LNCrawler

Am Abgrund der Entscheidung

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Am Abgrund der Entscheidung

Hallo ihr Lieben, ich habe es leider gestern nicht mehr geschafft, ein neues Kapitel hochzuladen. Dafür aber heute und es ist doch ein wenig länger geworden, als ich gedacht habe...

Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt - und bitte, steinigt mich nicht für das Ende dieses Kapitels ;)

Ihre Lippen trennten sich endlich, schwer atmend, beide noch so dicht, dass der kleinste Funke sie wieder hätte zueinander ziehen können. Hermines Hände ruhten an Minervas Taille und Minerva hatte ihre noch immer an Hermines Wangen, als fürchtete sie, Hermine loszulassen, hieße, wieder in die Kälte zurückzustürzen.

Doch die Wirklichkeit drängte sich dazwischen – das Feuer im Kamin knackte, der Schreibtisch mit seinen Pergamentstapeln stand ungerührt da und die Mauer aus Regeln, die Minerva all die Jahre getragen hatte, flammte wieder in ihrem Bewusstsein auf.

„Hermine …“ Ihre Stimme war heiser, kaum mehr als ein Wispern. „Das … das darf nicht sein.“

Hermine schüttelte den Kopf, Tränen glänzten in ihren Augen, während sie Minerva ansah, als hielte sie die Welt in Händen.

„Aber es ist geschehen und es war echt. Das kannst du nicht leugnen.“

Minervas Herz pochte wild. Ihre Stirn sank gegen Hermines, nur für diesen Atemzug, als gönnte sie sich ein letztes Mal den Trost, den sie sich nie hatte erlauben wollen.

„Du hast recht … ich kann es nicht leugnen.“

Die Worte entglitten ihr, ehrlicher als sie sein durften, bitter und süß zugleich.

Dann richtete sie sich mit einer jähen Anstrengung wieder auf, zwang sich, Abstand zu schaffen, obwohl jede Faser ihres Körpers schrie, die Nähe zu halten.

„Aber Hermine … was wir eben getan haben, es wird Konsequenzen haben, wenn … wenn wir es nicht kontrollieren. Ich bin die Schulleiterin, du bist Mitglied des Lehrkörpers. Wir riskieren nicht nur uns selbst, sondern alles, wofür ich verantwortlich bin.“

Hermine sog die Luft scharf ein, als wollte sie widersprechen, doch die Verzweiflung in Minervas Blick hielt sie zurück. Einen Augenblick war es still, erfüllt nur vom Echo ihrer Küsse und dem Salz der Tränen, das noch immer auf ihren Lippen lag.

„Ich weiß“, sagte Hermine schließlich tonlos, und ihre Stimme zitterte vor aufgestautem Schmerz. „Aber wie … wie soll ich dich noch ansehen, als wäre nichts geschehen?“

Minerva wandte sich ab, legte die Hände an den Fenstersims, so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sie konnte Hermine nicht ansehen, nicht jetzt.

„Das weiß ich selbst nicht.“

In der Luft hing eine Qual, die zugleich eine Befreiung war: Nichts war mehr verborgen, kein Gefühl unausgesprochen. Und doch war alles nur noch schwieriger geworden.

Minerva stand noch immer am Fenster, der Rücken durchgestreckt, als könne allein Haltung sie retten. Sie hörte Hermines Atem hinter sich, dieses unruhige, verletzte Ringen nach Worten und dann fiel der Satz, der ihr den Boden unter den Füßen wegzog.

„Ich gehe nicht zurück in diese Distanz“, sagte Hermine mit bebender Stimme. „Nicht mehr. Ich kann so tun, als hielte ich es aus, aber es wäre eine Lüge. Und ich habe genug von Lügen.“

Minerva schloss die Augen. Jedes Wort war wie ein Dolch, nicht weil es sie verletzte, sondern weil es die Wahrheit war, die sie selbst so lange verdrängt hatte.

„Hermine …“

Ihr Ton war diesmal kein Befehl, kein Tadel, sondern ein schwacher Versuch, etwas Unerbittliches aufzuhalten.

Doch Hermine fuhr fort, unbeirrt, fast trotzig: „Du kannst mich wegschicken, mir Befehle erteilen, diese kalte Fassade aufrechterhalten – aber du kannst nicht verlangen, dass ich so tue, als sei nichts geschehen. Ich will dich nicht nur im Verborgenen sehen, in verstohlenen Blicken oder in Träumen, die uns beide zerreißen.“

Minerva wandte sich um, langsam, als trüge jede Bewegung ein Gewicht. Ihr Blick fiel auf Hermine – mit verweinten Augen, aber zugleich mit einer Stärke, die Minerva den Atem raubte.

Ein Teil von ihr wollte schreien:

Genau deswegen müssen wir Abstand halten! Doch ein anderer, tieferer Teil – der, der vorhin in ihren Armen geweint und sie geküsst hatte – flüsterte:

Wie lange noch willst du gegen dich selbst ankämpfen?

„Du verstehst nicht …“ begann Minerva und ihre Stimme brach beinahe. „Ich habe ein Leben lang gelernt, dass Pflicht und Selbstbeherrschung über allem stehen, dass meine Gefühle keinen Platz haben dürfen und nun stehst du vor mir und verlangst, dass ich all das aufgebe.“

Hermines Antwort kam leise, aber scharf: „Ich verlange nur, dass du endlich dich selbst nicht mehr aufgibst.“

Das Schweigen, das darauf folgte, war kaum auszuhalten. Minerva spürte den Zwiespalt wie eine Last in ihrer Brust: die eiserne Stimme der Vernunft, die sie warnte und die sehnsuchtsvolle Stimme ihres Herzens, die schon zu lange geschwiegen hatte.

Ihre Hände ballten sich im Stoff ihres Gewands, als könnte sie damit die Entscheidung erzwingen, die doch unmöglich war und in Hermines Blick brannte keine jugendliche Trotzreaktion mehr, sondern eine Wahrheit, die Minerva tiefer traf, als sie je gedacht hätte.

Minerva stand wie versteinert, die Hände am Fensterrahmen, als könnte sie sich daran festklammern, um nicht unter der Schwere ihres eigenen Herzens zusammenzubrechen. Ihr Atem ging flach, jeder Muskel war angespannt – bis sie endlich, kaum hörbar, flüsterte:

„Geh Hermine … bitte.“

Es war kein Befehl mehr, kein kühler Tonfall der Schulleiterin. Es klang gebrochen, fast flehend, als koste es sie alle Kraft, die Worte überhaupt auszusprechen.

Hermine erstarrte. Einen Augenblick sah sie Minerva nur an – die aufrechte Haltung, die wie eine Maske wirkte und doch die feinen Züge, in denen Schmerz und Verzweiflung unübersehbar standen. Sie spürte, dass diese Distanz Minerva mehr zerriss, als sie es je zugegeben hätte.

Langsam trat Hermine einen Schritt zurück. Ihre Stimme war leise, unsicher, aber fest in ihrer Wahrheit:

„Ich gehe. Und ich werde dich nicht mehr bedrängen. Aber diese … diese Kälte, die du zwischen uns stellst … sie ist Folter.“

Minerva schloss die Augen, wagte nicht, sich umzudrehen. Jeder Laut von Hermine schnitt ihr tiefer ins Herz.

„Wenn du es in meiner Nähe nicht aushältst, Minerva …“ – Hermines Stimme brach, doch sie zwang sich, weiterzusprechen – „dann bleibe ich nicht. Dann verlasse ich Hogwarts. Denn auch ich kann das nicht ewig ertragen.“

Die Worte hallten wie ein Donnerschlag durch den stillen Raum. Für einen Moment war nur das Knistern des Kamins zu hören. Minervas Lippen bebten, doch sie brachte kein Wort hervor.

Hermine stand noch einen Herzschlag lang da, Tränen liefen über ihr Gesicht, dann wandte sie sich zur Tür. Ihr letzter Blick zurück war voller Sehnsucht und Schmerz – ein Blick, der Minerva die Luft nahm.

Als die Tür ins Schloss fiel, blieb Minerva allein zurück. Ihre Finger lösten sich vom Fensterrahmen, sie griff nach der Lehne ihres Sessels, als bräuchte sie Halt und sank schließlich hinein. Zum ersten Mal seit Jahren ließ sie den Kopf in die Hände sinken und weinte stumm, bis ihr ganzer Körper bebte.

Hermine stürmte durch die Korridore, ihre Schritte hallten wie ein wütender Herzschlag auf den kalten Steinplatten wider. Doch je weiter sie von Minervas Büro entfernt war, desto langsamer wurden ihre Schritte, bis sie schließlich im Schatten eines Erkers stehen blieb. Ihre Hände zitterten. Immer noch spürte sie Minervas Lippen, die Wärme ihrer Nähe, das Salz ihrer Tränen. Es war wie ein Echo, das ihr Herz zugleich erfüllte und zerbrach.

„Wie konnte sie mich so wegschicken …?“ flüsterte sie, kaum hörbar.

In ihrer Kehle brannte es. Sie wollte wütend sein, aber alles, was blieb, war Schmerz. Langsam ließ sie sich auf die steinerne Bank sinken, den Rücken an die Wand gelehnt. Vor ihren Augen verschwamm der Gang, während die Tränen unaufhaltsam flossen. Sie presste die Hände vor ihr Gesicht, um das Schluchzen zu ersticken.

„Wenn sie mich wirklich nicht will, warum hat sie dann … warum hat sie mich geküsst, als würde ihr Leben davon abhängen?“

Die Erinnerung daran ließ ihr Herz heftig pochen, doch gleich darauf kam die Bitterkeit: Und trotzdem schickt sie mich fort. Immer diese Kälte. Immer diese Mauer.

Ein Entschluss begann sich in ihr zu formen, so schmerzhaft, dass er ihr den Atem nahm. Der Gedanke, Hogwarts zu verlassen – diesen Ort, der ihr so viel bedeutet hatte, der ihr ein Zuhause war – schnürte ihr die Kehle zu, doch noch unerträglicher war die Vorstellung, Tag für Tag an Minerva vorbeigehen zu müssen, sie anzusehen und zu tun, als sei nichts geschehen.

„Ich kann sie nicht vergessen“, murmelte Hermine, während ihre Finger nervös über die Steinbank glitten. „Aber ich kann auch nicht in dieser Folter leben. Jetzt nicht mehr. Nicht so.“

Sie atmete tief ein, wischte sich die Tränen ab und zwang sich, aufzustehen. Ihre Schritte waren wankend, aber zielstrebig – als suche sie in der Stille der Nacht eine Antwort.

Hermine wusste:

Wenn Minerva in ihrer Nähe nicht leben konnte, dann blieb ihr nur die Flucht. Doch ein Teil von ihr hoffte noch immer verzweifelt, dass Minerva sie aufhielt, ehe es so weit kam.

Minerva saß noch immer in ihrem Sessel, die Hände an die Schläfen gepresst, als könne sie so die Bilder vertreiben, die sich unaufhaltsam vor ihr auftürmten. Hermines Blick, so trotzig und zugleich zerbrechlich. Ihre Worte gingen ihr nicht aus dem Kopf. Hermine würde gehen…

Sie hörte sie immer wieder, wie ein Echo, das den Raum erfüllte und keine Stille zuließ.

„Narr …“ flüsterte sie sich selbst zu, die Stimme rau. „Du törichte, schwache, alte Frau …“

Minerva erhob sich, begann ruhelos im Zimmer auf und ab zu gehen. Ihr Herz pochte, als sei sie wieder ein junges Mädchen, das von Gefühlen übermannt wurde, die sie nicht benennen durfte, aber sie war keine Schülerin mehr, kein unschuldiges Mädchen. Sie war die Schulleiterin von Hogwarts. Ihr ganzes Leben hatte sie auf Selbstbeherrschung gebaut, auf Würde, auf Pflicht.

Und doch hatte Hermine sie mit diesem Kuss zum Einsturz gebracht.

Sie blieb stehen, stützte die Hände auf den Schreibtisch, wo noch immer die Briefe und Berichte lagen, die sie heute Abend hatte sichten wollen. Nun wirkten sie lächerlich bedeutungslos.

„Sie will gehen … weil ich es nicht ertrage, sie nahe bei mir zu wissen.“

Ein stechender Schmerz durchfuhr sie bei dem Gedanken. Hogwarts ohne Hermine? Die Große Halle ohne ihren aufmerksamen Blick, die Korridore ohne ihr rasches, bestimmtes Schreiten, die Bibliothek ohne die stille Wärme ihrer Gegenwart?

„Nein …“ Minerva schüttelte den Kopf, als könnte sie die Vorstellung vertreiben. „Ich darf es nicht so weit kommen lassen.“

Aber was blieb ihr? Wenn sie Hermine bei sich behielt, würde sie riskieren, dass alles aufflog – die Schüler, die Lehrer, das ganze Kollegium würde ihre Schwäche sehen. Sie riskierte ihren Posten, ihr Lebenswerk, ihre Würde.

Wenn sie Hermine gehen ließ, zerriss sie das Einzige, was ihr Herz seit Jahren wieder zum Schlagen gebracht hatte.

Sie sank wieder in den Sessel, schloss die Augen und spürte, wie ihr die Müdigkeit bleischwer auf die Schultern fiel, doch Schlaf fand sie nicht. Stattdessen kamen wieder die Bilder, die Träume: Hermines Nähe, ihre Lippen, die Tränen, die sich mit den ihren gemischt hatten.

Minerva presste die Hand gegen ihr Herz, als könne sie so den Schmerz zügeln.

„Wie soll ich das ertragen?“ flüsterte sie ins Dunkel.

Die Nacht kroch weiter, unerbittlich und sie wusste: Am Morgen würde alles noch schwerer sein.

Der Morgen schlich sich bleiern über Hogwarts. Die ersten Sonnenstrahlen fielen blass durch die hohen Fenster, doch Minerva spürte nur die Schwere in ihrem Körper. Sie hatte kaum geschlafen, jede Minute war erfüllt von Hermines Gesicht, von ihrem trotzig-verletzten Blick, von dem Kuss, der alles zwischen ihnen verändert hatte. Sie setzte sich an den Schreibtisch, stützte die Ellbogen ab und vergrub das Gesicht in den Händen. Die Papierstapel und Berichte wirkten wie fremde Objekte, belanglos und schwer zugleich. Kein Brief, kein Pergament konnte die Erinnerung an die Nacht vertreiben. Sie vergrub sich den ganzen Vormittag in ihrem Büro. Auch das Mittagessen ließ sie ausfallen, nur um Hermine erneut auszuweichen. Minerva grübelte den halben Tag und stellte jede ihrer Entscheidungen in Frage. Sie konnte Hermine nicht gehen lassen. Das würde Hermines Ausbildung verzögern und Minerva würde daran zerbrechen. In Gegenzug wollte sie die Nähe zu ihr nicht zulassen. Minerva war kurz vor dem verzweifeln. Sie musste sich zusammenreißen und noch einmal mit Hermine sprechen. Minerva würde es sich niemals verzeihen, wenn Hermines Ausbildung unter ihren Gefühlen leiden würde. Also nahm sie ein Blatt Pergament und eine Feder. Sie schickte eine Hauselfe mit dem Zettel zu Hermine und bat sie nach dem Unterricht zu sich ins Büro.

Der Klang von Schritten, die die Treppe herauf kamen ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie wusste, wer es war, ehe die Gestalt den Türrahmen füllte. Hermines Schritte waren vorsichtig, fast zaghaft – und doch unverkennbar.

Minerva richtete sich auf, straffte die Schultern, ließ die Maske der Kontrolle über ihr Gesicht gleiten.

„Hermine“, sagte sie, kühl und korrekt, obwohl jede Faser ihres Körpers nach ihr schrie. „Setz dich.“

Hermine trat ein, die Augen noch müde, aber wachsam. Sie spürte sofort die Distanz, die Minerva aufrechterhielt, das straffe Korsett aus Pflicht und Zurückhaltung, das zwischen ihnen lag und doch war sie hier. Sie wollte sehen, hören, spüren – wenigstens ein bisschen – ob Minerva wirklich so unnahbar sein konnte.

Minerva senkte den Blick nicht, während sie sprach: „Ich erwarte, dass wir uns heute an die Pflichten halten. Alles andere … wird uns beide nur verletzen.“

Hermine verschränkte die Arme, trotzig und doch zitterte ihr Kiefer.

„Pflichten, immer nur Pflichten. Du denkst, dass alles zwischen uns verschwinden kann, wenn wir einfach so tun, als gäbe es nichts … Aber das gibt es und wir beide wissen es.“

Ein kurzer Moment der Stille folgte, schwer und elektrisch geladen. Minerva spürte, wie jede Kontrolle in ihr erzitterte, wie ihr Herz schneller schlug, doch sie zwang sich, unbewegt zu bleiben.

„Hermine“, sagte sie schließlich, die Stimme leiser, aber noch immer streng, „Du darfst diese … Nähe nicht suchen. Nicht hier. Nicht vor den Augen der anderen. Ich dulde keine Verstöße gegen die Ordnung und Verantwortung, die wir tragen.“

Hermine atmete tief ein, die Lippen zu einer schmalen Linie gepresst.

„Und doch bin ich hier. Trotz allem. Ich bin nicht bereit, wieder in die Distanz zu gehen. Nicht nach gestern Nacht. Ich kann das nicht.“

Minerva spürte, wie sich ihr innerer Zwiespalt zu einem brennenden Knoten verdichtete. Sie wusste, dass sie Hermine loslassen müsste und zugleich, dass sie es nicht konnte.

Die Stunde war gekommen, in der Pflicht und Verlangen, Ordnung und Herz miteinander kollidierten und Minerva wusste, dass sie nicht länger weichen konnte, ohne dass etwas Unersetzliches zerbrach.

Minerva atmete tief durch, die Hände auf dem Schreibtisch gefaltet. Ihr Blick ruhte auf einem unscheinbaren Pergament, doch sie sah es nicht wirklich. Stattdessen wogen ihre Gedanken schwer wie Blei.

„Hermine … ich habe über deine Worte nachgedacht“, begann sie, ihre Stimme sorgfältig kontrolliert, auch wenn ihr Herz gegen die Brust zu schlagen schien.

„Aber eines darf nicht infrage kommen: Du darfst Hogwarts nicht verlassen – nicht wegen mir. Wenn du jetzt gehen würdest, würdest du ein ganzes Jahr verlieren. Deine Ausbildung als Lehrerin würde von vorn beginnen.“

Hermines Augen funkelten, eine Mischung aus Trotz und Schmerz.

„Und wie stellst du dir das vor?“, fragte sie scharf. „Soll ich weiter zusehen, wie du diesen … eisernen Panzer um dein Herz legst, mich meidest, ignorierst, als hätte es nichts gegeben?“

Minerva schwieg. Sie senkte den Blick, als wolle sie die Frage ausblenden, doch innerlich fühlte sie jede Silbe wie einen Schlag. Keine Worte formten sich, die stark genug gewesen wären, um Hermines Sehnsucht, ihre Wut, ihre Verzweiflung zu beruhigen.

„Ah“, sagte Hermine schließlich, ihre Stimme triefte vor Ironie, „ich verstehe schon … wieder die unnahbare, perfekte Schulleiterin, die alles in sich hineinfrisst und so tut, als hätte sie keine Gefühle. Wie originell.“

Minerva schluckte schwer. Das Lachen in Hermines Stimme schnitt tief und doch konnte sie nicht widersprechen. Sie wusste, dass Hermine recht hatte. Jeder Versuch, Distanz zu wahren, war eine Illusion, aber jede andere Möglichkeit war noch gefährlicher. Als Minerva weiter schwieg, schnaubte Hermine.

„Ich wusste es.“

Minerva hob den Blick, die grünen Augen blitzten eisig und wurden plötzlich zu Feuer. Hermines ironischer Ton hatte eine Seite in ihr berührt, die sie seit Jahren unter Kontrolle hielt.

„Hermine …“, begann sie streng, doch ihre Stimme bebte, „glaubst du, du könntest so leicht über meine Entscheidungen hinweggehen? Glaubst du, ich würde zulassen, dass jemand mein Herz oder meinen Verstand in Stücke reißt, nur weil er trotzig ist?“

Der Schlafmangel und die ständige Spannung zwischen ihnen ließ die Nerven der beiden Frauen immer dünner werden und die Diskussion wurde immer hitziger.

Hermine stand auf, ging einen Schritt näher, die Hände ballten sich zu Fäusten.

„Trotzdem bleibst du hinter deinem Panzer! Immer! Ich sehe es doch. Du willst Nähe, du willst mich … und dann ziehst du dich zurück, wie ein Feigling!“

Minervas Lippen zitterten und sie wandte sich abrupt vom Schreibtisch ab, der Rücken noch zur jungen Frau.

„Feigling? Ich nenne es Pflicht und Verantwortung! Du weißt nicht, was du da sagst!“

„Oh, ich weiß es genau!“ Hermine entgegnete scharf.

„Ich weiß, dass du jede Chance, deine Gefühle wirklich zuzulassen, abwehrst. Dass du mich fortschickst, während dein Herz brennt!“

Minerva drehte sich zu ihr um, die Augen glänzten vor unterdrückten Tränen.

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun? Was erwartest du von mir? Dass ich alles wegwerfe, nur weil ich meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle habe?“

„Nein! Ich erwarte nur, dass du ehrlich bist! Dass du aufhörst, uns beide zu foltern!“ Hermine schrie fast, die Stimme überschlug sich vor Wut und Verzweiflung.

„Ich kann nicht ewig zusehen, wie du dich selbst verurteilst und uns beide leiden lässt!“

Minerva blieb stehen, jede Faser angespannt. Für einen Moment schien die Luft zwischen ihnen zu brennen. Zwei Herzen, die sich trotz aller Vernunft gegenseitig anzogen. Sie wussten beide, dass die Worte nur die Oberfläche waren; darunter lag ein unstillbares Verlangen, eine Sehnsucht, die sie kaum noch kontrollieren konnten. Hermine kam noch einen Schritt auf sie zu.

Minerva spürte die Hitze, die sich in ihr ausbreitete, den Herzschlag, der ihr in den Ohren dröhnte. Alles schrie nach Nachgeben. Nachzugeben und alles zu vergessen, was Pflicht, Ordnung und Verantwortung bedeutete.

Und doch, im letzten Moment, wich Minerva zurück.

„Genug, Hermine …“ Ihre Stimme war heiser, brüchig, beinahe ein Flüstern. „Es darf nicht sein. Nicht hier. Nicht so.“

Hermine stand da, die Brust hob und senkte sich schnell, der Blick scharf und verletzt.

„Warum …?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Atemzug. „Warum … ziehest du dich zurück, wenn du es doch genauso willst?“

Minerva schluckte schwer, die Kehle trocken. Sie wollte sich nicht erklären, wollte nicht, dass Hermine die Angst, die Verzweiflung, die Pflicht, die sie zerfraß, sehen konnte. „Weil … weil wir es nicht dürfen. Weil alles, wofür ich verantwortlich bin, … zerstört würde.“

„Und wir?“, fragte Hermine leise, beinahe bitter. „Was ist mit uns?“

Minerva senkte den Blick, schloss die Augen für einen Moment. Sie wollte nicht weinen, doch ihre Wangen fühlten sich feucht an.

„Ich weiß es nicht … ich weiß nur, dass ich es nicht zulassen kann. Nicht jetzt.“

Hermine trat einen Schritt zurück.

„Also … ziehst du wieder eine Maske an und ignorierst mich, ziehst Mauern auf, wie immer, aber weißt du was? Ich kann das nicht ewig ertragen.“

Minerva nickte stumm, unfähig, etwas zu sagen. Sie spürte, wie ihr Herz in Stücke zersprang, während sie Hermine ansah – trotzig, verletzt, aber ungebrochen.

„Es ist das einzige, was dich schützen wird.“

„Mich oder dich?“

„Uns.“

„Ich frage dich jetzt noch ein letztes Mal. Warum tust du uns das an? Und komm mir nicht schon wieder mit Pflicht und Verantwortung. Es muss mehr geben. Sei verdammt nochmal ehrlich zu mir.“

Minerva senkte ihren Blick, als müsste sie sich sammeln. Dann sah sie auf. Ihr Blick war klar, offen und bereit die Wahrheit zu zeigen.

„Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt, wie dich. Schon damals in deinem letzten Jahr, als du noch meine Schülerin warst, habe ich mehr gefühlt, als ich durfte.“

Hermine blieb die Luft weg. Minervas Worte waren so aufrichtig, so klar.

„Diese Gefühle machen mir beinahe Angst, denn wenn ich es zulasse… wenn ich dich in meine Nähe lasse… Ich würde dich ruinieren.“

„Was? Warum denkst du das?“

„Du bist ein wundervoller Mensch Hermine, klug, wunderschön und noch so jung.“

Minerva atmete zitternd ein und aus, während Hermine sie mit großen Augen ansah.

„Minerva…“

Die Schulleiterin schüttelte den Kopf, hielt aber Hermines Blick stand.

„Du kannst das nicht wirklich wollen Hermine. Ich könnte deine Mutter… deine Großmutter sein.“

„Dir geht es um den Altersunterschied? Das ist ja lächerlich.“

„Nein, nicht nur. Die Welt da draußen ist nicht bereit für eine Schulleiterin, die mit einer Frau zusammen ist. Ich könnte dir ein solches Leben niemals antun und sag jetzt nicht, dass es nicht so ist. Außerdem könntest du niemals eine normale Familie haben.“

Hermine konnte nichts sagen. Zu schockiert war sie über Minervas klare Worte. Sie fühlte das alles wirklich…

„Und deine Ausbildung… Niemand würde mir glauben, dass ich dich neutral bewerten würde. Ich könnte mich nie gänzlich auf deine Seite stellen, wenn es um schulische Entscheidungen geht, denn die Kollegen würden mir Befangenheit vorwerfen.“

Minerva atmete tief durch und wandte sich ab. Sie war fertig. Sie hatte alles offengelegt, was sie tief in sich trug. Plötzlich fühlte sie Hermines Hand an ihrer und sie erstarrte in ihrer Bewegung.

„Geh nicht weg“, sagte Hermine sanft. „Lass mich nicht so stehen.“

„Hermine bitte… Es ist alles gesagt.“

„Du hast vielleicht alles gesagt, aber ich nicht. Bitte schau mich an.“

Langsam drehte sich Minerva zu ihr um, ihre Hände berührten sich noch immer.

„Glaubst du wirklich, dass mich dein Alter abschreckt? Oder die Meinung von irgendjemandem? Ich liebe dich. Ich habe dich immer bewundert, aber seit meinem 5. Jahr weiß ich, dass ich dich mehr als alles andere liebe.“

„Hermine, du weißt nicht, was du sagst.“

„Ich bin kein Kind mehr Minerva! Du bist mir wichtiger als alles andere. Glaub mir Minerva“, sagte Hermine und streichelte sanft über Minervas Wange.

Die Schulleiterin schloss verzweifelt ihre Augen und verstärkte den Händedruck.

„Ich kann nicht… Bitte versuch doch mich zu versteh.“

„Das habe ich. Sehr oft sogar, aber ich kann nicht verstehen, wie man so stur sein kann und wie sehr man sich gegen seine eigenen Gefühle wehren kann.“

„Es spricht so viel dagegen.“

„Aber es spricht auch sehr viel dafür.“

Minerva atmete tief durch.

„Du hast keine Ahnung was es heißt, immer nur verzichten zu müssen. Ich habe alles dafür getan, dass…“

„Du musst nicht verzichten. Du kannst dich von allem frei machen.“

„Ich lasse nicht zu, dass du dir deine Zukunft wegen mir kaputt machst.“

„So etwas blödes habe ich von dir noch nie gehört. Du hast Angst. Angst vor deinen eigenen Gefühlen und das hält dich zurück. Was muss ich sagen oder tun, damit du mir glaubst?“

Minerva schwieg erneut. Hermine sah, dass sie einen inneren Kampf führte und sie drohte ihn zu verlieren.

„So kommen wir nicht weiter Minerva. Immer dieses Schweigen, diese Ausreden und diese erzwungene Distanz.“

„Hermine bitte, mach es mir doch nicht so schwer.“

„Wenn du mich aus diesen idiotischen Gründen von dir fernhältst, dann mache ich es dir so schwer, wie möglich.“

„Jetzt wirst du wirklich unfair.“

„Ja, weil es unfair ist, aber was du machst, ist Folter. Für uns beide und das weißt du.“

„Ich kann es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn ich dir deine Jugend raube. Wenn wir es zulassen, wären wir vielleicht eine Zeit lang glücklich, aber nicht für immer. Eines Tages würdest du aufwachen und merken, dass es nicht das Leben ist, was du dir gewünscht hast und dann wirst du gehen und ich bleibe mit den Scherben zurück. So war es immer…“

Hermine sah Minerva ernst an. Noch nie hatte sie Minerva so zerbrochen gesehen.

„Du bist für mich kein Spielzeug. Mein Herz gehört seit vielen Jahren dir. Warum sollte ich jahrelang an dich denken, von dir träumen, dich bei mir haben wollen, wenn ich dich nicht von ganzem Herzen und für immer lieben würde?“

Minerva senkte den Blick.

„Erinnerst du dich, als ich dich im Flur geküsst habe?“

Minerva nickte kaum merklich.

„Ich habe dir gesagt - Nur ein einziges Mal. Du hast zugestimmt, weil auch du es nicht mehr ertragen konntest. In diesem Moment war ich so glücklich. Der Kuss war echt und dann der Kuss in deinem Büro. Er entstand aus einem Streit heraus, aber auch da konnten wir es beide nicht mehr ertragen.“

„Hermine…“

„Du hättest mehr als einmal die Chance gehabt, mich wegzuschicken. Nicht nur weg von dir, sondern von Hogwarts, aber du hast es nicht getan. Warum?“

„Du weißt warum.“

„Ich möchte, dass du es sagst. Sag, dass du mich liebst.“