Ein verhängnisvoller Nachmittag
Ein verhängnisvoller Nachmittag
Was soll ich sagen? Nachdem ich vorhin noch eine wunderschöne Review unter meinem letzten Kapitel gelesen habe, musste ich dieses Kapitel noch fertig schreiben und gleich hochladen. Ganz liebe Grüße gehen raus an lenchen-13284 :D
Jetzt aber viel Spaß in Hogsmeade ;)
Der Nachmittag war mild, die Sonne stand golden über den Hügeln, als Hermine und Neville den Weg nach Hogsmeade einschlugen. Ein kleiner Ausflug, hatten sie sich gesagt – ein paar Stunden fern von der Anspannung des Schlosses. Neville schob die Hände in die Taschen, während Hermine neben ihm ging, die Stirn noch immer gerunzelt.
„Also,“ begann Neville schließlich, „du wirkst, als würdest du gleich platzen. Was ist passiert?“
Hermine atmete tief durch.
„Featherstone. Er hat Julia Carter nachsitzen lassen, weil sie seinem Unterricht nicht ganz folgen konnte. Was übrigens auf die meisten in der Klasse zutraf. Heute beim Nachsitzen hat sie geschafft – den Zauber, den wir gestern geübt haben – auszuführen und statt sie zu loben, hat er sie verhört, als hätte sie betrogen. Ich konnte nicht mehr stillhalten.“
Nevilles Augenbrauen zogen sich zusammen.
„Also bist du dazwischengegangen?“
„Ja.“ Hermine lachte bitter auf. „Und es endete damit, dass Minerva ins Klassenzimmer kam, weil wir so laut geworden sind. Später saßen wir beide in ihrem Büro wie zwei Schüler nach einem Streich.“
Neville schüttelte den Kopf, aber ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Klingt nach dir. Und wie hat Minerva reagiert?“
„Neutral. Streng. Zu streng.“
Hermine starrte auf den Pflasterweg.
„Sie hat uns beide zurechtgewiesen. Ich weiß, dass sie recht hatte, aber… es war schwer. Ich wollte, dass sie versteht, warum ich gehandelt habe, aber alles, was blieb, war das Gefühl, sie enttäuscht zu haben.“
Neville legte ihr kurz eine Hand auf die Schulter.
„Hermine, wenn jemand versteht, dass dir die Schüler am Herzen liegen, dann sie. Glaub mir, Minerva McGonagall hat ein gutes Gedächtnis dafür, wer für andere einsteht.“
Hermine wollte etwas erwidern, doch da standen sie schon vor dem „Drei Besen“. Das gemütliche Summen der Stimmen schlug ihnen entgegen, sobald sie die Tür öffneten. Madam Rosmerta begrüßte sie mit einem freundlichen Lächeln und führte sie zu einem kleinen Tisch am Fenster. Kaum hatten sie ihre Butterbiere bestellt, begann Hermine zu erzählen – ausführlicher, jedes Detail des Streits, jedes Wort im Büro. Neville hörte aufmerksam zu, nickte, stellte ab und zu eine Frage. Sie fühlte, wie die Last etwas leichter wurde, einfach weil er zuhörte und Verständnis zeigte.
Doch die Leichtigkeit währte nur kurz. Die Tür des Pubs öffnete sich erneut und eine kleine Gruppe trat ein: Professor McGonagall, hochgewachsen und würdevoll wie immer, dicht gefolgt von Poppy Pomfrey, die bereits nach Rosmerta winkte, Pomona Sprout mit ihrem sonnenwarmen Lachen und Irina Packson, die sich umblickte, als würde sie hinter jedem Gast eine Bedrohung wittern.
Hermines Herz setzte kurz aus. Ausgerechnet jetzt.
Neville bemerkte es und flüsterte mit einem Zwinkern:
„Na, das wird interessant.“
Hermine zwang sich zu einem Lächeln, während ihr Butterbier vor ihr auf dem Tisch landete. Ihre Hand umklammerte den Henkeld noch fester, als die Gruppe der Professorinnen ebenfalls zu einem Tisch geleitet wurde – kaum zwei Plätze weiter.
Minerva hatte sie bereits gesehen. Ihr Blick glitt für den Bruchteil einer Sekunde über Hermine hinweg, streng, prüfend – und blieb dann absichtlich neutral, als hätte man sich nichts weiter zu sagen.
Für Hermine fühlte es sich jedoch an, als wäre der Raum plötzlich enger geworden.
Hermine setzte sich wieder gerade hin, ließ das Butterbier leicht vor sich schwenken und spürte jeden Herzschlag deutlicher. Die Präsenz der Professorinnen nur wenige Tische entfernt ließ sie plötzlich sehr klein wirken, obwohl sie genau wusste, dass sie nichts Falsches getan hatte.
Neville bemerkte die Anspannung in ihrem Blick und grinste leicht.
„Siehst du, Hermine? Es ist nichts dabei. Sie trinken nur Butterbier, genau wie wir.“
Hermine atmete tief durch, zwang sich zu einem kleinen Lächeln.
„Ich weiß, aber es fühlt sich einfach… seltsam an. Besonders Minerva. Ich weiß, dass sie neutral bleiben will, aber ich spüre förmlich, dass sie mich noch immer prüft.“
Neville lehnte sich zurück, nahm einen vorsichtigen Schluck aus seinem eigenen Glas.
„Vielleicht prüft sie dich ja nicht nur. Vielleicht ist sie auch überrascht, wie du dich behauptet hast.“
Hermine ließ den Blick über die Gruppe gleiten. Pomona lachte leise über etwas, das Irina sagte und Poppy nickte zustimmend. Minerva saß still, die Hände vor sich gefaltet und schien jede Bewegung ihrer Begleiterinnen und auch die von Hermine zu beobachten. Nicht kritisch, eher… aufmerksam.
Ein warmer, aber komplizierter Stich ging durch Hermines Brust. Sie wusste, dass Minervas Blick mehr wagte, als es die strenge Fassade zuließ. Es war ein unangenehmes Ziehen, dieses Gleichgewicht zwischen Respekt und dem Wunsch, Nähe zu spüren, das sie nicht zeigen durfte.
Neville bemerkte das Schweigen, legte wieder seine Hand auf ihre Schulter.
„Du bist immer noch du, Hermine. Auch wenn sie da drüben sitzen. Du hast das Richtige getan und das zählt.“
Hermine nickte, atmete tief durch und zwang sich, die Aufmerksamkeit wieder auf die Butterbiergläser vor ihnen zu richten.
„Ja… du hast recht. Ich darf mich nicht von meiner eigenen Nervosität überwältigen lassen.“
Sie tranken schweigend, spürten die leise Präsenz der Professorinnen.
Hermine und Neville hatten gerade ihr zweites Butterbier bestellt, als Pomona mit einem freundlichen Lächeln auf sie zutrat.
„Hermine, Neville,“ sagte sie, die Hand einladend ausgestreckt, „kommt doch zu uns. Wir sitzen noch ein wenig zusammen, plaudern über den Unterricht und genießen den Nachmittag.“
Hermine spürte, wie ihr Herz kurz einen Schlag aussetzte und spürte sofort die Spannung zwischen ihr und Minerva, nur für sie beide wahrnehmbar, eine unsichtbare Klammer aus Erwartung und Zurückhaltung.
„Sehr gern,“ sagte Hermine leise, und Neville nickte zustimmend.
Pomona führte sie zu einem runden Tisch. Die Atmosphäre war überraschend locker; die Gespräche drehten sich um Unterrichtsfragen, Schüler und kleine Anekdoten aus dem Alltag an Hogwarts. Pomona lachte leise über eine besonders skurrile Geschichte, die Irina erzählte und selbst Minerva konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
Hermine setzte sich neben Neville, der sofort begann, am Gespräch teilzuhaben und sie fühlte sich nach und nach entspannter. Es war angenehm, nicht auf die Rolle der Referendarin reduziert zu werden, sondern einfach Teil einer Gruppe zu sein.
Zwischen dem Plaudern, dem Lachen und dem leichten Klirren der Butterbiergläser fiel Hermines Blick plötzlich auf Irina. Die Professorin hatte sie anscheinend aufmerksam beobachtet, ein leises Funkeln in den Augen, das Hermine kurz innehalten ließ. Es war schwer zu deuten: War es bloß Aufmerksamkeit, professionelles Interesse – oder lag da etwas anderes in der Art, wie Irina sie ansah?
Hermine schob den Gedanken beiseite, zwang sich zu einem kleinen Lächeln und wandte sich wieder dem Gespräch am Tisch zu. Doch tief in ihr blieb das leichte Kribbeln, das dieser Blick hinterlassen hatte und das geheimnisvolle Gefühl, dass dieser Nachmittag noch überraschend werden konnte.
Neville bemerkte ihr kurzes Zögern und flüsterte ihr aufmunternd zu.
„Du siehst aus, als hättest du gerade etwas Interessantes bemerkt.“
Hermine nickte, konnte sich aber ein kleines, geheimes Lächeln nicht verkneifen.
„Vielleicht…“
Die Butterbiere wurden geleert, das Lachen am Tisch wurde lauter und während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand, spürte Hermine, dass dieser Nachmittag in Hogsmeade anders war als alles zuvor – voller Wärme, kleiner Überraschungen und leiser Spannung.
Hermine nahm einen Schluck Butterbier und ließ ihren Blick beiläufig über den Tisch schweifen. Irina saß ihr gegenüber und plötzlich trafen sich ihre Augen für einen winzigen Moment länger als üblich. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln spielte auf Irinas Lippen und Hermine spürte ein leichtes Knistern, das sie überraschte.
Sie erwiderte den Blick, etwas vorsichtig, fast schüchtern, doch auch neugierig. Wieder und wieder fielen ihre Augen auf Irina und jedes Mal schien die Professorin für Verteidigung eine kleine, stille Antwort in den Augenwinkeln zu geben – ein fast spielerisches Funkeln, das Hermine erröten ließ.
Neville bemerkte nur ihr gelegentliches Lächeln und nickte leicht, ohne die Spannung zu verstehen.
„Du scheinst gute Laune zu haben,“ murmelte er und Hermine lachte leise.
„Ja… irgendwie schon.“
Pomona und Poppy unterhielten sich lebhaft am Tisch, doch Hermine bemerkte einen anderen, intensiveren Blick: Minerva saß ruhig neben ihr, doch ihre Augen hatten sich subtil verengt, während sie die Szene beobachtete. Ein leichtes Stirnrunzeln und ein Hauch von Missmut – kaum sichtbar, aber für Hermine deutlich spürbar.
Ein unerwartetes Gefühl durchfuhr sie: Ein kleiner, heimlicher Reiz, dass Minerva, die sonst immer so streng und unnahbar war, plötzlich diese subtile Eifersucht zeigte. Hermine konnte nicht leugnen, dass es ihr ein seltsames, warmes Vergnügen bereitete, diesen Effekt zu haben. Irina bemerkte das kurze Zögern, hob leicht die Augenbraue und Hermine spürte, dass sie wieder spielerisch den Blick suchte.
Minerva räusperte sich, ein kaum hörbares Geräusch, das Hermine erröten ließ, weil sie wusste, dass die Schulleiterin genau registriert hatte, was da gerade geschah.
Pomona bemerkte nichts, Poppy lachte über eine Anekdote, Irina lächelte noch einmal kurz und Hermine senkte dann leicht den Blick, doch ihr Herz klopfte schneller als nötig. Langsam ließ sie ihren Blick zur Seite gleiten, nur um Minerva direkt anzusehen. Minerva, die bisher so aufmerksam die Interaktion zwischen Hermine und Irina verfolgt hatte, hob kurz die Augenbrauen. Hermine ließ sich Zeit, ihren Blick zu halten – nicht herausfordernd, nicht spielerisch, sondern deutlich, klar und bewusst.
Ein Ausdruck, der sagte: Ich weiß, dass du hinsiehst und ich weiß, was das mit dir macht. Für einen Moment schien Minerva fast den Atem anzuhalten. Ihre sonst so kontrollierte Miene verfinsterte sich leicht, ein Schatten von Überraschung, vielleicht sogar Eifersucht, huschte über ihre Züge. Hermine spürte, dass genau dieser Effekt beabsichtigt war – ein kleines, heimliches Vergnügen, das sie sich jetzt gönnte.
Pomona lachte gerade über etwas, Poppy nickte zustimmend, und Irina bemerkte den Wechsel der Aufmerksamkeit nur flüchtig. Für Hermine war es ein kleiner Triumph.
Das Spiel war vorbei, aber die Spannung hatte sich nicht aufgelöst – sie hatte nur ihren Fokus verlagert.
Minerva sah weiterhin zu ihr, ruhig, streng, aber Hermine konnte die winzigen Nuancen erkennen: das Heben einer Augenbraue, ein leises Zusammenpressen der Lippen. Etwas, das sie nie offen zeigen würde, das aber Hermine bewusst wahrnahm – und das ihr auf sehr gefiel.
Hermine lehnte sich leicht zurück, nahm einen Schluck Butterbier und das Lächeln auf ihren Lippen war nur für Minerva bestimmt.
Mit einem beinahe unschuldigen Lächeln wandte Hermine sich wieder dem Gespräch am Tisch zu, trank einen Schluck Butterbier und genoss das Spiel der Blicke, das im Hintergrund weiter zwischen ihr und Minerva lief, still, verborgen und doch intensiv spürbar. Es war ein Moment voller Spannung, der sie beide auf subtile Weise verband – während Neville und die anderen noch völlig in die Unterhaltung vertieft waren.
Sie bestellten eine weitere Runde Getränke. Die Stimmung wurde lockerer und die Hemmschwellen sanken verdächtig. Unter normalen Umständen hätte sich weder Hermine noch Minerva zu diesen Blicken hinreißen lassen. Doch jetzt machte es Hermine Spaß. Sie spürte das kleine Prickeln in ihrem Magen, als sie Minervas Aufmerksamkeit bewusst auf sich zog. Sie lehnte sich leicht vor, spielte unauffällig mit der Kante ihres Butterbieres und ließ ihren Blick immer wieder kurz zu Minerva gleiten, sodass die Schulleiterin jedes Mal unwillkürlich reagierte – ein leichtes Zucken der Augenbrauen, ein Hauch von Anspannung in der sonst so kontrollierten Haltung. Neville und die anderen waren in das Gespräch vertieft, lachten und plauderten, während zwischen Hermine und Minerva ein stilles, intensives Spiel entstand. Hermine konnte sehen, wie Minerva immer wieder kurz auswich, den Blick senkte und die Hände fester verschränkte. Schließlich, als Hermine wieder den Blick auf sie richtete, erhob Minerva sich leise.
„Entschuldigt mich kurz,“ sagte sie knapp, die Stimme ruhig, aber die Anspannung lag in jeder Silbe.
Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Tisch und ging zur Toilette, um sich zu sammeln. Hermine wartete noch einen Moment und folgte ihr. Sie wusste, dass sie sich nah an einer Grenze aufhielt und Minerva damit kämpfte. Als sie den Waschraum betrat, stand Minerva am Waschbecken und hielt sich daran fest.
„Minerva?“, ihre Stimme war sanft, vorsichtig, doch mit einem leichten Lächeln, das sie nicht verbergen konnte.
Die Schulleiterin hob den Kopf und sah Hermine im Spiegel.
„Ist alles in Ordnung?“
„Hermine…“, begann sie, die Stimme etwas rau, dann räusperte sie sich. „Ja, ich… ich wollte mich nur einen Moment frisch machen.“
Hermine trat näher, lehnte sich halb an die wand, ohne aufdringlich zu wirken.
„Ich wollte nur sicherstellen, dass es dir gut geht.“
Sie lächelte leicht, doch ihre Augen funkelten, als wüsste sie genau, welchen Effekt ihr Erscheinen hatte.
Minerva hob den Blick, die strenge Fassade kehrte langsam zurück, doch in den Augen lag noch ein Hauch von Unruhe, den Hermine sofort bemerkte. Sie spürte, dass sie hier, allein mit Minerva, die Möglichkeit hatte, die subtilen Grenzen zwischen Professionalität und persönlicher Spannung weiter auszuloten – ohne dass jemand es mitbekam.
„Danke, Hermine,“ sagte Minerva schließlich, die Stimme ruhig, aber leise vibrierend. „Das ist… aufmerksam von dir.“
Hermine nickte nur, das Lächeln unverändert. Minerva hatte gerade tief durchgeatmet, als Hermine einen Schritt nähertrat. Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern, doch jedes Wort schnitt durch die Stille wie ein Zauber.
„Du hast es gesehen, nicht wahr?“
Minerva blinzelte, das Kinn leicht erhoben. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“
„Doch, das weißt du. Du hast genau hingesehen, als Irina mich beobachtet hat. Und hast reagiert.“
Sie machte eine kleine Pause, ihre Augen hielten Minervas fest.
„Es war Eifersucht.“
Minerva wich zurück. Ihre Hände ballten sich an den Seiten zu Fäusten.
„Hermine, du überschreitest eine Grenze. Das hier… das darf nicht passieren. Ich dachte, das hätte ich dir deutlich klargemacht.“
„Ja, das hast du gesagt, aber es ist nicht das, was du fühlst. Du sagst, dass es nicht geht. Warum nicht? Weil ich eine kleine Referendarin bin? Weil du meine Vorgesetzte bist? Weil ich eine Frau bin? Warum geht es nicht?“
Minerva wandte den Blick ab, versuchte sich an der gewohnten Strenge festzuhalten, doch Hermine ließ es nicht zu. Sie griff sanft nach Minervas Hand, die sie noch immer zu einer Faust geballt hielt und legte ihre Finger darum. Minerva sog scharf die Luft ein, ihre sonst so unerschütterliche Haltung geriet ins Wanken.
„Hermine…“
Minerva schloss für einen Moment die Augen, kämpfte sichtbar mit sich selbst.
Minerva entzog Hermine ihre Hand mit einer schnellen Bewegung, als hätte sie sich verbrannt. Ihr Gesicht war wieder streng, beinahe eisig, während sie sich zum Ausgang wandte.
„Das Gespräch ist beendet.“
Doch kaum wollte sie an ihr vorbeigehen, spürte sie plötzlich Hermines Hände an ihrer Taille. Sanft, aber bestimmt zog Hermine sie zurück, bis Minerva gegen die kühle Wand gedrängt vor ihr stand. Minervas Atem stockte, ein ungläubiger Blick huschte über ihr Gesicht.
„Hermine—“ begann sie warnend.
„Nein.“ Hermines Stimme war fest, doch voller Wärme.
Sie sah, wie erschrocken Minerva von diesem Angriff war.
„Keine Sorge“, sagte sie sanft, „Ich werde nichts tun, was du nicht willst. Schon gar nicht hier in einer Toilette. Etwas mehr Stil darfst du mir schon zutrauen.“
Minervas Augen weiteten sich bei diesem frechen Kommentar. Hermine ließ ihre Hände an Minervas Taille ruhen, ohne Druck, nur als leise Berührung.
„Aber ich will, dass du ehrlich bist. Mit mir. Und mit dir selbst.“
Minerva schloss kurz die Augen, als würde sie die Kraft sammeln, um standhaft zu bleiben. „Ehrlichkeit ist nicht immer ein Luxus, den wir uns leisten können,“ murmelte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch.
Hermine rückte etwas näher, so nah, dass Minerva ihren Herzschlag spüren konnte, aber ohne die letzte Distanz zu brechen.
„Und doch verlangst du sie immer von allen anderen. Ich will nur hören, was wirklich in dir vorgeht. Danach kannst du entscheiden, was du tust.“
Minervas Lippen öffneten sich, als wollte sie sprechen, doch kein Wort kam heraus. Die Spannung in ihrem Gesicht, der Kampf zwischen Pflicht und Sehnsucht, ließ Hermine beinahe den Atem anhalten. Stattdessen hob Minerva langsam die Hand – so zögerlich, als fürchte sie, dass jede Bewegung eine Grenze überschreiten könnte. Ihre Finger zitterten leicht, als sie Hermines Wange berührten. Nur ein flüchtiges Streifen, kaum mehr als eine Andeutung und doch so voller Bedeutung, dass Hermine das Herz raste. Die Berührung dauerte kaum länger als einen Herzschlag, ehe Minerva ihre Hand zurückzog, als hätte sie sich erlaubt, zu viel preiszugeben. Ihre Augen funkelten – nicht streng, nicht kalt, sondern weich, verletzlich, durchbrochen von all dem, was sie nicht aussprechen konnte. Hermine atmete tief ein, ihre Hand noch immer an Minervas Taille.
Sie senkte die Stimme, fast ehrfürchtig: „Das reicht mir als Antwort.“
Minerva schloss für den Bruchteil einer Sekunde die Augen, als würde sie diese Worte in sich aufnehmen. Dann wandte sie sich leicht ab, flüsterte nur: „Du weißt nicht, worauf du dich einlässt.“
Doch Hermine lächelte, ein sanftes, sicheres Lächeln.
„Oh doch. Mehr, als du denkst.“
Minerva wollte sich abwenden, doch Hermines Hand hielt sie sanft, ohne Zwang, in der Nähe. Die junge Frau sah sie mit einer solchen Klarheit an, dass es Minerva beinahe den Atem raubte.
„Es gibt da draußen niemanden…“ sagte Hermine leise, ihre Stimme bebte, aber ihre Augen funkelten voller Gewissheit, „niemanden, den ich jemals so lieben könnte. Man sucht sich nicht aus, in wen man sich verliebt. Es passiert einfach.“
Sie schluckte, der Ernst ihrer Worte schien schwerer als alles, was sie zuvor ausgesprochen hatte.
„Ich hoffe wirklich, dass du dir irgendwann erlaubst, mich zu lieben.
Minerva starrte sie an. In Hermines Blick lag keine Forderung, kein Drängen – nur Wahrheit, unverfälscht und eine Geduld, die ihr fast den Boden unter den Füßen nahm. Ein Zittern lief über Minervas Lippen und für einen Augenblick war es, als wolle sie sich zu Hermine neigen, den Spalt der Zurückhaltung endgültig überwinden, doch im letzten Moment hielt sie inne. Stattdessen hob sie wieder die Hand, berührte diesmal nicht flüchtig, sondern ließ ihre Finger kurz an Hermines Kiefer verweilen, warm und zart.
Ihr Blick wurde weich, fast schmerzlich, als sie flüsterte: „Du verlangst Unmögliches von mir.“
Hermine schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Ich verlange nichts. Ich liebe nur. Und ich warte.“
Das Gewicht dieser Worte hing zwischen ihnen, schwer und heilig. Minerva senkte den Blick, rang nach Fassung, während ihr Herz längst gegen alle Regeln schlug. Schließlich zog sie ihre Hand zurück, wandte sich ab, als müsste sie sonst den letzten Rest ihrer Disziplin aufgeben. Doch in ihrem Inneren wusste sie: Hermine hatte eine Tür aufgestoßen, die sich nicht mehr würde schließen lassen.
Hermine sah Minerva noch immer an, ihr Blick weich, doch mit einem leisen Schimmer von Schalk darin.
„Und wie,“ fragte sie flüsternd, die Mundwinkel ein wenig erhoben, „kommen wir jetzt eigentlich zurück zum Tisch, als wäre nichts passiert?“
Einen Moment lang hielt Minerva die Luft an, überrascht von dieser plötzlichen Leichtigkeit. Dann, wider jede Vernunft, entfuhr ihr ein leises Lachen – gedämpft, warm, fast wie ein Befreiungsschlag.
„Du machst es einem wirklich schwer, ernst zu bleiben,“ murmelte sie, die Härte in ihrer Stimme völlig verflogen.
„Das ist die Absicht,“ entgegnete Hermine, und diesmal grinste sie.
Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf, ihre Augen funkelten noch immer von diesem gefährlichen Gemisch aus Zuneigung und Disziplin. Doch das Lächeln auf ihren Lippen ließ sich nicht ganz verdrängen.
Schließlich richtete sie sich auf, straffte den Umhang und nickte Hermine zu.
„Dann tun wir jetzt so, als wäre nichts geschehen.“
Hermine griff noch einmal nach Minervas Handgelenk.
„Und in Hogwarts?“
„Wir werden sehen.“
Hermine nickte und so traten sie nebeneinander wieder hinaus in den Gastraum, beide mit jener gefassten Ruhe, die niemandem den Sturm verriet, der eben noch zwischen ihnen getobt hatte – nur in ihren Blicken glomm ein Rest dieses unausgesprochenen Geheimnisses.
Etwas angeheitert gingen die Professoren zurück nach Hogwarts. Für den Moment hatte sich die Spannung zwischen Minerva und Hermine etwas gelegt.
Neben Hermine tauchte irgendwann Professor Packson auf.
„Nun Miss Granger… oder darf ich Hermine sagen?“
„Oh ja natürlich.“
„Sehr schön, dann nennst du mich bitte Irina.“
Hermine lächelte sie an und nickte.
„Also Hermine“, begann sie erneut, hat es gewirkt?“
„Wie bitte?“
„Unser kleines Spielchen von vorhin. Hatte es die gewünschte Wirkung?“
„Ich…“
„Keine Sorge, niemand hat etwas bemerkt und ich habe es auch nur durch Zufall erfahren.“
„Zufall?“
Hermine und Irina setzten sich ein wenig von der Gruppe ab.
„Ich bin ein Legilimentor“, sagte sie, als wäre es selbstverständlich.
„Was?“, sagte Hermine erschrocken und blieb stehen. „Du warst in meinen Gedanken?“
„Unfreiwillig. Ich kann es manchmal nicht kontrollieren, vor allem, wenn zwei dasselbe denken und fühlen.“
„Weiß Minerva, dass du ein Legilimentor bist?“
„Natürlich weiß sie es. In meiner Gegenwart ist sie deshalb sehr wachsam, aber es liegt mir fern, irgendjemanden heimlich zu belauschen.“
„Das hoffe ich. Du wirst nichts sagen?“
„Natürlich nicht. Darf ich ehrlich zu dir sein?“
„Ja sicher.“
„Ihr zwei macht es euch wirklich schwer“, meinte Irina und lächelte.
„Sag das nicht mir. Sag es Minerva oder… Nein, sag es ihr besser nicht“, antwortete Hermine und lachte herzlich, sodass sich Minerva einen kurzen Moment umdrehte.
„Ich denke, es hat gewirkt. Merlin, sie ist wahnsinnig eifersüchtig.“
„Hast du ihre Gedanken gelesen?“
„Nein. Ich habe ihren Blick gesehen.“
„Sie weiß, was ich fühle und meine Gefühle werden sich nicht ändern. Für niemanden.“
„Wirklich schade“, meinte Irina.
Hermine sah sie groß an.
„Das war ein Scherz. Du bist eine tolle Frau, nur leider so gar nicht mein Beuteschema. Du bist einfach zu wenig Mann“, sagte sie und zwinkerte Hermine zu. „Außerdem würde das meinem Ehemann nicht wirklich gefallen.“
„Du bist verheiratet?“
„Ja. Das wissen aber nur die wenigsten. Er ist ein Muggel.“
„Also auch eine nicht ganz einfache Beziehung?“
„Nein, wirklich nicht. Wir haben für unsere Liebe gekämpft. Weißt du, wenn man liebt, so richtig liebt, gibt es keine Grenzen. Man denkt immer, die Hürden sind unüberwindbar, aber irgendwann schafft man es und dann ist alles andere egal. Wen interessiert es denn? Vielleicht zieht man am Anfang Blicke auf sich oder steht unfreiwillig im Rampenlicht, aber das geht vorbei.“
Hermine schwieg einen Moment und sah Irina an.
„Warum habe ich das Gefühl, dass du gerade nicht von dir sprichst?“
„Weil du eine kluge Hexe bist und du recht hast.“
„Ich frage mich manchmal, wie lange es noch dauert, bis Minerva das auch kapiert oder ob sie es überhaupt irgendwann kapiert.“
„Die Liebe findet ihren Weg.“
Hermine nickte nur, denn sie hatten das Schloss erreicht. Sie verabschiedeten sich voneinander und gingen getrennte Wege. Als Hermine einige Schritte gegangen war, blieb sie stehen und drehte sich noch einmal um. Minerva hatte dasselbe getan. Sie sahen einander an, ein kurzes Lächeln und jede setzte ihren Weg fort.