Im Schutz der Stille
Im Schutz der Stille
Die Tür zu ihrem Büro fiel mit einem leisen Klicken ins Schloss und Minerva blieb einen Augenblick stehen, um die Stille zu spüren. Sie liebte diese Stunde des Abends — wenn das Schloss atmete, die Gänge zur Ruhe kamen und nur noch das ferne Rufen der Eulen durch die Luft hallte. Doch heute empfand sie diese Stille als drückend.
Sie legte ihren Umhang ab, entzündete mit einem leichten Schwung des Zauberstabs die Lampen über dem Schreibtisch und ließ sich in den Stuhl sinken. Pergamente lagen ordentlich gestapelt vor ihr, Berichte, Briefe, Korrekturen — alles, was sie seit Tagen vor sich herschob.
Doch ihre Gedanken waren nicht bei den Worten auf dem Pergament.
Sie waren bei Hermine.
Minerva rieb sich über die Stirn. Sie hatte den entschlossenen Ton in Hermines Stimme gehört, dieses „Ich kriege das hin“ und sie kannte ihn nur zu gut. Es war derselbe Ton, den Hermine anschlug, wenn sie verletzt war, aber sich weigerte, Schwäche zu zeigen.
Wie konnte sie ihr helfen, ohne dass es jemand bemerkte?
Ein offenes Eingreifen würde nur Gerede erzeugen und Featherstone würde genau das gegen Hermine verwenden. Er wartete doch nur auf eine Gelegenheit, sie zu diskreditieren.
Minerva seufzte leise. Vielleicht konnte sie den Stundenplan anpassen oder mit Poppy reden, damit sie ein Auge auf Hermine hatte. Nein… zu auffällig.
Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar und lehnte sich zurück. „Es muss subtiler sein“, murmelte sie. „Ein Weg, sie zu stärken, ohne dass er es bemerkt.“
Ihr Blick fiel auf eine offene Akte auf dem Schreibtisch. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen. Nach einem Moment legte sie die Feder beiseite und gab es auf. Arbeiten war zwecklos. Sie stand auf, ging zum Fenster und blickte hinaus auf die dunklen Türme des Schlosses. Von draußen drang gedämpftes Stimmengewirr nach oben, als die Kinder über den Hof strömten, um sich in die große Halle begeben. Das Abendessen würde gleich beginnen. Ein tiefer Atemzug, dann straffte sie die Schultern.
Es ist nur ein weiterer Abend, sagte sie sich. Du musst Haltung bewahren.
Sie zog sich um, band ihr Haar neu, kontrollierte kurz den Sitz ihrer Robe und warf einen letzten Blick in den Spiegel.
Die Frau, die ihr daraus entgegenblickte, wirkte gefasst, ruhig — genau so, wie man die Schulleiterin von Hogwarts erwartete.
Niemand sollte sehen, dass sie sich sorgte.
Dann verließ sie das Büro, schloss die Tür hinter sich und ging die Treppen hinab zur Großen Halle. Das Murmeln der Schüler schwoll an und mit jedem Schritt legte sie ein Stück ihrer Gedanken beiseite, aber tief in ihr blieb der Entschluss bestehen:
Sie würde Hermine beistehen — klug, vorsichtig und mit der ganzen Kraft, die sie hatte.
Das Murmeln in der Großen Halle legte sich kaum merklich, als Minerva eintrat. Nicht, weil jemand sie bewusst ansah, sondern weil ihre Anwesenheit allein schon Ordnung bedeutete. Wie ein stiller Zauber, der die Atmosphäre bündelte. Sie ging den Mittelgang entlang, ihr Schritt gemessen, der Blick ruhig, während sie an den langen Tischen der Schüler vorbeiging. Das Licht der schwebenden Kerzen spiegelte sich auf dem Steinboden und irgendwo in der Ferne klirrte Besteck.
Am Lehrertisch ließ sich Minerva nieder, nickte knapp zur Begrüßung und ein kurzer, höflicher Austausch folgte — nichts, das in Erinnerung bleiben würde.
Erst als sie den Blick über den Tisch hinweg wandern ließ, fand sie Hermine. Sie saß weiter unten, zwischen Pomona und Poppy, die beide leise miteinander redeten. Hermine hingegen sagte kaum ein Wort. Sie hielt die Gabel in der Hand, bewegte sie hin und wieder, ohne wirklich zu essen. Unter den warmen Lichtern der Halle wirkte ihr Gesicht blasser als sonst, die Schatten unter ihren Augen etwas dunkler.
Und doch — da war etwas in ihrer Haltung.
Keine Resignation.
Eher eine bewusste Ruhe, fast trotzig in ihrer Selbstbeherrschung.
Minerva beobachtete sie einen Moment zu lange. Ein kaum merkliches Zucken in Hermines Gesicht verriet, dass sie den Blick gespürt hatte. Sie hob den Kopf, nur kurz, und ihre Augen trafen Minervas. Für den Bruchteil einer Sekunde war alles andere aus der Halle verschwunden — die Stimmen, das Lachen, das Klirren der Teller. Nur dieser eine Blick blieb: ruhig, vertraut, unausgesprochen.
Dann wandte Hermine den Kopf ab, nahm einen kleinen Bissen und Minerva zwang sich, ebenfalls wegzusehen.
Featherstone, der rechts von ihr saß, bemerkte die kurze Stille.
„Miss Granger scheint sich zu fangen“, sagte er beiläufig, während er sich Wein nachschenkte.
Minerva wandte sich ihm zu, ihr Gesicht unbewegt.
„Ich nehme an, sie arbeitet fleißig. Das ist ihr stets gelungen.“
„Fleißig, gewiss“, erwiderte er mit einem dünnen Lächeln. „Aber manchmal frage ich mich, ob sie wirklich… lernfähig ist.“
Ein Satz, der so beiläufig klang, dass er umso mehr stach.
Minerva legte das Besteck beiseite.
„Ich habe gehört, dass sie eine hervorragende Lehrerin ist. Und sie steht unter Beobachtung — das ist nicht dasselbe wie Versagen.“
Featherstone hob leicht die Brauen, als wolle er eine amüsante Bemerkung hinzufügen, doch Minervas Ton ließ ihn verstummen. Er lächelte höflich und wandte sich wieder seinem Teller zu.
Minerva hingegen spürte die Anspannung in ihrem eigenen Körper. Sie zwang sich, ruhig zu bleiben, trank einen Schluck Wasser und ließ den Blick ein letztes Mal zu Hermine wandern. Hermine redete nun leise mit Pomona, nickte gelegentlich, doch Minerva sah, wie ihre Finger immer noch nervös das Besteck hielten. Minerva richtete sich auf, zog den Umhang zurecht und aß weiter, als wäre nichts geschehen.
Das Abendessen neigte sich dem Ende zu. Die Gespräche an den Lehrertischen wurden leiser, das Klirren der Teller verebbte allmählich und die Schüler erhoben sich in kleinen Gruppen, um in ihre Gemeinschaftsräume zurückzukehren.
Minerva stand etwas später auf als die anderen. Sie wollte den Strom der Lehrkräfte abwarten, beobachtete dabei, wie Hermine sich erhob, sich bei Pomona und Poppy verabschiedete und den Stuhl geräuschlos zurückschob. Sie wirkte müde, aber gesammelt mit der Haltung einer Frau, die sich zu kontrollieren gelernt hatte.
Featherstone hingegen war bereits aufgestanden, hatte sich den Umhang über die Schultern gelegt und trat genau in dem Moment in Hermines Weg, als sie an ihm vorbeigehen wollte.
„Miss Granger.“
Seine Stimme war ruhig, fast freundlich, aber es lag ein Ton darin, der Minerva sofort aufhorchen ließ. Hermine blieb stehen, hob den Blick.
„Professor Featherstone?“
Er lächelte schmal.
„Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich Ihre Zurückhaltung heute sehr zu schätzen wusste. Eine erfreuliche Entwicklung.“
Hermine erwiderte nichts, sie nickte nur knapp. Doch er sprach weiter, sein Ton unverändert höflich.
„Ich hoffe, das bleibt so. Ein Lehrer sollte schließlich wissen, wann Schweigen die klügere Antwort ist.“
Minerva spürte, wie sich ihr Nacken anspannte. Hermine hingegen blieb äußerlich ruhig.
„Ich weiß, wann es angebracht ist, Professor“, sagte sie ruhig, fast tonlos.
Er neigte leicht den Kopf.
„Sehr gut. Dann verstehen wir uns ja.“
Dann trat er beiseite, mit einem übertrieben höflichen Lächeln, und ließ sie vorbei. Hermine ging ohne ein weiteres Wort, ihre Schritte hallten über die Steinstufen, leise, aber fest. Minerva beobachtete die Szene aus der Distanz, unfähig, sofort einzugreifen. Sie wusste, dass jedes Wort von ihr in diesem Moment nur Öl ins Feuer gewesen wäre. Und doch… Als Featherstone an ihr vorbeiging, trafen sich ihre Blicke.
„Ein beeindruckender Abend, nicht wahr, Minerva?“ sagte er beiläufig.
„In mancher Hinsicht, ja“, erwiderte sie ruhig, doch ihr Ton ließ keinen Zweifel daran, dass sie seine Bedeutung verstand.
Featherstone lächelte, leicht, fast spöttisch, und ging. Minerva blieb noch einen Moment stehen, allein im großen, fast leeren Saal. Das Licht der letzten Kerzen flackerte über die langen Tische und irgendwo draußen rief eine Eule. Dann drehte sie sich um, sah in Richtung der Tür, durch die Hermine verschwunden war und ein Hauch von Sorge zog über ihr Gesicht.
Dann verließ sie mit erhobenem Haupt die große Halle und ging in ihrem Büro. Filius würde sicher bereits auf sie warten.
Das Schloss lag in abendlicher Stille. Hermine saß auf der Bettkante in ihrem Quartier und starrte auf ihre Hände. Sie zitterten leicht, kaum merklich, aber genug, dass sie es spürte. Der Abend klang in ihr nach – Featherstones Worte, diese herablassende Freundlichkeit, die doppelt so scharf schnitt wie offener Spott. Sie hatte geantwortet, ruhig und sachlich. So, wie man es von ihr erwartete und doch fühlte sie sich, als hätte sie sich selbst verschluckt.
Langsam stand sie auf, löste die Knöpfe ihres Blazers, hängte ihn sorgfältig an einen Kleiderbügel. Sie zog ihr Kleid aus, schlüpfte in einen weichen Pullover, eine einfache Hose und band sich das Haar zurück.
Ein Blick in den Spiegel – müde Augen, eine feine Linie zwischen den Brauen, die sie nicht kannte.
Sie seufzte.
Schlafen konnte sie nicht. Noch nicht.
In ihrem Innern formte sich ein Gedanke, kaum bewusst, aber unausweichlich:
„Ich will sie sehen.“
Vielleicht nur, um zu reden. Vielleicht auch einfach, um in ihrer Nähe zu sein. Minervas Stimme, ihr ruhiger Blick… das war der Ort, an dem Hermines Herz sich wieder sammelte, wenn alles andere drohte zu zerfallen.
Also griff sie nach ihrem Umhang, zog ihn über und öffnete leise die Tür. Der Gang war dunkel, die Fackeln gedämpft, der Stein kühl unter ihren Schritten.
Sie ging langsam, bedacht, lauschte auf jedes Geräusch. Der Weg zu Minervas Büro war ihr vertraut, doch in dieser Stille wirkte selbst der vertraute Korridor wie ein geheimes Labyrinth. Als sie die Treppe zum Turm hinaufstieg, blieb sie kurz stehen. Das Licht unter der Tür des Büros brannte noch. Ein warmes, flackerndes Gold, das aus dem Spalt fiel. Von drinnen waren keine Stimmen zu hören. Filius musste also schon fort sein. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Natürlich arbeitete Minerva noch.
Hermine klopfte nicht. Sie öffnete nur leise die Tür – gerade so weit, dass sie einen Blick hineinwerfen konnte.
Minerva saß an ihrem Schreibtisch, den Rücken leicht gekrümmt, die Brille tief auf der Nase, die Feder in der Hand. Überall lagen Pergamente, Notizen, versiegelte Briefe. Das Licht der Lampen warf weiche Schatten über ihr Gesicht.
Hermine trat einen Schritt näher, kaum hörbar und blieb dann im Türrahmen stehen. Sie wollte sie nicht erschrecken, aber der Anblick rührte sie. Diese Frau, die den ganzen Tag Haltung zeigte, saß nun da – still, konzentriert, müde und doch von einer unerschütterlichen Ruhe umgeben.
„Ich wusste, dass du noch hier bist“, sagte Hermine schließlich leise.
Minerva hob den Kopf, sichtlich überrascht und für einen Moment spiegelte sich auf ihrem Gesicht ein Ausdruck, den Hermine selten sah: reines, unbewachtes Erstaunen.
Dann schlich sich ein sanftes Lächeln auf ihre Lippen.
„Ich sollte mich wohl wundern, dass du dich so einfach hereinschleichst“, sagte sie ruhig, „aber bei dir wundert mich inzwischen nichts mehr.“
„Ist deine Besprechung mit Filius vorbei?“
Minerva nickte. Hermine trat ganz ein und schloss die Tür hinter sich.
„Ich wollte dich sehen.“
Minerva legte die Feder beiseite, richtete sich auf und musterte sie. Einen Moment lang sagte keine der beiden etwas. Dann seufzte Minerva.
„Ich habe gehört, was er gesagt hat. Ich hätte etwas sagen müssen Hermine. Es…“
„Nein Minerva. Ich habe dich gebeten nichts zu sagen und wir wissen beide, dass es richtig war.“
Hermine beobachtete Minerva – wie sie die Stirn massierte, die Brille abnahm und die Augen schloss, ganz kurz nur, als würde sie den Tag abschütteln wollen. Etwas in Hermines Brust zog sich zusammen. Langsam, ohne ein Wort, ging sie um den Schreibtisch herum. Minerva blickte auf, überrascht, wollte etwas sagen, doch Hermine war schon bei ihr. Sie blieb hinter ihr stehen, so dicht, dass sie die Wärme ihres Körpers spüren konnte. Dann legte sie vorsichtig die Arme um Minervas Schultern. Minerva atmete hörbar ein. Hermines Hände ruhten an ihrem Schlüsselbein, leicht, fast tastend. Der vertraute Duft von Minervas Parfüm stieg in die Nase. Sie schloss die Augen und sog Minervas Duft tief ein.
„So riecht Zuhause“, flüsterte sie, kaum hörbar.
Minerva erstarrte einen Herzschlag lang, dann ließ sie die Spannung weichen. Sie legte eine Hand auf Hermines Arm, ganz sacht, als wolle sie das Gleichgewicht der Geste nicht zerstören.
„Hermine…“, begann sie leise, ihre Stimme brüchig.
„Ich weiß“, unterbrach Hermine, noch immer dicht an ihr, „es ist unvernünftig, aber im Moment will ich einfach nur das hier.“
Minerva drehte den Kopf leicht, sodass ihr Profil im warmen Licht zu sehen war. In ihrem Blick lag kein Tadel, nur ein stilles Ringen zwischen Vernunft und Verlangen.
„Manchmal“, sagte sie schließlich, „muss man sich erlauben, zu atmen, bevor man wieder Haltung zeigt.“
Hermine lächelte, kaum merklich. Ihre Stirn berührte kurz Minervas Haar. Kein Wort mehr. Nur das leise, gleichmäßige Atmen beider Frauen, das den Raum mit einer Ruhe füllte, die gleichzeitig Trost und Gefahr in sich trug.
Minerva saß noch einen Moment still da. Dann schob sie die Pergamente von sich. Das Rascheln war das Einzige, was den Moment brach.
„Komm“, sagte sie schließlich leise und erhob sich.
Ihre Stimme war ruhig, aber in der Tiefe lag eine Entschlossenheit, die Hermine sofort spürte. Hermine löste sich ein wenig, blickte sie überrascht an.
„Wohin?“
„Zu mir.“
Minerva sah sie mit diesem Blick an, der keine Erklärung brauchte.
„Hier ist es zu offen und ich möchte…, dass du dich nicht verstecken musst, wenn du einfach nur Ruhe suchst.“
Hermine nickte stumm. Etwas in ihrem Innern löste sich, als Minerva ihre Hand nahm. Sie ging mit Hermine zur Tür, die in ihre Wohnung führte.
„Setz dich“, sagte Minerva sanft, während sie selbst den Umhang ablegte. „Ich koche uns etwas Tee.“
Hermine setzte sich aufs Sofa, die Hände im Schoß. Ihre Schultern sanken endlich etwas. Der Druck, der sie den ganzen Tag begleitet hatte, löste sich langsam.
Als Minerva mit zwei dampfenden Tassen zurückkam, stellte sie sie auf den Tisch und setzte sich neben sie. Kein Wort fiel. Nur der Tee dampfte zwischen ihnen und das Knistern des Kamins füllte die Lücken, die keine Worte brauchten.
Dann, leise, sagte Hermine:
„Ich wollte dich nicht stören… Ich wollte nur…“
Minerva sah sie an.
„Du störst nie, mein Liebes.“
Minerva wollte gerade nach ihrer Tasse greifen, da legte Hermine den Kopf leicht schräg, ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Bekomme ich… einen Kuss zur Begrüßung?“ fragte sie leise, doch in ihrer Stimme lag ein Hauch von Schalk, ein vertrauter Ton, der Minerva jedes Mal erwärmte.
Minerva hob eine Augenbraue, das Lächeln, das sich auf ihre Lippen schlich, war kaum zu unterdrücken.
„Zur Begrüßung?“, wiederholte sie, als prüfe sie, ob sie richtig gehört hatte.
„Natürlich“, sagte Hermine mit gespielter Unschuld. „Es wäre doch unhöflich, es nicht zu tun.“
Minerva stellte ihre Teetasse wieder ab und drehte sich leicht zu ihr.
„Du bist unmöglich, Hermine Granger.“
„Ich weiß“, hauchte Hermine und beugte sich näher.
Ihre Lippen trafen sich — ein sanfter, ruhiger Kuss, ganz ohne Eile. Es war kein heimlicher, hastiger Moment, sondern einer, der atmen durfte. Minerva legte eine Hand an Hermines Wange, ließ sie dort ruhen, während Hermine den Kuss vertiefte. Als sie sich lösten, blieb ihre Stirn an Hermines liegen.
„So“, murmelte Minerva mit einem leisen Lächeln. „Nun bist du offiziell willkommen.“
Hermine lachte leise, fast kindlich erleichtert. „Das war genau das, was ich gebraucht habe.“
„Ich habe es mir gedacht“, antwortete Minerva, nahm wieder ihre Tasse, doch ihr Blick blieb weich auf Hermine gerichtet.
„Also Liebes, was führt dich zu mir? Ich meine außer dem Begrüßungskuss. Wobei ich dir eigentlich einen Gute-Nacht-Kuss versprochen hatte.“
„Den hole ich mir später ab.“
Hermine wurde wieder ein wenig ernster.
„Ich weiß, du willst nicht, dass ich mich in den Unterricht einmische, aber ich halte es manchmal kaum aus. Heute hat er wieder die halbe Klasse zusammengestaucht, weil sie den Zauber nicht richtig verstanden haben. Wie sollten sie das aber auch können, wenn er nur einen Teil erklärt und das auch noch im Galopp? Und dann diese spitzen Bemerkungen… Ich gebe mir wirklich Mühe, ihn zu ignorieren, aber manchmal…“
„Ich weiß“, unterbrach Minerva sanft. „Ich sehe es dir an.“
Hermine sah das sorgenvolle Gesicht von Minerva.
„Schau mich nicht so an. Ich habe dir gesagt, du sollst nichts unternehmen und dabei bleibe ich.“
Hermine lächelte müde.
„Aber trotzdem wünschte ich manchmal, du könntest einfach auftauchen und ihn mit einem deiner Blicke zum Schweigen bringen.“
Minerva schnaubte leise.
„Das würde er vermutlich nicht überleben.“
Das brachte Hermine zum Lachen, kurz, echt, fast befreiend. Minerva genoss diesen Klang. Er war ihr Beweis, dass Hermine sich noch nicht verloren hatte in all dem Druck, der auf ihr lastete.
Dann, leiser, fügte Minerva hinzu:
„Ich möchte dir beistehen, aber ich darf nicht zu deutlich Partei ergreifen. Noch nicht. Verstehst du?“
Hermine nickte, sah sie lange an.
„Ich weiß. Deshalb bin ich ja hier. Damit du einfach… du sein kannst. Und ich ich.“
Minerva legte den Kopf leicht zur Seite.
„Und das ist genug?“
„Für jetzt?“, sagte Hermine und lehnte sich leicht an sie. „Ja.“
Minerva hielt still, den Kopf leicht zur Seite geneigt, während Hermines Worte noch im Raum hingen.
„Für jetzt – ja“, hatte sie gesagt.
Doch kaum war das letzte Wort verklungen, beugte Hermine sich vor.
Zuerst ganz sacht, wie zögernd, ob sie dürfte. Dann aber mit jener stillen Entschlossenheit, die Minerva so an ihr liebte.
Ihre Lippen trafen sich – diesmal kein flüchtiger Gruß, sondern ein Kuss voller Wärme, voller stiller Bitte. Hermines Hände wanderten an Minervas Hals, dann an ihre Wangen und sie küsste sie tiefer, ruhiger, mit jener Mischung aus Zärtlichkeit und Hunger, die keine Worte brauchte. Minerva spürte, wie sich der Tag, die Last, der Zwiespalt langsam auflösten in dieser Berührung.
Hermines Atem war warm, ihr Herzschlag spürbar gegen ihren eigenen und Minerva legte ihre Hand an Hermines Rücken, zog sie näher, so nah, dass kein Raum zwischen ihnen blieb. Für einen Moment schien alles stillzustehen. Nur das Knistern des Feuers, das leise Rauschen des Blutes in den Ohren. Nur langsam löste sich Hermine von Minervas Lippen.
„Das…“, flüsterte sie, „das hilft mehr als jeder Aufmunterungstrank.“
Minerva musste leise lachen, ein warmer, tiefer Laut, der direkt aus der Brust kam. Sie strich Hermine sanft über das Haar.
„Ich bezweifle, dass Horace das in den Lehrplan aufnehmen würde.“
Hermine lächelte gegen Minervas Hals.
„Dann ist es unser Geheimnis.“
„Ein gefährliches“, murmelte Minerva, aber sie machte keine Anstalten, Hermine aus ihren Armen zu entlassen.
Minerva zog Hermine noch ein Stück näher an sich, und beide lachten leise, fast heimlich, als wollten sie den Moment nur für sich beanspruchen.
„Vielleicht sollte ich ihn mal nach diesen Aufmunterungstränken befragen“, meinte Hermine grinsend.
„Um dir dann einen Vortrag darüber anzuhören?“
„Oh das kann durchaus interessant sein.“
„Bitte, wie du meinst. Du bist die Giftpanscherin“, neckte Minerva die junge Frau neben sich.
„Vielleicht würde er ja versuchen mir einen dieser Tränke zu verabreichen oder dir?“
„In diesem Fall“, antwortete Minerva leise, „würde ich den Trank zurückgeben – mit einem ganz besonders strengen Blick.“
Hermine lachte noch leiser, lehnte sich ein wenig vor und stupste Minerva spielerisch an die Schulter. Hermine beugte sich näher, ihr Atem streifte Minervas Hals.
„Tja dann müssen wir beide wohl doch mit unseren Aktivitäten weitermachen, um bei guter Laune zu bleiben.“
Minerva konnte nur lachen, als Hermine ihre Lippen wieder auf ihre legte – zuerst sanft, ein flüchtiger Kuss, der die Worte des Scherzes mit stiller Ernsthaftigkeit füllte. Dann vertieften sie den Kuss, langsam, zärtlich, ein kleines Spiel aus Nähe und Vertrauen. Minerva strich sanft über Hermines Rücken, Hermine legte ihre Arme fester um Minerva, als würde sie in diesem Kuss Kraft und Ruhe zugleich schöpfen.
„Du bist unmöglich“, hauchte Minerva schließlich, als sie sich ein Stück lösten, um Luft zu holen, doch ihr Blick blieb weich und liebevoll.
„Ich weiß“, antwortete Hermine grinsend, „aber du scheinst es zu genießen.“
Minerva schnaubte leise, konnte sich jedoch ein weiteres Schmunzeln nicht verkneifen. „Vielleicht ein wenig.“
„Vielleicht ein wenig?“
Hermine grinste noch breiter, ihre Augen funkelten im warmen Licht des Raums. Ohne Vorwarnung zog sie Minerva ruckartig näher, so dass diese mit dem Rücken auf dem Sofa landete. Minerva keuchte überrascht, aber das Funkeln in Hermines Augen raubte ihr den Atem. Hermine beugte sich über sie, ihre Hände stützten sich sanft neben Minervas Kopf ab.
„Du bist zu langsam, Minerva“, neckte sie leise, während ihr Atem Minervas Gesicht streifte.
„Ich muss wohl selbst die Initiative ergreifen.“
Minerva lachte leise und legte vorsichtig eine Hand auf Hermines Schulter.
„Ich glaube, du überschätzt deine Kraft.“
„Überschätzt? Ich glaube, du unterschätzt, wie sehr ich das hier genieße.“
Minerva spürte, wie sich ihr Herzschlag erhöhte, ihr Atem sich beschleunigte und dennoch lag eine Ruhe in Hermines Nähe, die all den Druck des Tages schwinden ließ. Sie ließ die Hand über Hermines Arm gleiten, leicht, zärtlich und erwiderte den Blick, der gleichzeitig schelmisch und ernst war. Hermine beugte sich noch ein Stück vor, ihre Stirn leicht an Minervas gelehnt, die Lippen nur Zentimeter entfernt.
„Du weißt, dass ich nicht lockerlasse, oder?“ flüsterte sie, kaum hörbar, aber mit einem Versprechen in der Stimme.
„Ich weiß… und ich bin froh, dass du so beharrlich bist.“
Hermine lachte leise und schloss den Abstand schließlich. Ihre Lippen trafen Minervas, sanft und doch fordernd, ein Kuss voller Verlangen und Zärtlichkeit zugleich. Minerva legte beide Hände an Hermines Taille, zog sie noch ein Stück näher, während der Kuss tiefer und langsamer wurde, als würden beide durch diese Berührung Kraft und Nähe gewinnen.
Hermine legte sich ganz auf Minerva, spürte den gleichmäßigen Rhythmus ihres Atems unter sich. Ihre Finger glitten über den Stoff von Minervas Bluse, zögerlich erst, dann fester, als suchten sie die Wärme darunter. Minerva hob leicht das Kinn und ein leises Seufzen entwich ihr, als Hermines Lippen ihren Hals streiften.
„Hermine…“, setzte sie an, doch der Rest ging in einem Atemzug verloren.
Hermine hob den Kopf, sah in diese wunderschönen grünen Augen, die so voller Sehnsucht waren. Minerva hob eine Hand, strich ihr über die Wange, dann durch das Haar, bis sie die Linie ihres Nackens fand.
„Weißt du eigentlich, wie wunderschön du bist?“, flüsterte Hermine.
Minerva lief rot an. Sie öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch Hermine beugte sich erneut vor und fand ihre Lippen zu einem weiteren zärtlichen Kuss.
„Ich liebe dich“, hauchte sie gegen Minervas Lippen.
Ein weiterer Kuss folgte. Diesmal wärmer, dringlicher, aber dennoch voller Zärtlichkeit. Minervas Hände wanderten über Hermines Rücken, spürten das feine Zittern, den aufgeladenen Atem, der sich mit ihrem mischte. Hermines Lippen wanderten wieder zu Minervas Hals. Die Schulleiterin schloss die Augen, ihre Lippen öffneten sich zu einem hingerissenen Seufzer, doch als sie Hermines Finger an den Knöpfen ihrer Bluse spürte, versteifte sich ihr ganzer Körper. Hermine bemerkte es sofort. Sie nahm ihre Hände von ihr und sah in Minervas Augen. Sie wandte ihr Gesicht ab und ließ ihre Arme sinken, die Hermine bis zu diesem Moment gehalten hatten.
„Hey, was ist los?“, fragte Hermine besorgt und richtete sich auf.
Auch Minerva brachte sich wieder in eine aufrechte Position, sah Hermine aber nicht an.
„Ging es dir zu schnell? Minerva, ich wollte nicht…“
„Das ist es nicht Hermine.“
„Was dann?“
Minerva strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht und senkte ihren Blick.
„Rede mit mir Minerva.“
Langsam sah Minerva auf.
„Es ist…“
„Ja?“
„Oh Merlin, das ist so absurd.“
Minerva ließ ihre Hand sanft über den Stoff des Sofas gleiten. Langsam ging Hermine ein Licht auf.
„Es ist die Couch, oder?“
Minerva nickte.
„Oh Liebling warum sagst du denn nichts? Ich wollte nicht, dass du dich unwohl fühlst.“
Sie griff nach Minervas Hand und zog sie näher zu sich. Sanft legte sie ihre Stirn gegen Minervas.
„Du bist wirklich unmöglich Minerva McGonagall.“
„Unmöglich und alt“, seufzte Minerva. „Mit einer alten Frau auf dem Sofa… Aus diesem Alter bin ich längst raus.“
„Dir ist bewusst, dass wir schon miteinander geschlafen haben, oder?“
„Das letzte Mal ist mir noch gut in Erinnerung.“
„Na hoffentlich“, grinste Hermine. „Es ist mir so egal, wie alt du bist Minerva. Ich sehe vor mir eine wunderschöne Frau, die ich von ganzem Herzen liebe und mit jeder Faser meines Körpers begehre.“
Hermine bekräftigte ihre Worte mit einem sanften Kuss und stand dann auf. Sie zog Minerva hoch und hielt ihre Hände.
„Also, wenn du nicht willst, ist das in Ordnung.“
„Ich will, aber… nicht hier.“
Hermine lachte.
„Soll mir recht sein. Wenn ich mich richtig erinnere, geht es hier zu deinem Schlafzimmer“, grinste sie und zog Minerva mit sich.
„Du bist völlig verrückt“, lächelte Minerva und folgte Hermine.
„Aber du liebst mich trotzdem, oder?“
„Oh ja. Ich liebe dich sehr.“
Hermine grinste und zog Minerva ins Schlafzimmer und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen…