LNCrawler

Autorität gegen Gewissen

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Autorität gegen Gewissen

So, jetzt kommt wohl das, worauf viele schon eine ganze Weile gewartet haben - Willkommen in Verwandlung ;) Ich hab mich über dieses Kapitel selbst so gefreut und bin gespannt, wie ihr es findet. Lasst es mich gerne wissen :D

Tag für Tag wurde Hermine mulmiger. Die ersten vier Wochen hatte sie hinter sich gebracht. Erfolgreicher, als sie es sich vorgestellt hatte, doch dieses Glücksgefühl wurde in den Hintergrund gedrängt.

Die große Halle war erfüllt vom Klirren der Bestecke und dem leisen Murmeln der Schüler. Ein normaler Morgen in Hogwarts, doch nicht für Hermine, denn heute war es so weit. Heute begann der Unterricht bei Professor Featherstone.

Hermine trat etwas früher als gewöhnlich ein, die Nacht hatte ihr wenig Schlaf gelassen. Ein Anflug von Müdigkeit lag auf ihrem Gesicht, doch ihre Augen zeigten Entschlossenheit. Sie setzte sich neben Neville, der ihr sofort einen Krug Kürbissaft reichte und fröhlich zu erzählen begann. Hermine nickte, hörte zu, doch ihr Blick wanderte den Tisch entlang zu Featherstone, der sich gerade Kaffee in seine Tasse goss.

Neville stieß Hermine sanft an.

„Alles in Ordnung? Du siehst so… abwesend aus.“

Hermine lächelte schwach, riss sich los.

„Alles gut. Nur etwas wenig Schlaf.“

„Das dachte ich mir.“ Neville schenkte ihr noch Saft nach und redete weiter, während Hermine insgeheim jeden Muskel anspannte. Sie brachte keinen Bissen hinunter.

„Du musst etwas essen Hermine“, sagte Poppy aufmunternd. „Du hast in den letzten Tagen auch kaum gegessen.“

„Ich bin zu nervös, um etwas zu essen.“

„Unsinn“, sagte Pomona. „Du bist bereit dafür. Du kannst dich durchsetzen, hast dir Respekt bei den Schülern verschafft.“

„Aber nicht bei ihm“, meinte Hermine und nickte in die Richtung des Verwandlungsprofessors, der genüsslich seinen Kaffee trank.

„Das wird schon“, sagte Poppy lächelnd.

„Minerva hat mich gestern nochmal angesprochen und mich daran erinnert, dass ich mich zurückhalten muss.“

„Aus gutem Grund“, sagte Minerva, die gerade hinter ihr vorbeigehen wollte.

Hermine zog den Kopf ein.

„Entschuldige…“

Minerva verkniff sich ein Grinsen und ging zu ihrem Platz. Hermines Blick folgte ihr. Minerva saß wie immer an ihrem Platz, die Haltung aufrecht, die Robe makellos, die perfekte Maske. Unvermeidlich trafen sich ihre Blicke. Nur einen Herzschlag lang. Hermine spürte, wie ihr der Atem stockte und zwang sich, den Blick wieder auf ihr Glas zu richten. Minerva hingegen senkte langsam den Kopf, so als gälte ihre ganze Aufmerksamkeit der Teekanne vor ihr.

Langsam erhoben sich die Lehrer und auch für Hermine war es nun Zeit, zum Verwandlungsklassenzimmer zu gehen. Poppy, Pomona und Neville wünschten ihr viel Glück, Slughorn drückte noch einmal sein Bedauern über ihre Abwesenheit in seinem Unterricht aus und Minerva warf ihr einen flüchtigen, aber warmen Blick zu. Dann ging sie los, mit festen Schritten. Entschlossen.

Hermine stand am Eingang des Klassenzimmers für Verwandlung, die Mappe fest unter dem Arm geklemmt. Ihr Herz klopfte und ein leiser Kloß im Hals erinnerte sie daran, dass dies nicht Slughorns gemütlicher Raum war. Sie hatte darauf gehofft, den Unterricht wie in Zaubertränke ein Stück weit mitzugestalten – doch schon nach den ersten Minuten wusste sie, dass sie sich gewaltig getäuscht hatte.

Featherstone trat vor die Klasse, die Schüler saßen aufrecht, die Blicke gespannt, als warteten sie auf ein Donnerwetter. Er trat vor die Schüler, seine Haltung starr, die Stimme scharf und unerbittlich.

„Willkommen, Schüler. Heute lernen wir die korrekte Durchführung der Verwandlung von Tieren in Trinkpokale.“

Professor Featherstone stieg sofort ein und begann die Theorie zu erklären und diktierte, was die Kinder aufzuschreiben hatten. Er nutzte die Tafel hinter sich kaum und nahm keine Rücksicht, sondern hielt sein zügiges Tempo. Die Kinder warfen sich teilweise verzweifelte Blicke zu.

Hermine öffnete den Mund, um einen kurzen Hinweis zu geben.

„Professor, einige Schüler scheinen…“

„Miss Granger,“ unterbrach er sie scharf, ohne sie anzusehen, „bitte sprechen Sie nicht, während ich den Unterricht leite.“

Hermine presste die Lippen zusammen, innerlich flammte Zorn auf, doch sie versuchte, ruhig zu bleiben.

„Die Schüler kommen kaum mit Ihrem Tempo mit. Vielleicht sollten Sie…“

„Miss Granger!“

Er drehte sich jetzt scharf zu ihr um, die Augen blitzten.

„Ich bestimme das Tempo. Sie sind nicht hier, um die Kontrolle zu übernehmen. Ihre Aufgabe ist, aufmerksam zuzusehen.“

Ein Raunen ging durch die Klasse. Hermine fühlte, wie ihre Autorität, die sie sorgfältig aufgebaut hatte, Stück für Stück untergraben wurde. Er ließ seinen Blick streng über die Schüler schweifen.

„Keine Diskussionen, keine Fragen, folgen Sie einfach.“

„Professor,“ sagte sie ruhiger, aber bestimmt, „wenn wir den Schülern nicht erlauben, Fragen zu stellen, werden viele den Stoff nicht verstehen. Das… behindert den Lernprozess.“

Featherstone neigte leicht den Kopf, ein kaltes, amüsiertes Funkeln in den Augen. „Miss Granger, der Lernprozess ist meine Verantwortung. Sie werden sehen, dass in meinem Unterricht kein Platz für Ungeduld ist. Sie mögen versuchen, sich einzubringen, aber ich garantiere Ihnen – das ist kein Zuckerschlecken.“

Hermine spürte, wie sich ihr Magen verkrampfte. Sie hatte sich gewünscht, dass sie mitgestalten durfte, wie bei Slughorn, aber hier wurde sie herausgefordert. Doch gleichzeitig fühlte sie einen Funken Entschlossenheit:

Wenn er glaubt, er kann mich kleinhalten, hat er sich getäuscht.

Dann werde ich sehen, wie ich den Schülern trotzdem helfe, den Stoff zu verstehen, dachte sie

„Ich werde einen Weg finden“, sprach sie laut aus.

Featherstone ließ die Aussage unbeantwortet, sein Blick verharrte auf ihr wie ein Prüfstein, kalt, streng – aber unbewusst ein wenig beeindruckt. Hermine spürte den stillen Wettkampf zwischen ihnen, der sich hier und heute manifestierte.

Professor Featherstone fuhr mit seiner knappen Ausführung fort. Die Schüler versuchten, die Schritte nachzuvollziehen, doch schon nach wenigen Minuten merkte Hermine, wie viele Mühe hatten, auch nur ansatzweise mitzuhalten. Hände zitterten, einige Blicke schweiften verzweifelt zu ihr.

„Professor Granger…“ flüsterte ein Schüler neben ihr leise, als er versuchte, den nächsten Schritt zu verstehen.

Hermine senkte die Stimme, zog sich etwas zurück und erklärte knapp:

„Zuerst die Handbewegung so, dann den Zauber sprechen.“

Sie berührte sanft die Hand des Schülers, korrigierte die Bewegung, ohne dass Featherstone es direkt bemerkte.

Featherstone sprach weiter, ohne Unterbrechung, das Tempo unnachgiebig. Er unterbrach keine Minute, ließ keine Fragen zu und sein Blick ließ keinen Zweifel: Hier führt nur er und niemand sonst.

Hermine beobachtete die Schüler sorgfältig, sprach leise Hinweise, half hier und dort, korrigierte unsichtbare Fehler, immer darauf bedacht, Featherstones Autorität nicht zu verletzen. Ein kurzer Blick auf ihn zeigte, dass er sie bewusst ignorierte – als Test, als Machtspiel, vielleicht beides.

Am Ende der Stunde waren viele Schüler erschöpft, einige sichtlich frustriert, doch Hermine hatte ein stilles Netz der Unterstützung gespannt, das sie durch die Stunde trug. Kein Lob von Featherstone, keine Anerkennung an die Schüler, doch Hermine war stolz auf die Kinder. Sie spürte den Erfolg in kleinen, unscheinbaren Momenten.

Er mag mich ignorieren, dachte sie, aber ich werde nicht zulassen, dass die Schüler darunter leiden.

Nach dem Verwandlungsunterricht blieb Hermine mit dem Professor zurück. Er sortierte etwas auf seinem Schreibtisch und tat sehr beschäftigt, während die Schüler das Klassenzimmer verließen, einige noch mit fragenden Blicken, andere mit einem kleinen dankbaren Lächeln auf den Lippen. Hermine atmete tief durch, als Featherstone sich langsam zu ihr drehte, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

„Miss Granger,“ begann er, die Stimme ruhig, beinahe gelassen, aber die Augen blitzten scharf.

„Es ist mir aufgefallen, dass einige Schüler besonders aufmerksam auf Ihre… Hinweise reagiert haben.“

Hermine spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte. Sie hatte gehofft, dass ihre kleinen Korrekturen unbemerkt geblieben waren.

„Ich wollte nur sicherstellen, dass sie den Stoff verstehen,“ sagte sie leise, kontrolliert.

„Natürlich,“ sagte er, die Lippen zuckten zu einem kaum merklichen Lächeln.

„Es ist… bewundernswert, dass Sie so bemüht sind. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: In meinem Unterricht zählt die Anpassung an mein Tempo. Wer nicht mithalten kann, muss aufholen. Nicht jeder Eingriff von außen ist hilfreich.“

Hermine nickte, die Fäuste leicht geballt, aber die Stimme ruhig.

„Ich verstehe. Ich wollte nur verhindern, dass Schüler den Anschluss verlieren.“

Featherstone trat einen Schritt näher, die Augen unverwandt auf ihr.

„Sehen Sie, Miss Granger, es ist eine feine Linie zwischen Hilfe und Einmischung. Ich habe bemerkt, dass Sie diese Linie überschritten haben – subtil, unauffällig… aber bemerkbar.“

Hermine schluckte, spürte das Spiel der Macht zwischen ihnen. Er wollte sie testen, provozieren, vielleicht auch einschüchtern. Und doch – in dem Moment spürte sie einen Funken Stolz. Sie hatte den Schülern geholfen, ohne sich dabei in eine offene Konfrontation zu begeben.

Featherstone nickte schließlich knapp, der Blick kurz nachdenklich.

„Achten Sie darauf, dass Ihr Eifer nicht zum Stolperstein wird. Aber… ich werde beobachten, wie Sie sich entwickeln. Miss Granger.“

Er wandte sich um und verschwand den Flur hinunter, die Schritte hallten nach. Hermine blieb zurück, atmete tief durch. Das Spiel war eröffnet, subtil, aber gnadenlos und sie wusste, dass sie lernen musste, es zu spielen.

Ich werde ihm nicht nachgeben, dachte sie entschlossen und ich werde dafür sorgen, dass die Schüler trotzdem nicht darunter leiden.

Hermine nutzte die kurze Pause um sich zu sammeln, bevor auch schon die nächste Klasse hereinströmte.

Hermine stand am Rand des Klassenzimmers, die Mappe fest unter dem Arm. Die Zweitklässler aus Gryffindor und Slytherin waren aufgeregt und nervös zugleich. Featherstone trat vor die Klasse, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und ließ seinen Blick über die Schüler gleiten.

Hermine schüttelte kaum merklich den Kopf. Er tat das selbe, wie eben bei den Hufflepuffs und Ravenclaws. Featherstone begann sofort, das Tempo vorzugeben, die Bewegungen klar und scharf zu zeigen.

„Fehler werden nicht toleriert. Folgen Sie meinen Anweisungen präzise“, sagte er streng.

Die Schüler nickten stumm, einige atemlos vor Anspannung. Hermine beobachtete aufmerksam, bemerkte die Unsicherheiten, das leichte Zittern.

Ein Gryffindor-Schüler flüsterte ängstlich: „Professor Granger… ich glaube, ich habe den Zauber falsch…“

Hermine trat unauffällig heran, legte die Hand kurz auf seinen Zauberstab, korrigierte die Bewegung sanft.

„So, genau, konzentrieren Sie sich auf die Handhaltung.“

Featherstone schnaubte plötzlich und wandte sich direkt an Hermine, die gerade einen Blick auf einen anderen Schüler richtete:

„Miss Granger!“

Seine Stimme war hart, die Augen blitzten gefährlich.

„Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass Sie sich auf das Beobachten beschränken. Wenn Sie sich erneut einmischen, stören Sie den Unterricht und untergraben meine Autorität.“

Hermine erstarrte, doch sie antwortete ruhig:

„Ich wollte nur sicherstellen, dass die Schüler nicht komplett den Anschluss verlieren.“

„Und genau das ist das Problem!“

Featherstone trat einen Schritt näher, so dass die Distanz zwischen ihnen greifbar wurde.

„Ihr ‚Sicherstellen‘ wird zur Ablenkung. Wenn ein Schüler Fehler macht, wird er lernen müssen, damit umzugehen. Nicht Sie.“

Die Klasse verstummte, die Spannung knisterte.

Hermine atmete tief durch, hielt seinen Blick aus.

„Verstanden, Professor. Ich werde mich zurückhalten.“

Featherstone nickte knapp, die Schultern straff, die Stimme nun wieder zur Klasse gerichtet:

„Sehr gut. Dann fahren wir fort. Jeder Fehler wird bewertet, jede Ablenkung ignoriert. Beginnen Sie!“

Die Schüler setzten die Übung fort, einige wackelig, andere stolpernd und Hermine half weiterhin so dezent wie möglich, ein stilles Netz der Unterstützung, das Featherstone nicht erkennen durfte.

Als die Stunde zu Ende ging, waren viele Schüler erschöpft und verunsichert, aber sie hatten gelernt – und Hermine wusste, dass sie einen kleinen Unterschied gemacht hatte, auch wenn er nicht sichtbar war.

Er wird es mir schwer machen, jeden Schritt, jede Bewegung kontrollieren, dachte sie, aber ich werde einen Weg finden, den Schülern trotzdem zu helfen – und meine eigene Position zu behaupten.

Nach der Stunde packten die Kinder so schnell sie konnten ihre Sachen und verließen das Klassenzimmer.

Nur noch Hermine und Professor Featherstone standen zwischen den unordentlichen Tischen. Hermine sammelte gerade ihre Notizen, als Featherstone plötzlich vor ihr stand, die Arme verschränkt, die Augen hart wie Stahl.

„Miss Granger,“ begann er, die Stimme kalt, „es reicht. Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass Sie sich aus dem Unterricht heraushalten sollen. Sie sind eine kleine Referendarin, nicht die Lehrkraft. Ihre Aufgabe ist zu beobachten – nicht, die Schüler zu dirigieren.“

Hermine schluckte, der Zorn stieg in ihr auf. „Ich beobachte die Schüler nicht nur! Ich sehe, dass sie den Stoff nicht verstehen – und wenn Sie Ihren Unterricht in diesem Tempo durchziehen, werden viele dieser Kinder zurückgelassen! Ich helfe ihnen, so unauffällig wie möglich, ohne Ihre Autorität zu untergraben.“

Featherstone funkelte sie an.

„Unauffällig? Es ist mir aufgefallen! Sie überschreiten die Linie. Sie meinen, Sie könnten besser wissen, was richtig ist, als ich? Ihre Rolle hat Grenzen, Miss Granger. Erinnern Sie sich daran!“

Hermine trat einen Schritt vor, die Stimme scharf, die Augen glühend.

„Ich überschreite keine Grenzen! Ich kämpfe nur dafür, dass die Schüler etwas lernen. Etwas von Ihnen, auch wenn Sie das nicht zugeben wollen!“

Featherstone kniff die Lippen zusammen, die Hände ballten sich zu Fäusten.

„Sie haben keine Ahnung, wovon Sie sprechen! Ich leite diesen Unterricht seit Jahren, ich weiß, wie man Disziplin durchsetzt. Sie sollen stillhalten und beobachten!“

Hermine schnaubte, die Emotionen brodelten über.

„Ich bin nicht hier, um mich kleinmachen zu lassen! Ich bin nicht irgendeine Assistentin – ich bin hier, weil ich kompetent bin und ich werde die Schüler nicht leiden lassen, nur weil Sie Ihre Autorität demonstrieren wollen!“

Featherstone machte einen Schritt auf sie zu, die Stimme noch lauter.

„Genug! Sie überschreiten Ihre Rolle! Sie sind nicht hier, um meine Methoden in Frage zu stellen. Erinnern Sie sich an Ihren Platz, Miss Granger!“

In diesem Moment fiel Hermine ein Geräusch auf: die Tür stand offen und eine vertraute Gestalt hatte den Raum betreten. Minerva stand dort, die Stirn gerunzelt, die Augen groß, als sie die hitzige Diskussion beobachtete. Sie schritt sofort ein, die Autorität der Schulleiterin ausstrahlend.

„Was passiert hier?“

Ihre Stimme schnitt scharf durch die Luft. Featherstone trat einen Schritt zurück, Hermine senkte leicht die Schultern.

„Nichts, Minerva,“ begann Featherstone formal, doch Minerva hob die Hand, um ihn zu unterbrechen.

„Offenbar doch. Hermine, Edmund, das hatten wir bereits. Ich erwarte, dass ihr beide eure Professionalität wahrt. Hermine, du hast Recht, dass Schüler unterstützt werden müssen – aber wir besprechen das unter vier Augen. Edmund, du leitest den Unterricht. Verstanden?“

Featherstone nickte knapp, seine Kiefer noch immer angespannt und Hermine spürte, wie ihr Herz wild klopfte. Minerva sah sie streng, aber auch… verständnisvoll an.

Sie hat gesehen, was passiert ist, dachte Hermine, und sie versteht mich – zumindest ein Stück weit.

Wie erwartet wurde Hermine nach dem Unterricht in Minervas Büro zitiert, was Professor Featherstone natürlich gefiel.

Hermine klopfte leise an der Tür.

„Minerva?“

„Komm herein, Hermine.“

Minerva saß hinter ihrem Schreibtisch, die Hände aufeinandergelegt, die Stirn leicht gerunzelt, doch die Augen weich.

Hermine trat ein, ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen und atmete tief durch.

„Danke, dass du dazwischengegangen bist. Ich… ich wollte nicht, dass es so eskaliert.“

Minerva lehnte sich zurück, verschränkte die Arme.

„Ich habe gesehen, wie es gekommen ist. Edmund ist streng und er hat seine Prinzipien, aber ich habe auch gesehen, dass du das Richtige tun wolltest. Für die Schüler.“

Hermine spürte, wie sich eine Mischung aus Erleichterung und Unsicherheit in ihr breit machte.

„Es ist nur… ich kann nicht einfach zusehen, wenn sie überfordert sind. Ich weiß, dass er mich in meine Rolle zurückweisen will – aber ich…“ Sie stockte, suchte nach den richtigen Worten. „Ich kann es nicht ignorieren.“

Minerva nickte langsam, die Augen suchten Hermine.

„Ich weiß. Und das ist gut. Deine Leidenschaft für die Schüler ist eine Stärke. Aber es gibt Grenzen, Hermine. Featherstone hat seine Methode und auch wenn sie hart ist, hat sie ihre Gründe.“

Hermine ließ sich auf den Stuhl vor Minervas Schreibtisch sinken.

„Ich weiß, dass du ihn respektierst… aber manchmal fühlt es sich an, als müsste ich gleichzeitig seine Regeln respektieren und die Schüler retten.“

Minerva seufzte leise, ein Schatten von Müdigkeit und Sorge in ihrem Blick.

„Es ist nie einfach. Pflicht, Verantwortung, Respekt – all das muss abgewogen werden. Aber ich sehe, dass du Mut und Herz zeigst. Das ist… selten.“

Hermine hob den Kopf, ihre Augen suchten Minervas Blick.

„Und du? Du stehst immer zwischen allem. Zwischen den Schülern, den Kollegen… zwischen deinen Pflichten und… deinen eigenen Gefühlen.“

Minerva erstarrte, die Stirn leicht in Falten. „Manchmal… ja. Aber man muss lernen, die Kontrolle zu wahren, Hermine. Für die Schüler, für die Schule… und manchmal auch für sich selbst.“

Ein Moment der Stille. Hermine spürte das ungesagte Band zwischen ihnen, die unausgesprochenen Gefühle, die Pflicht, die Distanz und doch die Nähe.

„Ich will lernen, das Gleichgewicht zu finden,“ flüsterte Hermine. „Zwischen dem, was richtig ist und dem, was ich fühle.“

Minerva nickte, ein Hauch von Wärme in den Augen, obwohl ihr Gesicht streng blieb. „Dann werden wir einen Weg finden. Schritt für Schritt.“

Hermine spürte, wie die Last ein wenig leichter wurde – aber auch, dass der Weg vor ihnen noch lange und steinig war. Featherstone war nur ein Hindernis von vielen, doch er war ein mächtiges – und er würde nicht aufhören, ihre Geduld und ihr Können zu testen.

Minerva lehnte sich etwas zurück, die Finger aufeinandergelegt, die Stirn in Falten. „Hermine, hör mir gut zu.“

Ihre Stimme war ruhig, aber scharf, ein Ton, der keinen Widerspruch duldete.

„Wenn du den Schülern heimlich hilfst, während Featherstone unterrichtet, untergräbst du seine Autorität. Und glaub mir: Das fällt auf – nicht nur den Schülern, sondern auch den anderen Lehrern.“

Hermine schluckte, ihr Herz klopfte schneller.

„Aber die Schüler… einige kommen einfach nicht mit. Ich kann sie nicht hilflos zurücklassen.“

Minerva neigte den Kopf, die Augen streng. „Ich verstehe deine Motivation, wirklich, aber du musst erkennen, dass es einen Unterschied gibt zwischen gut gemeinter Hilfe und offenem Eingreifen, das die Klasse destabilisiert. Edmund hat das Recht, seinen Unterricht zu leiten, wie er es für richtig hält. Wenn du dich einmischst, auch nur subtil, wirft das kein gutes Licht auf dich – und auch nicht auf ihn.“

Hermine biss sich auf die Lippe.

„Also soll ich einfach zuschauen, wie Schüler überfordert werden?“

„Nein,“ erwiderte Minerva ruhig, aber bestimmt.

„Du sollst beobachten, analysieren und später – außerhalb des Unterrichts – kannst du dich mitteilen.“

Hermine nickte langsam, die Worte sanken in ihr Bewusstsein. „Ich verstehe… zurückhalten, nicht provozieren… im Unterricht.“

Minerva lehnte sich vor, der Blick weicher, doch die Autorität ungebrochen.

„Genau. Deine Energie und dein Herz sind wichtig, Hermine – aber du musst lernen, das richtige Timing zu finden. Für die Schüler, für Featherstone und für deine eigene Position.“

Hermine seufzte leise, fühlte sich innerlich zerrissen zwischen Pflichtgefühl und dem Wunsch, sofort zu helfen. Aber Minerva hatte recht: Das offene Konfrontieren von Featherstone würde nicht nur ihr, sondern auch den Schülern schaden.

„Ich werde es versuchen,“ flüsterte Hermine. „Zurückhalten… und warten.“

Minerva nickte knapp.

„Sehr gut. Schritt für Schritt. Vertrau mir – auch die Kontrolle zu lernen, ist eine Form von Stärke.“

Hermine verließ das Büro mit einem mulmigen Gefühl – Entschlossenheit und Frustration zugleich. Sie wusste, dass Featherstone sie weiter herausfordern würde, und dass sie jetzt lernen musste, ihre Hilfe klug zu dosieren, ohne seine Autorität zu untergraben.

Später beim Abendessen in der Großen Halle saß Hermine zwischen Pomona und Poppy, Neville einen Platz weiter neben der Heilerin. Die Halle war lebhaft, das Klirren von Besteck und das Murmeln der Schüler füllten den Raum, doch an ihrem Tisch war die Stimmung freundlich und neugierig.

„Also, Hermine,“ begann Pomona, während sie einen Bissen nahm, „wie war dein erster Tag in Verwandlung? Featherstone ist ja bekannt für seine… Strenge.“

Hermine seufzte und legte das Besteck kurz zur Seite.

„Streng ist noch untertrieben. Der Unterricht ist unglaublich schnell und er lässt kaum Fragen zu. Einige Schüler kamen kaum mit, und ich… naja, ich habe ihnen heimlich geholfen.“

Poppy hob die Augenbraue. „Heimlich?“

„Ja,“ antwortete Hermine, ein leichtes Lächeln, das mehr Frust als Freude ausdrückte. „Und ich habe ihn darauf angesprochen – dass einige Schüler den Stoff nicht verstehen – und er hat mich regelrecht zurechtgewiesen. Offen. Vor der ganzen Klasse.“

Neville schluckte einen Bissen, die Augen weit.

„Wow… das klingt heftig.“

Hermine nickte und ihre Stimme wurde leiser, als sie einen Blick über die Halle warf.

„Und dann habe ich noch eine Ansage von Minerva bekommen. Sie hat mir klargemacht, dass ich mich im Unterricht zurückhalten muss, sonst untergrabe ich Featherstones Autorität.“

Pomona seufzte leise.

„Dann hattest du es also wahrlich nicht leicht an deinem ersten Tag.“

„Nein,“ sagte Hermine, die Gabel in der Hand fest umklammernd. „Es ist schwierig, das Gleichgewicht zu finden – zwischen den Schülern helfen, Featherstones Autorität respektieren und Minervas Ratschläge beherzigen. Ich will nicht, dass jemand darunter leidet… und gleichzeitig will ich nicht, dass man mich als kleinlich oder unfähig wahrnimmt.“

Poppy legte ihr die Hand auf den Arm.

„Du machst einen großartigen Job, Hermine. Es ist nicht leicht, sich zwischen Strenge und Fürsorge zu bewegen.“

Neville nickte eifrig. „Und wir wissen, dass du das Beste für die Schüler willst. Das zählt viel.“

Hermine atmete tief durch, fühlte sich ein wenig erleichtert durch die Unterstützung ihrer Kollegen. Doch im Hinterkopf brannte weiterhin das Wissen:

Featherstone würde sie weiterhin prüfen, testen und provozieren – und sie musste lernen, ihre Position zu behaupten, ohne die Schüler zu gefährden.