Ein Abend voller Überraschungen
Ein Abend voller Überraschungen
Hermine machte sich frisch, bevor sie in die große Halle zum Abendessen ging. Sie trug eine weiße Bluse, einen dunkelbraunen knielangen Rock, eine ebenfalls dunkelbraune Weste und schwarze Schuhe, die einen kleinen Absatz hatten. Ihre braunen Haare hatte sie seitlich zurückgesteckt. Nur links und rechts umspielten ein paar einzelne Haarsträhnen ihr Gesicht. Sie prüfte noch einmal ihr dezentes Make-up und machte sich dann auf den Weg in die große Halle.
Als sie die große Halle betrat, wurde sie von einem warmen Licht empfangen, das von den vielen Kerzen ausging, die in der Luft schwebten. Sie ging an den langen Haustischen entlang und stieg die Stufen bis zum Lehrertisch hinauf. Zu ihrer Verwunderung traf sie dort zunächst nur Professor Flitwick an, der neben dem verkürzten Tisch stand. Natürlich machte es Sinn an einem kleineren Tisch zu essen, wenn nicht alle Professoren anwesend waren.
„Guten Abend Professor“, sagte sie freundlich.
„Guten Abend Miss Granger. Sie sehen bezaubernd aus.“
Hermine wurde ein wenig rot auf den Wangen.
„Haben Sie sich denn schon eingerichtet?“
„Ja ein wenig. Es ist noch ungewohnt, wieder eine ganze Wohnung für mich zu haben. Die meiste Zeit hatte ich nur ein Zimmer oder schlief in einem Schlafsaal.“
„Das verstehe ich. Sie werden sich sicher schnell daran gewöhnen. Nun müssen Sie mich leider entschuldigen. Ich habe noch einiges zu erledigen.“
„Du wirst also mit mir vorliebnehmen müssen“, sagte Minerva, die gerade zu ihnen kam.
Filius Flitwick verschwand durch eine Seitentür und ließ die beiden Frauen allein. Minerva setzte sich auf ihren Platz. Hermine hatte nun die Wahl, ob sie sich neben sie oder ihr gegenübersetzen wollte.
„Das ist mir eine große Freude Minerva“, antwortete Hermine, bevor sie sich selbst bremsen konnte und setzte sich an den Tisch. Sie wählte einen Platz neben Minerva, die ihr ein herzliches Lächeln schenkte.
„Es wird sicher eine interessante Erfahrung, dich als Kollegin statt als Schülerin hier zu haben. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“
Hermine nickte zustimmend.
„Ich auch. Es ist eine große Umstellung, aber ich bin gespannt auf die neuen Herausforderungen.“
„Oh da hast du mehr als recht“, sagte Minerva. „Es kann eine große Umstellung sein, von einer Schülerin zur Lehrerin zu werden. Zwischen meinem Abschluss und dem Beginn hier als Lehrerin zu arbeiten, lagen bei mir ebenfalls nur drei Jahre. Ich kannte einige Schülerinnen und Schüler noch von meiner eigenen Schulzeit und natürlich waren die meisten meiner Professoren noch im Amt.“
„Das muss wirklich eine merkwürdige Erfahrung gewesen sein“, sagte Hermine nachdenklich. „Ich kann mir vorstellen, dass es nicht ganz einfach ist, die Rolle zu wechseln und plötzlich Autorität gegenüber Menschen auszuüben, die man vorher als Gleichgestellte betrachtet hat.“
„Ja, es war eine Herausforderung“, stimmte Minerva zu. „Aber es hat mir auch geholfen, ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Perspektiven der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln. Ich denke, das wird dir ebenso zugutekommen.“
Hermine lächelte dankbar.
„Ich hoffe es. Ich möchte meinen Beitrag leisten, um den Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten.“
Minerva nickte zustimmend.
„Mit deiner Einstellung und deinem Engagement wirst du das sicherlich tun. Und wenn du jemals Rat oder Unterstützung brauchst, zögere nicht, zu mir zu kommen.“
„Das werde ich“, versprach Hermine. „Danke, Minerva.“
Vor ihnen erschien nun das Essen. Vor ihnen stand nun Salat, eine Platte mit verschiedenen Pasteten aus Kürbis und Fleisch, eine Auswahl an Steak und Hähnchen, Pellkartoffeln, Erbsen, Karotten und Soße. Hermine machte große Augen.
„Die Hauselfen meinen es wohl sehr gut mit uns“, meinte sie.
„Du kennst es sicher noch. Sie kochen immer viel zu viel und möchten alles richtig machen. Deshalb sollten wir jetzt anfangen, bevor das Essen kalt wird.“
Hermine nickte.
„Guten Appetit“, sagte Hermine.
„Lass es dir schmecken.“
Während sie aßen und Wein tranken, sprachen sie über die vergangenen Jahre. Minerva erzählte von einigen Chaoten, die Hermine bald kennenlernen würde. Hermine berichtete von ihrem Studium und erzählte Minerva von einigen Ideen, die sie für ihren Unterricht hatte.
Zum Nachtisch brachten die Hauselfen Pudding und Törtchen.
„Wenn ich noch mehr esse, platze ich“, sagte Hermine lächelnd und legte ihren Löffel zur Seite.
Minerva lachte auf.
„Du wirst dich schon wieder an das viele Essen gewöhnen. Was würdest du von einem Spaziergang halten? Ich mache das häufig nach dem Essen.“
„Sehr gerne.“
Die beiden Frauen standen auf und verließen den Speisesaal. Sie gingen langsam durch die Gärten von Hogwarts, die im Mondlicht schimmerten. Der Abend war kühl, aber angenehm, und die Luft war erfüllt von dem Duft der blühenden Pflanzen.
„Es ist so schön hier“, sagte Hermine leise und sah sich um. „Ich hatte ganz vergessen, wie friedlich es in Hogwarts sein kann.“
Minerva lächelte. „Ja, das ist einer der vielen Gründe, warum ich hiergeblieben bin. Es gibt keinen Ort wie diesen.“
Sie spazierten weiter und sprachen über Hermines Pläne für die Zukunft und die Herausforderungen, die vor ihr lagen. Minerva gab Hermine wertvolle Ratschläge und ermutigte sie, neue Ideen auszuprobieren und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen.
„Du wirst eine großartige Lehrerin sein“, sagte Minerva schließlich. „Ich bin sicher, dass die Schüler viel von dir lernen werden.“
Hermine fühlte sich gestärkt und dankbar für Minervas Unterstützung. Sie wusste, dass sie in Hogwarts einen Ort gefunden hatte, an dem sie sich entfalten und wachsen konnte. Hermine erwischte sich immer wieder, wie sie Minerva von der Seite anstarrte, während sie nebeneinanderher gingen. Sie wünschte sich so sehr, einfach ihre Hand zu ergreifen, sie in den Arm zu nehmen, sie zu küssen…
Doch sie wusste, dass das nicht möglich war. Minerva war ihre Mentorin, eine Person, die sie respektierte und bewunderte. Hermine unterdrückte ihre Gefühle und konzentrierte sich darauf, die Zeit mit Minerva zu genießen und aus ihren wertvollen Ratschlägen zu lernen.
Schließlich erreichten sie den Rand des Sees, wo das Wasser still und dunkel im Licht des Mondes lag. Sie hielten inne und blickten auf die Oberfläche, die sanft die Reflektion des Nachthimmels trug.
„Es ist doch immer wieder schön den See bei Nacht zu sehen.“
Minerva sah Hermine verwundert an.
„Ups“, meinte Hermine verlegen.
Minerva sah Hermine auffordernd an
„Naja also… Es kam da gelegentlich vor, dass wir…“
„Wie hätte es auch anders sein können“, meinte Minerva. „Ihr drei habt euch bekannterweise nicht immer an Regeln gehalten.“
„Nein, nicht immer und manchmal haben wir Grenzen überschritten.“
Die Worte waren über Hermines Lippen, bevor sie richtig darüber nachgedacht hatte. Vorsichtig sah sie zu Minerva auf. Ihr Gesicht wurde vom Mondlicht sanft angestrahlt. Hermines Herz schlug höher, doch in den Augen der Schulleiterin sah sie, dass sie verstanden hatte, was Hermine gemeint hatte.
„Es ist Zeit, zurückzugehen“, sagte Minerva sanft. „Wir haben morgen viel vor.“
Hermine nickte und folgte Minerva zurück in die Schule.
Zurück in ihrem Zimmer konnte Hermine nicht aufhören, an das Gespräch mit Minerva zu denken. Sie hatte erkannt, dass sie es wusste. Minerva erinnerte sich auch noch an ihren letzten Abend in Hogwarts. Es fühlte sich seltsam an, denn Hermine konnte ihren Blick nicht deuten. Hatte sie nur an diesen Abend gedacht oder wusste sie, dass sie noch Gefühle für Minerva hatte? Hermine versuchte diese Gedanken beiseitezuschieben. Sie musste versuchen, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Sie ließ den Blick über ihre alten Bücher schweifen, die sie an ihre Schulzeit erinnerten.
Minerva lief aufgewühlt in ihrer Wohnung herum. Sie hatte Hermines Worten genau zugehört und musste unweigerlich an ihren letzten Abend mit Hermine denken. Dieser eine kurze Moment hatte sie damals wochenlang verfolgt. Wenn sie ehrlich war, hatte es nie aufgehört daran zu denken. Wie gerne hätte sie ihren Gefühlen nachgegeben, doch es war falsch. Damals war es falsch und heute auch. Hermine musste darüber hinweg sein. Sonst hätte sie sich wohl kaum so freundschaftlich mit ihr unterhalten. Minerva musste nun endlich auch darüber hinwegkommen. Sie war nun ihre Vorgesetzte und um so vieles älter.
Den Rest der Nacht fand Hermine keinen Schlaf. Sie wälzte sich hin und her, unfähig, ihre Gedanken zu beruhigen. Schließlich entschloss sie sich aufzustehen und ein wenig in der Bibliothek zu lesen, in der Hoffnung, dass die vertraute Umgebung sie besänftigen würde. Sie zog sich einen warmen Umhang über und schlich leise durch die dunklen Gänge von Hogwarts.
In der Bibliothek angekommen, suchte sie sich einen gemütlichen Platz und öffnete ein altes Buch, dessen Seiten den Duft von Abenteuer und Wissen verströmten. Doch ihre Gedanken schweiften immer wieder zu Minerva ab. Wie konnte sie nur so dumm gewesen sein, ihre Gefühle zu offenbaren?
Währenddessen saß Minerva ebenfalls wach in ihrem Büro. Sie starrte aus dem Fenster und konnte den Mond am Himmel sehen. Die Erinnerung an Hermine ließen ihr keine Ruhe. Sie wusste, dass sie als Schulleiterin professionell bleiben musste, doch ihr Herz wollte etwas anderes.
In der stillen Nacht, getrennt durch die Mauern von Hogwarts, kämpften beide Frauen mit ihren Gefühlen. Was die Zukunft für sie bereithielt, wussten sie nicht, aber eines war sicher: Die Vergangenheit würde sie nicht so leicht loslassen.
In diesem Moment schlugen irgendwo in der Ferne die Uhren von Hogwarts und verkündeten leise Mitternacht. Hermine schloss kurz die Augen, atmete tief durch und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Ein leiser Windhauch strich durch das offene Fenster der Bibliothek und ließ die Kerzenflamme flackern – ein Zeichen der Unruhe, das Hermines innere Zerrissenheit widerspiegelte.
Zur gleichen Zeit legte Minerva endlich ihren Federkiel beiseite und rieb sich müde die Schläfen. In den letzten Stunden hatte sie nichts Vernünftiges zustande gebracht. Sie schrieb immer wieder denselben Brief und zerriss ihn aber gleich wieder. Ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. Sie musste sich zusammenreißen. In ihrem Inneren wusste sie, dass es keinen einfachen Weg geben würde. Manchmal war es schwerer, das Herz zum Schweigen zu bringen, als einen Zauber zu wirken.
Für beide Frauen war es nun Zeit, ins Bett zu gehen, doch keine konnte einen friedlichen Schlaf finden.
Stattdessen lag Hermine wach und starrte an die Decke, während die Gedanken wie unstete Schatten durch ihren Kopf zogen. Selbst die vertrauten Bücher konnten ihr keine Ruhe schenken. Es war, als würde jede Seite eine Erinnerung bergen, die ihr Herz schwer machte. Die Sehnsucht nach Klarheit ließ sie nicht los und zugleich fürchtete sie, was ein offenes Gespräch mit Minerva ans Licht bringen könnte.
Minerva hingegen lauschte dem leisen Ticken der Uhr in ihrem Schlafzimmer, während der Mond ein silbriges Muster auf den Boden zeichnete. In ihrem Inneren rang sie um Fassung und versuchte, die Fassade der Stärke aufrechtzuerhalten. Doch der Gedanke an Hermine ließ ihr Herz schneller schlagen und für einen Moment gestattete sie sich, zu hoffen, dass vielleicht doch irgendwann ein neues Kapitel für sie beide beginnen könnte.