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Herzschlag im Schatten

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Herzschlag im Schatten

Hallo meine Lieben, ich hoffe , ihr seid noch dabei... Mein Kurzurlaub ist vorbei, Kapitel sind vorproduziert und kommen nun wieder schneller ;) Lasst mich gerne wissen, wie euch das neue Kapitel gefällt :D

LG

Das erste Licht des Morgens kroch durch die schweren Vorhänge und legte sich in zarten, goldenen Streifen über Minervas Schlafzimmer. Hermine lag halb auf ihrer Seite, halb an Minerva gelehnt, ihr Atem ruhig, ihre Hand auf dem Stoff von Minervas Nachthemd. Einen Moment lang schien alles still. Die Welt jenseits dieser Wände existierte nicht.

Minerva öffnete die Augen, blinzelte gegen das Licht und sah hinab auf die junge Frau an ihrer Seite. Ein winziges Lächeln huschte über ihr Gesicht, als Hermine sich im Schlaf ein Stück näher schob, die Stirn an Minervas Hals. So friedlich. So unbefangen. Minerva legte eine Hand auf Hermines Rücken, fuhr mit dem Daumen sacht über den Stoff ihres Nachthemdes. Hermine regte sich leicht, murmelte etwas Unverständliches, bevor sie die Augen öffnete. Einen Herzschlag lang sah sie nur Minerva und das warme, weiche Licht um sie herum.

„Guten Morgen“, flüsterte sie, ihre Stimme noch rau vom Schlaf.

„Guten Morgen, Liebling“, antwortete Minerva leise und das Wort hing zwischen ihnen – vertraut und gefährlich zugleich.

Für einige Minuten vergaßen sie alles. Sie tauschten keine großen Worte, nur Berührungen – eine Hand, die über eine Wange strich, ein Kuss, kaum mehr als ein Hauch. Hermine schloss die Augen, genoss die Ruhe, das Gefühl von Sicherheit in Minervas Armen, doch irgendwann schlich sich die Vernunft zurück. Minerva atmete tiefer und löste sich ein wenig aus Hermines Griff.

„Wir sollten aufstehen“, sagte sie, beinahe widerstrebend.

Hermine nickte, blieb aber noch liegen.

„Ich weiß. Nur noch… ein bisschen.“

Minerva lächelte, zog sie noch einmal an sich und ließ ihre Stirn gegen Hermines ruhen.

„Am liebsten würde ich dieses Bett nie wieder verlassen“, flüsterte Hermine und schloss die Augen, während sie ihre Arme ein wenig fester um Minerva legte.

„Dann geht es dir genauso, wie mir“, antwortete Minerva.

Hermine lehnte sich vor und hielt inne - nur Millimeter bevor sich ihre Lippen trafen. Sie sah in Minervas Augen. Sie glänzten so voller Liebe und Zärtlichkeit und Hermine musste lächeln.

„Was ist?“, fragte Minerva und hielt immer noch still.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich neben dir aufwache und…“

„Ja?“

Hermine hob eine Hand und strich zärtlich über Minervas Wange.

„Du bist so wunderschön.“

„Du lügst sehr charmant, das muss ich schon sagen“, meinte Minerva mit geröteten Wangen.

Hermine schloss den Abstand und küsste sie.

„Wie spät ist es?“, fragte Hermine, als sie sich wieder von ihr gelöst hatte.

„Kurz vor 6“, antwortete Minerva.

Hermine seufzte.

„Ein paar Minuten können wir uns noch erlauben“, fügte die Schulleiterin hinzu, als sie Hermines seltsamen Gesichtsausdruck erkannte.

Die junge Frau sah sie an und lächelte dankbar. Minerva zog Hermine enger an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Sie spürte, wie angespannt Hermine war und natürlich wusste sie auch warum.“

„Liebling... Du bist so stark. Lass dich nicht unterkriegen.“

„Werde ich nicht. Ich kriege das schon hin.“

„Nun, dann kannst du dich ja wieder entspannen.“

Hermine bemerkte jetzt erst, dass sie völlig verkrampft in Minervas Armen lag und ihre Arme fest um sie gelegt hatte.

„Entschuldige“, sagte Hermine und ließ locker.

Minerva lächelte liebevoll und streichelte über ihre Wange.

„Es ist alles gut.“

„Ja. In deinen Armen fühle ich mich so gut, wie noch nie.“

Hermine beugte sich noch einmal vor und küsste Minerva innig. Eng aneinander gekuschelt blieben sie noch eine Weile in Minervas warmem Bett liegen.

Plötzlich schreckte Hermine auf, als eine Eule an Minervas Fenster klopfte. Mit einem Schlag wurden sie wieder in die Gegenwart zurückzuholen.

Hermine richtete sich langsam auf, strich sich das Haar aus dem Gesicht.

„Zurück in die Rollen, die man von uns erwartet“, murmelte sie mit einem schiefen Lächeln.

Minerva nickte nur.

„Es wird Zeit für mich zu gehen“, meinte Hermine. „Bevor mich noch jemand sieht.“

Minerva antwortete nicht sofort. Ihr Blick folgte Hermine, als diese sich ankleidete – mit Bedacht, aber auch mit jener Entschlossenheit, die Minerva so an ihr bewunderte und zugleich fürchtete. Minerva stand ebenfalls auf und zog ihren Morgenmantel über.

„Hermine“, sagte sie schließlich, als die junge Frau nach ihrem Umhang griff, „sei vorsichtig heute. Handle mit Bedacht. Gib Edmund keine Angriffspunkte.“

Hermine nickte und griff nach Minervas Händen.

„Ich weiß. Ich habe alles unter Kontrolle. Mach dir keine Sorgen.“

Minerva zog sie zu sich und küsste sie liebevoll und nahm sie noch einmal fest in ihre Arme.

„Ich liebe dich.“

Hermine strahlte.

„Ich dich auch.“

Ein letzter Blick, ein flüchtiger Kuss, bevor Hermine endgültig ging – leise, so wie sie gekommen war.

Als sich die Tür hinter ihr schloss, blieb Minerva zurück und fragte sich, wie lange dieses Gleichgewicht zwischen Nähe und Pflicht noch halten konnte.

Nach dem Frühstück betrat Hermine das Klassenzimmer für Verwandlung mit gesenktem Kopf, den Stapel Notizen dicht an sich gedrückt. Der Raum war erfüllt von dem Murmeln der Schüler, die sofort verstummten, als Featherstone das Zimmer betrat. Hermine setzte sich auf ihren Platz in der letzten Reihe. Sie öffnete ihr Heft, notierte die Themen der Stunde, obwohl sie sie längst auswendig kannte. Die Schüler warfen ihr immer wieder Blicke zu – unsicher, suchend, fast bittend. Hermine erwiderte sie mit einem kleinen, aufmunternden Lächeln, doch sie blieb, wo sie war. Featherstones Augen waren wie Späher, wachsam und berechnend.

Als ein Schüler in der dritten Reihe bei einem Zauber versehentlich Funken über den Tisch sprühte, zuckte Hermine unwillkürlich. Ihr Instinkt wollte eingreifen, den Zauber korrigieren, beruhigend erklären, doch sie zwang sich, sitzen zu bleiben. Der Junge versuchte die Funken unter Kontrolle zu bringen, doch er war zu aufgeregt. Hermine wollte aufstehen, aber Featherstone war schneller und brachte das Chaos mit Leichtigkeit wieder in Ordnung.

„Offenbar gibt es hier einige, die glauben, Flammen gehorchen aus Mitgefühl. Sie gehorchen aber nur Präzision.“

Sein Blick glitt zu Hermine. „Vielleicht sollten manche sich daran erinnern.“

Ein leises Kichern ging durch die Klasse, das sofort erstickte, als Featherstone sich wieder dem Unterricht zuwandte. Hermine spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Sie ballte die Hände auf dem Schoß, atmete tief durch.

Nur noch wenige Tage, erinnerte sie sich. Dann ist es fürs erste vorbei. Der Vormittag zog sich endlos hin. Hermine saß still da, beobachtete, hielt immer wieder spitze Kommentare aus und musste zusehen, wie die Schüler teils verängstigt in der Klasse saßen. Irgendwann erklang die Glocke und Professor Featherstone beendete den Unterricht. Als die Schüler ihre Sachen gepackt hatten, blieben mehrere zögerlich stehen, offensichtlich in der Hoffnung, Hermine könne einen Rat geben oder eine Formel erklären, doch Featherstone trat mit ein paar langen Schritten vor.

„Miss Granger hat keine Erläuterungen für Sie“, sagte er scharf. „Sie beobachtet nur.“

Hermine zwang sich zu einem höflichen Lächeln und nickte. Erst als die Klasse leer war, erlaubte sie sich einen Moment, die Schultern sinken zu lassen. Ihre Hände zitterten leicht, nicht aus Angst, sondern aus unterdrücktem Trotz.

Featherstone trat neben sie, scheinbar beiläufig.

„Ich muss sagen, Miss Granger, Ihre Selbstbeherrschung überrascht mich. Ich hatte befürchtet, Sie könnten erneut versuchen, den Unterricht nach Ihren Vorstellungen zu lenken.“

„Ich bemühe mich, Ihren Unterrichtsstil zu respektieren, Professor“, antwortete sie leise.

„Das hoffe ich“, sagte er mit einem dünnen Lächeln. „Manche Lektionen lernt man erst, wenn man schweigen muss.“

Er drehte sich um und verließ den Raum. Hermine stand noch einen Moment da, atmete tief durch. Sie wollte schreien, wollte etwas sagen, das die Luft reinigte, aber stattdessen griff sie nach ihren Notizen, presste sie an sich und verließ stumm das Klassenzimmer.

Hermine ging den stillen Flur entlang, die Notizen fest an die Brust gedrückt. Ihre Schritte hallten leise über den Steinboden. Der Druck des Unterrichts, die ständigen Spitzen, das Verbot, den Schülern zu helfen – alles lastete schwer auf ihr.

Plötzlich tauchte Neville neben ihr auf. Er sah sie aufmerksam an, als hätte er gerade etwas bemerkt.

„Hermine?“ fragte er vorsichtig. „Alles in Ordnung?“

Hermine zwang ein kleines Lächeln auf ihre Lippen.

„Ja, Neville, alles bestens.“

Er zögerte, musterte sie genauer.

„Bist du sicher? Du siehst… erschöpft aus. Und irgendwie… angespannt.“

Hermine schluckte. Sie wollte nicht, dass jemand ihre Schwäche sieht.

„Es ist nur ein langer Tag. Ich… ich komme schon klar.“

Neville trat einen Schritt näher, seine Stimme leise, fast fürsorglich.

„Du musst nicht immer alles allein schaffen. Wir helfen dir alle gerne.“

Hermine atmete tief durch und nickte. Die Worte taten gut, auch wenn sie es kaum zugab.

„Danke, Neville.“

Er lächelte leicht, ein warmes, ehrliches Lächeln und klopfte ihr kurz auf die Schulter. „Wenn du Hilfe brauchst oder einfach jemanden, der zuhört, ich bin da.“

Hermine nickte erneut, spürte, wie sich ein kleiner Knoten in ihrer Brust löste.

„Ich weiß. Danke.“

Neville nickte und ging langsam weiter, sodass Hermine allein den Flur entlang schritt. Sie lehnte sich für einen Moment gegen die Wand, schloss die Augen und atmete tief durch. Ein kleiner Lichtblick inmitten des langen, anstrengenden Tages. Sie wusste, dass sie sich noch sammeln musste, bevor sie wieder in die Realität zurückkehrte – Featherstone, die Erwartungen, die Rolle als Referendarin, aber zumindest für diesen Moment war sie nicht ganz allein.

Hermine ging den gewohnten Gang entlang, ihre Schritte leise, die Schultern noch etwas angespannt von den Spitzen des Vormittags. Trotz allem hatte sie noch etwas zu erledigen. Sie wollte ihre Unterlagen ordnen, die sie noch auf ihrem Platz im Lehrerzimmer liegen hatte. Auf dem Weg kamen ihr ein paar Schüler entgegen, die sie freundlich grüßten und zu Hermines Erleichterung stellte niemand Fragen. Als Hermine am Lehrerzimmer ankam, öffnete sie die Tür einen Spalt und trat vorsichtig ein. Der vertraute Duft von alten Büchern, Tee und Pergament empfing sie und da war noch etwas. Ein dezentes Parfüm, das sie zu gut kannte, hatte sich daruntergemischt. Minerva saß an ihrem Schreibtisch, die Brille leicht nach unten gerutscht, vertieft in einige Unterlagen. Kerzenlicht warf ein warmes, flackerndes Muster auf ihr Gesicht.

„Minerva…?“

Hermine zögerte einen Moment, unsicher, ob sie stören sollte. Minerva hob den Kopf und ihr Blick traf sofort Hermines. Ein leises Lächeln spielte auf ihren Lippen und plötzlich schien der Raum noch ruhiger und wärmer zu werden.

„Hermine“, sagte sie sanft. „Komm ruhig herein. Ich warte auf dich.“

„Wirklich? Woher wusstest du…“

„Ich kenne dich schon ein paar Tage.“

Hermine trat ein, ließ die Tür hinter sich leise ins Schloss fallen.

„Ich… wollte nur…“, sie stockte kurz, rang nach den richtigen Worten.

Minerva nickte, als hätte sie genau verstanden und schob einige Pergamente beiseite. „Dann setz dich. Du musst mir nichts erklären. Nur… atme.“

Hermine tat, wie ihr geheißen, setzte sich auf den Stuhl neben sie, die Hände im Schoß verschränkt. Sie ließ die Anspannung langsam von sich gleiten, spürte, wie allein die Gegenwart von Minerva die Schwere des Tages ein wenig leichter machte.

„Es war… nicht einfach heute“, flüsterte sie schließlich, die Stimme leise, fast verschämt. „Featherstone… er…“ Sie schüttelte den Kopf, holte dann tiefer Luft. „Er lässt einen kaum atmen.“

Minerva nickte nur, ihre Augen ruhig, warm und aufmerksam.

„Ich sehe es dir an, aber du machst das gut, Hermine. Wirklich.“

Hermine ließ sich einen Moment auf den Stuhl zurücksinken, spürte die Wärme, die von Minerva ausging. Sie konnte endlich kurz loslassen – nur ein bisschen, nur hier, nur jetzt.

„Danke, dass du hier bist“, murmelte sie leise. „Ein bisschen… Halt, das hilft.“

Minerva legte eine Hand sanft auf Hermines Schulter.

„Immer, mein Liebes. Immer.“

Minerva blieb neben Hermine sitzen, ihre Hand lag ruhig auf der Schulter der jungen Frau. Hermine atmete tief ein, spürte die Wärme, die von Minerva ausging und wagte aufzustehen und ließ sich auf Minervas Schoß sinken, den Kopf gegen ihre Brust gelehnt, die Augen halb geschlossen. Minerva war zu überrumpelt, um etwas zu sagen.

„Es tut gut… deine Nähe“, flüsterte Hermine, ihre Stimme weich, kaum mehr als ein Hauch.

Minerva legte die Arme vorsichtig um sie, zog sie näher an sich, ohne sie einzuengen. Ihr Kinn ruhte leicht auf Hermines Haar, während sie sanft mit den Fingern durch die Locken fuhr.

„Du darfst hier alles lassen, Hermine. Alles, was der Tag von dir gefordert hat.“

Hermine schloss die Augen und ließ sich tragen, als würde sie im Rhythmus von Minervas Atem neue Kraft schöpfen. Ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht und Minerva konnte nicht anders, als sanft über ihre Wange zu streichen.

„Du bist immer so tapfer“, murmelte Minerva. „Aber auch Tapferkeit braucht Momente wie diesen.“

Hermine hob leicht den Kopf, blickte zu Minerva auf, die Augen glänzend, die Lippen zu einem kleinen, schelmischen Lächeln verzogen.

„Und manchmal hilft ein bisschen Nähe mehr als jeder Zauberspruch“, meinte Hermine trocken.

Minerva schnaubte leise, ein warmes, tiefes Lachen und zog Hermine ein Stück enger. „Dann werde ich wohl weiterhin als dein persönlicher ‚Zaubertrank für Ruhe und Mut‘ fungieren müssen.“

Hermine kicherte leise, lehnte sich wieder an sie und schloss die Augen. Jede Berührung, jedes Streicheln, jeder Atemzug war wie ein stilles Versprechen: hier, in Minervas Armen, war alles in Ordnung – zumindest für diesen Moment.

Und doch wussten beide, dass draußen die Realität wartete. Pflichten und Erwartungen – alles würde bald wieder auf sie einprasseln, aber jetzt, nur für diesen kurzen Augenblick, existierte nichts außer Wärme, Nähe und Vertrauen.

Plötzlich hallten Schritte durch die Flure, die näherkamen. Hermine und Minerva erstarrten fast unmerklich. Der Moment der Nähe war abrupt unterbrochen, als das Geräusch sie beide in die Gegenwart zurückrief.

„Schnell“, murmelte Minerva leise, ohne die Augen von Hermine zu nehmen. Sie löste sich vorsichtig aus Hermines Armen, hob die Hände, als wolle sie gerade etwas notieren und rückte auf ihren Stuhl ein Stück zurück. Hermine tat es Minerva gleich, setzte sich einige Plätze weiter weg, tauchte ihren Blick in die Unterlagen. Die Wärme und die Nähe von Minerva waren plötzlich ersetzt durch die konzentrierte Maske der Lehrerin. Die Tür öffnete sich und hinein traten die drei bekannten Gestalten:

Professor Slughorn, mit einem breiten, fast triumphierenden Lächeln, Featherstone, dessen prüfender Blick sofort den Raum zu durchdringen schien und Professor Peckson, die ruhig und aufmerksam neben ihnen herging. Ein kurzer Blick auf Hermine hatte ihr bereits genügt, um die Situation zu erfassen. Sie grüßte die beiden Hexen und setzte sich an ihren Platz.

Slughorn grüßte sie fröhlich, während seine Augen Hermine für einen Moment länger als nötig musterten. „Ich hoffe, wir stören nicht?“

„Natürlich nicht“, antworteten beide gleichzeitig, die Stimmen ruhig und kontrolliert.

Featherstone trat einen Schritt näher, sein Blick blieb hart auf Hermine haften, als wollte er sie wortlos prüfen. Hermine spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, zwang sich aber, die Ruhe zu wahren. Sie griff nach ihrer Feder, nickte leicht, als würde sie gerade konzentriert etwas notieren.

„Sehr schön“, sagte Slughorn, während er Hermine ein paar Unterlagen auf den Tisch legte.

„Ich dachte, wir könnten gleich einmal einige Experimente besprechen, wenn wir schon einmal hier sind.“

Minerva beobachtete Hermine aus den Augenwinkeln, ihre Hand ruhte locker auf den eigenen Notizen. Sie wusste, dass Featherstone jede Regung registrierte – jede kleine Bewegung, jedes Zucken. Hermine musste diesen Tanz überstehen und Minerva würde sie nicht stören, sondern still von der Seite decken. Hermine lächelte Slughorn an. Er begann sofort von seltenen Zaubertränken zu schwärmen und wie schwer deren Zutaten zu besorgen waren.

„Ich muss mir wohl etwas Besonderes einfallen lassen, damit Pomona mich in ihr Gewächshaus lässt und den Rest… nun, das werden wir sehen.“

Hermine kicherte, während sich Minerva räusperte und eine Augenbraue anhob.

„Horace, ich hoffe doch, dass du diese Zutaten auf legale Weise organisierst.“

„Oh natürlich Minerva.“

Er klang dabei nicht so sicher, wie er sollte und das leise kichern von Irina ließ darauf schließen, dass Slughorn nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte. Minerva sagte nichts weiter, sondern senkte ihren Blick wieder auf ihre Unterlagen. Hermine konzentrierte sich auf Horace, spürte aber immer wieder den stechenden Blick von Featherstone. Jede Geste musste kontrolliert sein, jedes kleine Zucken verborgen. Und dennoch, wenn Minerva kurz aufblickte, trafen sich ihre Blicke für einen winzigen Moment. Kein Wort, nur ein stummer Austausch: „Ich bin hier. Du schaffst das.“

Während Slughorn ausführlich weitersprach und Featherstone immer wieder prüfende Blicke auf Hermine warf, saß Irina Peckson still neben den beiden. Ihre Hände ruhten locker auf ihren eigenen Unterlagen, doch ihr Blick war scharf, aufmerksam und tiefer.

Hermine spürte immer wieder die Blicke von Featherstone, die Erwartungen, die Anspannung, das Bedürfnis, alles zu kontrollieren, doch dann, fast unmerklich, spürte sie eine zweite Präsenz: ruhig, aber wach, fast wie ein leises Echo in ihrem Geist. Peckson.

Hermine erstarrte kurz, überrascht. Nicht erschrocken, aber ein kleiner innerer Schreck zog durch sie. Sie konnte nicht glauben, dass Irina ihre Gedanken ganz genau zu erkennen schien, ohne sie gezielt zu lesen. Peckson lehnte sich leicht zurück, die Augen weiterhin sanft, aber aufmerksam auf Hermine gerichtet.

„Du kämpfst zu sehr. Lass ein kleines Stück los… nur ein kleines. Du musst nicht perfekt sein“, hörte Hermine plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf.

Nicht unangenehm, nur unerwartet. Hermine biss sich auf die Lippe, senkte den Blick, schrieb ein paar flüchtige Notizen auf das Pergament vor sich.

„Ich kann nicht… darf nicht… Featherstone beobachtet mich…“ dachte sie, die Spannung in ihrem Innern wuchs.

Doch Irina blieb ruhig, wie ein stiller Anker. Hermine spürte, wie sich eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Unruhe in ihr ausbreitete. Erleichterung, dass jemand ihr wirklich zutraute, dass sie nicht alles perfekt kontrollieren musste und Unruhe, weil es ungewöhnlich und beinahe beängstigend war, dass jemand so tief in sie hineinsehen konnte.

Featherstone räusperte sich plötzlich und warf ihr einen scharfen Blick zu. Hermine zuckte ein kleines Stück zurück, zwang sich aber, ruhig weiterzuschreiben und Slughorn zu folgen. Peckson, neben ihr, lächelte kaum merklich, ein stilles Verständnis, das ihr sagte: „Du bist nicht allein.“

Für einen winzigen Moment war Hermine in dieser Spannung, zwischen Angst und Erleichterung, ganz still. Sie wagte es, einmal kurz aufzublicken und traf Pecksons Blick. Ein winziges Nicken, ein leises, fast nicht wahrnehmbares Lächeln.

Featherstone bemerkte die winzige Veränderung sofort. Sein Blick wurde schärfer, prüfender.

„Miss Granger“, sagte er schließlich, „möchten Sie etwas beitragen? Oder ist dies nur wieder Ihre gewohnte, stille Beobachtung?“

Hermine schluckte, atmete tief durch und zwang ihre Hände, ruhig zu bleiben. Nur kurz, nur souverän wirken… dachte sie. Mit einem klaren, festen Ton antwortete sie:

„Ich denke, die Herangehensweise von Professor Slughorn ist solide, Professor. Vielleicht könnte man die Dosierung des Trankes noch minimal anpassen, um die Ergebnisse zu stabilisieren“, meinte Hermine und wandte sich beim Sprechen wieder Horace zu.

Featherstone zog die Augenbrauen hoch, seine Lippen verzogen sich zu einer kaum merklichen Linie.

Interessant, schien sein Blick zu sagen. Er hatte nicht erwartet, dass Hermine so ruhig und präzise antworten konnte.

Die beiden anderen Hexen im Raum saßen still da, jede scheinbar in ihre eigenen Unterlagen vertieft, doch sowohl Minerva als auch Irina verfolgten alles genau. Hermine vermied es absichtlich Minerva anzusehen, warf daher noch einen Blick auf Irina, die ihr kurz zulächelte. Featherstone räusperte sich und wandte sich wieder seinen eigenen Aufschrieben zu, doch seine Augen flogen immer wieder zu Hermine zurück, als wollte er testen, ob ihr ruhiges Auftreten echt oder nur Fassade war. Hermine wusste, dass die nächsten Stunden ein Balanceakt werden würden – zwischen Pflicht, Selbstbeherrschung und dem stillen, aber wärmenden Wissen, dass jemand an ihrer Seite war, der sie verstand, ohne etwas zu verlangen.

Als Slughorn das Lehrerzimmer mit federnden Schritten verließ, Featherstone dicht dahinter, ließ ein merkliches Spannungsfeld in der Luft nach. Hermine atmete tief durch, die Schultern sanken leicht, als die sofortige Beobachtungslast von ihr abfiel. Professor Peckson legte ihr im Vorbeigehen nur eine Hand leicht auf die Schulter – kaum merklich, aber genug, um Hermine zu sagen: Du bist nicht allein.

Sie wollte Hermine und Minerva einen Moment allein geben und verließ ebenfalls das Lehrerzimmer. Minerva, die die ganze Zeit über das Geschehen beobachtet hatte, lehnte sich noch einen Moment zurück, die Finger um eine Feder gekrampft. Ihre grünen Augen hatten alles registriert – jedes feine Zittern in Hermines Händen, jedes schnelle Aufblitzen der Kontrolle und vor allem die Momente, in denen Irina Peckson Hermine ermutigend angesehen hatte.

Ein leises Ziehen breitete sich in ihrer Brust aus. Eifersucht? Ein bitterer, aber ehrlicher Gedanke. Nicht wegen Irina selbst – sie spürte deutlich, dass es nicht um Rivalität ging – sondern weil Irinas Blick diese stille Nähe und Bestätigung gegeben hatte, die Minerva ihr sonst gab. Sie stand auf, schob die Unterlagen beiseite und trat ein Stück näher zu Hermine, die noch mit dem Nachklang der intensiven Minuten beschäftigt war.

„Alles in Ordnung?“ fragte sie sanft, die Stimme ruhig, aber ein Hauch von Besorgnis schwang darin mit.

Hermine sah auf, ihre Augen glänzten leicht, noch von Anspannung geprägt.

„Ja… alles gut.“

Sie lächelte schwach, aber aufrichtig. Minerva nickte, beobachtete, wie Hermines Hände über die Unterlagen streiften, wie sie kurz aufblickte, als wollte sie Minerva wortlos danken. Dieses stille Zusammenspiel rührte Minerva und gleichzeitig stach die Eifersucht wie ein leiser Funke in ihr Herz.

'Ich will, dass sie weiß, dass sie mir gehört', dachte Minerva.

Sie trat einen Schritt näher, legte eine Hand auf Hermines Arm und streichelte sanft darüber.

„Du hast das gut gemacht, Hermine. Wirklich.“

Hermine lächelte, ein kleines, erleichtertes Lächeln.

„Danke, Minerva… es hilft, dass du hier bist.“

Minerva spürte, wie sich die Wärme von Hermine gegen ihre Hand legte und atmete tief durch. Die Eifersucht löste sich langsam in Sorge, in Fürsorge, in das stille Bedürfnis, sie zu beschützen, aber das kleine Ziehen in ihrer Brust blieb. Eine Erinnerung daran, dass Hermine Blicke und Aufmerksamkeit auch von anderen empfing. Sie wusste, dass sie ihr Vertrauen stärken musste, still, ohne Worte, nur durch Nähe und Präsenz. Und sie würde jede Gelegenheit nutzen, um Hermine daran zu erinnern, dass sie immer in Sicherheit und Geborgenheit bei ihr war.

Hermine griff nach Minervas Hand und stand auf. Sie sah in ihre grünen Augen und lächelte.

„Es gibt keinen Grund eifersüchtig zu sein mein Schatz“, sagte Hermine geradeheraus.

„Was?“, meinte Minerva unschuldig.

„Ich habe es doch gesehen. Du hast für einen kleinen Moment deinen Todesblick aufgesetzt“, scherzte Hermine. „Ich will nichts von Irina und sie auch ganz sicher nichts von mir. Also komm her und lass mich dich küssen, bevor noch jemand reinkommt.“

Ohne darüber nachzudenken, versanken sie in einem tiefen Kuss, der so voller Liebe war.

„Hermine… Nicht hier… nicht jetzt“, flüsterte Minerva nach ein paar zärtlichen Küssen, bevor mehr passieren konnte.

Hermine trat zurück und strich sich die Haare aus dem Gesicht.

„Es tut mir leid… Ich weiß nicht, was das war… Ich lasse dich allein.“

Hermine wollte gehen, doch Minerva packte ihr Handgelenk.

„Du hast keine Ahnung wie schwer es mir fällt dich abzuweisen…“

In Minervas Augen sah Hermine dieselbe Lust, die auch in ihr brannte.

„Na hoffentlich“, meinte Hermine, drückte Minerva noch einen sanften Kuss auf die Wange und lächelte sie an.

„Später?“

Minerva nickte. Hermine nahm ihre Sachen an sich und schenkte Minerva ein liebevolles Lächeln.

„Ich freue mich schon“, meinte sie und zwinkerte Minerva zu, deren Wangen erröteten.

„Jetzt ab mit dir“, sagte sie und lächelte ebenfalls.

Hermine kicherte und verließ das Lehrerzimmer mit einem breiten Grinsen.