Zwischen Schatten und Spiel
Zwischen Schatten und Spiel
Hallo meine Lieben :) euch erwartet ein weiteres längeres Kapitel. Ich wollte eigentlich zwei Kapitel daraus machen, wusste allerdings nicht so recht, wo ich aufhören sollte... Ich hoffe, dass es euch (trotz der Länge) gefällt und ich hoffe auch, dass ich mit dieser Idee in die richtige Richtung gehe. Lasst mir gerne eine Review da - bin für jedes Lob, jede Kritik und jede Anmerkung/Wünsche dankbar :D Jetzt aber viel Spaß. LG M.
Hermine ging den Gang hinunter, ihr Schritt fest, aber innerlich bebte sie. Erst als sie den Klassenraum hinter sich gelassen hatte, wagte sie, tief durchzuatmen. Die Luft im Schloss war kühl und doch fühlte es sich an, als würde ihr Brustkorb brennen. Sie war ruhig geblieben. Sie hatte ruhig bleiben müssen. Alles andere hätte ihm Triumph gegeben. Doch der Gedanke, dass er Minerva in seine Andeutungen hineingezogen hatte, ließ ihr Blut gefrieren. Er weiß mehr, als sie gedacht hatte. Vielleicht noch nicht alles, aber genug, um zu spielen. Hermine beschleunigte den Schritt. Sie brauchte einen Moment für sich, bevor sie Minerva sah. Nicht aus Angst, sondern weil sie nicht wollte, dass die Rektorin – ihre Minerva – die Erschütterung in ihr sah.
In ihrer Wohnung angekommen, ließ Hermine die Tasche auf den Tisch fallen und starrte einige Sekunden auf die Fotografie von Minerva, die sie aus der Schublade holte. Dann fuhr sie sich durchs Haar, presste die Lippen zusammen und murmelte:
„Er will mich provozieren. Und er will dich aus der Reserve locken.“
Sie wusste, wie gefährlich das werden konnte. Featherstone war kein einfacher Mann. Hinter seinem arroganten Lächeln verbarg sich jemand, der Macht verstand – und sie genoss. Er würde nicht offen angreifen, nicht sofort. Nein, er würde warten, beobachten, Lücken suchen.
Ein Klopfen an der Tür riss sie aus den Gedanken.
„Herein“, sagte sie und öffnete die Tür mit einem Schwung ihres Zauberstabs.
Poppy Pomfrey trat ein.
„Ich wollte nur sehen, ob alles in Ordnung ist, Hermine. Ich habe gehört, du hattest heute Morgen eine… Begegnung.“
Hermine lächelte schwach.
„So kann man es nennen.“
Poppy trat näher, legte den Kopf leicht schief.
„Minerva war – sagen wir – ungewöhnlich aufgebracht.“
„Ich weiß“, antwortete Hermine leise. „Und genau das ist das Problem.“
Poppy zog eine Augenbraue hoch.
„Du meinst, sie war zu deutlich?“
Hermine nickte.
„Featherstone ist nicht dumm. Wenn er noch Zweifel hatte, dann nicht mehr lange. Er wird jetzt alles, was wir tun, doppelt lesen. Jede Geste, jedes Wort.“
Poppy seufzte.
„Und du hast Angst, dass er sie bloßstellt.“
„Nicht nur sie. Uns beide.“
Hermine setzte sich, faltete die Hände.
„Ich kann mit seinen Sticheleien leben, aber wenn er sie in die Schusslinie bringt, dann…“
„Dann was?“
Hermine sah auf. Ihr Blick war fest, ruhig, aber in der Tiefe glomm Zorn.
„Dann wird er erfahren, dass ich nicht so leicht einzuschüchtern bin, wie er glaubt.“
„Tu nichts unüberlegtes Hermine.“
„Keine Sorge, ich denke gründlicher nach als früher.“
Poppy lächelte leicht, wurde aber wieder ernst.
„Trotzdem bleibt eine Frage. Was bezweckt er mit seinem Verhalten? Warum ist er so verbissen darauf zu erfahren, was dich mit Minerva verbindet?“
„Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Erst dachte ich, dass er mich loswerden will, weil ich seine Stelle möchte, aber das ist kompletter Schwachsinn. Dann dachte ich, dass er mich einfach nicht leiden kann, weil er mit meiner sogenannten Berühmtheit angefangen hat.“
„Selbst wenn er dich nicht mag, braucht er nicht so reagieren.“
„Eben. Es muss also noch etwas anderes dahinterstecken. Sonst würde er Minerva nicht mit hineinziehen.“
„Vielleicht bist nicht du das Ziel“, meinte Poppy nachdenklich.
„Du meinst, Minerva ist das eigentliche Ziel?“
Die Heilerin nickte.
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Währenddessen saß Featherstone in seinem Büro, die Tür verschlossen, die Vorhänge halb geschlossen. Eine Tasse Tee stand auf dem Tisch, die bereits kalt war. Er war gerade dabei ein Paket auszupacken. Seine Augen leuchteten, als er einen alten Aktenordner herausholte. Er ließ den Karton verschwinden und begann in dem Ordner zu blättern. Es waren Akten, die er nie hätte haben sollen. Darin lagen Berichte, Abschriften, alte Korrespondenzen des Schulrats und ein Blatt Pergament, das nicht hineingehörte. Eine Notiz, die nur für ihn bestimmt war.
Edmund,
ich habe meine Recherche noch nicht vollständig abgeschlossen. Allerdings habe ich ein paar interessante Details gefunden. Die Akten brauche ich bis Sonntag zurück. Das dürfte genug Zeit sein. Am wichtigsten für dich dürfte aber folgendes sein
Granger, Hermine Jean.
Ehemalige Schülerin. Ausgezeichnete Leistungen. Mitglied des Phönixordens. Persönliche Nähe zu M. McGonagall vermutet (inoffizielle Quelle).
Du schuldest mir etwas,
Olive
Featherstone legte das Blatt zur Seite und lächelte kalt.
„Na also.“
Er lehnte sich zurück, tippte mit einem Finger auf die Tischkante.
Wenn er richtig spielte – vorsichtig, ohne sich die Finger zu verbrennen – konnte er nicht nur Minerva, sondern sie beide gleichzeitig treffen. Nicht frontal. Nein, viel subtiler. Ein Gerücht hier. Ein Hinweis dort. Ein Gespräch mit der richtigen Person im Schulrat.
Er würde Minervas eiserne Fassade zum Bröckeln bringen. Und Hermine Granger? Er würde sie zwingen, zu zeigen, wie weit sie bereit war zu gehen, um die Schulleiterin zu schützen.
Ein kaltes Lächeln zog sich über seine Lippen, als er die Akte schloss.
„Schach, Minerva“, murmelte er leise. „Aber das Spiel ist noch lange nicht vorbei.“
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Poppy lehnte sich an den Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt und sah Hermine prüfend an.
„Du weißt, dass du nicht allein bist, Liebes“, sagte sie schließlich. „Minerva wird sich nicht zurückhalten, wenn sie glaubt, dass du in Gefahr bist, aber vielleicht müssen wir dafür sorgen, dass sie diesmal nicht diejenige ist, die sich in die Schusslinie stellt.“
Hermine hob den Kopf, überrascht über den festen Ton.
„Was meinst du?“
„Ich meine, du musst ihm die Kontrolle nehmen, bevor er glaubt, sie zu haben“, erwiderte Poppy ruhig. „Featherstone ist ein Mann, der sich an Macht klammert. Wenn du ihm zeigst, dass du nicht reagierst, dass du ihm die Bühne verweigerst, dann verliert er seine Überlegenheit.“
Hermine nickte langsam.
„Ich hab’s heute schon versucht. Im Unterricht werde ich es wieder tun. Er wird sticheln, das ist sicher.“
Poppy trat näher und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Du bist klug, Hermine. Das ist deine größte Stärke. Lass ihn reden und beobachte ihn. Wenn er zu weit geht, sag uns Bescheid, nicht Minerva.“
„Warum nicht Minerva?“
Poppy seufzte.
„Wenn es um dich geht, reagiert sie mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf. Du weißt das besser als jeder andere.“
Hermine sah sie an. In ihrem Blick lag ein stilles, schmerzhaftes Verständnis.
„Ja“, flüsterte sie. „Und genau das liebe ich an ihr.“
Ein kurzes Schweigen senkte sich zwischen den beiden Frauen. Poppy lächelte schließlich mild.
„Das tust du und das sieht man in jedem Atemzug, wenn du von ihr sprichst.“
Hermine errötete, blickte zur Seite.
„Warum muss das alles so… kompliziert sein?“
„Liebe ist kompliziert, Hermine. Vor allem, wenn sie im Schatten von Regeln und Gerüchten leben muss, aber sie ist auch stärker, als du glaubst.“
„Ich hoffe, du hast recht.“
„Ich habe meistens recht“, entgegnete Poppy mit einem schelmischen Zwinkern, das Hermine tatsächlich ein leises Lächeln entlockte.
Dann wurde sie wieder ernst.
„Aber hör mir zu, Edmund wird nicht aufgeben. Er ist verletzt. Männer wie er fühlen sich gedemütigt, wenn jemand sie in die Schranken weist. Vor allem eine Frau. Noch schlimmer - zwei Frauen.“
„Und eine davon hat mehr Autorität als er“, ergänzte Hermine trocken.
„Ganz genau. Er wird versuchen, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Er wird provozieren, dich öffentlich bloßstellen, vielleicht sogar eine Beschwerde andeuten, doch du bleibst ruhig. Lass ihn sich selbst verraten.“
Hermine stand auf, in ihren Augen glomm nun Entschlossenheit, wo eben noch Zweifel gewesen war.
„Das werde ich.“
Poppy lächelte stolz und wandte sich zur Tür.
„Dann komm, wir gehen zum Essen. Du hast heute Morgen kaum gefrühstückt.“
Hermine nickte und atmete tief durch. Gemeinsam mit Poppy ging sie in die große Halle. Ihr Herz schlug hart, aber diesmal nicht vor Angst, sondern vor Kampfgeist.
Minerva ging den langen Gang entlang, den Kopf erhoben, die Augen wachsam und die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Die vertrauten Geräusche des Schlosses hallten um sie - das Klackern ihrer Absätze auf dem Steinboden, das Murmeln der Schüler, das Rascheln von Roben, doch ihr Geist war nicht bei den üblichen Pflichten. Er war bei Hermine. Minerva hatte es sich verboten, nach ihr zu suchen, doch jeder Gedanke kreiste darum, wie Featherstone reagiert hatte, nachdem sie sich so offen zwischen ihn und Hermine gestellt hatte.
Ein helles Lachen lenkte ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Gruppe von Schülern, die am Fenster standen und aufgeregt tuschelten.
„Ich schwör’s, er ist erst richtig nah zu ihr hin und dann hat er auch noch ihre Sachen in Sand verwandelt!“, sagte ein Junge aus Ravenclaw, kaum in der Lage, seine Begeisterung zu zügeln.
„Ja und Professor Granger ist einfach nur ruhig dagesessen – kein Zucken, kein Wort!“, ergänzte ein Mädchen. „Er hat sie vor der ganzen Klasse provoziert und sie hat ihn einfach… ausmanövriert.“
„Echt klasse die Frau.“
Minerva blieb unauffällig stehen, ihr Ohr leicht zur Gruppe gewandt.
„Was hat er denn gesagt?“ fragte ein Slytherin mit gespitztem Interesse.
„Irgendwas von emotionaler Disziplin und Stabilität.“
„Uff.“
„Und sie?“
„Sie hat nur gesagt 'Disziplin, ist nicht dasselbe wie Gleichgültigkeit'. Und dann hat sie sich hingesetzt, als wär’s nichts.“
Ein kurzer Moment des Staunens ging durch die Gruppe. Dann wieder Lachen, leise, beeindruckt.
Minerva spürte, wie sich unwillkürlich ein Anflug von Stolz in ihr regte – warm, gefährlich und sofort von Besorgnis gedämpft. Sie hat ihn also stehen lassen. 'Klug, mein Mädchen… aber er wird es nicht auf sich beruhen lassen.'
Sie ging weiter, die Hände nun fester verschränkt, der Ausdruck auf ihrem Gesicht unbewegt, wie es sich für die Schulleiterin gehörte, doch in ihrem Inneren arbeitete es. Sie konnte das Gesicht Featherstones förmlich sehen – das beleidigte Aufblitzen in seinen Augen, das verkrampfte Lächeln, das den Wunsch nach Vergeltung nicht ganz verbarg.
Hermine hatte ihn vor Schülern bloßgestellt, wenn auch elegant und Männer wie Featherstone ließen sich solche Schmach nicht lange gefallen.
Als sie die Türen zur Großen Halle erreichte, verharrte sie kurz. Das Stimmengewirr schlug ihr entgegen. Sie atmete tief durch und straffte die Schultern. Die Maske aus Ruhe und Autorität glitt wie von selbst wieder über ihr Gesicht. Keine Schwäche zeigen. Nicht jetzt. Doch der Gedanke, Hermine allein in diesem Spiel zu wissen, nagte an ihr.
Sie trat in die Halle und mehrere Schüler verstummten kurz, als sie an ihnen vorbeiging. Manche senkten ehrfürchtig den Blick, andere flüsterten weiter, kaum hörbar.
Sie hatte selbst gehört, dass die Gerüchte schon kursierten. Hogwarts war nie still, wenn etwas Spannendes in der Luft lag und wenn etwas interessant war, dann dass der verhasste Lehrer von der jungen Referendarin vorgeführt wurde.
Am Lehrertisch angekommen, setzte sie sich und griff nach dem Krug Wasser. Ihre Hand zitterte leicht, als sie einschenkte. Nur ein Hauch, kaum sichtbar, aber genug, dass sie sich selbst zur Ruhe zwang.
'Bleib klug, Minerva. Lass sie machen. Lass sie beweisen, dass sie das kann.'
Sie hob den Blick und für einen Moment meinte sie, am anderen Ende der Halle Hermines Gestalt zwischen den Schülern zu erkennen. Erhobenen Kopfes, gelassen, aber mit diesem glühenden, stillen Feuer in den Augen. Minervas Herz machte einen leisen Sprung.
'So stark… und doch so verletzlich, wenn es um andere geht.'
Sie zwang sich zu einem Lächeln, unscheinbar, fast nur für sich selbst und nahm einen Schluck Wasser.
Hermine trat mit ruhigem Schritt auf den Lehrertisch zu. Ein Murmeln ging durch die Reihen der Schüler, hier und da flogen ihr verstohlene Blicke zu. Sie hatte gelernt, sie zu ignorieren. Ihr Kopf war hoch erhoben und doch lastete die Szene aus Featherstones Unterricht noch auf ihren Schultern.
Als sie den Lehrertisch erreichte, blickte Minerva kurz auf – nur ein winziger Moment, kaum merklich für Außenstehende, doch in diesem Blick lag so vieles: Erleichterung, Sorge und ein stummer Wunsch, sie möge durchhalten.
Hermine setzte sich auf den Platz zwischen Pomona und Poppy, die sich auch geradegesetzt hatte. Das Gespräch nahm sofort einen freundlichen Ton an, als wollte man Hermine den Übergang erleichtern.
„Du hast heute Eindruck gemacht“, meinte Pomona mit einem kaum zu unterdrückenden Lächeln.
„Ich habe mich im Hintergrund gehalten und präzise auf eine Frage geantwortet“, entgegnete Hermine ruhig, griff nach einem Krug Wasser und füllte sich ein Glas.
Noch ehe sie es zum Mund führen konnte, flatterte über ihr eine silbergraue Eule herab und landete mit erstaunlicher Präzision direkt vor ihr auf dem Tisch. Die Schüler, die es sahen, wurden still. Eulenpost während der Mahlzeiten war nichts Ungewöhnliches, aber die Eleganz, mit der diese Eule sich verneigte und den Brief fallen ließ, war auffällig.
Hermine erkannte die Handschrift auf dem Umschlag sofort. Eine elegante, schwungvolle Schrift, die sie schon von weitem lächeln ließ.
Ihr Herz machte einen kleinen Sprung. Sie öffnete den Brief behutsam und während sie die Zeilen überflog, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus – weich, ehrlich, warm. Pomona, die neben ihr saß, lehnte sich leicht vor.
„Gute Neuigkeiten?“ fragte sie mit einem wissenden Zwinkern.
Hermine legte den Brief kurz auf den Tisch, noch immer mit diesem leuchtenden Ausdruck.
„Ja“, sagte sie leise, fast beschwingt. „Mein Freund Caleb kommt am Wochenende nach Hogsmeade. Er möchte mich dort treffen.“
Pomona lächelte überrascht.
„Das ist ja wunderbar! Ich wusste gar nicht, dass ihr noch Kontakt habt.“
„Doch“, nickte Hermine. „Er hat bei einem Forschungsprojekt mitgearbeitet. Wir haben schon vor ein paar Wochen besprochen, dass er mich besuchen kommt. Er schreibt, dass er ein paar Tage frei bekommen hat und wir uns sehen können. Er möchte unbedingt wissen, wie es mir hier geht.“
Poppy, die bisher still zugehört hatte, hob den Blick über den Rand ihrer Tasse hinweg.
„Das klingt nach einer angenehmen Abwechslung“, meinte sie freundlich, doch ihre Augen suchten für einen kurzen Moment Minervas Gesicht.
Minerva saß ein paar Plätze weiter und tat so, als würde sie konzentriert ihr Stück Fleisch schneiden, doch das Geräusch der flatternden Flügel hatte sie aufhorchen lassen und Hermines Lächeln danach… das war unübersehbar. Ein Stich zog durch ihre Brust, kaum spürbar und doch tief genug, um sie für einen Atemzug innehalten zu lassen.
Hermine hingegen versuchte, so natürlich wie möglich zu wirken. Sie wusste, Minerva würde zuhören und sie wusste, warum sie das tun musste.
„Er meinte, er würde im Drei Besen einkehren – Samstag, zur Mittagszeit. Ich freue mich wirklich darauf, ihn wiederzusehen“, sagte sie, etwas zu betont leicht.
Pomona sah sie einen Moment verwirrt an, doch Hermine warf ihr einen Blick zu, der eindeutig sagte: 'Spiel mit'.
„Du wirst mir das erklären“, flüsterte sie und
klatschte dann in die Hände.
„Na, das klingt doch nach einem wunderbaren Wochenende! Ein bisschen Normalität tut uns allen gut.“
„Das hoffe ich“, erwiderte Hermine und ihr Lächeln blieb, doch in ihren Augen lag ein Hauch von Berechnung, den niemand außer Poppy und Pomona bemerkten.
Poppy nahm einen Schluck Tee, stellte dann die Tasse ab und sagte kaum hörbar:
„Du spielst ein gefährliches Spiel.“
„Ich weiß“, murmelte Hermine, ohne den Blick vom Brief zu nehmen. „Aber vielleicht ist das genau das, was er erwartet und was ihn unvorsichtig macht.“
Pomona blickte sie fragend an, verstand aber nicht. Poppy dagegen schon. Hermine faltete den Brief sorgfältig zusammen und steckte ihn in die Innentasche ihres Blazers. Ihr Lächeln blieb, doch in ihren Augen flackerte etwas – Entschlossenheit und ein Hauch von Schmerz.
Minerva legte ihr Besteck ordentlich beiseite, trank den Rest ihres Wassers in einem Zug aus und erhob sich vom Tisch. Ihr Gesicht war so beherrscht wie immer, jede Geste kontrolliert, doch wer sie gut kannte, hätte die leichte Spannung in ihren Schultern bemerkt, das minimal zu schnelle Tempo ihrer Schritte, als sie die Große Halle verließ. Sie spürte Hermines Blick im Rücken, spürte, wie etwas in ihr arbeitete – dieses vertraute Ziehen zwischen Vernunft und Gefühl, Pflicht und Herz.
„Caleb“, wiederholte Minerva leise.
Minerva hatte den Namen gekannt. Sie erinnerte sich an den jungen Mann mit den klugen Augen und der charmanten, etwas zu selbstsicheren Art, als sie vor einigen Jahren für einen Tag an der Uni in Edinburgh einen alten Kollegen besucht hatte. Nichts Besonderes – damals. Aber jetzt?
Sie bog um die Ecke des Korridors, wollte Luft, wollte Abstand, als hinter ihr leise Schritte erklangen.
„Minerva?“
Die Stimme war weich, zögerlich, aber entschieden. Minerva blieb stehen, drehte sich langsam um.
„Hermine.“
Die junge Frau trat näher. In ihrem Blick lag ein Lächeln, das halb schelmisch, halb beschwichtigend war.
„Ich nehme an, du hast den Brief mitbekommen.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Ich nehme an, du möchtest jetzt behaupten, ich würde lauschen?“
„Natürlich nicht.“
Hermine schmunzelte, trat einen Schritt näher.
„Aber ich kenne dich und dein Blick, als Pomona fragte, ob es gute Neuigkeiten wären…“ – sie neigte leicht den Kopf – „…verriet dich ein klein wenig.“
Minerva verschränkte die Arme.
„Ich verrate mich grundsätzlich nicht.“
„Ach nein?“
Hermine trat noch ein Stück näher, die Augen glitzerten vor gespielter Unschuld.
„Also das kurze Zusammenzucken, als ich Calebs Namen erwähnt habe – das war dann wohl nur eine zufällige Muskelbewegung?“
Minerva presste die Lippen zusammen, ein Anflug von Farbe stieg ihr in die Wangen.
„Ich finde es… bemerkenswert, dass du dich an solch triviale Details erinnerst.“
„Oh, ich erinnere mich an vieles.“
Hermine lächelte sanft.
„Zum Beispiel daran, dass du, wenn du eifersüchtig bist, ein ganz bestimmtes Stirnrunzeln hast.“
„Ich bin nicht eifersüchtig.“
Minerva sprach ruhig, fast zu ruhig.
„Ich bin besorgt. Da ist ein Unterschied.“
„Natürlich.“
Hermine grinste, senkte dann aber leicht den Blick, um den spielerischen Ton wieder aufzugeben.
„Minerva… hör mir bitte zu. Ich weiß, wie das wirkt, aber dieser Brief – Caleb – das ist… Teil eines Plans.“
Minervas Stirn legte sich erneut in Falten. „Eines Plans?“
„Ja.“
Hermine trat einen Schritt zurück, um den Blickkontakt zu halten.
„Wenn alle glauben, dass ich in einer Beziehung bin, dann hat Featherstone nichts, womit er mich oder uns verdächtigen kann. Kein Grund, mich weiter zu provozieren. Kein Anlass, weiter zu bohren und niemand wird vermuten, dass ich etwas für dich empfinde oder du für mich.“
Minerva schwieg, ihr Blick suchte Hermines Gesicht. Der Gedanke war logisch, taktisch klug und dennoch schnürte er ihr die Brust zu.
„Du willst also… vorgaukeln, mit diesem Caleb liiert zu sein?“
„Ich will, dass Featherstone sich in Sicherheit wiegt“, erklärte Hermine leise. „Dass er glaubt, ich sei abgelenkt, unbescholten. Das Treffen in Hogsmeade… es wird genug Zeugen geben. Schüler, Kollegen. Wenn ich dort mit jemandem gesehen werde, der offensichtlich nicht du bist, dann fällt jeder Verdacht von uns ab.“
Minerva atmete tief ein. Ihre Hände ruhten fest ineinander, als müsste sie sich selbst daran erinnern, die Fassung zu wahren.
„Und was, wenn er glaubt, dass du ihn tatsächlich triffst… aus Zuneigung?“
„Dann wäre das umso glaubwürdiger.“
Ein gefährlicher Schatten glitt über Minervas Züge.
„Du spielst mit dem Feuer, Hermine. Wenn dieser Mann dich auch nur im Ansatz in Verlegenheit bringt oder wenn Featherstone Verdacht schöpft—“
„Minerva.“
Hermine unterbrach sie sanft, trat wieder näher. Ihre Stimme war ruhig, aber voller Wärme.
„Ich weiß, dass du mich beschützen willst, aber diesmal geht es darum, dass ich dich schütze.“
Minerva blinzelte, überrascht von der Festigkeit in Hermines Ton.
„Wenn du so offen auftrittst wie heute, wird man Fragen stellen. Ich muss etwas dagegensetzen, etwas, das die Gerüchte im Keim erstickt. Ein ‘Freund’, ein öffentliches Treffen… das ist das Beste, was ich tun kann.“
Ein stiller Moment entstand. Minerva senkte den Blick und als sie wieder sprach, klang ihre Stimme rauer.
„Ich vertraue dir, aber es fällt mir schwer, den Gedanken zu ertragen, dich mit jemand anderem zu sehen. Auch nur zum Schein.“
Hermine lächelte traurig.
„Ich weiß, aber es ist nur ein Spiel und du bist die Einzige, für die ich wirklich spiele.“
Für einen Moment wich die Strenge aus Minervas Augen.
„Du machst mir das Leben schwer, Hermine Granger.“
„Ich nenne es eher… lebendig“, flüsterte Hermine und berührte flüchtig Minervas Hand.
„Das ist leichtsinnig.“
„Nur, wenn man sich erwischen lässt.“
Minerva atmete durch, schüttelte kaum merklich den Kopf, zwischen Ärger, Bewunderung und etwas, das sie sich nicht zu sagen traute.
„Du bist unverbesserlich.“
„Und du bist wunderschön, wenn du versuchst, es zu verbergen“, entgegnete Hermine leise.
Ein leises, unfreiwilliges Lächeln huschte über ihre Lippen. Hermine kicherte und zog Minerva in den Schatten einer Rüstung. Sanft legte sie ihre Hand an Minervas Wange.
„Hermine wir dürfen das nicht tun…“
Hermine drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen und brachte sie zum Schweigen. Sie sah Minerva an und küsste sie noch einmal zärtlich.
„Ich höre dich wahnsinnig gerne reden mein Liebling, aber jetzt hörst du mir genau zu Minerva McGonagall. Ich liebe dich. Nur dich. Dir kann kein Mann und auch keine andere Frau auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Hast du das verstanden?“
Minerva öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder und nickte nur.
„Ich kann mir vorstellen, wie es für dich ist. Wenn ich dich mit jemand anderem sehen würde, würde ich vermutlich ebenso reagieren, aber du musst mir vertrauen.“
„Ich vertraue dir ja Hermine.“
„Und Caleb kannst du auch vertrauen. Er ist klasse und um dich endgültig zu beruhigen, lies das“, sagte Hermine und gab Minerva den Brief.
„Ich lese deine Post nicht Hermine. Ich vertraue dir auch so.“
„Nun lies schon.“
Minerva seufzte leise, nahm den Brief widerwillig entgegen und entfaltete ihn vorsichtig. Hermines Augen ruhten derweil aufmerksam auf ihr. Ein prüfender, aber zugleich zärtlicher Blick, als wolle sie jeden Gedanken auf Minervas Gesicht lesen. Minervas Augen glitten über die Zeilen. Es war eine kurze, lockere Nachricht, fast spöttisch im Ton.
Meine liebe Hermine,
ich werde am Wochenende nach Hogsmeade kommen, wie wir es vereinbart haben. Ich habe deinen Plan verstanden. Wenn du sicher bist, dass er funktioniert, spiele ich mit, du schuldest mir dann mindestens eine Runde Feuerwhisky im Drei Besen. Ich werde mich benehmen, versprochen. Grüße an die „strenge Schulleiterin“ und du kannst sie beruhigen. Ich möchte bei Merlin nicht gegen sie sein - ich würde definitiv den Kürzeren ziehen. Ich erinnere mich noch an ihren Todesblick bei unserem letzten Treffen.
Liebe Grüße und bis bald,
Caleb
Minerva hob den Blick, langsam, die Stirn in Nachdenkfalten gelegt.
„Er weiß also Bescheid?“
„Natürlich weiß er Bescheid.“ Hermine lächelte leicht. „Ich würde niemanden in sowas hineinziehen, ohne es ihm zu erklären. Caleb ist ein Freund, nicht mehr. Und er ist… diskret.“
Minerva hielt den Brief noch einen Moment in der Hand, dann reichte sie ihn zurück.
„Das will ich hoffen.“
„Minerva“, sagte Hermine leise und trat einen Schritt näher, „es ist nur ein Treffen. Ein Täuschungsmanöver, nichts weiter.“
„Ich weiß.“
Minerva wandte den Blick kurz ab, als könne sie Hermines Augen nicht ertragen, weil sie darin zu viel sah – zu viel, was ihr Herz verriet.
„Und dennoch… allein der Gedanke, dich dort zu sehen… Es widerspricht jeder Vernunft, ich weiß, aber ich bin eben nicht aus Stein.“
Hermines Ausdruck wurde weicher.
„Ich weiß und genau das liebe ich an dir.“
„Dass ich eifersüchtig bin?“
„Dass du fühlst.“
Hermine schob vorsichtig eine Haarsträhne aus Minervas Gesicht.
„Ich brauche dich, Minerva. Nicht als Schulleiterin, nicht als Schutzschild, sondern als die Frau, die du gerade bist.“
Minerva erwiderte nichts, aber ihre Hand fand Hermines und hielt sie fest. Ein Moment der stillen Übereinkunft, verborgen zwischen kaltem Stein und dem dumpfen Ticken einer alten Rüstung. Dann räusperte sich Minerva leise und zwang sich, einen Schritt zurückzutreten.
„Wir sollten uns wirklich nicht hier aufhalten. Wenn uns jemand sieht—“
„Dann glaubt er, ich bekomme gerade eine strenge Standpauke wegen meines Auftritts in Featherstones Unterricht.“
Hermine grinste verschmitzt. Minerva konnte nicht verhindern, dass ein schmales Lächeln ihre Lippen streifte.
„Du machst es einem unmöglich, ernst zu bleiben.“
„Dann bin ich ja auf dem richtigen Weg.“
Hermine trat an Minerva heran und küsste sie noch einmal feurig. Sie zwinkerte, trat aus dem Schatten und sah noch einmal über die Schulter.
„Und du, Minerva… du wirst sehen, es wird funktionieren. Featherstone verliert das Interesse, die Gerüchte verebben und wir behalten uns.“
Minerva nickte langsam, aber der Zweifel blieb in ihrem Blick, zusammen mit der unausgesprochenen Angst, dass dieser Plan sie mehr kosten könnte als nur Geduld.
Hermine lächelte und wandte sich zum Gehen.
„Bis später.“
Sie verschwand um die Ecke und Minerva blieb zurück. Eine Hand noch an der kalten Wand, die andere in die Robe gekrallt. Ein Teil von ihr wollte Hermine glauben. Ein anderer Teil wusste, dass Spiele mit Gefühlen nie so verliefen, wie man sie plante. Sie seufzte und trat ebenfalls aus dem Schatten und machte sich auf den Weg zu ihrem Büro.
Minerva saß an ihrem Schreibtisch, wo Pergamentrollen und halb geleerte Teetassen ein stilles Chaos bildeten. Die Uhr an der Wand tickte beharrlich, doch Minerva hörte sie kaum. Ihr Blick haftete an einem Punkt auf dem Pergament vor ihr, ohne die Worte wirklich zu lesen. Ein Klopfen an der Tür ließ sie zusammenzucken.
„Herein.“
Poppy Pomfrey trat ein, wie immer mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Wärme.
„Ich hoffe, ich störe nicht.“
„Du störst nie, Poppy“, sagte Minerva, ohne aufzusehen. „Aber ich kann dir kaum versprechen, dass ich heute eine angenehme Gesprächspartnerin bin.“
Poppy schloss die Tür hinter sich und trat näher.
„Das habe ich mir schon gedacht. Du siehst aus, als würdest du gleichzeitig über jemanden nachdenken und ihn verfluchen wollen.“
Ein schwaches, aber ehrliches Lächeln huschte über Minervas Gesicht.
„Sehr treffsicher beobachtet.“
„Ich kenne dich lange genug, meine Liebe.“
Poppy setzte sich ohne Einladung auf den Stuhl gegenüber.
„Es geht um Hermine, nicht wahr?“
Minerva hob den Blick. Ihr Ausdruck war kontrolliert, doch das Zucken um die Mundwinkel verriet sie.
„Du weißt also auch Bescheid.“
„Ich weiß, dass du sie verteidigst, wann immer jemand ihren Namen auch nur mit zu viel Luft ausspricht und ich weiß, dass du sie ansiehst, als hättest du vergessen, wie man atmet.“
Minerva wollte etwas erwidern, aber Poppy hob eine Hand.
„Ich muss nicht raten. Ich muss nur hinschauen.“
Für einen Moment herrschte Schweigen, dann seufzte Minerva.
„Ich war zu offen heute. Zu impulsiv. Ich habe mich in einer Weise verhalten, die man einer Schulleiterin nicht verzeiht und das alles, weil dieser Mann…“, sie brach ab, ballte die Hände – „… sie bedroht hat.“
Poppy nickte langsam.
„Ich weiß, was er gesagt hat.“
Minervas Kopf ruckte hoch.
„Was?“
Poppy wich ihrem Blick nicht aus.
„Hermine hat es mir erzählt.“
Ein Moment lang herrschte gespannte Stille. Dann sprach Minerva mit gefährlich leiser Stimme.
„Sie hat mit dir darüber gesprochen?“
„Mit mir und mit Pomona.“
Minerva schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete, glomm Zorn und Enttäuschung darin.
„Ich hatte gehofft, sie würde so etwas für sich behalten. Nicht aus Misstrauen, sondern weil—“
„—weil du glaubst, dass sie dich schwächer macht, wenn jemand von euch weiß?“ unterbrach Poppy ruhig.
Minerva schwieg.
Poppy beugte sich vor, ihre Stimme wurde weicher.
„Sie wollte dich schützen, Minerva. Sie weiß, dass sie dich in eine schwierige Lage bringt und sie wollte sicherstellen, dass du jemanden hast, der auf dich achtet, falls alles… schiefgeht.“
„Schiefgeht.“
Minerva schmeckte das Wort, als würde es bitter.
„Ich habe mein ganzes Leben danach gehandelt, dass Dinge nicht schiefgehen. Und jetzt—“
„Jetzt liebst du jemanden und plötzlich gelten die alten Regeln nicht mehr.“
Minerva sah sie an, lange, mit diesem Blick, der sonst ganze Klassen zum Schweigen brachte, doch bei Poppy hielt er nicht stand.
„Du wusstest es also schon. Die ganze Zeit.“
„Ich habe es geahnt“, gab Poppy ruhig zurück. „Aber ich habe gewartet, bis du bereit bist, es selbst zu sagen.“
Minerva lehnte sich zurück, fuhr sich mit einer Hand über die Stirn.
„Merlin, Poppy… ich weiß nicht, ob ich erleichtert oder wütend sein soll.“
„Sei beides“, sagte Poppy sanft. „Das ist gesünder.“
Ein schwaches Lächeln huschte über Minervas Gesicht, verschwand aber schnell wieder.
„Ich habe ihr vertraut. Ich vertraue ihr, aber dass sie dich und Pomona eingeweiht hat…“
„… war kein Verrat“, unterbrach Poppy. „Es war Liebe. Und Angst. Sie fürchtet sich nicht vor Featherstone, Minerva. Sie fürchtet sich davor, dich zu verlieren.“
Das traf. Minerva schloss die Augen, atmete langsam ein.
„Ich habe immer geglaubt, Kontrolle wäre meine Stärke“, sagte sie schließlich leise.
„Aber je mehr ich sie zu halten versuche, desto mehr entgleitet mir alles.“
Poppy nickte verstehend.
„Liebe ist kein Zauber, Minerva. Sie lässt sich nicht kontrollieren, nicht einmal von dir.“
Minerva lachte leise, ohne Freude.
„Das sagst du so einfach.“
„Weil ich es gesehen habe“, entgegnete Poppy. „Du hast Angst, sie zu verlieren, weil du endlich jemanden gefunden hast, der dich sieht. Nicht die Schulleiterin. Nicht die Legende. Nur dich.“
Minerva blickte auf den Schreibtisch, dann zurück zu Poppy. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Und was, wenn das nicht reicht? Wenn all das, was ich bin, sie am Ende zerstört?“
„Dann wirst du sie auffangen, bevor es so weit ist. So wie sie dich auffängt, wenn du fällst.“
Minerva sah sie an und für einen Moment fiel die Fassade völlig. Müdigkeit, Angst, aber auch Zärtlichkeit blitzten in ihren Augen.
„Ich weiß nicht, wie lange wir das geheim halten können.“
„So lange, wie ihr müsst“, antwortete Poppy ruhig. „Und bis dahin – vertraue ihr, so wie sie dir vertraut. Sie hat mehr Mut, als du ihr zutraust.“
Minerva nickte langsam, das Zittern ihrer Hände kaum merklich.
„Sie hat dir also auch von dem Plan in Hogsmeade erzählt?“
Poppy grinste nur schwach.
„Ich sag’s mal so, ich habe da so eine Ahnung und ich hoffe für Caleb, dass er ein dickes Fell hat.“
Minerva lachte kurz, ein ehrliches, erschöpftes Lachen.
„Das hoffe ich auch.“
Poppy erhob sich, trat hinter den Schreibtisch und legte eine Hand auf Minervas Schulter.
„Du musst das nicht allein tragen, Minerva. Nicht mehr.“
Minerva legte ihre Hand kurz auf Poppys.
„Danke.“
„Jederzeit.“
Poppy wandte sich zur Tür, drehte sich aber noch einmal um.
„Und Minerva?“
„Hm?“
„Wenn du das nächste Mal vor Eifersucht fast platzt, atme erst. Und dann erinnere dich, dass sie dich liebt.“
Minerva schnaubte leise, halb belustigt, halb beschämt.
„Das werde ich versuchen.“
„Tu das. Und iss endlich was, bevor du noch umfällst.“
Die Tür schloss sich leise hinter ihr und Minerva blieb allein zurück. Ein Hauch von Lächeln auf ihren Lippen, doch die Gedanken in ihrem Kopf kreisten weiter. Hermine. Vertrauen. Verlust.
Und tief in ihr wuchs die Erkenntnis, dass sie diesmal nichts mit Disziplin oder Kontrolle lösen konnte, sondern nur mit dem Mut, sich ganz auf jemanden einzulassen.