Die Ruhe vor dem Sturm
Die Ruhe vor dem Sturm
Hallo meine Lieben, ich hoffe, ich habe niemanden verloren ;) Vielen Dank für die Review und die Nachrichten, die mich erreichen. Ich freue mich über jede einzelne Nachricht. Kommentiert fleißig weiter ;)
Ich brauche mal euren Rat. Ich weiß, es ist noch ein bisschen früh, aber in meinem Kopf spukt die Idee, eine Art Adventskalender mit One Shots oder FFs in kleineren Kapiteln zu machen. Was haltet ihr davon und welche Pairings würdet ihr euch wünschen? Minerva x Albus ; Minerva x Harry; Minerva x Severus; oder ist eure Vorliebe weiterhin Minerva x Hermine? Lasst mich gerne wissen, ob ihr darauf Lust hättet ;)
Nun wünsche ich euch aber viel Spaß mit dem neuen Kapitel :D
LG M.
Hermine hielt die restliche Woche so gut sie konnte durch. Sie ließ Featherstones Spitzen, seine Bedrängungen und die prüfenden Blicke über sich ergehen und bot ihm keine Angriffsfläche. Nur abends konnte sie in Minervas Nähe loslassen und sie genoss jede Sekunde. Schneller als erwartet war dann auch schon der erwartete Samstag da.
Die Morgensonne schlich sich golden durch die halb geöffneten Vorhänge und malte helle Streifen auf das dunkle Holz des Schlafzimmers. Es war still, nur das leise Knistern des Kamins und das regelmäßige Atmen zweier Menschen füllten den Raum. Hermine lag mit dem Kopf an Minervas Schulter, ihr Haar zerzaust von der vergangenen Nacht. Minervas Hand glitt gedankenverloren über Hermines Rücken, auf und ab, ruhig und gleichmäßig. Zum ersten Mal seit Tagen schien keine Eile zu herrschen, kein drohender Unterricht, keine Angst vor Entdeckung. Nur sie und das sanfte Pochen zweier Herzschläge im Einklang.
„Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, ich würde einmal an einem Samstagmorgen in deinem Bett liegen, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, murmelte Hermine mit einem Lächeln in der Stimme.
„Nur an einem Samstagmorgen?“
„Du weißt was ich meine“, sagte Hermine lächelnd. „So friedlich, ohne Hektik.“
Minerva lachte leise, ein warmer, fast heiserer Laut.
„Und jetzt?“
„Jetzt weiß ich, dass es das Vernünftigste ist, was ich je getan habe.“
„Vernünftig?“, fragte Minerva spöttisch. „Das ist wohl das letzte Wort, das mir zu unserer… Situation einfällt.“
„Hm. Vielleicht emotional intelligent?“
Hermine hob den Kopf leicht und blickte sie mit gespielter Nachdenklichkeit an. Minerva sah sie an. Dieses vertraute Gesicht, so jung und doch so fest entschlossen und fuhr mit den Fingern durch ihr Haar.
„Du hast eine sehr eigene Definition von Intelligenz, Miss Granger.“
„Ich weiß, Mrs. McGonagall“, neckte Hermine leise und küsste sie kurz auf den Hals.
Minerva schloss für einen Moment die Augen, dann drehte sie sich zu ihr, zog sie näher. Der Kuss, der folgte, war kein hastiger. Er war langsam, sicher, vertraut, wie etwas, das sich endlich nicht mehr verstecken musste. Als sie sich wieder voneinander lösten, lehnte Hermine die Stirn gegen Minervas.
„Ich wünschte, das hier könnte ewig dauern.“
„Das wünscht man sich immer“, antwortete Minerva sanft. „Bis die Realität anklopft.“
„Und die heißt in unserem Fall ‚Lehrerkonferenz um zehn‘.“
Minerva seufzte.
„Leider.“
Hermine stützte ihren Kopf auf ihrer Hand ab und sah Minerva mit einem ganz bestimmten Blick an. Sanft strich sie mit ihrem Zeigefinger über Minervas Wange, über ihren Hals und am Ausschnitt von Minervas Nachthemd entlang.
„Du bist ja die Schulleiterin…“, begann sie mit einem verführerischen Lächeln.
„Wirklich? Das ist mir völlig neu.“
„Du könntest sie doch einfach ausfallen lassen“, fuhr Hermine ungehindert fort, ihr Finger glitt über Minervas Brust und sie legte dann ihre Hand auf ihre Taille.
„Ich würde ja gerne mit dir hier im Bett liegen bleiben mein Schatz, aber wir haben unsere Pflicht zu erfüllen.“
Hermine seufzte und ließ ihren Kopf zurück auf das Kissen fallen.
„Du bist immer so pflichtbewusst, aber eins sage ich dir, wenn Pomona den Tagesordnungspunkt über die neuen Gewächshausrichtlinien schon wieder in die Länge zieht, wird sie das bereuen“, erwiderte Hermine schmunzelnd.
„Ich werde sie nach fünf Minuten stoppen.“
„Natürlich wirst du das.“
Hermine grinste und küsste sie kurz auf die Lippen.
„Ich setze fünf Galleonen darauf, dass du es nicht schaffst.“
Minerva hob eine Augenbraue.
„Du unterschätzt meine Autorität.“
„Ich kenne Pomonas Durchhaltevermögen.“
Beide lachten leise. Hermine zog sie näher und Minerva kuschelte sich an sie. Ein paar Minuten vergingen in stiller Nähe, bis Hermine leise sagte:
„Und am Nachmittag…“
Minerva versteifte sich kaum merklich.
„Ja. Dein Treffen mit Caleb.“
Hermine drehte den Kopf und sah sie an, ernst, aber liebevoll.
„Ich weiß, was du jetzt denkst.“
„Das bezweifle ich.“
„Doch. Dass du mir nicht traust. Dass du dir vorstellst, ich würde…“
„Ich vertraue dir, Hermine“, unterbrach Minerva ruhig. „Aber ich traue den Umständen nicht. Noch weniger diesem Caleb, den du dir so spontan als Tarnung ausgesucht hast.“
„Er ist harmlos, Minerva. Und klug genug, zu verstehen, was gespielt wird.“
„Und falls nicht?“
„Dann wird er es sehr schnell lernen.“ Ein schelmisches Lächeln. „Ich bin ja nicht ganz wehrlos. Außerdem habe ich schon während unseres Studiums klargestellt, dass mein Herz längst vergeben ist.“
Minerva schüttelte kaum merklich den Kopf, halb besorgt, halb belustigt.
„Du spielst ein gefährliches Spiel.“
„Ich weiß.“
Hermine legte eine Hand auf Minervas Brust, spürte das ruhige Pochen darunter. „Aber ich tue es für uns. Für dich. Damit niemand auch nur auf den Gedanken kommt, dass zwischen uns etwas ist.“
Minerva seufzte leise.
„Ich weiß, aber der Gedanke, dich dort zu sehen… mit jemand anderem, er…“
„…macht dich rasend?“
Ein schmaler Blick.
„Eifersucht steht mir nicht, nehme ich an?“
„Doch“, sagte Hermine ernst und küsste sie sanft. „Sie erinnert mich daran, dass du fühlst.“
Minerva lächelte schwach.
„Dann wirst du heute viel Grund zur Erinnerung haben.“
„Ich verspreche, dass du keinen Grund zur Sorge hast.“
„Ich weiß“, murmelte Minerva, doch der Tonfall ließ Zweifel erahnen.
Hermine schob sich näher, ihre Lippen ganz nah an Minervas Ohr.
„Vielleicht… kann ich dich ja nach der Konferenz überzeugen.“
Ein dunkler, leiser Laut entwich Minerva, bevor sie antwortete: „Das klingt nach Erpressung, Miss Granger.“
„Nach Motivation, Professor.“
Sie lachten beide leise und für einen Moment war die Welt wieder einfach. Minerva wollte schon aufstehen, sich von der Vernunft leiten lassen, wie sie es immer tat, doch Hermines Finger glitten an ihrem Handgelenk entlang und hielten sie sanft fest.
„Noch nicht“, flüsterte Hermine, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch.
Minerva drehte sich wieder zu ihr. Ihre Augen trafen sich, kastanienbraun gegen smaragdgrün und alles, was unausgesprochen geblieben war, lag in diesem Blick. Hermine rückte näher, bis ihre Nasen sich beinahe berührten.
„Es ist so selten… dass du einfach nur da bist“, murmelte Hermine. „Nicht die Schulleiterin. Nicht die Autorität. Nur du.“
Minerva schwieg. Ihre Hand wanderte langsam zu Hermines Gesicht, strich ihr eine widerspenstige Locke aus der Stirn.
„Ich weiß nicht, ob ich noch weiß, wie man einfach nur da ist.“
„Dann erinner ich dich daran“, flüsterte Hermine.
Der Kuss, der folgte, war anders als zuvor. Kein Spiel, kein Flirt, kein Ablenken. Er war tief und still, wie ein Versprechen. Minerva zog Hermine an sich, spürte den vertrauten Rhythmus ihres Atems, den leichten Duft ihres Haars. Für einen Moment vergaß sie alles – Featherstone, Gerüchte, Caleb, Hogwarts – die ganze Welt schien außerhalb dieses Bettes zu liegen.
Als sie sich schließlich lösten, blieb Hermines Stirn an ihrer.
„Ich wünschte, ich könnte die Zeit anhalten.“
Minerva lächelte schwach.
„Ich auch, aber du würdest dich nach fünf Minuten langweilen.“
„Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich würde dich vermutlich in den Wahnsinn treiben.“
„Das tust du ohnehin.“
Hermine kicherte, dann wurde sie leiser.
„Wenn ich gehe, will ich, dass du dich daran erinnerst, wie sich das hier anfühlt. Nicht an die Angst, nicht an die Zweifel. Nur an uns.“
Minerva atmete tief durch.
„Ich erinnere mich an jedes Detail, Hermine und vielleicht ist genau das das Problem.“
Hermine legte den Kopf leicht schief, suchte ihren Blick.
„Dann lass es kein Problem sein. Lass es dein Anker sein.“
Einen Moment lang sagte keiner etwas. Nur das leise Knistern des Feuers, das Rascheln der Bettwäsche.
Minerva beugte sich vor, küsste Hermines Stirn, ganz sanft.
„Mein Anker also.“
„Dein schönster Fehler“, flüsterte Hermine mit einem Lächeln.
„Nein, meine klügste Entscheidung.“
„Meine Minerva…“
Ihre Lippen trafen sich noch einmal. Langsamer, länger, mit der leisen Gewissheit, dass der Tag draußen auf sie wartete, aber die Welt hier drinnen ihnen noch ein paar Atemzüge schenkte. Dann richtete sich Minerva auf, strich über das zerknitterte Laken, während Hermine sich dehnte und verschmitzt lächelte.
„Ich gehe duschen. Sonst kommen wir wirklich zu spät zur Konferenz“, sagte Minerva, halb ernst, halb resigniert.
„Soll ich dich begleiten?“
Minerva warf ihr einen warnend-belustigten Blick über die Schulter.
„Wag es nicht, Granger.“
„So streng am frühen Morgen, McGonagall?“, grinste Hermine und setzte sich auf.
Sie sah Minerva mit einem Blick an, wie ein Raubtier seine Beute.
„Lass doch endlich diesen bescheuerten Morgenmantel weg. Ich hätte am Morgen gerne eine schöne Aussicht.“
„Wenn du deinen Kopf drehst, kannst du aus dem Fenster sehen und eine wunderschöne Aussicht genießen“, sagte Minerva, stützte sich noch einmal auf dem Bett ab und küsste Hermine.
„Spielverderberin.“
„Frechdachs.“
Minerva ging in Richtung Badezimmer.
„Brauchst du wirklich keine Hilfe?“, rief Hermine ihr belustigt nach und bekam im nächsten Moment Minervas Morgenmantel ins Gesicht.
Sie lachte und stand auf.
„Das hättest du nicht tun sollen. Jetzt bist du fällig“, sagte sie und folgte Minerva ins Badezimmer…
„An ein bisschen Spaß am Morgen könnte ich mich glatt gewöhnen“, meinte Hermine, als sie aus dem Badezimmer trat.
Minerva warf ihr einen vielsagenden Blick zu.
„Warum kann ich dir eigentlich nicht widerstehen?“, seufzte sie.
„Weil du genauso wenig genug von mir kriegst, wie ich von dir. Ich hätte nichts gegen eine dritte Runde“, sagte Hermine und legte ihre Hände an Minervas Taille.
„Hör bloß auf damit. Wir sind dank deiner zweiten Runde zu spät dran.“
„Es ist noch massig Zeit. Gerade mal 8 Uhr“, sagte Hermine und hatte ihre Lippen bereits an Minervas Hals und ihre Hände in ihrem Nacken.
„Du bist verrückt“, lachte Minerva und zog sich zurück. „Schluss jetzt wir müssen uns zusammenreißen.“
„Ja, ja, aber nur, wenn ich nach der Konferenz noch einen oder zwei anständige Küsse bekomme.“
„Wir werden sehen, wie du dich verhältst.“
„Du bist unfair.“
„Nein mein Schatz, ich nenne das Motivation“, konterte Minerva und zwinkerte.
Die Tür zum Lehrerzimmer öffnete sich in letzter Sekunde und Hermine trat mit leicht geröteten Wangen und einem Blick, der viel zu unschuldig wirkte, ein. Pomona grinste ihr wissend zu, Poppy hob nur eine Augenbraue. Minerva jedoch saß am Kopfende des langen Tisches, vollkommen ruhig, die Hände gefaltet, der Blick auf die Pergamente vor ihr gerichtet. Nur wer sie gut kannte, hätte den winzigen Zug um ihre Mundwinkel erkannt, als Hermine Platz nahm. Noch bevor sie ihren Platz eingenommen hatte, erklang bereits Featherstones samtweiche, aber giftige Stimme:
„Ah, Miss Granger. Schön, dass Sie es noch rechtzeitig geschafft haben. Ich hatte schon befürchtet, dass…“
„Danke für Ihre Sorge, Professor,“ entgegnete Hermine ruhig und setzte sich. „Ich hätte es nicht ertragen, Sie schon wieder warten zu lassen.“
Ein leises Schmunzeln lief durch die Runde. Featherstone hob spöttisch die Augenbraue, doch bevor er kontern konnte, schnitt ihm Minerva das Wort ab.
„Schön, dass du es noch geschafft hast, Hermine“, sagte Minerva mit jener kühlen Präzision, die jedes Wort zu einer perfekt geschliffenen Klinge machte.
„Ich bitte um Verzeihung, Minerva. Mein Wecker hat mich im Stich gelassen.“
„Wie bedauerlich.“
Minerva blätterte in ihren Unterlagen.
„Ich empfehle, den Zauber Tempus Regulatus in Zukunft zu verwenden. Sehr zuverlässig.“
Ein leises Hüsteln von Poppy, das verdächtig nach unterdrücktem Lachen klang. Hermine spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg, aber sie erwiderte Minervas Blick mit einem kaum merklichen Lächeln, das nur für sie bestimmt war.
Minerva führte souverän durch die Themen, sprach über Unterrichtsaufteilungen, Sicherheitshinweise und die bevorstehende Schülerexkursion nach Hogsmeade. Doch immer wieder spürte sie Hermines Blick. Warm. Wachsam. Zärtlich.
Dann ergriff Pomona das Wort.
„Ich wollte euch die neuen Richtlinien für die Gewächshäuser vorstellen. Aufgrund der jüngsten Vorfälle mit den Schlingwurzel-Setzlingen hat der Schulrat beschlossen, dass…“
Hermine lehnte sich zurück, bemühte sich um Konzentration, doch ihr Blick glitt unwillkürlich nach rechts – zu Minerva. Sie saß aufrecht, die Hände ordentlich über ihren Unterlagen gefaltet, der Ausdruck makellos neutral. Nur der leise Glanz in ihren Augen verriet, dass sie sich über Hermines kleine Spitze gegen Featherstone mehr gefreut hatte, als sie zugeben wollte.
Während Pomona über magische Pflanzenschutzmaßnahmen sprach, ließ Hermine ihre Hand unter den Tisch sinken, kaum merklich, fast beiläufig, bis ihre Finger die Rückseite von Minervas Hand streiften, die in ihrem Schoß ruhte. Es war ein winziger, flüchtiger Kontakt, doch Minerva hielt für einen Moment den Atem an. Kein anderer im Raum bemerkte es. Nur ein leises Zucken in ihrer Hand und das kaum wahrnehmbare, schmale Lächeln, das sich in ihrem Blickwinkel zeigte. Dann räusperte sie sich schnell, als Pomona geendet hatte.
„Horace, du wolltest noch etwas sagen.“
„Ah, ja! Wie neulich erwähnt möchte ich mit dem 6. Jahrgang ein Experiment durchführen. Die Zutaten dafür konnten wir auftreiben und ich freue mich sehr, dass mich Hermine in ein paar Tagen wieder unterstützt! Die Schüler sind schon ganz aus dem Häuschen.“
Hermine lächelte.
„Ich hoffe, sie sind eher konzentriert als aus dem Häuschen, Horace.“
„Ach, das eine schließt das andere ja nicht aus!“, gluckste Slughorn. „Du bist jedenfalls eine Bereicherung für meinen Unterricht und für uns alle, nicht wahr, Minerva?“
Alle Blicke wandten sich zur Schulleiterin.
„Selbstverständlich“, sagte Minerva ruhig, die Hände wieder gefaltet. „Hermines Rückkehr in den Zaubertrankunterricht ist eine Bereicherung – in vielerlei Hinsicht.“
Featherstone schnaubte leise, aber Minerva ignorierte ihn.
Hermine spürte, wie unter dem Tisch etwas ihre Hand streifte. Ganz leicht, ganz kurz. Minervas Finger. Eine winzige Geste, die ihr mehr sagte als jedes gesprochene Wort.
„Wenn es sonst keine Anmerkungen gibt,“ sagte Minerva schließlich, „würde ich vorschlagen, dass wir nun alle unser Wochenende genießen.“
Ihre Stimme klang wie gewohnt sachlich, doch für Hermine war sie in diesem Moment Musik.
Die Kollegen standen auf und verließen das Lehrerzimmer. Featherstone war der Letzte, der sich erhob.
„Ein aufschlussreiches Treffen“, murmelte er und ließ den Blick noch einmal über den Tisch schweifen – zu lange auf Hermine verweilend. Dann sah er zu Minerva.
„Wie immer beeindruckend geleitet, Schulleiterin.“
„Wie immer überflüssig kommentiert“, murmelte Hermine gerade so laut, dass er es hören konnte.
Featherstone verzog den Mund zu einem Lächeln, das keiner erwiderte und verließ schließlich den Raum. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Hermine blieb sitzen, tat so, als müsste sie noch etwas in ihren Unterlagen nachsehen. Minerva saß neben ihr, die Haltung gerade, den Blick auf die noch dampfende Teetasse gerichtet, die sie während der gesamten Sitzung nicht angerührt hatte.
„Ich war brav, oder?“
Minerva warf ihr einen Blick zu, der gleichzeitig Tadel, Zärtlichkeit und Sehnsucht war.
„Relativ“, sagte sie leise.
„Dann habe ich mir also einen anständigen Kuss verdient.“
„Hast du, aber nicht hier.“
Hermine seufzte gespielt. Minerva atmete hörbar aus, lehnte sich leicht zurück, damit sie sie ansehen konnte.
„Du hast ein Talent, mich gleichzeitig stolz und wahnsinnig zu machen.“
„Das nehme ich als Kompliment.“
Hermine grinste, setzte sich auf die Tischkante direkt neben Minerva.
„Weißt du, ich hab das Gefühl, Featherstone hat sich von deinem Konter noch nicht ganz erholt.“
Minerva schnaubte leise.
„Wenn er Verstand hat, hält er sich künftig fern.“
„Das bezweifle ich.“
„Dann hat er bald Gelegenheit, seine Grenzen noch gründlicher kennenzulernen.“
Hermines Lächeln wurde weicher.
„Minerva?“
„Hm?“
„Ich weiß, dass du mich beschützen willst, aber du musst mir auch erlauben, dich zu schützen. Auf meine Weise.“
Minerva sah sie aufmerksam an.
„Indem du dich öffentlich mit einem anderen triffst?“
„Indem ich das Spiel mitspiele, bevor jemand anderes die Regeln schreibt.“
Hermine senkte die Stimme.
„Wenn ich mit Caleb in Hogsmeade gesehen werde, wird das Gerede in eine ganz andere Richtung gehen, bevor Featherstone überhaupt eine öffentliche Andeutung machen kann. Das verschafft uns Luft.“
Ein Moment Schweigen. Minerva wollte widersprechen, doch die Entschlossenheit in Hermines Blick brachte sie zum Verstummen. Schließlich nickte sie langsam.
„Ich mag deinen Plan trotzdem nicht.“
„Ich weiß.“
Minerva sah sie einen Augenblick lang an, dann glitt ein kaum sichtbares, weiches Lächeln über ihre Lippen.
„Aber ich vertraue dir.“
Hermine legte eine Hand auf Minervas Schulter.
„Das ist alles, was ich brauche.“
Für einen winzigen Moment ließ Minerva ihre Fassade sinken. Ihre Finger fanden Hermines, drückten sie fest, ehe sie die Hand wieder losließ, gerade rechtzeitig, bevor Poppy die Tür öffnete und hereinschaute.
„Ah, da seid ihr ja noch. Minerva, ich wollte nur kurz… oh.“
Sie grinste kaum merklich.
„Ich komme später wieder.“
Die Tür fiel zu und Hermine brach in leises Lachen aus.
„Ich glaube, Poppy hat alles gesehen.“
„Das beruhigt mich kein bisschen“, erwiderte Minerva trocken, erhob sich und sammelte ihre Unterlagen ein. „Aber du solltest dich jetzt wirklich fertig machen für dein… Treffen.“
Hermine stand auf, ihre Augen funkelten.
„Ich verspreche, ich benehme mich.“
Hermine rutschte vom Tisch und nahm ihre Sachen. Minerva stand noch immer neben dem Tisch, die Pergamente ordentlich gestapelt, doch ihre Hand ruhte auf dem obersten Blatt. Hermine hielt inne und beobachtete sie. Das leichte Stirnrunzeln, den winzigen, fast unmerklichen Zug um den Mund.
„Da ist doch noch was“, sagte sie leise.
Minerva hob den Blick, zu ruhig, zu beherrscht.
„Wie kommst du darauf?“
„Weil du nicht atmest, wenn du nachdenkst,“ antwortete Hermine mit einem kleinen Lächeln. „Und weil du dir ein unschuldiges Stück Pergament ansiehst, als wolltest du es verfluchen.“
Minerva seufzte kaum hörbar, legte die Hände auf den Tischrand und sagte schließlich:
„Ich habe nachgedacht und werde meinen geplanten Ausflug nach Hogsmeade absagen. Es ist ohnehin genug zu tun. Und—“
„Und du willst nicht in der Nähe sein, wenn ich mich mit Caleb treffe“, unterbrach Hermine ruhig.
Minerva schwieg einen Moment, dann gab sie leise zu: „Vielleicht.“
Hermine trat näher, schob sanft die Papiere beiseite und legte ihre Hände auf Minervas Taille.
„Minerva, es wird nicht besser, wenn du dich versteckst.“
Minerva wollte sich abwenden, doch Hermine hielt sie fest.
„Ich weiß, es ist nicht leicht. Du bist es gewohnt, die Kontrolle zu behalten, alles im Griff zu haben, aber das hier… wir… das funktioniert nicht, wenn du dich zurückziehst, sobald es unbequem wird.“
„Ich will dich einfach nicht sehen müssen… mit ihm“, sagte Minerva leise, ehrlich. „Selbst wenn ich weiß, dass es nur ein Vorwand ist.“
Hermine atmete tief aus, dann legte sie ihre Stirn an Minervas.
„Ich weiß. Ich mache das nicht, um dich zu verletzen. Ich mache das, damit wir irgendwann nicht mehr verstecken müssen, was wir sind.“
Ein kurzes Schweigen. Minerva schloss die Augen. Hermines Daumen strich über Minervas Handrücken, eine kleine, beruhigende Geste.
„Bleib nicht hier allein in deinem Büro,“ flüsterte Hermine.
„Triff dich mit Pomona und Poppy, trink ein Butterbier, amüsier dich, aber bleib nicht eingesperrt, nur weil du Angst davor hast, was du fühlen könntest.“
Minerva öffnete die Augen. Weich, aber mit diesem Rest Widerstand, der sie nie ganz verließ.
„Du redest, als wärst du diejenige, die mich erzieht.“
„Ich nenne es… gesunde Gegenpädagogik.“
Minerva musste lächeln, leise, widerwillig, aber echt.
„Du bist furchtbar.“
„Und du liebst mich dafür.“
Minerva zog sie kurz an sich, ein flüchtiger, inniger Moment, bevor sie sich wieder lösten.
„Also gut,“ murmelte sie schließlich.
Hermine küsste sie zärtlich, fast neckisch, und trat noch einen Schritt näher.
„Noch einen“, flüsterte Hermine und ließ sich von Minerva küssen.
Diesmal zärtlicher, länger und auf einmal stürmisch. Hermines Griff um Minervas Taille wurde fester und sie drängte ihre Liebste gegen den Tisch, berührte ihre Wange und ließ ihre Hand an ihrem Körper entlang gleiten. Als sie sich lösten kicherte Hermine.
„Wenn du mich so küsst, überlege ich mir das mit dem Treffen nochmal.“
Minerva lächelte verlegen.
„Wobei, jetzt habe ich etwas, worauf ich mich heute Abend freuen kann.“
„Jetzt aber raus hier, bevor uns wirklich noch jemand erwischt. Dann kannst du deinen Plan nämlich vergessen.“
Hermine nickte, schenkte ihr noch ein Lächeln und ging. Die Schulleiterin ließ sich noch einmal auf ihrem Stuhl nieder.
„Hoffentlich geht das gut“, murmelte sie.