LNCrawler

Nur Geduld

Still, You Stayed — www.fanfiktion.de · All chapters

Nur Geduld

Hallo ihr Lieben,

danke für eure lieben Reviews und Nachrichten. Ich freue mich jedes Mal total darüber :D Heut kommt ein nicht ganz so langes Kapitel. Lasst mich gerne wissen, wie ihr es findet ;) Wünsche euch ein schönes Wochenende.

LG, M.

Beim Abendessen in der Großen Halle war die Stimmung lebhafter als sonst. Es roch nach Kürbispasteten, gebratenem Huhn, Kartoffeln und frischem Brot. Hermine nahm wie gewohnt am Lehrertisch Platz. Einige Kollegen, darunter auch Minerva, waren bereits anwesend. Hermine hatte gerade höflich gegrüßt, als sich die Atmosphäre merklich veränderte. Featherstone hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt, ein allzu freundliches Lächeln auf den Lippen.

„Miss Granger“, begann er in einem Ton, der jedem, der ihn kannte, sofort missfiel, „ich hörte, Sie hatten ein… sagen wir, äußerst angenehmes Wochenende.“

Hermines Gabel verharrte in der Luft.

„Oh? So kann man es wohl sagen, ja“, erwiderte sie neutral.

„Wie schön“, fuhr er fort, seine Stimme triefte vor falscher Herzlichkeit. „Es freut mich zu sehen, dass Sie auch außerhalb der Schule Ihr Glück gefunden haben. Das ist wichtig, gerade bei all dem Druck Ihrer Ausbildung. Ich hoffe nur…“, er lächelte schmal, „…dass Ihre Prioritäten dadurch nicht zu sehr verrutschen. Ein Partner kann leicht ablenken.“

Ein kaum merkliches Zucken ging durch Minervas Gesicht, ihre Hand umklammerte den Kelch fester. Hermine legte die Gabel ab, drehte sich zu ihm.

„Ich kann Sie beruhigen, Professor“, sagte sie ruhig, aber mit scharfem Unterton. „Ich bin durchaus in der Lage, zwischen Privatem und Beruflichem zu unterscheiden. Und ich habe nicht vor, in meiner Ausbildung irgendetwas schleifen zu lassen.“

„Das freut mich zu hören“, entgegnete Featherstone, während er scheinheilig nickte. „Es wäre bedauerlich, wenn jemand mit so viel… Potenzial seine Chancen durch Unachtsamkeit verspielen würde.“

Minerva sagte kein Wort – noch nicht, doch ihr Blick hatte sich verengt, kalt und gefährlich wie eine gezogene Klinge. Hermine spürte sie neben sich, diese gespannte Stille, den Zorn, der nur darauf wartete, sich zu entladen. Sie legte kurz ihre Hand unter dem Tisch auf Minervas Knie – kaum merklich, aber genug, um sie zu erden. Featherstone lächelte weiter, zufrieden mit der Unruhe, die er gestiftet hatte. Hermine richtete sich langsam auf, die Augen funkelten ruhig, kontrolliert, aber eindeutig gereizt.

„Ich schätze Ihre Sorge um meine Konzentration, Professor Featherstone“, begann sie mit einem Ton, der glatt und höflich war, aber eine Kälte in sich trug, die jeden Auror hätte aufhorchen lassen, „doch ich kann Ihnen versichern, dass ich mehr als fähig bin, mehrere Dinge gleichzeitig zu meistern. Eine Fähigkeit, die man als Lehrerin braucht und die nicht jeder hat.“

Ein kurzes, ersticktes Husten von Pomona. Horace schob sich eilig einen Schluck Kürbispastete in den Mund, um sein Unbehagen zu verbergen. Featherstone jedoch lehnte sich zurück, sein Lächeln wurde schmaler.

„Nun, Miss Granger“, entgegnete er, „eine gewisse Arroganz steht Ihnen gut. Aber ich würde Ihnen raten, sich in Gegenwart Ihrer Vorgesetzten zu mäßigen. Selbst die brillantesten Schüler können tief fallen – besonders, wenn sie glauben, unantastbar zu sein.“

Es war stiller geworden in der Halle. Selbst ein paar Schüler aus den vorderen Reihen schauten auf. Hermine öffnete den Mund, doch bevor sie etwas sagen konnte, legte sich eine klare, feste Stimme über das Gemurmel.

„Edmund“, sagte Minerva ruhig, doch die Schärfe in ihrer Stimme ließ selbst die Luft zwischen ihnen erzittern.

„Ich würde dich bitten, solche persönlichen Anmerkungen gegenüber einer Kollegin zu unterlassen. Hermine hat in den vergangenen Wochen mehr Engagement und Disziplin gezeigt als so mancher voll ausgebildete Lehrer.“

Featherstone erstarrte. Ein hörbares Raunen ging durch den Lehrertisch. Minerva hob ihr Weinglas, als wäre nichts geschehen und fügte mit einem kühlen Lächeln hinzu:

„Und nun, sollten wir uns wieder dem köstlichen Essen widmen.“

Featherstone zwang sich zu einem starren, steifen Lächeln, während er sich seinem Teller zuwandte. Hermine aber sah Minerva mit dieser Mischung aus Stolz, Zuneigung und leiser Bewunderung an. Minerva nahm einen Schluck, stellte das Glas ab und begann ihr Abendessen zu genießen.

Die angespannte Stille hielt noch einige Minuten an, ehe das leise Klirren von Besteck und vereinzelte Gespräche langsam zurückkehrten. Hermine zwang sich, ruhig zu atmen, doch ihr Herz schlug noch immer schnell. Featherstones Worte hallten in ihrem Kopf nach, aber stärker war das Gefühl, das Minervas Eingreifen in ihr ausgelöst hatte. Sie hatte nicht nur Partei für sie ergriffen. Sie hatte ihn regelrecht in seine Schranken verwiesen. Ein kurzer Blick nach rechts genügte: Minerva saß da, als wäre nichts geschehen, die Schultern gerade, die Miene gelassen. Nur wer sie kannte, konnte das kaum wahrnehmbare Muskelzucken an ihrem Kiefer erkennen. Featherstone schwieg für den Rest des Abends, doch seine Haltung, die steifen Schultern und die verkrampfte Hand am Kelch, verrieten, dass die Fassade bröckelte. Hermine spürte, dass dies nicht sein letztes Wort gewesen war, aber sie war sich auch sicher: Beim nächsten Mal würde er es sich zweimal überlegen, bevor er sie öffentlich herausforderte.

Nach dem Abendessen verließen die Schüler und auch Lehrer nach und nach die Große Halle.

Featherstone ging mit betont gemessenen Schritten, doch Hermine konnte sehen, wie angespannt sein Kiefer war. Pomona und Poppy warfen sich vielsagende Blicke zu, während Minerva aufstand, ihre Serviette ordentlich zusammenlegte und ohne ein Wort den Saal verließ. Hermine wartete noch einen Moment, dann stand auch sie auf und folgte ihr. Im Korridor vor der Halle holte sie sie ein.

„Minerva!“

Minerva blieb stehen, drehte sich halb um. Ihr Blick war beherrscht, aber die Spannung stand ihr deutlich in den Schultern.

„Hermine“, sagte sie in einem förmlichen Ton.

Hermine verschränkte die Arme, hob eine Augenbraue.

„Ach komm, jetzt fang bitte nicht mit dieser distanzierten Förmlichkeit an.“

Minerva sah sich kurz um. Der Gang war leer. Sie seufzte leise.

„Ich wollte nur vermeiden, dass jemand etwas… hineininterpretiert.“

„Was? Dass du mich verteidigt hast?“ Hermine trat näher, senkte die Stimme. „Er hat es verdient und das weißt du.“

Minerva nickte, doch ihr Blick wich für einen Moment zur Seite.

„Vielleicht, aber ich hätte diplomatischer reagieren können. Solche offenen Auseinandersetzungen sind… riskant.“

„Diplomatisch?“ Hermine schnaubte leise. „Er hat mich öffentlich provoziert und du hast ihn genau richtig in die Schranken gewiesen. Ich fand’s ehrlich gesagt herrlich.“

Minerva konnte nicht verhindern, dass sich ein winziges Lächeln an ihre Lippen schlich. „Herrlich, ja? Du findest es also… amüsant, wenn ich die Contenance verliere?“

„Ich finde es wunderbar, wenn du zeigst, dass du nicht nur die unantastbare Schulleiterin bist, sondern auch eine Frau, die sich nicht alles gefallen lässt.“

Hermine trat noch einen Schritt näher, ihre Stimme weicher.

„Und… eine Frau, die mich liebt.“

Minerva sah sie an – dieser Blick, halb Strenge, halb Zärtlichkeit, den Hermine so gut kannte.

„Du bringst mich noch um den Verstand, weißt du das?“

„Das hoffe ich.“ Hermine lächelte, lehnte sich kurz gegen die Wand und fügte dann leiser hinzu:

„Ich wollte dir übrigens danken. Nicht nur für das, was du gesagt hast, sondern weil du immer hinter mir stehst, auch wenn es dich einiges kostet.“

Minerva schwieg einen Moment, dann hob sie die Hand und strich Hermine sacht eine Haarsträhne hinters Ohr.

„Manchmal frage ich mich, ob du dir überhaupt bewusst bist, wie gefährlich das für uns beide ist.“

„Jeden Tag“, sagte Hermine sanft. „Und ich würde es trotzdem wieder tun.“

Ein leises Seufzen entwich Minerva. Sie senkte kurz den Blick, dann flüsterte sie:

„Ich hoffe, du weißt, was du mir bedeutest, Hermine.“

„Nach heute? Auf jeden Fall“, grinste Hermine.

Minerva verdrehte die Augen.

„Du weißt genau, was ich meine.“

„Ich weiß es.“

Hermine griff Minervas Hand und hielt sie fest.

„Aber du musst mir auch glauben, dass du mir nichts beweisen musst. Schon gar nicht vor so jemandem wie Featherstone.“

Minerva nickte, ließ ihre Finger langsam aus Hermines gleiten.

„Ich werde versuchen, daran zu denken.“

„Wann kommst du?“, flüsterte Hermine.

„Ich muss diesen Bericht fertigbekommen. Ich wurde vorhin leider ein wenig abgelenkt.“

Hermine grinste.

„Es war doch sicher eine angenehme Ablenkung.“

„Mehr als angenehm. Allerdings brachte das meinen Zeitplan durcheinander.“

„Wie lange wirst du brauchen?“

„Ich werde mich beeilen.“

„Gut“, sagte Hermine leise, lächelte und drückte ihre Hand ein letztes Mal, bevor sie auseinander gingen.

Featherstone trat eine Weile nach dem Verlassen der Großen Halle in sein Büro, die Tür hinter sich schließend. Die Behaglichkeit des Raumes – das schwere Leder der Sessellehne, das gedämpfte Licht – stand in scharfem Kontrast zu der inneren Unruhe, die ihn trieb. Er ließ sich nicht sofort nieder. Stattdessen blieb er am Fenster stehen und blickte auf den grauen Schulhof, den Regen, die schlanken Umrisse der Türme. Er dachte an das Abendessen. An Hermines Erwiderung auf seine Spitze, Minervas Zurechtweisung, das Bild von Hermine, die am Arm eines anderen Mannes gelacht hatte, so selbstverständlich, so wirklich, dass es den Raum verändert hatte. Ein Bild, das ihm nun Unruhe bereitete.

Zuerst – sinnierte er leise, halb zu sich selbst –, habe ich es so gesehen: ein junges, ehrgeiziges Mädchen, das sich anbiedert, um sich zu verbünden. Eine junge Frau, die Schutz sucht, um daraus Vorteile zu ziehen. Das hätte sich gefügt: McGonagall, als mächtiger Hebel; Granger, als diejenige, die man lenkt. Ein einfaches schachmatt, wenn das herauskommen würde.

Doch die Wirklichkeit war komplizierter. Das Spiel, das Hermine gespielt hatte, war… beeindruckend. Zu beeindruckend, um bloßes Täuschen zu sein und dann dieser Caleb: ruhig, höflich und vor allem öffentlich präsent. Die Inszenierung war so sauber, so lückenlos, dass jeder Angriffsversuch sofort als boshafte Einbildung oder schlimmer noch, als Neid ausgelegt werden konnte.

Featherstone ließ sich endlich in den Sessel sinken, die Finger aneinandergelegt. Ein langsames, kalkulierendes Lächeln erschien und verschwand. Nicht das ungehemmte Vergnügen des Mannes, der eine Figur zermürbt sieht. Eher die sorgsame Überlegung eines Strategen, der seine Optionen neu ordnen muss.

„Also nicht frontal“, murmelte er. „Zu offensichtlich und sie verschließen sich. Zu öffentlich und die Sympathien schlagen weiter gegen mich aus.“

Er dachte an Minervas Blick, an den Stolz, der in dessen Kälte lag. An die Art, wie sie ihn im Speisesaal zerschlug – nicht mit Wut, sondern mit Präzision. Seinen üblichen Wegen fehlte nun die Wirkung: Andeutungen, Gerüchte streuen, resignative Bemerkungen — all das würde bei einer Frau wie Minerva entweder abperlen oder sie lediglich in den Besitz einer noch stärkeren Rechtfertigung treiben.

Er stand auf, ging zum niedrigen Regal, zog eine dunkle Mappe hervor und blätterte erneut darin. Protokolle, lose Notizen, ein paar Namen. Es war der letzte Abend, um noch etwas herauszulesen. Die Mappe musste heute noch zurückgeschickt werden. Seine Finger blieben an einem Blatt haften, das eine Notiz über alte Verbindungen zwischen bestimmten Mitgliedern des Lehrkörpers und dem Ministerium enthielt.

Indirekter Druck, dachte er. Nicht die Liebenden angreifen — die darunter liegenden Beziehungen. Ziehe an den Rädchen, die sie abhängig machen. Ein Gerücht hier, eine Erinnerung dort, gezielt platzierte Verbindungen zu Personen, die sich an Formalitäten hängen.

Und noch etwas anderes flackerte in seinem Geist auf: Er wollte nicht nur die Schulleiterin treffen, sondern auch Hermine Granger selbst. Würde sie nervös werden, wenn man Unstimmigkeiten in ihrem Lebenslauf hervorhob? Würde eine vermeintlich harmlose Nachfrage beim Ministerium oder das falsche Verständnis über ihre Kontakte Unruhe stiften? Wenn er Minerva nicht direkt treffen konnte, konnte er die Institution treffen, die ihr Rückgrat bildete. Ein bisschen Zweifel am System genügt, um selbst die stärksten Seile zu durchsägen.

Featherstone lächelte jetzt ohne Wärme. Subtilität, sagte er sich. Manchmal ist eine Dosis Bürokratie schärfer als jede öffentliche Demütigung. Er notierte Namen, Termine und mögliche Ansprechpartner.

Zufrieden legte er die Feder zur Seite, stand langsam auf und trat noch einmal ans Fenster. Unten schlenderten die Professoren Peckson, Sprout und Slughorn vorbei, lachend und nichtsahnend. Featherstone drehte sich um, die Kiefermuskeln angespannt.

„Gut“, flüsterte er, halb zu sich, halb zum leeren Zimmer. „Wenn man nicht durch die Tür kommt, dann bleibt der Druck im Mauerwerk. Wenn Minerva standhaft ist, dann zerreißen wir nicht sie — wir zermürben das Umfeld, in dem sie steht. Wir machen aus Sympathie eine Last, aus Vorsicht ein Zweifel.“

Sein Plan wurde langsam methodisch, kalt. Nicht ein triumphaler Schlag, sondern eine Serie kleiner, unauffälliger Schritte. Die Kunst des Geduldszugs.

Draußen fiel der Regen weiter. Featherstone faltete die Hände. Für ihn war nichts endgültig verloren, nur verschoben. Und während die Flammen der Kerzen hinter ihm flackerten, bereitete er die ersten, wohlgesetzten Bewegungen vor, mit denen er versuchte, Minerva und Hermine wieder angreifbar zu machen. Nur dieses Mal auf eine Art, die keiner sofort als Angriff bezeichnen würde.

Am späten Abend klopfte es an Hermines Tür. In einem bequemen, warmen Strickkleid öffnete sie die Tür.

„Da bist du ja endlich“, sagte sie lächelnd, packte Minerva am Arm, zog sie in ihre Wohnung und küsste sie.

„Eine stürmische Begrüßung mein Schatz“, sagte Minerva.

Hermine streichelte zärtlich über ihre Wange.

„Ich freue mich einfach, dass du hier bist.“

„Das klingt gerade so, als hätten wir uns tagelang nicht gesehen.“

„Stunden können sich manchmal wie Tage anfühlen“, sagte Hermine, nahm Minervas Hand und setzte sich mit ihr auf das Sofa.

Sie schwang ihren Zauberstab und im nächsten Moment schwebten zwei Gläser Wein herbei.

„Ich dachte, den könntest du brauchen.“

Minerva lächelte.

„Sehr aufmerksam. Da hast du nämlich nicht ganz unrecht.“

„Bist du fertig mit deinem Bericht?“

„Ja. Er ist bereits auf dem Weg ins Ministerium.“

„Worum ging es eigentlich?“

„Lass uns das ein anderes Mal besprechen. Ich würde den Abend gerne entspannt ausklingen lassen“, sagte Minerva und streichelte sanft durch Hermines Haar.

Sie stießen an und tranken einen Schluck Wein.

„Entspannt?“, grinste Hermine und legte ihre freie Hand auf Minervas Oberschenkel.

Minervas Hand glitt über Hermines Wange und sie beugte sich vor.

„Sehr entspannt“, hauchte sie und küsste Hermine sanft.

„Na dann…“, Hermine nahm einen weiteren Schluck Wein und stellte ihr Glas zur Seite.

Minerva tat es ihr gleich und wurde im nächsten Moment auch schon auf die Beine gezogen.

„Hermine…“

„Du wolltest dich doch entspannen“, grinste Hermine. „Ich habe da etwas, das sehr entspannend ist. Der Wein läuft uns nicht weg“, grinste Hermine und zog Minerva mit sich in ihr Schlafzimmer…