Ein Schritt in die Zukunft
Ein Schritt in die Zukunft
Draußen schien die goldene Abendsonne und ein warmer Wind scheuchte die Blätter der Bäume auf, als Hermine am Fenster der Unibibliothek saß und einen Brief in ihren Händen hin und her drehte. Das rote Wachssiegel war ihr nur zu bekannt.
Hogwarts.
Sie hatte es endlich geschafft. Endlich. Drei Jahre war es nun schon her, seit sie ihren Abschluss an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei absolviert hatte. Nun hatte sie auch ihr Studium an der Universität in Edinburgh erfolgreich und mit Glanznoten abgeschlossen. Das Studium für Verwandlung, Zaubertränke und die Kurse für Verteidigung gegen die dunklen Künste waren eine intensive, lehrreiche Zeit für Hermine gewesen. Sie freute sich über ihre guten Leistungen und war aufgeregt, vor der bevorstehenden Abschlussfeier, bei der sie die Zeugnisse erhalten würde.
„Hey Mine!“, sagte ein junger Mann und setzte sich zu ihr.
„Hallo Caleb. Was machst du denn hier? Ich dachte, ihr wolltet in die Stadt.“
„Später. Wir wollten sehen, ob wir dich doch noch dazu überreden können, mitzukommen.“
Hermine lächelte den dunkelhaarigen jungen Mann an.
„Nett von euch, aber ich denke nicht.“
Caleb sah auf den Brief in Hermines Hand.
„Du hast ihn immer noch nicht aufgemacht?“
Hermine schüttelte ihren Kopf. Sie hatte es nun schon vier Tage hinausgezögert, doch nun musste sie ihn endlich öffnen.
„Ich weiß ja eigentlich, was drinsteht.“
„Dann brauchst du dich auch nicht zu fürchten. Komm schon, mach ihn auf.“
Langsam öffnete sie den Umschlag und zog das Pergament heraus. Die wunderschöne geschwungene Schrift war ihr so vertraut und ihr Herz begann schneller zu schlagen. Der Abend im Fuchsbau hatte sie nicht losgelassen. Sie hatte sie nicht losgelassen. Natürlich konnte sich Hermine denken, was in diesem Brief stand, doch sie brauchte die Gewissheit. Mit zitternden Händen entfaltete sie das Pergament. Ihre Augen huschten über die Zeilen, während das unaufhörliche Prasseln des Regens ihr nervöses Herz beruhigte. Es war der Brief von Professor McGonagall, der ihr eine einmalige Gelegenheit bot:
Sehr geehrte Miss Granger,
die Nachricht über Ihren hervorragenden Abschluss hat mich mit Freude erreicht. Ich gratuliere Ihnen herzlichst zu Ihrem Studium. Es freut mich ebenso ungemein, Ihnen mitteilen zu können, dass Hogwarts Sie erneut in seinen Mauern willkommen heißen möchte. Ihre außergewöhnlichen Talente und Fähigkeiten werden dringend gebraucht.
Sie werden Ihr Referendariat am ersten September beginnen.
Bitte finden Sie sich bereits ein paar Tage vorher in Hogwarts ein, um die Formalitäten zu besprechen.
Ich erwarte Ihre Eule mit Ihrer Bestätigung bis spätestens 31. Juli.
Mit freundlichen Grüßen,
Minerva McGonagall
Schulleiterin
Hermine strahlte über das ganze Gesicht. Nun hatte sie es schwarz aus weiß. Sie wurde tatsächlich angenommen! Endlich würde sie wieder zurück nach Hogwarts können. Nach Hause. Plötzlich schoss ihr ein Gedanke in den Kopf, der ihr Sorge bereitete. Ihre Gefühle für die Schulleiterin hatten sich in den letzten Jahren nicht geändert. Zu Anfang hatte Hermine die Hoffnung, dass es leichter werden würde, wenn sie so weit von der Frau entfernt sein würde, die sie so sehr liebte. Da hatte sich Hermine gewaltig getäuscht. Jeden Tag sah sie sich das Foto von Minerva McGonagall an, dass sie einst heimlich in deren Wohnung dupliziert hatte, als sie in ihrer Funktion als Schulsprecherin bei ihr war.
Trotz ihrer Sorgen wusste Hermine, dass sie diese einmalige Chance nicht verstreichen lassen konnte.
„Klasse Hermine!“, sagte Caleb, „Herzlichen Glückwunsch.“
„Danke Caleb“, lächelte sie. „Ich muss ihr gleich antworten. Ihr könnt ruhig ohne mich gehen.“
„Gut, wenn du meinst.“
„Viel Spaß.“
Caleb verabschiedete sich und ließ Hermine in der Bibliothek allein.
Sie zauberte ein Blatt Pergament, Feder und Tinte sowie einen Briefumschlag herbei, setzte sich an einen der vielen Tische, um Professor McGonagall eine Antwort zu schreiben. Ihre Hand bebte leicht, während sie die richtigen Worte suchte.
Sehr geehrte Professor McGonagall,
vielen Dank für Ihre freundlichen Worte und die unglaubliche Möglichkeit, nach Hogwarts zurückkehren zu dürfen. Es erfüllt mich mit großer Freude und Stolz, dass ich mein Referendariat an meiner alten und von mir so geliebten Schule absolvieren darf.
Ich bestätige hiermit meine Zusage und werde mich wie gewünscht einige Tage vor Schulbeginn in Hogwarts einfinden, um die Formalitäten zu besprechen.
Mit freundlichen Grüßen,
Hermine Granger
Nachdem sie den Brief sorgfältig versiegelt und an ihre Eule Angus in der Eulerei übergeben hatte, fühlte sich Hermine erleichtert. Ihre Entscheidung stand fest und sie wusste, dass sie bereit war, sich ihrer Zukunft und den Herausforderungen, die sie erwarteten, zu stellen. Doch eine leise Stimme in ihrem Inneren flüsterte ihr zu, dass es nicht nur die berufliche Herausforderung sei, die sie nach Hogwarts zurückzog. Es war auch die Hoffnung, Minerva McGonagall erneut nahe zu sein, vielleicht sogar endlich den Mut zu finden, ihr Herz zu öffnen.
Die letzten Wochen in Edinburgh verstrichen schnell. Es war nun Hermines letzter Abend an der Universität. Sie packte ihre restlichen Sachen in ihren Koffer, um am nächsten Morgen beizeiten aufbrechen zu können. Als sie sich gegen 23 Uhr in ihr Bett legte, zog sie noch einmal die Fotografie ihrer Lehrerin aus ihrer Tasche. Ihr Herz überschlug sich beinahe, als sie dieses wunderschöne Lächeln und die klaren, grünen Augen sah. Sanft streichelte sie über das Bild und lächelte wehmütig, bevor sie es sorgfältig in ihre Tasche zurücksteckte und schlafen ging.
Am nächsten Morgen erwachte Hermine mit gemischten Gefühlen. Der bevorstehende Abschied von der Universität und der Beginn eines neuen Kapitels in Hogwarts erfüllten sie gleichermaßen mit Vorfreude und Nervosität. Sie verabschiedete sich von ihren wenigen Freunden und Dozenten, deren Unterstützung sie während ihrer Studienzeit sehr geschätzt hatte. Sie warf einen letzten Blick auf die vertrauten Gemäuer ihrer Universität und trat dann durch die Tore. Mit Angus, ihrer treuen Eule, an ihrer Seite und ihrem Koffer in der Hand, machte sie sich auf den Weg zur Appariergrenze. Da ihre Eltern nicht mehr Teil ihres Lebens waren und sie auch ihre Wohnung aufgegeben hatte, konnte sie für ein paar Wochen bei Ginny und Harry unterkommen. Zunächst hatte Hermine das Angebot ihrer Freunde abgelehnt, doch auf die Schnelle eine bezahlbare Unterkunft zu finden war beinahe unmöglich und für fast vier Wochen in einem Hotel zu bleiben sprengte leider ihr Budget. Also hatte sie schließlich angenommen und war auch sehr dankbar darüber. Also apparierte zum Bahnhof. Das erste Stück würde sie mit dem Zug zurücklegen, den Rest des Weges würde sie apparieren.
Der Zug fuhr pünktlich ab. Hermine nutze die lange Fahrtzeit, um sich die Unterlagen anzusehen, die Minerva McGonagall dem Brief beigelegt hatte. Nach einer Weile legte sie die Dokumente bei Seite und sah in die vorbeiziehende Landschaft hinaus. Unbewusst glitt ihre Hand in die Tasche ihres Mantels und tastete nach dem Bild Minervas. Langsam zog sie es heraus und sah es wie so oft einfach nur an.
„Bald werde ich dich wiedersehen“, flüsterte sie lächelnd.
Die Zugfahrt kam ihr endlos vor, doch irgendwann hielt der Zug an ihrem Zielbahnhof an. Erschöpft stieg Hermine aus und ging eine Straße entlang. Als sie außer Sicht von Muggeln war, apparierte sie das letzte Stück nach Godrics Hollow. Ginny und Harry hatten sich gegen das Haus am Grimmauld Place 12 entschieden. Für sie wäre es viel zu groß gewesen. Außerdem wollte Ginny, dass Harry in sein Elternhaus zurückkehren kann. Also hatten sie es kurzerhand renoviert und konnten pünktlich zur Geburt von James Sirius einziehen. Harry hatte Hermine in einem seiner letzten Briefe genau beschrieben, wie sie das Haus finden würde. Nun stand sie also vor einem Cottage, das Wärme, Ruhe und Geborgenheit ausstrahlte. Das Haus war umrandet von englischen Rosen, blauen und weißen Stauden, die natürlich wuchernd und sich selbst überlassen aussahen. Genau das verlieh diesem schönen Haus aber seinen Charm. Links und rechts von dem gepflasterten Weg, der zur Haustür führte, waren ebenfalls Blumen gepflanzt.
Ginny hatte hier wirklich ganze Arbeit geleistet, dachte Hermine und musste über ihre Freundin lächeln. Langsam ging sie auf die Haustür zu, doch bevor sie klopfen konnte, ging auch schon die Tür auf und eine begeisterte Ginny warf sich in ihre Arme. Hermines Koffer und auch der Käfig samt Angus landeten ein wenig unsanft im Gras.
„Endlich bist du hier! Oh, ich freue mich so dich zu sehen Hermine!“
„Hey Ginny, ich freue mich auch sehr dich endlich wiederzusehen“, sagte Hermine und drückte sie fest.
„Komm rein. Nach der langen Fahrt musst du doch total erledigt sein.“
Ginny levitierte Hermines Sachen ins Haus und schickte alles ins obere Stockwerk. Sie zog Hermine mit sich ins Wohnzimmer.
„Setz dich und mach es dir bequem. Ich hole dir gleich etwas zu trinken und zu essen.“
Bevor Hermine etwas sagen konnte, war Ginny auch schon fort. Hermine nahm auf dem Sofa Platz, neben dem eine Babywiege stand. Darin schlummerte der kleine James friedlich vor sich hin. Es war erstaunlich, wie sehr er seinem Vater ähnlichsah. Ginny kam mit einem Tablett zurück und stellte Hermine sämtliche Speisen auf den Tisch.
„Sag mal wie lange hast du denn dafür in der Küche gestanden?“, fragte Hermine mit großen Augen.
„Oh gar nicht so lange“, antwortete Ginny lächelnd und setzte sich zu Hermine.
„Du hättest dir nicht so viele Umstände machen müssen Ginny. Ich bin so froh, dass ich die nächsten Wochen hier bei euch sein darf. Eigentlich müsste ich für euch ein Festmahl zubereiten. Allerdings lassen wir das besser. In der Küche bin ich eine komplette Niete.“
Ginny kicherte.
„Ich mache das gerne. So kann ich endlich mal wieder neue Rezepte von Mum ausprobieren. Sie kommt übrigens auch immer wieder vorbei. Du wirst sie also auch treffen.“
„Oh wie schön. Kommen deine Brüder auch gelegentlich vorbei?“
„Du meinst wohl eher, ob Ron zu Besuch kommt oder?“, fragte Ginny, obwohl sie die Antwort bereits kannte.
„Ja, eigentlich schon. Er war nicht sehr glücklich, als wir damals nur als Freunde Hogwarts verlassen haben und wenn wir uns mal in London getroffen haben, war er sehr reserviert.“
„Naja, er hat noch Gefühle für dich, aber ich weiß, dass du ihn nicht liebst.“
„Es tut mir leid für Ron. Ehrlich.“
„Du musst dich für deine Gefühle nicht entschuldigen. Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt, aber wenn man liebt, ist es etwas Wunderbares und da ist es dann egal, wer es ist.“
Hermine sah Ginny fragend an. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ihre Freundin wusste, dass Hermine verliebt war. Und in wen.
„Hier, iss erst mal was“, meinte Ginny, um das Thema zu wechseln und reichte Hermine einen voll beladenen Teller.
Sie selbst nahm sich auch etwas. Gemeinsam ließen sie sich die Kürbispastete schmecken und Hermine erzählte von der Zeit in Edinburgh. Ginny berichtete von ihrer Geburt und den ersten Wochen mit James. Als sie fertig waren, zeigte Ginny Hermine das Zimmer im oberen Stock und führte sie im Haus herum.
„Meinen fürsorglichen Ehemann werden wir erst in 3 oder 4 Tagen sehen. Sie sind gerade unterwegs, um sich mit der amerikanischen Aurorenzentrale auszutauschen.“
„Ich habe davon gehört. In Edinburgh machte man sich Gedanken, ob es nicht noch ein paar verbliebene Anhänger von Voldemort geben könnte.“
„Die gibt es ganz sicher irgendwo“, meinte Ginny. „Allerdings glaube ich nicht, dass die so blöd sind und genau hier wieder aufkreuzen. Genauso wenig werden sie in Hogwarts auftauchen. Dein Hintern wird also recht sicher sein.“
Hermine und Ginny lachten.
„Bist du eigentlich aufgeregt?“
„Ein bisschen schon. Vor allem aber freue ich mich auf die Arbeit dort. Ich freue mich auch ein paar unserer alten Lehrer wiederzusehen. Meines Wissens sind fast alle noch da und natürlich freue ich mich auf Neville.“
„Neville war neulich bei uns. Er meinte, dass deine Bewerbung einen ganz schönen Wirbel verursacht hat.“
„Wieso das?“
„Weil natürlich jeder die neunmalkluge Hexe mit ihrem Ohnegleichen Abschluss für sein Fach gewinnen möchte.“
„Oh ach so. Naja, ich hatte mich auf die Stelle für Zaubertränke beworben, aber für mein Referendariat benötige ich zwei Fächer. Das muss ich dann wohl mit Professor McGonagall besprechen.“
„Hm, vielleicht lässt sie dich ja Verwandlung nehmen. Da warst du unschlagbar oder vielleicht doch lieber Verteidigung?“
„Mal sehen, wie sie darüber denkt und wie sie entscheidet.“
Ginny sah einen ganz besonderen Glanz in Hermines Augen, sagte dazu aber nichts. Sie kannte Hermine lange und gut genug und wusste, was dieser Gesichtsausdruck bedeutete.
Hermine hatte eine wunderbare Zeit bei den Potters. Auch als Harry und Ron kamen fühlte sich alles so an wie früher. Sie hatten viel Spaß zusammen. Hermine half Ginny im Haushalt, beschäftigte sich viel mit James und fand auch Zeit, um noch ein wenig die Zaubertrankbücher durchzublättern. Die Zeit verging viel zu schnell. Schon war die letzte Augustwoche da und somit auch die Abreise nach Hogwarts. Harry hatte Hermine angeboten ihr einen Portschlüssel zu organisieren, doch Hermine lehnte ab. Sie wollte ihren Freunden einerseits nicht noch mehr schuldig sein, andererseits wollte sie die Fahrt nach Hogwarts noch einmal wie eine Schülerin erleben. Also apparierte sie am Montagmorgen nach London zum Bahnhof Kings Cross. Von weitem sah Sie die Mauer, die zum Gleis 9 ¾ führte. Sie lächelte, ging jedoch weiter, um ihren Zug zu erreichen. Der Zug nach Hogsmeade wartete schon am Gleis 8 ½ und Hermine konnte es kaum erwarten, die vertraute Landschaft zu sehen. Während der Zug durch die malerische Landschaft fuhr, versank Hermine in Gedanken. Erinnerungen an vergangene Zeiten und die bevorstehenden Aufgaben füllten ihren Geist. Doch immer wieder kehrte ein Bild in den Vordergrund: Minerva McGonagall, die starke, kluge und gütige Schulleiterin, die Hermine von Anfang an bewundert hatte. Hermine erinnerte sich an ihre Schulzeit und die Abenteuer, die sie gemeinsam mit Harry und Ron erlebt hatte. Doch jetzt war alles anders, sie kehrte zurück als Lehrerin, mit neuen Verantwortungen und einem Herzen voller Sehnsucht.
Stunden später hielt der Zug endlich am Bahnhof in Hogsmeade. Hermine nahm eine Kutsche, die sie zum Schloss bringen sollte. Als das Schloss endlich in Sicht kam, fühlte Hermine ein vertrautes Kribbeln in ihrem Bauch. Alles um sie herum war so vertraut und doch neu, ein Ort voller Erinnerungen.
Die Kutsche hielt vor dem großen Eingangstor. Hermines Augen schweiften über die imposanten Türme und die weiten Mauern. Sie fühlte sich überwältigt von den Emotionen, die in ihr aufstiegen. Sie stieg aus der Kutsche und atmete tief die frische Luft der schottischen Highlands ein. Als Hermine das Schloss betrat, erfüllte sie erneut eine warme Welle der Erinnerungen. Das Geräusch der knarrenden Türen, der Duft der alten Bücher und die erhabenen Türme, die sich in den Himmel reckten. Alles war so vertraut und doch mit einer neuen Bedeutung versehen. Sie wusste, dass hier nicht nur ihre berufliche Reise von Neuem beginnen würde, sondern auch der Weg ihres Herzens.
Sie betrat die große Eingangshalle und wurde sogleich von Professor Flitwick herzlich begrüßt.
"Willkommen zurück, Miss Granger! Wir freuen uns sehr, Sie wieder hier zu haben."
Hermine lächelte dankbar und tauschte einige Worte mit dem kleinen, aber brillanten Zauberer.
„Folgend Sie mir Miss Granger. Minerva wollte Sie eigentlich selbst in Empfang nehmen, doch sie hat noch einen wichtigen Termin. Ich zeige Ihnen Ihre Unterkunft, damit Sie sich einrichten können.“
„Vielen Dank Professor Flitwick.“
Hermine folgte ihm. Ihre Schritte hallten in den verwinkelten Gängen wider. Sie erkannte den Weg, den er einschlug.
„Professor, wir sind auf dem Weg…“
„Ich weiß, wohin wir gehen Miss Granger. Sie sind eine Gryffindor. Also werden Sie ihre Wohnung auch in der Nähe Ihres Hauses haben. Mr. Longbottom ist ebenfalls in diesem Teil des Schlosses untergebracht.“
Hermine schwieg. In diesem Teil des Schlosses war auch Minervas Wohnung und demnach auch der Zugang zum Schulleiterturm. Sie würde ihr also näher sein, als ihr vielleicht lieb war.
„So, hier wären wir also“, sagte der kleine Zauberer und sprach ein Passwort und ließ die Tür aufschwingen.
„Sehen Sie sich ruhig um und richten Sie sich erst einmal ein. Minerva wird sich bei Ihnen melden, sobald sie Zeit findet.“
„Vielen Dank Professor.“
„Sehr gerne. Oh und bevor ich es vergesse, Sie müssen das Passwort für Ihre Wohnung neu festlegen.“
Hermine nickte und betrat ihre Wohnung, als der kleine Zauberer fort war. Es fühlte sich sofort nach zu Hause an. Der Raum war warm und einladend, gemütlich und geräumig mit einem großen Fenster, das den Blick auf den See und den Verbotenen Wald freigab. Hermine packte ihre Sachen aus und richtete sich ein. Sie hatte gerade ihre Bücher sortiert, als es an der Tür klopfte.
Mit einem leisen "Herein" öffnete sie die Tür und sah zu ihrer Überraschung Minerva McGonagall vor sich stehen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Ihre Anwesenheit füllte den Raum mit einer ruhigen Autorität und einem Hauch von Wärme.
„Willkommen zurück, Hermine“, sagte sie lächelnd, „Es ist schön, Sie hier zu sehen.“
Hermine lächelte zurück und fühlte, wie sich ihre Nervosität in Luft auflöste.
„Danke, Professor. Ich bin froh, wieder hier zu sein.“
Die Schulleiterin bedachte Hermine mit einem warmen Lächeln.
"Ich wollte Sie persönlich willkommen heißen, doch leider wurde ich aufgehalten. Wie ich sehe, haben Sie sich schon ein wenig eingerichtet.“
„Ja ein wenig.“
„Wenn Sie irgendetwas brauchen, zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren“, sagte Minerva.
Ihre wunderschönen grünen Augen funkelten hinter ihrer Brille. Hermine lächelte dankbar und nickte.
„Das ist wirklich sehr nett Professor. Vielen Dank.“
Minerva warf einen Blick auf den Schreibtisch, auf dem die Unterlagen bereitlagen, die sie Hermine vorab geschickt hatte.
„Wie ich sehe sind Sie schon dabei sich vorzubereiten?“
„Ja Professor. Ich möchte meine Arbeit gut machen.“
"Ich bin sicher, dass Sie eine hervorragende Referendarin sein werden. Wir haben viel von Ihnen erwartet und ich zweifle keine Sekunde daran, dass Sie unsere Erwartungen übertreffen werden."
Die Schulleiterin klappte den Ordner mit den Unterlagen zu und sah Hermine an.
„Nicht alles lernt man aus Büchern oder Manuskripten Hermine. Wir werden daher Ihre Aufgaben und die Herausforderungen sowie die Anforderungen an Sie bei einer Tasse Tee in meinem Büro besprechen. Solche Dinge erledige ich lieber im Sitzen und nicht stehend zwischen Tür und Angel.“
Hermine lächelte und sah ihre Vorgesetzte erleichtert an.
„Darüber bin ich wirklich froh Professor.“
„Nun, ich würde Ihnen gerne einen Vorschlag machen.“
„Nur zu.“
„Da ich Sie ja nach Ihrer Erlaubnis mit Ihrem Vornamen anspreche, möchte auch ich Ihnen nun das Du anbieten. So halte ich es mit den meisten unserer Kollegen. Natürlich nur, wenn Sie das möchten.“
„Das würde ich sehr gerne.“
„Schön, Minerva“, sagte sie und reichte Hermine die Hand.
„Hermine“, sagte sie und schüttelte Minervas Hand sanft.
Die Berührung ließ ein Kribbeln durch Hermines Körper strömen. Minerva schien es ebenso zu gehen, denn sie zog ihre Hand zurück, nicht unhöflich, aber deutlich.
„Dann lasse ich dich jetzt allein Hermine. Komm erst einmal richtig an und ruh dich etwas aus. Du hattest eine lange Reise. Die Führung durch das Schloss verschieben wir auf später oder vielleicht doch lieber auf morgen.“
„Führung? Ich kenne mich doch aus.“
„Du bist jetzt eine Lehrerin Hermine. Wir nehmen andere Wege und halten uns an anderen Plätzen auf, als es die Schüler tun.“
„Oh, ja natürlich du hast recht.“
„Gut. Dann lasse ich dich nun allein. Wir können uns nach dem Abendessen um die weiteren Formalitäten kümmern.“
Mit einem Lächeln auf den Lippen verschwand Minerva. Hermine sah ihr noch einen Moment nach. Nachdem Hermine die Tür geschlossen hatte, setzte sie sich ans Fenster und blickte hinaus. Sie wusste, dass dies der Beginn eines neuen Kapitels war, ein Kapitel voller Möglichkeiten und Hoffnung. Und tief in ihrem Herzen wusste sie, dass sie bereit war, sowohl die beruflichen als auch die persönlichen Herausforderungen anzunehmen, die sie erwarteten.