Ein Tag für uns
Ein Tag für uns
Hallo meine Lieben,
die lange Wartezeit tut mir sehr leid. Dafür ist dieses Kapitel ein bisschen eskaliert und etwas länger geworden. Nach dem ganzen Chaos finde ich ein wenig Romantik ganz passend, bevor sich da wieder ein gewisser Jemand einmischt ;) Hoffentlich gefällt euch das neue Kapitel :D Über eine Review freue ich mich sehr :) Viel Spaß beim Lesen.
LG, M.
Eine ganze Weile später lagen sie wieder in den Armen der jeweils anderen, erschöpft, aber ruhig, eingehüllt in das Nachglühen ihrer Zweisamkeit. Das Licht, das durch die Vorhänge fiel, war weich und warm und irgendwo in der Ferne hörte man das leise Ticken einer alten Uhr. Hermine strich mit den Fingerspitzen über Minervas Schulter, folgte gedankenverloren den feinen Linien ihrer Haut.
„Ich wusste nicht, dass man sich so fühlen kann,“ flüsterte sie.
Minerva lächelte kaum merklich.
„Wie fühlst du dich denn?“
„Leicht. Frei. Und… angekommen.“
Minerva öffnete die Augen und sah sie an. „Du hast eine Art, Dinge zu sagen, die einem unter die Haut gehen.“
„Und du hast eine Art, mich dazu zu bringen, Dinge zu fühlen, die ich nicht mal in meinen Träumen gefunden habe.“
Ein leises Lachen löste die Spannung zwischen ihnen, vertraut und zärtlich.
„Du bist wirklich unmöglich,“ murmelte Minerva, aber ihre Stimme war weich, fast liebevoll.
„Vielleicht, aber ich glaube, du brauchst jemanden, der dich manchmal daran erinnert, wie schön es ist, einfach nur zu leben,“ antwortete Hermine leise.
Minerva schwieg, zog sie dichter an sich und legte das Kinn an Hermines Haar.
„Du bist gefährlich“, sagte sie schließlich. „Du machst mich schwach.“
„Dann sind wir quitt,“ murmelte Hermine, „denn du bringst mich völlig um den Verstand.“
Sie blieben still, bis Hermines Atem wieder ruhig wurde und Minerva ihre Finger durch die Locken der Jüngeren gleiten ließ. Draußen färbte sich der Himmel immer heller, doch in diesem Raum gab es nur sie — zwei Frauen, die einander mehr als alles andere liebten, gegen jede Vernunft und doch war es genau das, was sie beide brauchten.
Langsam drang das Licht des späten Vormittags stärker durch die Vorhänge und der gemütliche Dunst aus Wärme, Nähe und weichem Laken wich allmählich der Realität. Hermine lag halb auf Minerva, die träge mit den Fingern durch ihr Haar fuhr. Ihre Lippen berührten sich immer wieder flüchtig.
„Wie spät ist es eigentlich?“ murmelte Hermine schließlich.
Minerva blinzelte träge zum Fenster.
„Zu spät, um so unschuldig im Bett zu liegen und zu früh, um es als Mittagspause zu rechtfertigen.“
Hermine grinste.
„Ich schätze, das bedeutet, du musst dich gleich wieder in eine respektable Schulleiterin verwandeln?“
„Leider ja. Ich sollte mich zeigen. Wenn ich nicht zum Mittagessen erscheine, wird sicher jemand nachsehen, ob ich noch lebe.“
Hermine lachte leise und legte das Kinn auf Minervas Brust.
„Und wenn sie dich so vorfinden, wäre das ein ziemlicher Skandal.“
„So könnte man das ausdrücken.“
Hermine tat gespielt nachdenklich.
„Nun, theoretisch könnte ich einfach warten, bis alle beim Essen sind und mich dann unauffällig davonstehlen.“
„Theoretisch?“ fragte Minerva mit diesem gefährlichen Unterton, den Hermine nur allzu gut kannte.
„Mhm,“ machte Hermine und lächelte schelmisch. „Praktisch bleibe ich noch und wir beide sehen, was passiert.“
„Du bist unmöglich.“
„Sag das ruhig noch ein paarmal, ich fang an, es als Kosenamen zu mögen.“
Minerva richtete sich halb auf, griff nach ihrem Zauberstab und murmelte einen Reinigungszauber. Ein leichter Duft von Rosen breitete sich im Raum aus.
„So. Ich muss mich anziehen.“
„Oh, das ist schade“, sagte Hermine, sich auf die Seite drehend. „Ich hatte gerade so eine schöne Aussicht.“
„Miss Granger!“
„Ja, Professor?“ Hermine grinste unschuldig.
Minerva schüttelte den Kopf, versuchte streng zu wirken, doch das Lächeln in ihren Augen verriet sie. Hermine setzte sich auf die Bettkante.
„Also schön, ich warte und verdrücke mich, wenn die Schüler beim Essen sind.“
Sie beugte sich vor und ließ sich von Minerva einen sanften Kuss geben.
„Ich muss wirklich gehen. Wir sehen uns später.“
Minerva hatte gerade die Hand schon auf der Türklinke, als Hermines Stimme sie aufhielt.
„Moment mal“, sagte Hermine leise, aber bestimmt. „Was war das denn bitte für ein Kuss?“
Minerva drehte sich um, die Augenbrauen leicht angehoben.
„Wie bitte?“
„Das war kein richtiger Abschiedskuss“, erwiderte Hermine, stand auf, trat barfuß über den Teppich und blieb direkt vor ihr stehen. Ein schelmisches Lächeln huschte über ihre Lippen. „So entlässt man seine Geliebte nicht in den Tag.“
„Ah, das ist also jetzt ein Ritual?“, fragte Minerva trocken, doch ehe sie eine Antwort bekam, hatte Hermine sie schon bei der Robe gepackt, an sich gezogen und ihre Lippen auf die ihren gedrückt.
Der Kuss war heiß, tief, fordernd – nichts Angekündigtes, nichts Geplantes. Minerva spürte, wie der Boden für einen Moment zu schwinden schien, wie Hermines Hände sich in ihrem Nacken vergruben. Als sich ihre Lippen schließlich wieder trennten, brauchte sie einen Atemzug, um wieder sprechen zu können. Hermine grinste sie an.
„Das war doch viel besser oder?“
„Oh ja“, brachte Minerva heiser hervor.
Dann fasste sie sich, zog mit einem leisen Seufzen ihre Robe zurecht.
„Aber wenn du das jedes Mal so handhabst, komm ich nie rechtzeitig zu meinen Pflichten.“
„Beschwer dich nicht“, flüsterte Hermine.
Minerva lächelte, diesmal sanfter.
„Ich geh jetzt wirklich. Ich esse in der großen Halle und ich lasse dir etwas bringen. Du musst ja schließlich Kraft tanken, nach so… fordernder Gesellschaft.“
„Ich darf bleiben?“
„Ich sehe nichts, was dagegenspricht.“
Hermine lächelte.
„Und du willst eine Hauselfe herschicken?“ fragte Hermine, plötzlich wieder etwas ernster. „Ist das nicht riskant? Wenn sie mich sieht?“
Minerva schüttelte den Kopf.
„Nein. Hauselfen sind verschwiegen. Es liegt in ihrer Natur. Sie tun, was man ihnen aufträgt. Diskret.“
„Du vertraust ihnen also?“
„Mit meinem Leben“, sagte Minerva schlicht. „Und mit meinem Ruf – offenbar.“
Hermine lachte leise, legte die Stirn kurz an Minervas Schulter.
„Dann vertraue ich dir.“
Minerva streichelte noch einmal liebevoll über Hermines Wange.
„Also, meine Liebe – jetzt wirklich. Mittagessen.“
Hermine sah sie an, mit diesem Ausdruck, der irgendwo zwischen Zärtlichkeit und schelmischer Herausforderung lag.
„Na gut. Geh schon.“
Minerva beugte sich noch einmal vor, um Hermine einen letzten, leisen Kuss auf die Stirn zu geben.
„Bis später, Liebling.“
Sie verließ den Raum mit der Anmut einer Frau, die sich ihre Haltung zurückerobert hatte.
Minerva trat mit der gewohnten Haltung in die Große Halle – aufrecht, würdevoll, scheinbar unerschütterlich. Der Saal war erfüllt vom Gemurmel der Schüler.
Kaum hatte sie den Lehrertisch erreicht, spürte sie die Blicke zweier Kolleginnen. Poppy und Pomona unterhielten sich scheinbar beiläufig, doch ihre Augen folgten Minerva aufmerksam, während sie sich setzte.
Pomona füllte ihren Teller, während Poppy sich mit kaum verhohlener Neugier vorbeugte. Als Minerva gerade zum Wasserkrug griff, beugte sich Poppy leicht zu ihr hinüber.
„Woher kommen denn die geröteten Wangen und dieser still zufriedene Blick?“, flüsterte sie mit einem vielsagenden Schmunzeln.
Minerva hielt in der Bewegung inne. Sie drehte den Kopf nur minimal, um Poppy anzusehen – mit dem typischen, gefährlich kühlen Ausdruck, der Schülern und Lehrern gleichermaßen Respekt einflößte.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst, Poppy“, erwiderte sie ruhig.
Pomona unterdrückte ein Grinsen und beugte sich leicht vor.
„Ach komm schon, Minerva. Du siehst aus, als hättest du dich richtig gut… erholt.“
„Das nennt man einen gesunden Teint und ein zufriedenes Gewissen“, entgegnete Minerva trocken, goss sich Wasser ein und nahm einen Schluck.
Poppy hob eine Augenbraue.
„Ein zufriedenes Gewissen also. Und keine Müdigkeit, keine Kopfschmerzen, keine… nachgeholten Aktivitäten, die zu solchem Glühen führen?“
Minerva senkte den Blick auf ihr Glas, nahm einen weiteren Schluck und sagte kühl: „Ich weiß nicht, was dich meine Aktivitäten angehen. Außerdem hatte ich den Vormittag einiges zu tun.“
„So nennt man das heutzutage“, murmelte Pomona halblaut und Poppy musste sich ein Lachen verkneifen.
Minerva stellte das Glas ab und sah die beiden Hexen scharf an.
„Ich würde euch beiden raten, eure Nasen nicht in meine Angelegenheiten zu stecken. Ihr solltet lieber das Mittagessen genießen.“
Ein kurzer Moment der Stille – dann Poppys schiefes, vertrautes Lächeln.
„Natürlich, Minerva. Kein Wort mehr.“
„Wie beruhigend“, murmelte Minerva, nahm sich etwas Gemüse und tat ihr Möglichstes, um den verräterischen Anflug eines Lächelns zu unterdrücken, der sich an ihre Lippen schlich.
Pomona beugte sich nun zu Poppy.
„Gesunder Teint, wers glaubt. Da wurde ein Feuer entfacht.“
Poppy nickte kaum merklich.
„Wenn man bedenkt, wer heute angeblich das Schloss verlassen hat…“
Minerva hob die Augenbrauen, ohne aufzusehen.
„Ich höre alles, meine Damen.“
Beide Kolleginnen grinsten schuldbewusst und verstummten augenblicklich. Poppy wartete, bis Pomona sich wieder ihrem Essen widmete und sich ein paar Schüler laut lachend über ihre Teller beugten. Dann lehnte sie sich unauffällig näher zu Minerva, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Also…“, begann sie mit dieser vorsichtigen Sanftheit, die sie sich für Patienten und heikle Gespräche aufhob, „zwischen dir und Hermine… ist alles wieder gut?“
Minerva hob langsam den Blick von ihrem Teller. Für einen Moment sagte sie nichts, ließ Poppy einfach in diese grünen Augen schauen, in denen immer ein Rest von Vorsicht, aber heute auch ein seltener Friede lag. Dann lächelte sie leicht, ehrlich, fast verlegen.
„Ja“, antwortete sie leise. „Es ist alles wieder gut.“
Poppy sah sie prüfend an, dann schmunzelte sie kaum merklich.
„Ich hab’s mir fast gedacht. Du wirkst… ausgeglichener.“
Minerva atmete leise aus, als müsse sie zugeben, dass das stimmte.
„Ich war dumm und kindisch“, sagte sie schließlich, mit einem Anflug von Selbstironie. „Ich hab mich zu sehr von meiner Eifersucht leiten lassen. Dabei…“, sie machte eine kurze Pause, als müsse sie die richtigen Worte finden, „…auch ich bin nur ein Mensch.“
Poppy nickte verständnisvoll.
„Das habe ich nie bezweifelt. Nur manchmal vergisst du, dass du einer bist.“
Ein winziges Lächeln zog über Minervas Lippen, während sie sich wieder zurücklehnte.
„Das liegt vermutlich an dem Image, das man sich als Schulleiterin besser nicht zerstören sollte.“
„Hm“, machte Poppy und nahm einen Schluck Tee. „Ich denke, ein bisschen Menschlichkeit steht dir ausgezeichnet. Vielleicht solltest du sie öfter zeigen. Besonders Hermine gegenüber.“
Minerva senkte leicht den Blick, doch das Lächeln wich nicht mehr. Für einen Moment saßen sie einfach still nebeneinander. Das Stimmengewirr der Halle, das Klirren von Geschirr – all das rückte in den Hintergrund. Minerva fühlte sich leichter, beinahe… jugendlich. Dann räusperte sie sich und richtete sich wieder ein wenig auf.
„Genug davon. Ich darf nicht vergessen, wie sich die strenge Schulleiterin zu verhalten hat.“
Poppy lachte leise. Die Geräuschkulisse in der Großen Halle wurde dichter, je mehr Lehrkräfte und Schüler eintrafen. Das Klirren von Besteck mischte sich mit lebhaften Gesprächen und Minerva sah auf, als die schwere Tür am Eingang aufschwang. Featherstone trat ein, mit dieser selbstzufriedenen Haltung, die Minerva instinktiv die Nackenhaare aufstellte. Sein Blick glitt prüfend durch die Halle, blieb kurz bei ihr hängen, dann suchte er demonstrativ den freien Platz neben Pomona auf. Kaum hatte er sich gesetzt, öffnete sich auch schon sein Mund.
„Merkwürdig, findest du nicht?“, begann er beiläufig, aber sein Tonfall verriet deutlich, dass er genau wusste, worauf er hinauswollte. „Die junge Miss Granger scheint sich ja eine großzügige Auszeit zu gönnen.“
Minerva legte das Messer ab und hob langsam den Blick.
„Es steht jedem Kollegen frei das Wochenende nach ihren oder seinen Vorstellungen zu gestalten. Hermine braucht keine Erlaubnis.“
„Ah, natürlich“, erwiderte Featherstone, mit einem spitzen Lächeln, das mehr Überheblichkeit als Verständnis ausdrückte. „Ich vergaß, dass besondere Kolleginnen offenbar besondere Freiheiten genießen.“
Pomona seufzte kaum hörbar. Filius Flitwick, der gerade seinen Platz eingenommen hatte, blickte über den Tischrand hinweg zu Featherstone.
„Ich denke, du täuscht dich, lieber Kollege“, sagte er ruhig, aber bestimmt. „Hermine arbeitet härter als die meisten hier im Schloss. Wenn sie sich also mal einen Tag nimmt, dann hat sie ihn sicher verdient.“
Featherstone zuckte die Schultern, nahm sich etwas zu essen und sprach mit gespielter Nachlässigkeit:
„Ich wollte ja nichts unterstellen. Nur auffällig, dass jemand, der sonst so unermüdlich ist, plötzlich ganz verschwindet. Und das ohne, dass jemand so recht weiß, wohin.“
„Das nennt man Privatsphäre,“ entgegnete Pomona spitz.
Minerva musste sich sichtbar beherrschen, um ihr Lächeln zu verbergen. Featherstone lehnte sich zurück, sichtlich getroffen, aber noch nicht geschlagen.
„Nun, ich dachte nur, Transparenz wäre ein Wert, den wir als Lehrende hochhalten sollten. Besonders, wenn jemand so viel Einfluss auf Schüler und… gewisse Entscheidungen innerhalb des Kollegiums hat.“
Die Spannung war spürbar. Minerva hob ruhig den Kopf, ihr Blick schneidend.
„Edmund“, sagte sie leise, aber in einem Ton, der keine Widerrede zuließ, „ich erinnere dich daran, dass Hermine in jeder Hinsicht vorbildlich arbeitet und dass persönliche Andeutungen über Kolleginnen oder deren Lebenswandel in diesem Schloss keinen Platz haben.“
Einen Moment lang war es still. Featherstone wich ihrem Blick aus, tat, als interessiere ihn plötzlich sein Teller.
„Natürlich, Minerva. Ich wollte niemandem zu nahe treten.“
„Das hoffe ich“, entgegnete Minerva kühl, dann wandte sie sich wieder ihrem Teller zu.
Filius warf ihr einen kleinen, anerkennenden Blick zu, Pomona grinste still in ihre Tasse und Poppy vermied ebenfalls jeglichen Blickkontakt zu ihrer Freundin.
Das Mittagessen neigte sich dem Ende zu. Die Gespräche an den Tischen wurden leiser und die Schüler verließen nach und nach die Halle. Am Lehrertisch blieb eine kleine Gruppe zurück – Pomona, Poppy, Filius und Edmund, der sich betont gelassen eine zweite Tasse Kaffee einschenkte. Minerva erhob sich und verließ nach einer höflichen Verabschiedung die Halle durch eine Seitentür. Kaum war diese hinter ihr geschlossen, nutzte Featherstone die Gelegenheit.
„Ich muss sagen, sie wirkt erstaunlich… milde in letzter Zeit“, begann er beiläufig und sah dabei in seine Tasse. „Weniger strenge Blicke, mehr Nachsicht. Fast so, als würde jemand ihr… Privatleben bereichern.“
Pomona legte ihr Besteck mit einem metallischen Klingen auf den Teller.
„Sag doch gleich, was du meinst, anstatt drum herumzuschleichen.“
„Ich meine gar nichts“, erwiderte er mit unschuldigem Lächeln. „Ich stelle nur fest. Miss Granger fehlt heute und Minerva McGonagall strahlt wie nach einer gelungenen Verwandlung. Da darf man ja wohl mal nachdenken.“
Poppy verschränkte die Arme.
„Nachdenken, ja, aber vielleicht nicht laut und schon gar nicht so giftig.“
Featherstone lehnte sich zurück, genoss sichtlich die Reaktionen.
„Ich verstehe ja, dass ihr beide loyal seid, aber ihr müsst zugeben, Miss Granger hat ein gewisses Talent, sich beliebt zu machen. Und unsere Schulleiterin scheint ihr besonders zugetan.“
„Ich würde das gegenseitigen Respekt nennen“, meinte Filius.
„Respekt, natürlich“, spottete Featherstone leise. „Und wenn sich aus Respekt etwas… Herzlicheres entwickelt? Wäre das eurer Meinung nach kein Problem?“
Nun hob auch Irina, die bisher nur still zugehört hatte, ihren Kopf.
„Ich frage mich, was diese ganze Diskussion überhaupt soll. Hermine sagte heute Morgen, dass sie ihren Freund treffen würde. Ich nehme an, dass die beiden nach der langen Zeit einiges zu bereden haben. Und was Minerva betrifft, sie ist gut gelaunt und milde gestimmt, na und? Damit leben wir doch alle leichter.“
„Trotzdem wird es einen Grund dafür geben“, meinte Edmund und lehnte sich ein wenig vor.
„Vermutlich geht ihr das Ministerium mal ein paar Tage nicht auf die Nerven“, erwiderte Pomona.
„Ich weiß ja nicht. Das klingt nicht nach der eisernen Schulleiterin.“
„Manchmal sollte man weniger spekulieren und sich auf sich selbst konzentrieren“, sagte Irina mit einem abschließenden Ton.
Featherstone erwiderte ihren Blick, doch sein selbstzufriedenes Lächeln war merklich schmaler geworden.
„Ich beobachte nur,“ sagte er schließlich. „Das ist alles.“
„Hast du schon einmal über eine Brille nachgedacht?“, entgegnete Poppy trocken. „Was du sehen willst, hat mit der Realität nicht viel zu tun.“
Ein kurzer Moment des Schweigens folgte. Dann erhob sich Poppy und sagte beiläufig: „Wenn ihr mich entschuldigt, ich habe noch jemanden, der auf mich zählt.“
Auch Pomona verabschiedete sich und verließ kurz nach Poppy die große Halle. Filius nickte Featherstone nur kurz zu und huschte ebenfalls davon.
„Na, wir werden ja sehen“, murmelte Featherstone halblaut, „wer hier wirklich wen beeinflusst.“
Sein Blick wanderte kurz zur Tür, durch die Minerva verschwunden war. Dann lehnte er sich zurück, ein Schatten von Berechnung in seinen Augen.
Minerva öffnete die Tür zu ihrer Wohnung und blieb einen Moment im Türrahmen stehen. Der Duft von frisch zubereitetem Essen stieg ihr entgegen, warm und beruhigend. Auf dem Sofa saß Hermine, in Minervas weichen Morgenmantel gehüllt, die Beine lässig übereinandergeschlagen. Vor ihr stand ein kleines Tablett mit dampfendem Mittagessen.
Minervas Herz wurde warm. Alle berufliche Vorsicht, alle Strenge des Tages war auf einmal verschwunden. Hermine kaute gerade genüsslich auf einem Stück Brot, blickte dann über die Schulter, als hätte sie gespürt, dass Minerva sie beobachtete.
„Na, wer beobachtet mich da so aufmerksam?“, fragte Hermine mit einem leisen, verführerischen Lächeln, das Minerva unwillkürlich tiefer in die Brust fuhr.
„Die strenge Schulleiterin selbstverständlich. Ich muss doch sichergehen, dass meine Referendarin vernünftig isst.“
Hermine lachte leise, ein Klang, der warm und verspielt zugleich war.
„Wie aufmerksam von dir“, antwortete Hermine lächelnd.
„Es ist schön zu wissen, dass die Schulleiterin sich um mein Wohl sorgt.“
Sie lehnte sich leicht zurück, ließ ihren Blick bewusst über Minerva wandern und legte das Tablett ein Stück zur Seite. „Vielleicht solltest du dich hier zu mir setzen. Ich hab genug Platz und Gesellschaft kann ja nicht schaden.“
Minerva spürte, wie sich ihre Schultern entspannten. Sie trat näher, zögerte einen Moment und ließ sich schließlich neben Hermine auf das Sofa sinken. Sofort zog Hermine sie ein Stück näher, legte den Arm um ihre Taille und schmiegte sich leicht an sie.
„Na, das sieht mir nach einem sehr angenehmen Mittag aus“, murmelte Hermine, ein schelmisches Funkeln in den Augen.
Minerva atmete tief durch, betrachtete sie und fühlte, wie ihr Herz gleichzeitig ruhiger und schneller schlug.
„Das könnte man so sagen…“
Hermine lehnte den Kopf leicht zurück, beobachtete Minerva mit diesem verführerischen, leicht spitzbübischen Ausdruck.
„Weißt du“, flüsterte sie, „ich könnte mich daran gewöhnen.“
Minerva musste kurz lachen, zog Hermine noch etwas näher an sich und flüsterte zurück:
„Dann sollten wir wohl dafür sorgen, dass es öfter vorkommt.“
Hermine grinste, legte ihr Gesicht nah an Minervas.
„Oh, das glaube ich auch…“
Hermine beugte sich vor und küsste Minerva sanft auf die Lippen. Sie sahen einander mit einer tiefen Zärtlichkeit an, die deutlich machte, dass dieser Moment nur ihnen gehörte.
„Jetzt aber Schluss mit den schmachtenden Blicken. Du solltest noch etwas essen“, meinte Minerva.
„Jawoll Professor“, antwortete Hermine und salutierte gehorsam.
Minerva verdrehte die Augen und Hermine kicherte. Sie nahm das Tablett wieder und aß noch ein wenig. Dann stellte sie es wieder zur Seite und schmiegte sich eng an Minerva. Nun war es Minerva, die diesmal den Kuss suchte. Zuerst flüchtig, dann länger, wärmer, bis sich alles um sie herum vergessen anfühlte. Als Minerva den Kuss löste und ihren Arm fester um Hermine legte, bemerkte sie, dass Minerva abwesend wirkte. Ihr Blick war auf einen unbestimmten Punkt gerichtet, ihre Hand ruhte noch immer an Hermines Taille, doch die sonst so präsente Energie in ihren Augen schien sich für einen Moment nach innen zu richten.
„Hey“, sagte Hermine sanft und legte den Kopf leicht schief, „wo bist du gerade?“
Minerva blinzelte, als hätte sie sich aus einem Gedankengespinst gelöst und schüttelte leicht den Kopf.
„Verzeih… ich war nur…“
„…abgelenkt?“, hakte Hermine leise nach, ein wissendes Lächeln auf den Lippen.
Minerva seufzte, lächelte zurück, aber ihr Blick blieb nachdenklich.
„Ich glaube, ich muss einfach aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr… verliere.“
Hermine runzelte leicht die Stirn, doch in ihren Augen lag Wärme. Sie lehnte sich vor, strich mit den Fingern über Minervas Wange.
„Du darfst dich ruhig ein bisschen verlieren, weißt du? Ich finde dich immer wieder.“
Minerva lächelte weich, fast zaghaft und beugte sich vor, um Hermine noch einmal zu küssen. Hermine drehte sich nun ganz zu Minerva und betrachtete sie aufmerksam. Ihr Blick war sanft, aber eindringlich.
„Also, Minerva… jetzt sag’s ehrlich. Was geht dir gerade durch den Kopf?“
Minerva wich ihrem Blick einen Moment lang aus. Sie strich gedankenverloren über Hermines Hand, als würde sie die richtigen Worte darin suchen.
„Ach, es ist nichts von Bedeutung“, begann sie leise.
„Das sagst du nur, wenn es sehr wohl etwas von Bedeutung ist“, konterte Hermine ruhig, doch mit einem Schmunzeln. „Los, raus damit.“
Minerva atmete tief durch, ihr Blick glitt kurz zum Fenster, wo das Licht des frühen Nachmittags matt auf den Stein fiel. Dann seufzte sie leise.
„Featherstone.“
Hermine hob eine Augenbraue.
„Schon wieder?“
„Er konnte sich beim Mittagessen wieder nicht verkneifen, ein paar spitze Bemerkungen zu machen“, erklärte Minerva, die Stimme ruhig, aber mit einem kaum wahrnehmbaren Anflug von Ärger. „Er meinte in seinem üblichen Tonfall, dass ‚die junge Miss Granger offenbar wieder nicht im Schloss ist‘ und ließ dabei keinen Zweifel daran, dass er es… auf eine bestimmte Weise meinte.“
Hermine verdrehte die Augen.
„Natürlich.“
Minerva nickte.
„Es war nichts Offenes, nichts, was man ihm vorwerfen könnte. Nur dieser Unterton, dieses subtile Gift, das in den richtigen Ohren Wurzeln schlägt.“
Hermine schüttelte den Kopf, eine Spur Zorn in der Stimme.
„Er hat also wieder versucht, Gerüchte zu befeuern.“
Minerva sah sie ernst an.
„Er mag es, Grenzen auszutesten und ich muss zugeben… ich war kurz davor, mehr preiszugeben, als ich sollte und etwas zu sagen, das mir später sicher leidgetan hätte.“
„Ach, ich hätte es zu gern gehört“, meinte Hermine und grinste schelmisch.
Minerva hob eine Augenbraue.
„Oh, ich bezweifle, dass es in Gegenwart von Schülern angemessen gewesen wäre.“
„Umso mehr Grund, es zu hören“, lachte Hermine leise, dann wurde sie wieder etwas ernster. „Aber es ärgert dich trotzdem, nicht wahr?“
Minerva zögerte.
„Ja. Weil ich weiß, dass wir uns solche Gerüchte im Moment nicht leisten können. Und gleichzeitig würde ich am liebsten jedem sagen, dass du zu mir gehörst.“
Hermine sah sie an, bewegt und ihre Hand legte sich fester in Minervas.
„Es reicht, wenn du es mir sagst“, flüsterte sie.
Minerva lächelte. Hermine rückte näher, ihre Stirn an Minervas lehnend.
„Featherstone kann reden, so viel er will. Im Moment kann uns niemand etwas.“
Minerva nickte langsam.
„Du hast recht. Und ich sollte mich nicht von ihm aus der Ruhe bringen lassen.“
„Stimmt, das ist meine Aufgabe“, meinte Hermine mit einem verschmitzten Funkeln.
Minerva schüttelte den Kopf, konnte sich das Lächeln aber nicht verkneifen.
„Du bist unmöglich.“
„Ha! Mein Kosename“, grinste Hermine.
Minerva verdrehte die Augen und seufzte ergeben.
Hermine küsste sie sanft, bevor sie sich wieder zurücklehnte und murmelte: „Also, was machen wir mit Featherstone?“
Minerva ließ Hermines Hand nicht los, doch ihr Blick wurde wieder etwas ernster.
„Nichts. So schön es auch wäre, Edmund einmal in aller Öffentlichkeit Paroli zu bieten“, sagte sie leise, „aber das wäre der falsche Weg.“
Hermine hob fragend eine Braue.
„Falsch? Ich finde, es wäre längst überfällig.“
„Vielleicht“, gab Minerva zu. „Aber genau das erwartet er. Wenn wir auf seine Sticheleien reagieren, nährt das nur seine Neugier und er liebt nichts mehr, als zu spüren, dass er jemanden getroffen hat.“
Hermine lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und seufzte.
„Also Schweigen statt Schlagabtausch.“
„Im Moment ja“, antwortete Minerva ruhig. „Die Geschichte mit deinem angeblichen Freund kursiert ohnehin gerade erst. Solange die Gerüchte sich darauf konzentrieren, ist niemand versucht, etwas anderes zu vermuten.“
Hermine lehnte sich lachend an Minerva.
„Oh, du bist unglaublich. Die furchtlose Schulleiterin – Meisterin strategischer Romantik.“
„Ich bin schlicht vorsichtig“, entgegnete Minerva, obwohl ein warmes Lächeln ihre Lippen umspielte. „Edmund ist nicht dumm. Wenn er das Gefühl bekommt, dass wir etwas verbergen, wird er sich festbeißen.“
Hermine nickte, ihr Lächeln wurde weicher. „Ich weiß, aber manchmal fällt es schwer, dich nicht einfach anzusehen, wenn du in der Nähe bist.“
Minerva sah sie an und in ihrem Blick lag so viel Zuneigung.
„Dann wirst du dich wohl noch ein wenig in Geduld üben müssen“, flüsterte Minerva.
„Für dich immer“, antwortete Hermine sanft, beugte sich vor und küsste sie kurz.
Ohne ein weiteres Wort kuschelte sich Hermine an ihre Seite, legte den Kopf an Minervas Schulter und schloss für einen Moment die Augen. Sie genoss die Wärme, die von Minerva ausging, das leise Pochen ihres Herzschlags und den vertrauten Duft.
Minervas Hand glitt langsam durch Hermines Haare, die Berührung war sanft, fast nachdenklich. Nach einer Weile flüsterte sie:
„Bist du glücklich, Hermine?“
Hermine hob leicht den Kopf, sah Minerva mit einem weichen, fast erstaunten Lächeln an Sie beugte sich vor, gab Minerva einen sanften Kuss und sah tief in ihre Augen.
„Ja“, sagte sie leise. „Ja, ich bin glücklich.“
Ein zufriedenes, kaum wahrnehmbares Lächeln zeigte sich auf Minervas Gesicht und sie strich Hermine über die Wange.
„Das ist alles, was ich hören wollte.“
Hermine lächelte und ihre Stimme klang heiter, als sie weitersprach:
„Und weißt du, was mich zusätzlich glücklich macht?“
„Hm?“
„Nur noch eine Woche“, sagte Hermine mit einem aufgeregten Glanz in den Augen. „Dann bin ich wieder bei Slughorn.“
Minerva legte den Kopf leicht schief, ihr Blick liebevoll, aber mit einem kleinen Funken von Stolz.
„Das wird dir guttun. Du bist eine hervorragende Lehrerin, Hermine. Und Horace weiß das. Er wäre töricht, dich nicht einzusetzen.“
Hermine lächelte in sich hinein.
„Ich freue mich einfach, wieder ein Stück Alltag zurückzubekommen. Zu unterrichten hat etwas Lebendiges. Direkt, echt und manchmal chaotisch“, sie lachte leise. „Aber ich vermisse es schon die ganze Zeit.“
Minerva nickte, ihr Blick nachdenklich, aber warm.
„Ich weiß genau, was du meinst und ich freue mich sehr für dich.“
Für eine Weile saßen sie still nebeneinander, nur das leise Ticken der Kaminuhr war zu hören. Hermine lächelte, ihre Finger zeichneten gedankenverloren kleine Kreise auf Minervas Handrücken. Langsam zog Minerva ihren Arm zurück und Hermine sah sie an. Minerva hatte sich gerade erhoben, die Robe glattgestrichen und den Blick in Richtung Schreibtisch gewandt, als eine Hand sanft ihr Handgelenk umfasste.
„Du willst doch nicht wirklich gehen oder?“ Hermines Stimme war weich, fast flüsternd, aber mit einem Unterton, der jeden Widerstand untergrub.
Minerva hielt inne, drehte sich halb zu ihr um.
„Ich sollte noch ein paar Berichte durchsehen… die Schulkommission erwartet—“
„—dass du dich völlig überarbeitest“, fiel Hermine leise ein, ohne ihren Griff zu lösen. Sie zog Minerva behutsam näher zu sich, ein verspieltes Lächeln auf den Lippen. „Ich finde, sie könnten auch einmal ein wenig länger warten.“
„Das mag sein“, erwiderte Minerva, bemüht um Fassung, „aber das Schloss läuft nicht von allein.“
„Oh, das glaube ich schon“, flüsterte Hermine und trat einen halben Schritt näher. „Ich habe gehört, es gibt hier eine sehr fähige Schulleiterin… aber die darf auch mal abschalten.“
Minerva atmete tief durch, ein kaum merklicher Kampf zwischen Vernunft und Verlangen spiegelte sich in ihrem Blick.
„Du bist unverbesserlich, Hermine.“
„Das sagst du immer dann, wenn du dich schon entschieden hast, nachzugeben“, neckte Hermine mit einem glitzernden Funkeln in den Augen.
Sie streckte die Hand aus, strich den Saum von Minervas Ärmel glatt, als wäre es eine beiläufige Geste, doch die Art, wie sie es tat, ließ keine Zweifel. Ihre Fingerspitzen verweilten einen Moment zu lang, ihr Blick blieb an Minervas Lippen hängen.
„Du machst es einem aber auch schwer, konzentriert zu bleiben“, murmelte Minerva schließlich.
„Dann bleib doch einfach hier“, flüsterte Hermine. „Nur ein bisschen. Ich verspreche, dich nicht allzu sehr abzulenken.“
„Eine glatte Lüge“, sagte Minerva, aber ein leises Lächeln verriet, dass sie den Kampf längst verloren hatte.
Hermine trat noch näher.
„Vielleicht“, flüsterte sie, „aber es wäre eine besonders schöne.“
Für einen Moment herrschte Stille. Dann kam ein sachter Seufzer über ihre Lippen.
„Du bist gefährlich“, murmelte sie, während Hermine die Hand an ihre Wange legte.
„Ich nenne es überzeugend“, erwiderte Hermine, lächelnd und schloss den winzigen Abstand zwischen ihnen.
„Überzeugend, ja?“
„Oh ja.“
Hermine trat näher an Minerva heran und strich sanft über ihre Wange.
„Hermine bitte… Ich muss wirklich noch arbeiten.“
„Du hast morgen noch genug Zeit, um zu arbeiten. Jetzt gehörst du mir.“
Bevor Minerva etwas antworten konnte, lagen Hermines Lippen bereits auf ihren. Ihre Hand wanderte zu Minervas Rücken und suchte den Reißverschluss ihres Kleides.
„Hermine…“
„Du hast zu viel an“, hauchte Hermine an ihr Ohr und küsste Minervas Hals, während sie den Reißverschluss langsam öffnete.
„Liebling… Liebling warte…“
Hermine zog sich zurück.
„Was hast du? Wenn du nicht willst…“
„Mein Schatz natürlich will ich, aber ich muss den Bericht fertig machen und abschicken. Wenn ich jetzt mit dir ins Schlafzimmer verschwinde, wird das nichts mehr, so wie ich dich kenne.“
„Tu nicht so“, grinste Hermine. „Du kannst im Bett auch sehr überzeugend sein.“
Minerva lachte.
„Also schön, wie lange brauchst du?“
„Vielleicht 1 bis 2 Stunden.“
„Zu lange“, grinste Hermine und küsste Minerva noch einmal. „Scherz. Ich verstehe dich. Na gut, dann werde ich mich in meine Wohnung schleichen und dort auf dich warten.“
„Du kannst auch einfach hier warten. Ich werde mich beeilen.“
„Das hoffe ich“, antwortete Hermine und zog den Reißverschluss wieder hoch.
Minerva trat einen Schritt zurück.
„Hey! Du willst schon wieder gehen ohne einen ordentlichen Abschiedskuss?“
„Ist das dein Ernst?“
„Oh ja“, antwortete Hermine und trat wieder näher.
Sie legte ihre Hände an Minervas Taille und zog sie an sich. Erst küsste sie Minerva sanft. Dann vertiefte sie den Kuss und er wurde fordernder, verlangender, leidenschaftlicher und Minerva reagierte darauf.
„Liebling, wenn du so weitermachst, wirst du mich irgendwann wirklich noch umbringen“, sagte Minerva, als sie sich schwer atmend von Hermine löste.
„Oh da würde ich mich ja meines Vergnügens berauben“, grinste die junge Frau. „Also gut, ich lasse dich gehen, aber glaub mir, ich komme dich holen, wenn du in 2 Stunden noch nicht zurück bist.“
„Natürlich tust du das“, meinte Minerva amüsiert und verließ ihre Wohnung.
Hermine ging ins Bad und machte sich zurecht. In einem weißen Pullover und einer Jeans kam sie zurück, nahm sich eines von Minervas Büchern über Verwandlung und setzte sich entspannt auf die Couch, um in Ruhe zu lesen.
Die Zeit verging still. Nur das leise Rascheln der Buchseiten und das Ticken der alten Uhr über dem Kamin füllten den Raum. Hermine hatte die Beine unter sich geschlagen, die Stirn leicht in Falten gelegt, während sie eine besonders komplexe Passage über nicht-verbale Transfiguration studierte. Es war eines jener Bücher, in denen Minerva handschriftliche Notizen zwischen die Zeilen gesetzt hatte – elegant, präzise, unverkennbar ihre Schrift. Hermine lächelte, als sie eine Bemerkung las, die Minerva offenbar vor Jahren gemacht hatte: „Unmöglich ist nur das, was man nicht versucht.“
Sie spürte, wie sich Wärme in ihr ausbreitete. Es war merkwürdig beruhigend, von Minervas Gedanken umgeben zu sein, selbst wenn die Frau selbst gerade nicht da war. Hermine vertiefte sich weiter in das Buch, bis die Uhr plötzlich schlug.
Zwei Stunden. Eigentlich hätte Minerva längst zurück sein können. Hermine schloss das Buch und legte es neben sich. Sie stand auf, ging zum Fenster und blickte hinaus in den Hof. Es war still. Wahrscheinlich tummelten sich die Schüler bei diesem nasskalten Wetter lieber in ihren Gemeinschaftsräumen.
„Tja, ich muss wohl mein Versprechen wahr machen“, sagte Hermine zu sich selbst und schlich durch die Tür, die dank eines Durchgangs in Minervas Büro führte. Leise öffnete sie die schwere Eichentür und sah Minerva konzentriert über ein paar Dokumenten sitzend.
„Da bist du ja“, sagte Hermine mit gespieltem Vorwurf.
Minerva hob erschrocken den Kopf.
„Hermine!“ Minerva legte rasch die Feder beiseite und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Um Himmels willen, du hast mich zu Tode erschreckt.“
„Das war Absicht“, grinste Hermine, trat ein und schloss die Tür hinter sich. „Ich hab dir immerhin zwei Stunden gegeben. Und was machst du? Du versinkst in deiner Arbeit und vergisst die Zeit.“
Minerva seufzte, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und musterte sie mit diesem halb tadelnden, halb amüsierten Blick.
„Ich hatte dir gesagt, dass ich noch einiges zu erledigen habe. Manche Dinge erledigen sich leider nicht von selbst, nur weil man eine bezaubernde junge Hexe zuhause warten lässt.“
„Bezaubernd also?“, fragte Hermine schelmisch und ging langsam um den Schreibtisch herum. „Das klingt, als würdest du mich gerade loben.“
„Vielleicht tue ich das ja“, entgegnete Minerva ruhig, auch wenn ein kaum wahrnehmbares Lächeln ihre Lippen umspielte.
Hermine blieb stehen, direkt neben ihr. Ihre Hand glitt über den Rand des Schreibtischs, dann legte sie sie sacht auf Minervas Schulter.
„Vielleicht solltest du dich dann auch ein wenig für dein Zuspätkommen entschuldigen.“
Minerva legte den Kopf leicht schief.
„Ach, wirklich? Und wie stellst du dir das vor?“
„Oh, mir fällt da sicher etwas ein.“
Hermine beugte sich vor, so nah, dass ihr Atem Minervas Wange streifte. Minerva versuchte, Haltung zu bewahren, doch ihre Stimme klang leiser als sonst.
„Hermine, ich arbeite.“
„Das sehe ich.“ Hermine deutete auf die Papiere. „Aber vielleicht brauchst du eine kleine… Pause.“
„Eine Pause?“
„Mhm.“ Sie ließ ihre Finger sachte über Minervas Hals streichen. „Damit du dich wieder konzentrieren kannst.“
Minerva schloss für einen Moment die Augen. Zu kurz, um es Schwäche nennen zu können, aber lang genug, dass Hermine es bemerkte.
Hermine trat hinter Minerva und ließ ihre Hände sanft über ihre Schultern gleiten. Sie beugte sich zu ihr.
„Ich sagte doch, ich würde dich holen“, flüsterte sie an Minervas Ohr und platzierte einen Kuss dicht darunter.
Minerva bekam eine Gänsehaut, als Hermine ihre Arme vor Minervas Brust verschränkte. Sie lehnte den Kopf zurück und sah über ihre Schulter in Hermines Gesicht. Minerva suchte Hermines Blick und was sie dort sah, ließ ihr Herz schneller schlagen. Diese Mischung aus Zärtlichkeit, Selbstbewusstsein und Verlangen, das zwischen ihnen immer wieder aufflackerte.
„Du bist unerträglich, wenn du etwas willst“, sagte sie leise, doch in ihrer Stimme lag kein echter Tadel.
„Dann ist es gut, dass ich gerade nur dich will“, flüsterte Hermine und ließ ihre Lippen sanft an Minervas Hals entlangstreifen.
Ein kaum hörbarer Laut entwich Minervas Kehle und ihre Hände, die eben noch auf den Dokumenten geruht hatten, umklammerten nun leicht die Stuhllehne.
„Hermine…“, begann sie, halb Warnung, halb Bitte.
„Psst“, hauchte Hermine, „keine Ausreden. Du hattest deine Arbeit. Jetzt bin ich dran.“
Minerva schloss für einen Moment die Augen, fühlte die Wärme von Hermines Körper hinter sich, die sicheren, liebevollen Bewegungen ihrer Hände. Eine gefährliche Kombination, der sie kaum widerstehen konnte.
„Du weißt genau, dass ich versuche, vernünftig zu bleiben“, murmelte Minerva, aber ihr Ton war bereits weicher geworden.
„Dann hör auf, vernünftig zu sein“, antwortete Hermine mit einem leisen Lächeln, während sie Minervas Ohrläppchen streifte.
Minerva atmete tief ein, ließ den Kopf wieder sinken und ein leises, kaum merkliches Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Du bist furchtbar“, sagte sie schließlich.
„Ich weiß“, flüsterte Hermine und drückte einen weiteren Kuss an ihren Hals. „Aber du liebst mich trotzdem.“
Minerva drehte leicht den Kopf, gerade so, dass sich ihre Blicke wieder trafen.
„Oh ja“, gab sie zu.
Ein leises, fast unhörbares Klicken der Tür durchbrach die Stille. Minerva blinzelte überrascht.
„Was war das?“
„Ich vermute, dass deine Tür nun verschlossen ist. Nur eine kleine Sicherheitsmaßnahme“, sagte Hermine mit einem verschmitzten Lächeln und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Damit wir ungestört bleiben.“
Minerva sah Hermine an und das Feuer in Hermines Blick war unmöglich zu ignorieren. Sie hob eine Hand, legte sie an Hermines Wange und die Zeit schien für einen Moment stillzustehen.
„Du bist wirklich gerissen“, flüsterte Minerva.
„Und du bist wunderschön, wenn du versuchst, streng zu bleiben“, entgegnete Hermine sanft.
Hermine kniete sich neben Minervas Stuhl, ihre Bewegungen ruhig, bedacht. Der Blick, den sie zu ihr hinauf richtete, war voller Zärtlichkeit, aber auch Entschlossenheit. Minerva spürte, wie ihre Kontrolle ins Wanken geriet. Sie wollte etwas sagen, doch die Worte verloren sich, als Hermine sanft ihre Hand nahm. Minerva ließ eine Hand auf Hermines Wange sinken. Ihre Finger glitten über die vertrauten Konturen, verweilten dort und Hermine beugte sich vor. Ihre Lippen berührten Minervas Haut. Ein zweiter folgte, wärmer, länger verweilend, an ihrer Wange. Minerva schloss die Augen. Als Hermine schließlich aufstand, beugte sie sich über Minerva, so dass ihre Gesichter sich beinahe berührten. Minerva öffnete die Augen und in diesem Blick lag all das, was keine Worte fassen konnten. Dann berührten sich ihre Lippen. Erst sanft und vorsichtig, doch schnell wurden die Küsse feuriger. Während sie einander küssten, zog Hermine die Schulleiterin auf und schob sie sanft gegen den Schreibtisch. Ihre Hände glitten an Minervas Körper entlang. Der Kuss vertiefte sich. Minerva spürte Hermines Entschlossenheit. Hermines Hände ruhten an Minervas Taille und Minerva atmete tief ein, spürte das Zittern, das ihr selbst entkam, als sich Hermines Hände tiefer bewegten.
„Hermine…“, begann sie leise, wollte etwas sagen, ein Einwand, doch Hermine legte nur einen Finger an ihre Lippen.
„Nicht reden“, flüsterte sie. „Nur fühlen.“
Minerva versuchte an dem letzten Funken Vernunft festzuhalten, der ihr sagte, dass dies der falsche Ort war, doch auch in Minerva stieg das Verlangen. Ihre Hand glitt zu Hermines Gesicht, hielt sie fest, als wollte sie sich vergewissern, dass das alles wirklich geschah. Ein Lächeln huschte über Minervas Lippen, als sie das Verlangen in Hermines Augen sah. Sie lehnte die Stirn an Hermines und atmete tief durch.
„Also… wie wäre es, wenn wir wieder zurück in deine Wohnung gehen und… dann mal sehen, was passiert?“
„Mal sehen, ja? Ich denke du hast da schon einen genauen Plan“, meinte Minerva und kniff sanft in Hermines Wange.
„Korrekt Professor.“
Ohne weitere Worte packte Hermine Minervas Handgelenk und zog sie zurück in die Wohnung der Schulleiterin…
„So könnte jeder Tag sein“, seufzte Hermine und zog Minerva in ihre Arme und ließ ihre Hand sanft über Minervas Arm gleiten.
Minerva strich eine zerzauste Strähne aus Hermines Stirn.
„Den ganzen Tag im Bett?“
„Den ganzen Tag mit dir im Bett“, korrigierte Hermine und grinste.
Minerva schüttelte leicht den Kopf, doch das Lächeln, das sich auf ihren Lippen zeigte, verriet, dass sie den Gedanken keineswegs so abwegig fand, wie sie vorgab.
„Du bist unmöglich“, sagte sie, leise lachend.
„Und trotzdem genießt du es.“
„Schlimmer noch“, erwiderte Minerva sanft, „ich gewöhne mich daran.“
Hermine sah sie für einen Moment einfach nur an. Das Feuer im Kamin war beinahe heruntergebrannt, goldenes Licht tanzte über Minervas Gesicht, ließ jede kleine Linie, jedes Zeichen gelebter Jahre weich erscheinen.
„Du siehst wunderschön aus“, murmelte Hermine.
„So? Völlig außer Atem und mit zerzausten Haaren? Du lügst sehr charmant.“
„Soll ich dir nochmal zeigen, wie schön ich dich finde?“
„Verlockend mein Herz, aber wir sollten uns langsam wieder fertig machen. In einer halben Stunde ruft die große Halle oder bist du heute Abend noch mit deiner Liebschaft unterwegs?“
Hermine lachte.
„Ich würde sehr gerne mit dir in diesem warmen Bett bleiben, aber du hast recht. Zum Abendessen bin ich in der großen Halle.“
Minerva strich liebevoll über Hermines Wange. Die junge Frau stützte ihren Kopf auf ihre Hände und sah Minerva an.
„Und nach dem Essen? Zu dir oder zu mir?“
„Die Entscheidung liegt bei dir mein Schatz“, antwortete Minerva und drückte Hermine einen schnellen Kuss auf die Lippen.
Dann setzte sie sich auf und warf ihren Morgenmantel über.
„Ich will kein Wort hören“, sagte Minerva amüsiert, als sie Hermine seufzen hörte.
„Du gönnst mir einfach diese Aussicht nicht“, grinste Hermine.
„Als hättest du mich heute nicht ohne Kleidung gesehen. Ich denke du hattest genug von dieser Aussicht.“
„Davon kriege ich nie genug.“
„Schmeichlerin“, sagte Minerva und stand auf.
Hermine erhob sich ebenfalls und schlüpfte in ihren Pullover und ihre Jeans.
„Sag mal, du kannst doch von hier aus mit dem Flohnetzwerk in jeden Raum kommen.“
„Natürlich.“
„Funktioniert das bei mir auch? Ich meine, dann wäre ich schneller und man würde mich nicht sehen.“
„Du bist raffiniert. Natürlich funktioniert das.“
„Sehr gut. Dann gehe ich und mache mich frisch.“
Hermine trat noch einmal an Minerva heran und küsste sie zärtlich.
„Bis gleich mein Schatz.“
„Bis gleich Liebling.“
Minerva hob ihren Arm und richtete ihn auf den Kamin, als Hermine hineinstieg. Sie lächelten einander noch einmal an und im nächsten Moment war Hermine in den grünen Flammen verschwunden.