeichnet.“

„Hermine.“

„Ja?“

„Die Kartoffeln.“

„Sind noch da.“

„Sie sollten allerdings nicht nur dekorativ auf dem Schneidebrett liegen.“

Hermine lachte und gab Minerva einen Kuss auf die Schulter.

„Gleich.“

Minerva schüttelte den Kopf.

„Du bist unmöglich.“

Hermine löste sich schließlich von ihr. Allerdings nur für ungefähr drei Minuten. Dann stand sie wieder neben Minerva. Diesmal legte sie eine Hand an ihre Wange und drehte ihr Gesicht vorsichtig zu sich. Minerva sah sie überrascht an.

„Was denn jetzt schon wieder?“

„Du hast da etwas.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Wo?“

„Hier.“

Hermine küsste sie auf die Lippen. Minerva erwiderte den Kuss, bevor sie leise lachte.

„Du bist eine hoffnungslose Lügnerin.“

„Wieso?“

„Ich hatte überhaupt nichts im Gesicht.“

„Doch.“

„Was?“

Hermine grinste.

„Einen Mund, der dringend geküsst werden musste.“

Minerva schloss für einen Moment die Augen.

„Bei Merlin.“

Hermine lachte.

„Du liebst mich.“

„Das muss ich zu meinem Bedauern zugeben.“

„Gut.“

Hermine küsste sie noch einmal. Minerva legte schließlich beide Hände an Hermines Taille.

„Mein Schatz.“

„Ja?“

„Wenn du mich noch häufiger ablenkst, bekommen wir heute nichts mehr zu essen.“

Hermine sah sie nachdenklich an.

„Das wäre bedauerlich, aber nicht unbedingt eine Katastrophe.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Ach nein?“

Hermine grinste.

„Wir könnten uns ja von Küssen ernähren.“

Minerva lachte laut auf.

„Du bist wirklich unverbesserlich.“

„Und hungrig.“

„Dann schneide endlich das Gemüse.“

„Jawohl, Chefköchin.“

Trotz Hermines gelegentlicher Ablenkungsversuche gelang es ihnen schließlich, das Essen fertigzustellen.

Minerva hatte eindeutig die Führung übernommen. Hermine hatte geholfen, wo sie konnte und sich erstaunlich geschickt angestellt, solange sie sich tatsächlich auf ihre Aufgaben konzentrierte.

Als Minerva den Lachs aus der Pfanne nahm, betrachtete Hermine das Ergebnis anerkennend.

„Das sieht fantastisch aus.“

Minerva lächelte.

„Danke.“

„Du kannst wirklich gut kochen.“

„Ich habe im Laufe meines Lebens einiges gelernt.“

„Offenbar.“

„Und außerdem habe ich mir für unseren Aufenthalt hier ein paar Gerichte zeigen lassen“, sagte Minerva grinsend. „Sonst würden wir vermutlich doch nur Sandwiches essen müssen.“

Hermine lachte.

„Es ist beruhigend, dass du auch nicht alles kannst.“

„Ich gebe mir Mühe, dich nicht verhungern zu lassen.“

Hermine trat hinter sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Ich glaube, ich behalte dich.“

Minerva lachte.

„Wie beruhigend.“

„Für immer.“

Minerva drehte sich zu ihr um. Ihr Lächeln wurde weich.

„Damit kann ich wunderbar leben.“

Hermine küsste sie ganz sanft.

„Ich auch.“

Sie beschlossen, auf der Terrasse zu essen. Minerva öffnete die großen Glastüren, die vom Wohnzimmer hinausführten. Hermine trat mit zwei Tellern hinaus. Die Terrasse war großzügig und mit hellen Steinplatten ausgelegt. Ein großer Holztisch stand unter einer teilweise überdachten Pergola, an der sich Kletterrosen emporrankten. Daneben befanden sich zwei bequeme Liegestühle mit weichen Auflagen. Ein kleiner Weg führte von der Terrasse hinunter in den Garten und dahinter lag das Meer. Hermine blieb erneut stehen.

„Oh, Minerva.“

Minerva, die mit einer Karaffe Wasser und zwei Gläsern hinter ihr erschien, lächelte.

„Was?“

„Dieser Ausblick.“

„Ja.“

„Ich werde mich niemals daran gewöhnen.“

„Das hoffe ich doch.“

Hermine stellte die Teller ab.

„Nein, ich meine, dass ich jedes Mal wieder begeistert sein werde.“

Minerva trat neben sie. Gemeinsam blickten sie über den Garten hinaus zur Küste. Die Sonne stand inzwischen etwas tiefer und das Wasser glitzerte golden. Eine leichte Brise bewegte die Rosen an der Pergola. Hermine legte den Arm um Minervas Taille.

„Das ist perfekt.“

Minerva küsste ihre Schläfe.

„Dann sollten wir essen, bevor es kalt wird.“

Hermine lachte.

„Du hast recht.“

Sie setzten sich natürlich nebeneinander an den Tisch. Hermine hatte gar nicht erst darüber nachgedacht, den Stuhl gegenüber zu nehmen. Minerva stellte die Karaffe ab und schenkte ihnen Wasser ein. Dann begannen sie zu essen. Hermine nahm den ersten Bissen und hielt inne. Minerva beobachtete sie.

„Und?“

Hermine schloss genüsslich die Augen.

„Oh, Merlin.“

Minerva lachte.

„Ist das gut oder schlecht?“

„Minerva! Das ist unglaublich lecker.“

Minerva lächelte zufrieden.

„Das freut mich.“

Hermine nahm noch einen Bissen.

„Wirklich. Du musst mir unbedingt zeigen, wie du das gemacht hast.“

„Ich dachte, du möchtest während der Ferien nicht arbeiten.“

„Kochen ist keine Arbeit.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ach nein?“

Hermine grinste.

„Nicht, wenn ich dich dabei küssen darf.“

Minerva lachte.

„Dann wirst du vermutlich nie ein Rezept vollständig lernen.“

„Macht nichts. Ich habe ja dich.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf. Sie aßen weiter und unterhielten sich über den Spaziergang, das Dorf und den kleinen Strand, den Minerva Hermine in den nächsten Tagen zeigen wollte.

Hermine fragte nach den besten Wegen entlang der Küste, nach den Geschäften im Dorf und danach, ob man irgendwo gut frühstücken gehen konnte. Minerva beantwortete geduldig jede Frage und gelegentlich beugte Hermine sich einfach zu ihr und küsste sie. Manchmal mitten im Gespräch, manchmal ohne jeden Anlass. Minerva hatte irgendwann aufgehört, überrascht zu sein. Als Hermine ihr nach einem weiteren Kuss zufrieden zulächelte, strich Minerva ihr über die Wange.

„Du bist heute besonders glücklich.“

Hermine nickte.

„Ja.“

Sie blickte über den Garten, dann zum Meer und schließlich wieder zu Minerva.

„Weißt du, was das Schönste daran ist?“

„Was?“

Hermine nahm ihre Hand.

„Dass wir morgen wieder hier sitzen können.“

Minerva lächelte.

„Ja.“

„Und übermorgen.“

„Wenn das Wetter mitspielt.“

„Dann sitzen wir eben drinnen.“

Minerva lachte leise. Hermine drückte ihre Finger.

„Es ist mir eigentlich vollkommen egal, wo wir sitzen.“

Minerva sah sie an. Hermine lächelte.

„Hauptsache, wir sind zusammen.“

Minervas Blick wurde weich. Sie hob Hermines Hand an ihre Lippen und küsste ihre Finger.

„Das ist auch alles, was ich möchte, mein Liebling.“

Hermine rückte mit ihrem Stuhl ein wenig näher. Minerva legte einen Arm um sie und so saßen sie nach dem Essen noch lange auf der Terrasse. Ihre Teller waren längst leer, die Gläser standen unberührt auf dem Tisch. Hermine lehnte ihren Kopf an Minervas Schulter. Minerva hielt sie fest. Keine von ihnen musste irgendwohin, keine von ihnen hatte es eilig und als Hermine schließlich die Augen schloss und zufrieden seufzte, wusste sie, dass sie genau dort angekommen war, wo sie sein wollte:

Zu Hause - bei Minerva.

Am Nachmittag hatte Hermine beschlossen, den Garten etwas genauer zu erkunden. Sie war bereits beim Frühstück davon überzeugt gewesen, dass das Cottage noch unzählige kleine Überraschungen bereithielt und nachdem sie das Haus inzwischen kannte, wollte sie nun auch jeden Winkel des Grundstücks entdecken. Minerva hatte sie zunächst begleitet. Gemeinsam waren sie an den Rosenbeeten entlangspaziert, hatten den kleinen Kräutergarten betrachtet und schließlich eine schmale Steinbank unter einem alten Baum entdeckt. Hermine war begeistert gewesen.

„Minerva, hier könnte man wunderbar lesen!“

„Das tue ich gelegentlich.“

„Natürlich tust du das. Wie sollte es auch anders sein.“

Minerva hatte gelächelt.

„Ich fürchte, du wirst feststellen, dass ich an ziemlich vielen Orten lese.“

„Dann passen wir ja hervorragend zusammen.“

Hermine hatte sie geküsst und anschließend begonnen, die Blumen entlang des Gartenweges zu betrachten. Minerva beobachtete sie eine Weile. Dann kam ihr ein Gedanke.

Das Geschenk.

Sie hatte es bereits seit ihrem Besuch bei ihrer Mutter bei sich. Eigentlich hatte sie auf einen passenden Moment warten wollen. Vielleicht auf einen besonders romantischen Abend oder auf einen ruhigen Augenblick am Meer, doch während sie Hermine dabei zusah, wie diese sich über eine besonders schöne Rose freute, wurde ihr klar, dass sie überhaupt keinen besonderen Anlass brauchte. Sie wollte ihr einfach eine Freude machen.

„Hermine?“

„Hm?“

„Ich muss drinnen noch schnell etwas erledigen.“

Hermine drehte sich um.

„Arbeiten?“

Minerva musste lachen.

„Nein.“

Hermine verschränkte gespielt streng die Arme.

„Sicher?“

„Ganz sicher.“

„Du weißt, dass ich nachsehen werde.“

„Da bin ich mir ganz sicher.“

Hermine grinste.

„Gut.“

Minerva trat zu ihr und gab ihr einen Kuss.

„Ich bin gleich wieder da.“

„Lass dir Zeit. Ich sehe mich noch ein bisschen um.“

Minerva lächelte.

„Viel Vergnügen, mein Schatz.“

Dann ging sie zurück ins Haus.

Im Schlafzimmer öffnete Minerva ihren Koffer. Zwischen einigen sorgfältig zusammengelegten Kleidungsstücken lag ein kleines, in ein weiches Tuch eingeschlagenes Päckchen. Minerva nahm es heraus und setzte sich auf die Bettkante. Einen Moment lang betrachtete sie es. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie sie das Geschenk entdeckt hatte.

Es war nicht besonders auffällig gewesen, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, doch als der Verkäufer ihr erklärt hatte, was es konnte, hatte sie sofort an Hermine gedacht. An die vielen Briefe, die sie einander während ihrer kurzen Trennung geschrieben hatten. An die kleinen Nachrichten, die Hermine ihr gelegentlich auf Pergament hinterließ. An all die Worte, die sie einander manchmal gern gesagt hätten, wenn sie nicht zusammen sein konnten. Minerva strich mit den Fingerspitzen über das Tuch. Sie hatte sich vorgenommen, Hermine die besondere Eigenschaft nicht sofort zu verraten, weil sie sich auf ihre Reaktion freute. Minerva lächelte.

„Du wirst Augen machen, mein Liebling“, murmelte sie.

Sie nahm eines der Bücher heraus. Es war in dunkelrotes Leder gebunden und mit einer feinen goldenen Umrandung versehen. Auf dem Einband waren eine Feder und einige kleine Sterne eingeprägt. Das Leder fühlte sich wunderbar weich an. Minerva schlug es kurz auf. Die Seiten waren natürlich leer. Sie strich darüber, schloss es wieder und wickelte es sorgfältig in das Tuch. Das zweite Buch legte sie zurück in den Koffer. Dann stand sie auf.

Hermine hatte inzwischen einen kleinen, von Rosen umgebenen Sitzplatz entdeckt. Er lag etwas abseits der Terrasse, zwischen hohen Sträuchern und einem Beet voller Lavendel. Dort stand eine breite Gartenbank mit weichen Kissen. Hermine hatte es sich darauf bequem gemacht. Sie saß mit angewinkelten Beinen da und betrachtete zufrieden den Garten. Als Minerva wieder nach draußen kam, hob sie sofort den Kopf.

„Da bist du ja.“

Minerva lächelte.

„Hast du mich vermisst?“

„Schrecklich.“

„Ich war keine zehn Minuten weg.“

„Trotzdem eine Ewigkeit.“

Minerva lachte. Hermine streckte die Hand nach ihr aus.

„Komm her.“

Minerva trat näher, doch statt sich sofort neben sie zu setzen, blieb sie vor ihr stehen. Hermine bemerkte das kleine Päckchen in ihrer Hand.

„Was hast du denn da?“

Minerva lächelte.

„Etwas für dich.“

Hermine blinzelte.

„Für mich?“

„Ja.“

„Was denn?“

„Wenn du es öffnest, wirst du es erfahren.“

Hermine lachte.

„Minerva!“

Minerva setzte sich neben sie und reichte ihr das Päckchen.

„Hier, mein Schatz.“

Hermine nahm es vorsichtig entgegen. Dann sah sie Minerva an.

„Warum?“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Warum was?“

„Warum bekomme ich ein Geschenk?“

Minerva lächelte.

„Brauche ich dafür einen Grund?“

„Nein, aber…“

Hermine blickte auf das Päckchen.

„Es ist doch gar kein besonderer Anlass.“

Minerva nahm ihre Hand.

„Ich habe es gesehen und musste an dich denken.“

Hermine sah sie an. Minervas Blick wurde weich.

„Und ich wollte dir eine Freude machen.“

Hermine lächelte gerührt.

„Das tust du doch ohnehin jeden Tag.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Dann betrachte es als kleine Zugabe.“

Hermine lachte leise.

„Du bist unglaublich.“

Sie begann vorsichtig, das Tuch auseinanderzufalten. Als das dunkelrote Leder zum Vorschein kam, hielt sie inne.

„Oh…“

Sie nahm das Buch heraus und betrachtete den Einband. Langsam strich sie mit den Fingerspitzen Über die feine goldene Verzierung, die kleine Feder und die Sterne.

„Minerva…“

Minerva beobachtete sie aufmerksam.

„Gefällt es dir?“

Hermine sah auf.

„Ob es mir gefällt?“

Sie lachte ungläubig.

„Es ist wunderschön!“

Minerva lächelte erleichtert.

„Das freut mich.“

Hermine drehte das Buch vorsichtig in ihren Händen.

„Schau dir diese Verarbeitung an.“

„Ich habe sie mir bereits angesehen.“

Hermine grinste.

„Natürlich.“

Sie fuhr über die goldene Prägung.

„Das Leder ist unglaublich weich.“

Minerva nickte.

„Es ist handgebunden.“

Hermine betrachtete es noch einmal.

„Das sieht man.“

Dann öffnete sie es. Die erste Seite war leer. Sie blätterte weiter. Auch die nächste war leer und die folgenden Seiten ebenso. Schließlich sah sie Minerva an.

„Es ist ein Notizbuch?“

„Gewissermaßen.“

Hermine blätterte weiter. Die Seiten waren aus hochwertigem, leicht cremefarbenem Papier gefertigt. Sie fühlten sich angenehm glatt an. Hermine strich darüber.

„Oh, Minerva. Das ist wirklich wunderschön.“

Minerva lächelte.

„Ich dachte, du könntest es vielleicht als eine Art Reisetagebuch benutzen.“

Hermine blickte auf.

„Ein Reisetagebuch?“

„Ja.“

Minerva deutete auf die leeren Seiten.

„Wir haben schließlich noch einige Wochen Ferien vor uns.“

Hermine lächelte.

„Das stimmt.“

„Du könntest hineinschreiben, was wir erleben. Vielleicht kleine Erinnerungen festhalten.“

Hermine betrachtete das Buch nachdenklich.

„Das ist eine wundervolle Idee.“

Minerva nickte.

„Und vielleicht möchtest du später noch etwas ergänzen.“

„Bestimmt.“

Hermine blätterte erneut durch die Seiten.

„Ich könnte von unserem ersten Tag hier erzählen.“

Minerva lächelte.

„Zum Beispiel.“

„Von unserem Spaziergang.“

„Ja.“

Hermine sah sie an. Ein warmes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Und davon, dass du mir heute gesagt hast, dass das hier unser Zuhause ist.“

Minerva spürte, wie ihr Herz einen kleinen Sprung machte.

„Wenn du das festhalten möchtest.“

Hermine schüttelte leicht den Kopf.

„Natürlich möchte ich das.“

Sie betrachtete das Buch.

„Das werde ich niemals vergessen.“

Minerva legte ihre Hand auf Hermines Knie.

„Das hoffe ich.“

Hermine schlug das Buch zu und hielt es einen Moment lang an ihre Brust. Dann sah sie Minerva an.

„Danke.“

Minerva lächelte.

„Sehr gern, mein Schatz.“

„Nein, wirklich.“

Hermine rückte näher.

„Du hast dir so viel Mühe gemacht.“

„Ich habe es lediglich gekauft.“

„Aber du hast an mich gedacht.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Das tue ich ziemlich häufig.“

Hermine lachte leise.

„Ich weiß.“

Sie betrachtete Minerva einen Moment lang. Dann legte sie das Buch vorsichtig neben sich auf die Bank.

„Komm her.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ich sitze bereits neben dir.“

„Nicht nah genug.“

Minerva lachte.

„Hermine…“

Doch Hermine hatte bereits beide Hände nach ihr ausgestreckt. Sie legte die Arme um Minervas Taille und zog sie sanft zu sich. Minerva ließ sich lachend von ihr bewegen.

„Was hast du denn vor?“

„Mich bedanken.“

„Das hast du bereits getan.“

„Nicht ordentlich.“

Hermine zog sie noch etwas näher, bis Minerva schließlich quer auf ihrem Schoß saß. Minerva lachte überrascht auf.

„Hermine!“

„Was denn?“

„Du hättest mich wenigstens vorwarnen können.“

Hermine grinste.

„Dann wäre es keine Überraschung gewesen.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Du bist wirklich unglaublich.“

„Ich weiß.“

Hermine legte einen Arm um ihren Rücken. Mit der anderen Hand strich sie ihr sanft eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihr Lächeln wurde weicher.

„Danke, mein Liebling.“

Minerva sah sie an.

„Sehr gern.“

Hermine beugte sich vor und küsste sie mit einer Zärtlichkeit, die Minerva für einen Moment vollkommen still werden ließ. Hermine hielt sie behutsam in ihren Armen, während ihre Lippen sich langsam bewegten. Minerva legte eine Hand an Hermines Wange. Sie erwiderte den Kuss ebenso sanft. Hermine strich mit den Fingerspitzen über ihren Rücken und zog sie noch ein kleines Stück näher. Der Kuss dauerte lange. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieb Hermines Stirn an Minervas gelehnt. Minerva lächelte.

„Wenn du dich für jedes Geschenk so bedankst, sollte ich dir wohl häufiger etwas mitbringen.“

Hermine lachte leise.

„Dafür brauchst du mir nichts zu schenken.“

„Ach nein?“

„Nein.“

Sie küsste Minerva noch einmal.

„Ich küsse dich auch einfach so.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Das ist gut zu wissen.“

Hermine lächelte. Dann blickte sie zu dem Buch neben sich.

„Ich werde gut darauf aufpassen.“

Minerva folgte ihrem Blick.

„Das weiß ich.“

„Und ich werde heute Abend gleich anfangen.“

„Mit deinem Reisetagebuch?“

Hermine nickte.

„Ja.“

Sie grinste.

„Der erste Eintrag wird ziemlich lang.“

Minerva lachte.

„So viel haben wir doch noch gar nicht erlebt.“

Hermine sah sie an.

„Minerva, du hast mir heute ein Zuhause geschenkt.“

Minervas Lächeln wurde ganz weich. Hermine strich ihr über die Wange.

„Ich glaube, das ist mehr als genug für einen ersten Eintrag.“

Minerva schluckte. Dann beugte sie sich vor und küsste Hermine erneut. Ganz sanft.

„Ich liebe dich“, flüsterte sie.

Hermine lächelte gegen ihre Lippen.

„Ich liebe dich auch.“

Sie hielten einander noch eine Weile fest. Minerva saß weiterhin auf Hermines Schoß, die Arme locker um ihren Hals gelegt. Neben ihnen lag das dunkelrote Buch noch vollkommen leer und während Hermine bereits darüber nachdachte, welche Erinnerungen sie darin festhalten wollte, musste Minerva unwillkürlich lächeln. Sie konnte es kaum erwarten, Hermines Gesicht zu sehen, wenn diese irgendwann herausfand, was für ein besonderes Geschenk sie tatsächlich in den Händen hielt.

Am frühen Abend saß Hermine auf der Terrasse. Die Sonne war inzwischen ein gutes Stück tiefer gewandert und tauchte das Meer in warmes, goldenes Licht. Eine leichte Brise bewegte die Blätter der Kletterrosen, die sich an der Pergola emporrankten. Vor Hermine stand eine Tasse Tee. Daneben lag das wunderschöne dunkelrote Buch, das Minerva ihr am Nachmittag geschenkt hatte. Hermine strich liebevoll über den Einband. Sie hatte beschlossen, gleich heute mit ihrem Reisetagebuch zu beginnen. Schließlich war dieser erste Tag viel zu schön gewesen, um ihn nicht festzuhalten. Sie wollte über ihre Ankunft schreiben, das Cottage, den Spaziergang und natürlich über das Gespräch auf der Wiese. Hermine lächelte bei der Erinnerung.

'Unser Zuhause'

Allein diese beiden Worte ließen ihr Herz noch immer höherschlagen. Sie nahm ihre Feder, schlug das Buch auf und hielt überrascht inne. Auf der ersten Seite stand bereits etwas. Hermine blinzelte. Dann beugte sie sich näher. In einer eleganten, ihr nur allzu vertrauten Handschrift standen dort die Worte:

'Ich liebe dich.'

Darunter folgte ein weiterer Absatz.

'Mein liebster Schatz,

ich habe lange geglaubt, dass mein Leben bereits alles für mich bereithielt, was ich noch erwarten durfte. Meine Arbeit, meine Freunde, die Erinnerungen an vergangene Jahre. Dann bist du zurückgekommen und hast mir gezeigt, wie wunderbar es sein kann, sich noch einmal zu verlieben. Heute habe ich dich durch mein Cottage geführt. Ich habe gesehen, wie du gelächelt hast, wie du dich über die kleinsten Dinge gefreut hast und wie glücklich du warst, als ich von unserem Zuhause gesprochen habe und dabei ist mir etwas klar geworden. Ich habe mich noch nie so sehr auf die Zukunft gefreut wie jetzt.

Ich möchte noch unzählige Morgen neben dir aufwachen, mit dir lachen, mit dir streiten, mich wieder mit dir versöhnen und dich küssen. Ich möchte mit dir alt werden, auch wenn ich damit bereits einen erheblichen Vorsprung habe.

Du bist mein Glück, Hermine und wo immer du bist, dort möchte auch ich sein.

In Liebe,

Deine Minerva

Hermine starrte auf die Seite. Sie las den Text noch einmal und dann noch einmal. Ein warmes, überwältigendes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus.

„Oh, Minerva…“

Sie strich vorsichtig mit den Fingerspitzen über die Schrift. Das war eindeutig Minervas Handschrift, aber wann hatte sie das geschrieben?

Hermine hatte das Buch am Nachmittag selbst durchgeblättert. Es war vollkommen leer gewesen. Sie runzelte die Stirn. In diesem Moment öffnete sich die Terrassentür. Minerva trat hinaus. In den Händen hielt sie eine kleine Schale mit Erdbeeren.

„Da bist du ja, Hermine.“

Hermine hob langsam den Kopf.

„Minerva?“

Minerva bemerkte ihren Gesichtsausdruck.

„Ja?“

Hermine deutete auf das Buch.

„Hast du das hier hineingeschrieben?“

Minerva blieb stehen. Dann wanderte ihr Blick zum aufgeschlagenen Buch. Ein kleines, wissendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Nicht direkt.“

Hermine blinzelte.

„Nicht direkt?“

Minerva stellte die Erdbeeren auf den Tisch.

„Aber ich weiß jetzt, dass es funktioniert.“

Hermine sah sie verständnislos an.

„Was funktioniert?“

Minerva lachte leise.

„Darf ich?“

Sie deutete auf den freien Stuhl.

„Minerva, du kannst dich selbstverständlich setzen, aber ich hätte jetzt gern eine Erklärung.“

„Wie ungeduldig.“

„Minerva!“

Minerva lachte und setzte sich.

„Also gut.“

Sie legte die Hände auf den Tisch.

„Erinnerst du dich, dass ich dir gesagt habe, ich hätte das Buch während meines Besuchs bei meiner Mutter entdeckt?“

Hermine nickte.

„Ja.“

„Nun, es ist nicht ganz gewöhnlich.“

Hermine blickte auf das Buch. Dann wieder zu Minerva.

„Das habe ich inzwischen vermutet.“

Minerva lächelte.

„Es gibt zwei davon.“

Hermine runzelte die Stirn.

„Zwei?“

„Ja. Zwei miteinander verbundene Bücher.“

„Verbunden?“

Minerva nickte.

„Wenn ich in meines schreibe, erscheint der Text in deinem und wenn du in deines schreibst, erscheint er in meinem. Du kannst es selbstverständlich kontrollieren. Es erscheint nur in meinem, wenn du es willst.“

Hermine öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Dann sah sie erneut auf die Seite.

„Du meinst…“

„Dass ich diese Worte gerade eben oben in meinem Buch geschrieben habe.“

Hermine starrte sie an.

„Und sie sind hier erschienen?“

„Genau.“

Hermine blickte wieder auf den Text.

„Unabhängig davon, wo wir uns befinden?“

„Ja.“

„Auch wenn wir nicht im selben Haus sind?“

„Auch dann.“

„Selbst wenn wir Hunderte Meilen voneinander entfernt sind?“

Minerva nickte.

„Solange die Verbindung zwischen den Büchern besteht.“

Hermine schwieg. Dann breitete sich langsam ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Minerva…“

Minerva betrachtete sie.

„Gefällt dir die Idee?“

Hermine lachte ungläubig.

„Ob mir die Idee gefällt?“

Sie nahm das Buch in beide Hände.

„Das ist unglaublich!“

Minerva lächelte erleichtert.

„Ich dachte, es könnte ganz praktisch sein.“

Hermine hob den Kopf.

„Praktisch?“

„Nun ja…“

„Minerva McGonagall!“

Minerva lachte.

„Was denn?“

„Du schenkst mir ein Buch, mit dem wir einander jederzeit schreiben können, egal wie weit wir voneinander entfernt sind und nennst das praktisch?“

Minerva zuckte mit den Schultern.

„Es ist doch praktisch.“

Hermine schüttelte lachend den Kopf.

„Das ist unglaublich romantisch!“

Minervas Wangen färbten sich ein wenig rosa.

„Findest du?“

„Natürlich!“

Hermine legte das Buch behutsam auf den Tisch. Dann betrachtete sie Minerva mit einem ausgesprochen liebevollen Lächeln.

„Und dieser Text…“

Minerva senkte kurz den Blick.

„Ich hoffe, er war nicht zu kitschig.“

Hermine starrte sie an.

„Zu kitschig?“

„Nun…“

„Minerva.“

Hermine griff nach ihrer Hand.

„Das ist eines der schönsten Dinge, die du mir jemals geschrieben hast.“

Minervas Blick wurde weich.

„Das freut mich, mein Liebling.“

Hermine strich mit dem Daumen über ihre Finger. Dann erschien ein schelmisches Funkeln in ihren Augen.

„Sagen Sie mal…“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Ja?“

Hermine neigte den Kopf.

„Werden Sie jetzt sentimental, Professor McGonagall?“

Minerva betrachtete sie einen Moment lang. Dann lachte sie.

„Ein Liebesbrief in einem magischen Buch.“

Hermine grinste.

„Von der strengen Minerva McGonagall.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf.

„Du solltest wirklich vorsichtiger sein.“

„Warum?“

Minerva rückte ihren Stuhl ein wenig zurück. Dann streckte sie beide Arme nach Hermine aus.

„Komm her.“

Hermine blinzelte.

„Was?“

„Du hast mich verstanden.“

Hermine lachte.

„Oh, jetzt wird es interessant.“

Sie stand auf und trat zu Minerva. Die legte ihre Hände an Hermines Taille und zog sie sanft auf ihren Schoß. Hermine ließ sich bereitwillig nieder.

„Na, Professor?“

Minerva legte die Arme um sie. Dann sah sie ihr direkt in die Augen.

„Die Professorin habe ich zu Hause gelassen.“

Hermine grinste.

„Ah, das habe ich fast vergessen.“

„Offenbar.“

„Dann habe ich hier also nur meine Minerva?“

Minerva lächelte.

„Nur deine Minerva.“

Hermine legte die Arme um ihren Hals.

„Wunderbar.“

Sie küsste sie ganz sanft. Dann noch einmal und noch einmal. Minerva lachte leise gegen ihre Lippen.

„Hermine…“

„Hm?“

„Du sitzt ausgesprochen unbequem.“

Hermine löste sich ein Stück.

„Für dich oder für mich?“

„Für uns beide, fürchte ich.“

Hermine betrachtete ihre Sitzposition. Dann grinste sie.

„Das lässt sich ändern.“

Bevor Minerva etwas erwidern konnte, verlagerte Hermine vorsichtig ihr Gewicht und setzte sich rittlings auf ihren Schoß, sodass sie ihr direkt gegenübersaß. Minerva hob überrascht die Augenbrauen.

„Hermine!“

„Was denn?“

„Wir sitzen auf der Terrasse.“

Hermine sah sich demonstrativ um.

„Ja.“

„Im Garten.“

„Das ist mir aufgefallen.“

Minerva lachte.

„Du bist wirklich unmöglich.“

Hermine legte ihre Hände auf Minervas Schultern.

„Aber so kann ich dich viel besser küssen.“

„Ach, darum geht es.“

„Selbstverständlich.“

Sie beugte sich vor und gab Minerva einen langen, liebevollen Kuss. Minerva schlang die Arme um ihre Taille und erwiderte ihn. Hermine lächelte zufrieden.

„Siehst du?“

Minerva lachte.

„Ja, mein Schatz. Ich sehe es.“

Hermine strich ihr eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann küsste sie sie erneut. Minerva genoss die Nähe, Hermines Wärme, ihre Hände an ihren Schultern und das leise Lachen zwischen ihren Küssen. Schließlich löste sie sich ein wenig.

„Du solltest es langsam angehen lassen, mein Liebling.“

Hermine hielt inne.

„Warum?“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Immerhin bin ich nicht mehr die Jüngste.“

Hermine starrte sie an. Dann brach sie in Gelächter aus.

„Oh ja!“

Sie legte sich gespielt dramatisch eine Hand auf die Brust.

„Wie konnte ich das nur vergessen?“

Minerva lächelte trocken.

„Das frage ich mich auch.“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Du bist natürlich uralt und so unglaublich gebrechlich.“

„Danke für diese einfühlsame Einschätzung.“

„Jederzeit.“

Hermine beugte sich näher.

„Soll ich dir vielleicht einen Schaukelstuhl besorgen?“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Hermine.“

„Oder einen Gehstock?“

„Du bewegst dich auf gefährlichem Terrain.“

Hermine lachte.

„Vielleicht sollte ich dich lieber in Watte packen.“

Minerva schüttelte den Kopf.

„Du bist ein freches Früchtchen.“

„Ich weiß.“

Hermine legte beide Hände an Minervas Wangen. Ihr Lächeln wurde liebevoller.

„Komm schon, Schatz.“

Sie gab ihr einen kleinen Kuss.

„Du bist in mancher Hinsicht fitter als ich.“

Minerva lachte überrascht auf.

„Hermine!“

„Was denn? Es stimmt!“

„Du spinnst wirklich.“

Hermine grinste.

„Ja.“

Sie betrachtete Minerva einen Moment lang. Dann legte sie den Kopf schief.

„Also… wo war ich gerade?“

Minerva sah sie misstrauisch an.

„Ich fürchte, ich weiß es.“

Hermine lächelte.

„Ah, ich weiß schon.“

Sie beugte sich langsam vor.

„Hier.“

Ihre Lippen berührten Minervas Hals ganz sanft. Minerva schloss die Augen.

„Hermine…“

Hermine lächelte gegen ihre Haut. Sie gab ihr einen weiteren Kuss, diesmal ein kleines Stück tiefer. Dann noch einen. Minervas Hände ruhten an ihrer Taille. Hermine strich mit den Fingerspitzen über ihre Schultern und ließ ihre Hände langsam an Minervas Armen entlanggleiten. Schließlich nahm sie Minervas Hände in ihre eigenen. Sie verschränkte ihre Finger miteinander und küsste sie erneut am Hals. Minerva atmete leise aus.

„Du machst das mit Absicht.“

Hermine hob den Kopf.

„Was denn?“

Minerva betrachtete sie.

„Mich um den Verstand bringen.“

Hermine grinste.

„Funktioniert es?“

Minerva schüttelte lächelnd den Kopf.

„Leider viel zu gut.“

Hermine lachte leise. Dann senkte sie den Kopf wieder. Ihre Lippen wanderten über Minervas Hals bis zu der Stelle, an der der Ausschnitt ihres Kleides begann. Sie küsste zärtlich die Haut oberhalb ihres Dekolletés. Minerva drückte ihre Hände. Hermine hob kurz den Blick.

„Alles gut?“

Minerva lächelte.

„Wunderbar.“

Hermine erwiderte das Lächeln. Dann gab sie ihr noch einen sanften Kuss und noch einen. Minerva lehnte sich ein wenig zurück, während Hermine weiterhin ihre Hände hielt.

„Weißt du“, murmelte Minerva schließlich, „ich hatte eigentlich vor, einen ruhigen Abend auf der Terrasse zu verbringen.“

Hermine hob den Kopf. Ihre Augen funkelten.

„Aber wir verbringen doch einen ruhigen Abend.“

Minerva lachte.

„Ach ja?“

„Natürlich.“

Hermine küsste sie auf die Lippen.

„Wir sitzen gemütlich beisammen.“

Ein weiterer Kuss.

„Genießen die frische Luft.“

Noch einer.

„Und die wunderschöne Aussicht.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Die Aussicht?“

Hermine sah ihr direkt in die Augen.

„Ja.“

Dann lächelte sie so verliebt, dass Minerva ganz warm ums Herz wurde.

„Meine Aussicht ist jedenfalls wunderschön.“

Minerva lachte leise. Sie löste eine Hand aus Hermines Griff und legte sie an ihre Wange.

„Du bist wirklich hoffnungslos romantisch, mein Schatz.“

Hermine grinste.

„Sagt die Frau, die mir gerade einen Liebesbrief in ein magisches Buch geschrieben hat.“

Minerva musste lachen.

„Diesen Fehler werde ich wohl noch häufiger zu hören bekommen.“

„Oh, ganz bestimmt.“

Hermine beugte sich zu ihr.

„Aber keine Sorge.“

Sie küsste Minerva langsam und zärtlich.

„Ich liebe deine sentimentale Seite.“

Minerva erwiderte den Kuss. Dann legte sie ihre Stirn an Hermines.

„Und ich liebe dich.“

Hermine schloss glücklich die Augen.

„Ich weiß.“

Sie strich mit ihren Daumen über Minervas Hände.

„Und das werde ich jetzt sogar jederzeit nachlesen können.“

Minerva lächelte.

„So war es gedacht.“

Hermine küsste sie noch einmal und während das Meer hinter ihnen leise rauschte und die letzten Sonnenstrahlen die Terrasse wärmten, blieb sie auf Minervas Schoß sitzen. Das dunkelrote Buch lag aufgeschlagen auf dem Tisch. Auf seiner ersten Seite standen Worte, die Hermine vermutlich noch unzählige Male lesen würde, doch im Augenblick brauchte sie nicht hineinzusehen. Die Frau, die sie geschrieben hatte, hielt sie schließlich gerade in ihren Armen.

Der Abend senkte sich langsam über die schottische Küste. Die Sonne war längst hinter den Hügeln verschwunden und über dem Meer breitete sich ein sanftes, bläuliches Dämmerlicht aus. Der Wind war inzwischen etwas kühler geworden, doch Hermine hatte nicht die geringste Absicht, die Terrasse zu verlassen. Sie saß zusammengerollt auf dem breiten Gartensofa, eine weiche Wolldecke über den Beinen und beobachtete Minerva, die gerade mit ihrem Zauberstab einige kleine Veränderungen vornahm.

„Was machst du da?“, fragte Hermine neugierig.

„Du wirst es gleich sehen.“

Minerva schwang den Zauberstab. Ein Dutzend kleiner Lichter erschien unter der Pergola. Sie schwebten zunächst wie winzige Glühwürmchen durch die Luft, bevor sie sich zwischen den Rosenranken verteilten und dort in einem warmen Goldton zu leuchten begannen. Hermine richtete sich begeistert auf.

„Oh, Minerva!“

Minerva lächelte. Mit einer weiteren Bewegung ihres Zauberstabs erschienen mehrere Kerzen auf dem kleinen Tisch. Ihre Flammen flackerten sanft, ohne vom Wind beeinflusst zu werden. Schließlich ließ Minerva noch zwei große, kuschelige Decken herbeischweben. Hermine betrachtete die Terrasse, das warme Kerzenlicht, die kleinen goldenen Lichter zwischen den Rosen und das Meer, das im letzten Abendlicht schimmerte.

„Das ist wunderschön.“

Minerva steckte ihren Zauberstab weg.

„Ich dachte, wir könnten es uns noch ein wenig gemütlich machen.“

Hermine streckte beide Arme nach ihr aus.

„Dann komm her.“

Minerva lachte leise.

„Ich wollte eigentlich noch Tee holen.“

„Den kannst du herbeizaubern.“

„Wie praktisch, eine Hexe zur Freundin zu haben.“

„Außerordentlich.“

Minerva ließ mit einer kleinen Bewegung ihres Zauberstabs ein Tablett mit einer Teekanne und zwei Tassen erscheinen. Dann setzte sie sich neben Hermine. Die wartete nicht lange. Kaum hatte Minerva Platz genommen, rückte sie dicht an sie heran und schlang beide Arme um ihre Taille.

Minerva lachte.

„Du bist wirklich anhänglich.“

„Beschwerst du dich?“

„Nicht im Geringsten.“

„Gut.“

Hermine zog eine der Decken über sie beide. Minerva legte einen Arm um ihre Schultern und küsste sie auf die Stirn.

„So besser?“

Hermine schmiegte sich an sie.

„Viel besser.“

Sie tranken Tee, während sich die Dunkelheit langsam über den Garten legte. Hermine hatte ihre Beine über Minervas Schoß gelegt, und Minerva strich gedankenverloren mit den Fingerspitzen über ihren Unterschenkel. Gelegentlich beugte Hermine sich zu ihr, um ihr einen Kuss zu geben. Manchmal auf die Wange, manchmal auf die Lippen und einmal einfach auf die Nasenspitze. Minerva lachte überrascht.

„Wofür war der denn?“

„Einfach so.“

„Ach.“

„Darf ich dich nicht einfach so küssen?“

Minerva lächelte.

„Du darfst mich küssen, wann immer du möchtest.“

Hermine grinste.

„Das könnte gefährlich werden.“

„Das befürchte ich inzwischen auch.“

Hermine lachte und küsste sie erneut. Danach lehnte sie sich zufrieden an Minervas Schulter. Eine Weile schwiegen sie. Sie lauschten dem Meer und dem leisen Rascheln der Rosenblätter. Schließlich hob Hermine den Kopf.

„Minerva?“

„Hm?“

„Wie lange hast du dieses Cottage eigentlich schon?“

Minerva überlegte.

„Einige Jahre.“

„Und du bist immer allein hierhergekommen?“

„Nicht immer. Gelegentlich hatte ich Besuch. Malcolm war einige Male hier, ebenso Pomona und Poppy.“

„Aber meistens warst du allein.“

Minerva nickte.

„Ja.“

Hermine strich über ihre Hand.

„Warst du gern allein?“

Minerva dachte einen Moment nach.

„Manchmal schon. Nach einem langen Schuljahr habe ich die Ruhe sehr genossen.“

Sie lächelte leicht.

„Hier konnte ich morgens aufstehen, wann ich wollte. Niemand klopfte an meine Tür, niemand erwartete eine Entscheidung von mir und niemand fragte, warum Peeves wieder einmal einen Korridor verwüstet hatte.“

Hermine lachte.

„Das klingt tatsächlich erholsam.“

„Das war es auch.“

Minerva blickte hinaus zum Meer.

„Aber ich glaube, dass es mir dieses Jahr noch besser gefallen wird.“

Hermine hob den Kopf.

„Wegen mir?“

Minerva sah sie an.

„Wegen dir.“

Hermine lächelte glücklich. Sie richtete sich ein wenig auf und küsste Minerva sanft.

„Dann werde ich mich bemühen, dir einen wunderschönen Urlaub zu bereiten.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Das tust du bereits.“

„Dabei habe ich noch gar nicht richtig angefangen.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Sollte mich das beunruhigen?“

Hermine grinste.

„Vielleicht ein kleines bisschen.“

Minerva lachte.

„Bei Merlin, was habe ich mir da nur angelacht?“

„Die Liebe deines Lebens.“

Minerva sah sie einen Moment lang an. Dann lächelte sie so zärtlich, dass Hermine ganz warm ums Herz wurde.

„Ja“, sagte sie leise. „Das habe ich.“

Hermine legte die Arme um ihren Hals und küsste sie. Diesmal etwas länger. Als sie sich wieder voneinander lösten, blieb sie dicht bei ihr.

„Ich liebe dich.“

Minerva strich ihr über den Rücken.

„Ich liebe dich auch, mein Schatz.“

Später hatten sie die Teekanne ein zweites Mal gefüllt. Hermine lag inzwischen halb in Minervas Armen, den Kopf an ihre Brust geschmiegt. Minerva hatte eine Decke bis zu Hermines Schultern hochgezogen.

„Ist dir kalt?“

„Nein.“

„Sicher?“

Hermine hob den Kopf.

„Ich habe die beste Wärmflasche Schottlands.“

Minerva lachte.

„Ach ja?“

„Mhm.“

Hermine schmiegte sich noch etwas näher.

„Und sie küsst sogar.“

Minerva beugte sich hinunter und küsste ihre Stirn.

„Ein ausgesprochen vielseitiges Modell.“

Hermine lachte.

„Sehr.“

Sie legte eine Hand an Minervas Wange.

„Und wunderschön.“

Minerva lächelte.

„Du schmeichelst mir.“

„Ich sage nur die Wahrheit.“

„Natürlich.“

Hermine küsste sie auf die Lippen. Dann lehnte sie sich wieder an sie. Minerva strich ihr langsam durch die Locken.

„Weißt du“, sagte Hermine nach einer Weile, „ich glaube, ich könnte mich sehr daran gewöhnen.“

„Woran?“

„An solche Abende.“

Minerva blickte auf sie hinunter. Hermine lächelte.

„Mit dir draußen sitzen, Tee trinken, reden und kuscheln.“

Sie sah sich um.

„Und diese wunderschönen Lichter.“

Minerva lächelte.

„Dann werde ich sie wohl häufiger für dich herbeizaubern müssen.“

„Unbedingt.“

„Du stellst hohe Ansprüche.“

„Nur an die Beleuchtung.“

Minerva lachte.

„Das glaube ich dir nicht.“

Hermine grinste.

„Solltest du auch nicht.“

Sie küsste Minerva erneut. Der Abend verging, ohne dass eine von ihnen auf die Uhr sah. Sie sprachen über ihre Reisepläne, über Bücher, die sie lesen wollten und darüber, ob sie am nächsten Morgen zum Strand hinuntergehen sollten. Hermine wollte unbedingt das kleine Dorf besuchen. Minerva versprach, sie dorthin zu begleiten und zwischendurch genossen sie es einfach, einander nahe zu sein. Minervas Hand ruhte auf Hermines Rücken. Hermines Finger spielten mit einer losen Strähne von Minervas Haar. Gelegentlich trafen sich ihre Blicke und dann folgte meist ein Kuss. Irgendwann stellte Minerva ihre inzwischen leere Teetasse ab. Sie betrachtete den dunklen Himmel. Dann Hermine. Ein kleines, vielsagendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Nun, mein Schatz.“

Hermine hob den Kopf.

„Ja?“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Ich glaube, es wird langsam Zeit fürs Bett.“

Hermine blinzelte. Dann breitete sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht aus.

„Ach ja?“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Ja.“

„Bist du müde?“

Minerva lächelte.

„Das wird sich zeigen.“

Hermine betrachtete sie einen Moment lang. Dann lachte sie leise.

„Na gut.“

Sie schlug die Decke zurück und stand auf. Minerva erhob sich ebenfalls. Hermine nahm ihre Hand.

„Dann gehen wir mal in unser Schlafzimmer.“

Sie betonte das Wort unser ganz bewusst. Minerva lachte.

„Du genießt es wirklich, das zu sagen.“

Hermine strahlte.

„Oh ja.“

Sie trat näher und küsste Minerva.

„Unser Schlafzimmer.“

Noch ein Kuss.

„Unser Cottage.“

Und schließlich ein besonders zärtlicher Kuss.

„Unser Zuhause.“

Minerva legte beide Arme um sie.

„Unser Zuhause“, wiederholte sie leise.

Hermine lächelte weich.

„Meine Minerva“, flüsterte sie und gab ihr einen letzten Kuss.

Auch Minerva lächelte und griff nach ihrem Zauberstab. Mit einer eleganten Bewegung erloschen die Kerzen. Die kleinen goldenen Lichter zwischen den Rosen wurden schwächer, bis auch sie verschwanden. Nur das Mondlicht blieb zurück. Minerva nahm Hermines Hand.

„Komm, mein Liebling.“

Gemeinsam gingen sie ins Haus.

Oben im Schlafzimmer zog Minerva die Vorhänge ein wenig zu, sodass das Mondlicht noch immer durch die Fenster fallen konnte. Hermine verschwand zuerst im Badezimmer. Minerva nutzte die Gelegenheit, um ihre Kleidung wegzuräumen und die Bettdecke zurückzuschlagen. Als Hermine wiederkam, trug sie einen Morgenmantel.

„Das Bad gehört dir“, verkündete sie.

Minerva lächelte.

„Danke, mein Schatz.“

Hermine gab ihr einen Kuss.

„Lass dir Zeit.“

Minerva betrachtete sie kurz.

„Das klingt verdächtig.“

Hermine setzte ihr unschuldigstes Lächeln auf.

„Warum denn?“

„Weil ich dich kenne.“

Hermine lachte.

„Geh schon.“

Minerva schüttelte amüsiert den Kopf und verschwand im Badezimmer.

Als sie einige Zeit später zurückkam, hatte sie ihr langes Nachthemd angezogen und die Haare gelöst. Die ergrauten Strähnen fielen locker über ihre Schultern. Sie ging zum Bett und setzte sich auf die Matratze.

„Hermine?“

„Ja?“

Die Stimme kam aus der Nähe des Kleiderschranks.

„Kommst du?“

„Sofort.“

Minerva griff nach dem Buch auf ihrem Nachttisch. Sie schlug es auf und wollte gerade zu lesen beginnen, als sie Schritte hörte.

„So.“

Minerva hob den Kopf und vergaß augenblicklich, was sie hatte lesen wollen. Hermine stand einige Schritte vor ihr. Sie trug das Negligé. Genau das Negligé, das sie beim Packen mit einem so unschuldigen Lächeln in ihren Koffer gelegt hatte. Der feine Stoff umspielte ihre Figur und die schmalen Träger lagen zart auf ihren Schultern. Ihre Locken fielen offen über ihren Rücken und auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln, das alles andere als unschuldig war. Minerva starrte sie an. Für einen Augenblick war sie vollkommen sprachlos.

„Hermine…“

Hermine legte den Kopf schief.

„Ja, Liebling?“

Minerva schluckte.

„Du…“

Hermine grinste.

„Ich?“

Minerva ließ ihren Blick noch einmal über sie wandern. Dann schloss sie kurz die Augen.

„Bei Merlin.“

Hermine lachte leise.

„Gefällt es dir?“

Minerva öffnete die Augen wieder.

„Du fragst das nicht ernsthaft.“

„Doch.“

Hermine machte einen langsamen Schritt auf sie zu.

„Ich möchte schließlich wissen, was du davon hältst.“

Minerva legte ihr Buch beiseite.

„Ich halte es für ausgesprochen gefährlich.“

Hermine lachte.

„Gefährlich?“

„Für meine Selbstbeherrschung.“

Hermine strahlte.

„Wunderbar.“

Minerva schüttelte lachend den Kopf.

„Du hast das beim Packen also mit voller Absicht gemacht.“

„Natürlich.“

„Ich hätte es wissen müssen.“

Hermine trat an das Bett.

„Du hast so süß geschaut.“

Minerva hob eine Augenbraue.

„Süß?“

„Mhm.“

Hermine beugte sich vor und gab ihr einen kleinen Kuss.

„Ein bisschen sprachlos.“

„Das kommt selten genug vor.“

„Eben.“

Sie lächelte verschmitzt. Dann stützte sie sich mit den Händen auf der Matratze ab und kletterte langsam aufs Bett. Minerva beobachtete sie. Hermine kam auf allen vieren näher, bis sie direkt vor ihr war. Dann legte sie eine Hand an Minervas Schulter und brachte sie sanft dazu, sich zurückzulehnen. Minerva ließ sich mit einem amüsierten Lächeln auf die Kissen sinken. Hermine folgte ihr. Einen Augenblick später befand sie sich direkt über ihr. Ihre Locken fielen wie ein weicher Vorhang um ihre Gesichter. Minerva blickte zu ihr auf. Ihre Hand fand beinahe automatisch Hermines Taille.

„Du hast wohl noch etwas vor“, bemerkte sie trocken.

Hermine grinste.

„Oh ja.“

„Ach?“

Hermine beugte sich etwas näher.

„Ich möchte gleich mal testen, wie viel dieses Bett aushält.“

Minerva starrte sie einen Moment lang an. Dann brach sie in Gelächter aus.

„Hermine Granger!“

Hermine lachte ebenfalls.

„Was denn?“

„Du bist unmöglich!“

„Ich weiß.“

Minerva schüttelte den Kopf.

„Dieses Bett hat schon einige Jahrzehnte überstanden.“

Hermine hob eine Augenbraue.

„Dann wird es ja Zeit für eine ordentliche Belastungsprobe.“

Minerva lachte erneut.

„Bei Merlin, du wirst mich noch umbringen.“

Hermine lächelte. Diesmal etwas sanfter.

„Das habe ich nicht vor, mein Schatz.“

Sie strich Minerva eine weiße Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ich möchte dich lieber noch sehr, sehr lange behalten.“

Minervas Blick wurde weich.

„Das hoffe ich doch.“

Hermine beugte sich zu ihr.

„Gut.“

Dann küsste sie sie langsam und liebevoll. Minerva erwiderte den Kuss sofort. Ihre Hand lag noch immer an Hermines Taille, während die andere sanft über ihren Rücken strich. Hermine löste sich nur kurz. Sie betrachtete Minervas Gesicht - die halb geschlossenen Augen, das kleine Lächeln auf ihren Lippen und dann küsste sie sie erneut. Diesmal inniger. Minerva zog sie behutsam näher. Hermine ließ sich bereitwillig in ihre Arme sinken. Ihre Lippen fanden sich immer wieder, während draußen der Wind leise gegen die Fensterscheiben strich. Schließlich wanderte Hermine mit ihren Küssen zu Minervas Wange. Dann zu ihrem Hals. Minerva schloss die Augen.

„Hermine…“

Hermine lächelte gegen ihre Haut.

„Hm?“

„Du hast heute ausgesprochen viel Energie.“

„Ferien“, murmelte Hermine.

Minerva lachte leise.

„Natürlich.“

Hermine küsste sie erneut am Hals. Dann etwas tiefer, entlang ihres Schlüsselbeins bis zur Haut oberhalb des Ausschnitts ihres Nachthemds. Minerva atmete langsam aus. Ihre Hände glitten über Hermines Rücken. Der feine Stoff des Negligés fühlte sich weich unter ihren Fingern an. Als ihre Hände schließlich unter den lockeren Saum wanderten und die warme Haut an Hermines Taille berührten, hob Hermine kurz den Kopf. Ihre Blicke trafen sich. Minerva lächelte zärtlich.

„Ist alles gut, Liebling?“

Hermine nickte.

„Wunderbar.“

Sie beugte sich hinunter und gab ihr einen sanften Kuss.

„Bei dir ist alles wunderbar.“

Minerva strich ihr über die Wange.

„Du machst mich sehr glücklich, Hermine.“

Hermine lächelte.

„Dann haben wir etwas gemeinsam.“

Sie küsste Minerva erneut und diesmal ließ sie sich alle Zeit der Welt. Minerva hielt sie fest, strich liebevoll über ihren Rücken und erwiderte jeden Kuss mit derselben Zärtlichkeit. Zwischen ihnen lag dieses vertraute Gefühl, das in den vergangenen Monaten immer stärker geworden war. Sie kannten inzwischen die kleinen Gesten der anderen, wussten, wann ein Blick mehr sagte als Worte, wann ein leises Lachen die Stimmung noch schöner machte und wann sie einfach nur die Nähe genießen wollten.

Hermine richtete sich schließlich ein wenig auf. Minerva sah zu ihr hoch.

„Was ist?“

Hermine schüttelte den Kopf.

„Nichts.“

Sie lächelte.

„Ich sehe dich nur gerade an.“

Minerva zog eine Augenbraue hoch.

„Ist das erlaubt?“

„Unbedingt.“

Hermine strich ihr über die Wange.

„Du bist wunderschön.“

Minerva lächelte.

„Du schmeichelst mir.“

„Nein.“

Hermine beugte sich vor.

„Ich liebe dich.“

Minerva hob den Kopf ein wenig und küsste sie.

„Und ich liebe dich.“

Hermine schmiegte sich wieder an sie. Minerva schlang beide Arme um sie. Ihre Küsse wurden länger, ihre Berührungen vertrauter und irgendwann verstummte auch das letzte neckische Wort zwischen ihnen.

Draußen lag die schottische Küste still unter dem Mondlicht. Im Schlafzimmer brannte nur noch die kleine Lampe auf Minervas Nachttisch. Mit einer beiläufigen Bewegung ihres Zauberstabs ließ Minerva auch dieses Licht erlöschen. Hermine lachte leise an ihren Lippen.

„Ungeduldig, Professor?“

Minerva zog sie näher.

„Die Professorin hat Ferien, mein Schatz.“

„Ach ja.“

Hermine küsste sie.

„Das hatte ich fast vergessen.“

Minerva lächelte.

„Dann werde ich dich daran erinnern.“

Als Hermine sie erneut küsste, verschwanden auch die letzten Gedanken an Hogwarts, Unterricht und all die Verpflichtungen, die so lange ihren Alltag bestimmt hatten.

Sie hatten die ganze Nacht vor sich und zum ersten Mal schliefen sie nicht bloß gemeinsam in Minervas Bett, sondern in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer und in ihrem gemeinsamen Zuhause.