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Ein Atemzug Mut

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Ein Atemzug Mut

Nach dem netten Nachmittag mit Poppy und Pomona fühlte sich Hermine befreiter. Sie hatte anschließend noch einen ausgiebigen Spaziergang über die Ländereien unternommen und saß lange am See, bevor sie zurück in ihre Wohnung ging, um sich für das Abendessen fertig zu machen. Sie entschied sich für einen grauen Rock, eine weiße Bluse und eine passende graue Strickjacke. Ihr Haar ließ sie in sanften Wellen über ihre Schultern fallen. Ihr Herz klopfte hart gegen ihre Brust, als sie sich im Spiegel betrachtete. Sie knöpfte noch einen weiteren Knopf an ihrer Bluse zu, straffte die Schultern und sah sich ernst an.

„Du reißt dich zusammen“, sagte sie streng zu sich selbst. „Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, keine missverständlichen Blicke, nichts.“

Mit diesen Worten zog sie ihre schwarzen Schuhe an und ging zur großen Halle.

Das klacken ihrer Absätze auf dem Steinboden wurde von dem Geplapper übertönt, das sie schon von weitem hören konnte. Kerzen schwebten ruhig über den langen Tischen und tauchten alles in warmes Licht. Hermine saß wie immer weiter unten bei den Lehrern, den Blick auf ihren Teller gerichtet. Das Gespräch mit Poppy und Pomona hallte noch in ihr nach, ihre Gedanken wollten nicht zur Ruhe kommen.

Minerva nahm wie gewohnt an der Mitte des Lehrertisches Platz. Ihre Haltung war aufrecht, ihre Miene konzentriert, während sie ein paar Worte mit Filius wechselte. Kein Mensch hätte wohl geahnt, dass hinter der strengen Fassade ein Herz schlug, das nur Hermine gehörte. Hermine wagte kaum, aufzublicken. Sie spürte, wie Minervas Augen einmal kurz zu ihr hinüberglitten, ein kaum wahrnehmbares, beinahe unsichtbares Band, das sich für Sekunden spannte. Dann war es auch schon wieder vorbei.

Featherstone saß zwei Plätze weiter und musterte Hermine offen. Ein kühles Lächeln zuckte über seine Lippen, als wollte er ihr signalisieren, dass er ihr keine Ruhe lassen würde. Hermine schluckte und zwang sich, einen Bissen zu nehmen, auch wenn ihr bei seinem Anblick der Appetit vergangen war. Pomona schob ihr unauffällig eine Schüssel mit dampfenden Kartoffeln zu.

„Iss etwas Hermine“, murmelte sie kaum hörbar, „du hast in den letzten Tagen kaum etwas gegessen.“

Poppy ergriff unter dem Tisch sanft Hermines Hand und drückte sie mit einem aufmunternden Lächeln.

Minerva ließ die Unterhaltung mit Filius scheinbar ungestört weiterlaufen, doch ihre scharfen Augen hatten längst registriert, wie Hermine den Kopf gesenkt hielt, wie sie das Besteck mehr drehte als benutzte. Ein winziger Zug um Hermines Mundwinkel verriet Anspannung – einer, den nur Minerva bemerkte.

Sie zwang sich, nicht zu reagieren. Kein Stirnrunzeln, kein längerer Blick. Selbst ihr Atem blieb vollkommen gleichmäßig, doch in ihrem Innern regte sich Unruhe:

Featherstone. Sie hatte gesehen, wie sein spöttisches Lächeln aufblitzte und sie musste sich zurückhalten, um nicht sofort einzuschreiten.

Jetzt nicht. Nicht hier, dachte sie.

Minerva strich die Falten an ihrem Umhang glatt und wechselte mühelos das Thema, als Filius von einer neuen Zauberstab-Theorie schwärmte. Niemand durfte merken, wie sehr sie Hermines innere Kämpfe mitfühlte.

Hermine hingegen spürte das Gewicht von Minervas Gegenwart wie einen unsichtbaren Mantel. Ein kurzer Blick, kaum länger als ein Atemzug, traf sie – und sie wusste:

Minerva hatte es bemerkt. Alles.

Doch genauso klar war:

Hier und jetzt würde Minerva es nicht ansprechen. Nicht vor den Kollegen, nicht unter den wachsamen Augen Featherstones.

So aßen sie da, jede in ihre Rolle gehüllt - die gestrenge, unerschütterliche Schulleiterin und die junge Referendarin, die versuchte, ihre Unsicherheit zu verbergen.

Hermine wusste jedoch, sobald die Türen der Halle sich hinter ihnen schlossen und die Nacht sie umfing, würde Minerva das Schweigen brechen.

Hermine zwang sich zu einem schwachen Lächeln, als ein paar der jüngeren Gryffindors ihr von ihrem Tisch aus zuwinkten, doch das Schnauben Featherstones hallte unangenehm über die Tische hinweg. Sie legte das Besteck beiseite, ihr Teller war fast unberührt. Rasch senkte sie den Blick, murmelte eine Ausrede zu Pomona und Poppy und erhob sich. Ihre Schritte hallten im weiten Raum, während das Stimmengewirr hinter ihr weiterging. Sie fühlte sich, als würden unzählige Augenpaare sie bis zu den großen Flügeltüren verfolgen. Kaum war sie in den Korridoren, beschleunigte sie ihren Schritt. Sie wusste selbst nicht, warum sie diese kleine Reaktion ihres Kollegen sie so aus der Fassung brachte. In ihrer Wohnung angekommen, ließ sie sich auf das Sofa fallen. Der Raum empfing sie mit wohliger Wärme, doch die Leere machte es nicht leichter. Sie blieb lange so sitzen, den Blick auf die flackernden Schatten des Kaminfeuers gerichtet, die Gedanken wirbelnd. Irgendwann zog sie sich zurück in ihr Schlafzimmer, streifte die Schuhe ab und blieb auf der Bettkante sitzen. Ihre Gedanken kreisten. Morgen würde sie wieder in Verwandlung sitzen, in der letzten Reihe, unter den strengen Augen des Professors und umgeben von unsicheren Kindern, die sie hilfesuchend ansahen und doch durfte sie ihnen nicht helfen. Er würde es nicht zulassen. Hermine seufzte und stand auf. Gerade als sie ihre Strickjacke ausziehen wollte, klopfte es an ihrer Tür. Sie zog die Strickjacke wieder nach oben und strich sich fahrig durchs Haar. Langsam öffnete sie die Tür. Minerva stand da, die Schultern gerade, das Gesicht ernst und doch lag ein warmer Glanz in ihren Augen, der nur für Hermine bestimmt war. Ohne ein Wort zu sagen, trat sie ein, wartete, bis die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte und löste dann erst die angespannte Maske.

„Hey“, sagte Hermine mit gesenktem Blick.

Sie zog die Jacke enger um sich und wandte sich Minerva zu, ohne sie anzusehen.

„Hermine,“ begann sie leise, fast bittend, „was ist heute mit dir los gewesen?“

Minerva ließ ihren Umhang über die Sofalehne gleiten und drehte sich zu Hermine um. Ihre Stimme war sanft, doch unverkennbar bestimmt:

„Sag mir, Kind, liegt es an unserem Gespräch heute Nachmittag? Wegen meiner Worte? Oder… ist sonst noch etwas vorgefallen?“

Hermine wich ihrem Blick aus, strich eine unsichtbare Falte aus dem Rock.

„Es ist nichts. Wirklich. Alles okay“, murmelte sie.

Minerva zog nur eine Augenbraue hoch.

„Hermine.“ Ihr Tonfall war ruhig, aber eindringlich. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dir das abnehme.“

Hermine machte ein paar Schritte in den Raum hinein.

„Eine kluge Hexe hat mir erst vor kurzem erklärt, dass es nicht gut ist, wenn man sich in Schweigen flüchtet“, meinte Minerva. „Rede mit mir.“

Langsam drehte sich Hermine zu ihr.

„Es… es ist nur der Unterricht,“ gab Hermine schließlich zögernd zu.

Ihre Hände umklammerten den Stoff ihres Rocks, als müsse sie sich daran festhalten.

„Ich habe ein ungutes Gefühl. Ich fürchte, dass ich wieder unbedacht reagiere, etwas sage, was ihm missfällt… und dass es wieder Ärger mit Featherstone gibt.“

Ihre Stimme sank zu einem Flüstern.

„Und dass er sich dann wieder bei dir beschwert.“

Minerva schwieg einen Moment, ihr Blick blieb unverwandt auf Hermine gerichtet. Dann trat sie näher, legte eine Hand an Hermines Arm.

„So. Darum geht es also.“

Hermine nickte kaum merklich, die Lippen bebend.

„Ich… ich habe Angst, Minerva. Nicht vor seinem Spott, sondern davor, dass du… dass du vielleicht eines Tages…“

Sie brach ab, die Worte wollten nicht heraus, doch Minerva verstand sie auch so. In ihrem Gesicht spiegelte sich ein Anflug von Schmerz, als sie die unausgesprochene Befürchtung auffing: dass Hermine fürchtete, sie könnte sich gegen sie stellen.

Minerva hob sanft Hermines Kinn, bis ihre Augen sich trafen.

„Du hast Angst, dass ich nicht zu dir halte.“

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung und sie sprach es mit einer Ruhe aus, die nur ihre innere Erschütterung verriet.

Hermines Augen füllten sich mit einem matten Glanz und sie nickte kaum sichtbar.

„Ich weiß, es klingt töricht. Ich vertraue dir, mehr als jedem anderen, aber wenn es um Pflichten geht… dann fürchte ich, dass du dich nicht für mich entscheiden würdest.“

Minerva ließ ihre Hand nicht sinken, hielt Hermines Blick fest. Ihre Stimme war ruhig, aber von einer Ernsthaftigkeit durchzogen, die Hermine erschauern ließ.

„Du irrst dich nicht darin, dass ich meine Pflicht immer über alles stelle. Das habe ich mein ganzes Leben so getan, doch du irrst dich darin, zu glauben, dass ich dich im Stich lassen würde.“

„Aber—“ setzte Hermine an.

„Nein, hör mir zu.“

Minerva trat näher, so dicht, dass Hermine die Wärme ihres Körpers spüren konnte.

„Wenn du Fehler machst, werde ich sie dir aufzeigen. Genauso wie jedem anderen auch, aber niemals, niemals werde ich mich gegen dich wenden. Nicht aus Bequemlichkeit, nicht aus Rücksicht auf Featherstone und schon gar nicht, um mir selbst das Leben leichter zu machen.“

Hermines Kehle schnürte sich zu.

„Manchmal habe ich das Gefühl, du siehst nur die Schülerin in mir und nicht die Frau, die… die dich liebt.“

Ein weicher Ausdruck glitt über Minervas Gesicht und sie senkte die Hand von Hermines Kinn, nur um ihre Finger sacht über Hermines Wange gleiten zu lassen.

„Oh, Hermine… ich sehe dich. Ganz und gar. Die Schülerin von einst, die Frau, die du bist, und die, die du noch werden wirst. Glaub mir, ich erkenne dich und ich liebe dich, aber ich erwarte auch, dass du wächst, dass du deine Stärke findest.“

Hermine atmete stockend, ihre Lippen bebten.

„Und wenn ich scheitere?“

Minervas Augen blitzten ernst, aber voller Zuneigung.

„Dann werde ich dich auffangen. So wie ich es immer getan habe, aber ich glaube nicht, dass du scheiterst. Ich glaube, dass Edmund dir gerade die Prüfsteine in den Weg legt, die dich nur noch stärker machen werden.“

Hermine schloss für einen Moment die Augen, ließ die Worte auf sich wirken. Als sie sie wieder öffnete, fand sie Minervas Blick unverwandt auf sich gerichtet – voller Klarheit, voller Versprechen.

Hermine sog tief die Luft ein, fast so, als wollte sie den Mut, den Minervas Worte in ihr entfachten, in sich festhalten. Doch gleich darauf brach ein leises, unsicheres Lachen aus ihr hervor.

„Du klingst, als hättest du schon von Anfang an gewusst, dass es schwer für mich wird.“

Minerva verzog die Lippen zu einem schmalen, wissenden Lächeln.

„Natürlich habe ich das. Du bist ehrgeizig, leidenschaftlich, manchmal ungestüm. All das ist eine Stärke, aber es macht dich auch angreifbar. Featherstone hat das erkannt. Er wird jede Gelegenheit nutzen, dich herauszufordern.“

„Weil er mich nicht leiden kann,“ murmelte Hermine.

„Weil er dich ernst nimmt,“ widersprach Minerva sachte. „Er spürt, dass du eine Gefahr für sein starres Weltbild bist und er hofft, dich klein zu halten, bevor du überhaupt fliegen lernst.“

Hermine hob den Kopf, überrascht von der Schärfe in Minervas Tonfall.

„Ich kenne Männer wie ihn. Er wird nicht eher ruhen, bis er dich mürbe gemacht hat oder bis du ihm zeigst, dass er sich an dir die Zähne ausbeißen wird.“

Ein Schweigen breitete sich aus, schwer und zugleich schützend. Schließlich trat Hermine einen Schritt näher.

„Und wenn ich mich blamiere?“

Ihre Stimme war brüchig, doch ihre Augen hielten Minervas stand. Minerva legte beide Hände an Hermines Schultern, fest und doch voller Zärtlichkeit.

„Dann blamierst du dich und dann stehst du wieder auf, Hermine Granger. Daran habe ich nie einen Zweifel gehabt. Aber ich möchte, dass du eines niemals vergisst.“

Sie beugte sich ein Stück vor, sodass ihre Stirn beinahe die von Hermine berührten.

„Ich bin nicht dein Gegner. Niemals. Wenn du strauchelst, werde ich da sein. Nicht, um dich zu richten, sondern um dich daran zu erinnern, wer du bist.“

Hermine schloss für einen Moment die Augen, als könnte sie die Worte wie einen Zauber in sich einsperren, der sie nie wieder verlassen sollte. Ein Zittern durchlief ihren Körper.

„Ich weiß nicht, wie ich dir je genug danken soll“, flüsterte sie.

Minerva schüttelte den Kopf, ihre Lippen verzogen sich zu einem zarten Lächeln.

„Danken? Dafür, dass ich dich liebe?“

Sie ließ eine Hand von Hermines Schulter gleiten und strich eine widerspenstige Locke aus ihrer Stirn.

„Mein Herz, dafür braucht es keinen Dank. Das ist mein größtes Glück.“

Hermines Brust wurde eng, fast schmerzhaft eng, so sehr berührten sie die Worte. Ihr Instinkt drängte sie, in Minervas Arme zu sinken, sich fallen zu lassen, doch zugleich meldete sich der Teil in ihr, der immer kontrollieren und immer planen wollte.

„Aber was ist, wenn… wenn sie es doch erfahren? Die Kollegen, die Schüler…“

Minervas Blick verhärtete sich für einen Augenblick, dann sprach sie mit dieser unerbittlichen Klarheit, die so sehr zu ihr gehörte.

„Dann werden wir auch das überstehen. Ich habe schon weit Schlimmeres ertragen müssen, Hermine und ich fürchte keine Gerüchte, keine tuschelnden Stimmen. Ich fürchte nur eins – dich zu verlieren.“

Die Worte trafen Hermine wie ein warmer Strom. Ihre Finger glitten zögernd zu Minervas Hand und diesmal ließ sie sie nicht los.

„Ich will nicht davonlaufen,“ flüsterte sie. „Nicht vor Featherstone, nicht vor den anderen und am aller wenigsten vor dir.“

Ein sanftes, erleichtertes Aufatmen entwich Minerva. Sie beugte sich näher, sodass ihr Atem Hermines Wange streifte.

„Dann lauf auch nicht. Geh Schritt für Schritt und wenn du stolperst, bin ich hier.“

Hermine hielt den Atem an. Für einen Herzschlag schien alles stillzustehen – das Feuer, die Nacht draußen, sogar die Zeit selbst. Da war nur Minervas Nähe, ihre Wärme, ihre Stimme.

„Minerva…“ hauchte sie und in diesem Tonfall lag alles: Dankbarkeit, Sehnsucht, Liebe und das Versprechen, sich nicht länger nur von Angst leiten zu lassen.

Minerva verharrte einen Augenblick, als wolle sie prüfen, ob Hermine wirklich bereit war. Langsam, mit der Würde, die so untrennbar zu ihr gehörte, senkte sie den Kopf, bis ihre Lippen sanft Hermines Stirn berührten. Ein Kuss, federleicht, kaum mehr als ein Hauch und doch ließ er Hermine erschauern.

„Du bist so viel mutiger, als du denkst,“ flüsterte Minerva gegen ihre Haut.

Mit einem zaghaften Lächeln legte Hermine ihre Arme vorsichtig um Minervas Taille. Es fühlte sich vertraut an und zugleich überwältigend neu.

„Nur mit dir,“ gab sie leise zurück.

Minerva erwiderte nichts, sondern zog Hermine sacht näher, bis ihre Körper sich berührten. Hermine hob ihr Gesicht, suchte den Blick, der sie schon so oft bis ins Innerste durchdrungen hatte. Minerva legte eine Hand an ihre Wange, der Daumen strich sanft über die zarte Haut. Dann beugte sie sich vor, diesmal ohne Zögern und ihre Lippen fanden Hermines in einem Kuss, der zärtlich begann, tastend, beinahe scheu und doch mit einer Tiefe, die keinen Zweifel ließ. Hermine schloss die Augen, ließ sich in die Berührung fallen, als gäbe es nichts außerhalb dieses Moments. All die Ängste und Zweifel verschwanden, bis nur noch Minerva blieb – warm, stark und unerschütterlich nah.

Hermine löste sich kurz aus dem Kuss, atmete schwer und sah Minerva mit halb geöffneten, unsicheren Augen an.

„Bleibst… bleibst du heute Nacht?“

Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern. Minerva lächelte.

„Ich hatte nicht vor, wieder zu gehen.“

Hermine spürte, wie sich ein Druck von ihrer Brust löste, ein warmes Aufatmen, das sich tief in ihr Herz senkte. Hermine löste sich ein Stück aus Minervas Armen, ihr Herz noch immer wild klopfend und richtete sich auf. „Wir sollten… uns bettfertig machen,“ murmelte sie leise, ein wenig verlegen. Minerva nickte zustimmend, aber ihre Augen blitzten amüsiert. Minerva folgte Hermine in deren Schlafzimmer. Plötzlich ertönte ein leises, unerwartetes Lachen von Minerva. Hermine sah sie verwirrt an.

„Was ist so lustig?“

Minerva drehte sich zu ihr, das Lachen noch immer in den Augen und ein schmaler, verschmitzter Ausdruck umspielte ihre Lippen.

„Es ist schon komisch, nicht wahr?“ sagte sie leise, fast flüsternd.

„Wir haben letzte Nacht miteinander geschlafen, am Morgen, sogar in der Bibliothek und jetzt stehst du hier und fragst dich, ob ich über Nacht bleibe.“

Hermine spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Minerva trat einen Schritt näher, legte ihre Hand sanft an Hermines Schulter.

„Du brauchst dich nicht zu sorgen, mein Herz. Ich bin hier. Ich bleibe. Immer.“

Hermine hob den Kopf, traf Minervas Blick und musste trotz aller Verlegenheit leise lachen. Während sie Seite an Seite ins Bett glitten, spürte Hermine zum ersten Mal seit Tagen, dass sie wirklich angekommen war – geborgen, geliebt und von Minerva sicher gehalten.